Nani>insMWastS-Mk.
Zwei Dinge, die soviel miteinander zu tun haben wie Feuer uni) Wasser, nämlich die Rüstung und die Währungsstabilisierung, werden in der britischen und französischen Presse zu vereinen gesucht. Das ist, da man der britischen Presse wenigstens eine genaue Kenntnis der Währungslage nicht absprechen kann, Unsinn, aber soviel dürfte daran richtig sein, daß neben der Rüstung auch, und fein säuberlich davon getrennt, beim Besuche Flandins in London die Frage der Währungsstabilisierung eine Rolle spielt. Denn Flandin steht mitten im Kampf um die Aenderung der französischen Wirtschaftspolitik. Während Laval das Außenpolitische besorgte und die außenpolitischen Fragen alles überschatteten, hat Flandin die ersten Schritte in ein für Frankreich unbekanntes Wirtschastsland getan.
Dabei spielt die Frage, ob man nicht auf Grund aller Erfahrungen jetzt zu einem festeren Verhältnis der Weltwährung kommen kann, natürlich die Hauptrolle. Der Dollar und das Pfund haben sich ausbalanciert und schwanken nur noch wenig. Der französische Franken müßte, wenn das jetzige Währungsverhältnis dieser beider Devisen anhält, ebenfalls in ein b e - stimmtes Verhältnis dazu gebracht werden. Denn sonst könnte die französische Entwicklung dahin führen, daß bei einem weiteren Schwanken der Weltwährungen Frankreich ebenfalls vom Goldstandard abgeht. Das will Flandin vermeiden, er wird daher einen festen Pfundkurs Vorschlägen und die Briten dürften nicht abgeneigt sein. Die Frage aber bleibt, wie sich die US A. dazu stellen, die zwar in der Praxis jetzt ihren Dollar ziemlich beständig halten, aber sich noch gegen eine Währungsstabilisierung sträuben, obgleich die Anleihepolitik der USA. um so größeren Anklang finden wird, je stabiler der Dollar sein wird.
Die Bank von Frankreich ist durch einen Wechsel in der Leitung unter Druck von Flandin von dem starren Prinzip abgewichen, daß sie dem Staate nur Vorschüsse in Höhe von 3,2 Milliarden Franken gibt. Diese Bestimmung aus dem Stabi- lifierungssahr 1928 ist längst überholt. Der Staat braucht in den nächsten Jahree 10 bis 12 Milliarden Franken, und die Auflockerung in der Kreditpolitik der Bank von Frankreich ist von der Pariser Börse damit begrüßt worden, daß der Satz für Tagesgelder, für kurz- oder langfristige Anlagen herabgesetzt worden ist.
Dabei bleibt der riesenhafte Unterschied zwischen Lebenshaltungskosten und Großhandelspreisen das Bestimmende. Flandin versucht, die Preisschere zu schließen, und beim Weizen und dem daraus erzeugten Brot ist er dem Ziele wesentlich nähergekommen. Dieser Deflationsdruck macht sich auch bemerkbar in dem Flandinschen Gesetzentwurf über die Syndizierung der französischen Industrien. Diese Jndustrievorlage bezweckt die Reinigung der französischen Wirtschaft. Jedenfalls läßt Flandin erbarmungslos große Werke zugrunde gehen, wenn sich, wie bei der bekannten Automobilfirma Citroen, herausstellt, daß ihre Methoden überholt sind und eine Rentabilität jetzt oder in künftigen Zeiten nicht erwartet werden kann. Auch in Frankreich sind die typischen Zeichen einer Scheinkonjunktur jetzt sterbereif. Hinzu kommt die Notwendigkeit, künftighin den Staatshaushalt, auch den für Rüstungsausgaben, mehr der wirklichen Steuerkraft Frankreichs anzupassen. Aber eine solche für französische Verhältnisse geradezu revolutionierende Tätigkeit kann Flandin mit einigermaßen Aussicht auf Ertolg nur dann beginnen, wenn durch feste Welt- währungen der französische Handel erleichtert wird.
Daten für Mittwoch, 16. Januar.
1858: der Afrikareisende Eugen Zintgrasf in Düsseldorf geboren (gestorben 1897); — 1901: der Maler Arnold Böcklin in Fiesole gestorben (geboren 1827); — 1906: Marokkokonferenz in Algeciras (bis zum 7. April).
Oie vier Wundechunde von Weimar.
Erstaunliche Leistungen von „Sumpi" und „Kurwenal". — Aber was sagt die Wisienschast dazu?
Don ©r. £. Küh e.
Was würden Sie sagen, wenn Sie auf der Straße plötzlich ein Foxterrier anspräche und Sie fragte: „Wie spät ist es, bitte?" Wahrscheinlich würden Sie sich nach einem in der Nähe befindlichen Bauchredner umsehen. — Nun, aus Weimar wird von Hunden berichtet, die noch ganz andere Dinge vollbringen. Zwar verständigen sie sich nicht etwa durch menschliche Laute, sie bellen oder klopfen vielmehr, was sie sagen wollen, mit Hilfe eines bestimmten Systems, das der Partner der Unterhaltung natürlich kennen muß. Die Hunde — es sind vier an der Zahl — sind so unheimlich klug, daß sie in kurzem weltberühmt sein werden, vor allem, nachdem sogar deutsche Universitätsprofessoren sich mit ihnen erfolgreich unterhalten haben. Das alte Problem: können Tiere denken und können sie sich etwa gar in die geistige Sphäre des Menschen versetzen? taucht wieder auf. Die Forschung steht vor einer Frage von ungeahnter Auswirkung, so erkennt man, wenn man von den Berichten so namhafter Forscher wie Professor Plate, Jena, oder des Tierpsychologen Professor Schultze, Berlin, und des Münchener Universitätsprofessors Dr. Max Müller hört, die sämtlich mit den vier Weimarer Wunderhunden experimentiert haben.
Das Alphabet in 2 Stunden.
Zunächst muß man feststellen, daß offenbar die Luft in Weimar für die Entwicklung des Hundeverstandes außerordentlich günstig sein muß, denn die vier Hunde entstammen nicht etwa derselben Rasse, nein, sie gehören auch vier verschiedenen Besitzern. Es sind der Terrier L u m p i, der Dackel Kurwenal, der Pinscher Schnauz und die Dogge A s r a. Was diese vier Tiere
haben pflegen. Er muß also ausführlich bellen, was Lumpi in vereinfachter Form klopfen kann. Eine kleine Vereinfachung liegt nur darin, daß er sowohl die Buchstaben a bis k als auch qu bis z mit je 10 Beklauten abmacht, nur die letzteren von rückwärts gerechnet. In Zweifelsfalle muß man ihn dann allerdings fragen, wie er es meint. Natürlich ist die Unterhaltung mit Kurwenal etwas anstrengend; man bedenke daß der Dackel, um ein normales dreisilbiges Wort auszusprechen, unter Umstän- den hundertmal bellen muß. Wollte er auf diese Weise eine mittlere Novelle vorlesen, so dürfte das auch der geduldigste Zuhörer nicht bis zu Ende erleben. Aber, man fragt den braven Hund eben nur Solcherlei: ob er gern Käse esse und was Keks sei. Darauf antwortet er rasch und korrekt. Sein Stilgefühl ist nicht besonders entwickelt, denn er meint, Käse schmecke „schön"! Dafür kennt er aber die Namen der Blumen, die seine Herrin mitgebracht erhält.
Was ist damit bewiesen?
Das sind alles Tatsachen, geprüft durch namhafte Gelehrte, also unbezweifelbar! — Was ist unbezweifelbar und was ist bewiesen? — Offenbar können die Hunde auf Fragen mittels Bellen und Klopfen sich verständlich machen. Wer antwortet aber? Der Hund? — Zunächst muß es nachdenklichen Kritikern auffallen, daß diese Hunde offenbar weit begabter sind als jedes so kluge Menschenkind, denn wo hätte jemals ein Mensch in zwei Stunden das Alphabet beherrschen gelernt. Aber selbst wenn man dem Hund ein erheblich besseres Gedächtnis als dem Menschen zubilligen will, weshalb fangen die klugen Hunde nicht von selbst ein
Gespräch an, weshalb muß immer zunächst gefragt werden, wenn sie „sprechen" sollen, weshalb lassen sie sich nur vernehmen, wenn eine Belohnung in Gestalt eines Happens winkt?
Kritischer Einwand.
Einer der wissenschaftlichen Kritiker der Weimarer Hunde, Professor Friedrichs, Rostock, formulierte seine Einwände gegen die denkenden Hunde etwa so: Wenn man dem Lumpi einen Zettel Hinhalten würde, auf dem geschrieben steht: „Im Nebenzimmer steht eine Wurst, hole sie dir" und er würde dann ohne weitere Umstände ins Nebenzimmer laufen und tue Wurst holen, dann müßte man tatsächlich glauben, daß das Wundertier lesen könne. — So aber muß vor allen Dingen einmal darauf hingewiesen werden, daß die Hunde samt und sonders nur dann ihre'Fähigkeiten entfalten, wenn ihre Lehrer vor ihnen sitzen. Während der Unterhaltung sehen sie sie unverwandt an, wie von verschiedenen Besuchern beobachtet wurde. — Wenn Lumpi die Uhr liest, so liest seine Herrin gleichzeitig mit. Und diese kennt natürlich die Uhr. Was aber sein würde, wenn nur Lumpi allein auf die Uhr schauen dürfe, das ist leider noch nicht experimentell fest- gestellt worden. Ebenso ist es noch nicht vorgekommen, daß einer der Hunde ganz von sich aus, ohne Beisein seines Lehrers, etwas Hundemäßiges gesagt hätte, etwa: „Nachbars kurzhaarige Teckelhündin gefällt mir ausnehmend" — Nein, das ist noch nicht vorgekommen, und deshalb sei im Interesse einer objektiven wissenschaftlichen Forschung festgestellt: vorläufig ist nur bewiesen, daß die Weimarer Hunde ein besonders gutes Gedächtnis haben, und daß sie im Beisein ihrer Lehrer auf Fragen in ihrer Art antworten. Ob sie selbst antworten oder der Lehrer unbewußt durch sie, indem er ihnen irgendwelche kaum merkliche Zeichen gibt, das müssen erst weitere, sehr vorsichtig anzustellende Versuche zeigen. Vielleicht macht Kurwenal das ganze überhaupt keinen Spaß, vielleicht möchte Lumpi wieder bellen und herumtollen wie andere Hunde. — Die Wissenschaft wird jedenfalls das Rätsel von Weimar lösen.
machen, das grenzt wirklich ans Wunderbare. Professor Müller teilte darüber kürzlich einem Journalisten mit, daß die Hunde wie die Kinder geschult werden und das Alphabet entweder in Bellautcn oder in Klopfzeichen lernten, sie brauchten dazu zwei Stunden. Lumpis Sprache sieht so aus: einmal mit der Pfote auf ein vorgehaltenes Brettchen klopfen = a, zweimal = b usw. bis z — fünfundzwanzig. Um nicht die ganzen langen Zahlen klopfen zu müssen, hat Lumpi oder vielmehr seine Lehrerin sich die Sache vereinfacht: er klopft die Zehner mit der rechten und die Einer mit der linken Pfote.
Oer „abge pannte" Lumpi.
Selbstverständlich kann Lumpi auch die Uhr lesen. Professor Müller hielt ihm seine Taschenuhr hin, die gerade 1 Uhr 12 Minuten zeigte und siehe da, Lumpi klopfte einmal links und zweimal rechts. Von der Visitenkarte Professor Müllers liest er das Wort „München" ab. Sodann entwickelt sich folgendes „Gespräch" zwischen dem Universitätsprofessor und dem Hunde. Seine Herrin fragt ihn: „Gefällt dir der Onkel?" (warum nennen übrigens ausgewachsene Hunde fremde Herren „Onkel"?) Lumpi antwortete freundlicherweise „geduldig". Auf die Gegenfrage Professor Müllers, warum er ihn denn für geduldig halte, erscholl es im Klopfdialekt: „Bin rabiat" und dann fügte er noch erklärend hinzu „abgespannt", also sozusagen ein Neurastheniker unter den Terriern. Wir erfahren dann noch, daß Lumpi gottseidank auch tollen und bellen kann wie ein gewöhnlicher Köter und daß ihm das sogar offensichtlich Spaß macht. Zum Schluß erklärte der Hund — leider nicht von selbst, sondern wiederum auf Anfrage — den Professor für einen „reizenden Mann" und bewie damit, daß er die menschliche Konversation durchau beherrscht.
Kurwenal hat's schwerer.
Was nun den ebenso berühmten und begabten Dackel Kurwenal angeht, so macht dieser mit Bellen, was Lumpi mit Klopfen zuwege bringt, er hat es allerdings insofern umständlicher, als Hunde zwar zwei Vorderpfoten, aber nur ein Maul zu
Kaust Waren aus -em GaargebieN
Die deutsche Saar kehrt heim ins Reich. Dankbar gedenkt das deutsche Volk der deutschen Brüder und Schwestern an der Saar. In fünfzehn Jahren bewahrte die deutsche Saar ihre Treue zum Mutterland. Während in Deutschland dank der national sozialistischen Regierung unter Führung Adolf Hitlers in den letzten zwei Jahren eine aufsteigende Entwicklung Platz griff, verschlechterte sich die Lage im Saarland von Jahr zu Jahr.
trieben an der Saar und damit der Saarbevölkerung. Der deutsche Einzelhandel dankt der Saar für ihre Treue.
Aufruf au die deutscheVerbraucherscbast
(3). Der Durchschnittsbesuch der Gottesdienste betrug je Sonn- und Feiertag 73 Erwachsene (36 Männer und 37 Frauen) und 23 Kinder. Zum hl. Abendmahl gingen 254 Männer und 265 Frauen, die Zahl der Evangelischen beläuft sich auf zirka 360.
trhrdMrbo Jladirirbten.
Das Hauptamt NS.-Hago wendet sich mit folgenden Aufrufen an .die deutsche Oeffentlichkeit:
An den deutschen Einzechandel.
landes, wie Saarweine, Saarkohle, Saar-Eifen- maren und Saar-Steingutwaren, sind die hauptsächlichsten Güter, die im Reich verkauft werden. Deutsche Hausfrauen, verlangt deshalb bei eurem Kaufmann Saarerzeug- n if \ e ! Ihr bekundet damit auch euerseits die innige Verbundenheit mit dem Saarland und helft deutschen Betrieben an der Saar.
Kircke und Schule.
5 Aldach, 15.Jan. Der Voranschlag der Evangelischen Kirche Albach für 19 3 5 - , v- ! wurde durch den Kirchenvorstand nach dem Entwurf
Wir fordern deshalb den deutschen Einzelhandel I des Vorsitzenden angenommen. Gegen das Vorjahr auf. seine Verbundenheit mit den deutschen Brüdern wurden nur unwesentliche Aenderungen vorgenöm- und Schwestern an der Saar auch nach außen hin da- men. An der Kirche sollen nach dem Abschluß des Kir- durch deutlich sichtbar zum Ausdruck zu bringen, daß chenvorstandes, einige notwendige Reparaturen im alle Einzelhandelsgeschäfte, die Saarerzeugnisse füh-> Innern oorgenommen werden. Damit wird im ren, durch eine großzügige Propaganda in ihren Plane der Arbeitsbeschaffung auch die Kirchen- Lchausenstern für einen vermehrten Absatz Sorge gemeinde nach Maßgabe ihrer beschränkten Mittel tragen. Es kommen hier in erster Linie Kolonial- mit Hilfe der politischen Gemeinde ihre vaterländische waren- und Weinhandlungen, Eisenhandels- und! Pflicht erfüllen. Aus der kirchlichen Statistik Kohlenhandelsgeschafte in Frage. Es ist Ehrenpflichr desJahres!934 wird berichtet: es fanden statt eines jeden Betriebsführers im Einzelhandel, in 6 Taufen (im Vorjahr 5), 5 Trauungen (5), 10 Besemern Betrieb durch entsprechende Schaufenster- erbiaungen, darunter 2 in Gießen Verstorbene (6). dekoration und hinweisende Werbung die Verbun- Konfirmiert wurden 6 Kinder, 4 Knaben, 2 Mädchen denheit mit dem Saarland zu bezeugen. — ~ ~ ........... ......
Der deutsche Einzelhandel hilft den deutschen Be-
Ganz Deutschland steht im Zeichen der Rückgliederung des Saargebietes ins Deutsche Reich. Durch eine großzügige Propaganda Hilst und wirbt der
Evangelische Gemeinden.
Mittwoch, den 16. Januar 1935.
„ _ „ „ . . , , Dankgottesdienst aus Anlaß der Saarabstimmung,
deutsche Einzelhandel für einen vermehrten Absatz I Gießen. Sladlkirche. 20 Uhr: Pfr. Becker. — 3o- von Saarerzeugnissen und bekundet damit herzliche hanneskirche. 20: Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Verbundenheit mit den deutschen Schwestern und Allen Friedhofs. 20: Pfr. Anthes. — Petruskavelle. Brüdern an der Saar. Die Erzeugnisse des Saar-120: Pfr. Trapp. — Mefeck. 20: Dankgottesdienst.
Kleiner Wintergast.
Von Oiemar Moer ng.
Nun stecken wir schon tief im Winter. Die Feste sind vorüber, Schnee fiel und der Frost schlug seine eisigen Tatzen ins Erdreich, aber Freund Siebenpunkt lebt immer noch. Er denkt offenbar gar nicht daran, zu sterben oder sich etwa auch nur zum Winterschlaf niederzulassen.
Freund Siebenpunkt ist einer jener kleinen mit roten, schwarzbepunkteten Flügeldecken ausgestatteter Käfer, die unter dem Namen Marienkäfer im Frühjahr zum Entzücken aller großen und kleinen Kinder die Natur bevölkern und die eigentlich jetzt, im Winter, als Sprößlinge wärmerer Jahreszeiten, hier absolut nichts zu suchen hätten, aber — nun, man sieht ja!
Er war eines Tages eben einfach da. Er tauchte, es geschah im Herbst, unangemeldet in unserer Wohnung auf und ließ sich dort häuslich nieder. Er war ein ebensolches Wunder wie jener Falter, den wir im September des vergangenen Herbstes art der Tapete entdeckten und der offensichtlich gewillt war, dort feinen Winterschlag zu absolvieren. Jedenfalls rührte er sich nicht, wenn man ihn anhauchte oder kitzelte. Aber dann kamen einige unzeitgemäß warme Tage und der Falter verschwand ebenso geheimnisvoll, wie er gekommen - war. Wahrscheinlich hat er diesen Uebermut später mit dem bitteren Tode des Erfrierens bezahlen müssen.
Siebenpunkt aber, bieder und schlau, weniger leichtsinnig jedenfalls als solch ein lockerer Vogel von Schmetterling, ist geblieben und es bekommt ihm zweifellos aufs Beste. Er leidet eben nicht an jenem Ueberfchuß von Phantasie, der den armen Falter in die trügerische Wärme sonniger Oktobertage lockte. Er läßt sich nicht uzen! Aber er hat, wie alle dicken Leute, Sinn für Humor und uzt mit dem größten Vergnügen andere.
So liebt er es, von Zeit zu Zeit zu verschwinden. Er weiß offenbar, in welche Bestürzung er damit seine Hausgenossen versetzt und welche Aufregung er mit diesen Scherzen verursacht. Er weiß, daß wir ihn lieben und nur ungern missen.
Und darum beginnt, zeigt Siebenpunkt sich wieder einmal zu Späßen aufgelegt und zieht sich also ins Unsichtbare zurück, denn regelmäßig ein großes Suchen. Tische, Stühle und Schränke werden gerückt, Kästen durchstöbert, die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt und jede Dielenritze genau mit der Taschenlampe abgeleuchtet, um den Verschwundenen auszuspüren. Wäbrend all dieser Aufregung sitzt Freund Siebenpunkt an irgend einer Stelle,
auf die man nie kommen würde — er kennt unsere Wohnung tausendmal besser als wir selbst — und amüsiert sich köstlich über diese großen täppischen Wesen, die sich um ihn Sorgen machen. Man lebt einige Tage in nagender Ungewißheit, man gibt Siebenpunkt bereits rettungslos verloren — da, unerwartet und plötzlich, taucht er wieder auf, als sei nicht das Geringste geschehen. Sitzt stillvergnügt auf einer Fensterbank, unter einem Lampenschirm, auf einem Kaktus oder unter dem Deckel der Zuckerbüchse — Gott weiß, wie er dahin gekommen ist und wo er- sich die ganze Zeit über herumgetrieben hat.
Er ist ein Kobold, auf dessen Foppereien wir immer wieder von neuem hereinfallen. Aber man kann ihm nicht böse sein. Denn er versteht es, seinen Eulenspiegeleien eine Grazie zu verleihen, die versöhnlich wirkt. Außerdem aber ist er ohne Zweifel ein guter kleiner Geist, ein Glückstierchen ober etwas ähnliches, und wenn es noch Prinzen, aber richtige, wie sie im Märchen vorkommen, gäbe, so könnte man ihn ohne weiteres für einen verzauberten Prinzen halten. Jedenfalls ist Freund Siebenpunkt unser Talisman. Wir sind von seiner glückbringenden Wirkung unbedingt überzeugt. Denn muß er sich nicht in irgend einer Weise dankbar zeigen, da wir ihm ein so gemütliches Winterasyl gewähren? Und ist er nicht, in der Dunkelheit der Wintertage, überhaupt ein kleiner Bote und Künder des Lichts, das siegreich gegen die Finsternis kämpft? Ein Bote des schon näher und näher rückenden Frühjahrs, dem Schnee und Eis und alle Nebel und Schatten zu weichen verdammt sind?
Aber, dies ist unsere angstvolle Frage, wird er diese Zeit noch erleben? Er, der uns Glück bringt, unser Siebenpunkt, der statt einer Brotfliege in unserem Hause' offenbar für das nötige tägliche Brot sorgt, wird er inzwischen nicht elend verhungert sein? Denn wovon ernährt er sich eigentlich, unser winterlicher Hausgeist? Wovon lebt er, lebt er schon die drei Monate hindurch, ine wir ihn beherbergen? Es ist das reine Rätsel, und man mag darüber nochdenken, so lange man will, man kommt doch zu keinem Ergebnis.
Wir wissen nicht einmal, von welcher Nahrung ein Marienkäfer in der ihm gemäßen Jahreszeit des Frühlings und Sommers sein Leben fristet, doch wird die Natur schon Dinge bereit halten, die den Bedürfnissen seines Leibes zugute kommen. Aber nun im Winter, in einer Wohnung, in der alle Bedingungen der Natur fortfallen? Es bleibt ein Geheimnis. Wir werden es nie erfahren. Aber fragen wir nicht danach, sondern seien wir lieber gläubig und geben wir uns damit zufrieden, daß
Freund Siebenpunkt nichts anderes ist als ein geheimnisvoller kleiner Schutzgeist, der seine roten, schwarzbepunkteten Flügeldecken segnend über unsere Häupter breitet und uns vor aller Gefahr behütet.
Streit um Sen „K entopp".
Der Volksmund wirft plötzlich Worte und Ausdrücke ins Leben, die bald in aller Munde sind und über deren Ursprung und Bedeutung sich die Gelehrten dann die Köpfe zerbrechen. So ist in der „Zeitschrift für Deutschkunde" jetzt ein Streit um den „Kientopp" entbrannt. Hier war die kühne Behauptung aufgestellt worden, daß die merkwürdige Bezeichnung eigentlich ein „Personennamen" sei. Im Berliner Adreßbuch von 1912 finden sich verschiedene Namen, wie Kientvff, Kin- top usw., und so wurde versucht, die Bezeichnung des Kinos von dem Namen des Besitzers eines solchen abzuleiten. Dagegen wenden sich zwei Zuschriften von Hermann Kügler und Paul Sparmberg im neuesten Heft der Zeitschrift. Kügler betont zunächst, daß der Ausdruck nichts mit Topf zu tun habe. Zweifellos ist er in Berlin entstanden. Der Berliner bevorzugt Worte, die wegen ihres Klanges auffallen. Ein bezeichnendes Beispiel ist die „Polka-Kirche", der Gottfried Keller ein Gedicht gewidmet hat. Die Polka, der be* liebte Modetanz jener Zeit, mußte für alles herhalten, was man als stilvoll und fesch empfand. So sprach man auch von einer „Polka-Kneipe", einer „Polka-Frisur" usw. Aehnlich ist es mit dem Wort „Topp". Als das Vio-Liter-Glas Bier nur noch zehn Pfennige kostete, sprach man vom „Jroschen- Topp". Der Pferde-Omnibus, auf dem man eine Teilstrecke schon für 5 Pfennige fahren konnte, hieß „Sechsertopp". Zylinderhüte bezeichnete man als „Wichstöppe". Als die „Theater lebender Photographien" aufkamen, die nur zehn Pfennig Eintritt erhoben, sprach man von „Phototöppen", und so dürfte auch die überaus schwerfällige Bezeichnung Kinematographentheater bald in „Kintopp" abgekürzt worden sein, wobei das i lang ausgesprochen und dann das e eingefügt wurde. Sparmberg versucht eine andere Ableituna, indem er hie Redensart „auf den Topp gehen", d. h. im Theater die Galerie besuchen, heranzieht. Der Ausdruck kommt aus der Seemannssprache, wo Top oder Topp die Mastbaumspitze bedeutet. Der Topp ist im Theater der höchste Sitz. Diese Redewendung klang bei der Bezeichnung „Kientopp" mit an, da ja die Besucher des Kientopps zunächst dieselben waren wie die des „Topps" im Theater. Zweifellos hat das Wort einen spöttischen und verächtlichen Klang gehabt, der ihm ja auch heute noch anhaftet.
Parade der Zinnsoldaten.
Ein Bielefelder Bürger besitzt eine Sammlung von 6000 Zinnsoldaten (es gibt aber noch weit größere), die von dem Großvater, der den Krieg 1870/71 mitgemacht hatte, begonnen wurde. Dieser brachte es zu einer Sammlung, in der alle deutschen und französischen Typen aus diesem Kriege vertreten waren. Der jetzige Inhaber der Sammlung hat sie von dreitausend auf sechstausend Soldaten gebracht. In ihr finden wir auch den ©raten Häseler, Bismarck, den alten Kaiser, Moltke, aber auch die französischen Generale Mac Mahon, Wimpfen, Bazaine und natürlich auch Napoleon. Jede Schlacht des Krieges 1870/71 läßt sich unschwer mit diesen Zinnsoldaten darstellen. In vielen Kisten sind die beiden feindlichen Heere verpackt, um auf Wunsch zum unblutigen Kampf anzutreten.
Hockschuinochrichten.
Professor Dr. Franz Heidenreich, o. Honorarprofessor für Rassenkunde und Anthropologie an der Universität Frankfurt, ist an das Rockefeller- Jnstitut in P e i p i n g (China) berufen worden.
In Letzizig ist der hervorragende Religionshistoriker und Orientalist der Universität Leipzig, Professor D. Alfred Jeremias im 71. Lebensjahr gestorben. Jeremias entstammte einer Herrnhuter Familie, die einen biblischen Namen angenommen hat. Er wirkte seit 1890 als Pfarrer in Leipzig, habilitierte sich 1905 für Religionsqeschichte und wurde 1922 zum außerordentlichen Professor ernannt Die Universitäten Leipzig und Groningen verliehen ihm die Würde eines Ehrendoktors der Theologie. Seine xeliaionswissenschaftlichen Werke, von denen wir „Das Alte Testament im Lichte des alten Orients", „Das Handbuch der altorientalischen Geisteskultur" und die „Allgemeine Religionsae- schichte" nennen, sind über die Kreise der Fachwissenschaft hinaus bekannt geworden.
Professor Dr. Friedrich' S ch a f f st e i n , Ordinarius für Strafrecht an der Universität Leipzig, ist in gleicher Eigenschaft als Nachfolger von Professor Dr. von H e n t i g an die Universität Kiel berufen worden.
Professor Dr. Hans-Heinrich Berg in Dortmund ist zum ordentlichen Professor für innere Medizin und zum Direktor der 1. Medizinischen Universitätsklinik der Universität Hamburg als Nachfolger von Prof. Brauer ernannt worden. ' Professor Dr. Hermann S e n f t l e b e n , Extraordinarius für Physik an der Universität Bres- l a u, hat den an ihn eraangenen Ruf als ordentlichen Professor an die Universität Münster angenommen.
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