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Aus aller Wett

Das Mühlrad steht still; wenn Besuch kommt, Müller aus der Nachbarschaft, oder Müller aus der Fremde, dann muß das Mühlrad laufen. Es läuft ganz rasch, denn es hat ja nichts mehr zu treiben, und die Müller stehen oben, qualmen dicke Zigarren und lächeln oder lachen über den vergeblichen Eifer des alten morschen Rades.

Beisetzung Ernst Poehners in München.

Auf dem Münchener Waldfriedhof fand die end­gültige Beisetzung Ernst P o eh n e rs statt, dessen sterbliche Ueberreste von Ipsheim nach Mün­chen übergeführt worden waren. Nachdem Kirchenrat K a d n e r das unerschrockene und vorbildliche natio­nale Wirken Poehners gewürdigt und das Grab geweiht hatte, betonte Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner, daß nun Ernst Poehner, einer der ganz Großen des werdenden jungen Deutschland, in München die Ruhestätte gefunden habe, die das alte System in der ihm zugedachten Art ihm nicht geben wollte. Das Dritte Reich habe das wieder gutgemacht, und er stehe hier im Auftrage Adolf Hitlers, im Namen der nationalsozialistischen Bewegung des ganzen Reiches und unseres großen deutschen Vaterlandes, um Dank zu sagen dem Vor­bild treuester Pflichterfüllung. Gauleiter Staats­minister Wagner legte dann einen mächtigen Lorbeerkranz mit Pfingstrosen und Maiglöckchen am Grabe nieder.

Aenderungen im Programm der Reichsthealerwoche.

Mit Rücksicht auf die schwere Explosio ns- katastrophe in Reinsdorf, bei der viele deutsche Arbeiter ihr Leben lassen mußten oder schwer an ihrer Gesundtheit geschädigt wurden, erfahrt das Programm der vom Sonntag, den 16., bis Sonn­tag, den 23. Juni in Hamburg stattfindenden Reichstheaterwoche insofern einige Verän­derungen, als an Stelle der Eröffnungsansprache, die Reichsminister Dr. Goebbels am Sonntag, den 16. Juni, vor derLohengrin"-Aufführung hal­ten wollte, das Hamburger Opern-Orchester den Trauermarsch aus derEroica" spielen wird. Die Teilnehmer werden zu Ehren der Opfer der Kata­strophe diese Musik stehend anhören. Reichsminister Dr. Goebbels hält seine angekündigte Rede vor der Reichstheaterkammer am Montag, den 17. Juni, um 16 Uhr in der Hamburger Musikhalle. Der für Montagabend vorgesehene festliche Empfang des Hamburger Senats wird im Hinblick auf das Reins- dorfer Unglück abgesagt.

Deutschland gewinnt den hindenburg-Pokat bei der Internationalen Segelwettfahrt in Kiel.

Auf der Seylitz-Brücke in Kiel, von der aus am Freitag der dritte Start zur Ersten Interna­tionalen M a r i n e ° P o k a l - S e g e l w e t t- fahrt erfolgte, hatten sich der Flottenchef Vize­admiral Förster, der Chef der Marinestation der Nordsee Vizeadmiral Schultze, der Befehls­haber der Aufklärungsstreitkräfte Konteradmiral B o e h ip, Vizeadmiral Carls und der Wett­fahrtleiter Konteradmiral Bastian eingefunden. Die Militärattaches Englands, Frankreich. Japans, Italiens und Schwedens befanden sich auf der Sta­tionsjachtNixe" auf dem Segelrevier.

Deutschland hat die dritte Wettfahrt im Rahmen der Ersten Internationalen Marine- Pokal-Segelwettfahrt mit 2:08,50 vor Schweden mit 2:09,15 gewonnen. Damit ist der vom ver­ewigten Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg gestiftete Wanderpreis, der Hindenburg-Erinnerungspokal", erstmalig an die Kriegsmarine Deutschlands gefallen. Die im Rahmen der Ersten Internationalen Marinepokal­

segelwettfahrt vorgesehenen gesellschaftlichen Der- anstaltungen der fünf Nationen sind wegen des schweren Reinsdorfer Explosionsungluckes abgesagt worden.

Nach Abschluß der Marinewettfahrten ist auf Grund des schwedischen Punktsystems folgende Preisberechnung bekannt gegeben worden: Schweden erhält den ersten Punktpreis, Deutschland neben dem Anrecht auf den Hmden- burq-Pokal den zweiten Punktpreis, da es durch Ausscheiden bei der zweiten Wettfahrt erhebliche Punkte verloren hatte. Den dritten Punktpreis erhielt die dänische Mannschaft. Weiterhin wurden zwei Steuermannspreise verteilt, deren erster an Polen fiel. Der zweite Steuermanns­preis wurde Holland zuerkannt.

Revision im Rundfunkprozeh.

Nachdem die Verteidigung der Angeklagten im großen R u n d f u n k p r o z e ß vor der Strafkam­mer des Berliner Landgerichts bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung die Erklärung abge­geben hatte, daß sie namens der Verurteilten Re­vision beim Reichsgericht einlegen werde, hat sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft entschlossen, ihrerseits vom Rechtsmittel der Revision Gebrauch zu machen.

50 000 R7N.Gewinn gezogen.

Am letzten Ziehungstage der Dritten Klasse der 45./271. Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wurde ein Gewinn von 50 0 0 0 RM. auf die Nummer 1 8 7 47 7 gezogen, die in der Ersten f Abteilung' in Viertellosen in Württemberg und m der Zwecken Abteilung in Achtellosen in Mecklen­burg gespielt wird.

BerlinKöln in 5 Stunden 9 Minuten. Fliegender Kölner" ab 1.3uü.

Die Deutsche Reichsbahn stellt vom I.Juli ab auf der Strecke BerlinKöln einen neuen Schnelltriebwagen nach dem Muster des Fliegenden Hamburgers" in den Verkehr. Es handelt sich auch hier um einen zweiteiligen Schnell­triebwagen, dessen Innenausstattung gegenüber demFliegenden Hamburger" noch wesentlich ver­bessert worden ist. Der FDt-15, der nur 2. Klasse führt, fährt um 7 Uhr früh von Köln ab und trifft 12.09 Uhr auf Bahnhof Zoo, 12.20 auf Bahnhof Friedrichstraße und 11 Minuten später auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin ein. Der Gegenzug, der FDt 16, verläßt um 19.01 Uhr den Schlesischen Bahnhof, je 10 Minuten später den Bahnhof Friedrichstraße und den Bahnhof Zoo und erreicht die Hauptstadt bes. Rheinlandes 18 Minuten nach Mitternacht. Die Wagen halten für eine, höchstens zwei Minuten in Hannover, Hamm, Dortmund, Essen, Duisburg und Düsseldorf. DerFlie­gende Kölner" hat auf den Probefahrten eine . Geschwindigkeit von mehr als 185 Kilome - ter erreicht, jedoch kann naturgemäß diese Ge­schwindigkeit mit Rücksicht auf den Streckenverkehr ' nicht voll ausgenutzt werden. DerFliegende Köl­ner" überbietet die Geschwindigkeit des schnellsten : Fv-Zuges auf dieser Strecke noch um eine Stunde und 20 Minuten.

Deutschland und die Weltwirtschaft

Von Or. Gart Weltthor.

erkannt, daß die politischen Spannungen einen sehr großen Anteil daran tragen, wenn die Krise sich zu einer Katastrophe ausgewachsen hat. Daraus ergibt sich, daß ein e

tischer Ausgleich, wie ihn Deutschlcmd durch den Mund des F ü h r e r s erneut und nachdrücklich anqereqt hat, für den Neubau der Weltwirtschaft ein9e unerläßliche Voraussetzung ist. Der Fuhren und Reichskanzler hat in dem Danktelegramm, mit dem er die Begrüßungsbotschaft der Stuttgarter Tagung beantwortete, die Hoffnung ausgesprochen, daß die Arbeiten der Weltwirtschaftlichen Gesell­schaft zur wirtschaftlichen Verständigung der Vol- ker beitragen mögen. Nachdem jetzt alle Volker der Welt in den Strudel der Krise ^n^lngezogen worden sind, besteht wohl auch bessere Aussicht als bisher, daß die Stimme der Wirtschaft tn den politischen Kanzleien gehört wird.

In Stuttgart hat eine gut besuchte und bedeut- same Tagung der Deutschen Weltwirt­schaftlichen Gesellschaft stattgefunden. Stuttgart ist die Hauptstadt desjenigen deutschen Landes, Württemberg, das weitaus den größten relativen Anteil an der deutschen Ausfuhr aus­weist und trotzdem von der Weltkrise weniger schwer betroffen worden ist, als die ande­ren deutschen Länder. Württemberg hat diese Vor- Zugsstellung der Tatsache zu danken, daß es m besonderem Maße Qualität» ge werbe ge­pflegt hat und eine glückliche Mifchung von Landwirtschaft und Industrie zeigt Der Rektor der Technischen Hochschule Stuttgart, Professor Dr. Stortz, erklärte in seiner Be­grüßungsansprache hierzu treffend:Allerwelts­ware, wenn auch noch so rationell hergestellt, wird stets durch Währungskünste ausgeschaltet werden können". Suttgart, das gleichzeitig der Sitz des Deutschen Auslandsinstituts ist, war also der geeig­nete Ort für einen deutschen Beitrag zur Weltwirt- schaftsfrage. _

Einen Hauptvortrag auf der Stuttgarter Tagung der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft hat der Holländer Fentener van Vlifsingen, der derzeitige Präsident der Internatio­nalen Handelskammer, gehalten. Mitte Juni wird diese Handelskammer in Paris eine ihrer regelmäßigen Zweijahrestagungen abhalten und Gelegenheit bieten, sich vom Standpunkt der wich­tigsten Weltwirtschaftsländer zu den Anregungen Fentener van Vlissingens zu äußern. Man kann schon jetzt sagen, daß kein Volk mehr an die allein seligmachende Wirkung der Autarkie glaubt. Aller­dings ist es zweifelhaft, ob sich die führenden Staatsmänner der großen Länder mit der gleichen Deutlichkeit über den bedingten und beschränkten Wert derSelbsthilfe" äußern werden, wie der Führer es am 21. Mai getan hat. Dazu scheint das Prestige gewisser ausländischer Staatsmänner noch allzu stark mit ihren Selbsthilfeplänen ver- flochten zu sein.

Aber wenn auch vom deutschen Standpunkt aus der starke Einschlag von Autarkie als notwendiges liebel angesehen und bezeichnet wird, so müssen doch einige grundsätzliche Vorbehalte gemacht werden: Deutschland ist nicht bereit, den Satz Fentener van Vlissingens über die Not­wendigkeit internationaler Arbeitsteilung auch für die landwirtschaftliche Erzeugung gel-

hielten gar nichts. Es war eine fast strafbare Kühnheit, daß Schubart im Oktober 1791 den An­trag zu stellen wagte, auf Grund erhöhter Einnah­men diesen Kunstnovizenzu ihrer Ermunterung eine Belohnung von Entreegeldern auszusetzen." Die Zahl der Freiplätze war immer noch beträcht­lich. Allerdings kam hier ein beifallsfreudiges Publikum ins Theater, zu dem auch die Karls- fchüler im vierten Rang zu zählen waren. Es gab sogar um ihretwillen eine kleine Theaterrevolution, denn die Nachfolger Schillers auf der Schulbank wagten es, einen Anspruch auf Plätze im dritten Rang zu erheben. Das hat der Herzog aber sehr entschieden abgelehnt.

Oer Mütter.

Don Nikolaus Schwarzkops.

Der Müller wohnte abseits am Bach und lebte für sich; er hatte auch keinen Spitznamen. Wenn ich um die Mühle herumstreifte, oder gar, wenn ich Korn hinfuhr oder Mehl abholte, dann empfand ich ein gewisses Heimatrecht in dem weiten Hof und erst recht in den durchklapperten Räumen; beim biese Mühle war vor mehr als einhunbertunbfünf- zig Jahren von meinem Vorfahren gegrünbet wor­ben, bem Sohn jenes Mannes, der aus Salzburg verwiesen wurde. Heute noch steht in der Mühle eines Nachbardorfs eine Anzahl von Mehlkästen, in die mein Name eingebrannt ist. Wieso das alles geschah, habe ich noch nicht erfahren können.

O, wie streiften wir um diese Mühle! Das Wasser schützten wir, das heißt, wir bauten einen Wall, baß es sich für uns staute, wenn wir baden wollten, und bis der Müller es merkte, hatten wir uns aus­getobt. Dann kam er mit einem Prügel quer über seine Wiesen, uns zu verhauen, aber wir konnten besser laufen als er. Im Winter schlichen wir an den Graben, bauten einen Wall und ließen das Wasser den Abhang hinunterlaufen, daß es unten sich hindehnte und zu einer Eisbahn ward. Da tollte denn die ganze Jugend um die Mühle her, und in­nen grollte der Müller, der ortsfremde Mann.

Sein Mühlrad hing, unter Weiden versteckt, an der fensterlosen Wand, die steil bis hinunter ins Wasser stand. Es drehte sich unheimlich langsam, aber es war auch unheimlich groß. Lange Bärte von Algen hingen an den fast schwarzen Speichen und innen unter den Kästen und drehten sich mit. Die Wasserkästen wurden oben vollgestoßen mit sil­brigem Wasser und senkten sich vermöge des Drucks und der Schwere, und unten leerten sie sich wieder. Hatte der Bach zuviel des Wassers, dann schob der Müller ein Brett quer über den Einlauf, und ein Teil des Wassers schoß fröhlich, weil es nichts zu schaffen brauchte, über das Rad hinweg und stürzte mit großem Getöse wie eine böse Bubenschar in die Tiefe. Wir Buben konnten uns an heißen Tagen da unten hinwagen und überschütten lassen; aber es war dann schwer wieder hinaufzukommen, denn das Weidengebüsch faß nicht fest in dem ewig durch­näßten Schacht. Aber da unten zu stehen und das Wasser über sich stürzen zu lassen, das war eine Wonne! Wie aber das gewaltige Rad das Korn mahlen konnte und wo, das ahnte ich anfänglich nicht. Es lief da wie zum Zeitvertreib herum, und was innen hinter der hohen Mauer geschah, das war ein Rätsel. Aber es war doch ganz einfach: der Mülleresel trug einen Sack voll Korn die gepflasterte

ten zu lassen, gewiß nicht aus Oppositionslust oder Eigenbrötelei. Es wird die deutsche Regierung in ihren Maßnahmen nicht beirren, wenn irgendwo in der Welt, sei es an der unteren Donau, am La Plata, oder in Kanada, der Roggen und der Weizen mit der Hälfte derjenigen Produktionskosten hergestellt werden kann, die in Deutschland durch- chncktlich aufgewandt werden müssen. Für uns ist der Acker nicht in dem Sinne Rentenquelle wie für einen Handelsherrn in einem Land, das über em gewaltiges Kolonialreich gebietet. Für uns ist die Bebauung des Bodens ein Stück Heimat­dienst, die Ausnutzung einer von den Vatern übernommenen und zur Weitergabe an Kinder und Enkel bestimmten Quelle unseres Lebens, ein wichtiges Betätigungsgebiet zur Verhinderung ge­werblich-technischer Einseitigkeit, ein Stuck Ver­bundenheit mit der Natur und ganz besonders em Jungborn unserer Volkskraft. Diese Werte bleiben auch dann bestehen, wenn Deutsch­land aus seinen Devisennöten erlöst sein sollte und wenn die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern nicht mehr von außen her bedroht fein wird.

Völliges Einvernehmen zwischen dem Präsiden­ten der Internationalen Handelskammer und seiner überwiegend deutschen Zuhörerschaft besteht in jenen Punkten, die sich mit der Schaffung einer Grundlage für den Neubau der Weltwirt­schaft beschäftigen. Unter den fünf Punkten, die Fentener van Vlifsingen aufzählte, steht nicht nur räumlich, sondern auch begrifflich eineft abil e , international brauchbare Währung an erster Stelle. Der holländische Wirtschaftsfach­mann war in feinen Empfehlungen bei aller Deut­lichkeit doch vorsichtig und zurückhaltend. Er halt zunächst nur eine vorläufige Ordnung der Währung für möglich und will denjenigen Län­dern, die ihren Währungsstand innerhalb gewisser enger Grenzen korrigieren wollen, die Chance hier­für offenhalten. Er hat hierbei offensichtlich in erster Linie an fein eigenes Land, Ho11and, so­wie an die noch verbliebenen Goldblocklän- d e r gedacht. Fentener van Vlissingen erklärte es für unerläßlich, daß alle Weltwirtschaftsländer für den Neubau einer gesunden Weltwirtschaft Opfer bringen.

Vergleicht man den Ton der beiden Hauptvor­träge auf der Stuttgarter Tagung, den erwähnten Vortrag Fentener van Vlissingens über denNeu­bau der Weltwirtschaft" und die Rede des Wüttem-

Böschung hinan in den oberen Mahlraum, der Mül­ler ließ das Korn in einen großen Trichter laufen, und das Korn rutschte, gemächlich zwischen zwei ungeheure Steine, die ineinandergebuckelt waren, und rieselte zerschrotet unten heraus. Heraus? Es häufte sich da unten; aber wiederum unter ihm faßen zwei Mühlsteine ineinandergebuckelt, und die nannte der Müller feine Feinmechaniker, denn sie zerrieben das Grobgeschrotete endgültig. Der Wind kam irgendwoher, irgendwelcher Wind war das, auch vom Mühlrad gemacht, wie es hieß, und der trennte die Spreu von dem Mehl. Was dann unten heraus­kam, das war blitzblankes Kornmehl, wie es der Bäcker in die Mulde laufen ließ.

Der Müller war uns allen ein geheimnisvoller Mann. Er redete nicht viel, er lief in feinen weißen Kleidern umher, weih auch die Schuhe, weiß die flache Mütze, durchstäubt der volle Bart, daß man nicht sah:'war er alt, war er juna, der Müller; und die Bauern munkelten über ihn, daß er sie ständig betrüge. Manchmal kam des Nachts ein Fuhrwerk, das kam die Feldwege her und ver­schwand auch wieder durch die Feldwege, und es hieß: der Müller mache heimliche Geschäfte. Ich sage mir heute: wer nur einen einzigen Gang be­sitzt, der kann nicht viel betrügen; aber ich weiß noch, daß, als der Weltkrieg ausbrach, der Müller jeden Samstag Brot backen ließ, und es an arme Leute verteilte. Das hätte er gewiß nicht getan so hieß es, wenn er nicht andere Leute bestohlen hätte! Ich sage es aber noch einmal: wer nur einen einzigen Mühlgang besitzt, der betrügt nicht, und ich halte dafür, daß der Müller, der kinderlos war, ein­fach ein gutes Werk tun wollte in der schweren Zeit, und warum soll ich denn nicht mehr daran glauben dürfen, daß es noch solche Menschen unter uns gibt?!

Heute ist ein anderer Müller da, der hat den ewig fließenden Bach arbeitslos gemacht und läßt feine sieben Gänge von einem Strom treiben, der in einem Draht ankommt, von irgendwoher aus der Stadt, allwo er aus Kohlen gewonnen wird. Die Kohlen stammen aus alten Wäldern, die Wälder sind aus Triften entstanden, und das Wasser hat sie großgezogen wie uns alle. Ich kenne den neuen Müller sehr gut und kenne auch seine Gänge und seine Ganglien ... Sagte der alte Müller: Wenn ich Wasser habe, dann trinke ich Wein, und habe ich kein Wasser, dann trinke ich Wasser, so sagte der neue: Ich trinke meinen Wein so oder so. Ein Mühlrad brauche ich nicht, euer Wasser brauche ich nicht. Und fällt auch kein Regen vom Himmel, so bringen mir die großen Schisse den Weizen aus : Amerika, und dort regnet es immer«

bergischen Mrtschaftsministers Professor Dr. Le h- nich überDeutschland und die Weltwirtschaft miteinander, so springt ein Unterschied m die 2luqen* Der Holländer behandelte überwiegend Die materiellen Fragen der Weltwirtschaft, der Deutsche dagegen ging auf ideelle Tri e b - k r ä f t e ein. Dabei hat Fentener van Vlifsingen felbft das Wort ausgesprochen, das den Darlegun­gen Lehnichs zugrunde lag:Je höher die An­sprüche, desto größer die Abhängigkeit'. Daraus ergibt sich für ein Volk, das sich von einem uner­träglichen Zuviel an Anhängigkeit freimachen will, der Zwang zur Beschränkung feiner Be­dürfnisse. Ansprüche, Bedürfnisse und Ver­sorgungsstörungen machen ein Volk unfrei. Die Regierung des neuen Deutschland läßt sich nicht in neue Abhängigkeiten locken.

Alle Redner der Stuttgarter Tagung haben an-

Irdische Freuden.

Der berühmte deutsche Theologe, Arzt und Mu­siker Albert Schweitzer, dem die Stadt Frank­furt vor einigen Jahren den Goethe-Preis verlieh, las als Dreißigjähriger den Aufruf einer Missions­gesellschaft, die sich lebhaft über den Mangel an guten Aerzten in den Fiebergebieten Afrikas be­klagte. Schweitzer, der sich schon lange danach sehnte, nicht allein durch das Wort, sondern auch durch die Tat zu wirken, gab ungesäumt fein ganzes bis­heriges Forschen auf, um Mediun zu studieren. Nachdem er die notwendigen Prüfungen bestanden, heiratete er, ließ feine Frau als Krankenpflegerin ausbilden und zog dann mit ihr in eins der übelsten Sumpfgebiete Afrikas, in Französisch-Kongo. Dort errichtete er mitten im Urwald ein bescheidenes La­zarett und begann die Tropenkrankheit zu studieren und auch sofort zu bekämpfen. Sein Unternehmen hat inzwischen Weltruf erlangt.

Schweitzer war aber nicht nur Forscher und Ge­lehrter, sondern blieb dabei ein guter Kenner des Lebens und der Menschen. Als er einst einer Tagung seiner Missionsgesellschaft beiwohnte, hörte er sich einen erbitterten Streit über die Frage der Neben- frauen afrikanischer Häuptlinge mit an. Die Missio­nare forderten saft durchweg: ein getaufter Neger dürfe nur eine Frau haben und müsse daher alle anderen entlassen. Schweitzer griff ein und vertrat den Standpunkt, es sei christlicher, die armen Weiber zu lassen, wo sie wären, anstatt sie hilflos in den Wald zu jagen. Da begehrte einer der Missions- brüber gewaltig auf: Die Neger müßten wie alle echten Christen anderswo auch auf die irdischen Freuden zugunsten der zu erwartenden himmlischen verzichten lernen.

Schweitzer lächelte:Glauben Sie, Herr Bruder, es sei ein irdisches Vergnügen, drei ober vier Frauen zu haben?" J.V.

Ser Gefangene von Hohenasperg als Theaterdirektor.

Der Fürsprache Friedrichs bes Großen hatte es ber unglückliche Dichter Christian Daniel S ch u - bart in erster Linie zu banken, baß er nach zehn­jähriger Gefangenschaft auf bem Hohenasperg im Jahre 1787 enblich freigelassen würbe. Sein Lan- besvater Herzog Karl Eugen von Württemberg, ber ihn so hart für bie Verspottung seiner Person gestraft hatte, war ihm nun sogar wieber so wohl gesinnt, baß er ben in ganz Europa berühmten Dichter berFürstentzruft" zum Hof- unb Theater- bichter ernannte. Für ein jährliches Gehalt von sechshunbert Gulben burfte der reumütige Schubart die Direktionüber die Musik und Mimik" am herzoglichen Hoftheater in Stuttgart übernehmen, eine Auszeichnung, die indes auch ihre Schatten­seiten hatte und die ihm manchen Kummer bereitete. Das Hoftheater war nämlich von der Karlsschule und deren Intendanten abhängig, und es mußte außerordentlich sparsam gewirtschaftet werden. Als Schubart die dringend notwendige Anschaffung eines neuen Klaviers für dreiundzwanzig Karolins vertrat, wurde ihm mit ernster Miene bedeutet, daßweder die herzogliche General- noch Theatral- kasse mit einer solchen Ausgabe beschwert werden dürfe". Um jeder kleinen Geldfrage willen mußte der Dichter Bittgänge bis zu ben höchsten Herr­schaften tun, ohne immer Erfolg zu haben. Bis 1779 hatte freier Eintritt für bas Theater bestau­ben; aber auch bie halb barauf eingeführten Abon­nements warfen nur einen bescheibenen Gewinn ab. Die Monatseinnahme betrug in ben Jahren 1788 unb 1789 durchschnittlich zweihunbert bis dreihunbert Gulben, unb Schubart burfte stolz barauf sein, baß bas zur Feier bes Geburtstags­festes ber Herzogin von Kotzebue verfertigte unb vom Hofmusikus Dieter komponierte Singspiel Der Eremit von Formentera" bei seiner Auf­führung am 10. Januar 1791 im großen Opern­haus bieungewöhnliche Summe" von hundert- zweiunbachtzig Gulben einbrachte. Man kann sich danach ungefähr eine Vorstellung machen, wie ge­ring bamals bie Schauspieler, Sänger, Tänzer unb Musiker bezahlt würben; bie jüngeren Kräfte er-

Volk treten und gemeinsam bekunden, daß das Handwerk lebt und durch seinen Leistungswillen und den in ihm wohnenden Gemeinschaftsgeist ein wertvoller und unentbehrlicher Teil der Volksgemeinschaft und der deutschen Volkswirt­schaft ist.

In ber Gemeinschaftsarbeit lag noch stets die Stärke des deutschen Handwerks. Diese Gemeinschaftsarbeit befruchtet bas wirtschaftliche, sozialpolitische unb kulturelle Leben bes deutschen Volkes. Die innere Wanblung, bie in ben letzten Jahren das Hand­werk durchgemacht hat, verbürgt schöpferische Lei­stung und meisterhafte Qualitätsarbeit.

Denn das Handwerk heule seine Lebensberech­tigung in überzeugender Form nachweist, so ge­schieht dies, um der Oeffentlichkeit zu zeigen, daß ohne ein schaffendes Handwerk der Staat nicht leben kann.

Der Reichshandwerkertag ist also zugleich eine Mah­nung an alle, bie ben Wert unb bie Bedeutung bes Handwerks noch nicht erkannt haben, eine Mahnung, die unter der DeviseDeine Hand dem Handwerk" an Vernunft und Herz appelliert!

TB. (0. Schmidt,

Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter und Reichs- Handwerksmeister.

Empfang der presse.

Lpd. Frankfurt a. M., 14. Juni. Reichshand- werksmeister W. G. Schmidt empfing Freitag

i abend bie zum Reichshandwerkertag nach Frank­furt a. M. gekommenen etwa 100 Vertreter der in-

1 unb auslänbifchen Presfe, um ihnen bie Ziele unb Aufgaben bes beutschen Handwerks aufzuzeigen. Er hieß zunächst insbesonbere bie Vertreter ber aus­ländischen Presse herzlich willkommen und dankte für die Unterstützung, die die Vorbereitung des Reichshandwerkertages durch die Presse erfahren habe. Es handle sich bei dem Reichshandwerkertag nicht um eine demonstrative Zusammenkunft von 250 000 Menschen der verschiedenen Handwerks­zweige, sondern der Handwerkertag 1935 sei die Wende in der Handwerkspolitik der letzten 120 Jahre. Er, der Reichshandwerksmeister, sei glücklich, sagen zu können, daß die von ihm für das deutsche Hand­werk geleistete Arbeit nach lömonatiger angestreng­ter Arbeit nunmehr als beendet zu betrachten fei.

Jetzt beginne die aktive Wirtschaftspolitik des deutschen Handwerks, wir wollen, so schloß der Relchshandwerksmeister, den nalionalsozialisti- schen Staat, und wir wissen, daß die Idee des Führers in die Tat umgefeht werden muh. wie es auf der einen Seite in Deutschland nie­mals ein Handwerk ohne Nationalsozialismus geben kann, so ist umgekehrt auch eine national­sozialistische Wirtschaft nicht möglich ohne das deutsche Handwerk.

So verstanden, wird der Reichshandwerkertag auf der einen Seite den Leistungswillen und auf der andern Seite den Gemeinschaftsgeist dokumen- i tieren.