Wie sieht es in -er"
irtschast aus?
lichkeit die Stachanowsche Arbeitsmethode ist: Es ist das amerikanische Taylor- System, die wissenschaftliche Berechnung des maschinellen und menschlichen Maximums an Arbeitsleistung! Auf Sowjetoerhältnisse übersetzt aber ist es ein schweißtreibendes Arbeitssystem, ein Ausbeutertum, wie es die vielge- schmähte Arbeitspolitik der sogenannten kapitalistischen Staaten auch nicht im entferntesten kennt! Denn was das amerikanische System bezweckt, durch wissenschaftlich exakte Messungen die Arbeitsleistungen der Maschine und des Arbeiters — dazu unter weitgehender Anpasfund an die physische und psychische Leistungsfähigkeit der Arbeiter — zu berechnen, das ist gerade in Sowjetrußland nicht möglich, weil (um im Sinne des obigen Blätterzitats zu sprechen) der „objektive Faktor", nämlich die Maschine, überhaupt keine feste Größe darstellt, weil das Land technisch zurückgeblieben ist, weil man mit der Maschine nicht umzugehen versteht. Man gSht deshalb unter der Maske der „Stachanow-Bewegung" dazu über, auf den „subjektiven Faktor", den Menschen, den Arbeiter, zu drücken und aus ihm alles herauszupressen, was er nur zu geben imstande ist.
Niemand anders als Marx selbst hat einst die Akkordarbeit als „Mord arbeit" bezeichnet. Heute ist man in Sowjetrußland, dem einzigen „proletarischen Arbeiterstaat" der Welt, noch einen Schritt weiter gegangen. Es war vorauszusehen, daß auch der bolschewistische Staatskapitalismus um eine Regelung der Frage der Rentabilität nicht herurnkornrnen werde. Er will es jetzt auf dem Wege über eine noch größere Aussaugung des Arbeiters erreichen. Stalin wirft hier vielleicht den letzten und unveräußerlichten Teil seines Pakets der kommunistischen Dogmen, eine wenigstens nach außen hin sozial wirkende Arbeiterpolitik, über Bord. Wäre er's nicht, so wäre ein anderer der „Held", der der „Bewegung" seinen Namen gegeben hätte. Der Sowjetarbeiter wird in Zukunft nur noch M a- s ch i n e sein, die ihre Fronarbeit für den „Proletarier-Staat" leisten muß. Abbau und Entlassungen sind bereits jetzt überall im Gange. Und eine Verordnung, die einer progressiven Erhöhung etwa auch des Lohnes der neuen „Stachanowzy" Vorbeugen soll, ist längst erschienen.
Wird der Sowjetarbeiter sich mit dem Neuen abfinden? Unzählige Prozesse sind schon jetzt gegen die „Saboteure" im Gange, zahlreiche Gegner der „neuen Methode" sind schon vertrieben, eingekerkert, verbannt. Wer nicht an den Zwangscharakter der „Bewegung" glauben will, muß mit seiner Existenz dafür bezahlen. Ein neuer sozialer Umschwung bereitet sich mit dex Schilderhebung Stachanows und seiner „Methode" vor. Die Ärbeitslosigkeit steigt, die Verelendung des Arbeiters wächst, die Spannung zwischen dem staatskapitalistischen Ausbeuter und seinen Objekten in der Fabrik wird zusehends größer — und das alles im Zeichen des mit überschwenglichen Lo- besliedern bedachten „Wunders der Stachanow- Bewegung". Wobei erst der Zukunft die Lösung der Fragen Überlassen bleiben muß, ob der staatliche Arbeitgeber auch bei der erhöhten Produktion das Rohstoffproblem zu regeln imstande sein wird, ob die neue Rekordsucht nicht die Qualität der Sowjeterzeugnisse weiter katastrophal herabmindert und ob er sich's leisten kann, der ganzen Sowjetarbeiterschaft diese Kriegserklärung ins Gesicht zu schleudern.
Neue Unruhen in Kairo.
BlutigeHusarnrrrenstötze
zwischen Studenten und Polizei.
Kairo, 14. Nov. (DNB.) Donnerstag versuchten wiederum mehrere tausend Studenten, die sich vorher in der Nähe der Universität gesammelt hatten, in die Stadt zu ziehen, um alle Studenten und Schüler, die sich dem Streik noch nicht angeschlossen hatten, aus den Schulen herauszuholen. Der Zug der Demonstranten bewegte sich auf die Abbas-Brücke zu, die über den Nil in oie Stadt führt, wobei aus der Menge andauernd Rufe wie „Hoch Aegypten!", „Es lebe die Freiheit!", „Nieder m i t ^E n g l a n d !", „Nieder mit dem Verräter Hoare!" laut wurden. Unterwegs bewaffneten sich die Demonstranten mit Stöcken und großen Steinen. An der Abbas- Brücke traf der Zug auf die Absperrung der Polizei, die unter Leitung eines e n g- lifchen Polizeioffiziers stand. Ein wildes Handgemenge entstand, die Polizei sah sich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die Menge strömte zurück, wobei sie ihre Toten und Verwundeten mit sich nahm. Vier Studenten sollen bei dem Zusammenstoß getötet und sechs schwer verwundet worden sein. Von der Polizei wurden der englische Offizier und ein englischer Sergeant schwer verletzt.
Angesichts der gespannten politischen Lage fand eine Sondersitzung des ägyptischen Kabinetts statt. Die Regierung beschloß, die Universitäten ab Sonntag eine Woche lang zu schließen, wenn nicht alle Studenten bis Samstagmorgen das Studium wieder aufnehmen. Eine Verordnung des Königs hebt praktisch die Pressefreiheit auf und gibt der Regierung das Recht zur Beschlagnahme und befristeten Zeitungsverboten. Weitere strenge Verordnungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sind in Vorbereitung. Die Beerdigung des bei den Unruhen am Mittwoch getöteten nationalistischen Kundgebers ist auf Freitag angesetzt. Man befürchtet, daß die Beisetzungsfeierlichkeiten zu weiteren Zusammen st öhen führt.
Einheitliche Beantwortung der italienischen Protest-Note.
London, 14. Nov. (DNB.) Wie in englischen Kreisen verlautet, ist sowohl die britische als auch die französische Regierung der Ansicht, daß der italienische Einspruch gegen die Sühnemaßnahmen eine kollektive Antwort der beteiligten Mächte erfordere. Der Wunsch der britischen Regierung, eine Konsultation zwischen den in Frage kommenden Mächten herbeizuführen, wird von der französischen Regierung geteilt. Reuter meldet, daß in der Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten L a» v a l und dem britischen Botschafter Sir George Clerk Einigkeit darüber geherrscht habe, daß keine Zeit für einen Zusammentritt der Sanktionsmächte in Genf zur Abfassung einer einzigen kollektiven Antwort auf die italienische Note vorhanden sei. Anderseits wurde es für wesentlich angesehen, daß die Sanktionsmächte sich auf diplomatischem Wege überden Inhalt einer Antwort einigen sollten, um dadurch ihre Soli- darität zu bekunden. Die Antworten brauchten jedoch nicht notwendigerweise den gleichen Wortlaut zu haben. Daher wird jede Macht einzeln antworten, aber auf einer Linie, „streng parallel", mit den anderen Mächten.
Das Ringen der Weltmächte um die Rohstoffgebiete tritt noch stärker in den Vordergrund, seitdem an den Weltrohstoffmärkten die Aufschwungtendenzen die Oberhand behalten haben. Denn die Möglichkeit einer Rohstoffverknappung oder des Abschneidens einer großen Nation von der Versorgung mit unentbehrlichen Rohstoffen erhält in verstärktem Maße praktische Bedeutung. Allem Anschein nach geht die Weltwirtschaft wieder einer Zeit steigenden Rohstoffbedarfs entgegen. Namentlich in den Vereinigten Staaten, in England und in einer Reihe anderer dem Sterling b l o ck angehörender Länder ist eine Zunahme der Investitionstätigkeit auf Grund der Entspannung der Geld- und Kreditlage zu beobachten. Die allgemeine Konjunkturbelebung, die freilich aus sehr verschiedenartigen Quellen entspringt, hat die Roh- stosfmärkte wieder in Bewegung gesetzt und a u ch den meisten überseeischen Ländern, wie Australien und Südafrika, Indien und Südamerika eine wirtschaftliche Erholung gebracht. Nur sehr langsam vermögen dagegen die europäischen Goldblockländer die Deflationsschwierigkeiten zu überwinden. Doch machen sich auch dort neuerdings Zeichen einer Erleichterung und einer beginnenden Erholung bemerkbar. Zu ihnen gehört die soeben beschlossene abermalige Herabsetzung des Diskontsatzes der Niederländischen Bank von 4 auf 3,5 v. H. Der Goldbestand der Niederländischen Zentralbank nimmt jetzt wieder ständig zu, und es scheint, daß die Gefahren, die aus dem andauernden Goldabfluß nach den Vereinigten Staaten den europäischen Goldblockländern erwachsen, in Holland überwunden sind. Dagegen ist die Wirtschaftslage in Frankreich noch immer unübersichtlich und wenig hoffnungsvoll. Im Gegensatz zu der allgemeinen Weltwirtschaftslage steckt die französische Wirtschaft noch tief in der Krise. Die Erhöhung des Diskontsatzes der Bank von Frankreich von 3 auf 4 v. H. wird von der Pariser Presse als das klassische und erst im Sommer d. I. wieder wirksam gewesene Vorbeugungsmittel zur Bekämpfung der Spekulation geaen den Franc gewertet. Im übrigen weisen die Zeitungen mit Vertrauen auf den starken Goldbestand der Währungsbank hin. Eigentliche Währungsbedenken treten also vor den parlamentarischen Sorgen zurück. Selbst die Möglichkeit einer Gefährdung wird nur von feiten des Parlaments befürchtet, wenn der Haushaltsvoranschlag der Regierung durch die Volksvertreter in seinem Gleichgewicht gestört würde. Die radikal- sozialistische Zeitung „Repudlique" überschreibt allerdings ihren Bericht über den Goldabzug aus Frankreich: „Die Panik beginnt".
*
Geheimrat Klöckner hat kürzlich darauf aufmerksam gemacht, daß die Erholung und der Preisaufstieg an den Weltmärkten auch dem deutschen Export einen sehr willkommenen Auftrieb bringen werden. Die deutsche Binnenwirtschaft hat bisher ihren hohen Stand der Produkttonstätigkeit voll behaupten können. Aber ein Unterschied zwischen der außerordentlich lebhaften Erzeugung von Produktionsgütern und der Verbrauchswirtschaft, die mit diesem Aufstiege nicht Schritt gehalten hat, ist bestehen geblieben. Um so wichtiger ist jede Entlastung durch eine Erhöhung der Ausfuhr deutscher Waren. In einer Reihe von Industrien ist in letzter Zeit eine fühlbare Zunahme der Ausfuhr festzustellen. So ist z. B. der Export von Steinkohle, Papier, Eisen sowie von Kraftfahrzeugen in beachtlichem Maße gestiegen. Aber die Exportsteigerung muß noch wesentlich größer werden, wenn die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Rohstoffen gesichert werden soll. Solange dieses Ziel nicht er reicht ist, wird die deutsche Wirtschaftspolitik ihr Augenmerk ganz besonders auf die Förderung der Erzeugnisse inländischer Rohstoffe richten müssen, die man mit Unrecht als „Ersatzstoffe" bezeichnet. Interessante Ausführungen über Möglichkeiten und bisherige Erfolge auf dem Gebiet des Baues von Anlagen für b i e Gewinnung von synthetischen Rohstoffen enthielt der Geschäftsbericht der Barna g-Meguin AG., Berlin, einer Gesellschaft, deren langjährige Betätigung im Bau von Gaserzeugungs- und chemischen Anlagen sie befähigte, Probleme zu lösen, wie man eine Reihe von wichtigen Rohstoffen auf synthetischem Wege gewinnen kann. Bemerkenswert ist, daß sich die Erfahrungen auch im Auslandgeschäft vorteilhaft verwerten ließen: Aus mehreren europäischen Ländern sowie aus Japan erhielt die Gesellschaft Aufträge für den Bau kompletter Anlagen für chemische Fabriken, teilweise gegen starke ausländische Konkurrenz. Weitere Projekte sind in Arbeit.
*
Ueberraschung hat die Mitteilung hervorgerufen, daß der Salzdetfurth - Kalikonzern sich mit erheblichen flüssigen Mitteln an der Mansfeld AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb in Eisleben beteiligt hat und dadurch eine qualifizierte Minderheit des Aktienkapitals dieser Gesellschaft erworben hat. Aus der Eislebener Gesellschaft find vor einiger Zeit d i e Interessen am Kupferbergbau, der bekanntlich laufend Subventionen erforderte, ausgegliedert und in eine besondere Gesellschaft eingebracht worden. In ihrer jetzigen Gestalt uinsaßt sie Braunkohlen- und Erdölinteresfen, an denen also der Salzdetfurth-Konzern auf diese Weise teilnehmen will. Unter dem Gesichtspunkt der national- wirtschaftlichen Erwägungen, die heute für alle derartigen Transaktionen entscheidend zu sein haben, ist der Entschluß des verantwortlichen Leiters beider Unternehmen, die durch Generaldirektor Stahl seit kurzem in Personalunion gebracht sind, zu begrüßen, denn die flüssigen Mittel der Kaligruppe finden hier eine Anlage, die geeignet ist, der deutschen Volkswirtschaft aus dem Wege zu einer Verbreiterung der Rohstoffbasis vorwärts zu helfen. Neben der für die Treibstoffbilanz so wichtigen Erdölgewinnung ist es auch die Braunkohlenhydrierung, die man verstärkt in Angriff nehmen will. Zugleich ergibt sich für den Salzdetfurthkonzern als privat- wirtschaftliche Folge ein gewisser Risikoausgleich gegenüber der für die Kaliindustrie allgemein gegebenen einseitigen Abhängigkeit von der Landwirtschaft als Abnehmer.
*
Die deutsche Binnenwirtschaft geht in den Winter 1935/36 mit einer so geringen Zahl von Arbeitslosen, wie sie seit Jahren nicht erreicht werden konnte. Naturgemäß wird die Einstellung der Außenarbeiten auch in diesem Winter zu einem Wiederansteigen der Arbeitslosigkeit führen. Man rechnet damit, daß bann etwa 1 Million Saisonarbeitslose vorhanden sein werden. Es ist aber sehr wohl möglich, daß diese Zunahme durch einen weiteren Rückgang der konjunkturell begründeten Arbeitslosigkeit teilweise ausgeglichen werden kann. Denn die Arbeitsämter berichten, daß
in zunehmendem Maße offene Arbeitsstellen nicht besetzt werden können, weil geeignete Facharbeiter fehlen. Die Zahl der aus diesem Grunde nicht zustandegekommenen Arbeitsvermittlungen hat sich gegenüber dem Stande von 1932 etwa verzehnfacht. Ein Teil dieser freien Stellen, — so z. B. die in den Berufsgruppen „häusliche Dienste" und Gastwirtsgewerbe vorhandenen — wird vielleicht mit den infolge der Einstellung der Außenarbeiten freiwerdenden Kräften besetzt werden können.
*
In der Bauernstadt Goslar sind die Führer des deutschen Bauerntums zusammengetreten, um Rückblick und Ausschau zu halten. Wir stehen vor dem Beginn des zweiten Kampfjahres um d i e Erhöhung der Produktion aus eigenem Boden, und die in Goslar gehaltenen Reden zeugen davon, daß sich das deutsche Bauerntum der hohen Aufgabe bewußt ist, die es im Rahmen der Arbeitsschlacht zu schlagen hat. Die scharfe Ablehnung der Lebensmittelkarten ist ein Beweis für das Vertrauen, das der Bauer auch der zweit-en Phase des Kampfes entgegenbringt. Gewiß haben sich auf ernährungspolitischem Gebiet einzelne Spannungen nicht vermeiden lassen. Die Butter ist, was eine durchaus internationale Erscheinung bedeutet, kncrpepr geworden, zumal wir die Wiederbeschäftigung der Arbeitslosen naturgemäß mit einem erhöhten Verbrauch von Butter usw. bezahlen mußten. Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß diese Mehrbeschäftigung vorübergehend zu einer gewissen Knappheit an Butter und Fleisch führen werde, haben dieser Tatsache aber entgegengehalten, daß es notwendiger ist, die Erzeugungsschlacht zu schlagen, den Verbrauch also in der Landwirtschaft an industriellen Gütern zu steigern, im Maße ihrer gestiegenen Kaufkraft und daß wir dafür eine zeitweilige Verknappung ertragen müßten, bis die Gesamtlage wieder ausglichen sei. Es ist richtiger, eine Zeitlang eine gewisse Verknappung mit der Aussicht auf ihre Behebung auf sich zu nehmen, als durch ausländische Einfuhr uns zu verschulden und eine Kräftigung der deutschen Eigenerzeugung zu verhindern: Im "großen Rahmen unserer Wirtschaft wird dieses Programm auch durchgeführt. Die Erhöhung der Verkaufserlöse für die deutsche Agrarproduktion ist voll und ganz der deutschen Gesamtwirtschaft zugute gekommen. Der deutsche Bauer kann jetzt wieder Steuern zahlen und sich entschulden. Gewissen Industrien hat seine gesteigerte Kaufkraft einen Anreiz zur Mehrproduktion gegeben. So ist der Düngemittel- verbrauch allein im Wirtschaftsjahr 1934/35 um rund 65 Millionen Mark gestiegen: die Land- maschinenindustrie liegt in diesem Jahre um rund 25 v. H. über der Produktionsziffer des Vorjahres; fast dieselbe Summe ist infolge der Marktordnung der Milchwirtschaft für die Errichtung neuer Käsereien und Molkereien ausgegeben worden. Diese Summen zeigen den vorwärtsstrebenden Zug in der deutschen Bauernwirtschaft, und die kleinen Sorgen um Butter ober Schweinefleisch werden sich mit der Zeit mildern. Dafür steht aber dann die deutsche Agrarwirtschaft auf sicheren Füßen und vermag in erhöhtem Maße zu Preisen, die der Marktordnung unterliegen, zu liefern. Gegenüber diesem großen und in Angriff genommenen Ziel wiegen die augenblicklichen Sorgen leicht.
*
Die regelmäßige Zunahme der Haushaltungen, die durch eine planmäßige Bevölkerungs- politik noch gesteigert werden soll, erfordert nach den Feststellungen des Oberregierungsrats Dr. Fischer-Dieskau vom Reichsarbeitsministerium alljährlich die Erstellung von 3 0 0 0 0 0 bis 4 00000 Wohnungen. Die Herstellungskosten für jede neuerstellte Wohnung werden durchschnittlich 5000 bis 7000 Mark geschätzt. Es werden also jährlich 1,5 bis 2,1 Milliarden Mark verausgabt werden müssen, um den Wohnungsbedarf einigermaßen zu befriedigen. Die Bauwirtschaft darf daher noch für lange Zeit mit einem hohen Beschäftigungsstande rechnen. Um über die weiteren Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus Beschluß zu fassen, wurden in letzter Zeit in Berlin wichtige Besprechungen gepflogen, die zur Einberufung einer Reichswohnungskon- ferenz geführt haben. Die wichtige Aufgabe, die dem Wohnungsbau gestellt ist, erfordert die Zusammenfassung und planmäßige Lenkung aller verfügbaren finanziellen Kräfte. Der Wohnungsmarkt und der Arbeitsmarkt sind an der Lösung dieser Aufgabe in gleicher Weise interessiert.
Oer Bluisqedanke
im deutschen Bauerntum.
Die Fortsetzung der ersten Hanpttagung in Goslar.
Goslar, 14. Nov. (DNB.) Wieder war die Stadthalle bis auf den letzten Platz befetzt, als um 15.30 Uhr der Sprecher des Reichsbauernrates, Ministerpräsident a. D. Granzow, den zweiten Teil der ersten Haupttagung eröffnete. Stand der Vormittag im Zeichen der lebensnotwendigen Bedeutung und praktischen Durchführung der Erzeugungsschlacht, so galten die Vorträge des Nachmittags der Aufzeigung der weltanschaulich- rassischen Grundsätze. Die sittlichen und weltanschaulichen Kräfte des deutschen Bauerntums wurden als die unbedingte Voraussetzung für die neue völkische Lebensordnung des deutschen Volkes herausgestellt.
Reichshauptabteilungsleiter Haidn eröffnete die Vortragsreihe mit einem Vortrag über „O d a l" a l s weltanschauliche Grundlage blutsgemäßer Lebensans chauun g". Er behandelte die Notwendigkeit für den Bauern und darüber hinaus für das ganze deutsche Volk, die Reinheit des Blutes als höchstes Gut zu hüten und die gottgewollten Gesetze des Blutes und der Vererbung zu achten. Der stürmische Beifall, mit dem die Bauern iirtmer wieder diese Forderung nach Reinerhaltung des Blutes und der Raffe begleiteten, bewies, daß sie auf diesem Gebiet ebenso der Parole des Reichsbauernführers folgen wollen wie bei der Durchführung der Erzeugungsschlacht. Stürmische Zustimmung fand auch die Feststellung des Redners, daß der bäuerliche Boden für alle Zukunft der Spekulation des Geldes entzogen sei.
Als nächster Redner sprach Stabshauptabteilungs- leiter Dr., Rechenbach über „Die Erhaltung des Bluterbes". In seinen ausführlichen, durch reichhaltiges Quellenmaterial belegten Ausführungen gab der Redner eine großangelegte, geschichtliche Darstellung der Erhaltung des Bluterbes in allen Zeiten germanischer Geschichte. Er unterstrich damit äußerst wirkungsvoll die Forderung der Reinerhal
tung des Blutes, das über Sein und Nichtsein jedes Volkes entscheide.
Zum Abschluß des ersten Tages sprach Stabshauptabteilungsleiter Motz über „Bauernarbeit — und dazu noch Sport?". Der Appell des Redners an die deutschen Bauern, durch Leibesübungen einen Ausgleich für die schwere körperliche Landarbeit zu schaffen und den Körper als Träger des Blutes leistungsfähig zu erhalten, wurde eindrucksvoll unterstützt durch Vorführung rhythmischer Hebungen, die von Bauernjungen und -mädchen ausgeführt wurden, die selbst erst in einem soeben beendeten sechswöchigen Lehrgang zum ersten Male in ihrem Leben diese gymnastische Ausbildung erfahren haben. Aus den mit großem Beifall aufgenommenen Vorführungen ging klar hervor, daß die Leibesübungen des Bauern nicht Höchstleistungen, sondern allgemeine Ausbildung und Lockerung des Körpers bezwecken sollen.
Am Freitag findet eine geschlossene Sitzung des Reichsbauernrates statt, während der Tag im übrigen sitzungsfrei ist. Zahlreiche Besichtigungen von landwirtschaftlichen Betrieben im niedersächsischen Bauernland sind vorgesehen.
Ein neuer Auio-Typ.
Die Firma Opel kündet einen neuen Personen- wagentyp mit 1,1-Liter-Motor, den „Opel P 4" an. Die Wagenkonstruktion ist aus dem 1,2-Liter-Typ heraus entwickelt — fein Preis von 1650 M k. ist nur durch die Herstellung ganz großer Serien — über 100 000 Stück von einem einzigen Modell — möglich. Nur der in solchen großen Auflagen hergestellte Serienwagen ist im Stande, immer weiteren Volksschichten die Motorisierung zu ermöglichen. 5250 Mark bezahlte man- vor zehn Jahren für eine 4-P8-Lirnousine unvergleichlich geringerer Leistung. Ohne diese Preisentwicklung wäre Deutschlands Motorisierung nie verwirklicht worden. Um die Gefolgschaft von 18 000 Mann auch in diesem Winter in Arbeit zu halten, werden die Preise der übrigen Personenwagen-Typen, neuartig gestaffelt, herabgesetzt. 8 v. H. weniger kostet der Wagen, der zwischen dem 15. November und 14. Dezember gekauft und zugelassen wird. Zwischen dem 15. Dezember und dem 14. Januar beträgt die Preissenkung 6 v. H., zwischen dem 15. Januar und dem 14. Februar 4 v. H. Ab 15. Februar treten die alten Preise in Kraft. Diese Preisstaffelung gilt für sämtliche .Opel-Personenwagen-Typen (Olympia, 1,3 Liter und 2 Liter 6 Zylinder) mit Ausnahme des neuen „P 4", dessen Preis konstant bleibt.
Die ersteSihung des Landeskrrchenrats Nassau-Hessen.
Darmstadt, 14. Nov. (LPD.) Der vom Herrn Reichsminister Kerrl neuernannte Landeskirchenrat trat, wie bereits kurz berichtet, am Dienstag, den 12. November, zu seiner er st en Sitzung zusammen. Er gab sich seine Geschäftsordnung und ,berief Herrn Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf tum Dorsitzenden, Herrn Oberkirchenrat Dr. M ü l- l e r zum stellvertretenden Vorsitzenden und Herrn Dekan Sch ä f e r zum Schriftführer. Etliche dringende Notstände im kirchlichen Leben wurden im Sinne der Befriedigung entschieden. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt. Die Mitglieder des Landeskirchenrats sind: Pfarrer von B e r n u s (Wiesbaden), Rechtsanwalt B u ß m a n n (Frankfurt a. M.), Landesbischof Lic. Dr. Diet - r i ch (Darmstadt), Präsident Kipper (Darmstadt), Freiherr von Krane (Wiesbaden), Pfarrer Lenz (Münzenberg, Oberh.), Oberkirchenrat Dr. Müller (Darmstadt), Dekan Schäfer (Michelstadt, Odenw.), Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf (Bingenheim, Oberhessen).
Kunst und Wissenschaft.
Oie Nobelpreise.
Der Nobelpreis für Literatur wird in diesem Jahr nicht zur Verteilung gelangen. Er wird jedoch für eine etwaige Verteilung im Jahre 1936 z u r ü ck g e st e l l t.
Der Nobelpreis des Jahres 1935 für Physik wurde Professor Chadwick in Cambridge verliehen. Der Nobelpreis des Jahres 1935 für Che- m i e wurde Professor Ioliot - Paris und seiner Gattin Curie-Joliot verliehen. Der Träger des Nobelpreises für Physik für das Jahr 1935, James Chadwick, war bisher Professor in Cambridge, ist aber gerade zum Professor in Liverpool ernannt worden. Er erhielt den Preis für die Entdeckung des Neutrons. Diese Entdeckung war das Ergebnis von Untersuchungen über gewisse Erscheinungen hinsichtlich der durchdringenden Ausstrahlung des Berylliums. Diese Ausstrahlung wurde in reiner Form zuerst von B o t h e und Becker festgestellt. Die Ent- deckung Chadwicks steht auch mit der Entdeckung des Ehepaares Curie und Joliot über den sogenannten Proton-Strom im Zusammenhang, der die erwähnten Ausstrahlungen hervorbringt. Chadwick ist im Jahre 1891 geboren.
Wetterbeiicht
des Reichswetterdienfles. Ausgabeort Frankfurt.
Der von dem osteuropäischen Hochdruckgebiet bis nach Frankreich sich erstreckende Ausläufer befindet sich in raschem Abbau. Dabei setzte sich zunächst auf- hetterndes Wetter noch fort, so daß es in der Nacht zum Freitag infolge kräftiger Ausstrahlung zu stärkerer Abkühlung und vielerorts zu Nebel- oder Hochnebelbildung kam. Mit verstärkter Nebelbildung hat sich auch bei uns wieder mehr wechselhaftes Sßetter eingestellt, doch ist anderseits eine stärkere Einflußnahme der Tiefdruckausläufer auf unser Wetter vorerst unwahrscheinlich.
Aussichten für Samstag: Zunächst nebelig und bewölkt mit Regenneigung, dann mehr veränderlich bewölkt mit zeitweiliger Aufheiterung bei lebhaften südlichen und südwestlichen Winden ausgeglichene Temperaturen.
Lufttemperaturen am 14. November: 9,8 Grad Celsius, abends 0,6 Grad; am 15. November: morgens —,0 3 Grad. Maximum 10,5 Grad, Minimum — 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. November: abends 5,3 Grad; am 15. No- oember: morgens 3,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm ßange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 PL Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehL Cinzelverkausspreis 10 Pf. und Samstags 15 Ps^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zett ist PktztSttstL Nr. 3 1-fhmi 1Q3H


