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Ne.

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sind

sind und bleiben ein Stück von uns.

LIEFERUNG NUR tyURCH HÄNDLER

Oer Tote.

Von Heinrich Lersch.

Es lag schon lang' ein Toter vor unserem Drahtverhau, Die Sonne auf ihn glühte, ihn kühlte Wind und Tau.

Ich sah ihm alle Tage in sein Gesicht hinein, Und immer fühlt' ich's fester: es muß mein Bruder sein.

Ich sah ihn alle Stunden, wie er so vor mir lag, Und hörte seine Stimme aus frohem Friedenstag.

Oft in der Nacht ein Weinen, das aus dem Schlaf mich rief: Mein Bruder, lieber Bruder hast du mich nicht mehr lieb?

Bis ich, trotz aller Kugeln, , zur Nacht mich ihm genaht

Und ihn geholt begraben ein fremder Kamerad.

Es irrten meine Augen.

Mein Herz, du irrst dich nicht:

Es hat ein jeder Tote des Bruders Angesicht.

Aus der Schützengrabenzeitung: Der Seille-Bote", Nr. 35.

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unser Ohr. v. .. ,

Brüder, den Blick in die Werte! Brüder, nur Seite an Seite kann das Werk euch gelingen, könnt ihr die Freiheit erringen.

Wir hören den Ruf der toten Kameraden. Sie nicht tot. Ihr Sehnen und Wollen lebt in uns. Sre

Das Berliner Zeughaus ein Symbol preußisch-deutscher Geschichte.

3m Banne der Ruhmeshalle. - Auf dem Wege zum Reichs-Weltkriegsmuseum.

Besuch im Zeughaus: alles andere als ein Scherz! Ein aufrüttelndes Erlebnis für jeden, der Augen hat zu sehen. Symbol des preußischen Staates, Heiligtum des Reiches der Deutschen, Wahrzeichen einer an Opfern und Siegen reichen Geschichte.

Las gewaltige Gebäude wurde errichtet zu einer Zeit, als die Weltstadt Berlin zwar schon des Staates Hauptstadt, noch immer aber ein unansehnlicher Ort war, in dem sich die prachtvollen Prunkbauten des Zeughauses und des Schlosses gar sonderbar ausnahmen. Der Große Kurfürst schon trug sich mit dem Plan, ein großes Militärmagazin an­zulegen:

Weil die Residenz nunmehr fortisiziert ist, ist es nötig, daß allda das große Magazin sei, derhalben ein schön Zeughaus allda angelegt werden muß, da dann alle große schwere Stücke aus den anderen Zeughäusern hineingebracht werden müssen."

So schrieb Kurfürst Friedrich Wilhelm in seinem politischen Testament vom 16. Mai 1667. Ihm fehl­ten die Mittel und die Muße dazu: sein Nachfahre, der erste König von Preußen, säumte nicht, seinem Vermächtnis zu willfahren. Im Jahre 1695 wurde der Grundstein gelegt zu dem großenarmamenta- rium", das in seiner heutigen äußeren Gestalt 1706 seiner Bestimmung übergeben wurde, Waffen- arsenal und Trophäensammlung zu­gleich zu sein.

Zeughaus: das hat nichts zu tun mit Halbleinen und Musselin! Zeug: das ist in der Kriegstechnik vergangener Jahrhunderte das Gewaffen des Sol­daten; das sind vor allem die Kanonen und Feld­stücke, die Musketen und Pistolen. Berlin war eine feste Stadt; auch anderwärts, so in Spandau oder in Köln und Danzig, hat man Zeughäuser gebaut, wo es allerleiZeug" zu magazinieren aab. Die feingegliederte Fassade des Berliner Zeughaustrak­tes ist, wenn sie schon unter der Oberbauleitung Schlüters entstand, in französisch-klassizistischem Geschmack der Wende zum 18. Jahrhundert ent­standen. Aber innen im Deckenschmuck der Halle, in den Masken der sterbenden Krieger, in den Füllun­gen der Türen erkennen wir den künstlerischen Aus­druck des nordischen Barocks.

Aus der Geschichte des Hauses.

Helden hinter Gtacheldraht.

Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegs­gefangener zum Heldengedenktag.

Dann aber gedenken wir noch derer, die das härteste Los traf, der Kameraden, die unverschuldet in Gefangenschaft fielen und denen ein beson­ders bitterer Tod die Heimkehr ins Vater­land vorenthielt: Mehr als 150 000 Krieger starben in der Gefangenschaft. Sie starben aus fremdem Boden, hinter Stacheldraht, unter unfreundlichen, oft feindlichen Menschen, bis zum letzten» Atemzug bedrängt durch die Gefangenschaft, in Sehnsucht nach dem elementarsten Bedürfnis jedes Menschen, der Freiheit. Wir denken ihrer mit besonderer An­teilnahme und Verbundenheit." So sprach Reichs­wehrminister Generaloberst von Blomberg am Dolkstrauertag 1934. Hundertfünfzigtausend Kame­raden kamen nicht heim. Die Welt hinter dem Stacheldraht hat sie verschlungen. Nur wenige Gräber künden von diesem Sterben. Mehr als hunderttausend ruhen irgendwo in Afrika oder im fernen Sibirien aus von Kampf und Not. Kein Grabstein zeichnet diese Stätten. Keine liebende Hand hat je mit Blumen sie geschmückt. In bren­nender Sehnsucht nach Volk und Heimat sind unsere Brüder vergangen. Der Tod löschte das heilige Feuer, das in ihnen brannte. Der Tod war ihr Befreier, nahm ihnen Leid und Ketten, lieber ihrem Sterben liegt ein heiliges Schweigen. Und doch redet dieses tausendfache Sterben zu uns. Und doch erklingt aus den wenigen bekannten und hunderttausend unbekannten Gräbern überall in der Welt ein unerhört gewaltig Lied an unser Ohr. Und doch ringt sich aus hunderttausendfachem Tod neues Leben zum Licht empor. Der Tod unserer Brüder, die in Ketten starben, wird gewaltiges Symbol der tiefen Sehnsucht eines gequälten Vol­kes. Der Schrei nach Freiheit, nach Volk und Heimat und wahrem Menschentum durchzittert Millionen. Er wird und darf nicht ungehort ver­hallen. - Heute gehen unsere Gedanken über Lan­der und Meere hin zu all den bekannten und un­bekannten Ruhestätten unserer Bruder. Gewaltig mahnend klingt der Ruf aus fernen Grabern an

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Besuch bei Admiral Lorey.

So schillerte Admiral L o r e y, der neue Haus­herr, unserem H. W.-Mitarbeiter die wechselvolle Geschichte des Zeuahauses. Auch in dem schlichten Arbeitszimmer des Admirals Erinnerungsstücke aus alter Zeit. Dort in der Ecke beschirmen wahrhafte Partisanen den Frieden des Raumes; auf dem Schrank, wenn nicht alles trügt, der Raupenhelm eines bayerischen Chevaulegers, aber es kann auch die Kopfzier eines bonapartistischen Veteranen ge­wesen sein.

Wir sind mit unserer Museumsexpedition gerade zur rechten Zeit im Zeughaus angekommen, um noch das letzte Stadium gründlicher Erneue­rungsarbeiten mitzuerleben. Allenthalben sehen wir Verschlüge aufragen; überall sind Hand­werker bei der Arbeit, um das weite Haus mit einer Beleuchtungsanlage zu versehen. Hier wird zum ersten Male eine ganz moderne, in bestem Sinne neuzeitliche Lichtanlage geschaffen, die nicht aus geschmacklosen gußeisernen Kandelabern und verschnörkelten Kronleuchtern bestehen wird,- son­dern die sich aus indirekten Lichtwirkungen, sorg­fältig durchdachten Beleuchtungseffekten zusammen- setzt. In den Sälen geistert eine bis an die Decken ragende Treppenleiter, auf der es sich doppelt so hoch sitzt wie wir es beim Schiedsrichter auf den Tennisplätzen erleben. Es gibt sonderbare Vogel­perspektiven auf die Fülle des Materials, das über­all aufgebaut ist.

Ansturm des Publikums.

Bis zum Jahre 1875 blieb das Haus der eigent­lichen Zweckbestimmung als Arsenal erhalten, ob­wohl schon 25 Jahre nach der Vollendung eine im­mer reicher werdende Sammlung älterer Waffen darin untergebracht war. So kam es, daß bei der Besetzung Berlins durch Russen und Oesterreicher während des Siebenjährigen Krieges zuerst einmal das Zeughaus von Grund auf ausgeplündert wurde. Nicht weniger als 800 Wagen voll Kriegs­beute, auch 352 eroberte Fahnen und Standarten führten die Russen hinweg; noch eben rechtzeitig konnte Fridericus seine Hauptstadt zurückervbern, um die Sprengung des Gebäudes zu verhindern. Auch im Jahre 1806 galt die Vorsorge der franzö­sischen Usurpatoren zuerst wieder dem großen Ma­gazin. Es wurde gründlich verheert, der Verfall des Staates war der Verfall des Zeughauses. Futterspeicher, Schmieden, Stallungen wurden in ben Höfen und Sälen untergebracht. Während der Befreiungskriege tauchte der Plan Gneisenaus und Scharnhorsts auf, aus dem riesigen Stein­bau eine Festung zu machen, um darin dem etwai­gen Ansturm des Korsen begegnen zu können.

Dann kamen ruhigere Zeiten. Immer mehr wur­den die Sammlungen vervollständigt. Die Erstür­mung durch das Volk im Jahre 1848 änderte nichts und schadete nicht viel. Die Ueb erfülle der Trophäen aber, die aus den drei Einigungs­kriegen nach Hause gebracht wurde, verlangte, daß nunmehr alles gänzlich gewandelt wurde. In den siebziger Jahren wurde ein gründlicher Umbau be­gonnen, die Ruhmeshalle angegliedert, später der weite Lichthof Überdacht und schließlich der heutige Zustand auch im Einzelnen hergestellt. Das Zeug­haus war nicht mehr Magazin, sondern Museum geworden.

arbeiteten die Fahrer an den Gräbern, auf einem kleinen Soldatenfriedhof neben der Kirche. Wir holten große Glasurziegel vom Dache eines Garten­hauses zum Einfassen der Gräber und brachen blühenden Flieder und gelbe und rote Zwerge zum Schmücken. v , .. . ~.

Wir senkten die Kameraden m die Erde. Em 248er Fahrer, Bruder vom Rauhen Haus in Ham- bura, sprach herzliche Worte. Der Flieder duftete, die Zweige glänzten auf den frischen Schollen, aber ungeduldig bröckelte die Erde nach. In den Augen des alten Böhne standen ein paar große Tränen. Dann warfen wir die Blüten und Blätter auf die Toten und begannen, die Gräber zuzuschaufeln. Der letzte Dienst, den ich meinem lieben Rudolf tun konnte, war, daß ich ein blaues Käferchen von seiner kalten Wange strich.

Lieber Vater! Ich bitte Dich hiermit um die Erlaubnis, mich am 17. Juni in Erfurt als Kriegs- freiwilliger melden zu dürfen. Seitdem ich Scheidig in den Ferien wiedergesehen habe, weiß ich, daß ich Soldat werden muß. Wir haben uns immer in der Schule an Tüchtigkeit gemessen. Wie kläglich habe ich mich jetzt im Vergleich zu ihm gezeigt! Er hat nur noch einen Bruder, und der ist auch mit im Felde. 270 Studenten sind bis jetzt von hier gefallen. Den Ernst des Krieges kenne ich. Es ist doch eigentlich gemein, die jungen Kerls für sich kämpfen zu lassen, wo man's selber kann.

Wie soll ich einmal vor meinen Schuljungen stehen, ihnen etwas von Schiller, Körner und Ge­schichte erzählen, ohne jeden Augenblick lügen zu müssen? Ich möchte Dich bitten, mir die Erlaubnis in der Form zu geben, wie Du es schon einmal getan hast. Du stellst mir den Truppenteil frei. Ich will dahin gehen, wo ich nach dem Ausspruch des Arztes am besten geeignet bin.

Es ist eine Freude, in diesem Hause zu arbeiten!", so versichert uns 2lbmiral Lorey. Seitdem im vergangenen Jahre der Staub von fünf Jahrzehn­ten buchstäblich wie im übertragenen Sinne gemeint entfernt worden ist und nachdem alle Räume mit einem neuen Anstrich versehen wurden, konnte man auch rüstig daran weiterarbeiten, die Pläne vergangener Jahre in die Tat umzusetzen. Die Museumsverwaltung hatte während der Nach­kriegszeit alle Mühe, den Bestand des Zeughauses zu erhalten. Jetzt schifft man mit vollen Segeln in eine neue Epoche. Nie war das Interesse und der Ansturm des Publikums größer als in diesen letzten beiden Jahren. In den vergangenen zwölf Monaten besuchten nicht weniger als 682 000 Personen die Sammlungen, darin einbegriffen die Teilnehmer an den militärischen Erinnerungsfeiern im großen Lichthof, von denen das Treffen der Träger desPour le Märite der Unteroffiziere" und der Mitkämpfer von Brzeziny noch in frischer Erinnerung ist. , _ ,

Unter den Besuchern der letzten Zeit befand sich der Führer Adolf Hitler, dreimal war General- feldmarschall von Mackensen Gast des Zeug­hauses und plauderte in erstaunlicher Frische aus der Fülle feines historischen Wissens. Dann erschie­nen der Bundesführer des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbundes (Stahlhelm), Reichs- arbeitsminister Seldte mit Reichserziehungsmi­nister Rust neben vielen anderen.

Die Ruhmeshalle.

Als das H e r z st ü ck d e s Z e u g h a u s e s, das eine der reichsten und größten Sammlungen an Waffen und Erinnerungsstücken ist, die in der Welt zu finden sind, muß man die Ruhmeshalle an­sehen, die Gemälde aus Preußens Geschichte und Denkmäler seiner großen Männer umschließt. Wenn man entblößten Hauptes hineintritt in das ge­heimnisvolle Dämmerlicht dieses geweihten Rau­mes, steht man vor der Totenmaske des ver­ewigten Generalfeldmarschalls von Hinden­burg, die hier, inmitten der Manen einer großen Vergangenheit, einen überaus würdigen Platz ge­funden hat als einziges, unvergeßliches Dokument der Gegenwart. Diese Ruhmeshalle ist dazu ange­tan, Wallfahrtsstätte des ganzen deutschen Volkes zu sein.

Der Weltkrieg selbst hat bisher keine blei­bende Stätte gefunden. Wohl drohen uns im Licht­hof die unbrauchbar gemachten Schlünde deutscher Geschütze des Völkerringens entgegen, wohl begrüßen uns draußen am Eingang die ach so winzigen! Kampfflugzeuge Bölckes und R i ch t h o f e n s ; aber das große Reichs- Weltkriegsmuseum als oberstes Ziel der Zeughausverwaltung ist noch nicht entstanden. Man ist allerdings gerade dabei, einen ganzen Flügel für Erinnerungsstücke aus der großen Zeit von 1914 bis 1918 freizumachen. Doch im übrigen wird das Gesamtwert in das auch der Kampf der Hei­mat einzubegiehen wäre eine Arbeit der näch­sten Zukunft sein.

Auch die sinnverwirrende Fülle der Sammelstucke muß demnächst im Interesse der Besucher mehr als bisher gebändigt werden. Aus der ununterbrochenen Kette der Sammlung von Waffen der älte- sten kriegsgeschichtlichen Zeit des Reiches der Deut­schen bis auf unsere Tage wird man die reinen Studienstücke heraussuchen und in einer besonderen Studienschau zusammenstellen, die außerhalb des Hauses eine neue Heimstätte finden wird. Das Zeughaus selbst wird mehr und mehr zu einer klar und übersichtlich gegliederten Schausammlung wer­den, die lückenlos aber auch ohne unnötigen Bal­last die Geschichte der Kriegstechnik schildern soll.

Sonderausstellungen.

Neben diesen großen Plänen wird das Leben des Museums beherrscht von dem Bestreben, seinen Gästen immer das Aktuellste und Neueste zu bieten.

war.

Ruudgaug durch das Zeughaus.

Ein Rund gang durch das Zeughaus offenbarte aufs Neue die sinnverwirrende Fülle und den erstaunlichen Reichtum der Sammlungen. Der getreue Hüter des Hauses seit 35 Jahren geleitete unseren H. W.-Mitarbeiter durch die weiten Säle. Es ist nicht möglich, auch nur einen flüchtigen lieber- blick über das Geschaute zu geben. Statt dessen nur einige Kuriositäten: Lehrreich und anschau- lich vor allem jene leeren Podeste, auf denen noch vor wenigen Jahren Beutestücke aus dem Kriege von 1870/71 standen, die dem Versailler Diktat zu­folge wieder abgeliefert werden mußten. Zu ihnen gehören die Reste derValerie", draußen im Ka­stanienwäldchen, gleich neben dem Zeughaus. Es steht nur noch die Lafette dieses 24-Zentimeter- Riesengeschützes, das einst den Mont Valerien zu Paris bewehrte und das 1871 erbeutet worden war. Das Geschützrohr selbst ging 1921 nach Paris zu­rück.

Dann jene sonderbaren Andenken an den Weltkrieg: Gewehre, deren Mündung von feindlichen Kugeln getroffen wurden; Karabiner, deren Lauf der Länge nach vom Feinde durchschos­sen wurde; Brust- und Leibpanzer deutscher Horch­posten aus dem Jahre 1916 merkwürdiger Kon­trast zu den Panzern der gotischen Epoche!

Dann die Uniform des Alten Fritz, sein Schim- mel C o n d 6, wohl ausgestopst, wenn auch infolge der Jahre fast ganz enthaart. Die Hausjacke des großen Preußenkönigs mit aufgeschlitztem Aermel, um den gichtgeplagten Arm zu schonen. Die Feld­mütze des alten Blücher, ein tolles Ding, schmutzig, abgegriffen, mit gewaltigem Schirm für die leidenden Augen. An anderer Stelle ein 33 Pfund schweresV o r t r a g e s ch w e r t" von mehr als Manneshöhe neben den scharf gewellten Flam­bergen und den fein ziselierten Hellebarden, der mehr als tausendjährige Helm neben dem wunder­voll gearbeiteten Hifthorn eines deutschen Edlen aus der gleichen Zeit.

Ständiger Wechsel von Sonderausstel­lungen belebt das Interesse des Publikums. Zur Zeit lösen Einzeldarstellungen markanter Abschnitte des Weltkrieges einander ab, die auf die Aufein­anderfolge zwanzigjähriger Gedenktage abgestellt sind. Jüngst war eine Schau der Vogesenfront aus- gebaut; zur Zeit sieht man eine Sammlung aus ber W i nterschla ch in Masuren. Demnächst wird die von den Frontkämpfern Thieß und Henke hervorragend ausgebaute Privatausstellung Die Front" hier einziehen. Auch der Kunst ist breiter Raum gewährt. Der Lichthof ist gerade jetzt dem Schlachtenmaler Dettmann eingeräumt, und auch in Zukunft soll wenn auch in einem anderen Teil des Gebäudes der künstlerischen Schilderung kriegerischer Erlebnisse Gelegenheit zur Ausstellung geboten werden. Wie sehr solche Sonderveranstaltungen im Sinne der Besucher lie­gen, das bewies vor einem Jahre die Ausstellung der sogenannten Napoleons beute, welche aus allen Teilen Deutschlands die Beutestücke ver­einigte, die 1815 Generalfeldmarschall von Blü­cher Napoleon I. bei Genappes abgejagt hatte. 95 000 Menschen haben in einem einzigen Monat die Gelegenheit wahrgenommen, die Hinterlassen­schaft des Korsen anzusehen, die bekanntlich durch den Versailler Vertrag eigentlich wieder an Frank­reich zurückfallen sollte, inzwischen aber von unbe­kannten Patrioten in Sicherheit gebracht worden

Berlin, im Februar.

Kriegerischer Traum.

Wie ein Verzweifelter habe ich mich gestern Nacht in meinem Bett hin und her geworfen. Mir träumte, ich sei auf schwergepanzertem Schlachtroß flambergschwingend auf eine alte Kanone los­geprescht, die mit Donnergebrüll 24pfünbige Stein- kugeln gegen mich spuckte. Don links und rechts her rammten mich glitzernde Helmbarten und Parti­sanen durch meine weißverschnürte Husarenattila; hinter mir sprühte ein Flammenwerfer aus dem Weltkrieg; irgend jemand tutete markerschütternd auf Olifant, Rolands Heerhorn, während in der Luft ein feuerroter Kampfdreidecker sich mit einem buntgescheckten Panzerwagen herumschlug, der an­scheinend die Milchstraße zum Anmarsch benutzte und aus dessen Schießscharten unendlich lange Landsknechtsspieße hervorstachen. Es nützte nichts, daß ich meinen napoleonischen Zweispitz tief in die Stirne zog; ein Armbrustbolzen piekte mich heftig in die Rippen und, wie aus der Dicken Berta ge- schofsen, rannte ich mit dem Schädel gegen den be­nachbarten Schützengraben an und erwachte: der Besuch im Zeughause hatte mich bis in meinen Schlaf verfolgt.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot, für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 35: 11 790. Druck und Verlag: Brübl iche Unwersitäts-Buch- und Stemdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf« Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig«

Jnnigst geliebte Eltern!

Wenn Ihr diese Nachricht von mir erhaltet, dann ist wohl herbes Leid über Euch gekommen, denn dann bin ich nicht mehr in dieser Welt.

Ich kann es verstehen, aber um eins bitte ich Euch: beklagt mich nicht. Trauert um mich, aber seid ruhig und gefaßt; zeigt, daß Ihr Deutsche seid, die das Leid tragen können. Deutsche Eltern, die das Wertvollste, was sie besitzen, hingeben für das Wertvollste, unser herrliches Vaterland. Denn trotz aller trüben Erfahrungen und Nachrichten glaube ich doch noch an eine Zukunft. Für das neue, größere, bessere Vaterland gebe ich gerne mein junges Leben.

Ich gehe ganz gefaßt in den Kampf und zittere nicht, dem Tode ins Antlitz zu blicken, denn ich fühle mich geborgen in Gottes Hand. Jesus Christus, den ich nach langen Irrungen als meinen Erlöser er­fahren durste, ist auch für mich die Auferstehung und das Leben. Vielleicht teilt Ihr nicht meine Ueberzeugung, aber ich habe ein treffliches Wort in meinem Buche von Lhotzky gelesen:Von den Menschen führen viele Wege zu Gott, aber von Gott nur einer zu den Menschen."

Noch eins: Wenn ich Euch früher kränkte und wehe tat, so verzeiht es mir. Ich war eigensinnig oft und habe oft einen unrechten Weg eingeschlagen, aber ich habe es bereut, glaubt es mir, und verzeiht mir. Und nun bleibt mir nichts mehr als Euch allen trotz allem zuzurufen: Auf Wiedersehen! Euer Heinz.

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