Ausgabe 
16.4.1935
 
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185. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Nr. 90 Erster Blatt ,85. Jahrgang Dienstag. 16. April 1935

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Seneral-Anzcher für Sberhessen WZ

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Stresa und Gens.

Von unserem W. H.-Sonderberichterstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

S t r e s a, 15. April 1935.

Die Bedeutung und Tragweite der Konferenz von Stresa muß nach drei Gesichtspunkten beurteilt werden: 1. nach den dort tatsächlich zustandegekom- menen Beschlüssen; 2. nach den Aussichten und Möglichkeiten, die sich für spätere Konferenzen und Verhandlungen eröffnen und 3. als Solidaritäts­geste der drei Konferenzmächte gegenüber Deutsch­land und der übrigen Welt.

Hinsichtlich der tatsächlichen Ergebnisse hat Stresa viele Erwartungen mehr oder weniger enttäuscht. Tatsächlich prallten von vornherein zwei grundsätz­liche Einstellungen scharf aufeinander: Frank­reich hatte nur das eine Ziel, einen a k t i o n s - fähigen Block gegen Deutschland zu­sammenzuschmieden, der sich mit allen Mitteln dem deutschen Machtanstieg entgegenstellen soll. Gleich­zeitig will es den Völkerbund benutzen, um diesem Block durch scharfe Verurteilung der deutschen Auf­rüstung einen breiten internationalen Hintergrund zu verschaffen und Deutschland zugleich vor der Welt moralisch ins Unrecht zu setzen. England sieht die deutsche Rüstungsverstärkung gleichfalls nicht ohne Sorge. Auch es möchte, soweit das ohne große Erschütterungen möglich ist, hier Eingriffs­und Kontrollmöglichkeiten erreichen. Es fürchtet aber eine Verschärfung der inter­nationalen Lage durch ein neues Bündnis­system und möchte Deutschland nicht soweit vor den Kopf stoßen, daß dessen Wiedereintritt in den Völ­kerbund unmöglich wird. Mussolini schließlich sah und sieht vor allem Oesterreich. Gleichzeitig arbeitet er mit militärischen Kraftgesten, um Deutsch­land und auch seinen Konferenzpartnern zu impo­nieren. Für ihn steht auch sonst der südosteuro­päische Raum im Vordergrund. Er treibt eine Politik des sacro egoismo ohne allzuviele Grund­sätze.

Das SchlußkommuniquL von Stresa spiegelt alle diese Tendenzen wider. England hat verhindert, daß nach französischen Wünschen jene Blockpolitik zwangsläufig wurde, die Deutsch­land von einer gleichberechtigten Mitarbeit aus­schließen und es unter stärksten Druck setzen soll. Auch über wirtschaftliche oder finanzielle Sanktio­nen für den Fall neuer vertraglicher Aufkündigun­gen ist im Schlußkornrnuniquö nichts enthalten. Da­gegen werden im Sinne Englands weitere Verhandlungen mit Deutschland im­merhin offengehalt en, vor allem über Rüstungsbegrenzung Oesterreichs und den Luftpakt. Die Erhaltung des Friedens und die Wiederher­stellung des Vertrauens werden wenigstens mit Worten als Ziele der Politik der drei Mächte be­zeichnet.

Auf der anderen Seit hat Fr a n k r e i ch durchge­setzt, daß die drei Mächte gemeinsam das fran­zösische Memorandum an den Völkerbund in Genf unterstützen werden, in dem die Klage gegen Deutschland wegenVertragsverletzung" be­gründet wird. Diese Zustimmung ist England sicher nicht leicht gefallen, weil es sich doch sagen muß, daß jede Entschließung des Völkerbundsrats, die sich die Einseitigkeiten und Ungerechtigkeiten der französischen Denkschrift zu eigen macht, Deutsch­land weiter denn je von Genf abdrängen muß. Noch weiß man nicht, wie diese Schlußentschließung des Völkerbundsrats aussehen wird, obwohl zweifellos Entwürfe dazu schon in Stresa Vorlagen. Von ihrem Wortlaut kann sehr viel für eine weitere friedliche Entwicklung der Welt abhänaen.

England hat sich hier auf eine abschüssige Bahn drängen lassen. Nun werden in Genf auch Sowjetrußland und die Kleine Entente auf die Entschließung des Völkerbunds­rates Einfluß nehmen, sie werden das kaum in mäßigendem Sinne tun. Da die Annahme ein­stimmig sein muß, so könnten allerdings die süd­amerikanischen Ratsmitglieder und europäische Neu­trale in mäßigendem Sinne Einfluß ausüben. Immerhin waren ja von den 15 Ratsmitgliedern nur drei, freilich sehr maßgebende, in Stresa versammelt. Genf wird also schon wegen der fran­zösischen Klage gegen Deutschland von größtem Interesse sein. Gleichzeitig wird es aber auf der Grundlage der Entschließungen von Stresa zweifel­los zu umfangreichen K u l i s s e n v e r h a n d l u n- g e n führen, weil nun auch Litwinow, Benesch und Titulescu die Karten mischen werden.

Deutschland soll zu der in Stresa ins Auge ge­faßten Donaukonferenz im Mal nach Rom eingeladen werden. Ob das Programm dieser Kon­ferenz, wie es aus dem Schlußkommumq^ von Stresa erkennbar wird, allerdings Möglichkeiten für eine praktische Mitarbeit Deutschlands eröffnet, bleibt zweifelhaft. Im Grunde will man doch nur Oe st erreich für alle Zukunft um das Recht der nationalen Selbstbestimmung bringen, will esa l b a n i s i e r e n" und dabei den nischen und sonstigen internationalen Emstusien offenhalten. Dafür soll auch Deutschland seine Zu­stimmung geben, und diese Entwicklung soll es mitgarantieren. Das deutsche Volk in Oesterreich elbst aber wird nicht gefragt.

England hat es in Stresa wieder verstanden, jedeneue kontinentale Verpflicht u n g abzulehnen. Soweit der geplante Lust­pakt, bei dem das System zweiseitiger Pakte angewendet werden soll, etwa noch neue Ver­pflichtungen Englands im Gefolge haben könnte, muß das britische Parlament erst seine Zustim­mung geben. Gerade bei der Luftpaktfrage hat sich in Stresa auch gezeigt, daß man ohne Deutschlands Mitwirken und seine Mitarbeit keine einzige europäische Frage in friedlichem Sinne

Stabschef Luhe über die kommenden Aufgaben der SA.

Magdeburg, 16. April. (DNB.-Funkspruch.) Der Chef des Stabes der SA., Lutze, erklärte Vertretern desMitteldeutschen" in einer Unter­redung über die kommenden Aufgaben der SA. u. a.:

Die SA. wird in ihrer Grundidee und ihrer Exi­stenz auch für die Zukunft durch das Wehr­gesetz in keiner Weise ausgeschaltet. Es kann keine Rede von einem Ver­schwinden der SA. sein, da ihre Aufgaben anderer Art sind als die des Heeres und der Führer für alle Zeiten auf feine SA. als den geschulten und kämpferischen Glaubensträger und Glaubenskünder der nationalsozialistischen Welt­anschauung entscheidenden Wert legt.

Um der SU. diese ihre ursprüngliche Aufgabe zu ermöglichen, ist natürlich eine scharfe Durchsiebung in er st er Linie bei alten Führer st etlen Voraussetzung für den Weiterbestand einer auf Freiwillig­keit und kämpferisch-politifchen Willen aufgebauten, in Gesinnung und Haltung nicht militärisch, aber doch solda­tisch bedingten nationalsozialistischen Or­ganisation.

Die qualitative Hochstellung des Führerkorps wird erreicht durch umfassende Prüfungen, die eine strenge Auswahl nach charakterlicher Haltung, Beherrschung nationalsozialistischer Welt­anschauung und soldatischen Lebensstil ermöglichen. Diese Prüfungen sind im ganzen Reich b i s zu den Brigadeführern herab- bereits streng durchgeführt und werden systematisch fortgeführt bis etwa zu den Sturm­führern. In etwa fünf bis sechs Monaten ist dieser Prozeß, der bewußt ohne Rücksicht auf das entstehende Zahlenverhältnis nur eine wirk­liche Elite übrigläßt, im ganzen Reich durchge- . führt.

Den Weg eines jungen Deutschen, vor allem aber eines kämpferischen Nationalsozialisten, stelle ich mir folgendermaßen vor: Zunächst die erste Er- fassuna im Jungvolk und der HI., dann sofort lieber nähme in die SA., und zwar vor der Erfüllung der Arbeitsdienst- pflicht. Nach dem Arbeitsdienst und der A b - leistung der Wehrpflicht werden diejenigen Nationalsozialisten, die in sich die Aufgabe eines kämpferischen Lebens für die Idee des Führers tragen, zur SA. zurückkehren.

Ich wünsche lieber eine kleine, aber geschulte, glaubens st arte und dem Führer fanatisch ergebene Truppe, als eine SA., die durch Masse zu im­ponieren versucht.

Die Ereignisse des 30. Juni und die seinerzeit von dem Verräter Röhm eingeschlagenen Wege haben klar bewiesen, daß der Geist und die Weltanschau­ung letzten Endes entscheidend sind und nicht irgend welche Machtmittel. Der Zusammenbruch des deut­schen Soldatengeistes durch die Unterminierung im Jahre 1918 und der Weg der nationalsozialistischen Revolution im Jahre 1933 sind entscheidende Bei­spiele für den ausschlaggebenden Einfluß der Idee. Mit Kanonen kann man wohl ein Volk schützen und erhalten, aufbauen kann man es nur mit einer gläubigen und kämpferischen Weltanschauung. Hier­zu ist die SA. eines der ersten Instrumente.

Auf Grund dieser Anschauungen wird sich nach einer Aebergangszeit auch die Frage Parteigenosse und Nichtpartei­

genosse" in der SA. von selbst lösen. Das Führerkorps besteht heute zum allergrößten Teil schon nur noch aus Parteigenossen und in Zukunft werden in der SA. überhaupt nur noch Parteigenossen zu finden sei.

Diejenigen Volksgenossen, die nach Ableistung des Wehrdienstes die Tradition ihrer Mili­tärzeit weiterpflegen wollen, ohne indessen nationalsozialistische Kämpfer zu fein, werden in einem großen Soldatenbunde zusammen-

Berlin, 15. April (DNB.) Noch liegen nicht alle Ergebnisse der am 12. April stattgefundenen Ver­trauensratswahlen vor, jedoch läßt sich schon jetzt an Hand der aus allen Teilen Deutschlands ein­laufenden Ziffern mit Bestimmtheit sagen, daß sich das schaffende Deutschland mit einer über­wältigenden Mehrheit zu der vom Führer begründeten nationalsozialistischen Sozialordnung bekannt hat. So meldet z. B. Siemens (Berlin), in dessen riesigen Betrieben 52 000 deutsche Volks­genossen ihr Brot verdienen, 8 3 o. H. Ia - Stim - men bei 91 v. H. abgegebenen Stimmen. Von weiteren Groß-Berliner Betrieben sei Borsig erwähnt, wo von 9 033 Wahlberechtigten 8 843 mit Ja stimmten. Die Berliner Städtischen Gaswerke melden 6061 Ja-Stimmen bei 6598 Wahlberechtigten, und Lorentz 4915 Ja-Stimmen bei 5807 Wahlberechtigten. Auch die Betriebe des ehemals roten Hamburg haben sich in über­wältigender Weise zum neuen Deutschland bekannt. Von der 10 000 Mann starken Belegschaft der Werft Blohm & Voß stimmten 81 v. H. mit I a, während die Gefolgschaft der Ham­burger Hochbahn AG., die ebenfalls 10000 Mann stark ist, 80 v. H. Ja-Stimmen meldet. Von den 3568 Volksgenossen, die in den Hamburger Hafenbetrieben beschäftigt sind, stimmten 82 v. H. mit Ja. Aus Westfalen-Süd liegen vorläufig nur Teilergebnisse vor, die jedoch durchweg einen besonders hohen Hundertsatz von Ja-Stimmen auf­weisen. So kann der Bochumer Verein 93,4 vom Hundert Ja-Stimmen melden, die Berg­bau Aktien-G e s ellschaft Lothringen 95 v. Sy Aus dem Wahlkreis Leipzig feien die Wanoererwerke genannt, wo von 5353 Wahl­berechtigten 4784 mit Ja und nur 98 mit Nein stimmten. Es melden ferner die I G. Farben Bitterfeld 90 v. H. Ja - Stimmen und die Leuna-Werke in Merseburg, die eine Gefolg­schaft von 15 472 Mann beschäftigen, 88,1 v. H. Die Betriebe der Firma Krupp (Essen) können bei 35 334 Wahlberechtigten und 33 826 abgegebenen Stimmen 89,7 v. H. Ja-Stimmen verzeichnen.

ImVölkischen Beobachter" schreibt der Leiter des Presseamtes der DAF., Hans B i a l a s, unter der ÜberschriftD a s Ja des schaffen­den Volkes" zum Ergebnis der Vertrauensrats­wahlen u. a.: Diese Vertrauensratswahlen wider­legen in eindeutiger Weise die irreführenden Be­hauptungen von Emigrantenkreisen und die Mut­maßungen gewisser Kreise des Auslandes. Das schaffende deutsche Volk, ohne Unterschied von Rang, Stand und Besitz steht einmütig hinter seiner

gefaßt werden. Es ist kein Zweifel, daß es in Zu­kunft in Deutschland aber nur noch einen gro - ße n Soldatenbund geben wird, der alle um­faßt, die im Heere gebient haben und die nicht in einer Betätigung in der SA. eine weitere, sich selbst gestellte Aufgabe sehen. Das Nebeneinander- st e h e n von Organisationen gleicher Zielsetzung ist im nationalsozialistischen Staat eine Unmög­lichkeit, wenn auch im Augenblick erst noch ein Uebergangsstadium durchschritten werden muß.

nationalsozialistischen Führung, nicht nur wenn es sich um die selbstverständliche Betonung der Ein­heit als Volksganzes handelt, sondern auch dann, wenn es sich um die Anerkennung der von der nationalsozialistischen Staatssorm gegebenen Lebensform handelt. Mit diesen Wahlen ist für alle Zeiten ber Traum derer zerstört, die glaubten, daß der deutsche Arbeiter wohl für einen starken Staat, niemals aber für eine nationalsozialistische Staatsform zu gewinnen sei. Gerade die ehemaligen Hochburgen des Marxismus sind zum Hort nationalsozialistischen Geistes geworden. Das betrifft ebenso wie die sogenannten Arbeiterviertel auch die Betriebe, in denen der deutsche Arbeiter schafft. Man kann aus den vorliegenden Wahlergebnissen heraus­greifen, welche man will: Immer wieder schwanken die Ja-Stimmen zwischen 80, 81, 82 v. H. und bis zu 100 v. H. der Gesamtbelegschaftsftärke. Diese Ergebnisse zeigen auch und das ist wohl das Erfreulichste, daß das Vertrauen zur Deutschen Arbeitsfront in gewaltigem Maße gestiegen ist.

Einmütige Vertrauenserklärung für Generaldirektor Goebbels.

Berlin, 15. April. Die Reichsbetriebs' gerneinfchaft Banken und Versiche­rungen teilt mit: Jrn Einvernehmen mit dem Leiter der Reichsbetriebsgemeinschaft Banken und Versicherungen Pg. L e n c e r hat sein ehrenamt­licher Stellvertreter Pg. Hans Goebbels, Ge­neraldirektor der Provinzialfeuer- und Lebensversicherungs-Anstalten der Rheinprovinz in Düsseldorf die dem Reichsverband der deutschen öffentlich-rechtlichen Versicherungen angehören gelegentlich der Ver­trauensratswahlen als Betriebsführer durch eine geheime Abstimmung d i e Vertrauens­frage an feine unter das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit fallende Arbeitsgefolgschaft gestellt. Alle im Dienst anwesenden Männer und Frauen der Gefolgschaft nahmen geschlossen an der Wahl teil und sprachen mit 424 Stimmen einftinv mig dem Betriebsführer das volle Ver­trauen aus. Die ausgestellten Dertrauensräte wurden mit der überwältigenden Mehrheit von durchschnittlich 97,02 v. H. gewählt. Pg. Goebbels sprach seiner Arbeitsgefolgschaft Dank und Anerken­nung für diesen herrlichen Beweis des Vertrauens, der Treue und der Kameradschaft aus, und er­neuerte das Gelöbnis, feine Gefolgschaft im Geiste unseres Führers und Volkskanzlers in eine bessere Zeit zu führen.

Das 3o des schaffenden Volkes.

Glänzendes Ergebnis der Vertrauensratswahlen im ganzen Veich.

lösen kann. Ganz von selbst wird man daher im­

mer wieder auf Verhandlungen mit dem Reich

zurückkommen müssen, sofern man überhaupt den

Frieden unter den Völkern wünscht.

Von großer Bedeutung ist schließlich noch Punkt

6 der Schlußerklärung von Stresa, in dem den

früheren Kriegsverbündeten Deutschlands: Oester­reich, Ungarn und Bulgarien, eine be­stimmte Wiederaufrüstung in Aussicht ge­stellt wird. Allerdings haben Frankreich und die Kleine Entente in deren Auftrag übrigens der rumänische Außenminister Titulescu von Mon­treux aus auf telephonischem Wege Einfluß auf Stresa zu nehmen suchte erreicht, daß diese mi­litärische Wiedererstarkung der drei Länder von erst zu schaffenden Sicherheitsgarantien abhängig gemacht wird. Aber auch hier wird es nicht mehr möglich fein, Ueberlebtes zu halten und den Strom der Entwicklung abzudämmen. Deutsch­land ist für diese drei Länder Bahnbrecher zur Gleichberechtigung geworden!

Besonderes Interesse muß schließlich noch die Er­klärung Englands und Italiens über ihre Bereit­willigkeit erwecken, alle Verpflichtungen aus dem Vertrag von Locarno getreulich zu erfüllen. Diese Unterstützung hat vor allem den Zweck, die entmilitarisierte Zone am Rhein zu erhalten. Man will also Frankreich auch für die Zuknuft einen höheren Grad an S i ch e r - h e i t und eine Dorzugsbehandlung garantieren, Die auf Kosten der deutschen Sicherheit geht.

Stresa war trotz allem nur ein A u sgangs- punkt für die dort vereinten drei Mächte, die den Versuch machen wollen, Europa ihren politischen Stempel aufzudrücken. Aber die Einigkeit der dort versammelten Staatsmänner war in Wirklichkeit viel weniger groß, als es die amtlichen Verlaut­barungen vorspiegeln wollen. Tatsächlich sind die eigentlichen Gegensätze in den Auffassungen der drei Staaten in den meisten Punkten nicht beseitigt, son­dern nur vertagt worden. Das Schlußkommu­

nique sollte auf Deutschland wirken und hat deshalb nach Möglichkeit die Gegensätze hinter sehr allge­mein-gehaltenen Beteuerungen verschwinden lassen. Wir werden aber in den nächsten Monaten zweifel­los sehen, daß es in Stresa nicht gelungen ist und nicht gelingen konnte, auch nur willensmäßig schon einen Block der drei Staaten herzuftellen, der nur eine Politik kennt und sie geschlossen und zielsicher verfolgt.

Amerikanische Gelbstgerechiiqkeii.

Eine Rundfunkrede desStaatssekretärs Hüll am Panamerikatag.

Washington, 16. April. (DNB.-Funkspruch.) Aus Anlaß des Panamerikatages am 15. April hielt der Vorsitzende der Panamerikanischen Union, Staatssekretär Hüll, eine durch Rundfunk ver­breitete Rede, in der er die üblichen Worte über Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Republiken Amerikas sagte. Dann aber wandte er sich an d i e übrige Welt und hieltdiesen Skeptikern" diesegensreichen Wirkungen" inter­nationaler Konferenzen vor Augen, auf denen, wie das Beispiel panamerikanischer Konferenzen zeige, viele lebenswichtige Fragen zu aller Vorteil und zur wirtschaftlichen Erholung der Vertragsstaaten gelöst werden könnten.Manche Nationen", so führte Staatssekretär Hüll aus,stürzen sich heute Hals über Kopf in einen extremen Nationalismus und denken nicht an die katastrophalen Wirkungen einer derartigen Politik auf die wirtschaftliche Er­holung und auf den Weltfrieden. Unter diesem Bann wahnwitziger Extremer rüsten jetzt Na- t i o n e n in vielen Teilen der Welt bis an die Zähne und richten dadurch unüberwindliche Schranken gegen den wirtschaftlichen Aufstieg der Welt im allgemeinen auf. Laßt

uns diejenigen, die gegen die Grundsätze von Frie­den handeln und ehrliche Freundschaft zurückweisen, die den Fortschritt der Menschheit aufhalten und die Streit und Krieg provozieren, vor aller Welt brandmarken als Feinde der Zivili­sation und als außerhalb des Weltrechtes stehende Verbrecher." Mit diesen dramatischen Worten be­schloß Hüll seine Panamerika-Rede.

Note Leibeigenschaft.

Der sogenannte Stoßarbeiter ist im roten Paradies eine vorbildliche Figur. Er arbeitet an­geblich besonders gut, seine Leistungen sind angeblich erstklassig. Meist ist es aber so, daß kur­zerhand Stoßarbeiterbrigaden zusammengestellt und dann unter scharfem Druck gezwungen werden, das Letzte an Kraft aus sich herauszuholen. Wie sehr der russische Arbeiter in der Sowjetunion bereits an das Sklavendasein gewöhnt ist, wie sehr er sich allem zu fügen hat, was krankhaft Veran­lagte von ihm wünschen, geht aus einem Moskauer Bericht der Prawda hervor, der folgenden bezeich­nenden Vorfall mitteilt: Auf einer Schweine­farm hatten die beiden Leiter ein weibliches Mit­glied der Arbeiterschaft veranlaßt, an der eige­nen Brust Ferkel zu nähren. Diese Hand­lung wurde als Beweis für die Qualität der Stoß­arbeiter öffentlich gerühmt. Das ging auch dem roten Staatsanwalt zu weit, der daraufhin die Festnahme der Verantwortlichen veranlaßte. Wesentlich ist jedoch, daß derartiges überhaupt vorkommen konnte. Auf die Frage, wie es möglich war, daß sich eine Frau dazu hergab, kann es nur die eine Antwort geben: die Arbeiter in Stadt und Land, ausgehungert, abgerissen, veräng­stigt, dauernd gebemütigt, bewußt dumm und un- wissend gehalten, sind den roten Bonzen so ausge- liefert, daß sie es nicht wagen, den widerwär­tigsten Anträgen gegenüber eine ablehnende Hal­tung einzunehmen. Was wäre wohl mit der Bäuerin geschehen, wenn sie sich geweigert hätte.