Ausgabe 
16.12.1935
 
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Ut.295 Erster Blatt

185. Jahrgang

Montag, tb. Dezember 1955

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M Frankreich kolonisiert!

Die großen Worte, mit denen Italien im Namen der europäischen Zivilisation und Kultur einen wirtschaftlichen und imperialistischen Eroberungs- aug nach Abessinien zu rechtfertigen sucht, haben die Augen der Welt wieder auf die prinzipielle Frage gelenkt, ob die alten kolonisatorischen Vorwände mit den neuen Anschauungen von den Bedürfnissen primitiver Bevölkerung ü b e r h au p t noch zu ver­einbaren sind. Es gibt hier Verfechter einer ganz radikalen Theorie, die aus der genauen Kenntnis solcher primitiven Lebenszustände, die durchaus nicht immer Kulturlosigkeit bedeuten, die Ansicht vertreten, daß die künstliche und gewaltsame Auf­pfropfung europäischer Einrichtungen und Gewohn­heiten auf ein ganz anderes Volkstum nur Ent­artung und Unzufriedenheit bringe und eines Tages böse Rückschläge zur Folge haben werde. Von der andern Seite wird dies nur als richtig anerkannt, soweit es sich um gewissenlose Kolonisation und um die Einführung verderblicher europäischer Gewohn­heiten, wie z. B. des Alkoholgenusses handle, und auf die Vorteile hingewiesen, die der Anschluß an den Welthandel und an die überlegene Gesittung der alten Welt für die abseits in einem Urzustände der menschlichen Entwicklung lebenden Völker hat.

Wie dem auch fei, die weißen Mächte, die an der Kolonisation farbiger Länder, besonders Afrikas, beteiligt find, werden sich durch den Streit der Theorien jedenfalls nicht veranlaßt sehen, etwa ihren Besitz aufzugeben. Das einzige, was man als Erfolg einer kolonialen Gewiffenserforfchung er­warten kann, ist, daß die früheren Methoden einer rein egoistischen wirtschaftlichen Ausbeutung ohne Rücksicht auf die Interessen der eingeborenen Be­völkerung aufhören und daß als Ziel der Koloni­sation wirklich jene zivilisatorische Mis­sion in den Vordergrund tritt, die allzu oft nur der Vorwand neuer Eroberungen war.

In französischen Kolonialzeitschriften haben sich in letzter Zeit zwei Parlamentarier, der Bericht­erstatter des Ausschusses für auswärtige Angelegen­heiten Archimbaud und der Arzt Dr. Bri - q u e t, mit den sanitären Zuständen in den we st afrikanischen Kolonien Frank­reichs beschäftigt, die zeigen, daß die zweitgrößte Kolonialmacht sich sehr weit von einer solchen idealen Erfüllung ihrer Aufgabe entfernt hält.

Die Voraussetzung jeder wirklichen Kolonisation in den Gebieten des äquatorialen und westlichen Afrikas, zu denen auch die ehemaligen deutschen Kolonien Kamerun und Togo gehören, ist die energische Bekämpfung der Schlafkrank­heit, für die die moderne Wissenschaft die nötige Rüstung geschaffen hat. Mit beträchtlichem Auf­wand hat Frankreich auch die Vorbereitungen da­zu getroffen, indem es überall Spezialdienste ein­richtete und in großem Umfange einheimisches Krankenwärterperfonal vorschulte. Aus Gründen der Sparsamkeit im Kolonialetat sind jedoch alle diese Einrichtungen abgestoppt worden, und die Folge ist eine ungeheure Zunahme der verheeren­den Krankheit, die besonders an den Flüssen und in den Waldgebieten die ohnehin spärliche Be­völkerung auszurotten droht. In Kamerun allein hat Dr. B r i q u e t die Zahl der Schlafkranken auf 52 000 angegeben; an der Elfenbeinküste sind es 52 v. f). der Bevölkerung, an einzelnen Orten steigt die Prozentzahl auf 92 v. H. Im französischen Kongo waren in den Jahren 1928 bis 1931 zwei­undsechzig Stationen für die Behandlung der Schlaf­krankheit' eingerichtet worden, die man jetzt ohne das nötige Personal an Aerzten und Pflegeperso­nal und ohne die erforderlichen Heilmittel läßt, weil das Kolonialministerium in Paris die Posten im Budget gestrichen hat.

Als Erfolg stellen die beiden französischen Kritiker der Kolonialverwaltung fest, daß die Bekämpfung der Schlafkrankheit in diesen Besitzungen auf den Stand vor dreißig Jahren zuruckge- funken ist, obwohl die moderne Medizin die Mit­tel in die Hand gegeben hat, sie zu unterdrücken und damit erst die Voraussetzungen für eine wirkliche Kolonisation zu schaffen. Eine Bevölkerung von etwa 20 Millionen Schwarzer ist durch die Vernach- läffigung zum langsamen Aussterben bestimmt, wenn sich Frankreich nicht entschließt, zu seinen Pflichten als Kolonialmacht zurückzukehren.

Man wird angesichts dieses von Franzosen selbst kritisierten Versagen einige Fragen stellen dürfen; zunächst: ist es verwunderlich, wenn bei der schwar­zen Bevölkerung Afrikas die Behauptung, eine weiße europäische Macht wolle ein in seiner Art glücklich und in geschlossenem Kulturkreis lebendes Volk, wie die Abessinier aus der Barbarei erlösen, zum äußersten Widerstand erregt? Und daß selbst in Europa niemand mehr an eine solche Heuchelei glaubt? Ferner: wo bleibt der Völkerbund? Es gibt dort eine Mandatskommission, der jährlich Bericht zu erstatten ist über den Zustand der Man­datsgebiete Daneben eine andere Kommission, die das internationale Gesundheits- und Sanitätswesen zu beobachten und zu fördern hat. Haben sich beide Kommissionen je mit den Zuständen in den westafri­kanischen französischen Kolonien beschäftigt?

Endlich eine dritte Frage: In denGrundlagen für die Friedensverhandlungen" von Versailles heißt es, Deutschlands Versagen auf dem Gebiete der kolonialen Zivilisation sei zu deutlich klargestellt als daß 13 bis 14 Millionen Eingebo­rener von neuem einem Schicksal überlassen werden könnten, von dem sie durch den Krieg befreit wor­den feien! Die deutschen Kolonien m Westafnkn waren unter deutscher Herrschaft tn einem tadel­losen Zustand und voller Entwicklung. In dem kli­matisch ungesunden. Togo waren d o r b i l deiche Einrichtungen gegen die dort herrschenden Seuchen,

Die Verantwortung für die unbefriedigende Kriedens- formel trägt der Völkerbund.

England fühlt sich von den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes im Stich gelassen.

London, 16. Dez. (DNB. Funkspruch.) Außen­minister Sir Samuel Hoare wird heute Abend in London zurückerwartet. Völkerbundsmini­ster Eden beabsichtigt, morgen nach Genf zu fah­ren zur Teilnahme an der Sitzung des Völker­bundsrates.Daily Telegraph" schreibt, Eden habe gestern Baldwin auf Grund seiner eigenen Ein­drücke Mitteilungen über die Wirkungen Des Hoare- Laval-Planes gemacht. Wahrscheinlich werde heute eine außerordentliche Kabinettssitzung statt- sinden, um Eden Weisungen für feine Haltung vor dem Völkerbund zu geben.

Bei der Unter Haus-Aussprache am Don­nerstag werde es sich um die Frage handeln, ob der Völkerbund zu einem wirksamen Instrument ge­macht werden könne, das die Fähigkeit besitze, d i e Grundsätze des Völkerbundes zu er­zwingen. Wenn dies nicht der Fall sei, werde der Völkerbund sich notgedrungen jetzt und in Zu­kunft mit Ergebnissen begnügen müssen, die w e i t hinter seinen eigenen Idealen zurück- blieben. Dies habe Baldwin am letzten Dienstag im Unterhaus angedeutet, als er jagte:Wir lernen und haben in den letzten drei Monaten viel ge­lernt hinsichtlich dessen, was gegenwärtig. in der Welt möglich ist und was nicht möglich ist."

2ttan werde nicht behaupten, daß eine Rege­lung des italienifch-abessinischen Streites auf Grund des Hoare-Laval-Planes in Ueberein- ftimmung mit dem Grundsatz stehen würde, daß der Angreifer keinen Gewinn aus feiner gesetzwidrigen Handlung erzielen sollte. Aber man werde wohl behaup­ten, daß eine für den Völkerbund befriedigen­dere Lösung nur erreicht werden könnte, wenn die Mitglieds st aaten bereit wären, ihren angemessenen Teil an viel schwereren Verantwortlichkeiten

) u übernehmen.

Daß der Friedensplan Italien die von ihm be­setzt en Gebiete überlasse, werde von Völker­bundsmitgliedern in Gens abgelehnt. Diese Auf­fassung sei im britischen Parlament ebenfalls weit verbreitet. Unter diesen Umständen frage es sich, welche Länder bereit sein würden, eine inter­nationale Expeditionstruppe zur Vertreibung der Italiener zu bilden oder Abessinien mit angemessenen militärischen Mit­teln zu versehen Wenn keiner dieser Wege gang­bar sei, bleibe nur noch die Möglichkeit, daß wei­tere S ü h n e m a ß n a h m e n militärischer Art zur Anwendung gebracht werden, z. B. Schließung des Suezkanals oder Ver­hängung einer lückenlosen Oelsperre, die die italienische Armee bewegungsunfähig machen würde. Da Italien nun solche Maßnahmen a l s feindselige Handlungen betrachten würde, würde der Völkerbundsrat genötigt sein, festzustel­len, welche Streitkräfte zu Lande, zu Was­ser und in der Luft die Völkerbundsmitglieder bei­steuern würden, um die Völkerbundssatzung zu schützen.

Die britische Regierung sei überzeugt, daß eine solche Hilfe von anderen europäischen Staaten nicht zu eLwarten sei, kurz, daß Groß­britannien allein die ganze Last auf sich würde nehmen müssen. Durch ihre beharrliche Politik, die Völkerbundssatzung aufrechtzuer­halten, habe die britische Regierung die An­wendung wirtschaftlicher Sühnemaßnah­men veranlaßt, die teilweise erfolgreich gewesen seien. Vis ungefähr vor einer Woche habe sie geglaubt, daß Europa bei der Zusammenarbeit noch weitergehen würde. Dieser Glaube sei jetzt enttäuscht worden. Die Regierung werde daher dem Unterhaus mitteilen, daß, wenn das Hoare-Laval-Abkommen auch h ö ch - stens zur halste befriedigend für den Völkerbund sei, dies der Fall sei, weil der Völkerbund nicht imstande oder bereit sei, mehr als die hälfteseiner Wacht zur Anwendung zu bringen. Dem Unterhaus werde mitgeteilt werden, daß die Wahl eines anderen Weges zu einer gefährlichen Lage führen würde. Die Regierung habe nur das Ziel, die Völkerbundsftaaten zu überreden,

alles zu tun, um sicherzustellen, daß der künftige Völkerbund seine Ver­pflichtungen re st los erfüllen kann.

Sir Samuel Hoare werde die Aufgabe haben, mit feinen Kollegen zu beschließen, wie die Lage dem Unterhaus dargestellt werden solle. Nachdem alle seine bisherigen Erklärungen sich durch ihren Freimut ausgezeichnet hätten, werde Hoare auch diesmal den Standpunkt vertreten, daß nichts ge­wonnen und viel verloren werden kann, wenn un­

angenehme Tatsachen verheimlicht würden. Die Aus- spräche werde auch eine große Bedeutung für die Sitzung des Völkerbundsrates haben. In maßgeben, den Londoner Kreisen glaubt man, daß der Völker­bundsrat nach wie vor abgeneigt fein werde, den Friedensplan in feiner jetzigen Form anzunehmen. Er werde damit die Verantwortung für eigene neue Vorschläge zu übernehmen haben, wäh­renddessen der Krieg in Abessinien feinen Fortgang nehme.

pariser Kundgebungen für und wider den Medensplan.

Paris, 16. Dez. (DNB. Funkspruch.) Am Wochenende haben in Paris eine Anzahl Verbände ihre Stellung zu den Versuchen einer Beendigung im italienisch-abessinischen Konslikk und zum Völ­kerbund als Hüter des Friedens bargelegt. Auf einer Kundgebung zugunsten der französisch-eng­lischen Zusammenarbeit sprach Lord Robert Cecil seine Ueberzeugung aus, daß jedes europäische Volk den Frieden wünsche. Man müsse ihn mithin auf die Dauer verankern können, unter zwei Bedingun­gen: daß Frankreich und England zusammenarbei­teten und daß die Regeln des Völkerbundes genau eingehalten würden. Vor allem müsse man der Neigung für Bündnisse, die Europa trenn­ten, u nb für ein W e 11 r ü st e n widerste - h e n, damit man nicht zu dem Zustand, wie er vor 1914 bestanden habe, zurückkomme. Nachdem der bel­gische Senator Henry R o 11 i n von der Verteidi­gung der Rechte des Schwächeren ge­sprochen hatte, nahm die Versammlung eine Ent­schließung an, die verlangte, daß nicht ein dem An­greifer günstiger Schulfall geschaffen werden möge.

Ferner tagte in Paris der internationale Ausschuß zur Verteidigung des abes­sinischen Volkes und des Friedens. Es nah­men daran französische, englische, belgische und nie­derländische Persönlichkeiten teil. Der Ausschuß kam zu der Schlußfolgerung, daß der Vorschlag Laval- Hoare zur Beilegung des italienisch-abessinischen

Streites eine Belohnung für den Angreifer fein und dem Geist der Völkerbundssatzungen zuwider laufen würde. Die Vereinigungder Frontkämp­fer in Toulon hat in einer Entschließung für den Fall eines Mißerfolges der englisch-französischen Vermittlungs- und Friedensbemühungen die Pariser aufgefordert, sich keiner Erweiterung der Sühnemaßnahmen gegen Italien anzuschlie­ßen, denn die Italiener seien durch den Versailler Vertrag benachteiligt worden.

Der marxistische Abgeordnete Leon Blum be­fürchtet,England und Frankreich wollten Italien nicht mehr ein Drittel des abessinischen Reiches als Kolonialland zuschanzen, sondern den Italienern auch noch die finanziellen Mitteln zur Erschließung des Landes zur Verfügung stellen. Eine der Vorbedingungen Mussolinis für eine Zu­stimmung zum englisch-französischen Regelungsvor­schlag sei die Hilfe Frankreichs und Englands, oder sogar die Bürgschaft des Völkerbundes für eine Anleihe der mit der Erschließung des Siedlungslandes in Abessinien beauftragten italie­nischen Gesellschaft. Wenn sich das so abspielen würde, dann würden Frankreich, England und der Völkerbund nicht nur den Angriff gutheißen, son­dern auch noch die Ko st en übernehmen. Der Angreifer würde nicht nur von allen Sünden freige­sprochen, sondern sogar belohnt und bevorschußt werden.

D:e römische preße hat an der Friedenssormet viel auszuseßen.

R o m, 15. Dez. (DNB.) Die römische Presse gibt offen ihrer Enttäuschung über die französisch-eng­lischen Vorschläge Ausdruck, ohne allerdings die 23er» mittlungsvorschläge als Ausgangspunkt für Ver­handlungen rundweg abzulehnen.Voce d'Jtalia" bemängelt dasgeringfügige Ausmaß der an Italien abzutretenden nützlichen Gebiete" und die Unmöglichkeit einer Abtretung Des Hafens Assab und des Gebietsstreifens, der ihn mit Abessinien verbinden solle. Auch die Rückgabe von Aksum sei nicht möglich. Die Idee des Gebiets­austausches zwischen Italien und Abessinien stütze sich auf den für Genf typischen Fehler der Gleichberechtigung von Italien und Abessi­nien, die durch nichts zu rechtfertigen fei. Noch be­troffener fei Italien über die sog. Ausdehnungs­und Siedlungszone. Diese Zone sei nicht nur klei­ner als die Italien seit den 90er Jahren zugestan­dene ausschließliche Einflußzone, sondern lasse vor allem die direkte Verbindung zwischen Erythräa und Somaliland vermissen. We­nig klar sei ferner die Beschränkung der italienischen Rechte durch den Vorbehalt dervon Ein­geborenen oder Ausländern erworbe­nen Rechte". Ueber diesedunklen Hypotheken", die an die geheimnisvollen Geschäfte Ricketts erin­nerten, müsse dadurch Klarheit geschaffen werden, daß der Vorschlag von diesen ungenauen Vorbehalten befreit werde. Welcher Art wären außerdem, so fragt das Blatt, die Poli­zeirechte Italiens und feine Rechte zum m i - litärifchen Schutz, ohne die die Besiedelung mit Hunderttausenden und die Einlage großer Kapi­talien ein fast tollkühnes und abenteuerliches Unter­nehmen wäre?

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Unsere Karte zeigt die Auswirkungen desGebjets- austauschs", der im englisch-französischen Plan vor­geschlagen wurde. Mit senkrechten Strichen ist das von den Italienern besetzte Gebiet ge­kennzeichnet, mit waagerechten das Gebiet, das außerdem den Italienern zugesprochen werden soll. Das jetzt besetzte Gebiet von Aksum bekommt Abessinien zurück, ebenso einen Korridor zu der heute zu Eritrea gehörigen Hafenstadt Assab. Die punk­tierten Gebiete stellen die Siedlungszone dar, in der sich Italien wirtschaftlich ausdehnen kann.

Lepra, Geschlechtskrankheiten und Schlafkrankheit getroffen; die Schlafkrankheit war in vielen Gegen­den die jetzt wieder verseucht sind, völlig a u s g e » rottet Das reiche Frankreich hat kein Geld dafür, den von Deutschland hinterlassenen Zustand wenig­stens aufrecht zu erhalten

Die Antowort aus diese Fragen lautet: weder der Völkerbund als Aufsichtsinstanz, noch Frank­reich als Mandatsmacht haben ihre Pflichten erfüllt und das bis zum Kriege unbestrittene Recht der weißen Rasse auf Kolonisierung des schwarzen (Er­teile kompromittiert. Der abessinische Konflikt wird diesen Gegensatz zwischen dem alten Anspruch Europas und dem moralischen Versagen noch deut­licher machen und. kann zu einer schweren Krise des kolonialen Systems führen.

polnische Stimme gegen einen Mißbrauch des Völkerbundes.

Warschau, 16. Dez. (DNB. Funkspr.) Der der Regierung nahestehendeExpreß Poranny" schreibt, die Art, in der die Großmächte den italienisch-abessi­nischen Streit erledigen wollten, müsse in Polen erhebliche Bedenken Hervorrufen. Im Namen der Grundsätze des Völkerbundes hätten sich 50 Staaten, von denen viele in guten Beziehungen mit Italien ständen, trotz wirtschaftlicher Schädigungen zur An­wendung der Sühnemaßnahmen entschlossen. Im Augenblick, wo das Sanktionssystem in Gang ge­

bracht worden, fei man nunmehr Zeuge von Ver­handlungen, die im Widerspruch zu dem Genfer Gei st ständen. Unter diesen Umständen könne man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß gewisse Großmächte Genf als Werkzeug be­nutzt hätten, um ihre eigenen Ziele leid)- ter zu erreichen. Der italienisch-abessinische Streit müsse, nachdem man sich in Genf auf Ar­tikel 15 berufen habe, bis z u Ende in Genf erledigt werden. Eine Art Diktatur einer ober mehrerer Großmächte, die vom ita- lienisch-abefsinischen Streit Vorteile haben könnten, während 50 andere Staaten nur Schaden hätten, müsse auf entschiedenen Widerspruch stoßen.