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Nr. 137 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für VberlMn)Zamrtag, !5.Zum 1935

Das deutsche Handwerk im Aufbau.

Gedanken zum Reichshandwerkertag 1935 in Frankfurt a. M.

der Reichsbetriebs-

Handwerks durch Schaffung

Am 15.

die

Mit-

des

nicht

an

Außerdem werksrolle

werden Betriebsführer, die in der Hand- noch nicht eingetragen sind, aber ihren

des Frühkapitalismus, hat den steten Niedergang des Handwerks zufolge.

Wenn heute Partei und Staat dauernd um die Hebung des deutschen Handwerks bemüht sind, so ist das besonders daraus zu erklären, daß der na­tionalsozialistische Staat in den Lebensgrundsätzen der alten Zünfte jene ihm selbst verwandten Grund­sätze sieht, die er für jedes gesunde Gemeinschafts­leben als notwendig erachtet. In mehreren Verord­nungen regelt daher die Reichsregierung den Wie­deraufbau. Durch die Einführung des großen Be­fähigungsnachweises, um den das Handwerk seit mehr als 60 Jahren vergeblich gekämpft hat. wird eine alte Forderung des Handwerks erfüllt. Nun ist wieder wie einst zum Grundsatz erhoben, daß nie­mand ohne Meisterprüfung einen Handwerksbetrieb führen darf. Damit wird rein handwerklich zunächst einmal wieder eine Leistungsauslese betrieben. Gleichzeitig wird bestimmt, daß künftig in die Hand­werksrolle, im Gegensatz zu früher, nicht jeder Be­triebsinhaber, sondern nur jeder Meister eingetra­gen wird. Um jedoch unnötige Härten zu vermeiden man darf nicht vergessen, daß nur 35 bis 40 v. H. der Handwerksbetriebsführer geprüfte Meister sind sind Übergangsbestimmungen geschaffen wor­den. Als Stichtag gilt der Jahresanfang 1932. Wer vor dieser Zeit in die Handwerksrolle eingetragen ist, bleibt weiter eingetragen und damit zum selb­ständigen Handwerk zugelassen. Bei später Einge­tragenen entscheidet das Geburtsdatum dahin­gehend, daß alle Jahrgänge nach 1900 bis Ende 1939 ihre Meisterprüfung unter erleichterten Be­dingungen nachholen können. Die Jahrgänge vor 1900 werden ohne Prüfung endgültig eingetragen.

Betrieb ordnungsmäßig polizeilich gemeldet haben, den bereits eingetragenen gleichgestellt.

So wird es dazu kommen, daß durch nachgeholte Prüfungen in nicht zu langer Zeit das Handwerk

Juni öffnet die alte freie Reichsstadt a. M. ihre Tore für die vielen Zehn-

Rückblick und Ausblick.

Eine Betrachtung der Hessischen Handwerkskammer

gemeinschaft Handwerk in der Deutschen Arbeits­front und durch die Handwerksgesetzgebung beson­ders anerkannt. Man wird hierbei auch nicht die Reichsberufswettkämpfe vergessen dürfen, die durch ihre einheitliche Durchführung und die Art der Siegerehrung Empfang durch den Führer noch besonders den Wert handwerklichen Könnens betonen. Schließlich bedeuten die Reichshandwerker­wochen bzw. Tage im Oktober 1933 in Halle, im Oktober 1934 in Braunschweig und der vom 15. bis 17. Juni stattfindende Reichshandwerkertag in Frank­furt a. M. eine besondere Werbung um Verständnis für den deutschen Handwerksgedanken.

Der Notstand des Handwerks läßt sich statistisch nach Arbeitslosen nicht erfassen. Aber das ist fest­gestellt worden, daß das Gesamteinkommen der Handwerker noch über eine Milliarde Reichsmark unter dem Existenzminimum steht. Darum und aus all den vielen anderen Gründen mögen alle deut­schen Volksgenossen den Sinnspruch des Hand­werkertags und feiner Plakette beherzigen:

Deine Hand dem Handwerk!

Frankfurt a. M. ihre Tore für die vielen Zehn­tausende deutscher Handwerker, die Meister, Gesellen und Lehrlinge, die von fern und nah zum Reichs­handwerkertag herbeieilen. Dieser Tag soll zu einer großartigen Kundgebung für das deutsche Handwerk werden: er soll nach den Worten des Neichshand- werksmeisters im Zeichen des Leistungs- und Auf­bauwillens des deutschen Handwerks stehen und der deutschen Oeffentlichkeit überzeugend und nachhaltig den Beweis erbringen, daß das deutsche Handwerk sich seiner Mission für Volk und Staat bewußt ist.

wieder zu einem Stand der wirklichen Meister wer­den wird. Denn nachdem der Meistertitel wieder die normale Grundlage des Handwerks darstellt, wird die Oeffentlichkeit als Kundschaft immer mehr auf Bearbeitung ihrer Aufträge in Musterbetrieben Wert legen. Eine weitere Standeshebung stellt die Handwerksverordnung vom 15. Juni 1934 über die Ehrengerichtsbarkeit

Pflichtorganifation und die _ dar. Partei und Staat haben die Bedeutung des

Alte und neue Meister.

Von Herbert Czichy.

Das Handwerk wird in Deutschland vielfach noch tark unterschätzt. Das liegt zum großen Tell daran, » die wenigsten Menschen sich über die volkswirt- chaftliche Bedeutung des Handwerks klar sind. In den etwa 1,5 Millionen Handwerksbetrieben arbei­ten rund vier Millionen Menschen. Rechnet man die Familienangehörigen dazu, so kann man mindestens mit acht Millionen Menschen rechnen, die in Deutsch­land unmittelbar vom Handwerk leben. Eine be­sondere Bedeutung des Handwerks geht noch aus der Tatsache hervor, daß von den 1,5 Millionen Handwerksbetrieben etwa die Hälfte Alleinbetriebe sind, in denen der Meister allein tätig ist. Nur ein kleiner Teil stellt Großbetriebe von 100 bis 200 Mann dar, während der große Rest von Klein­betrieben mit ein bis drei Gesellen arbeitet. Mit Staunen wird man aus dem amtlichen Verzeichnis

jeder selbständigen und damit verantwortungsvollen Arbeit im Handwerk erklärt.

In der 3. Handwerksverordnung vom 18. Januar 1935 wurde der langjährige Wunsch des Handwerks nach dem großen Befähigungsnachweis erfüllt: selb­ständiger Handwerker darf in Zukunft nur noch der werden, der die Meisterprüfung in seinem Handwerk abgelegt hat und auf Grund dieser Prü­fung die Handwerkskarte erhält. Welch wertvolles Geschenk dem deutschen Handwerksstand hier ge­boten worden ist, welche Bedeutung dieses Gesetz für die Leistungssteigerung im deutschen Handwerk haben wird, das wird man erst in späteren Jahren voll erfassen können. Es ist hier wie im politischen Leben: große gesetzgeberische Taten können ihre Bedeutung und Auswirkung nicht unmittelbar in der Gegenwart erreichen, sie werden sich immer nur nach einer Uebergangszeit in näherer odex fernerer Zukunft voll auswirken.

Es ist falsch, wenn von Anhängern der libera- listischen Wirtschaftsauffassung die 3. Handwerks­verordnung als eine Einschränkung der Gewerbe­freiheit bezeichnet wird. Die Gewerbefreiheit besteht weiter, nur hat man ihr den Sinn wiedergegeben, der in einem Zeitabschnitt hemmungslosen Liberalis­mus zum Schaden des Ansehens des deutschen Handwerks verloren ging: Gewerbefreiheit für jeden, der etwas leistet!

Die deutschen Handwerker haben Ursache, ihrem Führer dankbar zu sein, daß er dem Leistungs- gedanken im deutschen Handwerk zum Siege ver­halfen hat. Die Durchführung dieses Leistungs- gedankens hat in der Praxis aber noch andere Vor­aussetzungen, nämlich die verantwortungsbewußte Ausbildung der jungen Handwerker durch ihre Meister in fachlicher, sowohl als auch in welt­

anschaulicher Hinsicht.

In fachlicher Beziehung wird bald eine Neuord­nung des Gesellen- und Meisterprüfungswesens Wandel schaffen. Die Verschiedenheit der Prüfungs- anforderunaen in den verschiedenen Handwerks­zweigen und in den verschiedenen deutschen Gauen soll einer einheitlichen Gesellen- und Meister­prüfungsordnung Platz machen, die zwar nicht über- strenge, aber doch solche Anforderungen an den einzelnen stellen wird, die der Forderung nach Leistung und Verantwortung des Handwerkers ent­sprechen. Dukch den Reichsstand des deutschen Hand­werks ist die allgemeine pflichtmäßige Durchführung von Zwischenprüfungen angeordnet, in denen der Fortschritt der Leistungen während der Berufsaus­bildung überwacht werden fall. In diesem Sinne hat auch das Handwerk bei der Durchführung des Reichsberufswettkampfes vom 18. bis 23. März 1935 mitgewirkt, indem es sämtlichen ausbildenden Mei­stern zur Pflicht machte, ihre Lehrlinge zur Steige­rung ihres Leistungswillens am Berufswettkampf teilnehmen zu lassen.

Ein großzügiger Ausbau des Schulungswesens ist geplant; Gesellen und Meister sollen künftig regelmäßig in fachlicher Hinsicht weitergeschult werden. In Hessen soll in einer Handwerkerschule vor allem eine Schulung der Innungs-Obermeister in wichtigen Fragen der Betriebsführung, Buch­führung, insbesondere der Kalkulation erfolgen.

Fachliche Ausbildung und Weiterschulung allein formt indessen nicht den deutschen Handwerker der Zukunft. Seine Arbeit im nationalsozialistischen Staat soll nicht allein auf den materiellen Erfolg gerichtet fein. Wahre Freude an der Arbeit, edel­ster Leistungswillen entsteht da, wo der Hand­werker sich seiner Aufgaben in feiner Volksgemein­schaft, der kulturellen Bedeutung seiner Arbeit für sein Volk bewußt ist. Um eine solche Gesinnung im deutschen Handwerk lebendig werden zu lassen, bedarf es weltanschaulicher Schulung, bedarf es aber auch einer wahren, berufsständischen Gemein­schaft zwischen Meistern, Gesellen und Lehrlingen. Seitdem der Nationalsozialismus Deutschland um­gestaltet hat, sind die sozialen Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Meistern einerseits und Gesellen und Lehrlingen andererseits verschwunden. In ihnen allen schwingt das Gefühl der Zugehörigkeit zu derselben großen Volksgemein­schaft in einem edlen Dreiklang. Es gibt keine Aus­beutung der Gesellen und Lehrlinge mehr er­höhte Pflichten gegenüber der ihnen anoertrauten deutschen Jugend zeichnen heute die Meister aus.

zur Verwirklichung dieser Ziele innerhalb des deut­schen Handwerks!

Durch das Gesetz über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 29. November 1933 wurde die Grundlage für alle Maßnahmen geschaf­fen, die für die Neuordnung des deutschen Hand­werks notwendig erschienen. Die auf Grund dieses Gesetzes erlassene 1. Verordnung über den vor­läufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 15. Juni 1934 schuf die Neuorganisation des Hand­werks, indem sie sämtliche Handwerksbetriebe pflicht­mäßig im Rahmen der Innungen, Fachverbände und Handwerkskammern unter der Führung des Reichshandwerksmeifiers und des Deutschen Hand­werks- und Gewerbekammertages zusammenschloß.

Die Organisation als solche bringt dem einzelnen Handwerker zwar keine unmittelbaren Vorteile wirt­schaftlicher Art, sie verlangt vom einzelnen fogar geldliche Opfer, aber diese Opfer wirken sich letzten Endes zu Gunsten des einzelnen-Handwerkers aus, wenn sie zum Aufbau einer machtvollen, großen Organisation dienen, die in der Lage ist, die Belange ihres Berufsstandes im Wirtschaftsleben des Staates konsequent zu verwerten. Die 2. Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 18. Januar 1935 ergänzte die erste Verordnung durch die gesetzliche Festlegung des Führerprinzips bei den Handwerkskammern. Endlich erfolgte durch die Anordnung vom 23. März 1935 über die bezirk­liche und fachliche Gliederung der Reichsgruppe Handwerk innerhalb des organischen Aufbaues der gewerblichen Wirtschaft eine Vereinfachung der Fachorganisationen durch die Verminderung der handwerklichen Reichsverbände: die Landesfachver­bände wurden beseitigt und an Stelle der bisherigen 70 handwerklichen Reichsverbände 50 neue Reichs- Jnnungsverbände gegründet. Mit dieser Anordnung wurde dem Handwerk auch in fachlicher Hinsicht ein klarer, nach dem Führergrundsatz und der Fach­einheit zweckmäßig gestalteter Aufbau geschaffen.

Das durch diese einheitliche Organisation zusam- mengeschlossene Handwerk durfte nunmehr vom Staat jene gesetzliche Neuordnung erwarten, die die Leistung wieder zur Grundlage und Voraussetzung

der Handwerksbetriebe entnehmen, daß 70 Hand­werkszweige mit rund 200 Sparten bestehen. Manches Handwerk, wie das des Feilenhauers oder der Peitschenmacher, sind kaum noch dem Na­men nach bekannt. Dafür treten aber wieder neue Handwerksarten in den Vordergrund der Oeffent­lichkeit, wie z. B. das Kraftfahrzeughandwerk, oder die Segelflugzeugbauer. Was auch immer für ein Handwerk betrieben werden mag, in all ihrer Ver­schiedenheit einigt sie ihr System der Nachwuchs- ausbilbung. Lehrling, Geselle, Meister, das sind die Jahrhunderte alten, traditionellen Berufsausbil­dungsstufen, auf die das Handwerk mit Recht stolz ist. Stolz ist es aber auch auf den Geist, der niemals von feinen alten ehrwürdigen Gebräuchen abläßt und der die Pflege bester Wertarbeit in einer ein­heitlichen Betriebsgemeinschaft sich stets zur Auf­gabe gestellt hat und heute erst recht wieder stellt.

So ist der Stolz, der das Handwerk erfüllt, durch­aus berechtigt und um so verständlicher, wenn man seine geschichtliche Entwicklung betrachtet. Wenn auch schon jahrhundertelang vorher handwerklich ge­schaffen wird, so beginnt das Handwerk erst vor tausend Jahren sich zu einem Stand auszubilden. Dom 10. bis zum 16. Jahrhundert dauert die Ent- wicklungs- und Blütezeit des iy den Zünften ge­einten Handwerks. Was es aber in dieser Zeit ge­schaffen hat, ist unvergänglich. Wer denkt nicht an die herrlichen deutschen Dome und d:e prächtigen alten Bürgerhäauser, die aus dem handwerklichen Geist der Blütezeit *

telalters entstehen. Wer denkt

Hans Sachs, wer könnte Männer wie Dürer, Rie­menschneider, Veit Stoß, oder den Erzgießer Peter Vischer vergessen, die dem Handwerk entstammen? Und wer würde je die Blütezeit der deutschen Städte nennen, ohne des Handwerks zu gedenken, das oft genug der Träger des Wehrgedankens in den Städ­ten ist? Anfang des 16. Jahrhunderts beginnt der Niedergang und Zerfall des deutschen Handwerks. Der unheilvollste Krieg, der dreißig Jahre auf deut­schem Boden tobt, und später der Kampf der Für­sten und des Klerus um die Städte find der Be­ginn des Kulturniederganges in Deutschland und machen auch vor dem Handwerk nicht halt. Die wirt­schaftlichen Umwälzungen, bedingt durch die techni­schen Erfindungen, führen zu einem immer weiter fortschreitenden Niedergang des Handwerks, dem die Einführung der Gewerbefreiheit den Rest gibt.

Schaut man heute auf die Gründe der einst stol­zen Bedeutung des Handwerks zurück, so sind sie unschwer festzustellen. Sie sind in den Lebensgrund­sätzen der alten Zünfte zu suchen. Ihre Wehrhaftig­keit, ihre bewußt getriebene Blutauslese, der Kame­radschaftsgeist, der Disziplin und Opfergeist voraus­setzt, und die stets geübte Achtung der Brauche und Sitten sind die Garanten seines geistigen Aufstieges. Die geordnete Standesausbildung, die Gemeinschaft von Meister, Lehrling und Gesellen und der Stolz auf die geleistete Arbeit, der wohl als bestes Lei­stungsprinzip gelten kann und den Ruf deutscher Handwerksarbeit begründet, sind die Grundlagen seines wirtschaftlichen Aufstieges. Das teilweise Ab­aehen von diesen Grundsätzen, z. T. veranlaßt durch die immer mehr fortschreitende Mechanisierung der Betriebe und vor allem durch das Geschäftsgebaren

Die deutschen Handwerker haben Grund, den Reichshandwerkertag 1935 festlich zu begehen, trotz der wirtschaftlichen Not, die viele unter ihnen noch bedrückt. Neue Hoffnung ist seit dem Siege des Nationalsozialismus in die Herzen der Handwerker eingezogen. Wenn ein früheres System nicht den Mut aufbrachte, in einer Zeit wirtschaftlicher Jnter- essenkämpfe aller gegen alle dem handwerklichen Kleinbetrieb den Schutz zu gewähren, der ihn existenzfähig erhielt die nationalsozialistische Staatsführung hat wahrgemacht, was der Führer versprach: jedem Berufsstand in unserem deutschen Vaterland soll die Möglichkeit gegeben werden, die ihm eigenen Aufgaben zu erfüllen.

Materielle Schutzmaßnahmen und Hilfe des Staates allein konnten jeddch nicht als Grundlage für den Wiederaufstieg des Handwerks dienen, es galt auch, die deutschen Handwerker mit einem neuen Geist zu erfüllen, sie zu einer großen geschlos­senen Einheit zusammenzufassen und die vom Natio­nalsozialismus erstrebte Volksgemeinschaft auch in ihren Reihen Wirklichkeit werden zu lassen. Es galt, den deutschen Handwerkern ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufgaben im Volk und im Staatsleben wieder zum Bewußtsein zu bringen und sie darauf stolz werden zu lassen; es galt, mit der Durchdringung des deutschen Handwerks mit neuem Glauben und neuem Geist auch neuen Leistungswillen zu erwecken.

Werfen mir einen Rückblick auf die bisherigen Leistungen der nationalsozialistischen Staatsführung

Werkende Hand.

Von Horst Thielau.

Handwerk das ist die Leistung der werkenden Hand. Ein wie gutes, altes, ehrliches deutsches Wort! So schlicht, so einfach und doch so gewaltig!

Was wäre die Welt ohne die Hand! Sie türmt Steine auf Steine, daß sie zu Zeugen werden für die fernsten Geschlechter, sie legt öie JBaumnefen nieder, macht Papier daraus, sie treibt Stollen in die Felsen, sie schmiedet das Eisen, sie knetet den Teig, daß wir zu essen haben, sie baut den Brun­nen schafft Kleidung und Sch uh werk sie wajdt bie Lasten und bannt die Not, sie macht den Menschen zum Herrscher, gibt ihm Labe und Freude würzt ihm das Mahl, versüßt lhm den Becher und stellt ihm nach des Tages Mühe den Schlaf die Zufrie­denheit und das ruhige Gewissen ums Lager.

Seit man denken kann, sind Mensch und Hand­werk eine Einheit. Man muß sich vergegenwärtigen, daß der Mensch das, was er zum Leben brauchte und was ihm das Leben angenehmer und leichter machte, Jahrtausende hindurch überhaupt nur mit der Hand erstellen konnte. Don der plumpen Waffe, die der Mann der Urzeit sich für den Kamp gegen das Untier schuf, bis zur verfeinernden Kumt hand­werksmäßiger Gestaltung ist ein unendlich weiter etappenreicher Weg. Der Mensch jener FruhzeU, der die primitive Waffe, der die Steindvlche, die Knochenmesfer und die Schwerter aus Eisen er­fand, und der darüber nachsann, wie diese Waffen sich immer mehr vervollkommnen ließen, ist der Ahne des Handwerks. .

Symbolisch für den Beginn der viertausendjahn- gen deutschen Geschichte ist der Mensch, der Hand­werker und Bauer zugleich war. Diese viertausend Jahre sind eine Geschichte wahrer Kultur, eine Ge­schichte ständig steigender Leistungen, unverdrossenen Fleißes, zähester, aufreibender Kleinarbeit. Bereits zur Zeit Karls des Großen gab es Hunderte von Handwerkerspezialisten: Die Harnischmacher, die Schreiner, Schuster, Zimmerleute, Bäcker. Bier­

brauer, die Gold-, Silber- und Eisenschmiede, die Moftbereiter, die Netzmacher, die Drechsler und viele andere.

Stolz und richtungweisend steht über der Ge­schichte des Handwerks der Name Hans Sachs und sein Zeitalter, jenes Zeitalter der deutschesten Sdele, jenes Zeitalter altbewußten Schaffens, von dem man solange sprechen wird, so lange es ein deut­sches Handwerk gibt.

Handwerk hat goldenen Boden, aber nicht immer ist nur Wohlstand gewesen. Die Zeiten liegen noch qar nicht so weit ab, da auch für das Handwerk die Verhältnisse bitter schwer waren, da der Nacken, weiß Gott, wie steif gehalten werden mußte. Krieg, Nachkrieqsfolgen und Geldentwertung brachten auch dem Handwerk Jahre, die nur mit Opferwilligkeit, Mut und Disziplin durchzuhalten waren. Und noch ist alles nicht überstanden. Auch heuiS? steht der Handwerker mit in vorderster Front, um feine Kraft miteinzugliedern im Kampf gegen Krise und Schwierigkeiten, ein mannhafter, unbeugsamer Streiter, der feinem Stande den alten, treuen, ehr­lichen Namen wahrt. _ ....

Die werkende Hand ist unser ewiges Erbteil. Gottdank aber, daß diese Hand nicht nur Teig tne= tet Steine türmt und Schuhe macht, daß sie auch immerbar bereit ist, die Lasten Zu wälzen, wenn es um die Allgemeinheit, um das Schicksal des gan­zen Volkes geht.

Oie Schule des Handwerks.

Der Reichshandwerkertag in Frankfurt a M. wird eine machtvolle Schau des ganzen deutschen Handwerks aus allen Gauen und aus allen Be­rufen fein. In den Tagen vom 12 bis 23. Jun _ den Höhepunkt der Tagung wird der 16. Ium bilden wird sich diese Riesenkundgebung zu der schätzungsweise 200- bis 300 000 Teilnehmer m Frankfurt a. M. eintreffen werden, unter der Lei­tung der Reichsbetriebsgemeinschaft ''Handwerk der Deutschen Arbeitsfront an dieser historischen Stätte delüscher Geschichte und in den umliegenden

Ortschaften des Rhein-Main-Gaues abwickeln. Meister, Gesellen und Lehrlinge werden kommen, um zu zeigen, was das Handwerk in kurzer Zeit im Staate Adolf Hitlers in organisatorischer, wirt­schaftlicher, sozialer und volkskultureller Hinsicht ge­worden ist und was es an Wertarbeit für das Volksganze zu leisten vermag. So wird das Lei­stungsprinzip, ergänzt durch den Willen zur Be- triebsgemeinfchaft, die Frankfurter Tage beherrschen.

Das Ausharren in dunklen Jahrzehnten des Nie­derganges, das Festhalten an bewährten Einrich­tungen und Traditionen trägt in unseren Tagen feine Früchte. Das Handwerk wird immer mehr in organisatorischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht eine Schule der Nation, die beispielgebend wirkt und Tausenden von Jünglin­gen, die soeben die Schule verlassen haben, den Weg weist zu einer ehrbaren und aussichtsreichen Betätigung, nachdem durch den Willen des Führers das alte stolze Handswerkspaniör in allen deutschen Gauen und Städten wieder aufgerichtet worden ist. Viele von denen, die noch vor wenigen Jah­ren mutlos und verdrossen dem fast unabwend­baren Schicksal der Arbeitslosigkeit entgegensahen, haben durch den Aufbau und durch die Förderung des Handwerks ein Lebensziel erhalten, das sie zu wertvollen und tüchtigen Gliedern der Volksgemein­schaft emporführen wird. So wird Handwerksar­beit heute wieder hoch bewertet und Handwerks­arbeit zu einem Mehrer der wirtschaftlichen und kulturellen Schätze der Nation.

Alte Handwerkstradition, die sich bewährt hat, ist wieder lebendig geworden. Dazu gehört die Wanderschaft und der Austausch von Handwerks­gesellen, Einrichtungen, die befruchtend auf die Ausbildung des jungen Handwerkers wirken, und die die Verbundenheit von Volksgenossen aus allen Gauen des Reiches untereinander unterstreichen. Das luftige und fröhliche Handwerkswandern wird unter der' wohlwollenden Aufsicht der örtlichen In­nungen nicht nur den wandernden Gesellen Freude und Nutzen bringen, sondern auch in anderen

Volkskreisen das Verständnis für Handwerkerart und Handwerksarbeit wachrufen und fördern.

Die geschmackvolle Werbung hat bisher im Hand­werk sehr im Argen gelegen, aber der Reichshand­werkertag wird zeigen, daß auch bereits auf die­sem Gebiet in der kurzen Zeit neue erfolgverspre­chende Anfänge zu verzeichnen sind. So wird man besonderen Wert auf die Schaufensterdekoration in Ladengeschäften des Handwerks legen. Man spricht davon, daß in zahlreichen Schaufenstern der Mei­sterbrief des Inhabers und in besonderen Fällen, wo es sich um eine alteingesessene Handwerksfamilie handelt, auch der Stammbaum der Familie in ge­schmackvollem Rahmen ausgestellt werden soll. So­mit wird auch für das Gebiet der Werbung durch das Handwerk eine neuzeitliche Anregung gegeben, die sicherlich ihre Wirkung nicht verfehlen wird.

Inzwischen wird unermüdlich für das Handwerk gearbeitet. Man rechnet mit einem Erlaß, der eine Arbeitsteilung zwischen Industrie und Hand- werk vorsieht. Schon jetzt sind durch verschiedene Reichsbehörden Anordnungen erlassen, bie dem Handwerk bestimmte Arbeiten vorbehalten. So hat z. B. der Reichsverband der Elektroinstallateure mit der Großindustrie eine Vereinbarung getroffen, nach der alle Aufträge unter 3000 Mark dem Hand­werk vorbehalten bleiben sollen. Auch das Arbeits­gebiet des Innenausbaues der Häuser wird in Zu­kunft im wesentlichen von Handwerkern bewältigt werden. Damit die Arbeiten durchgeführt werden können, sind bereits überall Lieferungsgenossen­schaften des Handwerks ins Leben gerufen, durch die die Kapitalisierung und die fristgemäße Durch­führung dieser Aufträge sichergestellt wird.

So stehen in über 1,5 Millionen deutschen Hand­werksbetrieben Meister, Geselle und Lehrling am Werktisch, um unermüdlich für das große Ziel zu schaffen, das der Führer dem ganzen Volke gestellt hat. Das Handwerk kann stolz fein auf das bis­her Erreichte. Es wird mehr und mehr zur bei­spielhaften Arbeitsschule der Nation.