Nr. 112 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 15. Mai <955
Aus pilsudskis Kindheit und Lugend.
Das entscheidende Kapitel in der Lebensgeschichte eines großen Mannes. Von Friedrich Wilhelm von Oerhen.
Der Auf st and von 1863 ist zu Ende. Hunderttausend russische Soldaten, ausgerüstet mit Gewehren und Munition, mit der modernen Artillerie einer damaligen Armee, haben in länger als einem Jahre den verzweifelten Widerstand von ein paar tausend schlecht ausgerüsteten, unausgebildeten polnischen Patrioten niedergeschlagen. Die Gefängnisse in Polen und in Litauen sind überfüllt. Die Kriegsgerichte arbeiten mit Doppelschichten. Ueberall im Lande stehen Galgen, und gen Osten ziehen täglich die traurigen Züge der Deportierten, angetrieben von den Knutenschlägen der eskortierenden Kosaken.
In Wilna regiert als Gouverneur des Zaren Graf Murawiew. Aber das Volk nennt ihn nicht bei diesem Namen. Es kennt ihn nur unter der Bezeichnung, die er sich gleich in den ersten Wochen seines Regimes erworben Hot: in Wilna regiert der Henker.
Auf dem Lande draußen herrscht bittere Not. Murawiew, der Henker, hat sein besonderes System, mit den polnischen und litauischen Gutsbesitzern fertigzuwerden. Auf jedem Gutshof werden ein paar Dutzend Kosaken oder andere russische Soldaten einquartiert. Dort leben sie herrlich und in Freuden. Der Gutsbesitzer mag sehen, wie er sie unterbringt und verpflegt. Aber das ist nicht alles. Der Graf Murawiew hat einen ausgeruhten Kopf. Die Gutsbesitzer müssen eine Sondersteuer zahlen. Runde Dauerkontribution für alle, die im Verdacht stehen, mit dem Aufstande von 1863 auch nur sympathisiert zu haben.
In wenigen Jahren sind viele Hunderte von polnischen Gutsbesitzern wirtschaftlich am Ende. Aus wohlhabenden Familien sind mehr oder weniger Proletarier geworden.
In den Städten sieht es nicht anders aus. Die -polnische Sprache ist von den Straßen verschwunden. An keinem öffentlichen Ort darf ein Wort polnisch gesprochen werden. Vor Gericht, in Kirchen und Schulen ist Russisch allein die erlaubte Sprache. Der Kaufmann im Laden muß mit seinen Kunden und mit seinen Angestellten russisch sprechen.
Das Land ächzt unter der Faust des Henkers. Aber der Mensch will leben. Die, an denen der russische Rachefeldzug persönlich vorbeigegangen ist, haben das Gefühl, daß gegen diese Gewalt doch wohl kaum etwas zu unternehmen ist. Sie ducken sich und lassen am liebsten niemanden merken, daß sie nicht Russen sind. Sie wollen vergessen, was war, wenn man ihnen nur die Möglichkeit läßt, zu leben und vielleicht auch sogar ihre Geschäfte zu machen. Und siehe da: Sie merken, daß man auch auf russisch Geld verdienen kann. Es geht wirtschaftlich irgendwie aufwärts. Weshalb soll man den neu beginnenden Wohlstand durch nationalistische Experimente gefährden? Weshalb soll man die russischen Herren reizen? Man spricht nicht mehr polnisch. Man denkt nicht mehr an den alten Traum von einem unabhängigen polnischen Reich. Man schiebt das alles beiseite und ist Geschäftsmann oder Arzt oder Rechtsanwalt. Und verdient sein Geld.
Das ist die Atmosphäre, in die hinein am 19. März 1867 Josef P i l s u d sk i geboren wird. Sein Vater ist ein aufrechter Mann, der Sproß einer alten polnisch-litauischen Adelsfamilie. Er hat am Aufstand von 1863 teilgenommen als Kommissar der geheimen Nationalregierung. Die Kosaken Mu- rawiews haben ihn geplagt. Das ehemals recht stattliche Vermögen ist zusammengeschmolzen. Ein Brand hat fast das Letzte vernichtet.
Mit tiefem Ingrimm sieht Pilsudskis Vater das feige Sichducken vieler seiner Landsleute. Er macht es sich nicht so leicht wie die andern. Er kann nicht jetzt unter der Faust des Henkers all das zum Eisen werfen, wofür er bisher gelebt und gekämpft hat. Die Frau an seiner Seite, Maria P i l -
s u d s k a , ist ihm eine tapfere und niemals versagende Kameradin. Sie sieht und fühlt das Elend um sie herum. Aber sie bleibt aufrecht und gibt nicht nach. Ihre Kinder sollen wissen, daß sie Polen sind; ihre Kinder sollen ein polnisches Elternhaus haben, und die Großen aus der polnischen Geschichte sollen ihren Söhnen Vorbilder für ihr späteres Leben werden.
In Wilna besucht der junge Pilsudski das Gymnasium. Schon nach den ersten Schultagen sieht die Mutter, wie das Kind immer gedrückter wird. Sie weiß, wie diese russischen Schulen aussehen und welcher Geist in ihnen herrscht. Aber es hilft nichts. Ihr Sohn muß da hindurch. Jeder Privatunterricht ist streng verboten. Er könnte ja polnisch sein.
Und so beginnt der erbitterte Kampf der
Maria Pilsudska gegen diese russische Schule. Dieser Kampf ist ein Jahre langer ständiger Kleinkrieg um die Seele ihres Sohnes. Josef Pilsudski trägt die Uniform eines russischen Gymnasiasten. Seine Lehrer sind Russen, die die Aufgabe haben, aus polnischen Kindern russische Staatsbürger zusammenzuprügeln. Diese Lehrer unterziehen sich ihrer Aufgabe mit verbissener Energie. Die ganze Schule ist voll von der Atmosphäre gegenseitiger Abneigung, gegenseitigen Mißtrauens, gegenseitiger Spionage. Wenn während der Pause zwei oder drei der Kinder in irgendeiner Ecke zusammenstehen, dann pirscht sich heimlich der Lehrer heran, um zu hören, ob die Jungens nicht vielleicht untereinander doch polnisch sprechen. Und wehe ihnen, wenn ein polnisches Wort gehört wird.
In den Stunden russisch, immer nur wieder russisch. Den unglücklichen Jungen zerspringt fast der Kopf, aber nicht darauf kommt es an, sondern es
geht allein um die Frage, ob man mit Schulunterricht polnisches Blut in russisches verwandeln kann.
Das Schlimmste aber ist der Geschichtsunterricht. Man hat in Petersburg im Unterrichtsministerium für die russischen Schulen in Polen und Litauen besondere Geschichtsbücher zusammengestellt. Und in diesen Geschichtsbüchern wird alles, was an die Geschichte des polnischen Volkes erinnern könnte, mit Bedacht in den Schmutz gezogen. Niemand, der Kinder kennt und Kinder liebt, wird darüber verwundert sein können, wenn Josef Pilsudski viel später einmal einem seiner Biographen von dieser Schulzeit als fast von dem Schrecklichsten, was er erlebt habe, erzählt hat.
„Meine ganze Schulzeit", so sagt er, „war eine einzige dauernde Qual. So tief hat sich das bei mir eingegraben, daß ich heute noch, wenn ich einmal einen schlechten Traum habe, von jenen russischen Lehrern träume, die mit all ihren Gemeinheiten meine Kindheit systematisch zu vergiften versuchten."
Gegen diese Schule kämpft Maria Pilsudska. Abends, bei dicht verschlossenen Fenstern und Türen, nimmt sie ihren Sohn auf den Schoß und erzählt
ihm von der Geschichte Polens. Sie spricht zu ihm wie zu einem Großen. Es ist irgendwie unmöglich, kindlich zu sein, wenn sie die Augen dieses Jungen sieht. Sie erzählt ihm von dem Bauern P i a st, der König von Polen wurde. Sie spricht von den Zügen Boleslaws des Kühnen, dessen Reich und Einfluß von der Elbe bis ans Schwarze Meer reichte. Sie erzählt von Kasimir dem Großen, dem Bauernkönig, der ein hölzernes Polen vorfand und ein gemauertes zurückließ. Sie zeichnet all die Bilder einer großen Vergangenheit aus der Zeit der Jagellonenfürsten, und diese Bilder sind schön und erhaben. Sie sind vielleicht manchmal ein wenig zu freundlich. Aber das ist notwendig, denn es geht ja darum, das russische Gift unschädlich zu machen.
sich, sich zu straffen. Aus ihm wird kein weicher Bürger werden. Er wird nicht zu denen gehören, die ihr Polentum vergessen, um bequemer Geld verdienen zu können. Die Saat, die das Elternhaus gepflanzt hat, ist gut und stark. Und eines Tages wird sie aufgehen und Frucht tragen.
Noch ehe Josef Pilsudski seine Wilnaer Schulzeit-abgeschlossen hat, trifft ihn ein schwerer Verlust. Im Alter ufln noch nicht ganz vierzig Jahren stirbt seine Mutter. Die Trauer über den Tod dieser Frau, die seinem Leben Inhalt und seiner bitteren Kindheit Licht gegeben hat, ist unendlich groß. Aber dieser junge Pilsudski wird durch den Schicksalsschlag, so schwer er ihn auch empfindet, nicht aus der Bahn geworfen. Irgendwo im Unterbewußtsein spürt er, daß die russischen Unterdrücker auch das Leben der geliebten Mutter auf dem Gewissen haben. Josef Pilsudski bezieht die Universität Charkow, um Medizin zu studieren. Nicht für lange. Nach knapp einem Jahre zwingen ihn die russischen Polizeibehörden, die Stadt zu verlassen. Man hat ihn in Verbindung mit Studentenunruhen gebracht, und obwohl nicht das Geringste nachzuweisen ist, genügt der Verdacht, um die' Relegation von der Universität herbeizuführen.
Pilsudski kehrt nach Wilna zurück, gerät in Wilna in einen Kreis von jungen polnischen Intellektuellen, die sich sehr intensiv mit dem Studium sozialistischer Fragen beschäftigen. Diese jungen Studenten und Kaufleute verschlingen in geheimen Zusammenkünften alles, was ihnen an sozialistischer Literatur irgendwie erreichbar ist. Bei dichtverschlossenen Türen und hinter verhängten Fenstern diskutieren sie nächtelang, und immer klarer schält sich bei manchen von ihnen die Erkenntnis heraus, daß dieser Sozialismus vielleicht einmal eine Waffe in dem Kampfe des polnischen Volkes um seine Freiheit werden könne. Noch ist das alles bei den meisten dieser jungen Menschen und auch bei Pilsudski unklar und verschwommen.
Im Jahre 1887 findet ein junger russischer Student Zutritt zu dem Kreise Pilsudski und seiner Freunde. Er kommt aus Petersburg und gehört einer Geheimverbindung russischer anarchistischer Studenten an. Dort in Petersburg spielt man mit dem Gedanken eines Attentates auf den Zaren Alexander III. Der Petersburger Student hat den Auftrag, Verbindung mit den Wilnaer polnischen Sozialisten aufzunehmen und sie zur Teilnahme zu gewinnen.
Josef Pilsudski, dem man später immer wieder vorgeworfen hat, daß er ein hoffnungsloser Romantiker sei, ist einer der wenigen, die ganz klar und kalt ablehnen. Vergeblich versucht der Russe, ihn zu überzeugen. Pilsudski hört sich alles an, was der Petersburger Student zu sagen hat. Aber dann schüttelt er wieder und wieder den Kopf.
„Sie vergessen", so erklärt er, „daß wir Polen sind. Uns interessiert vor allem und ganz allein der Kampf gegen das System der russischen Unterdrückung unseres Volkes. Uns geht es nicht um das Leben dieses oder jenes Zaren. Das Elend, die geistige Knechtung der polnischen Arbeiter und Bauern sind für uns das Primäre und nicht irgendein Wechsel in der russischen Regierung. Sie, mein Lieber, werden nicht die Garantie übernehmen können, daß der Nachfolger Alexander III. in der polnischen Frage einen andern Standpunkt einnehmen wird als der jetzige Zar."
Der Petersburger Student fährt schließlich unverrichteter Dinge wieder zurück. Pilsudski ist der Meinung, daß die Gefahr eines sinnlosen Attentates damit vermieden ist. Doch das ist ein Irrtum. Einer aus dem Wilnaer Kreise, Titus P a s z k o w s k i, ist von der Idee des Attentates so erfüllt, daß er, ohne seine Freunde darüber zu unterrichten, Verbindung mit den Petersburger Verschwörern aufnimmt. Er übernimmt es sogar, für den geplanten Bombenanschlag den notwendigen Sprengstoff zu besorgen. Er glaubt, dazu in der Lage zu sein, weil er von Beruf Apotheker ist und auf diese Weise ziemlich unauffällig sich die notwendigen Chemikalien verschaffen kann.
<do wächst der junge Pilsudski heran. Noch ist sein Weg nicht klar bestimmt. Noch liegt das Ziel weit, weit in den Wolken. Aber die Kräfte des Knaben und die Sehnsucht des Jünglings beginnen allmäh-
Jn Petersburg ist man den jungen Verschwörern bereits auf der Spur. Die russische Geheimpolizei I versteht ihr Handwerk. Sie verfügt über genügend
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Der Alte Fritz verleiht Ralstitel.
Nach den ältesten Quellen nntgeteilt.
Von E G v. Maaßen
Friedrich der Große konnte recht sarkastisch werden. Oft machte er seine bissigen Bemerkungen, wenn er auf die kindische Titelsucht seiner Untertanen zu sprechen kam. Als sich jemand einmal einen leeren Titel viel hatte kosten lassen, sagte er: „Da der Mensch ein solcher Narr ist, soll er seine Narrheit tapfer bezahlen. Aber wie töricht ist es doch, eine solche Summe an einen bloßen Schall zu verschwenden, bei dem keiner sich was denkt. Wer hat je Voltaire, Algarotti und ihresgleichen nach ihren Titeln genannt? Oder wann sagt man: Se. Majestät der König von Schweden Gustav Adolf? Man sorge nur für persönliche Verdienste, dann bedarf es ganz und gar keines. Titels!"
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Als ein reicher Bauer im Havelland sich zur Ruhe setzen wollte, hielt er unmittelbar beim König um einen Titel an. Dieser lachte über den Einfall und bewilligte ihm schlechtweg den Ratstitel. Der Bauer aber meinte, es müsse doch noch etwas dabei sein, daß es ein wenig hoch klinge. Der König schrieb unter die Eingabe: „So soll er meinetwegen Titularrat sein". Das klang dem Bauern hoch genug, und er bezahlte willig die teuern Gebühren für die Ausfertigung. *
Ein Proviant-Kommisiarius, der im Kriege viel Geld gewonnen, aber alles wieder vertan hatte, wollte nach Friedensschluß das Verlorene durch eine reiche Heirat ersetzen. Er bewarb sich deshalb um eine sehr wohlhabende Witwe. Diese willigte unter der Bedingung ein, daß er sich einen ansehnlichen Titel verschaffe. Daraufhin pachtete der Kommissar in seiner Vaterstadt die Ratswaage und bat den Magistrat um den Jnspektortitel. Das wurde ihm jedoch abgeschlagen und ihm geraten, sich unmittelbar an den König zu wenden. Der Bittsteller, nicht gerade schüchtern, kam nun um den Kriegsratstitel ein. Er erhielt folgende Antwort: „Se. Königliche Majestät lassen den Kommissarius G. auf seine Eingabe vom 7. Februar a. c., worin er um einen Kriegsratstitel bittet, zu allergnädigster Resolution erteilen, daß Höchstdieseiben des dasigen Magistrats Benehmen in dieser Sache billigen und ihm versichern, daß er sich jetzt nicht zum Kriegsrat schicke, da Friede sei. Aber aus Rücksicht auf die Eitelkeit seiner reichen Frau wollen Sie ihn hierdurch ,311m Waagenrat allergnädigst ernennen".
Der König machte bei dem Wort „Waagenrat" ein Kreuz und schrieb dann eigenhändig darunter: „Ich meine nicht Wagenrad, sondern Waagenrat".
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Ein Beamter des Kriegsministeriums suchte beim König um einen Titel als Kriegsrat nach. Der König schrieb unter die Eingabe: „Den Titel Kriegsrat soll Er haben, aber unterstehe Er sich beileibe nicht, mir im Kriege einen Rat geben zu wollen".
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Ein gewisser Herr Sprengel, der bei der Ökonomie des Potsdamer großen Waisenhauses angestellt war, bat König Friedrich, ihn entweder zum Geheimen Rat oder zum Kriegsrat zu ernennen. Der König antwortete:
„Zum Geheimen Rat kann ich Euch nicht machen, da in meinem Waisenhaus nichts Geheimes ist. Zum Kriegsrat ebensowenig, weil das Waisenhaus keinen Krieg führt. Um Euch aber meine Gnade zu bezeugen, will ich eine neue Charge freieren und Euch zum Waisenrat machen".
Ein Tierarzt in der Kurmark hatte es sich.viel Mühe kosten lassen, das Vieh von den Seuchen zu befreien. Zur Belohnung bat er sich den Titel eines Hofrats aus. Das Generaldirektorium gab dies Gesuch an den König weiter und fragte an, ob er diese Bitte gewähren wolle.
Das Gesuch kam ohne Begleitschreiben zurück. Nur hatte der König das Wort Hofrat ausgestrichen und dafür an den Rand geschrieben „Viehrat".
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Nicht viel besser erging es dem Magazinverwalter Zorn, der um den Titel Kommissionsrat gebeten hatte und folgenden Bescheid erhielt:
„Seine Königliche Majestät von Preußen, Unser allergnädigster Herr usw. usw. finden auf die Anlage des Magazinverwalters Zorn bei dem Tabaks- Exportation-Magazin in Halle den Charakter als Tabaksrat feinen Geschäften angemessener und wollen daher denselben solchen eher als den erbetenen Kommissionsratstitel gegen Gebühren wohl beilegen."
Der König konnte alle Namen, die mit „ius" endigten, nicht leiden. Als ihm die Bestallung des Referendarius Haccius zum Kriegs- und Domänenrat bei der Mindenschen Kammer zur Vollziehung vorgelegt wurde, schrieb er darunter: „... jedoch mit dem Beding, daß er Hase heiße und cius weglasse."
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Friedrich hielt sich eine zeitlang verschiedene Affen in feinem Zimmer. Eines Tages hatte sich einer von
diesen von feiner Kette befreit und war unter einen mit einer Decke behängten Tisch gekrochen, wo man ihn nicht sehen konnte. Der König glaubte, der Affe befände sich im Vorzimmer, öffnete deshalb'die Tür und rief scherzend hinaus: „Nun, Herr Hofrat, will Er nicht hereinspazieren?"
Draußen aber stand ein Kanzleibedienter, der dem König gerade etwas überbringen wollte, und da er glaubte, der Zuruf gelte ihm, nahte er sich mit vielen Verbeugungen. Der König, nicht wenig erstaunt über diese unerwartete Erscheinung, sagte lächelnd: „Nun, meinetwegen, es sei drum, Er mag Hofrat sein!" Und der Mann wurde es wirklich!
Fliegende grauen.
Die Namen der tapferen deutschen Fliegerinnen Thea Rasche und Elli Beinhorn sind in der ganzen Welt bekannt und geben Zeugnis davon, daß Frauen auch im Reich der Lüfte Hervorragendes leisten können. Seitdem die ersten kühnen Männer der Geschichte der Luftschiffahrt ihre Aufstiege wagten, hat auch die Frau an dem Eroberungskampf teilgenommen. Anderthalb Jahrhunderte sind verstrichen, seit die erste Frau als Luftschifferin ihren Mut und ihre Geschicklichkeit erprobte. Fräulein T i b l e, die am 4. Juni 1784 in Lyon in einer Montgolfiere aufstieg und nach dreiviertelstündiger Fahrt glücklich in der Nähe von Balmont landete, darf den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die erste Frau im Reich der Lüfte gewesen zu sein. Schon im folgenden Jahr folgten vier Frauen diesem kühnen Beispiel, in Paris Frau Hincs und Fräulein L u a r ch e und in London die beiden Schwestern S i m 0 n e t. Seitdem hat es nie an Frauen gefehlt, die wagemutig ihr Leben dem Ballon anvertrauten. Frau B l a n ch a r d, die Gattin des berühmten Pioniers der Luftfahrt, fand am 6. Juli 1819 bei einem Flug ein trauriges Ende: auf der Fahrt über Paris wollte sie ein Feuerwerk anzünden, der Ballon geriet dabei in Flammen, und die unglückliche Luftschifferin sand auf einem Dache in der Rue Provence einen gräßlichen Tod. 1863 wird Madame Nader in ihrer Gondel „geschleift" und erstickt nach einigen Stunden in ihrem Fahrzeug. Bei einem Versuche, den Kanal zu überfliegen, scheiterte Frau Charly 1886 bei Calais an einem Hause, blieb mit den Händen an der Dachrinne hängen und kann erst im letzten Augenblick aus dieser schrecklichen Lage gerettet werden. Später retten Seeleute in der Nordsee Frau Dur- c r 0 f, die mit ihrem Mann einen Flug über das Meer wagte und dabei in die Fluten niederging. Es hat auch nicht an Frauen gefehlt, die bei ihrer
Hochzeitsreise unerschrocken den Gefahren der Lüfte trotzten. So unternahmen der bekannte Pariser Astronom Camille Flammarion und feine junge Frau am 28. August 1874 ihre Hochzeitsreise im Ballon und landeten nach fünfzehn Stunden glücklich bei Spa. Die Befolgung dieses Beispiels nahm 1893 ein tragisches Ende, als Giuseppe Charbonnet mit seiner jungen Frau von Turin aus im Luftballon seine Hochzeitsreise antrat. Der erste Tag verlief ohne Zwischenfall; am zweiten aber — man hatte noch zwei Herren in die Gondel genommen — wurde der Ballon auf der Fahrt gegen die Alpenkette von einem furchtbaren Wirbelsturm erfaßt, geriet in einen Schneesturm und sank in wenigen Sekunden um 3000 Meter. Die Hälfte des Gases ging verloren, der Ballonkörper war schlaff und ohne Tragkraft, der Sturm schleuderte die Gondel gegen die Felsen, bis nach halbstündiger grauenvoller Fahrt der Korb am nordwestlichen Glacier des Bessanese-Gipfels endgültig scheiterte. Hilflos im Schneesturm mußten hier die Luftschiffer übernachten, halb erstarrt traten sie am Morgen den gefahrvollen Abstieg an, ohne Seile, ohne Geräte. Nach wenigen Minuten schon stürzte Charbonnet mit einem furchtbaren Aufschrei in einen Gletscherspalt und zerschmetterte in den Tiefen eines Abgrundes. Erft nach drei Tagen fanden die erschöpften Ueberlebenben in einer Berghütte Unterschlupf; später barg man auch die Leiche des jungen Charbonnet; in knieender Stellung lag er in der Tiefe des Spaltes, beide Hände vor die Augen gepreßt... Auch die erste Frau, die die selbstständige Lenkung einer Flugmaschine erlernte, die Baronin de la Roche, mußte ihren Wagemut mit dem Leben bezahlen. Unter Lathams Leitung bildete sie sich zur Pilotin aus und erregte durch ihre Kühnheit und Sicherheit die Bewunderung der Aviatiker. Am 22. Oktober 1909 unternahm sie zum ersten Mal allein einen Aufstieg, flog 300 Meter weit und bereits am folgenden Tag legte sie mit ihrem Voisin-Zweidecker einen Flug von sechs Kilometer zurück. Im Sommer 1910 stürzte sie bei Bätheny tödlich ab.
Hochschulnachrichten.
Geh. Medizinalrat Professor Dr. Krückmann, Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität Berlin, beging am 14. Mai seinen 70. G e - b u r 15 t a g.
Dr. Hans Reinerth, Privatdozent für Dor- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt worden.


