Oer Ginn des BOM.-Gportiages.
^Wir haben deshalb unsere Pflicht zu tun/
uns kommt, aufwachsen in unserer Fannllen- oemeinschaft, wird gesund und stark und frei sein. So nur wird Deutschland ein Staat und Volk, das harten Zeiten und Stürmen trotzt, und festtzefug, gesund bis ins innerste Mark, seine Stellung tn Welt behauptet. „Wir haben deshalb unsere Pflicht
„3m DdM. wächst die nächste Frauen- und Müttergeneration unseres Volkes heran! So wie wir unsere Mädel formen, so wird das Gesicht der Familie von morgen sein. Unser Land braucht aufrechte, stolze, gesunde Frauen. Wir haben deshalb unsere Pflicht zu tun."
Diese Worte hat unsere Reichsreferentin Trude Mohr dem Sporttag aller Bd M.- Mädel 1 935 vorangestellt. Sie geben den Sinn und die Bedeutung dieses Tages.
Richt ein Fest ist der Sporttag des BbTlU an dem Höchstleistungen einzelner gefeiert werden sollen, nein, als Gemeinschaft fest gefügt, zeigen wir an diesem Tage einen Teil unserer Arbeit, zeigen wir den Weg, den wir eingeschlagen haben und den wir ernst und gerade gehen; den Weg, der uns zu wirklichen Garantien einer deutschen Zukunft werden läßt.
Die Familie ist die Zelle des Staates, ist der Grund, auf dem ein gesundes Volk aufwächst. Wie die Fa - m i l i e, so das V o l k und der S t a a t. Wir Madel werden einmal das Gesicht dieser Familie bestimmen. Sind wir stolz und aufrecht, sind wir gesund und widerstandskräftig, trotzen wir stark und fest allen Widerständen, so wird auch die Generation, die nach
zu tun!
Der 1. September wird für uns Wade! aus Hessen-Nassau ein neuer Auftakt zu ernster Arbeit sein. An diesem Tage wollen wir zeigen, was bisher geleistet wurde, wie der Weg und welches das Ziel ist. An diesem Tage wollen wir zeigen, daß unser Sport nicht Spiel ist, um müßige Zeit totzuschlagen; wir wollen zeigen, daß unser Sport nicht Selbstzweck, sondern Arbeit an der Zukunft ist. Lang ist der Weg, der noch vor uns liegt, wir haben den Wut, anzupacken, und wollen schaffen und unsere Pflicht tun.
Wir reden nicht gern von dem, was wir wollen und was wir tun. Wir wollen nicht durch Worte, sondern durch Taten überzeugen. Darum bitten wir alle Eltern, alle Volksgenossen, am 1. September b e i uns zu sein und ein Stück unserer Arbeit zu sehen.
Oer Naturschutz im Rahmen -er Fewbereinigung.
^LPD.) Es ist leider Tatsache, daß von einzelnen Naturschutzfanatikern immer wieder die Behauptung verbreitet wird, daß durch die Feldberei- n i a u n g und die damit verbundenen Maßnahmen das Landschaftsbild „verschandelt", alle Nistgelegenheit der Vögel beseitigt und durch die gradlinige Weaesührung die Landschaft ein naturwidriges Gepräge erhalte.
Es soll und kann nicht bestritten werden, daß die Entwicklung der Landwirtschaft und das hohe Ziel der Reichsregierung, die Ernährung des Volkes auf eigener Scholle sicherzustellen, zu Maßnahmen zwingt, die allen denen unverständlich erscheinen, die sich mit dem tieferen Sinn und der ungeheueren Tragweite dieser Arbeiten, die hierfür in Frage kommen, nur wenig oder gar nicht befaßt haben.
Wohl allen Lesern ist das hessische Ried bekannt, aber nur wenige wissen, daß dort Tausende von' Morgen bestens Bodens liegen, die durch stauende Nässe überhaupt keinen, oder nur einen sehr geringen Ertrag an minderwertigem Futter brachten. Wie ganz anders ist dies jetzt schon zum Teil geworden durch die großzügigen Maßnahmen der hessischen Regierung, die im Rahmen des Meliorationsarbeits- und Siedlungsprogramms durchgeführt werden, und die schon heute jeden einstigen Zweifler und Besserwisser klar erkennen lassen, daß nach der Durchführung der fraglichen Arbeiten auf deutschem Boden Neuland gewonnen ist, das Hunderten von Volksgenossen zu einer Existenzmöglichkeit berhilft.
Trotz dieser ausgedehnten, umwälzenden Arbeiten ist es im Zusammenarbeiten mit den amtlichen Vertretern des Naturschutzes aber auch im Ried gelungen, das Gepräge der dortigen Landschaft zu erhalten. Gewiß mußten durch die Entwässerungsanlagen vielfach Hecken und Wildbäume verschwinden, aber überall war es möglich, charakteristische Baumgruppen zu erhalten, oder durch Anpflanzung von Obst- und Wildbäumen an geeigneter
Stelle die Landschaft noch mehr als seither zu beleben.
Aehnlich liegen die Verhältnisse in Ober- Hessen; dort haben, obschon 75 v. h. der landwirtschaftlich genutzten Fläche bereits bereinigt sind, im Zuge des INeliorationsarbeits- und Siedlungsprogramms, besonders in dem nördlichen Teile der Provinz, die Feldbereinigungsarbeiten einen ungeahnten Auftrieb bekommen, so daß Hunderte von Volksgenossen wieder Arbeit und Brot erhalten werden. Wenn auch da durch die ausgedehnten und herrlichen Waldungen die Schaffung von Wild- und Vogelschuhgehölzen nicht d i e Bedeutung erhält, wie im Ried und besonders in Rheinhessen, so wird im Benehmen mit den zuständigen Vertrauensleuten des Naturschutzes es auch hier möglich sein, die eigenartige Schönheit des Landfchaftsbildes zu erhalten, oder nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Vielfach aber werden auch, besonders in den Hochlagen des Vogelsberges, durch Schaffung von Waldstreifen als Windschuhanlagen die meteorologischen Verhältnisse eine wesentliche Besserung erfahren und damit eine Ertragssteigerung der Scholle erreicht werden. Gleichzeitig wid damit eine weitere Belebung der Landschaft verbunden sein.
Aber auch nach Rheinhessen haben in gewaltigem Ausmaße die Feldbereinigungs- und die damit verbundenen Meliorationsarbeiten übergegriffen, und zur Zeit ist in sämtlichen Gemarkungen des Kreises Worms und in vielen Gemarkungen der Kreise Bingen, Alzey und Oppenheim das Verfahren im Gange, also gerade in einem Teil unserer Heimat, der durch die besonderen bodenkundlichen und klimatischen Verhältnisse und die dadurch bedingte intensive Landwirtschaft und den Weinbau nur noch an vereinzelten, wenigen
Wir sanden zueinander.
Vornan von Klothilde v. Giegrnann.
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28 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Furchtlos sah.sie ihn an. Zn ihm brannten Zorn und Schmerz immer wilder. Denn selbst in diesem Augenblick mußte er sich gestehen, wie hinreißend schön Marlen aussah, mit den ernsten, grauen Augen in dem schönen, reinen Gesicht. Hätte sie geweint, gejammert, hätte sie ihn um Verzeihung angefleht — alles hätte ihn nicht so zum besinnungslosen Zorn gereizt wie diese stolze Haltung einer Schuldigen. Es trieb ihn, sie immer weiter zu verletzen, zu quälen.
-Das klingt ja sehr großartig", warf er ihr höh- nisch ins Gesicht. „Du glaubst wohl, du kannst auf meine Großmut in bezug auf die pekuniären Dinge rechnen? Aber da kannst du dich getäuscht haben. Ich denke gar nicht daran, dir noch weiter die große Rente zuzubilligen, die du bisher bezogen hast. Ich werde ..."
„Genug!" schrie Marlen auf. Ihre sanfte Stimme war jetzt dunkel und hart. „Genug, ich brauche dein Geld nicht! Nicht einen Pfennig nehme ich mehr von dir! Noch heute werde ich Auftrag geben, daß alles, was noch auf meinem Konto ist, Herrn Iustizrat Niemann überwiesen wird. Der mag es dir dann zustellen. Und was ich bis jetzt verbraucht habe — ich schwöre es bei Gott —, du bekommst es wieder auf Heller und Pfennig."
Und nun war f i e es, die sich umwandte und ihn stehenließ. Hoch aufgerichtet ging sie durch den bunten Vlumenweg. Jetzt war sie an dem kleinen Sommerhäuschen. Nun schlug die Tür zu. Er sah sie nicht mehr.
Dietrich atmete auf. Vorbei!, dachte er. Aber merkwürdig, es war kein Empfinden der Befreiung. Es war alles in ihm so leer und tot. Nicht Trauer, nicht Freude — es war ein leeres Nichts!
Am Abend saß Dietrich im Zuge nach Locarno. Seine Reise dorthin war eigentlich zwecklos. Sein und Marlens Geschick hatte sich ja bereits entschieden. Aber er glaubte es Karla und Doktor Lang- gisser schuldig zu sein, sie darüber aufzuklären. Zwar würde er damit das Glück der beiden trüben müssen. Aber nur so konnte er sie ja überzeugen, daß all ihre Versuche vergeblich waren, ihm Marlen in einem andern Lichte zu zeigen.
Es war der große internationale Fern-D-Zug Berlin—Rom, den er benutzte. Ein Schlafwagenabteil hatte er sich bereits von dem Hotelportier bestellen lassen. Es war das letzte, das er bekam. Der ganze Zug war vollbesetzt. Mühsam fand er im Speisewagen einen Platz an einem Tisch, an dem zwei Herren im eifrigen Gepräch saßen. Er
verbeugte sich kurz und vertiefte sich dann in feine Lektüre.
Die beiden Herren unterhielten sich lebhaft. Der eine von ihnen svrach ein breitgequetfchtes amerikanisches Englisch, der andere deutsch mit einem kleinen amerikanischen Tonfall. Forschend sah er hin und wieder zu Dietrich herüber und versuchte nun, mit ihm in ein Gespräch zu kommen.
„Fahren Sie nach Italien?" fragte er und wies auf das Reisehandbuch Dietrichs. Er hatte deutsch gesprochen.
„Möglich!" sagte Dietrich kurz. Er liebte es nicht, unterwegs Reisebekanntschaften zu machen. Der andere aber ließ nicht locker.
„Wir reifen das erste Mal nach Italien", meinte er. „Mein Freund ist aus Amerika herübergekommen, um einen Trip durch Europa zu machen."
„O yes", antwortete der andere, „Germany, Italia. Do you know America?"
Als Dietrich kurz nickte, fragte er weiter:
„Do you speak English?';
„Ja", sagte Dietrich noch ablehnender.
Zum Teufel nochmal, was wollten diese beiden von ihm! Sie konnten doch allmählich begreifen, daß er nicht Lust hatte, sich in eine läppische Unterhaltung einzulassen.
„Oh, dann bitten mir um Entschuldigung", sagte der Deutschsprechende. Ueber sein mageres Windhundgesicht mit den kleinen, tiefliegenden Augen ging etwas wie ein befriedigtes Lächeln. Und plötzlich begann er mit feinem Begleiter portugiesisch zu sprechen.
Dietrich lächelte. Aha, die beiden hatten nur herausbekommen wollen, ob er sie verstehe! Nun, er brauchte es ihnen ja nicht auf die Nase zu binden, daß er auch portugiesisch sprechen konnte. Er war ja lange genug in Südamerika gewesen und konnte Spanisch sowie Portugesisch.
Aber mochten die beiden reden, was sie wollten, es interessierte ihn nicht. Er aß und vertiefte sich dabei weiter in sein Reisehandbuch. Plötzlich merkte er auf. Das Gespräch begann ihn doch zu interessieren. Die beiden redeten da über landwirtschaftliche Dinge.
Gespannt hörte er zu, ohne jedoch sein Interesse zu verraten.
„Also die Entgiftung der Lupine ist wirklich ge- jungen?" fragte der Amerikaner, ein breiter Mann mit einem listigen, groben Gesicht. Der an- oere, der Dietrich deutsch angesprochen hatte, nickte lebhaft mit dem Kopfe.
„Jawohl! Es sind keine Versuche mehr nötig. Das heißt, ich habe dem dummen Kerl weisgemacht, daß wir in Südamerika ganz große Lupin'enpflan- zungen anlegen wollten, um das neue Verfahren endgültig auszuprobieren. Ich habe ihm gesagt, wir wollten heute zusammen von Hamburg aus nach Amerika reifen, John."
Der mit John Angeredete lachte:
Stellen bas Gepräge der Urkandschast erkennen lc^ßt.
Diese wenigen Zeugen aus alter Zeit, wenn äußerst möglich, zu erhalten, ist natürlich eine Ausgabe, die von den ausführenden Organen klar erkannt ist, schon deshalb, weil durch die lange Tätigkeit in Gottes freier Natur mehr als bei vielen Berufsgruppen eine ausgeprägte Naturverbundenheit und Liebe zur Natur vorhanden ist.
Es wird leider bei den geplanten Regulierungen des Pfrirnrn und Eisbaches, deren Durchführung durch die besonderen Verhältnisse zwangsläufig geboten ist, allerdings mancher Wildbaum der Art zum Opfer fallen und manche malerische Bachschlinge verschwinden müssen, aber durch Neuan- pftanzung geeigneter Wildbäume an den neuen Bachläufen, wie dies schon in der Gemarkung Monsheim geschehen ist, wird das Landschaftsbild nur vorübergehend beeinträchtigt werden. Aber auch in klarer Erkenntnis der Notwendigkeit von geeigneten Gehölzen für Wild- und Vogelschutz ist überall da, wo die Verhältnisse dies gestatten und Gelände zur Verfügung steht, das nur einen geringen landwirtschaftlichen Wert hat, Neuanlage oder Ausbau schon vorhandener Gehölze vorgesehen, und gerade in der näheren Umgebung von Worms wird da großzügige Arbeit geleistet werden. Es ist im Rahmen dieser Ausführungen nicht möglich, auf Einzelheiten einzugehen, aber doch dürfte es von allgeme-inem Interesse sein, zu erfahren, welche größeren Anlagen des Natur- und Vogelschutzes
durch die Feldbereinigung
zur Durchführung kommen. Ein beliebter Ausflugsort ist Heppenheim a. d. Wiese, insbesondere wegen seiner malerischen Lage in Verbindung eines ungefähr 30 Morgen aroßen Gehölzes, das sich von Osten nach Westen auf einer Schotterterrasse des Eisbaches als Nordhang erstreckt. Eine ähnliche Terrasse befindet sich in der Gemarkung Abenheim, an der Gemarkungsgrenze mit Herrnsheim beginnend, die in gleicher Richtung als Nordhang durch die Gemarkungen Mörstadt und Nieder-Flörsheim verläuft und an der
Straße Monsheim—Nieder-Flörsheim endet. Auch in den zuletzt genannten Gemarkungen sind die vielfachen Raine mit Hecken und Gehölz bestanden, und die dazwischenliegenden Ackerstücke bringen keinen nennenswerten Ertrag. Leider sind in der Gemarkung Nieder-Flörsheim, trotz ausgesprochener Nordlage, Teile dieses Hanges zu Weinbergen gerodet worden, leider, denn sonst hätte sich ein nahezu zusammenhängender Gehölz- und Grünlandgürtel von etwa sieben Kilometer Länge erreichen lassen. Die genannten Gehölze befinden sich überall in Privatbesitz, sind forsttechnisch vielfach kaum als Gehölze anzusprechen, aber immerhin gilt es, diese sofort vor der Abholzung und weiterer Verwüstung zu schützen.
Die in Frage kommenden Vollzugskommisstonen der betreffenden Gemeinden zeigten weitgehendstes Verständnis für die Belange des Naturschutzes, und so konnte mit sofortiger Wirkung auf Grund des Feldbereinigungsgesetzes jede Abholzung unter Androhung hoher Strafe unterbunden werden. Aber da diese Gehölze nicht nur erhalten, sondern nach Möglichkeit erweitert und ausgebaut werden sollen, ist die spätere Ueberroeifung der fraglichen Flächen an die Gemeinde geboten, denn nur hierdurch ist ihre dauernde Erhaltung, Pflege und weiterer Ausbau gewährleistet. Eine wesentliche Vergrößerung in der Gemarkung Heppenheim a. d. Wiese und Nieder-Flörsheim scheidet, durch die besonderen Verhältnisse bedingt, aus, aber in der Gemarkung Abenheim wird sich immerhin eine zusammenhängende Gehölzfläche von rund 80 Morgen, und anschließend in der Gemarkung M ö r st a d t eine solche von rund 60 Morgen ermöglichen lassen, so daß dort eine geschlossene Gehölzfläche von rund 140 Morgen entstehen wird.
Es werden so Anlagen geschaffen, die nicht nur zur Erhaltung unserer Fauna, besonders in unserem Gebiete, notwendig sind, sondern die auch im Interesse der Bevölkerung erwünscht, späterhin als Zierde der Landschaft das Ziel vieler Volksgenossen
sein werden und gleichzeitig lebendiges Zeugnis dafür, daß die Feldbereinigung auch ideelle Werte zu fördern weiß.
er bekommt die Abwrackprämie?
Ausführungsbestimmungen des Reichsverkehrsministers.
Zu der Abwrackverordnung für das Kraftdroschkengewerbe vom 2. August d. I. erläßt jetzt der Reichsverkehrsminister nähere Durchführungsbestimmungen, die den Genehmigungsbehörden Anhaltspunkte für die Gewährung von Entschädigungen an diejenigen Kraftdroschkenbesitzer in die Hand geben, die mit dem 30. September d. I. ihre Kraftdroschken stillegen. Der Minister bemerkt hierzu, daß eine Entschädigung nur dann in Betracht kommt, wenn der Unternehmer das K r a f t d r o s ch- kengewerbe als Ganzes aufgibt oder wenn ihm die Genehmigung zur Ausübung von Kraftdroschkenoerkehr gänzlich versagt wird. Werden nur einzelne Kraftdroschken stillgelegt oder eine geringere Zahl von Fahrzeugen (Droschkennummern) genehmigt als bisher in Betrieb war, so kann eine Entschädigung nicht gewährt werden.
Ein Rechtsanspruch auf die Entschädigung besteht auch dann nicht, wenn sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind. Der Verkehrsminister hält es aber für elbstverständlich, daß insbesondere zwangsweise aus» cheidenden Unternehmern in allen Fällen eine Ent- chädigung zuerkannt wird, sofern sie der Verordnung entsprechen. Bei der Gewährung von Entschädigungen an freiwillig ausscheidende Unternehmer soll darauf Bedacht genommen werden, daß die Zahl der Unternehmer oder der Kraftdroschken nicht unter das verkehrswirtschaftlich notwendige Maß sinkt. Melden sich mehr Unternehmer zum freiwilligen Ausscheiden, als es den
Bedürfnissen des Verkehrs entspricht, so sind vorzugsweise die Anträge älterer, kranker oder sonstwie an der Ausübung des Berufs behinderter Unternehmer sowie von Ehefrauen zu berücksichtigen.
Der Verkehrsminister weist ferner besonders darauf hin, daß das in der Abwrackverordnung auf zehn Jahre befristete Genehmigungsverbot (wonach Unternehmer, die eine Entschädigung erhalten haben, auf zehn Jahre die gewerbsmäßige Beförderung von Personen in Kraftwagen nicht genehmigt werden darf) sich nicht nur auf den Kraftdroschkenverkehr, sondern auf jede gewerbliche Personenbeförderung mit Kraftfahrzeugen erstreckt. Diese Vorschrift gilt auch für zwangsweise ausscheidende Unternehmer. Wird eine Entschädigung gewährt, so sind die Genehmigungsurkunden, Droschkennummern und dergleichen einzuziehen.
Die Anträge auf Entschädigung sind bis spätestens 31. August d. I. bei der zuständigen Polizeibehörde zu stellen.
Zum Schluß betont der Reichsverkehrsminister, daß das ganze Verfahren möglichst rasch durchgeführt werden soll, um die verkehrswirtschaftlichcn Ziele zu erreichen, die mit der Verordnung erstrebt werden. Das gilt in erster Reihe für die Erledigung der Anträge freiwillig ausscheidender Unternehmer; deren Behandlung muß so gefördert werden, daß die Entschädigungen spätestens am 1. Oktober d. I. ausgezahlt werden können.
„Das scheint mir aber nicht der Weg nach Amerika, den wir hier machen, Bill."
„Scheint mir auch. Wird ein erstauntes Gesicht machen, der gute Mann, wenn er im Hamburger Hotel vergebens auf mich wartet. Er braucht mich, aber ich brauche ihn nicht. Die Probe habe ich nämlich in der Tasche. Ein Millionengeschäft, John! Wir sind aus den Sorgen heraus. Was meinst du, was uns Amerika für diese Erfindung zahlt?"
„Na, dann wollen wir erst mal darauf eine ordentliche Pulle leeren", sagte John und winkte dem Kellner.
Da traf sein Blick Dietrich. Der hatte zitternd vor Erregung zugehört. Was für ein Gespräch hatte er da belauscht? Diese beiden Gentlemen waren offenbar zwei ausgekochte Schurken, die irgendeinen anständigen Menschen um die Früchte feiner Arbeit prellen wollten.
Die Entgiftung der Lupine? Er wußte, was das volkswirtschaftlich bedeutete. Millionen konnte man damit für ein Volk gewinnen. Wer war dieser Mann, von dem diese beiden Halunken geredet? Vielleicht ein Deutscher? Er überlegte angestrengt. Man mußte eingreifen, mußte die Polizei benachrichtigen, ehe diese Schurken da außer Landes waren.
Eine fieberhafte (Erregung war in ihm. Hastig stand er auf. Er mußte den Zugführer sprechen.
„Oh, Sie wollen schon schlafen gehen?" fragte der Deutschamerikaner.
Da verriet sich Dietrich. Er antwortete nicht, er streifte den Fragenden nur mit einem so drohenden Blick, daß der zusammenzuckte.
Er wandte sich ab und ging schnell aus dem Speisewagen. Er lief fast durch die Gänge des Zuges, stieß an Menschen, stolperte über Koffer, die noch nicht in den Abteilen verstaut waren, aber er kümmerte sich nicht darum.
„Wo finde ich den Zugführer?" fragte er hastig den Schaffner, der ihm entgegenkam.
„Was soll's denn, Herr?"
„Fragen Sie nicht, bringen Sie mir lieber den Zugführer! Hier im Zuge sind ein paar Verbrecher. Ich habe sie belauscht. Wir müssen sie fassen.."
„Na, da kommen Sie mal!"
Der Schaffner ging eilig neben Dietrich durch die Gänge. Es war ein langer Zug. Es dauerte eine Weile, ehe sie im Zugführerabteil angelangt waren. In kurzen Worten verständigte Dietrich von Veltheim den Beamten. Der macht» ein bedenkliches Gesicht:
„Alles schön und gut, Herr. Auf welche Legitimation soll ich denn da was unternehmen? Wenn das nicht stimmt, was Sie vermuten, dann sitze ich eklig in den Nesseln."
„Auf meine Verantwortung werden Sie handeln!" verlangte Dietrich gebieterisch. „Wir dürfen die beiden nicht laufen lassen. Es kann unermeß
licher Schaden für das Vaterland entstehen — wir müssen etwas unternehmen."
„Na, dann wollen wir erst einmal die beiden Herren verhören", entschied der Zugführer. Er eilte mit Dietrich den Weg zurück in den Speisewagen.
Der Platz der beiden Amerikaner war leer. Der Speisewagenkellner erklärte, sie hätten unmittelbar nach Dietrich den Raum verlassen. Man durchsuchte den ganzen Zug. Es war keine Spur von den beiden zu entdecken. Sie mußten auf einer Station, auf der der Zug inzwischen gehalten, ihren Wagen verlassen haben.
„Die kriegen wir schon", sagte der Zugführer zuversichtlich. „Wir haben ja Zugtelephon hiex. Ich mache sofort Meldung an die nächste Station. Von dort aus geht die Meldung weiter an das Polizeipräsidium Berlin. Die beiden werden uns schon nicht entkommen."
, Sehr nachdenklich fuhr Dietrich weiter. Er zog sich in sein Schlafwagenabteil zurück. Es war schon spät geworden, aber es gelang ihm nicht, zu schlafen. Das Gehörte hatte ihn zu sehr bewegt. Sogar der Gedanke an Marlen trat in den Hintergrund. Endlich aber schlief er doch ein.
22. Kapitel.
Als er erwachte, lagen die Berge der Schweiz mit ihren schneebedeckten Spitzen und ihren grünen Matten im ersten Morgenglanz vor ihm. Immer weiter fuhr der Zug durch dunkle Tunnels, über Brücken, unter denen glasiges Bergwasser schäumte, an schroffen Felsenhängen vorbei. Dann kam der Tunnel von Airolo. Und dann war die Welt verändert. Südliche Landschaft breitete sich in voller Pracht aus. Die ersten blauen Seen des Tessin schimmerten. Auf den Stationen hörte man neben Deutsch schon die weichen Leute des Italienischen.
Endlich fuhr der Zug in Locarno ein. Dietrich beugte sich aus dem Fenster. Er sah schon von weitem in der hellen Sonne Karlas zierliche Gestalt in einem weißen Kleide, neben ihr Langgisser
Herzlich begrüßte er die beiden. Forschend sah Karla in Dietrichs Gesicht. Wie elend er aussah! Auch Langgisser war mit Dietrichs Aussehen nicht zufrieden.
„Ich glaube, Sie sind mir als Patient zu schnell davongelaufen, lieber Graf. Von der schönen (Er- holung steht auf Ihrem Gesicht nicht mehr viel geschrieben.
Dietrich zuckte müde die Achseln:
„Es liegt auch zuviel zwischen dem Damals und dem Heute, Doktor."
Langgisser und Karla sahen sich bedeutungsvoll an.
„Es ist Zeit, daß du hergekommen bist, Dietz!" Karla druckte herzlich die Hand des Freundes, der jetzt neben ihr im Wagen saß, während Doktor
-rr ihr gegenüber Platz genommen hatte, ntuffen uns gründlich aussprechen, bann wird alles besser werden." (Forts, folgt.)


