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verschiedenen Zweige der Kriegsvorbereitung und für die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der verschiedenen Waffengattungen. Er komme so­eben von einer Sitzung des Ausschusses für chemische Kriegsführung, in dem wohl die fähigsten Wissenschaftler Englands ver­treten seien. Sehr gute Fortschritte würden in den Vorarbeiten zur Herstellung einer guten Gasmaske zu mäßigem Preise erzielt. Zn erster Linie müßten die Streitkräfte und dann die große Masse der Bevölkerung mit Gasmasken ausgerüstet werden, wenn sich die Notwendigkeit tatsächlich ergebe.

Der bekannte Presse-Lord Rothermere (fonf.), der erst vor kurzem zum erstenmal seinen Platz im Oberhaus eingenommen hatte, sagte, daß England heute vor der Möglichkeit der schrecklichsten Gefahr in der ganzen englischen Geschichte stehe. Die Ent­wicklung des Bombenflugzeuges könne das ganze Gesicht Europas stark ver­ändern. England habe die Armada geschlagen und die Ueberfallversuche Napoleons vereitelt: aber es sei unbekannt, wie ein Luftüberfall wirkungsvoll abgewandt werden kann. Rothermere unterstützte den Vorschlag Lord Mot- tistone und erklärte, daßdie machtvolle Persönlich­keit einesob e r st e n Kri e g s f ü h r e r s" sehr nützlich für England wäre. Rothermere begründete hierauf die englische Aufrüstung mit Hinweisen auf diedeutsche G e f a h r", die sich ihm in einem geradezu phantastischen Licht darstellt. Die Zahl der Bombenflugzeuge, die Deutschland be­sitze, gab er mit nicht weniger als 10 000 (!) an. Das sei eineschauerliche Gefahr", und seiner An­sicht nach könne ihr nur begegnet werden, indem England jeden evtl. Feindstand wissen lasse, daß es mit gleicher Münze herausgeben könne. England müsse vielleicht 100 Millionen Pfund jähr­lich für seine Luftausrüstung ausgeben. Ein großer Pressefeldzug für die englische Luftaufrüstung habe bisher nur geringen Erfolg in England gehabt.

Admiral Keyes fordert eine Wehranleihe.

Englands angeblich veraltete Flotte.

London, 15. Mai. (DNB.) Der vor einigen Tagen in den Ruhestand versetzte Admiral der Flotte Sir Roger Keyes übte in einer Rede vor der Flottenliga scharfe Kritik an der Flotten- politik der Regierung. Die Regierung habe keine ausreichenden Geldsummen für den Ersatz der veralteten Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt und nicht einmal die durch den Londoner Flottenvertrag gezogenen Grenzen voll ausgenutzt. Der Ersatz dieser verbrauchten Kriegsschiffe, die Todesfällen sein würden, falls sie einen Kampf mit Schiffen anderer Natio­nen zu bestehen hätten, werde heute unge­heure Beträge verschlingen, weil die Regierung mit den Neubauten viel zu lange gewartet habe. Er hoffe, daß die Regierung den Mut und die Klugheit besitzen werde, um, wie im Jahre 1889, eine Wehranleihe aufzu­legen. Der erste Schritt zur Wiedergewinnung der Seegeltung Englands müsse die Befreiung der Marine von ihren heutigen Bindungen sein. Deutschland werde mit seinen Aufrüstungsmaßnah­men so lange fortfahren, bis es wieder einmal bereit sei, entweder für das zu kämpfen, was es haben wolle, oder bis es unter Kriegsdrohungen das erhalte, was es wünsche.

Große Flottenschau in London.

Lavals Moskauer Besprechungen beendet.

Der amtliche Bericht.

Moskau. 15. Mai. (DNB.) Die TASS. ver- öffenklichl den amtlichen Bericht über die Moskauer Verhandlungen mit Laval, der folgendes besagt: Während der Unterredungen hätten Stalin, Molotow und Litwinow sowie Laval ihrer Genug­tuung über den Vertrag Ausdruck gegeben, der die Verpflichtung der gegenseitigen Hilfe zwischen der Sowjetunion und Frankreich festge­legt hat. Die Vertreter der Sowjetunion und Frankreichs hätten die Möglichkeit gehabt, das freundschaftliche Vertrauen festzuskellen, das zwischen ihren Ländern durch den Vertrag ge­schaffen worden fei, der seinen wohltuenden Einfluß auf die Behandlung aller Fragen aus­geübt habe, und zwar sowohl hinsichtlich der fowjek- rufsifch-französifchen Beziehungen als auch der all­gemein-europäischen Ordnung.

Beide Seiten konnten feststellen, daß ihre ständi­gen Bemühungen um die Sicherung des Friedens in einer Reihe von Staaten, die der Sache des Friedens zugetan seien. Unter st ühung gefun­den hätten. Dies werde durch ihre Bereitschaft zur Teilnahme an der Schaffung ge­genseitiger Garantien bewiesen. Gerade im Interesse der Friedenswahrung seien diese Staa­ten verpflichtet, die Mittel der Landesver­teidigung nicht herabzumindern. Sta­lin habe sein volles V e r st ä n d n i s für die Be­strebungen Frankreichs ausgesprochen, einen Rü­stungsstand zu erreichen, der den Notwendigkeiten seiner Sicherheit entspricht.

Die Vertreter der beiden Staaten haben anderer­seits ihren Entschluß bekräftigt, bei der Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit nichts zu vernach­lässigen. um mit der Hilfe aller solidarischen Regierungen eine Politik des Friedens und der Besserung der politischen Beziehungen zu fördern, die allein unter den Völkern das für die Entfaltung der materiellen und moralischen Belange der europäischen Kollektivität unerläßliche Vertrauen wiederherzustellen vermag. Es wurde besonders an­erkannt, daß der Abschluß des gegenseitigen Bei­standspaktes zwischen Sowjetruhland und Frankreich in keiner Weise die Bedeutung schmälert, die die unaufschiebbare Verwirklichung eines Regionalpaktes in Osteuropa bietet, der die ursprünglich hierfür vorgesehenen Staaten auf der Grundlage von Verpflichtungen vereinigen würde, die auf den Nichkangriff, die Beratung und die Nichkunterskühung des Angreifers abzielten. Beide Regierungen werden sich mit ver­einten Kräften zu diesem Zweck für die Ausgestal­tung des geeignetsten diplomatischen Verfahrens weiterhin einsehen. Indem die oben angeführten gemeinsamen Entschließungen der Oeffenklichkeit übergeben werden, erklären die Vertreter der Sowjetunion und Frankreichs mit allem Verank- wortungsbewußtsein, daß sie damit die verbin­dende Hingabe an das schöpferische Werk des Friedens demonstrieren, das die-

Teilnahme keines Staates ausschließt und das seine volle Verwirklichung lediglich bei ehrlicher Mitarbeit aller interessierten Länder finden könne.

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Die amtliche Mitteilung über den Inhalt der sow­jetrussisch-französischen Besprechungen enthält zwei­fellos nur einen Teil der hierbei berührten Fragen. Man hebt hervor, daß Laval, wie es sich in seiner Tischrede vom 13. Mai zeigte, einer allzu einseitigen Einstellung in Fragen der Sicherheitspolitik nicht zugestimmt habe. Der Kernpunkt des Abschlußkommuniqu6s sei die Billigung von Frankreichs Politik der nationalen Verteidigung. Dies habe im Hinblick auf die antimilitaristische Propaganda der Kommuni st en in Frankreich hervorragende Bedeutung und stelle den größten diplomatischen Gewinn dar, den Laval Heimbringen könne.

Laval habe bei den Besprechungen über die Sicherheitspolitik Wert darauf gelegt, den Weg zur Verständigung im weiteren Rahmen offenzuhalten. Er scheint mit Rücksicht auf

Polen damit einverstanden zu sein, daß die Tschechoslowakei als ein an Fragen Nord­osteuropa nicht unmittelbar beteiligter Staat an einem Ost-Nichtangriffspakt unbetei­ligt bleibe. Der Presse erklärte Laval jedoch, daß er darüber mit dem polnischen Außenminister Beck nicht gesprochen habe, da es verfrüht sei, schon jetzt die Teilnehmerfrage aufzuwerfen.

Am letzten Tage seines Moskauer Aufenthaltes war Laval noch zum Frühstück beim Moskauer Staatssowjet. Der Vorsitzende des Moskauer Sow­jets Bulganin begrüßte bei dieser Gelegenheit Laval als Bürgermeister von Auber- villiers. Laval antwortete ebenfalls unter Be­zugnahme auf fein kommunalpolitisches Amt. Am Nachmittag fand ein Empfang in der fran­zösischen Botschaft und im Anschluß daran ein kurzer Empfang der Presse statt. Am Abend wohnte Laval einem ihm zu Ehren veranstalteten Ballett bei, dem u. a.Bilder aus der fran­zösischen Revolution von 1789" bargeboten wurden. Er hat dann am gleichen Abend noch Moskau, ver­lassen, um in Warschau an den Trauerfeier­lichkeiten für Marschall Pilsudski teil­zunehmen.

Die pariser presse zieht Bilanz.

Paris, 16. Mai. (DNB.-Funkspruch.)Die französisch-sowjetrusfische Freundschaft ist besiegelt worden", erklärte Laval im Rundfunk kurz vor seiner Abreise aus Moskau. Als Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung bucht die französische Presse die als wesentliches Ergebnis hervorgehobene Stelle der Schlußverlautbarung, in der erklärt wird, daß Stalin die Politik der Lan­desverteidigung Frankreichs billige. Das fei, meintOeuvre", eine außergewöhn­liche Erklärung. Sie habe selbst die sowjet­russischen Kreise überrascht. Diese Erklärung könne auf die allgemeine Entwicklung des Kommunismus einen bedeutenden Einfluß haben. Stalin persönlich greife ein, schreibt dasEcho de Paris", um die Doktrin der französischen Kommunisten zu be­richtigen.

Das sei wichtig aus zwei Gründen. Einmal lehne Moskau offiziell seine west­europäischen Nachbeter ab, so daß die französische Regierung, wenn sie den Mut dazu auf­bringe, nur noch die Verfechter pazifistischer Ge­danken zu treffen brauche, zum anderen trete Sta­lin durch diese schriftlich festgelegte Erklärung aus dem geheimnisvollen Dunkel, mit dem er sich bis­her umgeben habe, heraus.

Der Wert dieser Zusage wird allerdings von einer Reihe französischer Blätter in Zweifel gezogen.Journal" erinnert daran, daß bereits 1932 die Sowjets mit Frankreich einen Pakt ab­geschlossen hatten, in dem die Einstellung der revo­lutionären Propaganda versprochen worden war, ohne daß diese Versicherung ejngehalten wurde.Matin" erklärt, wenn Die kommunistische Propaganda im Heer nicht sofort aufhöre, dann würden die Sowjets erneut ihre Doppel­züngigkeit bewiesen haben. AuchAmi du peuple",Quotidien" undLe Jour" bleiben äußerst skeptisch. SelbstEre Nouvelle" scheint von der Wirkung nicht allzu überzeugt zu fein. Die kom­

munistischeHumanits" erteilt bereits eine viel­sagende Antwort:Gewisse Kreise werden nicht verfehlen, diese Stelle der amtlichen Verlautbarung gegen uns auszulegen. Sie mögen sich aber eines Besseren belehren lassen. Stalin hat lediglich gesagt, daß er die gegenüber den nationalsozialistischen Interessen getroffenen Ver­teidigungsmaßnahmen billige." Andere Blätter kün­digen deshalb an, daß die französischen Kommu­nisten nach wie vor ihre Propaganda f o r t s e tz e n und sogar verstärken würden.

Im übrigen rühmen die Berichterstatter der fran­zösischen Presse den Kampfeswert des f o w- letrussischen Heeres und schildern die Flie­gerparade zu Ehren Lavals. Der Sonderberichter­statter desPetit Parisien" versichert, daß die Sow­jets bereits mehr als 4000 moderne Kampfflugzeuge besitzen. Im Falle eine^ Konfliktes würde also die Hilfe Rußlands kein leeres Wort bleiben.Echo de Paris" kündigt an, daß im Sommer zwei französische Regi­menter der s o w j e t r u s s i s ch e n Armee einen Besuch absta11en werden, gleichsam als Vorspiel für die Besprechungen von General st ab zu General st ab, die früher^ oder später Platz greifen müßten. In der Bilanz der Moskauer Besprechungen heißt es dann, nie­mand kann schon heute voraussehen, was in der Praxis der Pakt vom 2. Mai ergeben wird. Das Problem enthält zu viele Unbekannte. Für den Augenblick genügt die Feststellung, daß d i e deutsche Gefahr für Sowjetrußland wie für Frankreich die Hauptgefahr darstellt, vor der alle anderen Erwägungen zurücktreten müßten. Für die Offenherzigkeit der Verhandlungen spricht, daß La­val vor Stalin die Fragen der Vorkriegs- schulden und der religiösen Freiheit an­schneiden konnte, ohne auf eine kategorische Ab­lehnung zu stoßen.

Der Abessinien-Konflikt und die Mächte.

London, 15. Mai. (DNB.) Die englische Hauptstadt hat anläßlich des Silbernen Regierungs­jubiläums zum erstenmal seit 26 Jahren ihre eigene Flottenschau. 22 Kriegsschiffe der englischen Heimatflotte sind am Mittwoch von der Them f e münbung bis zur Towerbrücke vor Anker gegangen und werden eine Woche lang zur allgemeinen Besichtigung für die Londoner Bevölkerung offen stehen. Am Samstag wird die ganze Flotte illuminiert. Die Offi­ziere und Mannschaften werden während des Festes überall freigehalten. In Southend an der Themfe- mündung liegen die vier Riefenschlacht­schiffeNelson",Hood",Rodney" undVa- liant", zwei Flugzeugmutterschiffe sowie Kreuzer und Zerstörer. Die übrigen Kreu­zer und Zerstörer und Unterseeboote sind im Themselauf in Zwischenräumen von der Tower- brücke bis vor Gravesend vor Anker gegangen. Im Jahre 1909 war es das letzte Mal, baß ein eng- llfches Kriegsschiff über bie Towerbrücke hinaus bie Themse hinaufgefahren war.

Begeisterter Empfang Mackensens in Ungarn.

Bubapest, 15. Mai (DNB.) Mit unbeschreib­lichem Jubel unb Begeisterung ist Generalfelbmar- schall von Mackensen in Bubapest empfangen worben. Eine unübersehbare Menschenmenge harrte am Donauufer, um bas Eintreffen bes Felbmarschalls miterleben zu können. Vor ber beutschen Gesanbt- schaft am Donaukai waren zwei Husaren- schwabronen unb eine Ehrenkompanie aufmarfchiert. Vor bem Eingang hatten bie reichs­deutsche Kolonie, bie Ortsgruppe ber NSDAP., bie Hitlerjugenb unb bie beutsche Presse Aufstellung genommen.

Als ber Felbmarschall mit ber ihm von ber ungarischen Regierung bis Passau entgegengeschickten JachtSophie" eintraf, brach ungeheurer Jubel aus. Die beiben Militärkapellen intonierten bas Deutschland unb bas Horst-Wessel-Lieb. Unter ben Klängen ber ungarischen Nationalhymne schritt ber Felbmarschall bann bie Ehrenkompanie unb bie beiben Husarenschwabronen ab.

Als ber Felbmarschall sich fobann in bie Gesanbt- schaft begab, sammelte sich eine unübersehbare Men­schenmenge, bie mit begeisterten Hochrufen nicht aufhören wollte, bis ber Generalfelbmarschall auf bem Balkon erschien. Tausenbe von beutschen Schwaben hatten sich aus ber Umgebung von Bubapest eingefunben, um an ben Hulbigungen für ben beutschen Heerführer teilzunehmen.

Sämtliche Bubapester Blätter geben ber tiefen Dankbarkeit unb Verehrung Ausbruck, bie bas ganze ungarische Volk in Erinnerung an bie ruhmreichen Taten bem beutschen Felbherrn entgegenbringt unb bas ungarische Volk aufforbern, bas bem Felbmar­schall 1919 auf ungarischem Boben angetane Unrecht jetzt burch ben Ausbruck ber Dankbarkeit und der Freude wieder gutzumachen. Nach dem Zusammen­bruch war Mackensen von der damaligen marxisti- lchen Regierung Ungarns gefangengenommen wor­den.

England rät zur Verständigung.

Der englische Botschafter zur Bericht­erstattung nach London bernfen.

London, 16. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der britische Botschafter in Rom, Sir Eric Drum- m o n d , wird Freitag vormittag in London fein.Daily Telegraph" schreibt: Das Kabinett wünscht einen persönlichen Bericht bes Botschafters über bie Lage unb ben voraussichtlichen Gang ber Ereignisse im italienisch-abessinischen Streit zu haben. Vor seiner Abfahrt hatte ber Bot­schafter eine Unterrebung mit Staatssekretär Suoich. Es war ihm bisher nicht möglich ge­wesen, Mussolini persönlich zu sprechen. Das Blatt fügt hinzu, ber Streit stehe auf ber Tagesorbnung bes Völkerbunbsrates in ber nächsten Woche. Der Gang ber Ereignisse mürbe in hohem Maße von ber Haltung Frankreichs unb Englanbs abhängen. Wahrscheinlich werbe bem Lorbsiegel- bewahrer Eben, ber Großbritannien vertrete, große Bewegungsfreiheit gelassen werben. In Lonbon herrsche bie Ansicht, baß bie Schritte, bie in Rom zur Gilbung eines Versöhnungsaus- chusses getan werben, barauf hinbeuteten, baß es für ben Völkerbunbsrat vielleicht überhaupt nicht notwenbig fein werbe, bie abessinische Beschwerbe im Augenblick zu behanbeln. Der Völ- ferbunb bürste aber sich vergewissern wollen, baß keine weiteren militärischen Vorbe­reitungen getroffen werden, während der Ver- söhnungsoersuch im Gange ist.

Time s" bedauert, daß Mussolini in seiner letz­ten Senatsrebe nach von ber Mäßigung bes Streites gesprochen habe, auf bie bie Welt gehofft hätte. In ber Tat bestehe gegenwärtig n i r g e n b s bie Absicht, einen förmlichen diplomati­schen Schritt zu unternehmen, ber von Musso­lini sehr verübelt würbe. Auch wolle roeber Frank­reich noch Englanb Abessinien nur im geringsten ermutigen. Aber bas Recht zur Beratung zwischen Frankreich, Englanb unb Italien sei mit­telbar in allgemeinen Verträgen, wie ber Völker- bunbssatzung, unb unmittelbar in ben Verträgen über Abessinien festgelegt.

Bei anberen Gelegenheiten habe Mussolini ent- schieben gewünscht, baß Frankreich unb Englanb sich in Fragen Europas unb Afrikas zu sofortiger Beratung mit Italien verpflichten sollten.

DieTimes" behanbelt bann bie Vorgeschichte bes Streites unb sagt, baß es an ben britisch-abessini­schen Grenzen (Somalilanb, Kenia, Uganba unb Suban) häufig zu Zusammen st äßen zwischen Abessiniern unb britischen Patrouillen komme. Die britischen Behörben seien sich jeboch im klaren bar- über, baß bie Ursachen gewöhnlich in Zwistig - feiten unter ben örtlichen Stämmen lägen. Solche Streitigkeiten ließen sich niemals ver- meiben, unb die Regierung in Addis Abeba tue ihrBestes, um die Stämme im Zaum zu halten. Daher würden die Zwischenfälle auch nicht zum Vorwand von großangelegten Vergeltungsmaßnahmen gemacht.

Italien und Abessinien hätten ©ertrage geschlos­sen, die den Gebrauch von Waffengewalt ausschließen müßten. Außerdem seien beide Länder durch den Kelloggpakt, die Satzung des Völkerbundes und besondere Verträge z u einer friedlichen Lösung verpflichtet. Ferner hätten im Vertrage von 1906 Italien, Frankreich unb Großbritannien ausbrücklich bie Verpflichtung übernommen, ben politischen unb gebietlichen Sta= tus quo nicht zu stören .Jebe Regierung habe dar­über hinaus das Versprechen gegeben, auf keinen Fall zu intervenieren, ohne sich mit den beiden anderen Vertragsteilnehmern verständigt zu haben. Eine solche Verständigung dürfte aber im vorliegen­den Falle erzielt worden sein. Der Eindruck, Italien w o l l e d e n Krieg als ein Mittel der Politik gegen ein anderes Völkerbundsmitglied anwenden, würde daher eine sehr schwere Belastung der Freundschaft darstellen. Großbritanniens und Frankreichs Bemühungen, die beide vertrags­gemäß das Recht hätten, ihre Ansichten zu äußern, müßten jedes Mittel fördern, das eine friedliche Regelung erstrebe.

Cecil warnt Italien.

Keine willkürliche Mißachtung derBerträge.

London, 16. Mai (DNB. Funkfpruch). In einem Brief an dieTimes" zeigt sich Lord Cecil, der Vorsitzende der englischen Völkerbundsliga, sehr be­unruhigt über die Vorbereitungen zu einem Kriege in Abessinien und meint, ein abessinischer Angriff auf Italien würde Wahnsinn sein und ein italienischer Einmarsch in Aethiopien sollte angesichts der Beschlüsse von Stresa als unmöglich be­trachtet werden. In dieser Entschließung hätten die drei Stresamächte als ihr Ziel die kollektive Auf­rechterhaltung des Friedens im Rahmen des Völker­bundes bezeichnet und sich gegen einseitige Verleugnung der Verträge ausgesprochen. Diese Grundsätze müßten im Streit zwischen Italien und Abessinien dieselbe Gültigkeit haben wie in dem unlängst gegen Deutschland ver­handelten Fall. Es sei unmöglich, im Norden Achtung vor dem Kollektivsystem zu fordern und sich im Süden darüber hinwegzufetzen. Die Verletzung von Teil 5 des Versailler Vertrages könne nicht verurteilt werden, wenn nicht die­selbe Unverletzlichkeit für Teil 1 des Ver­sailler Vertrages (Völkerbundssatzung) anerkannt werde. Auf jeden Fall sei die britische öffentliche Meinung sehr beunruhigt über die kriege­rischen Vorbereitungen, die jetzt im Zusammenhang mit dem italienisch-abessinischen Streit im Gange seien.

Demonstrationen vor dem Deutschen Haus in Prag.

Prag, 16. Mai. (DNB. Funkspruch.) Mittwoch abend hielt die tschechische oppositionelleNatio­nale Vereinigung" eine Wahlversammlung im größten Saal Prags, dem Luzerner-Saal, ab. Zum ersten Male seit dreijähriger Krankheit sprach

wieder ber alte Tschechenführer Dr. Kramarsch. Der Saal mußte wegen Üeberfüllung gesperrt wer­ben. Währenb unb nach ber Versammlung würben auf bem Wenzelsplatz stürmische Kun b g e bum gen abgehalten, bie auch vor bem Prager DeutschenHaus fortgesetzt würben. Die Prager B o h e m i a" berichtet über bie Demonstrationen: Etwa 200 Personen zogen vor bas Deutsche Haus unb versuchten mit ben RufenRaus mit ben Deut­schen aus Prag!"Raus mit ben Juben aus Prag!" in bas Deutsche Haus einzubringen. Sie kamen burch ben Haupteingang bis in ben großen Vor- rau m. Erst bort konnten sie von ben Bebiensteten unb Gästen, bie sich zur Wehr setzten, aufgehalten unb aus bem Haus gebrängt werben. Bei ben gewalttätigen Auseinanberfetzungen würbe eine Fensterscheibe zertrümmert. Zahlreiche Flugschriften ber nationalen Vereinigung würben an bie Mauer bes Deutschen Hauses geklebt. Schließlich schritt Po­lizei ein unb brängte bie Menge ab.

Aufgedeckter Putschplan der estnischen Freiheitskcimpferbewegung.

Reval, 15. Mai. (DNB.) Die estnische Re­gierung veröffentlicht eine Erklärung über einen Putschplan, ber von bem aktivistischen Flügel ber estnischen Freiheitskämpferbewegung vorbereitet worben sei. In Reval unb Dorpat sollen sich un­ter ber Führung bes Hauptmanns a. D. Reha Zwei Stoßtrupps gebilbet haben, bie einen beroaff» neten Aufstanb gegen bie Regierung Pates und die gewaltsame Beseitigung der fühe- ren Männer planten. Mit Hilfe eines Feld­webels sei es diesen Stoßtrupps gelungen, sich in ben Besitz von Handgranaten und Handfeuerwaffen zu setzen. Die Führer des Putsches sollen sogar die Anwendung von Giftgasen geplant haben. Der Plan scheiterte daran, daß führende Mitglieder der frü­heren Freiheitskämpferbewegung, bie zum gemäßig­ten Flügel gehörten, der Regierung von ben Plänen ber aktivistischen Gruppe Mitteilung machten. Die estnische Freiheitskämpferbewegung, bie 1933 stark an Boben gewonnen hatte, würbe am 12. März 1934 burch bie Regierung aufgelöft unb verboten. Die leitenben Mitglieder ber Bewe­gung würben verhaftet. Im Herbst 1934 gelang es bem Führer ber Freiheitskämpferbewegung, Sirk, aus bem Revaler Hauptgefängnis nach Finnland zu entkommen.

Einweihung des VDA.-Glockenspiels in Saarbrücken.

Am 25. Mai findet in Saarbrücken am Rathaus­portal die Enthüllung einer Gedenktafel statt, die als Erinnerung an das durch Vermittlung des VDA. gestifteten Glockenspiels die dauernde Grenzlandgemeinschaft aller deutschen Ab- ftimungsgebiete verkünden soll. Aus der Kundge­bung des neuen VDA. -Landesverbandes Pfalz-Saar werden der Bunbesleiter Dr. Steinacher, der Leiter bes neuen Landesver­bandes Pfalz-Saar, Gaukulturwart K o e l f ch, Oberbürgermeister Dürr selb sowie bie Vertreter