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die offizielle Auslieferungsstelle, dem Banklmuse Joh. Witzig & Co., München 2 M, oder durch die Kammer bezogen werden. Da der Reinertrag dieser Ausgabe ungeschmälert für die mannigfachen Auf-, gaben des Saar-Hilfswerks vor und nach der Ab­stimmung verwendet wird, bittet die Kammer um .ausnahmslosen Bezug dieser Münze und für weit­gehendste Werbung hierfür bemüht zu sein.

Platzkonzert der ReichSwe rkapelle.

Unsere Gießener Reichswehrkapelle gab am gestri­gen Dienstagnachmittag um 16 Uhr vor dem Stadt­theater aus Anlaß des deutschen Sieges an der Saar ein Platzkonzert. Die Leitung lag in den bewährten Händen von Obermusikmeister Ernst Krauße. Die ausgezeichneten musikalischen Dar­bietungen wurden von zahlreichen Zuhörern mit Aufmerksamkeit und Dankbarkeit verfolgt.

Schafft Geldmittel für die Kinderlandversch ckung.

Die Gauamtsleitung der NS.-Bolkswohlfahrt hat dieser Tage einen sehr interessanten Bildbericht über die Kinderlandverschickung im Jahre 1934 herausge- geben, aus dessen Verkauf die Unkosten der Ver­schickung gedeckt werden sollen. Das' schmucke Heft, das nur 15 Pf. kostet, darf in keinem Haushalt fehlen.

Das Ergebnis der Eintopfgericht-Sammlung in Gießen.

Die am vergangenen Sonntag durchgeführte Sammlung für das Eintopfgericht erbrachte in unsrer Stadt den Betrag von 3718,65 Mark.

Deutsche Arbeitsfront.

NS.-Gemeinfchaft.Kraft durch Freude".

Am Donnerstag, 24. Januar, kommt der vom Rundfunk bekannte Komiker Harry C o b l e r mit feiner Truppe in das Stadttheater Gießen zu einem großen Bunten Abend. Preise der Plätze: 0,60, 0,80, 1,00, 1,30 Mark. Kartenvorverkauf: Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 10.

Berufshauptgruppen. Fachgruppe Banken.

Der für Mittwoch, 16. Januar, angesetzte Vor­trag des Diplom-Handelslehrers Dr. Heun über Hypotheken und Grundbuch im Arbeitsbereich der Bank" ist verlegt worden und findet nunmehr am Donnerstag, 24. Januar, um 20 Uhr im Orts­gruppenheim, Lonystraße 18, statt.

Neubewertung der Sachbezüge beim Steuerabzug vom Arbeitslohn.

Di) Industrie- und Handelskammer Gießen weist darauf hin, daß der Wert der Sachbezüge für die Zwecke des Steuerabzugs vom Arbeitslohn für den Bezirk des Landesfinanzamts Darmstadt mit Wir­kung vom 1. Januar 1935 neu festgesetzt wurde.

Die betreffende Bekanntmachung des Landes­finanzamts Darmstadt liegt der Kammer vor. Aus­künfte können jederzeit eingeholt werden.

Kriegerverem Gießen.

Am Samstagabend hielt der Kriegerverein im Cafe Leib fein 61. Stiftungsfest ab. Als der erste Vereinsführer, Kamerad Landgerichtsrat Trüm- p e r t, sich zur Begrüßungsrede erhob, waren Saal und Galerie dicht besetzt. Kamerad Trümpert begrüßte die sehr zahlreich Erschienenen, insbeson­dere den Landesführer für Hessen des Kyffhäuser- bundes, Generalleutnant Fett aus Frankfurt am Main, die Abordnungen des Offiziers- und Unteroffizierkorps der Gießener Reichswehrgarnison, den Führer der Ortsgruppe Gießen des NSDFB. (Stahlhelm) Oberstleutnant Loppe, gedachte in ehrenden Worten der im letzten Jahre verstorbenen Kameraden, besonders des Ehrenvorsitzenden des Kyffhäuserbundes, Reichspräsident und General- feldmarschall von Hindenburg, und des lang­jährigen Gießener ersten Vereinsführers und Ehren­mitglieds Karl Mayer. Beim Gedenken der Ver­storbenen spielte die Musik das Lied vom guten Kameraden. Der Redner betonte ferner, daß die Kriegervereine immer hinter dem Führer stünden. Süne Ansprache klang aus mit einem dreifachen

Die Sturmfahne im Gaugebiet Hefsen-Aaffau.

Das Gau Presseamt teilt mit: Die schwarze Sturmfahne der Kriegsopfer des Saar­gebietes geht auf ihrem Weg zum Führer auch durch das Gaugebiet Hessen-Nassau. Am 1 6. I a n u a r erreicht sie Frankfurt, um am 17. Januar den Weg durch Oberhessen zu nehmen. Aus untenstehender Aufstellung ist Ort und Zeit genau zu ersehen. Es ist Ehrenpflicht der deut­schen Volksgenossen, wo immer es möglich ist, durch ihre Anwesenheit diesem Zeichen der Treue ihre Verbundenheit zu beweisen.

16. Januar:

Z. Ueberg.

Kilo­

Uhr

Min.

meter

ab

Sindlingen

20.24

3,8

an

Höchst

21.10

15

ab

Höchst

21.25

an

Frankfurt a. M.- Hauptbahnhof

23,08

25

8,6

17. Januar:

Z. Ueberg.

Kilo­

Uhr

Min.

meter

ab

Frankfurt

23.33

an

Vilbel

1.56

15

ab

Vilbel

2.11

8,4

an

Okarben

3.48

10

ab

Okarben

3.58

6,6

an

Ober-Wöllstadt

5.17

10

ab

Wöllstadt

5.27

4,6

an

Friedberg

6.21

15

ab

Friedberg

6 36

4,5

an

Bad-Nauheim

7.30

15

ab

Bad-Nauheim

7.45

8,3

an

Nieder-Weisel

9.24

10

ab

Nieder-Woisel

9.34

2,8

an

Butzbach

10 09

15

ab

Butzbach

10.24

8,1

an

Lang-Göns

12.03

15

ab

Lang-Göns

1218

3,8

an

Großen-Linden

13.04

10

ab

Großen-Linden

13.14

an

Klein-Linden

14 00

10

3,8

ab

Klein-Linden

14.10

an

Gießen

14.58

15

4,0

Sieg-Heil auf Führer und Vaterland. Anschließend wurde stehend das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied gesungen.

Der Landesführer, Generalleutnant Fett, be­glückwünschte den Verein zu seinem 61. Stiftungs­feste. Er betonte, daß er zwar sehr viele dringende Geschäfte zu erledigen habe, es sich aber nicht neh­men lasse, bei einem Kriegerfest in Gießen zu er­scheinen, da bei ihm freundschaftliche Beziehungen zu der schönen Garnisonstadt Gießen und zu dem derzeitigen ersten Vereinsführer bestünden. Der Ge­neral sprach ferner von der vorzüglichen Führung des Vereins, der die zweitbesten Schützen im Reichs­kriegerbunde habe, (nach Bochum komme Gießen). Den Schießleitern Albin Klein und Wagner sprach der Landesführer hohe Anerkennung aus für ihre M''he um die Ausbildung der Schützen, und überreichte dem Vereinsführer zwei wertvolle silberne Pokale als Schieß-Ehrenpreise. Gleichzeitig wurden die siegreichen Schützen geehrt. Ferner sprachen Glückwünsche aus: Herr Müller für die Arbeits­gemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine und Herr Risch für den Marineverein. Letzterer überreichte dem Kriegerverein als Geschenk ein Bild des Emirats S^cr, ^es Siegers in der Seeschlacht am Skagerrak. Alle Redner gedachten der Brüder und Schwestern an der Saar und sprachen die Hoff­nung aus, daß nun endlich der Tag gekommen sei, daß das Saargebiet zum deutschen Mutterland zu­rückgegeben werde.

Kamerad Trümpert sprach allen Rednern Dank aus und nahm die Ehrenpreise und Geschenke in die Obhut des Vereins.

Die Festfolge war sehr abwechslungsreich. Zwei Theaterstücke wurden gespielt, wobei das letztere: Ein tapferer Soldat" geradezu wahre Lachsalven

Oie schwarze Gturmfahne in Gießen.

Die schwarze Sturmfahne der Kriegsopfer von der Saar wird am morgigen Donnerstag gegen 12 Uhr an der Kreisgrenze des Kreises Gie­ßen, zwischen Kirch-Göns und Lang-Göns, eintreffen. Die Staffelmannschaft, die die Fahne zu tragen hat, wird an dieser Stelle gewechselt. Eine Fahnen­gruppe der Bewegung im Kreise Gießen übernimmt die Fahne und bringt sie im Verlaufe der Staffel nach Gießen. Um 14.58 Uhr wird die Fahne auf dem Landgraf-Philipp-Platz eintreffen. Dort wird sie in feierlicher Form an die nächste Staffelmann-

Gedenkt der hungernden Tiere!

Reichsbund Volkstum und Heimat Landschaft Rheinfranken-Rassau-hessen Fachamt Tierschutz.

schäft übergeben. Pg. Älo ft ermann wird eine Ansprache halten Sämtliche Gliederungen nehmen an dieser Feier teil. Die Hitlerjugend, der BdM. und das Jungvolk werden auf allen Straßen, die von der Fahnenstaffel passiert werden, Spalier stehen und dadurch der Fahne ihre Ehrerbietung erweisen.

Der Weg der Fahnenstaffel in unserer Stadt beim Einmarsch ist folgender: Frankfurter Straße, Seltersweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Kanzleiberg, Brandplatz, Landgraf-Philipp-Platz,. Nach der feier­lichen Uebergabe an die nächste Staffelmannschaft wird der Weg pünktlich um 15.13 Uhr über Land- grafen-Straße, Adolf-Hitler-Wall und Marburger Straße fortgesetzt. Heber Lollar, Bellnhausen, Mar­burg, Albshausen usw. wird die schwarze Sturm­fahne in der Richtung nach Berlin weitergetragen, um dort am Donnnerstag, 24. Januar, abends, beim Eintreffen in der Reichshauptstadt dem Führer überreicht zu werden.

auslöste. Die Damen Haase, Feußer und Büttner führten Tänze vor. Ein sehr schön zu Gehör gebrachter Gesangsvortrag von Karl Feu­ßer fand besonderen Beifall.

Für ununterbrochene 50jährige treue Mitglied­schaft wurden ausgezeichnet: die Kameraden Kon­rad G e i tz , Heinr. Simon und Herrn. Schäfer, für 40jährige: Karl Amend, Aug. Fourier, Jak. Lamp, Heinr. Launspach, Rob. Meu- f e r, Herrn. Sandmann, Dr. med. Schäffer, Karl Petri und Karl Zink. Für 25jährige: Karl Junker. Wilhelm Klaus, Karl Rahn, Ro­bert S ck i ch , Wilh. Schäfer und K. K l i n k l e r.

Das Fest nahm einen gemütlichen Verlauf. Die Musik wurde ausgeführt von der Kapelle Weller- Krengel. Die Bühnen-Ausstattung wurde vom Möbelhaus Ernst Rau (früher Brück) gestellt. An­schließend verbrachte man noch einige vergnügte Stunden bei Musik und Tanz.

vocnottzen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 19.30 bis 22 UhrDer König". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Regine". Ober- hessischer Knnstoerein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr 1. Jahres-Ausstellung. Reichs- treubunb: 20.15 Kameradschaftsabend im Unteroffi­ziersheim, Neue Kaserne. Evangelische Stadtmis- fion: 10, 14.30 und 20.30 Biblische Vorträge.

*

** Dankgottesdienste in Gießen. Aus Anlaß des deutschen Sieges an der Saar werden am heutigen Mittwoch in Gießen Dankgottesdienste abgehalten. Man beachte die kirchlichen Anzeigen in dieser Nummer.

** Baltikumkämpfer! Freikorps- kämpfer! Man schreibt uns: Alle Freikorpskämp­

fer, die in den Jahren Deutschlands tiefster (Er- nicbrigung 1918/23 für Deutschlands Freiheit und Ehre eingetreten sind, sammeln sich im Reichsver­band der Baltikumkämpfer (Vereinigung ehemal. Grenzschutz- und Freikorpskämpfer). Anmeldungen sind zu richten an: Erhard Scherzer, Abschnitts­führer für Hessen-Starkenburg, Darmstadt, Kittier- strahe 17.

Große Strafkammer Gießen.

Wegen versuchter Verbrechen im Sinne des § 176 Ziffer 3 RSLGB. wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit der H. W. aus Friedberg zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten ver­urteilt.

Das Gericht befaßte sich sodann mit dem ehemali­gen Postbeamten Benedikt H a i n st a d t aus Oppershofen wegen Verbrechens im Amt. Der An­geklagte, der bei dem Postamt in Bad-Nauheim tätig war, nahm eine ganze Anzahl Briefe an sich, öffnete sie und schaffte sie beiseite. Nachdem der Vertreter der Anklage eine Zuchthaus st rase von 2 Jahren beantragte, erkannte das Gericht auf eine solche von 1 Jahr 6 Monaten.

Kleine Strafkammer Gießen.

Der F. B. aus Salzschlirf wurde wegen gewerbs­mäßiger Wilderei und verbotenen Waffenbesitzes vom Amtsgericht in Schlitz zu 4 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Wegen der für die Wilderei erkannten Strafe legte die Staatsanwalt­schaft gegen das vorinstanzliche Urteil Berufung ein. Das Gericht erkannte gestern auf 8 Monate und eine Woche Gefängnis.

Or. Blank in das Oberpräsidium Hessen-Nassau berufen.

LPD. D a r m st a d t, 15. Jan. Der Direktor der Hessischen Landesbibliothek Pg. Dr. Rudolf Blank (früher in Gießen) wurde mit Wirkung vom 1. Jan. 1935 als Oberschulrat in das Oberprä­sidium der Provinz Hessen-Nassau, Abteilung höhere Schulen, nach Kassel berufen. Dr. Blank, ein geborener Oberhesse, wurde am 15. März 1933 als Referent für das höhere Schul­wesen in das Hessische Kultusministerium berufen und am 1. Juli 1933 zum Oberschulrat ernannt. Seit dem 1. November 1933 war er Direktor der Hessischen Landesbibliothek.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 14. Jan. Am Samstag­abend feierte die Freiwillige Feuerwehr Klein-Linden in der WirtschaftZum deut­schen Hof" von Friedrich Rinn, dem einstigen Grün­dungslokal, ihr 4 0 j ä h r i g e s Best e h e n. Der erste Kommandant Fritz Müller begrüßte die Be­sucher, besonders den als Gast erschienenen Kreis­feuerwehrinspektor Bouffier (Gießen), u:ib gab dann einen Rückblick über die Geschichte d r frei­willigen Feuerwehr in den verflossenen vier Jahr­zehnten. (Das Wesentliche aus der Geschichte der Wehr hatten wir bereits in der Donnerstagsnum­mer desGieß. Anz." gebracht.) Kreisfeuerwehr­inspektor Bouffier sprach über das Feuerlösch­wesen der Gemeinde und den Aufstieg der Freiwilli­gen Feuerwehren in Stadt und Land, der in erster Linie der nationalsozialistischen Regierung zu ver­danken fei. Er überbrachte neben der Wehr den noch lebenden anwesenden drei Mitbegründern, dem Ehrenkommandanten Karl Jung II., dem langjäh­rigen ehemaligen Spritzenmeister Ludwig Schaum und dem verdeinstvollen ehemaligen Rechner Hein­rich Ufer, die Glückwünsche der Kreisfeuerwebr- behörde und dankte besonders den Jubilaren für ihre fegenbringende Arbeit. Für die Gemeinde über­reichte Bürgermeister Fischer jedem Jubilar unter Würdigung ihrer Verdienste einen Ruhesessel. Er bat die Geehrten, auch ferner der Wehr mit Rat 1 und Tat zur Seite zu stehen und versprach, auch von Seite der Gemeinde die Feuerwehr allzeit zu unterstützen. Im Namen der Jubilare dankte Ehren­kommandant Karl Jung II. für die Ehrungen.

Oie arischen Völker Europas.

Von profeflor Dr. Eduard Heyck GOS.

Arier ist jetzt ein Rassewort geworden, womit man gleichzeitig die indogermanische Sprachfamilie bezeichnet. Sich selbst benannten nur die Eranier (Perser) und die Inder als Arier. Danach heißt das Land, wo die Perser wohnen, Airan, Eran, unrichtig Iran. Im Sanskrit der Inder kommt arja (von den Gelehrten international geschriebenarya") für Götter und Menschen vor. Bei jenen bedeutet es hoheitlich, bei den Menschen hochstrebend, edel, andächtig. Die gleiche Wortwurzel, diehoch" be­deutete, hatte das Germanische auch. Sie ist ent­halten in Ermin, mit e, Eresburg, Erminonen, Emunduren. Ermin, dann auch Irmin, war den Deutschen ihr liebster Nebenname für den hohen Hilnmelsgott Tiu oder Ziu.Wet tu, Jrmingot, obana ab Hevane",du weißt, Jrmingott, oben vom Himmel", so ruft im Hildebrandliede der Alte den Himmels- und Schwurgott zum Eidzeugen an.

In unberechenbarer Frühzeit waren die Jndo- germanen erst eine so kleine Menschengruppe, daß sie alle die gleichen Begriffe und Dinge kannten und in Laut- und Formenstand engverwandte Mundarten sprachen. Aus diesem Wortschatz, soweit er a 11 = gemeinsam ist, mit Ausscheidung jüngerer Entlehnungen, haben die Sprachforscher Schlüsse ge­zogen aus das geographische Wo der frühesten Arier. Alle haben das Wort Schnee, kannten vier Jahreszeiten und das Gewitter. Sie waren ver­traut mit Eichen, Eschen, Espen, Birken, Weiden, Eiden und anderen Nadelhölzern: der hauptsächliche Baum war ihnen die Buche. Als bei der späteren großen Zerdehnung der Arieroölker die Hellenen nach Griechenland kamen, wo keine Buchen sind, nannten sie die dortige Speiseeiche, die ihnen eben­falls Mastfutter gab, mit dem ihnen gewohnten Namen fagos oder fegos, sprachlich gleich dem lateinischen fagus (Buche) und dem germanischen lautverschobenen bot, Buche. Die Kurden im Süden Armeniens nannten mit dem Namen der vermißten Buche nun die Ulme. Die Inder in ihrem warmen Lande verwandten die mitgebrachte Wortwurzel von Schnee für das Zerfließen. Keine von den Ariern kannte von Haus aus Löwen, Hyänen, Kamele, Elefanten, aber sie wußten auch nichts von dem Reen, dem sogenannten Renntier. Oelbaum und Weinstock lagen außer ihres Horizontes. Sie waren schiere starke Leute, weil sie Milch tränten. Aber zahllose Bienen übersummten die Erikaheiden ihrer Heimatgegenden, und sie hatten es bald her­aus, gewässerten Honig zu vergären, zu M e t (alt- indisch madhu), dem all-arischen, wenig gefährlichen

Getränk, auch zum Mitnehmen auf die Jagd und

die Viehweide, wo sie bei alldem den Hund hatten. DerReißer", der Wolf, bedrohte ihre Schafherden, deren Wolle sie mehr als die Pelze und Wildfelle schätzten. Ebenso züchteten sie das Rind. Sie bauten Nutzpflanzen und gewisse Getreidearten, was man auch im langsamen Nomadisieren mit Vieh und Wagen und Wohnzelten kann. S o sind dieWan­derungen" ihrer Zerdehnung zu denken, nicht als marschierende Massen.

Die Zerdehnung zerriß die alten Fühlungen. Statt ihrer wuchsen sich Sondergruppen zurecht, die arischen einzelnen Völker, im Innern mit Unter­gruppen oderStämmen". Oestlich von Mittel­europa treffen wir die Slawen und die ihnen nahestehende lettisch-litauische Gruppe. Ostwärts, ganz aus Europa heraus, in asiatische Gegenden gelangten nach China hinein die Jue-tschi amAltyn- Dag (dieJndoskythen" altgriechischer Schriftsteller), I ferner Stämme von arischer Reinheit, die in den | Hochtälern Turkestans sitzen: südlicher und west­licher begegnen die Inder, Perser und andere Eranier, Kurden, auch die Armenier, denen die Sprache verblieb, doch kaum etwas vom arischen Geblüt. Arier waren die Skythen in der Ukraine, mit ähnlich aufschlußreichen Sitten, wie auch die Kurden sie altertümlich bewahrten. Die Südbewe­gung her Slawen hat die Skythen verdrängt. Gegen den Balkan drangen die Thraker vor. Ihnen ge­hörten auch die Daker zu, die gutenteils in den heutigen Rumänen drinstecken. Durch die Thraker­zone durch stießen etappenweise ebenfalls von Nor­den die Hellenen vor. Von ihren Stämmen blieben die Makedonier am altertümlichsten: ihre Einrichtungen und Sitten ähneln sehr den alt­germanischen. Von der unarischen, schon alten Mischkultur des östlichen Mittelmeeres wurde am meisten der Jonierstamm beeinflußt. Am sprödesten und konservativsten hielten sich die Dorier. Des Odysseus alter Vater Laertes trägt im Homer noch feste Wadenstrümvfe, die sprachlichen zweiHosen" der Germanen. So sieht hier die nördliche Schutz­tracht noch in das gewechselte, südliche Kostüm der Hellenen hinein.

Um die Adria und von dort auch in Süditalien setzten sich die Illyrier fest, nach einer nörd­licheren Vorzeit, denen die Gräberfunde desLau­sitzer" Typus zugeschrieben werden. Die Albanesen werden ihnen zugerechnet, doch teilen Neuere diese auch den Thrakern zu. Von Norden drangen in die Apenninenhalbinsel sabellische, oskische, umbrische, latinische Stämme ein, die wir als Italiker zusammenfassen. Die Römer waren Latiner, unter zeitweiliger alter Herrschaft der nichtarischen E- trusker. Dadurch, daß der Stadtstaat Rom zur Weltherrschaft erwuchs, ist ein großer Teil Europas provinziell lateinifiert worden, zuromanischen"

Nationen heute, Rumänien, ganz Italien, Frank­reich, fast halb Belgien, ganz Spanien, Portugal. Romanische Blutsverwandtschaft konnte aber da­durch nicht begründet werden. Gewaltig an Volks­zahl wurden die Kelten, tapfere, rege, phantasie- volle, witzige Leute, für vieles begabt außer zu eigennationaler dauerhafter Staatenbildung. Sie erfüllten zeitweilig West- und Süddeutschland, Böh­men, Teile Ungarns, stießen nach Kleinasien vor (die Galater), besiedelten Gallien, Alpengegenden, Oberitalien, setzten sich unter den nichtarischen Iberern Spaniens fest, gingen nach Britannien und Irland hinüber. In Wales, Irland, Teilen Schott­lands, in der Bretagne Frankreichs erhielten sich keltische Sprachreste. Aus ihnen ist jetzt der junge Freistaat Irland amtlich und besonders durch Unterricht bemüht, wieder eine nationale Sprache aufzuziehen.

Was die German-m anlangt, macht sich jetzt eine Meinung geltend (Schuchhardt, Guntert), die In­haber des Gebietes herGroßsteinaräber" um die üdwestliche Ostsee herum seien von Süden her indo- germanisiert worden, und dies habe die Germanen ergeben. Ein Beispiel, wie mit dem Zusammen­münden von Sprachwissenschaft, Anthrovologie und vorgeschichtlicher Altertümerkunde die Fragen erst verwickelt werden und zu Versuchslösungen führen. Fest steht die Ausdehnung der Germanen all­seitig ringsum, in Skandinavien auf demNord- weg", was zum Ländername wurde. Weiterhin kamen sie auch nach Britannien als Auswanderer und Eroberer, Sachsen, Angeln, Dänen, Normannen.

Unter dem großen Zelt.

Die Kapelle spielt einen langsamen Walzer und am Ende des großen Seils stehen hie Artisten, auf die Hunderte von Augenpaaren in gespannter Er­wartung gerichtet sind. Die Musik wird schneller. In der Höhe erklingt hart und kurz einFertig?" und der erste Sckritt wird aus das Seil gesetzt. Wieviel schwere Arbeit und wieviel Geduld und Härte gegen die eigene Person ist nötig gewesen, um die Leichtigkeit und vollkommene Anmut an­gesichts der dauernden Gefahr zu zeigen, in der der Seilkünstler schwebt! Immer wieder ist der Luft­akrobat die Hauptanziehung der Vorstellung. Jeder der Anwesenden, und er selbst am genauesten, weiß, daß ein Fehltritt, eine unerwartete Erschütterung, den Tod bedeuten kann. Der berühmte Akrobat am Hochtrapez ist augenblicklich Alfred C o d o n a, der den dreifachen Salto ausführt. Der erste, der sich an dieser Höchstleistung der Trapezkunst versuchte, war der amerikanische Clown Gay ton, der im Jahre 1842 bei feinen Versuchen den Tod fand.

1845 fand der Engländer H o b b e s dasselbe Schick­sal und auch der Amerikaner Amor mußte den Versuch mit dem Tode bezahlen. Im Jahre 1860 führte bann in Amerika Sutton den dreifachen Salto mit großer Vollendung vor. Aber ihn muß nachträglich die Ahnung der Todesgefahr doppelt gepackt haben, denn er hat das Experiment niemals wiederholt. Codona nun übt das Kunststück schon seit mehreren Jahren aus. Codona heiratete die Artistin Lilian L e i tz e l, die ebenfallsunter dem Dach" arbeitete. Durch verschiedene Kontrakte wurde das Ehepaar gezwungen, an verschiedenen Orten aufzutreten. Diefliegenden Codonas" traten in Berlin auf, während die Leitzel nach Kopenhagen verpflichtet war. Nach Ablauf des Engagements plante das Ehepaar, sich von der Bühne zurück­zuziehen und in Kalifornien niederzulassen. Aber das Schicksal wollte es anders. Eines Abends, wäh­rend ihres Aktes, riß das Seil der Lilian Leitzel. Sie stürzte in die Tiefe und erlangte das Bewußt­sein nicht wieder. Als Alfred Codona Kopenhagen erreichte, war seine Frau schon tot. DieArbeit unter dem Dach" hat zu allen Zeiten ihre Opfer gefordert. Einer der Bonellis trat beim Training fehl und fiel achtzehn Meter tief in das Netz. Aber es konnte ihn nicht retten. Durch den gewaltigen Sturz konnte er sich auf dem Netz nicht halten. Er rollte über den Rand auf die Sägespäne am Boden des Zirkus und war auf der Stelle tot. Es ist interessant, daß die meisten Artisten unter oder in der Nähe desgroßen Zeltes" geboren wurden. Von frühester Kindheit an erwartet sie harte Arbeit. Wenn der Junge ohne Furcht und ohne Schwanken über das Seil gehen kann, beginnt erst das eigent­liche Training. Der berühmte R a ft e 11 i übte, als er schon lange in der ganzen W"lt bekannt war, noch täglich acht Stunden. Einige r iner Tricks hat er acht Jahre lang täglich zwei Stunden geprobt, bevor er sie dem Publikum zeigte. Bei den Artisten, die mit Tieren auftreten, ist Geduld das erste Er­fordernis. Ein P^erd, auf dessen Rücken gefährliche Kunststücke, wie Saltos und andere Sprünge aus- geführt werden sollen, muß jahrelang für seine Aufgabe vorbereitet werden. Was es an erster Stelle lernen muß, ist dies: niemals den Schritt zu wechseln. Würde es das tun, so brächte es den Artisten fast immer in unmittelbare Lebensgefahr. Uebrigens werden für derartige Akte niemals leichte Reitpferde genommen. Sie würden nicht die Last tragen können, die ihnen zugemutet wird. Zu­weilen hat ein solches Pferd eine ganze Familie auf dem Rücken zu tragen! Eine der bekanntesten Artistenfamilien kaufte ein Pferd von einem Milch­karren, und als es genügend eingeübt war, wurde es den Artisten so unentbehrlich, daß die ganze Familie beim Tod des Pferdes brotlos wurde.