Ausgabe 
17.8.1935
 
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Aus aller Welt

Die Selbsthilfe der dänischen Bauern

Valuta-Aktion zur Senkung des Kronenkurses.

Wetterbericht

öes Reidjeroetterbienffe» Ausgobeor» Frankfurt

Die Witterungsvorgänge im Rahmen der euro-1 päischen Großwetterlage spielen sich zur Zeit in äußerst ruhigen Formen ab. Die Luftverteilung zeiat verhältnismäßig hohe Werte über dem Festlano. Der zur Zeit bestehende Witterungscharakter ist häufig aufheiternd, morgens Dunst« oder Nebelbil­dung, und wird vorläufig noch bestehen bleiben.

Aussichten für Sonntag: Morgens vielfach dunstig oder nebelig, sonst heiter bis wolkig, trocken, tagsüber warm, schwache Luftbewegung.

Aussichten für Montag: Vielfach heiter, tagsüber warm.

Lufttemperaturen am 16. August: mittags 19,7 Grad Celsius, abends 12,6 Grad; am 17. August: morgens 10,5 Grad. Maximum 19,9 Grad, Mini- mum 8,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. August: abends 17,4 Grad; am 17. August: morgens 14,4 Grad Celsius.. Sonnenscheindauer 0,7 Stunden.

Schüsse in Albanien.

Lokale Unruhen vollständig unterdrückt.

Tirana, 17. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Mitteilung der albanischen Telegraphen-Agen° tur war es einer Gruppe von Aufständischen auf Anstiftung eines Subaltern-Offiziers der Gendar- merie, der 35 Gendarmen und einige Zivilpersonen zu einem Aufruhr gegen die Staats­gewalt verleitet hatte, gelungen, sich der Stadt Fieri zu bemächtigen, und gegen Luschusa vorzustoßen. Vom Vormarsch rechtzeitig benachrichtigt, hatte sich das Gendarmeriekommando von Luschuja den Aufständischen entgegengestellt und sie in die Flucht geschlagen. Truppen, die sofort an den Ort der Zwischenfälle entsandt wur­den, haben den Aufruhr sogleich ohne Blutver­gießen unterdrückt, das einzige Opfer dieser Meuterei war General G j i l a r d i, der ohne von den Unruhen in Fieri etwas zu wissen, sich nach Pojani begeben hatte und von den Aufständischen

Oie Wehrmacht ehrt Generaloberst von Boehn.

Anläßlich des 8 5. Geburtstages des 1921 verstorbenen Generaloberst von Boehn ließ der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht am Grabe des Heerführers auf dem Invalidenfriedhof einen Kranz niederlegen. Max von Boehn nahm als zwanzigjähriger Offizier am Kriege 1870/71 teil. 1904 wurde er Generalleutnant und Kommandeur der 18. Division, 1909 General der Infanterie und Gouverneur der Festung Ulm. 1912 wurde von Boehn zur Disposition gestellt. Bei Ausbruch des Krieges wurde General von Boehn kommandierender General des 9. Reservekorps. 1916, während des Einsatzes an der Somme, erhielt General von Boehn den Pour le mdrite. 1917 wurde er Oberbefehlshaber der Armeeabteilung C zwischen Maas und Mosel und später Oberbefehls­haber der 7. Armee, in dessen Stabe Major von Blomberg, der jetzige Reichskriegsminister als Generalstabsoffizier tätig war. Am 20. Mai 1917 erhielt er das Eichenlaub zum Pour le m^rite, am 22. März 1918 seine Beförderung zum General­oberst, am 30. Mai 1918 die Ernennung zum Chef des schleswig-holsteinischen Infanterieregiments 163 und die Auszeichnung mit dem Schwarzen Adler- Orden. Am 6. August 1918 wurde Generaloberst von Boehn zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Boehn ernannt.

Streik holländischer Maas-Schiffer.

Amsterdam, 16. Aug. (DNB.) Am Donners­tag sind über 300 Binnenschiffer auf ber Maas in einen Proteststreik getreten gegen die Auswirkungen des Gesetzes $ur gleichmäßigen Frachtverteilung in der Binnenschiffahrt. Die Schif­fer haben bei Maasbracht alle ihre Schiffe a u f demStromzusammengezogen und blockie­ren den gesamten Verkehr. Allen leeren Schiffen, die zur Einnahme von Frachten flußaufwärts nach Maastricht fahren wollen, wird die Durchfahrt verweigert. Auf einen Schleppdampfer, dessen Kapitän sich die Durchfahrt mit dem Revol­ver in der Hand erzwingen wollte, wurde ein Steinbombardement eröffnet, durch das der Dampfer schwer beschädigt wurde. Der Kapitän sah sich gezwungen, die Rückfahrt anzutreten. Auch einem durch eine Polizeipatrouille geschütz­ten Fahrzeug erging es nicht besser. Polizei und Gendarmerie sind den streikenden Arbeitern gegen­über völlig machtlos. Die Schiffer erwarten mit großer Spannung das Ergebnis der Verhandlungen mit der Frachtkommission.

Ministerpräsident Göring

Schirmherr der 23. Deutschen Ostmesse.

Der preußische Ministerpräsident und Reichs­minister Hermann Göring hat erneut die Schirm- Herrschaft über die 23. Deutsche Ostmesse in Kö­nigsberg vom 18. bis 21. August übernommen. Der Ministerpräsident ist wegen anderweitiger drin-

mlt der Steigerung des Mitgliedbestandes etwas z u» genommen. Mit einer wesentlichen Vermehrung der Derwaltungskosten braucht man aber wohl nicht zu rechnen. Wie sehr sich die Entwicklung auf d i e Beitragshöhe ausgewirkt hat, das ergibt sich aus der Feststellung, daß Ende des vergangenen Jahres bereits 80 v. H. aller reichsgesetzlichen Kassen mit 56 v. H. der Mitgliederzahl die Voraussetzung erfüllten, die sie zu M e h r l e i st u n g e n berechtigt. Diese Voraussetzung ist, daß der höchste Beitragssatz nicht über 5 v. H. des Grundlohnes geht. Mit einem Gesamtmitgliedsbestand von 19,9 Millionen aller Krankenkassen bleiben diese allerdings hinter dem Höchststand von 1929 immer noch mit 2,5 Millionen zurück.

Hauptschriftteiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W. Lange, für Feuilleton t. 23.: Dr.F.W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für Öen Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zett ist Preisliste Nr, 3 vom 1, Juni 1935 gültig.

gender Inanspruchnahme an der Teilnahme an der Eröffnung verhindert, jedoch werden Reichsbank- präfibent Dr. Schacht und der Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk teilnehmen.

Miley post tödlich abgeslürzl.

Der bekannte Amerikaflieger Wiley P o st und der Humorist Will R o h e r s , die am 7. August einen Flug nach Alaska antraten, sind tödlich ab» gestürzt. Das Signalkorps in Seattle hat mit­geteilt, daß das Flugzeug zwischen Fairbanks und Point Barrow (Alaska) aus bisher unbekannter Ursache abgestürzt ist.

Zwei Todesopfer einer Pilzvergiftung.

Der Zollbeamte Charbonnier in Lüneburg starb nach dem Genuß selbst gesammelter Pilze unter Vergiftungserscheinungen. Die Frau des Beamten, die ebenfalls schwer erkrankt war, ist ebenfalls der Vergiftung erlegen, während eine Nachbarin, die auch von den Pilzen gegessen hatte, in besorg­niserregendem Zustand im Krankenhaus liegt.

Nachdem die aus der schwierigen wirtschaftlichen { Lage der dänischen Landwirtschaft verständlichen, i anderseits aber auch sehr weitgehenden Forde- i rungen der dänischen Landwirte, die I kürzlich bei dem großen Bauernmarsch nach . Kopenhagen in einer sehr eindringlichen Form j erhoben worden waren, von der Regierung im we- i sentlichen abgelehnt wurden, hat der Wirt- < schaftsausschuß derVereinigung der Landwirte" nunmehr Kampfmaßnahmen angekündigt, i die von der Kopenhagener Presse alsValuta- ft r e i k" bezeichnet werden. Die angekündigten Maßnahmen verfolgen das Ziel, der Landwirtschaft eine volle Bezahlung ihrer Produkte zu sichern, was dadurch erreicht werden soll, daß zunächst die Zahlungsfristen für die nach England gelieferten Agrarprodukte h i n a u s ge­schoben werden und daß dann bei der Herein­nahme der Zahlungen für die landwirtschaftliche Ausfuhr nach England den Lieferanten der Meie­reien und Schlächtereien Sterling-Schecks ausgehändigt werden, die unter Umgehung der dänischen Nattonalbank später zu einem höhe­ren als dem offiziellen Sterlingskurs realisiert werden sollen.

Das Ziel dieser Maßnahmen ist also eindeutig eine Senkung des Kronenkurses. Begrün­det wird diese Maßnahme damit, daß die Aufrecht­erhaltung eines willkürlich festgesetzten Wechselkurses die Landwirtschaft um den ihr zustehenden Gewinn bringe, da dieser Gewinn bei dem Fest­halten an dem System der Einfuhrbeschränkung den Inhabern einer Devisenbe w i ll i - >

getötet wurde. In ganz Albanien herrscht voll­kommene Ortzyung und Ruhe. Die meisten, Aufständischen -sind festgenommen worden, die! übrigen werden von den zuständigen Behörden ver-1 folgt. Ihre Festnahme steht unmittelbar bevor. Mel- düngen über einen Anschlag a u f den König sind vollkommen falsch und unsinnig.

Erschlägt in Albanien irgend jemand irgendwen, kommt es hier oder dort aus nichtigen Anlässen zu Unzuträglichkeiten, wird dabei womöglich noch eine hochgestellte Persönlichkeit gefangengesetzt oder gar erschossen, dann geht alsbald über Europa ein Hagel sensationeller Meldungen nie­der. So auch jetzt. Fast ist man geneigt anzunehmen, daß der König Achmed Zogu in wilder Hast die Flucht angetreten hat und daß dieRevolutionäre" den Sieg errungen haben. Genau so war es vor einiger §eit. Auch damals sprudelten aus ganz bestimmten uellen lustig Nachrichten, die die Verhältnisse in Al-1 banien so schilderten, als stehe das ganze Land in Flammen. In Wirklichkeit war so gut wie gar nichts geschehen. Schwer ist es jedoch nicht, b i e Ursache dieser sensationellen Berichterstatter zu erkennen. Albanien ist ein Land, für das sich Ita­lien, Jugoslawien und Griechenland interessieren. Je nach dem Verhältnis dieser drei Staaten zueinander sind auch derartige Nachrichten zu bewerten. Denn dort, wo man ein Interesse daran hat, daß in Albanien manches schief geht, damit man selbst größeren Einfluß gewinnt, werden auch die sensatio- nellsten Berichte in die Welt gesetzt. Obwohl dieses Spiel absolut zwecklos ist, wird es munter fortgesetzt, wobei eben stets die stille Hoffnung eine Rolle spielt, daß es doch zu den innerpolitischen Umgruppierun­gen kommt, die man sich zum eigenen Vorteil wünscht.

gung zufließe. Um nun einen Ausweg aus den für die Landwirtschaft unerträglichen gegen­wärtigen Verhältnissen schaffen zu können, sollen sich also die einzelnen Landwirte der aus ihrer Ausfuhr stammenden Valuta selbst versichern. Da I jedoch bisher d i e Nationalbank, über die aus I der Ausfuhr stammenden Devisen verfügt, wird ab» zuwarten sein, welche Haltung diese gegenüber dem Vorgehen der Landwirte einnehmen wird und wie I weit deren Aktton von Erfolg gekrönt sein kann.

Don der dänischen Regierung wird jeden­falls das Vorgehen der Landwirtschaft auf das schärfste verurteilt und der Ministerpräsident hat es sogar höchst abfällig als eineekle Speku­lation" zum Nachteil der anderen Wirtschaftszweige und der Arbeiterschaft sowie als häßlichen Rache-1 aft bezeichnet, der auch für die Landwirtschaft ohne Wirkung bleiben werde. Nicht freundlicher ist natürlich bas Echo in ber demokratischen und sozial­demokratischen Presse, die von einem Anschlag auf die dänische Valuta, von einer riesigen Baisse-Spekulation gegen die Krone! spricht. Aber selbst von den konservativen Blättern I wird das Vorgehen der Vereinigung der Land-1 wirte teils bedauert, teils werden die Beschlüsse I als unklar bezeichnet. Gerade dieses letzte Urteil dürfte allerdings einstweilen in weitem Maße be­rechtigt sein, solange nicht abzusehen ist, welche Gegenmaßnahmen die Regierung und die National­bank ergreifen werden und wie weit diese geeignet sein können, die Aktion der Landwirte wirksam zu durchkreuzen.

(*)

Ramses Cigaretten sind seit Jahrzehnten berühmt wegen des guten Tabaks und des dick-runden Großformates.

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