Geschichten aus aller Welt
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Was Wunder, daß man den Fremden auch zu den Stätten führt, denen noch der Hauch großer portugiesischer, ja europäischer Geschichte umweht. Schloß Pena liegt etwa 20 Kilometer von Lissabon entfernt und über 500 Meter hoch. Die Felsen erheben sich schroff und steil aus der Ebene von Estramadura. Steht man oben auf dem Schloß und blickt hinab, so könnte man meinen, von der Wartburg auf Thüringer Land zu fchauen. Wenn nicht — ja wenn man nicht eben auf der einen Seite die Brandung des Atlantik sähe, auf der anderen die Tejo-Mündung und wenn unter einem nicht südländische, sogar tropische Flora ihren Reichtum ausbreitete. Schloß Pena, einst Kloster, ist Sommerresidenz portugiesischer Könige bis zum Schluß geblieben. Hier hat einst, Ende des 15. Jahrhunderts, Portugals König auf die Rückkehr Vasco da Gamas aus Indien gewartet. Von hier aus konnte er die Hunderte von Karaoellen als Zeichen portugiesischer Seegeltung im Tejo schwimmen sehen. Vorbei! Was geblieben ist? Allein ein wunderschön gelegenes Schloß im Ema- nuel-Stil und eine Flora, wie sie in Europa nicht ihresgleichen hat!
Portugal kennt keinen Winter. Vom atlantischen Ozean kommt ständig feucht-warme Luft, und so gedeiht auf diesem Stückchen gottgesegneter Erde alles, was die Welt an Wachstum aufzuweisen hat.
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Bei drei Pionieren europäischer Kolonialgeltung
Eine beschauliche Reise zu den glücklichen Inseln.
Von unserem H. Er.-Sonderberichterstatter*.
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Portugal lebt in oer Vergangenheit. Ihr Verkörperet ist Vasco da Gama. Da, wo er abfuhr in die Welt hinaus, um Indien für Portugal zu entdecken, erhebt sich heute K l o st e r B e • lern, das auch des Eroberers sterbliche Ueberreste aufnahm. In diesem grandiosen Bauwerk — Generationen haben an ihm gearbeitet, auf daß es der Nachwelt portugiesische Größe künde, — tritt die Schönheit des Emanuel-Stils wohl am besten zu Tage. Gotik, Renaissance und leichter maurischer Einschlag haben ihr bestes gegeben, um menschliche Werke von solcher Wucht und Größe entstehen zu lassen. Wir Menschen des Zeitalters der Technik werden hier doch irgendwie kleinlaut und beugen uns vor der Größe des Empfindens der Vorfahren jener Epoche, die uns das Schönste an Bauwerken geschenkt hat, was wir Überhaupt besitzen. Vasco da Gama hat eine würdige Ruhestätte. Nicht lange nach ihm, schon 1588, zerbrachen die portugiesische und spanische Seemacht. Ein Stärkerer löste sie ab und hält bis heute ihr Erbe in seinen Händen: — England!
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indischer Fürst treten müßte.
dieser Traum von unvergleichlicher Schönheit hat feine Kehrseite: nicht einmal diesen Gipfel von Naturschönheit hat sich Portugal zu sichern gewußt! Besitzer ist ein Enländer des bekannten Namens Cook, doch auch er möchte seine Perle von Besitz heute veräußern. Zu Füßen von Monserrate liegt Schloß Cintra mit seinem stark maurischen Einschlag, bis zuletzt eben»
nisse. Die Hausfrau müsse hierbei besonders auf ihre volkswirtschaftliche Verantwortung hingewiesen werden. Ferner empfahl sie noch 20 verschiedene Quarkspeisen.
Zum Schluß forderte sie dazu auf, mit der Zeit zu gehen und sich dessen bewußt zu sein, daß in der einschlägigen Industrie mit allen Kräften gearbeitet werde, um größte Leistungen zu erzielen und der Hausfrau in weitgehendem Maße ihre Arbeit zu erleichtern. Reicher Beifall belohnte ihre von einem umfassenden Wissen um die Haushaltstechnit getragenen Ausführungen.
Der weitere Verlauf des Abends brachte eine Fülle unterhaltender Darbietungen. Herr Nieren vom Stadttheater Gießen hatte die Ansage übernommen und tat es mit der an ihm bekannten lebhaften Art. Seine ausgeprägte Fähigkeit zum Humor aus der Situation heraus ließ ihn bald den Kontakt zu den Wieseckern finden, die ihm dafür durch reichen Beifall dankten. Weiter sah man ein Menuett von Mozart, zierlich getanzt von Mädchen der Tanzschule Maja von Rabenau, das starken Anklang fand. Fräulein Hansi Salzmann vom Gießener Stadttheater fang zwei Lieder und erntete damit dankbaren Beifall. Ganz besonders gefiel Hans Seitz mit feinen Er- zählungen und Witzen in oberheffifcher Mundart.
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II.
Vergangene Größe.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Lissabon, Juni 1935.
Die so übel beleumundete Biskaya hatte es gut gemeint. Wenn auch grobe See war, kam sie doch von achtern, so daß man die Schönheit einer Seereise mit vollen Zügen genießen konnte. Wir haben die Längsseite des Dreiecks, das die Biskaya bildet, hinter uns. Nun geht es längs der portugiesischen Küste dem ersten Hafen entgegen, den wir in Portugal einlaufen: Porto, weltbekannt durch seinen vorzüglichen Wein, der für die Stadt auch heute noch eines der bedeutendsten Ausfuhrerzeugnisse darftellt. Durch eine schmale und gefährliche Einfahrt geht es in den Douro hinein, und nach kurzer Flußfahrt fällt der Anker. Mit Porto, das malerisch, geradezu angeklebt, an den steil und schroff abfallenden Flußufern liegt, tritt einem in Kreatur und Natur erstmalig der Reiz des Südens entgegen. Dunkeläugige Frauen tragen Riesenlasten auf ihren Köpfen, der Esel, als Zug- und Tragetier, wird zum Transportmittel. Die Menschen lebhaft und laut, und — gemessen an unseren Begriffen — nicht gerade von übergroßem Arbeitseifer beseelt. Man verdient ebensoviel, wie man zum notdürftigsten Leben gerade braucht. Zerfallende Häuser in Gassen, von deren Enge man sich kaum eine Vorstellung machen kann, Schmutz und Elend. Bettelnde, unterernährte und kranke Kinder verfolgen den Reisenden in Rudeln. Trotz der Schönheit der Natur, trotz der beginnenden Flora des Südens ein deprimierender Eindruck, der sich noch verstärkt, wenn man sich einmal vorstellt, was geschehen müßte, wenn in dem Schmutz dieser Elendsquartiere eine Epidemie ausbräche. Die Voraussetzungen wären durch das Fehlen jeglicher Hygiene — der Schmutz aus Haus und Küche fliegt einfach auf die Straße — ja gegeben. Man fragt sich voll Staunen, ob denn das überhaupt die Nachkommen der ersten Kolonialpioniere neuzeitlicher europäischer Geschichte sein können ...
Mit um so größerem Interesse sieht man nun natürlich Lissabon, der Hauptstadt des Landes, entgegen. Kap Rocca, der westliche Punkt Europas, weist den Weg zur Mündung des Tejo. Vorbei geht es an steil abfallendem Gebirge, vorbei an der portugiesischen Riviera und dem alten Kloster Belem mit seinem Turm: in den schönen Tejo hinein mit seinem regen Schiffsverkehr. Ein Unterschied von Porto wie zwischen Tag und Nacht. Nach dem großen Erdbeben vor knapp 200 Jahren ist Lissabon neu und schön wieder erstanden. Die Avenida, die Haupt- und Prunkstraße der Stadt, dürfte mit ihrer Breite von 90 Metern und ihrer Palmenpromenade in der Mitte zu den schönsten Europas zählen. Neubauten sieht man überall, Armut und Elend treten zurück. General Carmona schafft Ordnung. Es heißt, daß aber auch die Elendsquartiere Portos bald der Spitzhacke zum Opfer fallen sollen. Portugal zehrt heute noch, wenigstens innerlich, von dem großen Erbe seiner Vorfahren. Von der ersten Seemacht und dem ersten Handelsvolk Europas ist wenig mehr übriggeblieben als Stolz auf diese Vergangenheit und ein kleiner Kolonialbesitz im Schatten Englands. Das Land, das einst die Dizekönige Indiens' stellte, muß sich heute mit einer zweitrangigen Stellung begnügen.
* Vgl. G. A. Nr. 132 vom 8./9. Juni 1935.
Bunter Abend bei der Gasgemeinschast Wieseck.
£ SB i e f e cf, 14. Juni. Die Gasgemeinschaft Wieseck hatte die Hausfrauen und Einwohner von Wieseck zu einem Bunten Gas-Abend eingeladen, der sehr gut besucht war. Sie tat es mit einer großzügigen Werbeaktion, in der Unterhaltsames und Belehrendes in idealer Form miteinander verquickt wurde.
Betriebsleiter S t e d i n g - Wieseck begrüßte die Anwesenden im Auftrag der Gas-Gemeinschaft und wies dabei auf die Vergünstigungen hin, die mit dem Erwerb eines neuen modernen Gasherdes verbunden find. Die Arbeit der Gasgemeinschaft wolle, so führte er u. a. aus, einen Beitrag bedeuten für die durchzuführende Arbeitsschlacht. Frau Jo- Hanna Kalbfleisch- Gießen von der Reichsarbeitsgemeinschaft Deutsche Hausfrauen sprach über wirtschaftliche Benutzung des Gasherdes und zeit- gemäßes Kochen. Sie gab verschiedene praktische Winke für gut und billig herzustellende Gerichte. Besonders machte sie zunächst auf das billigste Koch- gut, die Kartoffel aufmerksam und sprach dann weiter über GemÜfespeisen und Obstverwendung. Hierbei empfahl sie den Hausfrauen ganz besonders die Verwendung deutscher Gemüse- und Obsterzeug-
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Die beiden Brüder.
(h. k.) Sidney.
Die Brüder Charles und Robert Barlow erblick- ten zwar mit einem Jahr Abstand das Licht der Welt, wurden aber am gleichen Datum geboren. Obwohl sie später getrennt und an ganz verschiedenen Plätzen erzogen wurden, ergriffen sie den glei» chen Beruf eines Kachellegers. Auch stellten sich stets bei ihnen die gleichen Krankheiten fast auf die Stunde zur gleichen Zeit ein.
Das Schicksal ließ auch die beiden Männer am gleichen Tag und um die gleiche Stunde sterben. Die Todestelegramme, die von der einen Familie zur anderen geschickt wurden, überkreuzten sich der- art, daß beide zur gleichen Zett die Sterbenachrichten in den Händen hielten.
Entwöhnung in Etappen.
(s. —h.) Nanking.
Nirgendwo ist man schärfer hinter den Opium- räuchern her als in der chinesischen Provinz Kiang Sou. Man hat nämlich festgestellt, daß. dort mindestens 176 512 Opiumsüchtige leben. Das ist aber nur die Zahl der amtlich erfaßten Opiumraucher, die sich sogar einen Erlaubnisschein besorgt haben.
Die meisten Raucher sind übrigens über 40 Jahre alt. Man hat den Fall genau geprüft und nunmehr eine sogenannte Abgewöhnungsliste herausgegeben, die sich nach dem Alter staffelt. Die jungen Leute unter 20 Jahren müssen von heute auf morgen aufhören. Jene zwischen 20 und 30 Jahren bekommen immerhin ein ganzes Jahr, um innerhalb dieser Zeit das Opiumrauchen zu unterdrücken und ihre Pfeife bei den Amtsstellen abzugeben. Personen zwischen 30 und 40 Jahren bekommen sogar zwei Jahre Frist zum Abgewöhnen, jene zwischen 40 und 50 Jahren müssen nach drei Jahren entsagt haben. Was herüber ist, sind „hoffnungslose Fälle", denen man vier, fünf Jahre oder mehr einräumt.
Die heimlichen Raucher dagegen bekommen aenau 350 Tage Frist zur Abschaffung ihrer Leidenschaft. Nach deren Ablauf verfährt man rote in Peking und anderen Plätzen in China, wo die tödliche Kugel den heillos Süchtigen „hilft", ihr Laster zu „überwinden".
Ein Polizist hilft beim Autostehlen.
(h) Pretoria (Südafrika).
Ein Polizist hat kürzlich mit wachsender Neugierde einem Automobilisten zugesehen, der sich vergebens bemühte, einen großen Wagen, ein elegantes Personenauto, in Gang zu setzen. Als es gar nicht ging, trat der Beamte näher und fragte den Autobesitzer oder jedenfalls den, der sich so benahm, als wenn er es sei, was er eigentlich dort mache. Der Mann im Auto schaute verdutzt auf und sagte dann lachend: „Sie werden's nicht glauben, aber ich stehle ein Auto!"
Der Polizeimann schüttelte sich vor Lachen über den guten Einfall und half mit seinen technischen Kenntnissen dem Mann in dem eleganten Wagen solange, bte der Wagen wirklich lief. Dann ging er wieder auf seinen Patrouillenweg.
Als er abends in die Polizeizentrale zuruckkehrte, teilte man im „Rundspruch an alle" mit, daß em elegantes Personenauto gestohlen worden sei. — Em gewisser Beamter konnte eine genaue Beschreibung des Täters geben. Ja, er konnte sogar das Geständnis des Täters schriftlich niederlegen — denn jener Mann im Auto hatte die Wahrheit gesprochen.
Der „Hellseher" vom Nenarra.River.
(th) Fairbanks (Alaska).
Das ganze Leben hängt in Alaska davon ab, wann das Eis zerbricht und der Frühling wirklich Macht gewinnt. In Ermangelung eines Besseren wird eine regelrechte Lotterie aufgebaut, ein Toto wird errichtet wie bei einem Pferderennen. Man muß angeben, an welchem Tag und zu welcher Stunde das Eis zerspringt. Wer der wirklichen Zeit am nächsten kommt, kann den gesamten Gewinn für sich einstreichen. . ..
Nie war es schwerer als in diesem Jahr, denn Der Winter war launisch und wechselvoll. Und dennoch hat einer, William Berrigam, die stattliche Summe von 61000 Dollar gewonnen, indem er auf den Tag und sogar auf die Stunde angab, wann das Eis mit lautem Krach zu reihen und zu springen begann. Woher er seine Wissenschaft bezog, weih kein Mensch. Man betrachtet heute William mit der Hochachtung, die man sonst bei den Eskimos einem Hellseher entgegenbringt. Denn es sind achtzehn Jahre vergangen, seit jemand den Tag so genau traf.
Der Weg durch den Park von Pena hin zum Schloß von Monserrate gleicht dem durch die in urwaldartiger Ueppigkeit gedeihende Flora der Welt. Besonders Schloß Monserrate mit seinem schönsten Park Europas ist zum Leben gewordenes Märchen. Neben blühenden Palmen recken sich Araucarien himmelan, Cedern, Gummibäume, Agaven über mannshoch, fremdartige, riesige Fuchsien und Blumen nie geahnter Pracht geben ein Bild von der Schönheit der Schöpfung. Und inmitten dieses Märchens ein Schloß, von dem möchte, daß sich seine Tore auftun über feine Schwellen ein arabischer
Er verurteilte sich selbst zu rPrügelstrase.
(ha) Washington.
Die Kootenay-Jndianer haben in diesen Tagen einen ihrer berühmtesten Toten zu Grabe getragen: ihren Häuptling Jsadore. Er hat zwar keinen großen Krieg mehr gegen die Weißen geführt, und auch den Büffel vermochte er nur in der zahmeren Form eines rundlich gemästeten Ochsen zu erlegen. Aber berühmt wurde er durch feine Konsequenz.
Vor sechs Jahren nämlich gewann er die Überzeugung, daß für feinen Stamm nichts schlimmer sei als die Trunkenheit. Er setzte deshalb fest, daß in Zukunft Trunkenheit mit der Prügelstrafe zu ahnden ist. Der Himmel mag wissen, wie es gekommen war: Aber einen Tag nach Erlaß dieses Gesetzes war der Häuptling höchstpersönlich vollkommen blau. Als er sich am anderen Tag erholt hatte, rief er den Stammesrat zusammen und verurteilte sich selbst zu 30 Rutenhieben. Die Strafe wurde auf der Stelle vollstreckt. Jsadore soll mit keiner Wimper gezuckt haben. Die Indianer aber waren seitdem stolz auf ihren Häuptling.
Der lebende Wecker.
(th) Neuyork.
Daß viele unbemittelte amerikanische Studenten sich durch Arbeiten der verschiedensten und oft merkwürdigsten Art ihr Studium und ihren Unterhalt selbst verdienen, ist ja bekannt. Den neuesten Nebenberuf dieser Art hat der 23jährige Student Harold Jesurun an der Columbia-Universität entdeckt, ein Westindier, der mit einem halben Hundert von Kommilitonen in dem Universitäts-Unterkunfts- gebäube, der John-Jay-Hall, wohnt. Er hat sich feinen Kameraden für ein Honorar von fünf Cents je Person und Woche als lebender Wecker angeboten. Er verpflichtet sich dafür, jeden Studenten zur gewünschten Zeit nach vier Uhr morgens zu wecken, da er, wie er behauptet, so gut wie keinen Schlaf brauche und zu jeder Zeit wach werden könne.
Seine Kommilitonen haben ohne Ausnahme von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Harold Jesurun hat sich jedoch als vorsichtiger Mann von seinen ersten Einnahmen eine — Weckuhr gekauft.
V-Züge mit Bar, Bad und Musik.
(—) London.
Wenn alle Prognosen erfüllt werden und die Pläne so ihre Verwirklichung erleben, wie sie jetzt auf dem Papiere stehen, dann hat wirklich England in Jahresfrist mit die schönsten Züge der Welt. Man baut nämlich für die langen Schottlandstrecken ganz besondere Züge, die nicht nur mit Kinos und Fernsehapparaten versehen sind, sondern auch warme und kalte Bäder, Friseursalons, Cocktail- Bars, selbstverständlich große Speisewagen, Aussichtsplattformen und schließlich auch musikalische Dampfpfeifen an Stelle der schrillen Lokomotiv- pfeisen haben werden. In anderthalb Jahren will man sogar Turnsäle und Tanzwagen einrichten, wie sie übrigens in Amerika schon betrieben werden. Für die Kinder richtet man schon jetzt Spiel- abteile ein, wo sie unter Aufsicht von Kinderfräu- leins für die Dauer der Fahrt verwahrt werden. Daß diese Züge, deren man vorerst vier herstellt, mit einer außergewöhnlichen Geschwindigkeit fahren, ist selbstverständlich. So sollen auf der Strecke von London nach Newcastle allein anderthalb Stunden der bisher fünfeinhalb Stunden betragenden Fahrzeit eingespart werden.
Wie der Zufall spielt.
(z) Paris.
In Montargis im Departement ßoiret gibt es ein städtisches Museum, das in erster tonte der Erinnerung des bekannten und in Frankreich sehr geschälten Malers Girodet (1767 bis 1824) geweiht ist. Er war ein Kind dieser Stadt. Dieses Museum wird von einem einzigen Pförtner und Wachbeamten betreut, der ein überaus bescheidenes Monats- gehalt bezieht. Er heißt — Girodet und ift Nachweis- lich der llrurentel des Künstlers!
Der Maler Girodet hatte übrigens, als er noch Junggeselle war, eine Aufwartefrau und Haus- hälterin, die ihm seine Junggesellenwirt chaft versah, eine Madame Delabelle. Der künstlerische Verwalter des Girodetmuseums in Montargis ist der Mu- nizipalrat Delabelle, nachweislich ein Ururenkel jener Frau, die dem Maler diente! Und heute tst er der Vorgesetzte des Mannes, der unmittelbar vom Brot- und Geldgeber feiner Ururgroßmutter ab- ftammt. ...
Dre ungedruckte Arktis-Zeitung.
(u) Moskau.
An jedem Nachmittag „erscheint" in der Arktis eine Tageszeitung, die freilich noch nie gedruckt wurde, die sich aber dennoch eines außerordentlich großen Bezieherkreises rühmen kann. Es handelt ich um die „Jswestia der Arktis", eine gesprochene Zeitung, die von der drahtlosen Station auf der Dickson-Jnsel täglich zum Versand gebracht wird. Das heißt zum drahtlosen Versand.
Man findet die Sendestation auf der Landkarte, wenn man den 75. Grad 5 Breite und 83. Grad 5 Länge heraussucht. Die Station findet nicht nur die üblichen politischen Tendenznachrichten in die Arktis hinein, sondern sie befleißigt sich auch, Konzerte zu geben, die das Gemüt der Einsamen in den Polargebieten aufhellen sollen. Ferner werden Schachpartien veranstaltet, medizinische Ratschläge an Hand von praktischen Beispielen erteilt und endlich natürlich sehr ausführliche Berichte über meteorologische Verhältnisse und Veränderungen, über Eisverschiebungen und ähnliche Dinge gegeben.
loöroüfiger Hund töfet fünfzehn Personen.
In dem Orte Mataro in der spanischen Provinz Barcelona wurden 23 Personen voneinemtoll- roütigen Hunde gebissen. Von diesen Unglücklichen sind fünfzehn gestorben. Auch in der Provinz Cordoba ist eine Tollwutepidemie aus- gebrochen.
George Weyerhäusers Entführer verhaftet.
Die Entführer des kleinen Sohnes des Millionärs Weyerhäufer sind jetzt, wie das amerikanische Bundespoli^eiamt mitteilt, bis auf einen verhaftet worden. Der Haupttäter, ein gewisser Waley, hat als „Kriminalstudent" in den Verhandlungen des Lindbergh-Prozesses feine „Vorstudien" zu der Entführung gemacht. Obwohl er sich — gewarnt durch das Beispiel Bruno Hauptmanns — das Lösegeld in ganz kleinen Scheinen aushändigen ließ, kam die Polizei bald auf feine Spur. Sie verhaftete zunächst feine Frau, bald darnach auch ihn selbst und drei weitere Komplizen. Die Gerichtsverhandlung gegen die Entführer soll in Tacoma, dem Wohnort Weyer- Häusers, stattfinden.
Kunst und Wissenschaft.
Hanns Johst vertritt Deutschland
bei der Victorhugo-Feier der Sorbonne.
In der Senatssitzung der Deutschen Akademie der Dichtung hat der Senat beschlossen, seinen ersten Vorsitzenden, Staatsrat Hanns I o h st, zu der Feier in der Sorbonne zu Ehren Victor Hugos am 17. Juni nach Paris zu entsenden. — Der Senat hatte diese Sitzung als Ehrensitzung für Victor Hugo ausgeftaltet, wobei der Vorsitzende des Senats der Bedeutung des Dichters für Frankreich und die Welt feierliche Worte widmete.
Eine mitleidige Seele.
(h)Prag.
Der Dieb ist unbekannt. Aber die Geschichte ift verbürgt. Und immerhin gibt sie Anlaß zu der Frage, ob es einem Dieb bei der Gelegenheit eines Einbruchs schlecht werden darf, und ob ein Arzt in diesem Falle verpflichtet ist, Hilfe zu leisten, selbst wenn der Einbrecher bei ihm selbst einbrach.
Der Arzt war vorzeitig von einer Abendveranstaltung heimgekehrt. Er fand in feinem Arbeitszimmer im Sessel vor feinem Schreibtisch einen Mann, der ein kleines Bündel blanker Dietriche auf die Schreibplatte gelegt hatte und im übrigen den Eindruck eines total Kampfunfähigen machte. Dem Einbrecher war es infolge von Herzkrämpfen bei feiner Arbeit fo schlecht geworden, daß er nicht einmal mehr aus dem Haufe konnte.
Der Arzt dachte eine Sekunde nach, nahm dann die nötigen Medikamente, brachte den Einbrecher wieder zu sich, gab ihm noch ein Fläschchen mit Herztropfen und schickte ihn dann — eine mitleidige Seele — nach Hause.
Jüdischer Tennisklub in Hamburg aufgelöst.
Die Polizeipressestelle in Hamburg teilt mit: Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräfi« deuten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I Seite 83) wird der „Ten- nisklub an der Fähre193 5" für das gesamte hamburgische Staatsgebiet verboten und a u f g e I ö ft. Die Gründung steht im Widerspruch zu den in Berlin herausgegebenen Richtlinien über die Neubildung jüdischer Sportvereine. Den Mitgliedern des Vereins ist es verboten, sich unter anderem Namen wieder zusammenzuschließen. Wer dieser Anordnung zuroiderhandelt oder zu einer solchen Zuwiderhandlung auffordert oder anreizt, wird auf Grund des § 4 der oben angeführten Verordnung mit Gefängnis nicht unter einem Monat ober mit Geldstrafe von 150 Mark bis 15 000 Mark bestraft.
Schiffsunglück in Schweden. — Vier Todesopfer.
Auf dem See Storjukktan im mittleren Schweden ist ein Schlepper gesunken. Vier Personen kamen dabei ums Leben.
Vooksunglück in Sibirien. — Sechzehn Personen ertrunken.
In Blagoweschtschensk in Sibirien ist bei starkem Sturm auf dem Flusse Seja eine Barkasse mit sechzehn Personen gekentert. Alle Insassen sind ertrunken.
Geroittersturm über Guatemala.
Ein ©eroitterfturm, rote er in gleicher Stärke seit über zehn Jahren nicht mehr beobachtet wurde, suchte die Hauptstadt Guatemalas heim. Die Lichtversorgung war für mehrere Stunven stillgelegt. Der Blitz schlug in die San-Sebastian-Kirche und in zahlreiche Häuser ein. Die ungeheuren Wasser- massen, Die sich über die Stadt ergossen, legten jeglichen Verkehr auf Stunden lahm.


