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Oberheffen.

3m Streit mit der Mistgabel erstochen.

LPD. Friedberg, 14. April. Auf dem im Kreisort Büdesheim gelegenen Hofgut ge­rieten zwei Melker in Streit, in dessen Verlauf der sine namens Angermund seinem Kame­raden Rothen mit einer Mistgabel einen Stich in den Hals und in den Kops ver­setzte. Die Verletzung war so schwer, daß Rothen kurz nach seiner Einlieferung ins Hanauer Kranken­haus starb. Er hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat Anger­mund verhaftet.

Landkreis Gießen.

Z Steinbach, 14. April. Rach der Neuord­nung der Konfirmationstermine fand am Sonntag Judica die Vorstellung und Prüfung der diesjähri- rigen Konfirmanden statt. Hier sind es dieses Jahr 19 Konfirmanden gegen 28 im vorigen Jahre, 9 Knaben (15) und 10 Mädchen (13). Am heutigen Sonntage Palmarum fand die Konfirma­tion unter starker Beteiligung der Gemeinde statt. Der Pfarrer sprach in seiner Konfirmationsan­sprache über Psalm 43, 3 im Anschluß an das Bild des Konfirmandenscheins, das eine Bibel mit brennender Kerze zeigt. Die Konfirmanden sangen unter Leitung ihres Lehrers Klücker bei der Feier droi Chöre. In Albach fand am Palmsonntag die Prüfung und Vorstellung der Konfirmanden statt, die Konfirmation ist dort am 2. Osterfesttage.

+ Grünberg, 14. April. Am heutigen Palm­sonntag fand in der Stadtkirche die Konfir­mation statt. Die Konfirmationshandlung wurde von Pfarrer Matthäus geleitet, der als Text feiner Predigt Jefaias 30, 21 gewählt hatte. Zur Einsegnung kamen 57 Konfirmanden gegenüber 71 im Vorjahre, und zwar 28 Kna­ben und 29 Mädchen. Davon entfielen 21 Knaben

und 16 Mädchen auf Grünberg. Von den Filial­gemeinden waren aus Lehnheim 3 Knaben und 5 Mädchen, aus Lumda 2 Knaben und 8 Mädchen und aus Stangenrod 2 Knaben und 2 Mädchen. Der Musikverein und der Männerchor wirkten bei der Feier mit.

* Dorf-Gill, 13. April. Bei der Eier- sammlung in unserem Orte zum Besten der NSV. wurden von den Sammlerinnen vom BdM. insgesamt 345 Stück gesammelt.

Kreis Hriedberg.

LPD. Friedberg, 14. April. Der seitherige Leiter der hiesigen Aufbauschule, Oberstudiendirektor Dr. K n i e r i e m, hat vom Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft und Erziehung einen Ruf als P r o f e s s o r auf den Lehrstuhl für Geographie an der Hochschule für Lehrerbildung in Frank­furt a. d. Oder erhalten. Er hat den Ruf an­genommen.

LPD. Bad-Nauheim, 13. April. Das Hessische Staatsbad hat den Plan, die hessische Volks­tracht bei den Brunnenmäochen wieder einzuführen und damit ein altes schönes Brauchtum neu zu beleben. Eine derartige Einführung wird den vielen in- und ausländischen Kurgästen einen Ein­blick in eine unserer schönen deutschen Sitten und Gebräuche geben.

Kreis Lauterbach.

* Angersbach, 14. April. Vor etwa 4 Wochen verunglückte die 7 Jahre alte Schülerin Marie Schad, die Tochter eines hiesigen Landwirts, beim Spielen in der Schulpause dadurch schwer, daß das Kind mit dem Kopf gegen eine Mauer stürzte und eine Blutung ins Gehirn davon­trug. Nunmehr ist die bedauernswerte Kleine in der Nacht zum Sonntag in der Klinik zu Gießen an der schweren Verletzung verstorben.

so daß man nunmehr in das Innere des Standes gelangen konnte. Hier wurde das vermißte Mäd­chen zusammengekauert auf dem eisernen Boden des Führerstandes liegend stark entkräftet und über und über mit Kohlenschmutz und Staub bedeckt auf­gefunden. Neben der Eigenart des Aufenthalts­ortes ist noch besonders auffällig die Tatsache, daß das Mädchen nur mit ihrem Ueberkleid bekleidet war, während es alle übrigen Kleidungsstücke in einer Aktentasche verstaut, die sie bei ihren Gängen zur Arbeit mit sich führte, neuen sich liegen hatte. Das Mädchen wurde von der schleunigst benach­richtigten Sanitätskolonne nach der Klinik über­geführt und zunächst in der Nervenklinik unterge­bracht.

Nach Aussagen der Vermißten will sie zuletzt mit vier jungen Leuten zusammengewesen sein; ob und inwieweit diese Aussage zutreffend ist, wird erst die Untersuchung aufzuklären haben. Ferner will das Mädchen schon feit mehreren Tagen in diesem merkwürdigen Schlupfwinkel geweilt haben, es soll sich aber auch bereits ergeben haben, daß die Vermißte noch am letzten Mittwoch Bier zu sich ge­nommen habe. Die Polizei ist gegenwärtig be­müht, durch umfangreiche Ermittlungen Licht in die reichlich dunkle Angelegenheit zu bringen.

Jahreshauptversammlung der Gießener Freiwilligen Feuerwehr.

Die Gießener Freiwillige Feuerwehr hielt am Samstag ihre Jahres-Hauptversammlung ab. Die Wehr besteht aus zwei Löschzügen mit 142 tätigen Wehrleuten, außerdem aus 54 unterstützenden Mit­gliedern. Durch den Tod verlor die Wehr drei Kameraden, den Ehrenkommandanten L. Faber und die Wehrleute W. Lenz und Ph. Wild, deren Andenken durch Erheben geehrt wurde.

Im vergangenen Jahr wurden sieben Haupt­übungen, sowie eine Anzahl Einzelgeräte- und Lehrübungen abgehalten. Die Wehr wurde zwei­mal zu Großfeuern alarmiert. Am 11. November brannte die Seifenfabrik von P. I. M ö b s und am 15. März die Maschinenhalle des Sägewerks von I. W e l l h ö f e r. Beide Brände wurden durch schnellen Einsatz auf ihren Herd beschränkt.

Auch im Winterhalbjahr wurden Monatsver­sammlungen abgehalten, wobei über Feuer- und Luftschutz belehrende Vorträge gehalten wurden. Zum Besuch eines Lehrgangs der Hessischen Feuer­wehrfachschule in Mainz wurden vier Wehrleute beordert. Die Wehr führte das für die Feuerschutz- wPhe vom 7. bis 13. September oorgeschriebene Programm pünktlich und unter stärkster Teilnahme der Kameraden durch. Erinnert sei an den Brand­angriff auf die Gebäude der Marktlauben, an den Feldgottesdienst am 116er-Denkmal, an den Werbe­umzug durch die Stadt und Bekämpfung eines Waldbrandes auf dem Hinteren Trieb, wobei der Arbeitsdienst helfend mitwirkte. Die Wehr war weiter bei Gießener Veranstaltungen vertreten, bei dem Aufmarsch am 1. Mai, dem Rote-Kreuz-Tag, der Einweihung des Arbeitsdienstlagers am Philo­sophenwald, der Reichsschwimmwoche, dem 116er- Tag sowie bei den beiden Saarkundgebungen im Januar und im März. Weiter nahm die Wehr teil an dem Verbandstage der Freiwilligen Feuerweh­ren der Provinz Oberhessen am 24. August in Bad- Nauheim sowie an dem Kreisverbandstag des Kreises Gießen in Leihgestern.

Der Rechner I. H e i h l e r erstattet den Kassen­bericht. Die Rechnung wurde geprüft und für richtig befunden. Auf Antrag der Vrüfungskom- missiön wurde dem Rechner, unter Ausdruck des Dankes für seine Mühewaltung, Entlastung erteilt. Der Voranschlag für das Geschäftsjahr 1935/36 wurde vorgetragen und genehmigt. Er vergleicht sich in Einnahme und Ausgabe mit 1390 RM.

Für zehnjährige Mitgliedschaft erhiel­ten Dienstschnüre die Wehrleute E. H e i ß l e r , Ad. Hauffmann, Fr. Kramer und W. O ck e l. Für 15jährige Dienstzeit erhielten die Mitglie­der H. König und W. Heimes das von der Die Zfflandstöchter und ihre Freier.

Vornan von 3- Gchneider-Ioerfll

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

Schluß. Nachdruck verboten.

Vielleicht ist er in der Bar?"

Er ist auch dort nicht. Ebenso nicht in den übri­gen Gesellschaftsräumen. Ich dachte, er habe Ihnen vielleicht gesagt, wo er hingeht."

Sie bedauerte, daß dies nicht der Fall sei.Viel­leicht ist er bei Bob? Haben Sie dort schon an­gefragt?"

Das hatte er nicht. Sie ging hinter Gottfried her und nahm, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, am Apparat den zweiten Hörer an das Ohr. Die Charite meldete sich. Herr Pöttmes wäre nicht da. Nein. Habe auch nicht telephoniert.

Man kann nichts tun, als warten," meinte Klaudine und rieb sich die kaltgewordenen Hände. Das hat er doch sonst nie gemacht."

Nein", versicherte Gottfried.Wenigstens hat er immer Oskar ober mich verständigt, wo er hin­geht ober wo er abgeholt zu werben wünscht. Der Hotelbirektor sagt, er habe Herrn Pöttmes die Treppe heraufkommen sehen, bann habe dieser plötzlich kehrtgemacht und sei wieder fortgegangen."

Klaudine hatte recht. Man konnte nichts tun, als warten. Gegen vier Uhr klopfte sie an Gott­frieds Zimmer. Sie sahen sich beide aus über­müdeten Augen an.Ist es nicht möglich, daß Oskar den Wagen vorfährt? Ich bin so sehr in Sorge."

Gottfried gab Bescheid, daß der Chauffeur schon seit einer halben Stunde unterwegs wäre. Eine Minute später härten sie unten das bekannte Hu­pensignal.

Klaudine stand unbeweglich mit hängenden Ar­men. Sie hätte jetzt keinen Schritt zu gehen ver­mocht. Die Schläfen hämmerten ihr zum Zer­springen, und vor den Augen tanzten rote Lichter. Sie rührte sich auch nicht von der Stelle, als Pött­mes, den Zylinder abnehmend, in den Raum trat und verwundert nach ihr hinsah.

Er hatte sie damals auf der Karrer-Hütte ange­schrien.Das ist rücksichtslos!" Sie jedoch fand kein Wort, fühlte nur, daß ihr Körper versagte und drängte mit Gewalt das Schluckzen zurück, das sich als Entspannung nach der durchrittenen Angst loszulösen versuchte.Gute Nacht!" mur­melte sie. Und dann sie wußte selbst nicht, wie sie dazu kamSie haben kein Gefühl, sonst hät­ten Sie das nicht gemacht."

Seit wann bin ich Ihnen denn Reckenschaft schuldig, wann ich nach Hause fomme?'' Ihre Hand griff zuerst nach den Schläfen, dann nach

Stadt Gießen gestiftete Diplon. Die Kameraden A. Betz, O. Faber, O. Fiedler, H. Ge­bauer, I. Graeser, K. Kalbfleisch, L. K r e u t e r, Ph. Leyerer, W. Melchior, G. Müller, I. Völsing und H. Wagner er­hielten für 25jährige freiwillige Dienst­zeit das Ehrenzeichen des hessischen Staates, und von der Wehr zum Andenken je eine Uhr mit Widmung. In der Wehr sind jetzt 39 Kameraden, welche das 25jährige und 14 Kameraden, die das 49jährige Ehrenabzeichen besitzen.

Brandmeister R. R ö d i g e r, der bereits 45 Jahre der Wehr angehört, legt aus Gesundheitsrücksichten fein Amt als Brandmeister nieder. Er versichert, daß er der Wehr auch weiterhin die Treue hält. Ein dreifachesGut Wehr!" wurde dem scheiden­den Brandmeister dargebracht. Vom Wehrführer Fr. Wenzel wurde daraufhin zum Brandmeister des ersten Löschzuges der seitherige Führer des Rettungswagens, Emil Koch bestimmt. In diesem Jahr kann die Gießener Freiwillige Feuerwehr auf ein Bestehen von 80 Jahren zurückblicken, das in einfacher, schlichter Weise gefeiert werden soll. Es muß diesen Sommer fleißig nach dem neuen Lösch­handbuch geübt werden, damit die Wehr allezeit bereit und schlagfertig ist, um unseren Mitbürgern in Not und Gefahr beizustehen, zum Schutze von Gut, Eigentum und Volksvermögen. Branddirektor Braubach brachte zum Schluß ein dreifaches Wehr Heil!" auf unseren Führer Adolf Hitler aus, dem begeistert zugestimmt wurde. Mit dem Gesang des Horst-Wesiel-Liedes und des Deutsch­landliedes wurde die Hauptversammlung geschlossen. KameradschastSabend im Arbeitsdank.

Man berichtet uns: Nachdem die Bezirksobmann- schaft 2/22 (Oberhessen) mit ihrem Sitz in Gießen, Löberstraße 9, am 1. April eingesetzt wurde, fand

dem Halse. Suchte hierauf nach der Klinke der Tür und vermochte sie nicht gleich zu finden.

Was haben Sie beim?" fragte Pöttmes schroff. Warum sind Sie überhaupt so aufgeregt? Weil ich spät nach Hause kam?"

Klaudine sah ihn an, bann an ihm vorüber, lieh ben Arm herabfallen, unb hörte, wie Niels den Riegel vorschob.Lassen Sie mich gehen", bat sie tonlos.

Haben Sie mir nicht etwas zu sagen, Klau­dine?"

Sie schüttelte den Kopf.

Nichts?" fragte er ungläubig.

Nein."

Dann, bitte."

Der Riegel glitt zurück. Als sie schon auf der Schwelle stand, wartete Pöttmes noch immer, ob sie nicht umkehren würde. Er schloß die Tür erst, als Klaudine an ihrem Zimmer angelangt war.

Gottfried wollte seinem Herrn beim Auskleiden behilflich sein, bekam aber den Befehl, ins Bett zu gehen.Schlaf' aber auch!" sagte Niels, halb lachend, halb ärgerlich.Wie kann man nur so unvernünftiges Zeug machen? Schickst mir den Oskar nach, als ob ich ein Junge wäre, der sich nicht mehr nach Hause findet. Was hast du dir denn gedacht?"

Daß Sie verunglückt feien, Herr Pöttmes." Na, und dann?"

Darauf bekam Niels keine Antwort. Aber als Gottfried das Zimmer verlassen wollte, drehte er ihn mit einem raschen Griff wieder herum und sah in ein blasses, erregtes Gesicht, in dem zwei schlaf- müde Augen brannten. Pöttmes sagte voll Güte: Du mußt das nicht so tragisch nehmen, mein Al­ter. Wenn ich wieder fortgehe, sage ich dir's erst. Das verspreche ich dir. Du sollst nicht so schnell wieder um deine Nachtruhe kommen. Und mor­gen holen wir Bob aus der Klinik. Ich möchte ihn noch ein paar Tage hier im Hotel behalten. Ich will ihn in deinen Händen wissen. Dann erst bin ich ganz beruhigt."

Gottfrieds Antwort bestand in einem raschen Hinwegwischen über die Augen, bann zog er sich mit einer Verbeugung zurück.

Noch herrschte lautlose Stille auf den Korri­doren, über deren Läufer das gelbe Licht der Deckenbeleuchtung fiel. In einem Zimmer des zweiten Stockes wurde ein Stuhl gerückt. Eine Schranktür knarrte. Vorsichtig drehte sich ein Schlüssel, machte aber trotz der großen Behutsam­keit, mit der dies getan wurde, ein gewisses Ge­räusch.

Dann öffnete sich eine Tür, und ein Frauenkopf spähte vorsichtig den Gang hinunter. Er war leer.

Die Frau trat von der Schwelle sofort auf den Läufer und schritt diesen entlang der Treppe zu, vermochte aber nur die erste Stufe zu gewinnen, denn die gegenüberliegende Tür wurde plötzlich geöffnet, so daß sich ein breiter, greller Lichtkegel über sie ergoß.

am vergangenen Freitagabend in den mit den Symbolen der Bewegung reichgeschmückten Saale des CafL Ebel die erste Zusammenkunft aller ehe­maligen Arbeitsmänner unb Arbeitsmäbel von Gießen unb Umgegend statt. Zu diesem Abend waren etwa 150 Kameraden und Kameradinnen erschienen. Allein schon die starke Beteiligung und das pünktliche Erscheinen jedes einzelnen legte Zeugnis davon ab, wie gerne die ehemaligen Ar­beitsdienstler zu diesem Abend zusammengekommen waren.

Der Bezirksobmann 2/22, Feldmeister H a n ß, Gießen, begrüßte die Kameraden unb Kamera­dinnen aufs herzlichste und dankte ihnen für ihr zahlreiches unb pünktliches Erscheinen. Als Motto für biefen Abenb galten die Worte:

Du schrittest mir zur Seite, Kamerad im deutschen Arbeitsdienst als Werksoldat, der deutschen Arbeit schwurest du den Eid, wie ich. Wir standen beide Seit an Seit, im Kampf um deutschen Boden, deutsches Blut, der deutschen Volksgenossenschast zugut." In seiner Ansprache an die Versammelten wies der Bezirksobmann auf die Bedeutung des Arbeits­dankes hin, der bereits im November 1933 unter dem Ehrenvorsitz des Reichsarbeitsführers gegrün­det wurde. Die Volksgemeinschaft und die berufliche Fürsorge find ebenso wie materielle Unterstützungen die Hauptaufgaben des Arbeitsdankes. In ihm soll aber auch der Weg zum Land offengehalten und das Siedlungsproblem gefordert werden. Jeder ehe­malige Arbeitsmann, der sich dazu berufen fühlt, soll, wie er das im Arbeitsdienst bereits getan hat, ben Dienst am beutschen Boben weiter ausüben. Zwischen bem beutschen Sparkassen- und Girover- banb und bem Arbeitsdank ist ein Abkommen ge­troffen worden, wonach es jeoem ehemaligen Ar­beitsmann ober Arbeitsmäbel möglich ist, ein Spar-

11 nb aus diesem Lichtkegel fragte Niels Pött­mes' gleichmütige Stimme:Auch diesmal ohne Abschied, Klaudine?"

Den kleinen Koffer krampfhaft in der Hand hal­tend, versuchte sie sich mit geblendeten Augen zu orientieren. Sie hob hilflos den Arm unb fühlte sich nach bem Koribor zurückgeschoben und von oort durch die offene Tür gedrängt.

Als diese einschnappte, sagte Niels:Ich kann mich jetzt nicht darum kümmern, daß es nicht statt­haft ist, eine Dame des Nachts in fein Zimmer zu führen. Sie tragen selbst die Verantwortung da­für. Wohin sollte denn diesmal die Reise gehen?"

Nach Hause." Sie hatte plötzlich keine Furcht mehr vor ihm und sah ihn ruhig an. Das Lächeln, das um seinen Mund spielte, falsch deutend, ließ sie die Beherrschung verlieren.Sie brauchen keine Detektive hinter mir herzuschicken! Ich will Ihnen selber alles sagen: Ich bin Klaudine Jff- lanb."

,,©oo", meinte er, noch immer das gleiche Lä­cheln auf den Lippen.Weshalb erfahren ich das eigentlich jetzt erst? Ehrlich gesagt, habe ich Sie schon lange in Verdacht, daß Sie mich belügen. Sie erlauben dock, daß ich ein paar Fragen stelle, die mich interessieren: Warum haben Sie sich denn hinter ein Pseudonym gesteckt? Möchten Sie mir darauf nicht Antwort geben, Klaudine?" mahnte er, als sie nur die Schultern hob.Um meinen Charakter zu ergründen? Wie?"

Nein. Deswegen nicht. Bob schrieb damals, daß Sie krank auf der Karrer-Hütte lägen. Hen­riette hatte Grippe, auch sollte ja niemand wissen von uns Jfflands, daß Sie Unglück gehabt hätten."

Ah", meinte er lachend, wurde aber gleich wie­der ernst und verhörte sie weiter.Weshalb sind Sie denn seinerzeit auf der Karrer-Hütte ausge- fniffen?"

Um meine Spur zu verwischen."

Eins noch: Warum schrieben Sie damals Niels" in den Schnee? Darf ich auch das wissen, Klaudine?"

Sie hob nur die Achseln.

Bekomme ich darauf ebenfalls keine Antwort, weshalb Sie ben Blechlöffel mit sich nahmen? Sie mußten boch Grünbe bafür gehabt haben." Unb ba sie nichts ermiberte, lächelte er roieber jenes eigentümliche Lächeln, bas sie so sehr in Verwir­rung brachte.Sonst pflegen Frauen bie Moral bes Mannes zu heben", meinte er einbringlich. Sie aber haben die meine herabgedrückt, denn ich bin Ihretwegen zum Dieb geworden." Sie sah ihn mit maßlos erschrockenen Augen an. Da fügte er hinzu: ,Lch war in der Zwischenzeit in Haslbach." ^,Sie waren in Haslbach?!" entfuhr es ihr.

Bei Henriette und Luzie, ja. Ich mußte doch einmal erfahren, welche Bewandtnis es mit Bobs Fieberträumen hatte. Und dort in Haslbach fand

konto mit besonders günstigen Bedingungen anzu- legen, um so ben Grunbstock für eine spätere Exi- stenzgrünbung zu schaffen. Im Arbeitsbank soll ber Arbeitsdienstgebanke weiter gefordert werden und der alte Wahlspruchfreiwilliger Dienst für das Volk" für immer gelten. Um jeden einzelnen Kame­raden organisatorisch zu erfassen und seine Belange vertreten zu können, sollen überall im ganzen Be­zirk Mitgliedschaften gegründet werden, die von einem Mitgliedschaftsobmann zu führen sind. Die Worte:

Wohin du nun auch gehst, in beinern Schritt, klingt immer fort, Karnerab, mein Schreiten mit. In Deiner Arbeit Hammerschlag erklingt

der Schlag, ber mir unb bir im Blute schwingt, ertönet fort bis an ben jüngsten Tag, ber beutschen Arbeit starker Hammerschlag."

gab der Bezirksobmann den Kameraden und Kame­radinnen mit der Bitte auf den Weg mit, dem Ar­beitsdank weiterhin treu zu bleiben und jeden not­leidenden Kameraden mit Rat und Tat unterstützen zu helfen.

Nachdem der geschäftliche Teil beendet war, folgte ein kurzes kameradschaftliches Beisammensein.

Verbandsjugendsuche desHubertus" Gießen (im RDH).

DerHubertus" Gießen (im RDH.) hielt am Samstag in Gemeinschaft ber Fachschaft Deutsch- Drahthaar, Landesgruppe Hessen (im RDH.), seine übliche Verbanbsjugenbprüfung ab. Diese Prüfung will bie natürliche Anlage der Junghunde prüfen, die später einmal alsGebrauchshunde" die voll­wertigen Weidgesellen des Jägers werden sollen, wie sie das Gesetz jetzt endlich verlangt. Alle Hunds müssen nach dem 1. Januar 1934 gewolst sein, um in diesem Jahre an einer solchen Prüfung teil­nehmen zu dürfen. Es stellten sich den Richtern 19 Hunde, zum größten Teil aus einheimischen Zwingern stammend. Sämtliche Hunde bestanden die Prüfung, unb zwar erfüllten 17 bie Anforde­rungen zum ersten Preis, einer zum zweiten und einer zum dritten, ein Zeichen für den Hochstand der seit Jahren hier betriebenen Leistungszucht. Es war vertreten Deutsch-Drahthaar durch 18 (16 erste, ein zweiter unb ein britter) unb Deutsch-Langhaar burch einen (erster Preis). Die Bedeutung dieser Prüfungen für bie Erfüllung ber Aufgaben bes Reicysjagbgesetzes würbe burch bie Anwesenheit bes Gaujägermeisters für bie Provinz Oberhessen und der Kreisjägermeister für die Kreise Gießen und Alsfeld betont.

*

** Fundgegenftände bei der Stra­ßenbahn. Die Direktion der städtischen Stra­ßenbahn macht in einer Bekanntmachung im heu­tigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die bei ihr lagernden Fundgegenstände bis spätestens zum 1. Mai abgeholt werden müssen. Die Ver­lierer von Gegcuständen seien auf die Bekannt­machung besonders hingewiesen.

** Sine gemeine Tat. In der vergangenen Nacht wurde an der Provinzialstraße Gießen Lollar eine Reihe junger ein- bzw. zweijähriger Obst- bäumchen, 22 an der Zahl, schwer beschädigt. Zum Teil wurden die Kronen abgerissen sowie Zweige und Stämmchen gebrochen, so daß der Schaden, der hier der Allgemeinheit durch frevelhafte Hände er­wuchs, erheblich ist. Die Ermittlungen sind im Gange. Sachdienliche Mitteilungen nehmen die Gendarmeriestativnen Gießen und Lollar entgegen.

** Freie Lehrer stellen. Erledigt sind: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Stockhausen, Kreis Lauterbach, und eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Mörstadt, Kreis Worms. Hier ist die Dienstwohnung frei. Bewerber müssen seit mindestens acht Jahren die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens fünf Jahren zurückgelegt haben.

ich in bem Zimmer, in bem ich schlief, meinen Blechlöffel in einer Vitrine versperrt."

Der Schlüssel war aber"

Abgezogen, jawohl! Ick mußte Gewalt anwen­den unb die Scheibe einschlagen. Man will boch roieber zu seinem Eigentum kommen, nicht?

Bleibt nur noch bie eine Frage offen: Warum haben Sie benn dieses Stück Blech es ist nicht mehr an sich genommen? Wenn Sie mir da­rauf Antwort geben könnten, Klaudine, würde ich vielleicht vergessen, daß Sie mich solange hinters Lickt geführt haben. Dann verlange ich auch nicht meyr zu wissen, weshalb Sie damalsNiels" in ben Schnee schrieben. Geschah beibes aus ein unb bemselben Grunb?" half er ihrer schreck­lichen Verwirrung nach, bie sie immer mehr er­röten ließ. Ja Klaubine?"

Ja!"

Dann hatte Barthelmes doch reckt, als er da­mals sagte:Jetzt wissen's!" Hatte er recht, Klaudine?--Diese Antwort kann ich dir nun

nicht ersparen", sagte er, breitete die Arme nach ihr aus, umschlang die schmale Gestalt, die sich an iyn schmiegte unb bas Gesicht an seiner Schulter barg, unb küßte das Haar, bas seine Wange um­schmeichelte.

Klaubine vermochte nur seinen Namen zu stam­meln. Als sie sich etwas beruhigt hatte, zog er einen Stuhl herbei unb drückte sie sanft darauf nieder.Was wird Henriette sagen, wenn sie er­fährt, wie es um uns beide steht? Ihr Jffland- tochter seid gefährliche Frauen! Erst hat Luzie mir den Bob genommen, unb bu hast nun mich zu Fall gebracht. Unb ich habe weiß Gott nichts dergleichen im Sinn gehabt, als bu nach der Kar­rer-Hütte kamst."

Von ber Straße herauf drang der erste Lärm erwachenden Lebens.

Sie traten zusammen ans Fenster und sahen in den heraufsteigenden Morgen. Pöttmes hatte den Arm um Klaudines Schultern gelegt und lächelte ihr in die tränenverfchleierten Augen.Nicht mei­nen jetzt. Wann wollen wir Hochzeit machen? Gegen wir zum Abschluß noch für vierzehn Tage nach der Karrer-Hütte? Willst du?"

Hern!"

Unb schlafen wieder in der Kammer, in der ich damals lag?"

Ja, Niels!"

Diesmal bringen wir auch den Barthelmes nicht mehr in solche Klemme. Er war damals doch arg in Nöten." Pöttmes lachte über Klaudines glutübergossenes Gesicht, riß sie mit einem Hellen Ruf an sich und küßte sie.

Henriette bekam, als man auf Haslbach gerade bei Tisch saß, ein Telegramm, das nur ein paar Worte enthielt:

wir haben uns verlobt, klaudine und niete*

Nun hatte also auch ihke älteste Stieftochter den Mann gefunden, der ihr vom Schicksal beftimmt war. Unb dieser Mann hieß noch dazu: Niels Pöttmes.