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Itt.268 Drittes Blatt Gtetzener Anzeiger iweneral-Anzeiger für Gveryesjen)Zreitag, t5. November 1935

Aus der Provinzialhaupistadi

Vornan von Frank F. Braun.

Nachdruck verboten!

12 Fortsetzung.

Der ReichswelkbewerbOlympia" beruft die gesamte deutsche studenti- sche Jugend zum öffentlichen Bekenntnis ihrer aus dem nationalsozialistischen Geist er­standenen zuchivollen Ideale, welche sie nicht nur auf den olympischen Kampfbahnen, sondern auch in ihrer Bereitschaft für die große Auf­gabe der deutschen Volksertüchtigung unter Beweis stellen wird. Er gibt ihr Ge­legenheit, ihr Können, ihre geistige Einsatzbe­reitschaft und ihren nationalsozialistischen Le­benswillen dem Urkeilsspruch der durch Reichs­leiter Alfred Rosenberg zum Preisgericht berufenen bewährten Persönlichkeiten vorzustel­len. Er erfüllt damit die Ausgabe einer geeig­neten Rachwuchserziehung und Rach - w u ch s a u s l e f e für die von Bewegung und Staat betreuten kulturpolitischen Belange und

beweist, dah der Student im Sinne des Drit­ten Reiches sich in freier und selbstgewählter Verantwortung für die Erfordernisse national­sozialistischer Volksertüchligung tätig einzusehen gewillt ist.

pischen Spiele 1936 in Deutschland zur Verfügung gestellt.

Er umfaßt die Gebiete der bildenden Kunst, der Architektur, des Kunsthandwerks, der Musik, der Sprachgestaltung und des künstlerischen Schrift­tums, des Rundfunks, des Films, der Photographie,

Philosophie, Pädagogik und Geschichte der Leibes­übungen, der Biologie der Leibesübungen, der sportärztlichen Fragen und der Rechts- und Ver­

speisen. Das Vogelschutzgesetz hat diesem Vogelmor­den, dem auch andere Vögel zum Opfer fielen, ein Ende bereitet. Wie grausam mutet es uns heute an, wenn Berichte aus südlichen Ländern melden, daß dort immer noch das Schießen und Fangen aller Singvögel jedermann freigegeben ist und erst in neuerer Zeit sich leise Ansätze für einen Vogelschutz dort zeigen. Die Wacholderdrossel ist ein Brutvogel des nördlichen und östlichen Europas, sie brütet aber auch seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in Nord- und Mitteldeutschland. In dem von einem langsam dahinziehenden Bächlein durchflossenen Wiesental fallen zwei graue storchartige Vögel auf, die steif wie ein Pfahl stehen und den aus der Ferne herankommenden Menschen mißtrauisch be­äugen. Zwei Fischreiher haben hier Rast ge­macht, sich vielleicht auch diese Gegend als Winter­quartier ausgewählt. Die Reiher brüten meist ge­sellig in sogenannten Reiherkolonien. Wenn auch der Fischreiher an Forellengewässern durch Weg­fangen und Verzehren der Forellen Schaden an­richtet, so darf nicht vergessen werden, daß er auch ein guter Mäusejäger ist. In unserer Gegend sollte man die Reiher, die hier selten und meist nur Durchzügler oder Wintergäste sind, schonen. Die B l u t f i n k e n haben den Wald, in dem sie zur Sommerszeit nisteten und ihre Brut aufzogen, ver­lassen und ziehen truppweise zigeunernd umher. Es gewährt einen reizenden Anblick, wenn so ein mit blutroter Brust und sammetschwarzen Köpfchen ge­ziertes Blutfinkenmännchen die Weibchen sind einfacher gefärbt an einer Pflanze hängt und die feinen Samen herausklaubt. Bekanntlich werden im Vogelsberg stellenweise heute noch dieDompfaf­fen", wie die Blutfinken auch genannt roerj)en, auf­gezogen und lernen das eine oder andere Liedchen, das ihnen in der gleichen Tonart immer wieder vorgepfiffen wird, meisterhaft wiedergeben.

Am Waldrand treiben sich oft Eichelhäher, truppweis vereint, umher und suchen, wenn sie ge­stört werden, unter häßlichem Kreischen den schützen­den Wald zu erreichen. Im Nadelwald ertönt der Pfiff eines Kleibers, der hier einen Trupp die Bäume nach Nahrung absuchender Meisenvögel, wie Kohl-, Hauben - und Tannenmeise, sowie zweier Wintergoldhähnchen anführt. In den sonnigen Mittagsstunden läßt gar einmal ein

sportärztlichen Frage waltungslehre der Leibesübungen.

Raubüberfall in Frankfurt.

LPD. Frankfurt a. M., 14. Noo. Heute, kurz vor 18 Uhr, erschien in dem Hause Wöhler- st r a ß e 3 ein Bettler und erbat sich von dem Diener einer dort wohnenden Familie ein abgeleg­tes Hemd. Der Diener war bereit, ein solches Hemd zu geben und begab sich in seine Mansarde, um das Hemd zu holen. Plötzlich erschien dort der Bettler, der dem Diener heimlich gefolgt war, und zwang diesen mit einer P i st o l e sich fesseln zu lassen und mit dem Gesicht nach unten a u f den Boden zu legen. Dann warf der Räuber Bett­zeug und Matratzen auf den Gefesselten und drohte ihm mit Erschießen, falls er sich bemerkbar mache. Dann raubte derBettler" alles, was er ergreifen konnte und packte es in zwei Koffer ein, mit denen er spurlos verschwand. Der stark eingeschüchterte Diener wagte sich erst nach längerer Zeit von seiner Fesselung zu befreien und das Überfallkommando zu verständigen. Da inzwischen geraume Zeit ver­strichen war, blieben die ersten Nachforschungen ohne Erfolg. Geraubt wurden zwei Koffer, ein schwarzer Anzug mit 13 Mark Silbergeld, ein Sportanzug, eine hellblaue Jacke, ein Wintermantel, ein Sommermantel, Hut, Mütze, Schuhe, Kragen und Krawatten und anderes mehr. Der Täter wird als ein 30jähriger Mann, zirka 1,75 bis 1,78 Meter groß, breite Figur, volles Gesicht, wahrscheinlich dunkles Haar, geschildert.

Rabenkrähen an, oftmals auch hinter dem Pflug einherstolzierend. Hier und da zieht ein Bus­sard feine Kreise und aus den Hecken flüchten, zeternd über die Störung in ihrem Beerenschmause, Amseln. Auf einem Telesyndraht sitzend, beob­achtet ein Raubwürger aufmerksam seine Um­gebung. Er streicht bei unferm Näherkommen in dem bekannten charakteristischen Bogenflug ab. Mehr in der Nähe der Dörfer halten sich Flüge von Buch­finken auf, denen sich mitunter Goldammern angeschlossen haben. Von den Buchfinken bleiben be­kanntlich den Winter über meist nur die Männchen bei un'5, während die Weibchen südwärts ziehn. Das weibliche Geschlecht scheint auch hier das zärtere zu sein. Vier reizende Blaumeisen betreuen ein Obstbaumstück, in dem sie von Baum zu Baum fliegend, nach Kerfen und ihren Eiern und Puppen suchen. Man hat festgestellt, daß ein Meisenpärchen mit seiner Nachkommenschaft in einem Jahre etwa eineinhalb Zentner Futter verzehrt, das sich zumeist aus Schädlingen des Obstbaues und ihren Larven und Puppen zusammensetzt. Der Wert eines besetzten Meisen-Nistkastens für eine Obstanlage kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Am Bach stoßen wir gleich wieder auf den hier schon mehr­fach beobachteten Eisvogel, und wider Erwar­ten auf zwei Bergstelzen, auch gelbe Bachstelze genannt.

Mit dem Eintreten kälterer Witterung ändert sich auch das Bild unters Vogellebens. Während sonst bei uns heimische Vogelarten nach Süden abziehen, rückest von Norden her andere in unsere Landschaft ein, um hier den Winter zu verbringen.

Dornoinen

Tageskalender für Freitag.

NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.30 Uhr Kundgebung im Cafe Leib, es spricht Pg. Jean Bullmann. NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr Reiten; 21 bis 22 Uhr Ski-Trocken­kursus, Reitschule Schömbs; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr (nur für Frauen) Schwim- men im Volksbad. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr Komödie der Irrungen". Gloria-Palast, Sel­tersweg:Die Pompadour". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße^Künstlerliebe".

Skadkheaker Gießen.

Heute von 20 bis 22 Uhr Wiederholung des gro­ßen ErfolgesKomödie der Irrungen" von Shake­speare. Spielleitung: der Intendant. 7. Freitags- Abonnement.

Das Frankfurter Schumann-Theater in Gießen.

Am Sonntag, 17. November, 20 Uhr, gastiert das ; Frankfurter Schumann-Theater mit feinem gefam- i ten künstlerischen, großen Dariete-Programm in der [ Gießener Volkshalle. Die Bedeutung dieses ein- . maligen Gastspieles, das von der NSG.Kraft , durch Freude" veranstaltet ist, ist um so höher zu , bewerten, da durch die Verlängerung des Rivel- [ Programms das Frankfurter Schumann-Theater : dem Gießener Publikum fein gesamtes neues . Programm zeigt, das in Frankfurt selbst erst am Montag, 18. November, zur erstmaligen Auf-

: führung kommt. (Siehe gestrige Anzeige.) Tanzgastspiel Palucca im Stadttheater.

Deutschlands große Tänzerin Palucca gibt am ; Montag, 18. November, auf Einladung der Jnteu- ; danz des Stadttheaters ein einmaliges Gastspiel. Die Tänzerin eröffnete vor wenigen Tagen in Ber- lin die Reihe der deutschen Tanzfestspiele und er- ; zielte mit ihrem abendfüllenden Programm einen > starken Erfolg bei Publikum und Presse. Nach die- i fern Erfolg setzte Palucco die Reihe ihrer Gastspiele i fort, und Gießen ist einer der ersten Orte nach

Deutschlands Studenten im ReichswettbewerbOlymp:a".

Ein Ausruf des Reichsamtsleiters des RGOStB., pg. Albert Derichsweiler.

Sei froh, daß du nichts weißt und nichts zu willen brauchst." Basilius winkte ab.Tue, was ich dir sage. Dil hast eine ganz kleine Rolle in unserem Spiel bekommen und kannst zeitig nueber abtreten. Sei dankbar dafür. Was gespielt wird, brauchst du nicht zu wissen."

Was soll ich mit der Frau reden?

Es ist ein junges Mädchen. Du kannst mit ihr reden, was dir behagt. Es muß nur so kommen, daß sie dir vertraut., Es wird sich also empfehlen, ^Büi^ch^einein ...", er fand das Wort nicht ^Basilius ließ chm auch nicht lange Zeit.Was du bist, mußt du selber wissen. Uns brauchst du es nicht zu erzählen. Wir halten dich für leidlich intelligent. Du wirst begreifen, dah es besser Yl. uns den Gefallen zu tun, als uns zu Feinden zu haben. Zumal das, was wir von dir verlangen, ohne Risiko für dich ift"

Es sieht so aus. Aber es wird es gewiß nicht fein" er kam noch einmal hoch:Was soll dem Mädchen geschehen, ihr müßt es mir sagen!"

Dem Mädchen soll geschehen, daß du es eines Tages entführst."

Aber weshalb? JL

Später, Nydegger. Du erfährst alles rechtzeitig; ich verspreche es dir auf mein Wort.

Und wenn ich mich weigere?

Basilius zog die Mundwinkel hoch.Dann sitzt du morgen wegen Wechselfälschung in Haft.

Nydegger senkte den Kopf Er sprach gegen den Boden. Mit Anstrengung brachte er die Worte her­aus Das ist wohl besser", sagte er,als diese neue Scyuld auf 9aube

nicht daß ihr dem Mädchen wohlwollt.

Basilius blieb ganz sachlich.'Du mußt es dir "Äer Cb!Xn''3umi|m'auf! er sah den Mann, der so gelassen blieb, eine ganze Weile reglos an. Du mühtest mit ins Gejüngms, Basilius, das

Eine November-Wanderung.

Von O Vogt.

Beinahe jeden Monat findet ein Wechsel im Naturgeschehen statt, und dem aufmerksamen Be­obachter bietet sich stets Gelegenheit zu interessanten Feststellungen. Auch der November macht hiervon keine Ausnahme. Allerdings find die vielen Blumen des Sommers verschwunden und nur hier und da findet sich noch ein Blütenköpfchen des Rotklees, eine blaue Glockenblume, ein Hahnenfuß mit gelben, eine Wiesenflockenblume mit rötlichen Blüten oder die weiße Blütendolde der Schafgarbe. Doch dieses kurzrasige Wiesenstück am Trockenhang macht eine Ausnahme. Hier stehen Gänseblümchen dutzendweise in voller Blüte. Sie blühen so lange, bis ein starker Frost sie er­starren läßt oder eine Schneedecke sie unter sich begräbt. Von den Strahlen der wärmenden Früh­lingssonne aufgeweckt, sind sie dann wieder die ersten Blütengrüße der Natur. Daß es eine wirk­liche Ruhe in der Natur nicht gibt, ist an verschiedenen Sträuchern festzustellen. So hängen die eine Waldlichtung ausfüllenden Haselnuß- ft r ä u d) e r voller Kätzchen. Aber auch die am Waldaewässerchen stehenden Salweiden haben ihre Kätzchen unter den sie verhüllenden Schuppen so weit entwickelt, daß man annehmen könnte, der Frühling stände vor der Tür. Auch die Knospen des im nahen Steinbruchgelände stehenden Berg- Holunders sind bereits zum Aufbrechen vorbe­reitet. Aber der mit blauschwarzen Schlehen über und über behangene Schwarzdorn und die noch aus wenigen gelben Blättern hervorleuchtenden roten Hagebutten der Wildrofe bringen den Herbst zum Bewußtsein, der noch feine Herrschaft ausübt. Ebenso erinnert die mit dem Goldgelb ihrer Nadeln prangende Lärche daran, daß der Winter vor der Tür steht.

Auch im Leben und Treiben der Vogel zeigt sich der Winter an. Durch die seitherige gelinde Witte­rung fehlen zwar noch die meisten der nordischen Zuzügler, die als Wintergäste bet uns Aufenthalt nehmen. Nur ab und zu kommt uns eine Wachol­derdrossel zu Gesicht, deren Fang früher mit Schlingen in den sogenanntenDohnenstiegen" be­trieben wurde, um sie alsKrammetsvogel" zu ver-

Buntspecht seinen schallenden Lockruf hören, . während ein Grünspecht von einem Ameisen- Haufen, wo er denAmeiseneiern" nachstrebte, auf­fliegt. Auf einem alten, am Wege stehenden Kirsch­baum musizieren Stare. Diese gesangsfrohen Ge­sellen lassen sich nur durch die rauheste Witterung in ihrem Singen stören. Der Kirschbaum trägt eine AnzahlHexenbesen", besenartig gewachsene Zweig­büschel, die schon von weitem auffallen.Es ist bei­nahe nicht zu glauben, daß diese abnormale Zweig­bildung auf Einwirkung eines Schlauchpilzes zurück­zuführen ist. Auf dem Ackerland treibt sich ein Trupp Feldsperlinge herum, vom Landbewohner Ringelspatzen" (wegen des weißen Halsringes) ge­nannt, und ab und zu trifft man, meist paarweise,

Nydegger stand auf. Er taumelte. Sein Gesicht war farblos.Ich tue, was ihr verlangt. Wie heißt das Mädchen, wo treffe ich es?"

Basilius nickte beifällig. Er war wirklich ganz ungerührt geblieben. Diesen jungen Bengel brachte er schon noch zur Räson.

Das Fräulein heißt Ines Reußmg , sagte er. Sie ist die einzige Tochter des Kriminalobennspek- t'ors Reußing. Du triffst sie, da sie hier studiert, am besten auf dem Wege zur Universität ober im (3e= bäube selbst. Wie man so etwas macht, brauche ich bir kaum anzuraten."

Nybegger starrte ben Rebenden an.Tochter eines Kriminaloberinspektors? Was hat bas zu be- beuten, Basilius? Soll ich sie aushorcheni über bas, was ber Vater jeweils gegen euch plant?

Nein" antwortete Basilius,das wirb sie dir nicht sagen können, benn barüber wirb Reußmg im Hause wohl nichts erzählen.

Er zögerte, er verstaub, baß es einfacher war, Nybegger zu beruhigen. Nybegger würbe bann auch besser, unbefangener sich geben können.

Er überlegte nur kurz unb sagte bann:Da es dich so sehr beschäftigt, will ich bir eine Anbeutung qeben. Wir müssen für einen bestimmten Zweck er­freu wann ber Kriminalaberinspektor eine Reise tut Ihn zu überwachen ist nicht möglich. Es muß stmanb seine Tochter kennen unb es von ihr her­ausbekommen. Zufrieben.

Aber bu sagtest anfangs, ich sollte sie ent- fUf,r3? stimmte Basilius zu, er lag mit Grazie, wenn 'der Vater verreist ist, muß auch die Tochter äu- der Stadt weg. Ihr beiden mußt dann eine Wockienendsahrt unternehmen.

Von dem, was ihr oorhabt, brauche ich nichts zu'wiÜWl Lch W nichts damit zu tun?

Das ist doch von Anfang an meine Rebe ge­wesen, bu Narr! Du muht bir lebiglich Ines Reußing gefügig machen, baß sie ein paar Tage mit bir bie Stabt verläßt, es genügt unter Um- ftänben ein Tag. Verstauben nun eublich?" Nybegger nickte erschöpft. Er machte nicht mehr fragen, klar war ihm burchaus noch nicht alles. Wollten Basilius unb bie Seinen in bie leere Woh­nung bes Beamten einbrecheu?

Basilius schloß:Die Angelegenheit eilt. Du mußt biese Bekanntschaft rasch machen. Am besten noch heute."

Sie trennten sich. Einzeln verließen sie bas Haus. Jabusch ging als erster; bann folgte Nybegger.

Jolly sah Basilius an.Was hast bu bem Jun­gen für Unsinn vorgelogeu, Basil! Nun weiß ber gar nicht mehr, woran er ist!"

Basilius wehrte ab.Laß nur", sagte er.Ny­begger muß erst mal bas Mäbcheu kennen. Alles Weitere bringe ich ihm nach unb nach bei."

Er ist recht renitent, der Junge, fandest bu nicht auch?"

Er war es", verbesserte Basilius ben Freuub, von jetzt ab wirb er es nicht mehr sein. Man muß ihn fester an bie Kanbare nehmen. Du hast es ja gemerkt, als ich ihm brvhte, von seinem Vater anfing, gab er sofort nach."

Jolly nickte.Hoffentlich macht er feine Sache gut. Wir müssen bieseu Reußing schnellstens er- lebigen. Seit &r weiß, baß wir alle brei m Ham­burg sind, schwankt ber Bobeu bei jedem Tritt.

Ihm ober uns, Jolly?" Basilius laMe leise.

Dann brach er bas Gespräch einrcMf ab unb ging vorweg. Es störte ihn nicht, baß Jolly nicht nachkam, es war sogar besser, sie verschwanben C$Jünf' Minuten später folgte ihm Jolly. Aber er holte ihn nicht ein. Er beabsichtigte bas auch nicht. Was er für bie nächste Viertelstunbe plante, durfte Basilius am allerwenigsten erfahren.

3m Hausflur, es standen dort noch die Gerüste der Maler, ein paar Leitern und Bottiche, huschte eine weibliche Gestalt an ihm vorbei. Sie mußte in einer Ecke versteckt gestanden haben.

Jolly war im ersten Augenblick verdutzt. Das Haus war doch noch nicht bewohnt, wie kam eine , Frau hier herein? Er lief ihr nach auf ben Hof, verschwand sie gerade drüben in einen Torweg.

Der Reichsamtsleiter bes NS.-Stubentenbunbes, ] Pg. Albert Derichsweiler erläßt folgenbcn i Ausruf an bie ft u b e n t i s ch e Jugenb Deutschlanbs: !

Kameraden bes NSDStB., Stubenten der ( deutschen Hoch- unb Fachschulen!

Aus bem freien Willen ber nationalsozialistischen Jugenb ist nunmehr bas Bekenntnis zu einer neuen, 1 zuchtvollen Lebensform auch im beutfchen Stubern tentum stolze Wirklichkeit geworben.

Der Führer hak uns auf dem Reichspar- . keikag der Freiheit den Befehl unb die Parole gegeben: Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie kruppflahl soll die deutsche Jugend in felbflgewählter Zucht des Leibes und des Geistes werden?

Die Olympiade 1 9 3 6 in Deutschland soll nicht nur auf den Kampfbahnen, sondern auch in der einsatzbereiten Arbeit für die Aufgaben der Ration den kampffreudigen Geist der nationalsozialistischen Jugend erproben.

Der NSDStB. stellt daher seinen zweiten R e i ch s w e 11 b e w e r b zur nationalen Kulturgestaltung in ben Dienst ber vorn Reichssportführer zur Ertüchtigung bes deutschen Volkes betreuten Aufgaben. Der Reichswett- ll e w e rbOlyrnpi a" gibt den deutschen Stu­denten aller deutschen Hoch- und Fachschulen Ge­legenheit, ihre Fähigkeiten unb ihr Verstänbnis für eine bebeutungsDoUe Aufgabe ber Nation vor bem Urteilsspruch bewährter Persönlichkeiten auf ben Gebieten ber bildenben Kunst, ber Architek­tur, bes Kunsthcmbwerks, ber Musik, ber Sprach­gestaltung, bes künstlerischen unb wissenschaftlichen Schrifttums, bes Runbfunks unb bes Films in tä­tiger Arbeit unter Beweis zu stellen. Der Reichs-. WettbewerbOlympia" ist Aufruf ber Karne- r a b f d) a f t ber stubentischen Jugendmannschaft im Geiste ber ibealen nationalsozialistischen Lebenszucht unb Lebenshaltung. Die Teilnahme an ihm ist eine Ehrenpflicht für jeden, ber sich in bie- fern Geiste zum Kampf um eine neue, zuchtvolle Le­bensform ber beutschen stubentischen Jugend be­fähigt und entschlossen weiß.

Kameraden, nun habt ihr das Wort! An bie Arbeit!

München, im November 1935.

Gez.: Albert Derichsweiler, Reichsamtsleiter bes NSDStB.

Aachwuchserziehung im Geiste der VMsettülMlM.

Die Kulturhauptstelle bes NS.-Studentenbundes gibt zu biefem zweiten Reichswettbewerb folgende Ausführungen heraus:

Der NSDStB. hat mit bem ersten Reichswett­bewerb für nationalsozialistische Kulturgestaltung, der unter ber Schirmherrschaft von Reichsleiter Alfred Rosenberg stand, einen erfolgreichen Weg neuer studentischer Selbster- ziehuny auf kulturpolitischem Gebiet beschritten.

In Weiterführung dieser begonnenen Planung, welche der studentischen Jugend fortlaufend Ge­legenheit zur praktischen Auseinandersetzung mit den kulturpolitischen Aufgaben unb Geschehnissen unserer Zeit vermitteln soll, bringt ber NSDStB. im Wintersemester 1935/36 für bie deutschstämmigen Stubenten aller Hoch- und Fachschulen des Reiches den zweiten, wesentlich umfassenderen Reichswett­bewerb unter dem KennwortOlympiade" zur Durchführung. Dieser kulturpolitische Wettbewerb wird vom NSDStB. in ben Dienst ber vom Reichs- sportsührer mit ber Ertüchtigung ber deutschen Jugend und des deutschen Volkes betreuten Auf­gaben gestellt. Seine Ergebnisse werden dem Schirm­herrn Reichssportführer von Tschammer unb Osten zur Werbung für die deutsche Leibeser­ziehung unb zur Propaganba anläßlich ber Olym-

Auf ber anderen Straßenseite, wo sie herauskom- men mußte, waren Menschen und Verkehr. Zweck­los ihr nachzulaufen, er hätte sie nicht herausge- funben. Denn er hatte nichts von ihr gesehen als die Gestalt.

Ein Mädchen, dachte er unb versuchte das Bild zu rekonstruieren, mittelgroß, schlank; wenn ich mich nicht sehr irre, bemerkte ich dunkle Haare. Er sann eine Weile nach, bann schob er bie Gebauten weg. Zufall sicherlich. Vielleicht hat sie ihr Strumpfband gerichtet. Uns galt der Besuch in diesem leeren Hause gewiß nicht.

Er dachte nicht wieder an diese halbe Begeg­nung. Sie entfiel ihm. Als er bas Haus verlassen hatte, kehrte bas Mäbcheu in ben Neubau zurück.

Es hatte im Torweg nur abgewartet, ob es ver­folgt würde. Da das nicht geschah, nahm dieses Mädchen bie Spur wieder auf. Es mußte wissen, mit welchen Leuten Robert Nydegger Umgang hatte, es mußte erfahren, aus wieviel Mitgliedern bie Daube Basilius bestand. Das war vielleicht gefährlich.

Aber Ilia Filimvu war klua unb mutig.

Da Basilius sich schon entfernt hatte, war ber einzige Manu, ber sie außer Robert Nybegger hier von Angesicht kannte, nicht mehr zu fürch­ten. Sie stieg die Treppen hinauf. Bis ins große Hauptquartier würbe sie sich Dormagen. Aber sie fanb niemanben mehr.--

Jean Jolly war ein Manu von befonberer Vor­sicht; feine Veranlagung war so; unb bann hatte fein Leben ihm bas Mißtrauen zur Pflicht ge- macht. Er war immer krumme Wege gegangen, benn bie geraben Promenabeu galten feit je als überfüllt unb reizten ihn nicht. Da mußte man acht­sam vor unb Hinte? sich schauen, ob einem nicht ein Bein gestellt würbe, bas man auf solchen buuk- len Wegen gar nicht bemerkte, bevor man nicht barüber zu Fall gekommen war.

Er richtete sich auch jetzt nach biejer erprobten Weisheit, in biefer Viertelstunbe, da er drauf und brau war, bem Basilius ein Bein zu stellen.

Er nahm sich ein Mietauto und fuhr für mehrere Mark, nutzlos, wie es schien, durch die Stabt. Ließ hier halten und dort halten, wechselte zweimal den Wagen unb fanb sich am Ende in Hoheluft vor einem Postamt, fern bem Ausgangspunkt der Fahrt.

(Fortsetzung folgtI)

weißt du doch? Ich würde diese Geschichte erzählen, diese und eine andere, die ich kenne..."

Basilius schüttelte den Kopf.Du irrst dich , stellte er fest,ich würde zunächst zu deinem Vater nach Zürich fahren unb ihm schoueub beibrmgen, daß sein Sohn Robert wegen Wechselfälschung ver­haftet ist. Dein Vater ist in angesehener einfluß­reicher Stellung. Mau muß verhiuberu, baß er sich nicht in ber ersten Verzweiflung über ben miß­ratenen Sohn eine Kugel burch ben Kopf jagt.