Ausgabe 
16.4.1935
 
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das auszuführen, was von ihr verlangt wurde! Und so gibf es im Londe der roten Leibeigenschaft tau» sende tviile, die nicht ans Tageslicht kom­men. aber ein Volk sittlich und körperlich dem Ver­fall ausliefern.

Bedauerliche Zwischenfälle in Pommerellen.

Danzig, 15. April (DNB.» In Neustadt (Pommerellen) und Klein-Katz an der Danziger Grenze ist es zu sehr bedauerlichen Ausschrei­tungen gegenüber der dortigen deut­schen Minderheit gekommen. Nach einer Ver­sammlung in Neustadt zogen die Teilnehmer unter Führung des Bürgermeisters durch die Stadt, wobei es zu schweren Ausschreitungen gegen Deutsche kam. Hunderte von Fensterscheiben deutscher Wohnungen wurden eingeschlagen, Pistolen­schüsse abgefeuert und Angehörige der deutschen Volksgruppe mißhandelt. Auch in Klein-Katz, einem kleinen Orte unmittelbar an der Danziger Grenze bei Zoppot kam es zu ähnlichen Ausschreitungen, deren Folgen so ernst waren, daß ein Zoppoter Arzt zur Hilfeleistung für die Verletzten herbeigerufen wurde. Drei Deutsche wurden in sehr ernstem Zu­stande in eine Zoppoter Klinik eingeliefert. Ein Verletzer ist bereits gestorben, während der Zustand eines zweiten als lebensgefährlich bezeichnet wird.

Von polnischer Seite werden die Vorgänge nicht b e st r i t t e n. In einer offiziösen polnischen Aus­lassung wird dem Bedauern über diese Zwi­schenfälle Ausdruck gegeben.

Aerdunkelungsübung in Kassel.

Kassel, 15. April. (LPD.) Am Samstag fand "n Kassel eine Verdunkelung statt, die sich auch uuf dieRandgebie t e desFuldabeckens erstreckte. Gemäß den erlassenen Anordnungen hatte die Bevölkerung die Fenster ihrer Häuser ab 22 U h r a b g e d u n k e l t oder das Licht ausgelöscht. Auch die Gasthäuser und Cafes, bei denen der Betrieb un- verändekt fortging, hatten Vorsorge getroffen, daß kein Lichtblitz nach außen drang. In der Zeit von 23.15 bis 23.30 Uhr setzte dann die voll­kommene Verdunkelung ein. Wie auf einen Schlag lag die ganze Stadt im vollkomme­nen Dunkeln. Die Straßenbahnen blieben während dieser Zeit abgeblendet stehen, die Kraftfahrzeuge, im Innern dunkel, die abgeblendeten Scheinwerfer mit Schutzkappen versehen, fuhren gleich dunklen Schatten durch die Straßen. In der Altstadt hatte sich die Bevölkerung zum Teil auf die Straße be­geben, um, ebenso wie auf den verschiedenen grü­neren Plätzen, die im Dunkeln auftauchenden Flieger, deren Flugzeuge mit roten und grünen Lichtern versehen waren, zu beobachten. Die Flie­ger hatten die Aufgabe, die Hebung auf etwaige Mängel hin zu kontrollieren. Auf dem Haupt- bahnhof fand eine Total-Verdunke- lungsübung statt, wobei man einen a b g e = blendeten O-Zug in den vollkommen verdunkelten Bahnhof ein fahr en ließ. Die Bevölkerung bewies bet der Verdunkelungs­übung ausgezeichnete Disziplin. Für den Spät­herbst oder Winter ist eine große Verdunkelungs­übung vorgesehen, die sich über mehrere Stunden erstrecken und in die frühen Abendstunden verlegt werden soll, um möglichst dem Ernstfall nahezu- kommen.

Die Verhaftung

des Landesverräters Salomon.

Wie bas Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, ist der Fall der Verhaftung des Berthold Salomon, genannt Jacob, über den bereits vor einiger Zeit vorläufig berichtet wurde, inzwischen Gegen st and von Erörterungen zwischen der deutschen und der schweizerischen Regierung gewesen. Die schweizerische Regierung hat der deut­schen Regierung Material über die Vorgänge mit« geteilt, die sich auf schweizerischem Gebiet unmittelbar vor der Verhaftung des Salomon abgespielt haben. Dabei spielen ins­besondere die Bekundungen eines deutschen Staats­angehörigen Dr. Hans Wesemann eine Rolle, der in der Schweiz wegen feiner Beteiligung an dem Vorfall fe ft genommen worden ist. Wese- mann habe ausgefagt, er habe Salomon von Straßburg nach Bafel gelockt, habe ihm hier die Beschaffung eines falschen Passes vor­getäuscht und ihn auf diese Weise zusammen mit anderen Personen durch List in einem Kraft­wagen über d i e deutsche Grenze ge­bracht.

Seitens der deutschen Behörden sind auf Grund

Neue Beförderungsmittel.

Von Or. Kranz Klttler.

Auf dem Gebiet des Beförderungswefens nehmen die Einführung der schnellfahrenden Trieb- wagenzüge, die neuen Stromlinienformen, die Erhöhung der Geschwindigkeiten und sonstige Er­folge die Aufmerksamkeit Derart in Anspruch, daß darüber kleinere Fortschritte mehr ober minber in den Hintergrunb treten. Auch sie aber schaffen manche Annehmlichkeit, helfen über manche Unbe­quemlichkeit hinweg, unb bringen fo manchen Vor­teil. Darum bürste es vielleicht nicht unangebracht sein, auf einige biefer Errungenschaften etwas näher einzugehen unb zwar nicht nur auf solche, bie sich auf bas Reisen beziehen, sondern auch aus andere, die überhaupt mit der Beförderung zusammen- hängen.

Eine Anzahl von Verbesserungen dieser Art weist ein neuer Untergrundbahnzug auf, der kürzlich in Neuyork in Dienst gestellt wurde. Die Wände seiner Wagen unb bas Dach finb vollstänbig aus Aluminium hergestellt. Die baburch er­zielte Verringerung bes Gewichts trägt zur Er­höhung ber Geschwinbigkeit bei. Der Zug besteht aus fünf Wagen, die nach Art der O-Zugwagen miteinander verbunden finb. Zwischen je zwei Wagen befinbet sich ein Uebergang unb finb die bekannten gefalteten Lederbälge angebracht. Ein­richtungen dieser Art hat man in Deutschland be­reits auf Straßenbahnen angewandt. Wie hier, fo dürften sie auf auf Untergrundbahnen dazu bei­tragen, den Aufenthalt auf den einzelnen Stationen zu verkürzen unb die Abwicklung des Verkehrs zu beschleunigen, da die Verteilung der Fahrgäste auf die einzelnen Wagen während der Fahrt vor sich geht. Darum haben auch die Wagen nur je eine einzige Tür, bie sich in ber Mitte befinbet unb deren Deffnung durch einen Pfeiler in zwei Hälften, zum Ein- unb zum Aussteigen, geteilt ist. Außen über ber Tür hängt eine starke Lampe, deren Licht zur Erleichterung des Einsteigens scharf nach unten geblendet wird. Ehe der Führer die Tür von seinem Stand aus schließt, ertönt ein Glockensignal. Durch einen außen am Führerstand angebrachten Spiegel kann er sich außerdem noch davon überzeugen, daß sich am ganzen Zug entlang niemand zwischen den

dieser Mitteilungen eingehende Nachforschun­gen angestellt worden. Dabei haben sich keiner­lei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß an den Vorgängen auf schweizerischem Gebiet direkt ober inbireft beutsche Amtsstellen beteiligt gewesen wären. Weder Wesemann noch seine Helfershelfer haben von amt­lichen deutschen Stellen Aufträge er­halten, die mit ber Angelegenheit in Zusam­menhang ftänben. Aus welchen Motiven Wese­mann und seine Helfer gehandelt haben, läßt sich nach der Lage ber Dinge von Deutschlanb aus nicht mit Gewißheit beurteilen. Wesemann ist eine Person mit fragmürbiger Vergangen­heit, bie sich schon seit Jahren ohne regelrechten

Beruf im Auslande aufhält und sich anscheinend mit deutschfeindlicher Propaganda befaßt. Es ist b u r ch- a u s möglich, daß diese Verfemen bte Absicht hatten, Salomon den deutschen Behörden in die Hände zu spielen. Ob es ihm unb seinen Helfern barauf ankam, bie eigene Position gegenüber ben beutschen Behörben zu verbessern ober ob es sich vielleicht um einen bloßen Racheakt hanbelt, läßt sich von Deutschlanb aus nicht über­sehen. Bei bem bekannten Verhalten gewisser Emi­grantenkreise wäre eine Hanblungsweise ber einen ober anberen Art nichts Ungewöhnliches. Es ist eine beinahe tägliche Beobachtung ber beutschen Behörben, baß Emigranten, bie bas ver­räterische Treiben anberer Emigranten ober boch

die von diesen befolgte Methode nicht billigen, sich zur Bekämpfung ber schlimmsten Hetzer a n b i e t e n und daß andererseits diese Hetzer vielfach untereinander stark verfein« bet sind.

Da Salomon ohne Eingreifen amtlicher deutscher Stellen in ben Bereich der deutschen Gerichtsbarkeit gekommen ist, unb ba es sich bei ihm um einen vielfach vorbe st rasten Landesverräter schlimmster Sorte handelt, kann deutscherseits nichts anderes geschehen, als dem bereits seit langer Zeit anhängigen Straf­verfahren gegen Salomon freien Lauf zu lassen. Die deutsche Regierung hat bie schweize­rische entsprechet oerfiänbtgt.

Erste Schwierigkeiten in Genf.

Frankreichs Aktion gegen die Verkündung der deutschen Wehrhoheit findet erheblichen Wider­spruch inKreifen desVölkerbundsrats.polen,Dänemark und die füdamerikanischenStaaten äußern Bedenken.

Lavals Kuüulksei.

Französische Sorgen in Genf.

Genf, 15. April. (DNB.) Der französische Außenminister Laval veranstaltete heute mittag ein Frühstück, zu bem bie Außenminister Rumä -

lanb sei im Grunbe genommen burch bie Ereignisse zu seinem Schritt gezwungen worden. Als zweiter spreche sich Polen gegen Frankreichs Forberung aus. Außenminister Beck habe Laval er­klärt, Polen würbe sich bet ber Abstimmung der Stimme enthalten, vorausgesetzt, daß die

fragliche Verurteilung in keiner Weise auch auf die Kündigung ber Minberheitenverträge burch Polen Bezug nehme. Sonst würbe Polen so­gar b a g e g e n stimmen. Laval habe Beck in biefer Hinsicht beruhigt, so daß mit ber Stimmenthaltung Polens zu rechnen sei.

niens, Sübslawiens, ber Tschechoslo­wakei, ber Türkei, ebenso ber griechische Gesandte in Paris geloben waren. Laval verhan- belte ferner mit ben Vertretern Spaniens, Portu­gals, Sowjetrußlanbs, Dänemarks, Italiens unb Polens, lieber bas Ergebnis berichtet Havas u. a.: Als mutmaßliche Volkerbunbsbericht- erftatter über ben französischen Antrag betref­fend die deutsche Wehrfreiheit werben Mabariaga- Spanien, V i c u n a - Chile unb Bruce- Austra­lien genannt. Der französische Entschließungsent­wurf, ber nach Ansicht feiner Urheber nicht nur eine formele Verurteilung berbeutschen Ver­leugnung seiner Verpflichtungen auf bem Gebiete ber Rüstungen" umfasse, sondern auch burch einen Organismus bes Volkerbunbsrates wirtschaft­liche unb finanzielle Strafmaßnah­men im Falle neuer Vertragsverletzungen vorfehen müßte, bebürfe der einmütigen A n - nähme, wobei allerdings bie Stimmenthal- tungen nicht im Wege stehen würben. Ge­wissen Adorbnungen anscheinenb ber polni­schen m i b-e r ft r e b e eine formelle Ver­urteilung Deutschlanbs bei Gelegenheit feiner einseitigen Aufkünbigung ber militärischen Bestimmungen bes Versailler Vertrages, weil man befürchte, baß Polen nachträglich bann ber gleiche Vorwurf wegen Aufkünbigung bes Minberheitenvertrages ohne vorherige Verstänbigung gemacht werben könnte. Der däni­sche Vertreter soll als Sprecher ber skanbinavischen Staaten dieser polnischen Auffassung ebenfalls nicht fernstehen. Noch an- bere Abordnungen scheuten sich, ben Weg ber Straf­maßnahmen zu beschreiten, ba ihre Anwenbung für ihre Länber allerlei Verwicklungen mit sich bringen würbe. Dies gelte vor allem für g e - wisse sübamerikanische Staaten."

Auch anbere Pressekorresponbenten Pariser Blät­ter geben offen zu, baß bie französische Beschwerbe über Deutschlanb in Genf keine große B e - g e i ft e r u n g auslöse unb vielleicht etwas ver­wässert werben müsse, um Aussicht auf Annahme zu haben. Sv stellt ber Sonberberichterstatter bes Petit Parisien" fest, baß Laval sich sehr a n - strengen müsse, bieSchüchternen unb Zvgern- ben" von berguten Sache" (?!) zu überzeugen. Gewisse Länber hätten keine Lust, es mit Deutsch­land zu oerberben. Sie mochten aus ber Entschlie­ßung jebe Wenbung gestrichen sehen, bie Deutsch­lanb verletzen könnte. Vor allem bie sogenannten neutralen Staaten zeigten sich sehr z u - rückhalten b. Mussolini, Laval, Macbonolb und Simon hätten sich in Stresa noch so vollständig über einen Entschließungsentwurf, der bie beutsche Politik verurteile, einigen können, trotzbem fei es n i ch t sicher, baß ihreAnregung" nur um eine solche könne es sich hanbeln burchgehe. Oeuvre" erklärt, bie Dänen seien bie schärf­sten Gegner einer Verurteilung Deutsch- l a n b 5. Sie verbreiteten basGerücht" (!), Deutsch-

Kleine Entente und Valkanbund verärgert.

Gegen den Gtresa-Beschluß einer Wiederaufrüstung Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens.

Genf, 15. April (DNB.) Außenminister Laval gab am Montagabend eine Erklärung zu der Frage ber Wiederaufrüstung Oesterreichs, Ungarns unb Bulgariens ab. Die brei Konferenzmächte von Stresa seien nicht in eine eingehenbe Erörterung biefer Frage eingetreten, sie hatten sich vielmehr barauf beschränkt, biese Frage zur Information an bie birekt interef fierten M ä ch t e w ei­te r 3 u l e i t e n. Diesen käme nunmehr bie Ent- scheibung barüber zu, wieweit ber Wunsch ber abgerüfteten Staaten gerechtfertigt sei. Laval hat in seiner Unterrebung mit Titulescu die Frage ber Aufrüstung Bulgariens unb Ungarns sowie Oesterreichs besprochen. Titulescu soll babei namens der Klemen Entente unb ber Balkanentente den Beitritt Bulgariens zum Bal­kan p a k t als eine ber vorher zu schaffeyben Sicherheitsgarantien bezeichnet haben. Er soll wei­ter von Ungarn ben vorherigen Abschluß von Nichtangriffspakten als Vorbebingung ge- forbert haben.

Der Genfer Vertreter derTime s" nennt es einen Irrtum, wenn man aus ber Erklärung Lavals schließe, daß die Kleine Entente zum Schiedsrichter in ber Frage einer Auf­rüstung Oesterreichs, Ungarn unb Bulgariens ge­macht werbe. Die brei Strefamächte hofften auf eine Regelung biefer Frage auf ber Donau- ko n f e r e n z in Rom gleichzeitig mit bem Abschluß bes Donaupaktes. Man er­warte zuversichtlich, bie Kleine Entente würbe im Hinblick auf bie Fehler, bie im Falle Deutschlanb begangen worben seien, erkennen, baß es klug s e i, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien, die keine militärische Gefahr für sie bedeuteten, ein gerech - tes Maß von Aufrüstung zuzugestehen.

Die Pariser Presse versucht die zwischen Laval und den Vertretern der Kleinen Entente unb bes Balkanbundes in Genf aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten über bie Frage einer etwaigen Aufrüstung Oesterreichs unb ber übrigen vertraglich entwaffneten kleinen Mächte als un­wesentlich hinzustellen. Es hanbele sich im Grunbe genommen um ein Mißverständnis, bas burch bie Erklärung Lavals beigelegt worben sei. Die Berichterstatter müssen jeboch zugeben, baß bie Erregung in ben Kreisen ber Kleinen En­tente ziemlich groß ist, und Pertinax wirft im Echo be Paris" Laval vor, in Stresa eine große Unvorsichtigkeit begangen zu haben. Um bie Erregung zu beschwichtigen, bemüht man sich in Paris, Laval möglichst zu entlastend Macbonalb unb Mussolini hätten sich, so schreibt berExcelsior", in ihrem verdienstlichen Eifer, bie Wege für einen künftigen Donaupakt vor­zubereiten, mit einer vertraulichen Mittei­lung an bie in Frage kommenben Regierungen begnügen sollen. Die Stresaer Erklärung würbe auf biese Weise zwar einen Paragraphen weniger enthalten haben, aber bie Genfer Ratstagung würbe ruhiger verlaufen fein. Die unglücklichen WorteRevision" unbEmpfehlung" hät­ten Befürchtungen der Kleinen Entente ausgelöst. Titulescu soll derart aufgebracht gewesen sein, daß er fein Amt als amtierender Vorsitzender der Kleinen Entente unb bes Salfanbunbes n i e b er­leg e n wollte unb nur mit Mühe burch Laval besänftigt werben konnte, ber bie Beschlüsse von Stresa bahin interpretiert habe, baß die brei Großmächte sich in ben Dienst bes Friebens gegen jebe Verletzung ber gebietsmäßigen Bestimmungen von 1919 stellen würben.

Sie Donau-KMerenz in Rom.

Die Vervollständigung des französischen Paktsystems im Osten und Südosten.

Rom, 15. April. (DNB.) Die Donau-Konferenz, bie am 20. Mai in Rom zufammentreten soll, roiro nach bemGiornale b'Jtalia" bie Aufgabe haben, den neuen Donaupatt endgültig zustcmbezu- brlngen. Die Einladungen an bie verfchiebenen Re­gierungen, Deutschlanb inbegriffen, wür­ben von Mussolini als Präsidenten der Kon­ferenz von Stresa erfolgen. England würde als Beobachter feinen Botschafter in Rom, Sir Eric Drurnmond, entfenben. Der Pakt trage den Charakter ber Nichteinmischung unb ber

Konsultation". Als solcher sehe er keine Sanktionen vor. Zugelaffen sei jeboch bie Mög­lichkeit von zusätzlichen zweiseitigen Abkommen über gegenseitige Hilfe- l e i st u n g zwischen ben Unterzeichnerstaaten bes allgemeinen Donaupaktes, auf Grunb bereu auch Sanktionen in Kraft treten konnten.

Dieses hoppelte Paktsystem sei im wesent­lichen ein Abbilb des für Osteuropa vorgesehe­nen Systems, das nach dem Verschwinden des ur- sprünglichen Ostpaktes einen allgemeinen

Türen befindet. Schließen ohne vorheriges Glocken­signal ist unmöglich. Zehn Sekunden nach dem ersten Glockenfignal erklingen felbftttätig noch zwei Glockenschläge und bann erst schließt sich die Tür.

Ganz vorn am Führerstand dicht unter bem an ber Stirnseite bes Wagens befindlichen Fenster steht eine Photozelle. Sie schaltet sofort bie Beleuchtung für ben ganzen Zug ein, wenn sich bie Helligkeit auf einen gewissen Grad abschwächt. Dabei ist es ganz gleichgültig, ob bie Abschwächung durch ben Eintritt ber Dämmerung, burch plötzlich auffteigenbe bunfle Molker? ober baburch entsteht, daß der Zug aus dem Freien in den Untergrund- Tunnel einfährt. In gleicher Weife wird bie Be­leuchtung burch die Photozelle wieder selbsttätig ausgeschaltet, wenn die Helligkeit über den Grenz­betrag ansteigt. Es kann in ben Wagen also nie­mals zu bunkel werben, und es bleibt nie mensch­lichem Ermessen überlassen, ob es noch hell genug ist. Die Anbringung der Photozelle an ber vorber­sten Stelle bes Zuges bewirkt, baß sie stets zuerst bem Helligkeitswechsel ausgesetzt ist unb baß ber Beleuchtungsausgleich bereits ftattgefunben hat, wenn bie übrigen Teile bes Zuges an bie Der» bunkelte Zone yerankommen.

Eine Hängebahn zur Beförderung d o n Kranken wurde in einem Krankenhaus eingerichtet. Eine einzelne Schiene führt oben an der Decke der Räume und Gänge entlang. Auf ihr laufen zwei Rollen. An ihnen hängen zwei Fla- fdjengüge, bie bie Last tragen. Sie find derart mit­einander verbunden, daß sie sich stets gleichmäßig verlängern und verkürzen müssen. Die Last besteht aus einer Metallplatte, auf bie ber Kranke sowie Kissen und sonstige Unterlagen gelegt werden. Die Platte hat man, um ihn Darauf zu lagern, mit Hilfe ber Flaschenzüge ber Hohe bes Bettes ent­sprechet eingestellt. Dann kann ber Kranke nach jebem Teil bes Krankenhauses, also nach ber Veranda oder bem Operationszimmer, gefahren werden. Hauptsächlich wurde die Einrichtung ge­schaffen, um ihn nach der großen Badeabteilung zu bringen, wo auch ein Schwimmbecken zur Ver­legung steht. Wenn der Kranke behindert ist, zu chwimmen ober sich sonst zu bewegen, kann er auf ber Metallplatte wenigstens in das Wasser ge­taucht werden. Ebenso aber ist es möglich, ihn in

Wannenbäder zu verbringen, ohne daß ein mehr­faches schmerzendes Hin- und Herheben nötig ist.

Der zur Beförderung in senkrechter Richtung dienende F a h r st u h l erhält seine auf- und nie­dersteigende Bewegung durch das Seil, an dem er hängt. Zu dieser unb anberen Bauarten ist eine weitere hinzugekommen. Bei ihr wird die Auf­wärtsbewegung durch eine Schraube hervorge- bracht. Um eine große hohle Trommel ist ein Schraubengang herumgelegt. Dieser, wie eine Wendeltreppe um sie herum führende und etwas hervorragende Schraubengang bewegt sich auf Rollen, Die an ben Wänden bes Schachts ange­bracht finb. Sie befinden sich an senkrecht empor- führeten Trägern und sind gleichfalls in ansteigen­der Schraubenlinie ungeordnet. Im Innern der Trommel arbeitet ein Elektromotor, ber vom Füh­rer in Bewegung gesetzt wird. Er dreht die Trom­mel. Diese schraubt sich also im Fahrstuhlschacht hinauf und hinunter. An ihr hängt die Kabine. Der Fahrstuhl ist fo eingerichtet, daß man in Stunden des Andrangs mehrere Kabinen unter­einander anbringen kann. Er läßt sich auch, ähn­lich einem Paternofterfahrstuhl, fo einrichten, daß die Aufwärtsbewegung in einem Schacht vor sich geht, die Abwärtsbewegung in einem anderen. In diesem Fall sorgen besondere Vorrichtungen dafür, daß die Kabinen stets und auch dann senkrecht bleiben, wenn die Trommel beim Uebergang von einem Schacht in den anderen eine Kippbewegung macht.

Möchten Sie das essen?

Manche unserer Gerichte sind schon vor vielen Jahrhunderten aus fremden Ländern zu uns ge­kommen und hier heimisch geworden, ohne daß wir diesen Ursprung vermuten. Andere essen unb schätzen wir in bem Bewußtsein, baß wir in ihnen eine fremdartige Delikatesse vor uns haben. Doch gibt es noch allerlei merkwürdige und uns unbekannte besonderheiten der feinen Küche in fernen Zonen. Ober haben Sie schon einmal eine zart zubereitete schwarze Katze gegessen? Hunde und Katzen sind in China ein teurer und begehrter Leckerbissen. Be­sonders wertvoll aber fino die schwarzenDach­hasen". Man ißt sie gekocht, gebraten unb gebämpft. Ein chinesischer Kaiser hinterließ seinen Nachfolgern

bas Rezept für ein geradezu schlemrnerbaftes Ge­richt aus gehacktem Hund. Ein anderes sehr teures chinesisches Gericht ist die Vogelnestsuppe, die be­kanntlich aus den speichelverklebten Nestern einer bestimmten Schwalbenart zubereitet wird. Andere Spezialitäten im Reich der Mitte sind Seetana, Hakfischflosse, Seeschnecken mit vielen Beinen und Taubeneier. Je älter bas Ei, desto besser! Also bitte!

Im Norden Indiens gibt es weite Landstrecken, auf denen die Wildenten und Gänse brüten, bie ben Sommer in Europa verbringen. Hier kann man alle erbenklichen Sorten von Eiern 3um Frühstück haben: kleine unb große, herbe und süßliche, in Binsenrohr servierte ober in Fett gekochte. Die Hauptmahlzeit bei ben Festen ber Mongolen bilbet ein Schaf, bas im Ganzen geröstet und dann auf einem großen Teller sitzend serviert wird. Der Gastgeber trennt mit einem Schwert lange Streifen den Rücken hinunter ab.

Die Tibetaner nehmen ihre Nahrung zum größ­ten Teil in flüssiger Form zu sich. Die Hauptmahl­zeit besteht aus Tee, in bem Butter verrührt ist. Der Tibetaner trinkt davon bis zu vierzig und fünfzig Tassen am Tag. Jrn nördlichen Australien sind Eidechsen, die auf der Spitze eines Speeres geröstet sind, eine bei den Eingeborenen beliebte Delikatesse. Bei den südlichen Stämmen ist große Nachfrage nach Wespen unb Raupen, bie ebenso zubereitet werden. Uns überläuft wohl manchmal ein Schauer, wenn wir an solcheLeckerbissen" denken, aber wir dürfen nicht vergessen, daß hier vielfach das Gericht und die geschmackliche Einstel­lung von den natürlichen Nahrungsquellen eines Landes abhängig find. Wer zu wählerisch wäre, müßte wahrscheinlich hungrig bleiben. Vielfach spricht bei den primitiven Völkerstämmen auch ber Aberglaube mit. So glauben viele, daß Tiger- ober Löwenfleisch die Kraft dieser Tiere verleihe. Auf den Märkten Arabiens, Syriens und Aegyptens findet man überall riesige Mengen von Heuschrecken. Sie werden entweder getrocknet oder in Salzlake zum Verkauf gebracht. So zubereitet halten sie sich lange unb können von Karawanen mit auf den Weg genommen werben. Die afrikanischen Einge­borenen schätzen befonbers geröstetes Nilpferd. Die- es Fleisch wird dort als große Delikatesse ange- ehen, währet es für den europäischen Durch- chnittsgeschmack zu streng ist.