Nr. 217 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhchen)
Dienstag, 17.$eptcmberl955
Heimkehr derAürnberg-Fahrer der Gießener SA
Der Aufmarsch der Fahnengruppe vor dem Standartengebäude. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)
gründet seinen Anspruch auf die geogra-
wegen gi phische &
unbegrenzten Geldmitteln: welcher kultivierte Mensch hat nicht von den geistigen Möglichkeiten eines solchen Paradieses geträumt? An derlei Dinge hat aber Rockefeller nicht gedacht. NurdreiBücher, immer dieselben, haben für ihn nie an Jntersse verloren: die Bibel, ein Band Erläuterungen zur Bibel für den täglichen Gebrauch und die Predigten des Reverend Jowett. Täglich nach dem Frühstück werden ihm aus einem dieser drei Bücher einige Seiten vorgelesen. Er hört aufmerksam zu, läßt manche Stellen wiederholen und geht dann einige Minuten schlafen...
Schwedische, holländische und anglo-russische Gesellschaften und russische Staatsunternehmungen sind am Abbau beteiligt bzw. beteiligt gewesen. Der auf Spitzbergen vorkommende Gips, Marmor, Phosphat, Asbest, einige Eisenerze haben den Aufschwung nicht gefördert. Marmorgewinnunq scheitert an der Spältigkeit des Gesteins, und der Abbau von Phosphat durch eine schwedische Gesellschaft am Nordfjord war nur von kurzer Dauer."
Haber, einem richtigen Bücherwurm, bekannt ge- worden. Rockefeller wußte, daß er es mit einem verschwiegenen, am Geschäft desinteressierten Men- chen und guten Juristen zu tun hatte, und holte ich gern bei ihm Rat, ohne sich jedoch jemals für eine Bücher zu interessieren. Eines Tages fiel ihm indessen die Menge von Büchern auf, und er fragte einen Freund: „Machen Ihre Schmöker Sie glücklich?" Und auf die bejahende Antwort des Bibliophilen bemerkte John D.: „Das einzige, was mir Vergnügen macht, ist Dividenden einzustecken!"
Fast ein halbes Jahrhundert Muße mit praktisch
dartengebäude wurde die große Marschkolonne der Nürnberg-Fahrer, gefolgt von den Stürmen des Sturmbanns II, von einer großen Menschenmenge begleitet und von vielen weiteren Volksgenossen, die zu beiden Seiten der Marschstraßen standen, oder aus den Fenstern ihrer Wohnungen Zeugen des eindrucksvollen Ereignisses waren, begrüßt. Es war eine durch gleiche Willensrichtung und gleiche Tat- und Opferbereitschaft engoerbundene Gemein- schäft, die auch bei dieser Gelegenheit wieder öffentlich bekundet wurde.
Dor dem Standartengebäude drängte sich viel Volk zusammen, um hier dem Abschluß der Nürnberg-Fahrt unserer Gießener SA. beizuwohnen. Nachdem die Marschkolonnen durch das dichte Spalier der Männer und Frauen, von Jung und Alt, marschiert waren und auf dem Platze des Standartengebäudes Aufstellung genommen hatten, erlebten die Hunderte von Männern und Frauen den denkwürdigen Ausklang der schlichten, eindrucksvollen abendlichen Feier mit der nachstehenden Ansprache von
Standartenführer Lutter:
SA.-Kameraden!
Der dritte Reichsparteitag seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus liegt hinter uns. Wer das Glück gehabt hat, Parteitage mitmachen zu können, muß eingestehen, daß der die s j ä h • rige Reichsparteitag wohl das schönste Erlebnis für den SA.-Mann gewesen ift
3m vorigen Jahre, als die schwarzen Stunden über der SA. lagen, als unsere Feinde frohlockten: „3eht ist es aus mit der SA." hat der Führer gesagt: „wer die SA. beleidigt, beleidigt mich." Die SA.-wänner
Go lebt ein amerikanischer Milliardär
Aus dem Tageslauf des Petroleumkönigs Rockefeller. Don R. Eourau.
in das Herz des Beschauenden dringt. Mit einem Wort: je größer die Freude ist am künstlerischen Genuß.
Es ist kein Zufall, daß der Begriff „Kraft durch Freude" von den Männern des Dritten Reiches geschaffen wurde, und daß unter diesem Begriff eine der gewaltigsten sozialen Kulturideen in die Tat umgesetzt wurde, eine Tat, die die ehrliche Bewunderung der übrigen Welt erregt (so weit diese zu objektiver Beurteilung fähig und willens ist). Erstrebt aber dieses hehre Werk vor allem die Einbeziehung von Millionen wenig bemittelter Volksgenossen in alle Aeuherungen des gesamtdeutschen Lebens, so sollte das Wort „Kraft durch Freude" darüber hinaus allen künstlerisch Schaffenden eine ständige Mahnung sein an die große Verantwortung, die sie dem Volksganzen gegenüber haben.
Unter allen Kunstzweiaen ist Der Film derjenige, der zugleich in seiner Wirkunasgrundlage sich immer breiter über das Volk ausoehnt und es nahezu
teresies. Die Bildungen aus der Steinkohlenzeit und das Kohlenvorkommen in Kreideschichten sind wirtschaftlich nicht sehr bedeutend, doch damit sind die Kohlenschätze der Insel nicht erschöpft. „Der Haupt- wert beruht auf tertiärer Kohle, die unserer Braunkohle zeitlich verwandt, in ihrem Aussehen aber mehr der Steinkohle ähnlich ist. An mehreren Stellen der Westgebiete lagernd, ist sie bisher am meisten abgebaut worden. Diese Kohle eignet sich gut zur Kesselfeuerung und kommt im Heizwert der Steinkohle nahe."
Vor etwa zwanzig Jahren wurde die Menge der hier vorhandenen Kohlen aus 4 bis 5 Milliarden Tonnen geschätzt; die Kälte, in der mehrere hundert Meter tief das Wasser gefroren ist, so daß keine Wasserführung gebaut zu werden braucht, erleichtert den Abbau. Die hier angesiedelten Bergleute, die in meist einstöckigen Holzhäusern wohnen, haben einen eigenen Kaufladen, ein Postamt, eine Sendestation, Aufbereitungsanlagen, Förderstollen, Maschinenschuppen und in dem primitiv ausgebauten Hafen eine Verladebrücke. Die Haupthemmnisse eines raschen Aufblühens dieser Siedlungen liegen in den klimatischen Verhältnissen, die dem Abbau große Schwierigkeiten bereiten. Unter hohen Betriebskosten versucht man in der kurzen Sommer- zeit so viel wie nur irgend möglich zu fördern, um den Wettbewerb der billigen englischen Kohle ertragen zu können. An vielen Stellen ruht die Förderung allerdings wieder oder ist sie wesentlich eingeschränkt worden; nur Green Harbour im Eisfjord macht dem äußeren Eindruck nach eine Ausnahme, da sich hier das Interesse des an das Eismeer anstoßenden Rußland bemerkbar macht, für das die Kohlen Spitzbergens trotz der erwähnten Schwierigkeiten auch größere Bedeutung haben.
Der Aufschwung der Kohlenförderung hatte ein politisches Eingreifen Norwegens zur Folge gehabt, dem im Vertrag zu Sövres 1920 die herrenlose Inselgruppe zugesprochen wurde. 1915 wurde sie bann als Svalbard dem Lande einverleibt. „Nor-
Film als Lebensfreude.
Don Max Ingolf.
Ein Blick auf die zur Zeit vorliegenden Produk- tionssolgen der deutschen Filmindustrie läßt erkennen, daß diesmal die Filmstoffe mit einer Sorgfalt und mit spürbarem Verantwortungsgefühl ausgesucht wurden wie kaum je zuvor. Und wenn auch jedem großen Wollen, jedem geplanten Werke erst die gelungene Tat krönendes Diadem, erst die vollendete Gestalt Kraft und wirkendes Leben sein kann, so ist doch der schöne Wille zu begrüßen und anzuerkennen, die Kunst der Leinwand — und von einer solchen können wir ja bereits ehrlich sprechen — zu einem bedeutsamen Erziehungs- und Werbemittel deutschen Kulturlebens zu formen, ihr Aufgaben anzuvertrauen, deren rechte Lösung unser Volk bereichern und sein Ansehen nach außen in ungeahntem Maße fördern wird.
Je schwerer der politische, wirtschaftliche unb geistige Kampf eines Volkes ist, um so wesentlicher ist das Einströmen neuer Kraftquellen durch Erlebnisse, die Freude und Schönheit ins Dasein tragen. Wo ein Volk bis zur äußersten Anspannung ringt mit allen dunklen Mächten in ihm und um es herum, wo nur durch stahlharte Führung und gläubigen Zusammenschluß aller der leiblich-sichtbare und der geistig-sittliche Lebensraum der Nation für alle Zukunft. gesichert werden kann und auch dann immer wieder von neuem geschützt werden muß, da ist es nicht möglich, Lebensmut und Siegeswillen wachzuhalten in Millionen schaffender Menschen, ohne ihrem Alltag durch kleine und große Freuden mancherlei Art Licht und Wärme zu geben.
Zwei Dinge geben dem deutschen Menschen dieses Licht und diese Wärme: der überquellende Reichtum unserer Heimat mit ihrem vielgestaltigen Zauber und das Werk der Kunst, jenes Reich, das auch in
seinen leichtesten und luftigsten Gebilden priesterlichen Charakter hat. Denn es ist Ausstrahlung der uns bewegenden seelischen Kräfte, Spiegel unserer Art und unseres Schicksals.
In diesem Bezirk deutscher Kunst aber wachst — roer wollte das heute noch ernstlich leugnen? — der Film zu immer umfassenderer Bedeutung empor Er ist eines der wirksamsten Mittel zur For- munq deutscher Menschen, denn der Ueberzeugungs- kraft bildhafter Vorgänge kommt so leicht nichts gleich Um so stärker aber wird jede filmische Idee __ sei sie heiter oder von schwerem Ernst — sich dem Genießenden einprägen je reiner sie im Gesamtbild der Filmszene künstlerisch gestaltet ist, je unaufdringlicher sie durch die reine Harmonie von Spiel, Ton, Architektur und szenischer Bewegung
Heber das Leben des amerikanischen ; „Petroleumkönigs" Rockefeller ist vor i einiger Zeit eine aufschlußreiche Darstellung | öon (Sourau erschienen, deren deutsche i Uebertragung aus dem Französischen im I Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig, heraus- i gebracht worden ist.
Rockefeller wird nun bald hundert Jahre alt, „vorausgesetzt, daß ihm Gott bas Leben läßt" Er rechnet sehr bamit und hat bereits die 23 e ft immun g e n für seinen hundert st en G e - b u r t s t a g getroffen. An diesem Tage wird er persönlich ein Orchester dirigieren, das die ihm lieben Volkslieder spielen wird, sehr alte Weisen, die er in seiner Kindheit gehört hat, denn seither hat feine musikalische Erziehung kaum Fortschritte gemacht. Außerdem sollte das Programm auch eine (Solopartie mit seinem alten Freund Biggar enthalten, aber Biggar ist inzwischen gestorben. Und Rockefeller, der fein ganzes Leben hindurch außerordentlich pünktlich war, wird dem armen Biggar ein klein wenig böse fein, weil er das feit so langer Zeit vereinbarte Rendezvous versäumt.
Seit jenem Tag, an dem er das Schicksal der „Standard Oil" einem anderen anoertraut hatte, sind fast vierzig Jahre vergangen, vierzig Jahre eines Lebens mit genauer Zeiteinteilung in größter Zurückgezogenheit, in dem jede Mahlzeit, jede Mittagsruhe, jede Bewegung den Vorschriften eines vorher festgelegten Stundenplanes entspricht. Anfangs brachten die von Rockefeller aufrechterhaltenen lockeren Beziehungen zur Außenwelt — die Präsidentschaft in der „Standard" und einigen philanthropischen Institutionen — noch einige Abwechslung in diesen gebieterischen Stundenplan. Aber im Laufe der letzten zwanzig Jahre sind diese unvorgesehenen Vorfälle von selbst verschwunden. Nichts stört mehr die einförmige und inhaltlose Regelmäßigkeit, an der der alte Trustschöpfer Gefallen findet.
Im Sommer wie im Winter wird pünktlich um sieben Uhr aufgestanden und um zehn Uhr schlafen gegangen. Damit er ganz sicher geht, muß ihn der mit dem Wecken beauftragte Kammerdiener jeden Abend pünktlich an die Regel erinnern: „Es ist zehn Uhr." Und John. D. gehorcht augenblicklich diesem respektvollen Befehl. Der Tag wird durch fünf den Mahlzeiten und Spaziergängen folgende Ruhepausen zu zehn bis fünfzehn Minuten unterbrochen. Diese Hygiene bekommt dem Neunzigjährigen offenbar sehr gut, er hat sich aber anfangs mit einiger Mühe an sie gewöhnen müssen, da er von Natur aus früher wenig Schlaf brauchte. Seither hat er es durch Willenkraft erreicht, zur gewollten Stunde pünktlich einzuschlafen. Auch dies ist eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit, die für feine geistige Disziplin
Kohlen auf Spitzbergen.
Während auf der südlichen Halbkugel schon in einer Breitenlage, welche etwa der von Tilsit ober Schleswig entspricht, die menschlichen Dauersiedlun- gen aufhoren, ist der Mensch mit seiner wertschaffenden Arbeit im Norden weiter polwarts bis nach Spitzbergen gedrungen. Da die klimatischen Bedingungen an sich ungünstig sind, so ist die Möglichkeit, hier Dauersiedlungen einzurichten, dem Golfstrom zuzuschreiben, der als Helfer den Menschen in seinem Kampf um die Herrschaft über die Erde und ihre Schätze unterstützt
Die Inselgruppe, deren Südspitze etwa zwei Schiffstagereisen nordwestlich der nördlichsten Stadt Europas, Ha mm er fest, und deren nördlichster Punkt noch etwa tausend Kilometer vom Pol entfernt ist, trat schon früh in den Gesichtskreis des Europäers; Norweger sollen auf seetüchtigen Schiffen um 1200 die Insel zuerst entdeckt und ihr den Namen Svalbard, Kalte Küste, gegeben haben. Aber erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts kümmerte man sich wieder um die Insel, als der Engländer Henry Hudson auf den unerschöpflichen Reichtum der Wal-, Robben- und Fischgrunde auf- merksam machte. Den Flotten der Fischer folgten die ersten Sommersiedlungen, wobei man die günstigsten Stellen der einige Monate eisfreien Westküste aufsuchte. Wenn die Siedlungen auch im Winter nrieber z-rsielen, fo gab es dach an der Nardwest- ecke auf Amsterdam eine holländische Niederlassung um eine Transiederei, die nach dem Tran (Smeer) den Namen Smeerenburg führte und die ihrem wirtschaftlichen Wert den aufblühenden Han- delsplützen auf Java gleichgesetzt wurde.
Seit etwa dreißig Jahren steht nun, wie Dr. I. Wagner in der Frankfurter Wochenschrift für Wissenschaft und Technik „Die Umschau" ausführt, das Kohlenvorkommen auf der größtenteils vergletscherten Insel im Mittelpunkt des Jn-
geschlagene Stunde. Für Rockefeller ist dies eine Frage der Hygiene, denn er hält überstürztes Kauen für gefährlich. Nichtsdestoweniger darf man sich aber nicht etwa den legendenhaften Appetit Ludwigs XIV. bei Rockefeller vorstellen. Ganz im Gegenteil. Don den zahlreichen Speisen ißt John D. nur ganz geringe Mengen. In den drei täglich bei Tisch verbrachten Stunden nimmt er nur soviel Nahrung zu sich, als etwa drei oder vier belegte Brötchen ausmachen. Den Alkohol — bei ihm herrscht ein ab- solut „trockenes" Regime im amerikanischen Sinn des Wortes — hat Rockefeller nie als Getränk benützt. An die Stelle von Cocktails treten einige Löffel Olivenöl in der Woche, zum „Schmieren" der Gelenke. Ein Mensch, der sich seit mehreren Jahrzehnten derart nährt, leidet bestimmt nicht an übermäßiger Beleibtheit. Tatsächlich wiegt John D. etwas mehr als ein kleingewachsener Jockey im Durchschnitt wiegen mag: kaum hundert Pfund. Sein Körper ist unwahrscheinlich abgemagert. Der Kopf scheint viel zu schwer zu sein. Dieses Mißverhältnis wird noch durch die Größe der Ohren und die Breite des Mundes unterstrichen. Aber die Lippen find schmal und trocken und die Nase fein geformt.
Eine Perücke, die einen völlig kahlen, Schädel bedeckt, steigert die Ungewöhnlichkeit des Gesichtsaus- drucks. „Der Kopf einer Rothaut, die aus dem Sprunge ist, den Tomahawk loszuschleudern", sagen die einen. Zweifellos kommen diejenigen der Wahrheit näher, die ihn mit „irgendeinem alten Mönch aus der Zeit der spanischen Inquisition" vergleichen; die sehr kleinen Augen haben einen erstaunlich lebhaften Ausdruck behalten.
restlos erfaßt und anderseits eine immer ernstere geistige Durchdringung und Formung erfährt. Es ist heute bereits so, daß neben Presse und Rundfunk der Film das dritte große öffentliche Organ ist, durch das die lebendigen Blutströme des pulsierenden Lebens fliehen und die Volksschichten im gemeinsamen (Erlebnis einen. Nur mit dem Unterschied, daß der Film in seiner Stoffwahl fast unbegrenzt und unabhängiger vom aktuellen Geschehen des Tages ist. Gerade dadurch aber kann er, dem die einzigartige Ueberzeugungskraft bildhafter Vorgänge zur Verfügung steht und der Vergangenheit und Zukunftsahnen auf die Leinewand zu bannen vermag, die geheimsten Töne unserer Seele zum Klingen bringen.
Man muß wissen, mit welcher Inbrunst gerade die naiven, unverbildeten Volksschichten, Arbeiter, Bauern, Handwerker, kleine Angestellte, Kaufleute, aber auch ein guter Teil der im besten, wahrhaften Sinne „Geistigen" (der wirklich Gebildeten, d. h. an Leib und Seele durch Schulung und Zucht Geformten) die Vorgänge auf der Leinwand verfolgen. Die unwillkürlichen Ausrufe des Entzückens ober ironischen Spottes, die einen gelungenen Witz, eine Szene von eindrucksvoller Schönheit, eine danebengeratene Geste begleiten, sind nicht immer, gewiß nicht, aber in den meisten Fällen doch ein sicheres Barometer für die innere Fügung, die „Struktur" eines Films. Denn für gute künstlerische Leistung hat das Volk im allgemeinen ein sicheres Gefühl, und daß gerade die yilmliebünge mit einer fanatischen Hingabe vergöttert werden, weiß jeder.
Eine derartige freubige Aufnahme des Filmkunstwerks durch das Volk, das nach Stunden schwerer Arbeit im Lichtspielhaus Erholung, Anregung, Ent
spannung sucht, gilt es zu nutzen. Die Zeiten, da die Filmfreudigkeit mißbraucht werden konnte zur Verzerrung oder gar Vergiftung des Denkens und Fühlens breiter Massen, sind vorüber. Penn der nationalsozialistische Staat hat das deutsche Herz zurückgeführt zu seinem eigenen Pulsschlag und allen wesensfremden Rhythmus darin ausgeschaltet für alle Zeit. Dieses Herz wird aber stets freudig schlagen, wenn ihm in einem gelungenen Filmwerk vielleicht nicht gerade die tiefste Deutung — das tun Dichtung, Theater und Musik — wohl aber die Grundstimmungen unseres Lebens in immer neuen Akkorden entgegentönen.
Am gestrigen Montagabend kehrten die S A. - Kameraden der Standarte 116, die das Glück hatten, in Nürnberg vor dem Obersten SA.- Führer stehen zu dürfen, vom Reichsparteitag hier- her zurück. Eine große Menschenmenge hatte sich zum Empfang der Nürnberg-Fahrer im Bahnhofsgebäude und auf dem Bahnhofsplatz, sowie unterwegs eingefunden. In der Bahnhofshalle war es notwendig geworden, angesichts der großen Menschenmenge durch Absperrung eine Durchgangsstraße für die Heimkehrer zu bereiten.
Pünktlich um 21.47 Uhr lief der Sonderzua auf dem Bahnsteig 1 ein. Der Spielmannszug und der Musikzug der Standarte empfingen die heim- kehrenden Kameraden mit den schneidigen Klängen des Badenweiler Marsches, während Die Besucher des Bahnsteigs mit dem deutschen Gruß grüßten. Im Handumdrehen waren die Heimkehrer dem Zug entstiegen und hatten ihre Marschformation auf dem Bahnsteig gebildet. Die Fahnen wurden entrollt und an die Spitze der Marschkolonne getragen, dann ging es durch das dichte Spalier der Volksgenossen in der Bahnhofshalle hinaus auf den Bahnhofsplatz, wo die zum Empfang angetretenen Stürme des Sturmbanns II Spalier bildeten, hin- ter dem sich eine weitere große Menschenmenge drängte. Nun ein kurzes Kommando des Standartenführers Lutter, und in straffem Marschrhythmus begann der
Einmarsch in die Gtadt
unter den Klängen des Spielmannszugs und des Musikzuges der Standarte. Vom Bahnhofsplatz aus durch die obere Bahnhofstraße, die Liebigstraße, die Frankfurter Straße, den Seltersweg, die Sonnenstraße, über den Brandplatz bis zum Stan-
phische Lage und auf die Tatsache, daß es zur Erforschung der Insel beisteuerte. Doch hat es die Ausbeute nur teilweise in die Hand genommen.
Wenn er ausgeht, verdeckt er sie, wie wenn er fürchten würde, zu leicht erkannt zu werden. Der durch schwarze Brillengläser und eine sehr tief herabgezogene Mütze doppelt verdeckte Blick, der dicht eingemummte Körper, der ein wenig krumme Rücken, Das alles macht es möglich, daß ihn nur sehr wenige Menschen auf der Straße erkennen. Wie sollte man auch, wenn man diesen unscheinbaren Alten vorübergehen sieht, auf die Idee kommen, über.welche märchenhafte Macht er früher verfügt hat?
Dagegen legt er Wert darauf, im häuslichen Kreise gut auszusehen. Er trägt sehr feine Wäsche, hat etwa sechzig Anzüge nach der letzten Mode und ungefähr hundert Krawatten. Mehrmals am Tag zieht er sich um — zur Mahlzeit, zum Golfspielen und zu den Ausfahrten —, und wie ein junger Dandy respektiert er die gesellschaftlichen Vorschriften. Selbst wenn er allein bei Tisch ist, trägt er abends unbedingt Smoking oder Frack.
Rockefeller hat es sich zur absoluten Regel gemacht, jede Aufregung, welcher Art sie auch fein möge, von sich fernzuhalten. „Ich rege mi ch niemals auf", sagt er, „ich bin immer gut gelaunt." Sein einziger Aerger ist der Verlust eines Golfballes ober das Verscheiden eines alten Freundes. „Ich habe mehr als hundert Mitarbeiter fter- ben gesehen, bemühe mich aber stets um neue Beziehungen." Und diese Beziehungen nimmt er mit Vorliebe zu jungen Leuten auf, zweifellos um den Schmerz zu vermeiden, sie vor sich sterben zu sehen. Die Verwaltung feines riesigen Reichtums und seines philanthropischen Werkes hätte ihm noch einige Sorgen bereiten können. Aber er hat daran gar kein Interesse mehr und hat alles seinem einzigen Sohn übergeben, den er verfügen läßt, wie es ihm beliebt. Außer ihm hatte der Oelkönig vier Töchter, von denen drei noch am Leben sind.
Seine geistigen Interessen sind gleich null. So war es sein ganzes Leben lang. Als er noch in Cleveland wohnte, war er mit einem Bücherlieb
3 Tagsüber gibt es drei genau bestimmte Zerstreuungen, von denen nicht abgewichen wird: Golf in der Frühe, eine Spazierfahrt tm Auto am Nachmittag und am Abend „Numerica", ein in Amerika weit verbreitetes Spiel mit Zahlen. All dies wird ebenso pünktlich eingehalten wie die Mahlzeiten. Wehe dem Gast, der zu dem um acht Uhr angesetzten Frühstück verspätet ins Speisezimmer käme! Es ist dann sogar immer noch besser, wenn man die Zeit der Abfahrt des Autos verpaßt, falls man von John D. eingeladen wird, an (einen nachmittäglichen Spazierfahrten teilzunehmen. Dann fährt er mit schadenfrohem Vergnügen einfach ohne zu warten fort, aber das verlegene Gesicht, das man bei feiner Rückkehr macht, stimmt ihn nachsichtig. .
Jede von feinen drei Mahlzeiten, das Frühstück am Morgen mit einbegriffen, dauert eine


