Ausgabe 
15.11.1935
 
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Wie sieht es in -er"

irtschast aus?

lichkeit die Stachanowsche Arbeitsmethode ist: Es ist das amerikanische Taylor- System, die wissenschaftliche Berechnung des maschinellen und menschlichen Maximums an Ar­beitsleistung! Auf Sowjetoerhältnisse übersetzt aber ist es ein schweißtreibendes Arbeits­system, ein Ausbeutertum, wie es die vielge- schmähte Arbeitspolitik der sogenannten kapitalisti­schen Staaten auch nicht im entferntesten kennt! Denn was das amerikanische System bezweckt, durch wissenschaftlich exakte Messungen die Arbeitsleistun­gen der Maschine und des Arbeiters dazu unter weitgehender Anpasfund an die physische und psy­chische Leistungsfähigkeit der Arbeiter zu be­rechnen, das ist gerade in Sowjetrußland nicht möglich, weil (um im Sinne des obigen Blätter­zitats zu sprechen) derobjektive Faktor", nämlich die Maschine, überhaupt keine feste Größe dar­stellt, weil das Land technisch zurückgeblie­ben ist, weil man mit der Maschine nicht um­zugehen versteht. Man gSht deshalb unter der Maske derStachanow-Bewegung" dazu über, auf densubjektiven Faktor", den Menschen, den Arbeiter, zu drücken und aus ihm alles herauszupressen, was er nur zu geben im­stande ist.

Niemand anders als Marx selbst hat einst die Akkordarbeit alsMord arbeit" bezeichnet. Heute ist man in Sowjetrußland, dem einzigen proletarischen Arbeiterstaat" der Welt, noch einen Schritt weiter gegangen. Es war vorauszusehen, daß auch der bolschewistische Staats­kapitalismus um eine Regelung der Frage der Rentabilität nicht herurnkornrnen werde. Er will es jetzt auf dem Wege über eine noch grö­ßere Aussaugung des Arbeiters errei­chen. Stalin wirft hier vielleicht den letzten und unveräußerlichten Teil seines Pakets der kommuni­stischen Dogmen, eine wenigstens nach außen hin sozial wirkende Arbeiterpolitik, über Bord. Wäre er's nicht, so wäre ein anderer derHeld", der der Bewegung" seinen Namen gegeben hätte. Der Sowjetarbeiter wird in Zukunft nur noch M a- s ch i n e sein, die ihre Fronarbeit für denProle­tarier-Staat" leisten muß. Abbau und Entlassungen sind bereits jetzt überall im Gange. Und eine Ver­ordnung, die einer progressiven Erhöhung etwa auch des Lohnes der neuenStachanowzy" Vorbeugen soll, ist längst erschienen.

Wird der Sowjetarbeiter sich mit dem Neuen abfinden? Unzählige Prozesse sind schon jetzt gegen dieSaboteure" im Gange, zahl­reiche Gegner derneuen Methode" sind schon vertrieben, eingekerkert, verbannt. Wer nicht an den Zwangscharakter derBewegung" glauben will, muß mit seiner Existenz dafür bezah­len. Ein neuer sozialer Umschwung bereitet sich mit dex Schilderhebung Stachanows und seinerMe­thode" vor. Die Ärbeitslosigkeit steigt, die Verelen­dung des Arbeiters wächst, die Spannung zwischen dem staatskapitalistischen Ausbeuter und seinen Ob­jekten in der Fabrik wird zusehends größer und das alles im Zeichen des mit überschwenglichen Lo- besliedern bedachtenWunders der Stachanow- Bewegung". Wobei erst der Zukunft die Lösung der Fragen Überlassen bleiben muß, ob der staat­liche Arbeitgeber auch bei der erhöhten Produktion das Rohstoffproblem zu regeln imstande sein wird, ob die neue Rekordsucht nicht die Qualität der Sow­jeterzeugnisse weiter katastrophal herabmindert und ob er sich's leisten kann, der ganzen Sowjetarbeiter­schaft diese Kriegserklärung ins Gesicht zu schleudern.

Neue Unruhen in Kairo.

BlutigeHusarnrrrenstötze

zwischen Studenten und Polizei.

Kairo, 14. Nov. (DNB.) Donnerstag ver­suchten wiederum mehrere tausend Studenten, die sich vorher in der Nähe der Universität ge­sammelt hatten, in die Stadt zu ziehen, um alle Studenten und Schüler, die sich dem Streik noch nicht angeschlossen hatten, aus den Schulen her­auszuholen. Der Zug der Demonstranten bewegte sich auf die Abbas-Brücke zu, die über den Nil in oie Stadt führt, wobei aus der Menge andauernd Rufe wieHoch Aegypten!",Es lebe die Frei­heit!",Nieder m i t ^E n g l a n d !",Nieder mit dem Verräter Hoare!" laut wurden. Unterwegs bewaffneten sich die Demonstranten mit Stöcken und großen Steinen. An der Abbas- Brücke traf der Zug auf die Absperrung der Polizei, die unter Leitung eines e n g- lifchen Polizeioffiziers stand. Ein wildes Handgemenge entstand, die Polizei sah sich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die Menge strömte zurück, wobei sie ihre Toten und Verwundeten mit sich nahm. Vier Studenten sollen bei dem Zusammenstoß getötet und sechs schwer verwundet worden sein. Von der Polizei wurden der englische Offizier und ein eng­lischer Sergeant schwer verletzt.

Angesichts der gespannten politischen Lage fand eine Sondersitzung des ägyptischen Kabinetts statt. Die Regierung beschloß, die Universitäten ab Sonntag eine Woche lang zu schließen, wenn nicht alle Studen­ten bis Samstagmorgen das Studium wieder auf­nehmen. Eine Verordnung des Königs hebt prak­tisch die Pressefreiheit auf und gibt der Re­gierung das Recht zur Beschlagnahme und befriste­ten Zeitungsverboten. Weitere strenge Verordnun­gen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sind in Vorbereitung. Die Beerdigung des bei den Unruhen am Mittwoch getöteten nationalistischen Kundgebers ist auf Freitag angesetzt. Man befürch­tet, daß die Beisetzungsfeierlichkeiten zu weite­ren Zusammen st öhen führt.

Einheitliche Beantwortung der italienischen Protest-Note.

London, 14. Nov. (DNB.) Wie in englischen Kreisen verlautet, ist sowohl die britische als auch die französische Regierung der Ansicht, daß der ita­lienische Einspruch gegen die Sühnemaßnahmen eine kollektive Antwort der beteiligten Mächte er­fordere. Der Wunsch der britischen Regierung, eine Konsultation zwischen den in Frage kommenden Mächten herbeizuführen, wird von der französischen Regierung geteilt. Reuter meldet, daß in der Un­terredung zwischen dem Ministerpräsidenten L a» v a l und dem britischen Botschafter Sir George Clerk Einigkeit darüber geherrscht habe, daß keine Zeit für einen Zusammentritt der Sanktionsmächte in Genf zur Abfassung einer einzigen kollektiven Antwort auf die italienische Note vorhanden sei. Anderseits wurde es für wesentlich angesehen, daß die Sanktionsmächte sich auf diplomati­schem Wege überden Inhalt einer Ant­wort einigen sollten, um dadurch ihre Soli- darität zu bekunden. Die Antworten brauchten jedoch nicht notwendigerweise den gleichen Wortlaut zu haben. Daher wird jede Macht einzeln antwor­ten, aber auf einer Linie,streng parallel", mit den anderen Mächten.

Das Ringen der Weltmächte um die Rohstoff­gebiete tritt noch stärker in den Vordergrund, seit­dem an den Weltrohstoffmärkten die Auf­schwungtendenzen die Oberhand behalten haben. Denn die Möglichkeit einer Rohstoffverknappung oder des Abschneidens einer großen Nation von der Versorgung mit unentbehrlichen Rohstoffen erhält in verstärktem Maße praktische Bedeutung. Allem An­schein nach geht die Weltwirtschaft wieder einer Zeit steigenden Rohstoffbedarfs entge­gen. Namentlich in den Vereinigten Staaten, in England und in einer Reihe anderer dem Ster­ling b l o ck angehörender Länder ist eine Zunahme der Investitionstätigkeit auf Grund der Entspan­nung der Geld- und Kreditlage zu beobachten. Die allgemeine Konjunkturbelebung, die freilich aus sehr verschiedenartigen Quellen entspringt, hat die Roh- stosfmärkte wieder in Bewegung gesetzt und a u ch den meisten überseeischen Ländern, wie Australien und Südafrika, Indien und Südame­rika eine wirtschaftliche Erholung gebracht. Nur sehr langsam vermögen dagegen die europä­ischen Goldblockländer die Deflationsschwie­rigkeiten zu überwinden. Doch machen sich auch dort neuerdings Zeichen einer Erleichterung und einer beginnenden Erholung bemerkbar. Zu ihnen gehört die soeben beschlossene abermalige Herab­setzung des Diskontsatzes der Nieder­ländischen Bank von 4 auf 3,5 v. H. Der Goldbestand der Niederländischen Zentralbank nimmt jetzt wieder ständig zu, und es scheint, daß die Gefahren, die aus dem andauernden Goldab­fluß nach den Vereinigten Staaten den europäischen Goldblockländern erwachsen, in Holland überwunden sind. Dagegen ist die Wirtschaftslage in Frankreich noch immer unübersichtlich und we­nig hoffnungsvoll. Im Gegensatz zu der allgemeinen Weltwirtschaftslage steckt die französische Wirtschaft noch tief in der Krise. Die Erhöhung des Diskontsatzes der Bank von Frankreich von 3 auf 4 v. H. wird von der Pariser Presse als das klassische und erst im Sommer d. I. wieder wirksam gewesene Vorbeugungsmittel zur Bekämp­fung der Spekulation geaen den Franc gewertet. Im übrigen weisen die Zeitungen mit Vertrauen auf den starken Goldbestand der Währungsbank hin. Eigentliche Währungsbedenken treten also vor den parlamentarischen Sorgen zurück. Selbst die Möglichkeit einer Gefährdung wird nur von feiten des Parlaments befürchtet, wenn der Haushalts­voranschlag der Regierung durch die Volksvertreter in seinem Gleichgewicht gestört würde. Die radikal- sozialistische ZeitungRepudlique" überschreibt allerdings ihren Bericht über den Goldabzug aus Frankreich:Die Panik beginnt".

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Geheimrat Klöckner hat kürzlich darauf auf­merksam gemacht, daß die Erholung und der Preis­aufstieg an den Weltmärkten auch dem deut­schen Export einen sehr willkommenen Auftrieb bringen werden. Die deutsche Binnenwirtschaft hat bisher ihren hohen Stand der Produkttonstätigkeit voll behaupten können. Aber ein Unterschied zwi­schen der außerordentlich lebhaften Erzeugung von Produktionsgütern und der Verbrauchswirtschaft, die mit diesem Aufstiege nicht Schritt gehalten hat, ist bestehen geblieben. Um so wichtiger ist jede Ent­lastung durch eine Erhöhung der Ausfuhr deutscher Waren. In einer Reihe von Industrien ist in letzter Zeit eine fühlbare Zunahme der Ausfuhr festzu­stellen. So ist z. B. der Export von Steinkohle, Papier, Eisen sowie von Kraftfahrzeugen in beacht­lichem Maße gestiegen. Aber die Exportsteigerung muß noch wesentlich größer werden, wenn die Ver­sorgung der deutschen Wirtschaft mit Rohstoffen ge­sichert werden soll. Solange dieses Ziel nicht er reicht ist, wird die deutsche Wirtschaftspolitik ihr Augenmerk ganz besonders auf die Förderung der Erzeugnisse inländischer Rohstoffe richten müssen, die man mit Unrecht alsErsatzstoffe" bezeichnet. Interessante Ausführungen über Möglichkeiten und bisherige Erfolge auf dem Gebiet des Baues von Anlagen für b i e Gewinnung von synthe­tischen Rohstoffen enthielt der Geschäfts­bericht der Barna g-Meguin AG., Berlin, einer Gesellschaft, deren langjährige Betätigung im Bau von Gaserzeugungs- und chemischen Anlagen sie befähigte, Probleme zu lösen, wie man eine Reihe von wichtigen Rohstoffen auf synthetischem Wege gewinnen kann. Bemerkenswert ist, daß sich die Erfahrungen auch im Auslandgeschäft vorteil­haft verwerten ließen: Aus mehreren europäischen Ländern sowie aus Japan erhielt die Gesellschaft Aufträge für den Bau kompletter Anlagen für chemische Fabriken, teilweise gegen starke auslän­dische Konkurrenz. Weitere Projekte sind in Arbeit.

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Ueberraschung hat die Mitteilung hervorgerufen, daß der Salzdetfurth - Kalikonzern sich mit erheblichen flüssigen Mitteln an der Mans­feld AG. für Bergbau und Hüttenbe­trieb in Eisleben beteiligt hat und dadurch eine qualifizierte Minderheit des Aktienkapitals dieser Gesellschaft erworben hat. Aus der Eislebener Ge­sellschaft find vor einiger Zeit d i e Interessen am Kupferbergbau, der bekanntlich laufend Subventionen erforderte, ausgegliedert und in eine besondere Gesellschaft eingebracht worden. In ihrer jetzigen Gestalt uinsaßt sie Braunkoh­len- und Erdölinteresfen, an denen also der Salzdetfurth-Konzern auf diese Weise teilneh­men will. Unter dem Gesichtspunkt der national- wirtschaftlichen Erwägungen, die heute für alle der­artigen Transaktionen entscheidend zu sein haben, ist der Entschluß des verantwortlichen Leiters beider Unternehmen, die durch Generaldirektor Stahl seit kurzem in Personalunion gebracht sind, zu begrü­ßen, denn die flüssigen Mittel der Kaligruppe fin­den hier eine Anlage, die geeignet ist, der deutschen Volkswirtschaft aus dem Wege zu einer Verbreite­rung der Rohstoffbasis vorwärts zu helfen. Neben der für die Treibstoffbilanz so wichtigen Erdölge­winnung ist es auch die Braunkohlenhydrierung, die man verstärkt in Angriff nehmen will. Zugleich ergibt sich für den Salzdetfurthkonzern als privat- wirtschaftliche Folge ein gewisser Risikoausgleich gegenüber der für die Kaliindustrie allgemein ge­gebenen einseitigen Abhängigkeit von der Land­wirtschaft als Abnehmer.

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Die deutsche Binnenwirtschaft geht in den Winter 1935/36 mit einer so geringen Zahl von Arbeits­losen, wie sie seit Jahren nicht erreicht werden konnte. Naturgemäß wird die Einstellung der Außenarbeiten auch in diesem Winter zu einem Wiederansteigen der Arbeitslosigkeit führen. Man rechnet damit, daß bann etwa 1 Million Saisonarbeitslose vorhanden sein werden. Es ist aber sehr wohl möglich, daß diese Zunahme durch einen weiteren Rückgang der konjunkturell begründeten Arbeitslosigkeit teilweise ausgeglichen werden kann. Denn die Arbeitsämter berichten, daß

in zunehmendem Maße offene Arbeitsstellen nicht besetzt werden können, weil geeignete Fach­arbeiter fehlen. Die Zahl der aus diesem Grunde nicht zustandegekommenen Arbeitsvermitt­lungen hat sich gegenüber dem Stande von 1932 etwa verzehnfacht. Ein Teil dieser freien Stellen, so z. B. die in den Berufsgruppenhäusliche Dienste" und Gastwirtsgewerbe vorhandenen wird vielleicht mit den infolge der Einstellung der Außenarbeiten freiwerdenden Kräften besetzt wer­den können.

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In der Bauernstadt Goslar sind die Füh­rer des deutschen Bauerntums zu­sammengetreten, um Rückblick und Ausschau zu hal­ten. Wir stehen vor dem Beginn des zweiten Kampfjahres um d i e Erhöhung der Pro­duktion aus eigenem Boden, und die in Goslar gehaltenen Reden zeugen davon, daß sich das deutsche Bauerntum der hohen Aufgabe bewußt ist, die es im Rahmen der Arbeitsschlacht zu schla­gen hat. Die scharfe Ablehnung der Lebensmittel­karten ist ein Beweis für das Vertrauen, das der Bauer auch der zweit-en Phase des Kampfes ent­gegenbringt. Gewiß haben sich auf ernährungspoli­tischem Gebiet einzelne Spannungen nicht vermei­den lassen. Die Butter ist, was eine durchaus inter­nationale Erscheinung bedeutet, kncrpepr geworden, zumal wir die Wiederbeschäftigung der Arbeitslosen naturgemäß mit einem erhöhten Verbrauch von Butter usw. bezahlen mußten. Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß diese Mehrbeschäfti­gung vorübergehend zu einer gewissen Knappheit an Butter und Fleisch führen werde, haben dieser Tat­sache aber entgegengehalten, daß es notwendiger ist, die Erzeugungsschlacht zu schlagen, den Verbrauch also in der Landwirtschaft an industriellen Gütern zu steigern, im Maße ihrer gestiegenen Kaufkraft und daß wir dafür eine zeitweilige Verknappung ertragen müßten, bis die Gesamtlage wieder aus­glichen sei. Es ist richtiger, eine Zeitlang eine ge­wisse Verknappung mit der Aussicht auf ihre Be­hebung auf sich zu nehmen, als durch ausländische Einfuhr uns zu verschulden und eine Kräftigung der deutschen Eigenerzeugung zu verhindern: Im "gro­ßen Rahmen unserer Wirtschaft wird dieses Pro­gramm auch durchgeführt. Die Erhöhung der Ver­kaufserlöse für die deutsche Agrarproduktion ist voll und ganz der deutschen Gesamtwirtschaft zugute ge­kommen. Der deutsche Bauer kann jetzt wieder Steu­ern zahlen und sich entschulden. Gewissen Industrien hat seine gesteigerte Kaufkraft einen Anreiz zur Mehrproduktion gegeben. So ist der Düngemittel- verbrauch allein im Wirtschaftsjahr 1934/35 um rund 65 Millionen Mark gestiegen: die Land- maschinenindustrie liegt in diesem Jahre um rund 25 v. H. über der Produktionsziffer des Vorjahres; fast dieselbe Summe ist infolge der Marktordnung der Milchwirtschaft für die Errichtung neuer Käse­reien und Molkereien ausgegeben worden. Diese Summen zeigen den vorwärtsstrebenden Zug in der deutschen Bauernwirtschaft, und die kleinen Sor­gen um Butter ober Schweinefleisch werden sich mit der Zeit mildern. Dafür steht aber dann die deutsche Agrarwirtschaft auf sicheren Füßen und vermag in erhöhtem Maße zu Preisen, die der Marktordnung unterliegen, zu liefern. Gegenüber diesem großen und in Angriff genommenen Ziel wiegen die augen­blicklichen Sorgen leicht.

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Die regelmäßige Zunahme der Haushal­tungen, die durch eine planmäßige Bevölkerungs- politik noch gesteigert werden soll, erfordert nach den Feststellungen des Oberregierungsrats Dr. Fi­scher-Dieskau vom Reichsarbeitsministerium all­jährlich die Erstellung von 3 0 0 0 0 0 bis 4 00000 Wohnungen. Die Herstellungskosten für jede neuerstellte Wohnung werden durchschnitt­lich 5000 bis 7000 Mark geschätzt. Es werden also jährlich 1,5 bis 2,1 Milliarden Mark verausgabt werden müssen, um den Wohnungsbedarf einiger­maßen zu befriedigen. Die Bauwirtschaft darf da­her noch für lange Zeit mit einem hohen Beschäf­tigungsstande rechnen. Um über die weiteren Maß­nahmen zur Förderung des Wohnungsbaus Be­schluß zu fassen, wurden in letzter Zeit in Berlin wichtige Besprechungen gepflogen, die zur Ein­berufung einer Reichswohnungskon- ferenz geführt haben. Die wichtige Aufgabe, die dem Wohnungsbau gestellt ist, erfordert die Zu­sammenfassung und planmäßige Lenkung aller ver­fügbaren finanziellen Kräfte. Der Wohnungsmarkt und der Arbeitsmarkt sind an der Lösung dieser Aufgabe in gleicher Weise interessiert.

Oer Bluisqedanke

im deutschen Bauerntum.

Die Fortsetzung der ersten Hanpttagung in Goslar.

Goslar, 14. Nov. (DNB.) Wieder war die Stadthalle bis auf den letzten Platz befetzt, als um 15.30 Uhr der Sprecher des Reichsbauernrates, Ministerpräsident a. D. Granzow, den zweiten Teil der ersten Haupttagung eröffnete. Stand der Vormittag im Zeichen der lebensnotwendigen Be­deutung und praktischen Durchführung der Erzeu­gungsschlacht, so galten die Vorträge des Nachmit­tags der Aufzeigung der weltanschaulich- rassischen Grundsätze. Die sittlichen und weltanschaulichen Kräfte des deutschen Bauerntums wurden als die unbedingte Voraussetzung für die neue völkische Lebensordnung des deutschen Vol­kes herausgestellt.

Reichshauptabteilungsleiter Haidn eröffnete die Vortragsreihe mit einem Vortrag überO d a l" a l s weltanschauliche Grundlage bluts­gemäßer Lebensans chauun g". Er be­handelte die Notwendigkeit für den Bauern und darüber hinaus für das ganze deutsche Volk, die Reinheit des Blutes als höchstes Gut zu hüten und die gottgewollten Gesetze des Blutes und der Ver­erbung zu achten. Der stürmische Beifall, mit dem die Bauern iirtmer wieder diese Forderung nach Reinerhaltung des Blutes und der Raffe begleite­ten, bewies, daß sie auf diesem Gebiet ebenso der Parole des Reichsbauernführers folgen wollen wie bei der Durchführung der Erzeugungsschlacht. Stür­mische Zustimmung fand auch die Feststellung des Redners, daß der bäuerliche Boden für alle Zu­kunft der Spekulation des Geldes entzogen sei.

Als nächster Redner sprach Stabshauptabteilungs- leiter Dr., Rechenbach überDie Erhaltung des Bluterbes". In seinen ausführlichen, durch reichhal­tiges Quellenmaterial belegten Ausführungen gab der Redner eine großangelegte, geschichtliche Dar­stellung der Erhaltung des Bluterbes in allen Zeiten germanischer Geschichte. Er unterstrich damit äußerst wirkungsvoll die Forderung der Reinerhal­

tung des Blutes, das über Sein und Nichtsein jedes Volkes entscheide.

Zum Abschluß des ersten Tages sprach Stabs­hauptabteilungsleiter Motz überBauernarbeit und dazu noch Sport?". Der Appell des Redners an die deutschen Bauern, durch Leibesübungen einen Ausgleich für die schwere körperliche Landarbeit zu schaffen und den Körper als Träger des Blutes lei­stungsfähig zu erhalten, wurde eindrucksvoll unter­stützt durch Vorführung rhythmischer Hebungen, die von Bauernjungen und -mädchen ausgeführt wurden, die selbst erst in einem soeben beendeten sechswöchigen Lehrgang zum ersten Male in ihrem Leben diese gymnastische Ausbildung er­fahren haben. Aus den mit großem Beifall auf­genommenen Vorführungen ging klar hervor, daß die Leibesübungen des Bauern nicht Höchstleistungen, sondern allgemeine Ausbildung und Lockerung des Körpers bezwecken sollen.

Am Freitag findet eine geschlossene Sitzung des Reichsbauernrates statt, während der Tag im übri­gen sitzungsfrei ist. Zahlreiche Besichtigungen von landwirtschaftlichen Betrieben im niedersächsischen Bauernland sind vorgesehen.

Ein neuer Auio-Typ.

Die Firma Opel kündet einen neuen Personen- wagentyp mit 1,1-Liter-Motor, denOpel P 4" an. Die Wagenkonstruktion ist aus dem 1,2-Liter-Typ heraus entwickelt fein Preis von 1650 M k. ist nur durch die Herstellung ganz großer Serien über 100 000 Stück von einem einzigen Modell möglich. Nur der in solchen großen Auflagen hergestellte Serienwagen ist im Stande, immer wei­teren Volksschichten die Motorisierung zu ermög­lichen. 5250 Mark bezahlte man- vor zehn Jahren für eine 4-P8-Lirnousine unvergleichlich geringerer Leistung. Ohne diese Preisentwicklung wäre Deutsch­lands Motorisierung nie verwirklicht worden. Um die Gefolgschaft von 18 000 Mann auch in diesem Winter in Arbeit zu halten, werden die Preise der übrigen Personenwagen-Typen, neuartig gestaffelt, herabgesetzt. 8 v. H. weniger kostet der Wagen, der zwischen dem 15. November und 14. Dezember ge­kauft und zugelassen wird. Zwischen dem 15. De­zember und dem 14. Januar beträgt die Preis­senkung 6 v. H., zwischen dem 15. Januar und dem 14. Februar 4 v. H. Ab 15. Februar treten die alten Preise in Kraft. Diese Preisstaffelung gilt für sämt­liche .Opel-Personenwagen-Typen (Olympia, 1,3 Liter und 2 Liter 6 Zylinder) mit Ausnahme des neuenP 4", dessen Preis konstant bleibt.

Die ersteSihung des Landeskrrchenrats Nassau-Hessen.

Darmstadt, 14. Nov. (LPD.) Der vom Herrn Reichsminister Kerrl neuernannte Landeskirchenrat trat, wie bereits kurz berichtet, am Dienstag, den 12. November, zu seiner er st en Sitzung zusam­men. Er gab sich seine Geschäftsordnung und ,berief Herrn Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf tum Dorsitzenden, Herrn Oberkirchenrat Dr. M ü l- l e r zum stellvertretenden Vorsitzenden und Herrn Dekan Sch ä f e r zum Schriftführer. Etliche dringende Notstände im kirchlichen Leben wurden im Sinne der Befriedigung entschieden. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt. Die Mit­glieder des Landeskirchenrats sind: Pfarrer von B e r n u s (Wiesbaden), Rechtsanwalt B u ß m a n n (Frankfurt a. M.), Landesbischof Lic. Dr. Diet - r i ch (Darmstadt), Präsident Kipper (Darmstadt), Freiherr von Krane (Wiesbaden), Pfarrer Lenz (Münzenberg, Oberh.), Oberkirchenrat Dr. Müller (Darmstadt), Dekan Schäfer (Michel­stadt, Odenw.), Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf (Bingenheim, Oberhessen).

Kunst und Wissenschaft.

Oie Nobelpreise.

Der Nobelpreis für Literatur wird in diesem Jahr nicht zur Verteilung ge­langen. Er wird jedoch für eine etwaige Vertei­lung im Jahre 1936 z u r ü ck g e st e l l t.

Der Nobelpreis des Jahres 1935 für Physik wurde Professor Chadwick in Cambridge ver­liehen. Der Nobelpreis des Jahres 1935 für Che- m i e wurde Professor Ioliot - Paris und seiner Gattin Curie-Joliot verliehen. Der Träger des Nobelpreises für Physik für das Jahr 1935, James Chadwick, war bisher Professor in Cambridge, ist aber gerade zum Professor in Li­verpool ernannt worden. Er erhielt den Preis für die Entdeckung des Neutrons. Diese Ent­deckung war das Ergebnis von Untersuchun­gen über gewisse Erscheinungen hinsichtlich der durchdringenden Ausstrahlung des Berylliums. Diese Ausstrahlung wurde in reiner Form zuerst von B o t h e und Becker festgestellt. Die Ent- deckung Chadwicks steht auch mit der Entdeckung des Ehepaares Curie und Joliot über den sogenannten Proton-Strom im Zusammenhang, der die erwähnten Ausstrahlungen hervorbringt. Chadwick ist im Jahre 1891 geboren.

Wetterbeiicht

des Reichswetterdienfles. Ausgabeort Frankfurt.

Der von dem osteuropäischen Hochdruckgebiet bis nach Frankreich sich erstreckende Ausläufer befindet sich in raschem Abbau. Dabei setzte sich zunächst auf- hetterndes Wetter noch fort, so daß es in der Nacht zum Freitag infolge kräftiger Ausstrahlung zu stär­kerer Abkühlung und vielerorts zu Nebel- oder Hoch­nebelbildung kam. Mit verstärkter Nebelbildung hat sich auch bei uns wieder mehr wechselhaftes Sßetter eingestellt, doch ist anderseits eine stärkere Einfluß­nahme der Tiefdruckausläufer auf unser Wetter vor­erst unwahrscheinlich.

Aussichten für Samstag: Zunächst ne­belig und bewölkt mit Regenneigung, dann mehr veränderlich bewölkt mit zeitweiliger Aufheiterung bei lebhaften südlichen und südwestlichen Winden ausgeglichene Temperaturen.

Lufttemperaturen am 14. November: 9,8 Grad Celsius, abends 0,6 Grad; am 15. November: mor­gens,0 3 Grad. Maximum 10,5 Grad, Minimum 2,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. November: abends 5,3 Grad; am 15. No- oember: morgens 3,7 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer 7 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm ßange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein­druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 PL Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehL Cinzelverkausspreis 10 Pf. und Samstags 15 Ps^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

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