Pflicht der Führer des Handwerks, der Meister und der Gesellen- und Lehrlingswarte ist es, gemeinsam mit den Beauftragten der Deutschen Arbeitsfront die Heranwachsende Jugend des Handwerks in wahrhaft nationalsozialistischem Geiste zu tüchtigen, kraftvollen deutschen Handwerkern zu er- zieyen, ihren Blick über die Arbeit des Alltags hinaus auf ihre Pflichten und Aufgaben als Deutsche und Nationalsozialisten zu lenken. Gesetze und Regierungsmaßnahmen helfen dem Handwerk nur, wenn sie Widerhall im Herzen jedes einzelnen finden und ihm den Willen zur Selbsterziehung, zur Leistungssteigerung und unermüdlichen nationalen Aufbauarbeit erwecken. Jeder deutsche Handwerker, Meister, Geselle und Lehrling muß es als seine heilige Pflicht ansehen, in seiner Arbeit in der Werkstatt, in seiner Organisation und in völkischem Denken und Handeln sein bestes für Deutschlands Zukunft zu tun.
Die Aufbauarbeit fordert manches Opfer an Zeit und Geld vom Handwerker. Er kann sie um so sreudiaer geben, als er sieht, wie die nationalsozialistische Staatsführung alles tut, um dem Handwerker im Rahmen des nationalen Arbeits- beschaffungsproaramms zu Arbeit und Brot zu verhelfen. Das Bau- und Ausbaugewerbe hat einen bedeutungsvollen Aufschwung genommen durch die vielseitigen Maßnahmen des Staates zur Hebung der Bautätigkeit. (Gewährung von Zuschüssen für Jnstandsetzungsarbeiten, Reichsbürgschaften für Wohnungsbauten, Steuerermäßigungen usw.) Durch den Bau .ber Reichsautobahnen finden zahlreiche Handwerksbetriebe auf lange Zeit hinaus lohnende Beschäftigung. Don großer Bedeutung für die weitere Besserung der wirtschaftlichen Lage des Handwerks ist die Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit und der Wiederaufbau unserer Wehrmacht, wenngleich auch im Handwerk unserer hessischen Heimat, die zum größten Teil der entmilitarisierten Zone angehört, diese Auswirkung nur in beschränktem Maße eintreten kann. Immerhin sind auf dem Wege über die Lieferungsgenossenschaften dem Schneider-, Schuhmacher- und Sattlerhandwerk sowie einzelnen anderen Handwerkszweigen Hessens größere Aufträge zugeflossen.
Weitere Aufgaben ergeben sich für das Hanb- werk durch die Pläne des Reichsnährstandes hinsichtlich der Silo-Bauten für Futtermittel, für die in Hessen zunächst eine Bausumme von 300 000 bis 350 000 Mark vorgesehen ist. Der Silobau wird auch in den folgenden Jahren durch den Reichsnährstand eine kräftige Förderung erfahren.
Die Hilfeleistungen des Staates für das Handwerk durch ArbeitsbesHaffungsmaßnahmen haben eine wirkungsvolle Ergänzung gefunden durch eine großzügige Selbsthilfe des Handwerks in Gestalt der Gründung der Reichszentrale für Handwerkslieferungen E. G. m. b. H., die am 1. Februar 1935 stattfand. Die Reichszentrale verteilt in gerechter Weise die Reichsaufträge an die Lieferungsgenossenschaften, die den verschiedenen Handwerkszweigen die Möglichkeit geben, bei der Vergebung größerer, insbesondere staatlicher Aufträge, wettbewerbsfähig aufzutreten. Den Innungen wird die Aufgabe zu- fallen, durch Beteiligung an den Lieferungsgenossen- schasten eine zielbewußte Arbeitsbeschaffungspolitik für ihre Jnnungsmitglieder durchzuführen. Diese Selbsthilfe des Handwerks auf dem Wege des Genossenschaftswesens, die zur Zeit noch in den Anfängen steht, wird für die Zukunft von größter Bedeutung sein; sie ist von vornherein auf die Dauer berechnet, während die staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen naturgemäß nur von vorübergehender Dauer sein werden.
Es würde zu weit führen, die viele bereits geleistete und noch zu leistende Arbeit für das Handwerk im einzelnen zu schildern; es seien erwähnt Vergebung öffentlicher Aufträge an das Handwerk, Kreditbeschaffung, Finanzierung von Siedlungsbauten durch die Treubau AG., Errichtung von Gewerbeförderungsstellen zur Unterstützung der selbständigen Handwerker in allen Fragen der technischen und kaufmännischen Betriebsfuhrung, Einführung von Gütezeichen, nach denen die Güte
Wamm verkennst du mich, Barbara?
Roman von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
10 Fortsetzung. Nachdruck verboten l
Barbara ging mit ihrem federnden Schritt durch die Halle über die Terrasse in den Garten. Sie liebte es, vor dem Frühstück noch einen kleinen Rundgang zu machen. Die bittere Unruhe des gestrigen Tages war von ihr gewichen. Sie fühlte nichts als die wundersame Schönheit dieses Som- mermoraens. So ging sie, hier und da sich zu einem Blumenbeet herniederneigend, wie um die duftende Schönheit der Blumen in sich hineintrinkend — jetzt wieder stehenbleibend, um das Sonnenlicht auf einem der kunstvoll angelegten Baumgruppen zu bewundern. Wie herrlich das tiefe Rotbraun der Blutbuchen zu dem ernsten Silbergrün der Edeltannen stand! Der Rasen war wundeÄar gepflegt. Er gab in seiner samtigen Dichte englischen Rasenflächen nichts nach. Ein leiser Wind ging. Hier und da löste sich von den Kastanien eine Blüte und segelte leise durch die blaue Luft hernieder.
Barbara sah sich um. Wo mochte Magdalena sein? Vielleicht wieder auf ihrem Lieblingsplatz am Wasser? Schnell ging sie über den Rasen, der jeden Schritt dämpfte.
Da blieb sie plötzlich stehen. Ihr Herz tat einen wilden, jähen Schlag. Sie sah Magdalena. Aber sie war nicht allein. Neben ihr saß Eckehard von Mackenroth. Die beiden hörten sie nicht kommen. Sie schienen ganz in ihre Unterhaltung versunken. Mackenroth reichte eine Blume nach der andern Magdalena herüber. Dabei sah er bewundernd auf das duftige Kunstwerk, zu dem Magdalenas geschickte Hände die einfachen Wiesenblumen fügten. Es war Barbara, als berührten Mackenroths Hände Magdalenas Finger öfter als nötig war.
Sie stand ganz still. Immer noch schlug ihr Herz so hart und wild. Ein tiefes Weh wühlte in ihrer Seele. Starr schaute sie auf die Freundin und den Mann. Auf einmal wußte sie es, was sie bisher nicht hatte wissen wollen: Sie liebte Eckehard von Mackenroth. Sie liebte ihn über allen Sinn und Verstand — sie liebte ihn, obwohl sie sich geschworen hatte, nie mehr ihr Herz an einen Mann zu verlieren.
Törin, die sie war! Sie hatte geglaubt, das Schicksal ihrer ersten Ehe hätte sie gefeit gegen solche Wünsche! Offenbar war das Herz einer Frau durch nichts zu belehren. Das ihre zuckte und litt, well es Eckehard von Mackenroth neben
handwerklicher Produkte zu beurteilen ist und durch die dem unlauteren Wettbewerb von Pfuschern Einhalt geboten wird, u. a. m.
Einer engen Zusammenarbeit der Innungen, Handwerkskammern, Fachverbände, Gewerbeförderungsstellen und Lieferungsgenossenschaften bietet sich ein großer Aufgabenkreis zum Wiederaufbau des Handwerks. Es darf der Ueberzeugung sein, daß seine Lebensnotwendigkeit von unserem Führer anerkannt ist und durch ihn und seine Beauftragten im Rahmen der gesamten Wirtschaft immer gewahrt sein wird.
So bietet sich uns das Bild des deutschen Handwerks an einem Zeitpunkt, an dem der Reichshandwerkertag 1935 in Frankfurt a. M. stattfindet. Viele Not ist noch zu bannen, aber neuer Glaube an den Aufstieg des deutschen Handwerks ist erstanden. In berechtigtem Stolz auf seine Leistungen tritt-* es am deutschen Handwerkertag vor das deutsche Volk und fordert es auf: Helft alle mit, dem deutschen Handwerk Arbeit zu schaffen und seinen Willen zur höchsten Leistung zu fördern, gebt der Qualitätsarbeit des deutschen Handwerkers und nicht der Massenware den Vorzug!
Aus der provinzialhauptsiadt
mustert — und so wird es wohl auch jetzt wieder sein — die ihm der bürgerliche Beruf, oder die gütige Mutter Natur verliehen hatten.
War die Musterung vorüber, so zogen die jungen Rekruten scharenweise in die Läden und dann ins Wirtshaus Im Laden kauften sie das für sie passende Schildchen, das sie stolz an die Brust hefteten: „Infanterie", „Kavallerie", „Artillerie , „Marine". Stolz schlugen darunter die Herzen. Und für vieles Geld erstanden sie nach alter Sitte einen glänzenden Kopfschmuck aus buntschimmernden Thüringer Glasperlen und gefärbten Federn, grünen, roten und blauen, so bunt, wie sie noch kein Gockeler auf dem Leibe getragen hatte. Wildkriegerisch sahen so die jungen Burschen aus — auch lange seidene Bänder trugen sie, die vom Hut zur Schulter herabwallten — und bann zogen sie Arm in Arm ins Wirtshaus, in dessen Hof der heimatliche Wagen stand und „kauften sich einen". Manches Geldstück wurde in der Kreisstadt „klein gemacht".
Wer aber untauglich war? — Zu dieser Frage ein wahres Geschichtchen aus dem Schwalmgrunde. Mit nur noch wenigen Burschen seines Dorfes fuhr der silberhaarige Bürgermeister nach der Kreisstadt. Die meisten anderen hatten sich bereits freiwillig beim väterlichen Regiment mustern lassen oder dienten schon in Kassel, bei den Marburger Jägern oder bei der Potsdamer Garde. Unter den Wenigen, die der Silberhaarige noch mitbrachte, war ein ganz langer Bursche — im Adamskostüm von etwas schlottrigem Gebein und gar dürren Waden. Der Stabsarzt wackelt mit dem Kopfe. „Untauglich", so kommt das harte Wort aus seinem Munde. Der Lange wird blaß wie eine Leiche. Die Gemusterten treten wieder ab. Draußen vor der Tür erhebt sich ein Heulen sondergleichen. Der Bürgermeister geht hinaus, um nach dem Rechten zu sehen. Das Heulen draußen nimmt kein Ende. Der Bürgermeister aber erscheint wieder bei der Musterungskommission und spricht: „Meine lieben Herren, tun Sie mir den Gefallen und nehmen Sie mir den langen Schorsch. Seit 37 Jahren, solange ich daheim Bürgermeister bin, ist noch kein Bursche aus unserem Dorfe für untauglich erklärt worden. Wenn das dem langen Schorsch passiert, tanzt kein Mädchen mehr mit ihm, da kann er sich eine Frau wo anders suchen." Also wurde der Lange noch einmal vorgerusen. Und obschon der Stabsarzt auf seinen Sitzgelegenheiten noch zwo große blaue Flecken entdeckte, lautete in Anbetracht der besonderen Umstände des Falles nun doch seine Entscheidung kurz und schneidig: „Tauglich, Trräng!" Ein seliges Lächeln ging über Schorschens Züge. Ja, fahren konnte er, daher die blauen Flecke! Der alte Bürgermeister aber hatte die Ehre seines Dorfes wieder einmal zu retten gewußt. —
Bald werden, nach zwanzigjähriger Pause, die ersten laubgeschmückten Wagen altem Brauche folgend, mit singender, mannbarer, heerestüchtiger Jugend wieder zur Kreisstadt fahren.
Mögen sich auch die Zeiten geändert haben. Eine neue, kerngesunde, sportgestählte Jugend, die im Arbeitsdienst schon den Spaten zu handhaben und zu präsentieren gelernt hat, wird zur Musterung antreten, aber altes schönes Brauchtum und gute
Oie Musterung.
Wehrdienst ist Ehrendienst am deutschen Volke. Jeder deutsche Mann ist wehrpflichtig. Lange Jahre dauerte es, dis diese Sätze wieder in Geltung kamen und die Schmach der Novembertage getilgt wurde. Die allgemeine Wehrpflicht, die einst den mannhaften deutschen Jünglinge aller Stände und Berufe in Reih und Glied stellte, aufs Pferd steigen oder zu Schiff fahren ließ, um in der Stunde der Not für's Vaterland zu streiten, die allgemeine Wehrpflicht, die jeden wehrfähigen Mann erfaßte, ist wieder eingeführt und soll in ihrer Auswirkung unser aller Schutz gegen feindliche Angriffsgelüste werden.
Die bevorstehende allgemeine Musterung dient der Auswahl der Tüchtigen, die künftig im Heer, in der Kriegsmarine und bei der Luftwaffe den Ehrendienst fürs Vaterland tun dürfen.
Wenden wir heute den Blick einmal kurz der Vergangenheit zu. Der Musterungstag war für die gesund empfindende Jugend allenthalben ein Tag der Freude, der mit Sehnsucht erwartet wurde. Mochte es da und dort auch einen Drückeberger geben, der an der Mutter Schürzenzipfel hing oder pazifistisch angehaucht war — solche sehen ja heute das „pazifistische" Rußland in Waffen starren —, die übergroße Mehrzahl begrüßte doch den Muste- rungstag in freudiger Erwartung und gab ihm schon rein äußerlich ein festliches Gepräge.
So erinnern wir uns, wie die Bürgermeister der Gemeinden alljährlich in laub- und fahnenge- shmückten Leiterwagen mit den künftigen Vaterlands- uerteibigern zur Kreisstabt fuhren. Es war ein Ehrentag für sie im Leben. Schon lange hatten sie daheim für diesen Tag die nötigen Spargroschen zusammengelegt, um ihn besonders festlich zu begehen.
Da schickte so mancher Vogelsberger Bauer den vierten, fünften, ja womöglich den sechsten Sohn zur Musterung und später zu den Fahnen, unter denen er selbst einst gedient hatte, mochte es ihm und feiner Frau auch schwerfallen, die Buben für eine längere Zeit dem unmittelbaren Dienst an der heimatlichen Scholle entzogen zu sehen. Sie kamen doch wieder, an Ordnung, Sauberkeit und Zuverlässigkeit gewöhnt, als stramme Söhne, auf die man sich verlassen konnte. Mochten auch die Mütter des Dorfes sorgenvoll ihren Jungen nachschauen, wenn sie „von dehaam" mit ihrem mit Buchen- und Eichenlaub geschmückten Wagen mit Musik abfuhren, sehnfüchtig erwarteten sie doch das Ergebnis des Musterungstages und wollten nicht haben, daß einer von ihnen zu den „Reichskrüppeln" gehören sollte, wie die Dienstuntauglichen herzlos genannt zu werden pflegten.
Im größten Saale der Kreisstadt fand die Musterung und Auswahl der Besten statt. Der Oberstabsarzt hatte einen guten Blick. Scharfen Auges prüfte er jeden Jüngling auf feine allgemeine Tauglichkeit und auf seine Eignung für eine bestimmte Waffengattung im besonderen. Da kam der kräftige Zimmermannsgeselle zu den Pionieren, der kleinere, aber kräftige Schmied zur Kavallerie und der lange Philipp, mit seinen 1,85 Meter zur Garde. So wurde jeder nach seinen Gaben ge-
Magdalena sah. Eine wilde, maßlose Eifersucht stieg in Barbara auf und etwas wie Haß gegen diese beiden Menschen. Keinen Augenblick zweifelte sie daran, daß dieses Zusammensein zwischen Magdalena und Mackenroth hier ein beabsichtigtes war.
Gestern hatte sie ja schon beim Tanz die Blicke gesehen, die zwischen Magdalena und Mackenroth hin und her gegangen waren. Wer mochte wissen, wie lange schon heimliche Beziehungen zwischen den beiden bestanden! Aber daß Magdalena imstande gewesen war, dies alles vor ihr zu verbergen, konnte sie ihr nicht verzeihen. Auch in ihr hatte sie sich getäuscht — in dem einzigen Menschen, dem sie vertraut hatte! Da hatte Magdalena jetzt Wochen um Wochen neben ihr hier auf Schloß Schedlowitz gelebt und hatte nichts von ihrem Herzensgeheimnis verlauten lassen. Wäre sie nicht durch Zufall jetzt hierhergekommen, sie wäre noch im unklaren gewesen.
Aber jetzt wußte sie Bescheid. Jetzt gab es nur ein: Ihr eigenes Wünschen unerbittlich festzuhalten. Niemand — weder Mackenroth, noch Magdalena — durste ahnen, wie weh ihr diese Enttäuschung jetzt tat. Leise wandte sie sich um und ging dem Hause zu.
Der alte Franz stellte gerade die Silbertannen mit Tee und Kaffee auf den Anrichtetisch, der etwas seitlich neben dem Frühstückstisch stand.
„Schenken Sie mir ein, Franz!" befahl Barbara.
„Soll ich für Fräulein Gerwig auch schon ein» gießen?" fragte Franz.
„Nein, lassen Sie nur. Ich habe Fräulein Gerwig nicht gefunden."
„Soll ich sie suchen, gnädige Frau?"
„Nicht nötig, Franz. Fräulein Gerwig wird schon kommen."
Franz reichte Barbara die Schüssel mit den gerösteten Weißbrotscheiben und dem duftenden Landbrot. Im stillen wunderte er sich. Acht Wochen war Fräulein Gerwig nun hier im Hause zu Gast. Und doch niemals hatte die Herrin ohne sie mit einer Mahlzeit- begonnen.
Magdalena fügte gerade die letzten Blumen zum Strauß. Da schlug vom Dorfkirchturm her die Uhr. Erschrocken sprang sie auf:
„Oh, schon halb neun. Meine Freundin wird sicher schon beim Frühstück fein. Ich habe mich tüchtig verspätet."
Eckehard überlegte einen Augenblick:
„Dann ist es am besten, Fräulein Gerwig, ich melde mich ein wenig später bei Frau von Stechow zum Vorttag. Ich möchte ihr das Früh- stück mit der Nachricht von dem Tode der Stute nicht verderben."
Magdalena nickte:
„Ja, tun Sie das, Herr von Mackenroth! Und ich werde gar nichts sagen, daß wir beide über die Sache gesprochen haben:"
Mit einem Herzlicheck Händedruck verabschiedete sich Magdalena von Eckehard. Merkwürdig, sie hatte auf einmal gar keine Angst mehr vor ihm. Er war ihr wie ein guter Kamerad geworden. Wußte sie doch, daß auch in ihm die Sorge für Barbara lebte.
Mackenroth sah der zierlichen Gestalt in dem blauen Leinenkleidchen noch einmal sinnend nach. Dann wandte er sich um, ging den Wirtschaftshöfen wieder zu. In ihm war etwas wie Freude feit der Aussprache mit Magdalena. Sie hatte mit ihrer Mahnung recht gehabt. Er durfte nicht an sich denken, sondern nur an Barbara, und daß dieser Besitz hier um jeden Preis gehalten werden mußte.
Mit schnellen Schritten war Magdalena inzwischen durch den Park geeilt. Sie sah unter der großen Kastanie bereits Barbaras weißes Kleid schimmern.
Ob sich die Freundin über ihre kleine lieber- raschung gefreut hatte? Jetzt schien Franz sie gesehen zu haben. Denn sie hörte, wie er irgend etwas zu Barbara sagte. Aber nicht wie sonst stand Barbara auf und kam ihr entgegen. Sie blieb sitzen und nickte Magdalena mit einem eigentümlich starren Lächeln zu.
„Guten Morgen, Barbara!" sagte Magdalena. „Wie gebt es dir? Ich bringe dir einm Gruß von deinen Wiesen drüben überm Fluß."
Sie beugte sich über Barbaras Schulter, legte den Strauß in Barbaras Schoß und wollte, wie immer, der Freundin einen Gutenmorgenkuß geben. Aber Barbara wich, wie unbeabsichtigt, Magdalenas Lippen
„Guten Morgen, Magdalena!" Ihre Stimme war eigentümlich klanglos. „Ich habe etwas Kopfschmerzen. Oh, die schönen Blumen! Ich danke dir."
Aber sie vermied dabei, Magdalena anzufchauen. Die erschrak. Barbara sah wirklich elend aus. Die sonst so strahlenden, veilchenblauen Augen hatten einen matten Schein. Um den Mund lag etwas wie mühsam bekämpfter Schmerz.
„Du siehst wirklich schlecht aus, Barbara", sagte sie besorgt. „Kann ich dir irgend etwas bringen?"
„Nein, nein! Danke! Wir wollen frühstücken, und bann habe ich zu arbeiten."
Sehr kurz, fast feindlich kam es. Schon vertiefte sich Barbara in einen Geschäftsbrief.
Bedrückt faß Magdalena ihr gegenüber. Der herrliche Morgen war irgendwie matter geworden. Was hatte Barbara? Noch niemals war sie fo kurz und unfreundlich gewesen. Sie hatte die Freundin mit irgend etwas verletzt. Angstvoll dachte Magdalena nach. Aber es fiel ihr nichts ein. Sie wollte nicht fragen. Und auch Barbara sagte nichts. Sie schien ganz in ihre Lektüre vertieft. Das kleine Päckchen in Seidenpapier lag
alte Sitte mögen gleichzeitig wieder aufleben. Unter grünen Laubdächern und mit frohem Sang sollen die Musterungswerten ihrer Prüfung entgegen- fahren.. So, wie es ihre Väter und Vorväter taten. Fürs liebe einige deutsche Vaterland. F. G.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süv.
Einzug der hilfskaffenbeiträge von den im Bereiche der Ortsgruppe Giehen-Süd wohnenden
SA.-Rlännern.
Alle Angehörigen der SA., NSKK., Reiter-SA., Marine-SA. und SS., soweit sie nicht Parteige- nassen sind und im Bereiche der Ortsgruppe Gießen- Süd wohnen, entrichten ihren Hilfskassenbeitrag für das 3. Vierteljahr 1935 am Montag, 17., und Dienstag, 18. Juni, zwischen 20.30 und 23.00 Uhr in der Gastwirtschaft .,Zurn Tannhäuser", Frankfurter Straße 81. Nichtbezahlen des Hilfskassenbeitrages an diesen Abenden hat Abmeldung bei der Hilfskasse in München zur Folge.
Deutsche Arbeitsfront.
RS.Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gießen. Eine vorbildliche soziale Tat!
Der Betriebsführer der Tonwerke Abendstern, Pg. Reh berg, hat seiner ganzen Belegschaft (83 Mann) zu der Rheinfahrt der NS.-Gernein- schaft „Kraft durch Freude" den gesamten Fahr- preis einschl. Mittagessen gespendet, wiederum ein Beweis dafür; daß die nationalsozialistische Gesin» nung auch in den Betrieben weiter auf dem Marsch ist! Wir sind der festen Ueberzeugung, daß die Freude, die Pg. Rehberg seiner Belegschaft hierdurch machte, durch erhöhte Arbeitsfreudigkeit belohnt werden wird.
Hanna Spohr tanzt!
Am 23. Juni, 19 Uhr, findet im Stadttheater ein Tanzgastspiel der vom letzten Reichsparteitag her bekannten Tanzkünstlerin Hanna Spohr statt. An diesem Tanzabend wirken weiter mit: Die Tanzgruppe Lotte Müller, Frankfurt a. M. Preise der Plätze: 60 Pf., 1,—, 1,30 und 1,50 Mark. Vor- verkauf bei allen „KdF."-Warten und den Orts« warten „KdF." in Gießen-Nord Fritz Richter, Gießen-Mitte Kurt Richter, Gießen-Süd August Mandler, Gießen-Ost Hans Gutjahr, ferner Musikhaus Challier, bei Frau Huntemann, Seltersweg.
Urlaubszug nach der Kieler Bucht vom 12. bis 20. Juli. Fahrtkosten 39,50 Ritt.
Diese Fahrt führt unsere Urlauber an den schonen Strand der Ostsee. Wer Ruhe und Erholung sucht, wird hier das Richtige finden. Die ruhige See, das idyllische Hinterland mit seinen reichen Kiefernwäldern ladet so recht zum Aufenthalt ein. Gelegenheit zu Segel- und Motorbootfahrten auf die weite See hinaus ist geboten. Eine Besichtigung von Kiel auf der Hinfahrt und Hamburg auf der Rückfahrt stellt eine angenehme Unterbrechung der Fahrt bar.
Die Rheinfahrt am 23. Juni.
Wie schon wiederholt bekanntgegeben wurde, veranstaltet die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" am Sonntag, 23. Juni, die erste Rheinfahrt des Jahres 1935. Die Fahrt geht mit der Bahn nach Niederlahnstein, von dort aus mit dem Schiff nad) Bingen und wieder zurück nach Niederlahnstein, von wo aus die Heimfahrt angetreten wird. Wir haben also die Möglichkeit, die schönste Strecke unseres deutschen Rheines stromauf und -ab zu fahren. In Bingen ober gegenüber in Rübesheim ober Aßmannshausen kann bie Mittagszeit verbracht werben. Eine große Kapelle wirb uns begleiten unb uns auf bem Schiff unb in Bingen mit einem Konzert erfreuen. Der Gesamtfahrpreis beträgt 5 Mark, Mittagessen geht extra. Es kann im voraus bestellt werben. Preis 80 Pf. Noch 200 Anmelbun» gen können angenommen werben. Mit ber Anmel- bung ist sofort ber Betrag einzuzahlen. Anbere An- melbungen sinb ungültig.
noch unaufgebunben, achtlos zwischen bem Stapel ber Briefe unb Geschäftskataloge.
Magbalena wagte nicht, Barbara auf ihre kleine Gabe aufmerksam zu machen. Entweber hatte Barbara es nicht gesehen, ober sie wollte es nicht sehen.
Das Frühstück verlief schweigsam unb bebrückt. Kaum, baß Magbalena ein paar Bissen herunterbekommen konnte.
Heimlich sah sie zwischenburch immer zu Barbara hinüber. Deren Gesicht war hinter ben Zeitungen vergraben. Sie aß und trank auch fast gar nichts. Plötzlich stand sie auf.
„Entschuldige mich, Magdalena", sagte sie kurz. „Ich habe da wichtige Post."
„Mackenroth kommt doch dann zur Besprechung" sagte Magdalena, eigentlich ohne es zu wollen. Dann wurde sie glühend rot. Barbara sah sie mit einem scharfen Blick an.
„Hast du ihn heute schon gesprochen?" fragte sie langsam. Magdalena schüttelte den Kopf:
„Nein, nein! Wie kommst du darauf?"
Barbara zuckte die Achseln und ging schnell, als ob sie der Antwort enthoben sein wollte, ins Haus. Magdalena sah ihr mit wehen Blicken nach. Irgend etwas stand zwischen ihr und der vergötterten Freundin. Aber was konnte es fein?
Barbara war ins Haus gegangen und direkt in ihr Arbeitszimmer. Hart schloß sie bie Tür hinter sich. Das war zuviel! Nun belog Magbalena sie auch noch. Barbara hatte bie Frage nach Mackenroth unb Magbalena gestellt in einer kleinen, winzigen Hoffnung, baß sie sich vielleicht getäuscht haben könnte. Vielleicht war bas Zusammentreffen zwischen Magbalena unb Eckeharb von Mackenroth boch nur ein zufälliges gewesen. Jetzt hatte sie Gewißheit. Magoalena hatte bies Zusammentreffen ja geleugnet. Sie wollte also nicht, baß Barbara irgenb etwas von ihren heimlichen Zusammenkünften mit Mackenroth erfuhr. Nun, sie brängte sich nicht in anberer Leute Geheimnisse. Aber auf ihre Freunbschaft zu Magbalena war es wie ein kalter Frost gefallen.
Verstellung — Lüge war alles, wohin man sah. Auch Magbalena hinterging sie. Das törichte Ding — ob sie wirklich glaubte, baß Eckeharb von Mackenroth sie selbstlos liebte? Er wußte sicher genau, baß zwar Magbalenas Vater, ber Pfarrer, keine großen Schätze besaß — baß aber Magbalena bie einzige Erbin ihres Oheims, eines Plantagenbesitzers in Ueberfee, würbe.
Das hatte Mackenroth fein eingefäbelt! Dies junge kleine Mäbchen zur gewinnen, war für einen Menschen wie Mackenroth sicher ein leichtes. War es ihm boch sogar gelungen, ihr eigenes Herz tu gewinnen.
(Fortsetzung folgt!)


