** Zur Richtigstellung. In dem uns vom Kriegerverein Gießen eingesandten Bericht über das Stiftungsfest dieses Vereins ist der Name des Vertreters tzes Marinevereins irrtümlich falsch angegeben worden. Für den Marineverein sprach der Vereinsführer Herr L i ch.
** Landwirtschaftlicher Vortrag in Gießen. Die Vereinigung der Freunde des Seminars für Genossenschaftswesen beim Landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen hatte zu einem Seminarnachmittag den Leiter des Milchwirtschafts- verbandes Hessen, Birkenholz, aus Frankfurt a. M., für einen Vortrag über den ,,Neuaufbau der Milchwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet" eingeladen. Da Herr Birkenholz plötzlich nach Berlin berufen wurde, hielt Diplom-Landwirt Boettrich vom Deutschen Kali - Syndikat Frankfurt a. M. einen Lichtbildervortrag über „Die Futtergewinnung im Eigenbetrieb". Der Leiter der Veranstaltung, Dr. Pfaff, sprach zunächst sein Bedauern darüber aus, daß die auswärtigen Freunde, namentlich die Molkereifachleute, den Weg nach hier umsonst getan haben. Der Vortrag von Herrn Birkenholz soll nachgeholt werden. Diplom-Landwirt Boettrich sagte einleitend, daß im Rahmen der Maßnahmen zur Fettoersorgung des deutschen Volkes die Verbesserung der Viehfuttergewinnung im Eigenbetrieb und ohne dessen Mehrbelastung von außerordentlicher Bedeutung ist. Einmal kann dadurch die noch ungeheuer große Einfuhr ausländischer Futtermittel eingedämmt werden, weiterhin kann der Landwirt an seinen Kosten sparen. Wie das zu machen ist, war aus einem etwa einstündigem Filmvortrag zu ersehen. Die sehr schönen Aufnahmen behandelten die richtige Bewässerung und Bearbeitung des Bodens, sorgsame Pflanzenauswahl und richtige Düngung, sowie die rechtzeitige Ernte und richtige Behandlung der Ernte. Anschließend an den interessanten Film gab der Führer der Vereinigung, Professor Dr. S e s s o u s, noch einige praktische Erläuterungen.
** 7 5Iahre 2. Großh. hess.Leib-Dra- g o n e r - R e g i m e n t (Nr. 2 4) am 1. und 2. Juni in Darmstadt. Man schreibt uns: Die hessischen Dragoner rufen zu einem Treffen in ihrer alten Garnison Darmstadt auf. Am 1. und 2. Juni wollen sie aufs neue ihre in Krieg und Frieden bewährte Kameradschaft beweisen. Es ist zu hoffen, daß die Beteiligung wiederum eine den voraufgegangenen Regimentstagen entsprechende fein wirb; denn zum ersten Male finden sich die ehem. „Roten" und „Weißen" wieder in einem nationalen Deutschland, das sich, dem Willen und Vorbild des Führers gemäß, bewußt auf den ewigen Soldatentugenden der Treue, der Pflichterfüllung und der opferbereiten Kameradschaft aufbaut. Nicht in starrer Verkrampfung um äußere Formen erblicken die ehemaligen Dragoner die Pflege ihrer Tradition; wie es immer wieder in den Versammlungen zum Ausdruck kommt, empfinden sie freudigen Herzens, daß dem Frontkämpfertum seine Ehre wiedergegeben wird nach anderthalb Jahrzehnten des Schie- bertums und des Tanzes um das goldene Kalb. Echtes Soldatentum ist unsterblich, und dankbar werden die Teilnehmer an dem Dragonertag sich dessen bewußt werden, daß sie auch in den trübsten Jahren deutscher Geschichte die Tradition nicht haben sinken lassen, daß sie sich unter der Führung tatkräftiger Männer immer wieder um die Standarte geschart haben, im freimütigen Bekenntnis zu ihrer ehrenvollen Vergangenheit, in wehmütigem und doch stolzen Gedenken an die gefallenen Kameraden. Und wenn auf den voraufgegangenen Tagungen die Totenklage schmerzlichste Bitterkeit auslösen mußte, so wird nun zum ersten Male die Treue von dem tröstlichen Bewußtsein getragen werben: ihr Opfer war doch nicht umsonst, das neue Deutschland will seine Helden ehren und ihrer wert sein. So werden sich denn hoffentlich recht viele Kameraden in den ersten Junitagen in der alten Garnison Darmstadt einfinden. Trompeter! Regimentsruf! Zum Sammeln geblasen? Der Regimentstag soll ein großes Erlebnis, ein Bekenntnis zum alten Regiment, zu Volk und Vaterland werben.
** Wiedersehensfeierehe m. 87erund derKriegsformationen. Man schreibt uns: Das 1. Nass. Jnf.-Regt. Nr. 87 mit Kriegsformationen (Res. 87, Landw. 87, Jnf.-Regimenter 186, 223, 253, 349, 365, 468) begeht am 4 und 5. Mai in der alten Garnison Mainz seine 125jährige Gründungsfeier mit einem großen Wiedersehen der alten treuen Waffengefährten. Kameraden, meldet euch schon jetzt bei Kamerad Jakob Weil in Mainz, Goethestraße 3 an und zahlt den Beitrag von 1,50 Mark auf das Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 999 der Mainzer Volksbank für das Konto JR. 87, Wiedersehensfeier. Auf Wiedersehen am 4. und 5. Mai 1935 in Mainz!
Schöffengericht Gießen.
Wegen Vergehens gegen den § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 21. März 1933 wurde der Heinrich Löwer aus Laubach zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte stellte in einer Wirtschaft unwahre Behauptungen über die nationalsozialistische Bewegung auf.
Ein Mann aus Friedberg war bei einem Landwirt als Arbeiter tätig. Dem Arbeitsamt gegen
über verschwieg er seinen Lohn in Höhe von 30 Mk. und gab in Form einer Bescheinigung an, als Entgelt lediglich drei Zentner Kartoffeln bezogen zu haben. Dadurch erschwindCte sich der Angeklagte eine Unterstützung. In Anbetracht der außerordentlich schlechten Wirtschaftslage, in der sich der Angeklagte befindet, sowie der Tatsache, daß ihm der Betrag wieder abgezogen wurde, erkannte das Gericht auf eine Gefängnis st rafe von einem Monat, die mit der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt gilt.
Sodann befaßte sich das Gericht mit einem Geschäftsmann aus Gießen wegen Steuerhinterziehung. Der Angeklagte nahm u. a. größere Darlehen auf und fetzte diese, auch nachdem sie schon längst zurückgezahlt waren, bei seiner Steuerbemessung wieder ein. Außerdem unterhielt der Angeklagte falsche Konten. Auf diese Weise brachte er es fertig, sein Steuervermögen erheblich herabzusetzen. Das Gericht erkannte unter diesen Umständen auf eine Geldstrafe von 9200 R M., sowie auf eine Gefängmis strafe von drei Monaten. Letztere wurde dem Angeklagten durch Beschluß bedingt erlassen. D.as Konto wird eingezogen.
Obecheffen.
Landkreis Gießen.
* Wiefeck, 16. Jan. Unser Ortsbürger Christoph Römer beging am vorigen Samstag in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 84. Geburtstag. Seiner Gattin und treuen Lebensgefährtin Marie Römer wird es vergönnt fein, am Freitag dieser Woche ihren 80. Geburtstag zu begehen. Das hochbetagte Ehepaar erfreut sich noch bester Gesundheit und konnte im vorigen Jahre die goldene Hochzeit feiern.
wg. Großen-Buseck, 16. Jan. Bei der jüngsten Eintopfgerichtsammlung gingen in der hiesigen Ortsgruppe 130,96 Mark ein. Hiervon entfielen auf Oppenrod 13,85 Mark, Burkhardsfelden 31,75 Mark und Großen-Buseck 85,36 Mark. Mit diesen Beträgen übersteigen Burkhardsfelden und Großen-Buseck alle bis jetzt gespendeten Eintöpf- gerichtsnmmlungen.
* Lollar, 14. Jan. Am Sonntagnachmittag hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr im Vereinslokal „Zum Schwanen" ihre ordentliche Generalversammlung ab. Oberbrandmeister Rohrbach begrüßte die Kameraden. Sein Gruß galt besonders dem anwesenden Ehrenmitglied und Mitbegründer der Wehr Kamerad Karl Moos. Die Versammlung gedachte alsdann der im verflossenen Jahre gestorbenen Kameraden in der üblichen Weise; es sind dies Ehrenkommandant I. Rau, der langjährige Kommandant und Ehrenmitglied Fr. Deibel, die Ehrenmitglieder Ehr. Göttlich, L. Schwalm, Karl O ß w a l d und Spritzenmeister Hch. Rohrbach IX. Die Kapelle spielte das Lied vom guten Kameraden. Der Oberbrandmeister gab dann einen Rückblick auf das verflossene Geschäftsjahr. Die Wehr, die eine Stärke von 152 aktiven, 91 passiven und 40 Ehrenmitgliedern hat, war im verflossenen Jahre vertreten beim Frühjahrs- und Herbstverbandstag des Kreises Gießen, dem Oberhessischen Verbandstag in Bad-Nauheim und dem Landes- verbandstag in Frankfurt a. M. Ab gehalten wurden im letzten Jahre 6 Hauptübungen und 6 bzw. 3 Uebungen vom Motor- und Steigerzug. Die Feuerschutzwoche vom 17. bis 23. September wurde in vorgeschriebener Weise durchgeführt, deren Verlauf als mustergültig bezeichnet werden kann. Im Jahre 1934 erhielten Auszeichnungen: für 40 Jahre Ludwig Geißler V., für 25 Jahre Hrch Rohrbach VIII., Gg. Schnell, W. Viehl und W. Zecher, für 20 Jahre Jost Rauch und K. Seitz, für 15 Jahre A. Göttlich, Erich Carle, W. Klippel, L. Seipp und K. Sund- Heim, für 10 Jahre O. Grün, H. Deussing, W. Hofmann, W. Riehm und R. Wissemann. Der Rechner HeinrichR o h r b a ch gab den Rechenschaftsbericht, worauf ihm Entlastung erteilt wurde. Die Wehr
beabsichtigt, im Jahre 1936 ihr 60jähr. Stiftungsfest ZU feiern, wenn der Herbstverbandstag des Kreises Gießen in Lollar abgehalten wird. Oberbrandmeister Rohrbach und Brandmeister Schwabe gaben noch wichtige Anregungen für das Feuerlöschwesen und ermahnten die Kameraden Zur pünktlichen und vollzähligen Beteiligung an den Hebungen. Die Kapelle verschönte den Nachmittag mit Musikvorträgen. Nach einem Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler wurde mit dem Gesang des Deutschland- und des Saarliedes die Versammlung geschlossen.
§ Mainzlar, 16. Jan. Die von der NSDAP, herausgegebenen Saarplaketten wurden in unserer Ortsgruppe (Mainzlar, Saubringen und Staufenberg) restlos abgesetzt. Die am vergangenen Sonntag in unsrem Ortsgruppengebiet durchgeführte Eintopfsammlung ergab insgesamt den Erlös von 139,70 Mark. Dieser Betrag verteilt sich auf die einzelnen Ortschaften wie folgt: Staufenberg 39,50 Mark, Daubringen 57,10 Mark und Mainzlar 43,10 Mark.
ö <51 e i n b a d), 16. Jan. Die durch den Tod des Ku-chenrechners Ludwig Haas IV. erledigte Stelle des Kirchenrechners wurde seither von dem Vorsitzenden des Kirchenvorstandes vertretungsweise versehen. Rechner Haas hatte das Rechneramt achtundzwanzig Jahre bekleidet. Heute fand die Ueber- gabc des Amtes an den neuen Rechner, Beigeordneten Karl R e u s ch l i n g IV., statt. Die Erhebung der an Martini fällig gewesenen Pacht- und Obstgelder, mit der der Hntereinnehmer Wilhelm N e e b beauftragt war, ist bis auf einen geringen Rest, den der Untererheber noch erhebt, durchgeführt. Die Uebergabe fand durch den Bevollmächtigten des Kreisamtes, Praktikanten Schweizer, statt, mit ihr mar eine Prüfung der Rechnungsführung verbunden, wie das bei solchen Anlässen üblich ist.
* Watzenborn-Steinberg, 16. Jan. Der etwa 30 Jahre alte Knecht Friedrich L ö h r k e von hier kam dieser Tage so unglücklich zu Fall, daß er einen Oberschenkelbruch erlitt und sofort in ärztliche Behandlung nach Gießen gebracht werden mußte.
§ Lich, 14.Jan. Der Zweigverein Lich des V H C. hielt im Parkhotel seinen ersten Familienabend im neuen Jahre ab. Der erste Vereinsführer, Lehrer Meckel, begrüßte die zahlreich Erschienenen und führte u. a. aus, der DHC. könne mit Genugtuung auf das verflossene Jahr zurückblicken. U. a. bracfjte es den Wandervereinen die volle Anerkennung als Sportvereine. Zum Schlüsse konnte zwanzig Mitgliedern, die im vergangenen
Jahre die nötige Anzahl Wanderungen mitgemächt hatten, die Auszeichnung verliehen werden. Der erste Vereinsführer schloß mit einem Hinweis auf das im Juni ftattfinbenbe Jubiläumsfest des Vereins und die damit verbundene Hauptversammlung des Gesamt-VHC., und mit der Forderung nach weiterer reger Mitarbeit und zahlreicher Beteiligung an den Wanderungen. Die Mitglieder blieben anschließend noch einige Stunden in froher Geselligkeit beisammen.
* Hungen, 16. Jan. Der am Montag veröffentlichten Notiz über die Störche auf dem Schloß z u Hungen ist nachzutragen, daß die Störche im Jahre 1933 nicht wegen eines Feuerwerks im Schloßhof ihr Nest verließen, obgleich sie kurze Zeit ausgeblieben waren. Erst einige Zeit später, nachdem sie heftige Kämpfe unter sich ausgefochten hatten und einige getötet wurden, zogen die Störche fort.
3 Obbornhofen, 16. Jan. Die Geldsammlung vom Eintopfgericht am vorigen Sonntag erbrachte in unserem Orte den Betrag von 32,80 RM.
Kreis Friedberg.
LPD. Friedberg, 16. Jan. 7 Vi Zentner wog ein in Steinfurth dieser Tage geschlachteter Eber. Außer der respektablen Fleischmenge, die zu Wurst usw. verarbeitet wurde, heimste der Besitzer auch noch 50 Pfund Schmalz ein.
Kreis Büdingen.
ck. Nidda, 15. Jan. Zu dem schon vor langer Zeit beschlossenen Neubau einer Orgel für u n • sere Stadtkirche, der rund 10 600 Mk. kosten soll, standen 6500 Mark zur Verfügung. Die Beschaffung des fehlenden Kapitals stieß bisher auf Schwierigkeiten. Nunmehr ist der Kirchengemeinde eine hochherzige Spende von 3000 Mark überwiesen worden. Den fehlenden Rest hofft man durch kleine Spenden innerhalb der Kirchengemeinde zu erlangen. Vor einigen Tagen wurden die kaum- noch brauchbaren inneren Teile des Instrumentes von der Firma Förster & Nicolaus in Lich abmontiert. Die unter Denkmalschutz stehende Spätbarock-Fassade wird zur Platzgewinnung auf der Empore nach vorn gerückt für die Unterbringung von 138 neuen Holzpfeifen, sowie 198 Zink- und 904 Zinnpfeifen. Der etwa sechs Meter entfernt aufzustellende Spieltisch mit zwei Klaviaturen, 24 Registern und 13 Nebenzügen wird mit der Orgel durch drei Kabel mit elektrischen Leitungsdrähten verbunden. Man hofft auf Fertigstellung dis Ostern dieses Jahres.
VQ Nidda , 16. Jan. Der Eisenbahnverein Nidda hatte zu seinem diesjährigen Wintervergnügen eingeladen. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Vereinsführer Becker begrüßte die Teilnehmer und die Gäste, insbesondere den Amtsvorstand des Betriebsamts II Gießen, den stellvertretenden Ortsgruppenleiter der NSDAP, und den Kreis- wart der NSG. „Kraft durch Freude". Musikstücke und zwei von Frl. Ludwig gesungene Lieder leiteten über zu einem Lustspiel, das von Angehörigen des Vereins sehr geschickt aufgeführt wurde. Die Darsteller sanden starken Beifall. Zum Schluß erinnerte der Vereinsführer an die Saarabstimmung. Gemeinsam wurde dann das Saarlied gesungen.
* Nidda, 16. Jan. Die Sammlung vom Eintopfgericht in der hiesigen Ortsgruppe brachte am vorigen Sonntag den Betrag von 326,85 Mark.
* Ortenberg, 16. Jan.' Der im Zusammenhang mit den Verfehlungen bei der hiesigen Bezirkssparkasse in Haft genommene frühere
Was soll ich denn mit einem Auto?
ROMAN VON KÄTHE METZNER.
Urheberrechtsschutz: Füns-Türme-Verlag, Halle (S.).
10 Fortsetzung Nachdruck verboten!
„Ich sorgte mich um dich, Günter. Glaubte, du seiest nicht ganz wohl, weil du gar nichts mehr von dir hören ließest. So kam ich persönlich einmal zu dir. Es war mir — gewiß nicht leicht, nachdem du mir bei unserem letzten Zusammentreffen so weh getan hattest."
Ria schlug wie ein Schulmädchen die Augen nieder und erwartete den Erfolg dieser Szene.
„Aber liebe Ria, ich habe dir wissentlich ganz gewiß nicht weh tun wollen. Ich wollte dir doch nur eine Freude machen. Doch sprechen wir nicht mehr darüber. Das ist ja vorbei."
Gersheim ließ sich durch Rias aufrichtigen Ton wirklich bluffen und meinte es auch jetzt gut mit ihr.
Bei sich aber fühlte er, wie er es schon einmal so deutlich gefühlt hatte, wie wenig ihm diese Frau in seinem Herzen doch bedeutete.
.Dos blasse, gepuderte Gesicht, die tiefrot geschminkten Lippen. Gewiß nicht uninteressant, denn Ria Velten war schön, sehr schön. Aber ihm lag all das Unnatürliche, Zurechtgemachte so wenig.
„Licht, Luft und Sonne!, das ist die schönste Kosmik!" hatte seine Mutter oft gesagt. „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dann hätte er uns Lippenstift und Puderquaste mit auf die Welt gegeben. Aber das hat er nicht getan, und so ist es wohl auch nicht sein Wille, daß wir an unserem Aussehen so viel herumkorrigieren."
Gersheim lächelte bei diesem Gedanken und sah seine Mutter vor sich in früheren Jahren, deren Schönheit man in den Adelskreisen feiner thüringischen Heimat so oft gerühmt hatte.
„Du scheinst recht heiterer Laune zu sein, Günter", sagte Ria ein wenig lauernd.
„Ja, Ria. Meine Laune ist nicht schlecht. Das wäre wohl auch ungezogen, wenn einem so ein netter Besuch überraschend ins Haus kommt", sagte Gersheim, verbindlich lächelnd. „Nun, es ist gleich fünf Uhr. Ich würde mich freuen, wenn du zum Tee mein Gast sein wolltest."
Ria aber hatte noch nicht erwidert, als sie durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen wurden.
„Nun, Friedrich, was gibt's?"
„Verzeihung, gnädiger Herr. Es ist ein Bote da vom Modenhaus Merkur, der ein Paket bringt und einen Brief für den Herrn Baron. Darf ich das annehmen?"
Rias Blick suchte Gersheims Gesicht, und sie
sah, wie dieser erblaßte. Sekundenlang waren seine Lippen dünn wie ein Strich, während er nur ein kurzes „Ja!" hervorstieß.
Der ahnungslose Diener aber brachte das Paket ins Zimmer und legte den Brief vor feinen Herrn hin.
Durch Ria Veltens Kopf schoß blitzartig eine Fülle von Gedanken.
Modenhaus Merkur? Also bestanden noch immer Beziehungen nach dort? Was bedeutete das Paket? War der Inhalt dieses Paketes vielleicht eine Ueberraschung für sie?
„Oh, bitte, lies nur in Ruhe deine Post, Günter!" sagte Ria mit bestrickender Liebenswürdigkeit, während ihre Augen den Brief fast zu verschlingen schienen.
Soviel hatte sie schon erspäht: das war doch keine Geschäftspost?! Das war doch ein Damenkuvert mit einer regelmäßigen, beinah kindlichen Handschrift?!
Sekundenlang zögerte Gersheim. Dann öffnete er den Brief und las:
„Sehr geehrter Herr Baron!
Seien Sie mir, bitte, nicht böse, wenn ich Ihnen den kostbaren Mantel hiermit zurückgebe. Es ist mir unmöglich, ein solches Geschenk anzunehmen. Die herrlichen Rosen haben mir große Freude gemacht. Ich hoffe, Sie werden das verstehen.
Mit Gruß Gerlinde Steinbrück."
Ganz ruhig faltete Günter von Gersheim das Briefchen zusammen und steckte es in seine Jackett- tasche. Keine Miene in seinem Gesicht verriet, was in ihm vorging. Nur seine Augen hatten zum ersten Male einen merkwürdigen frohen, jungen Schein, und auf seinen Lippen lagen unsichtbar die Worte:
„Alle Achtung!"
„Wilst du mir nicht sagen, was dich so froh stimmt, Günter?"
Ria? Ach ja, Ria Velten! Oh, die hatte Baron von Gersheim über seinem Erlebnis beinah vergessen.
„Verzeihe mir, Ria! Wollen wir jetzt den Tee nehmen?" versuchte Gersheim über die Situation hinwegzukommen.
Doch Ria war zäh.
„Aber, Günter, seit wann hast du denn Geheimnisse vor mir? Willst du mir nicht sagen, was dich so erfreut hat?"
Da geschah etwas, das Ria selbst in höchstem Maße überraschte. Gersheim griff in seine Jackett- tasche, nahm das Briefchen heraus und überreichte es Ria.
„Da — bitte! Ich habe keine Geheimnisse. Wenn es dich wirklich interessiert." t
Mit schnellen Blicken überflogt Ria Velten den kurzen Brief und wurde plötzlich aschfahl.
„Du wolltest ihr den Mantel schenken — diesen teuren, herrlichen Fehmantel?"
„3a, Ria!"
„Du liebst sie also!"
„Das ... das weiß ich nicht, Ria! Sie ist mir sympathisch. Ich leugne das nicht."
„Was — sympathisch, dieses junge, grünschnäblige Ding? Ihre Madonnenaugen haben dir wohl den Kopf verdreht — was? Diese Madonnenhaften, das sind die Allerschlimmsten. Dieser Brief ist einfach großartig. Nein — so etwas von ausgesuchter Raffinesse! Da kommt eine anständige Frau überhaupt nicht darauf. So ein Mannequin! Man sollte es nicht für möglich halten! Und du — du fällst auch wirklich auf dieses Manöver herein!" Ein hysterisches Lachen unterbrach Rias wütenden Wortschwall.
Gersheim Gesicht war unheimlich starr geworden. Am liebsten hätte er Ria die Tür gewiesen. Aber er war zu sehr Weltmann, um nicht auch in diesem Augenblick vollkommen Herr der Lage zu sein.
„Liebe Ria, bitte, beruhige dich doch? Du wolltest die Wahrheit wissen. Das war die Wahrheit. Nichts weiter. Ich kenne Fräulein Steinbrück ebensowenig wie du. Aber ich kann nicht leugnen, das jage ich Zum zweiten Male, daß ihre Art mir ganz außerordentlich gefällt. Sie ist gewiß nicht anders, als sie sich gibt Wir wollen doch froh fein, daß es so feinempfinbenbe junge Mäbchen gibt. Sie hat ganz recht. Sie konnte von einem Unbekannten ein solches Geschenk nicht annehmen..."
„Unbekannten? Ha — wie lange noch? Du bist ja ganz versessen auf biefe Gans. Na — heirate sie boch." Ria war aufgeftanben. „Bitte, führe mich hinaus! Ich habe hier nichts mehr zu juchen."
Gersheim blieb ruhig unb vollkommen beherrscht.
„Wie bu wünschest, Ria! Ich hoffe, bu wirst halb einsehen, daß deine Worte leider recht unfreundlich waren ..."
„Und dieses Gänschen um Verzeihung bitten?" Ria ahmte Gersheims Tonfall nach und lachte schallend.
Gersheim erschrak in diesem Augenblick doch. Wie häßlich bas schone, gepflegte Gesicht jetzt aussah! Von Haß beinah zur Grimasse verzerrt.
Plötzlich üeränberte sich Rias Gesicht schon wie- ber. Tränen stürzten aus ihren Augen, unb sie brach in ein krampfhaftes Schluchzen aus.
„Oh — unb ich? Unb ich? Ich habe wirklich geglaubt, baß bu mich liebst. Alles war bir nichts. Gar nichts bebeutete bir all meine Liebe unb Treue ..."
„Ria ...ich kannte bich ja nicht!" sagte Gersheim leise. „Erst jetzt erkenne ich dich!"
„Erst jetzt, wo du mich zur Verzweiflung treibst? So kenne mich denn! Kenne mich wirklich! Noch besser wirst du mich kennenlernen. Denn ich hasse sie schon jetzt, diese scheinheilige Madonna. Na — du wirft ja selbst einsehen, daß sie nichts weiter als ein ganz großer Bluff ist. Natürlich, du mußt die Mode mitmachen. Blonde Haare, blaue Augen — weil das heute Trumph ist. Hm! Ein Schul
mädchen fast noch. Das ist natürlich besonders interessant. Eine, Achtzehnjährige! Sie kann ja mit deiner Tochter spielen. Dann hast du zwei Kinder", brach es aus Ria heraus.
In Gersheims Gesicht arbeitete es plötzlich.
„Ria!"
„Ja ... ja, sie kann mit deiner Tochter Ursula spielen!" Ria Velten konnte sich nicht mehr zurückhalten.
Bei Gersheim aber schien das Maß plötzlich voll zu sein.
„Beherrsche dich, Ria! Komme zur Vernunft! Mich aber — wirst du jetzt wohl, bitte, entschuldigen!"
„Günter, du ..." Ria änderte jäh ihre Taktik. Sie schien mit einem Male zur Vernunft zu kommen.
Plötzlich hing sie, laut weinend, an Gersheims Halse.
„Ach, bu ... Verstehst bu denn nicht, daß ich nicht ertragen kann, baß bu an eine anbere benkst? Nur ich — nur ich allein will bich lieben. Unb bu sollst nur mich allein lieben. Horst bu, Günter?"
Gersheim aber loste behutsam bie ihn leiben- schaftlich umklammernben Hänbe Rias.
„Ich verstehe schon, Ria? Wenn du doch nur vernünftig sein wolltest!" Ein warmes Mitleid stieg in ihm auf, als er den zügellosen Schmerz des Weibes sah. „So ist das doch nicht gut, Riachen! Das ist doch keine Liebe."
„Ich muß jetzt gehen, Günter!" sagte Ria Velten leise.
„Ja — vielleicht ist das das beste, mein Kind! Ruhe dich schön aus. Und morgen wirst du anders über diese Sache denken — nicht wahr?"
„Vielleicht, ja! Und ... du bist mir wirklich nicht böse?"
„Nein, Ria! Ich bin nicht böse. Ich war nur traurig. Du warst doch sonst immer so ein lieber, netter Kamerad. Da hab' ich dich ackch gern gehabt", sagte Gersheim freundlich.
„Kamerad? Ja, Günter! Nichts weiter. Oh, du... Ich glaube, du hast ein Herz von Stein und nicht ein warmes, lebendiges Menschenherz."
„Aber Ria!" Wie einem Kinde streichelte Baron Gersheim Ria Veltens Wange.
Die Menschen sind doch alle wie Kinder!, dachte er. Diese hier ist eine bekannte und verehrte Filmschauspielerin. Sie entzückt die Menschen durch ihr Spiel, und hier in dieser Stunde ist sie wie ein kleines, unartiges Kind, bas böse wirb, wenn es seinen Willen nicht burchsetzen kann.
Doch nun schien ja alles gut zu fein. Das Teufelchen hatte sich scheinbar iri Ria beruhigt.
„Aber bu mußt mir versprechen, Günter, baß bu biefen ... diesen Mannequin nicht lieben willst!" begehrte Ria noch einmal auf. „Willst du mir bas versprechen? Jetzt! Für alle Zeit."
Also wieder dasselbe.
(Fortsetzung folgt!)


