Sie die Auszählung des Mflimmuugsergebnisses
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vor sich ging
Wetten
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Ausgang der
igkeit dieser Angaben. Als die Behörde in der
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Um 5.30 Urnen und wesentlichen
Saarbrücken, 15. Ian. (DNB.) Im Laufe des Wonlagabend wurde der Saarbrücker Polizeibehörde bekannt, daß das sogenannte für die Ab- timmung von Herrn Wachts angeworbene Sonderkommando, das aus 120 Wann besteht und in der Ulanenkaserne in der Mainzer Straße nntergebracht ist, einen Putsch vorhabe. Führer des Putfches war der vor einigen Tagen wegen seines brutalen und einseitigen Vorgehens gemaßregelte Hauptwachtmeister G r u m b a ch, ferner die Lmigrantenpolizeibeamten Ger icke und L h r i st. Line sofort von der zuständigen Behörde durchgeführte Untersuchung ergab die Rich-
fur
Zu
stunden nur spärlich vertretenen staunenden välkerung eine exakte Wachablösung führen.
Funkspruch.) an dem das vom Vater
nationalen Feiertag.
Saarbrücken, 15.Jan. (DNV.
19 und 21 Uhr zu großen Kundgebungen aus Anlaß des Saarsieges. Diese Kundgebungen können in Demonstrationsmärschen, Fackelzügen, Vorbeimärschen und Ansprachen bestehen. Sie beginnen oder enden zweckmäßigerweise auf dem größten Platze der Stadt, wo der zuständige hoheitsträger zu den versammelten Massen spricht. An den G a u s i tz e n geschieht das durch den zuständigen Gauleiter. In dieser Rede wird der Freude und der Dankbarkeit des ganzen deutschen Volkes für die bewährte nationale Treue des Saarvolkes Ausdruck gegeben.
Stimmen beendet.
Uhr morgens war die Leerung der die Auszählung der Stimmzettel im beendet. Jetzt beginnt die Ge-
schulen des Reiches wird sofort eine kurze, würdige Schulfeier veranstaltet, die unserer Freude und unserer Verbundenheit mit der Saar Ausdruck gibt. Der weitere Unterricht und die Vorlesungen fallen am heutigen Tage aus.
Der Reichspropagandaleiter der NSDAP, gibt für alle Gaue folgende Anordnung bekannt: Der Aufforderung zur Beflaggung wird binnen einer halben Stunde in Stadt und Land in überwältigender Form Folge geleistet. Die Bevölkerung versammelt sich heute, Dienstag, den 15.Januar 1935, etwa in der Zeit zwischen
) geschlossen werden über den v „ Wahl. Auch die Diskussionen in den Gängen sind sehr lebhaft.
Diese ganzen Vorgänge beleuchten wieder einmal schlagend die sogenannte Unparteilichkeit der Regierungskommission des Saargebietes, insbesondere das Treiben des Direktors des Inneren, Heimburger, unter dessen Schutzherrschast die genannten Emigranten in die Polizei eingestellt worden sind, und unter dessen Schutzherrschaft sich jene Zustände in einigen Abteilungen der Polizei entwickeln konnten, die jetzt zu diesen Putschabfichten geführt haben. Deutlich und klar kann aber auch gesagt werden, daß d i e alte bl aue Polizei ebenso wie die Landjäger des Saargebietes jelbstver-
Vei der Auszählung konnte man sehr bald erkennen, wie ungeheuer groß der Erfolg der Deutschen Front ist. Die Stimmzettel werden je nach den drei Möglichkeiten Status quo, Frankreich und Deutschland in drei Kartons verteilt. In den Karton „Frankreich" wurde nur selten ein Stimmzettel gelegt, dann und wann in den Karton „Status q u o“, während sich in dem Karton „Deutschland" die Stimmzettel sehr schnell ganz erheblich häuften. Gegen 20 Uhr, nachdem drei Stunden der Zählung vorbei sind, gibt es an einem der Tische des Kreises Neunkirchen-Ottweiler eine Sensation. Die er sie französische Stimme (!). Sie wird gebührlich herumgereicht und bewundert.
Auch an anderen Tischen sind Stimmen für Frankreich gar nicht oder nur in einstelligen Ziffern ab= gegeben worden. Am Tisch des Kreises Homburg sieht man eine einzelne Stimme für Frankreich, an einem Tisch des Kreises St. Ingbert deren zwei. Die Zahl der abgegebenen ungültigen Stimmen ist zwar zur Gesamtzahl gesehen nicht hoch, jedoch höher als man zunächst vermutet hatte. Dabei ist festzustellen, daß offenbar in einem Wahllokal von mehreren Personen hintereinander ein rot schreibender Stift benutzt worden ist. Jedenfalls ist eine Reihe von Stimmzetteln, in denen das Kreuz für Deutschland mit rotem Stift gemacht worden ist, als ungültig aussortiert worden. Für ungültig erklärt wurden auch Stimm-
Be- vor-
Nun ist der große Tag angebrochen, Saarland nach Ißjähriger Trennung land heimkehren darf ins Reich. Der Morgen ist
Nach der Rede des Präsidenten R o d h wurde mit der Leerung der Urnen begonnen. Zunächst wurde auf jedem Tisch eine Urne entleert. Die enthaltenen Srimmumschlage wurden gezählt und mit den in versiegelten Beuteln befindlichen Protokollen verglichen und abgeftimmt. Auf den Urnen, deren Schlösser verklebt und versiegelt waren, sah man noch die Unters chriftender Wahl- Vorsteher und Beisitzer. Die Stimmumschläge wurden nach bestimmten Grundsätzen gehäuft und unterteilt. Nachdem die Zahl der Stimmzettel mit der in dem Protokoll angegebenen Zahl der abgegebenen Stimmen in Uebereinstimmung gebracht worden war, wurde eine zweite Urne entleert und mit ihr ebenso verfahren. Darauf wurde der
Präsident Rhode eröffnet die Stimmzählung.
Saarbrücken, 14. Jan. (DNB.) Am Montag kündigte schon mittags in der Nähe des evangelischen Gemeindehauses Wartburg die große Masse der dort stehenden Autos und der dorthin flutende Menfchenstrom den bevorstehenden B c - ginn der Stimmenauszählung an. Man sah die bekannten Persönlichkeiten der A b st i m - mungskom Mission, Polizei, Landjäger, Uni- sormm der verschiedenen Länder, Engländer, Italiener, Schweden, dazu die ausländischen Polizeioffiziere mi* ihrem roten Mützenrand.
Im Hause selbst waren schon gegen 16.30 Uhr Hunderte von Pressevertretern eingetroffen, die Galerie war fast überfüllt. Links waren große Jupiterlampen aufgestellt: ein Teil der Tribüne war den Filmoperateuren überlassen. Ferner hatte sich eine Reihe von Photoleuten an der Brüstung postiert. Auf der Bühne stehen die Tische der Abstimmungskommission, deren Mitglieder bereits anwesend sind. Man bemerkt ferner d i e drei Vertreter der Reichsregierung, Oberregierungsrat Dr. Vollert vom Reichsinnenministerium, Regierungsrat W e st h o f f und Bürgermeister D ü r r f e l d, ferner die drei französischen Auf der erhöhten Tribüne der Abstimmungskom- mifsion, auf der sämtliche Mitglieder der Abstim- mungskommission, Rhode, Henry, de Jongh, Miß Wambaugh und der Generalsekretär Hellstedt Platz genommen haben, erhebt sich der Präsident N h o d e zu einer kurzen feierlichen Begrüßungsansprache. Unter lautlosem Schweigen des gefüllten Saales führt Rhode folgendes aus:
Die Volksabstimmung im Saargebief hat im Verlaufe des gestrigen Tages programmmäßig und in vollständiger Ordnung statkgefunden. Die Urnen sind bei Wahrung aller Vorsichtsmaßnahmen in die Wartburg eingeliefert worden. Die S t i m m z ä h - lung durch neutrale Skimmzähler beginnt. Ich wünsche den Herren Stimmzählern guten Verlauf ihrer mühsamen und verantwortungsvollen Arbeit. Die Abstimmungskommission steht Ihnen zu allen Auskünften und zur Entscheidung von Zweifelsfällen zur Verfügung. Nachdem die Bevölkerung des Saargebietes während der Abstimmung soviel Ruhe und Würde an den Tag gelegt hat, zweifelt die Abst-mmungskommifsion nicht daran, daß s i e auch in der Folgezeit ihre Haltung bewahren wird, bis das Ergebnis bekannt ist und bis der Völkerbunds- r a t auf Grund dieses Ergebnisses seine e n d - gültigeEntscheidunggefällt hat. Sie wird dadurch beweisen, daß sie sich der Bedeutung der Stunde bewußt ist. Die Stimmzählung beginnt.
Die StinumMMg beginnt.
zur Deutschen Front übergetretenen Bergarbeiter» führers Jakob Hannes in den Ausstand getreten war, herrscht an diesem Morgen Hochstimmung. Die ganze Belegschaft hört gemeinsam mit der Bevölkerung die Verkündung der Abstimmungsergebnisse.
Der Freiheitstag ist da.
In einem Schaufenster werden die Hüllen von zwei Bildern genommen, die bisher mit Tüchern versehen waren; reserviert bis zum 13. Januar. Hinter den Tüchern aber befanden sich öie Bilder Hindenburgs und des Führers.
An Häusern sieht man Verse: „Status quo, du bist k. v.", oder in Anlehnung an den Namen des Präsidenten des Regierungskömmission Inschriften: „Knox out". Aus einem Lokal tönt Musik und eine Stimme ruft: „Noch einmal den Status-quo= Marsch!" Dann hört man es: „Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus!" Matz Braun, der geschlagene Feldherr, ist nun der Lächerlichkeit preisgegeben. Und so steht an einem Zaun, von Kinderhand geschrieben: „Matze Braun ist ein Clown" und man kann hier wieder einmal mit Recht sagen, daß Kindesmund die Wahrheit spricht. An anderer Stelle wieder ist zu lesen: „Status quo hat ausgespielt, Matz hat nebenbei gezielt." Und von jenen Zifferblättern, die in Neunkirchen an Fahnenstangen befestigt waren mit der Inschrift: „Fünf Minuten vor 12" kann nun der Zeiger auf 12 gestellt werden: Der Freiheitstag i st da. Und jenes Schild, das eine andere Fahnenstange zierte: „Es geht auch so", kann, nun durch eine richtige Fahne ersetzt werden.
Die Verkündung des Ergebnisses.
Um 8 Uhr früh in der „Wartburg".
Vor der „W a r t b u r g" sind auf der Mittel- Promenade Stricke gezogen, hinter denen sich eine große Menschenmenge staut. Vor dem Hause, wie immer, die englischen Posten im flachen Stahlhelm und mit aufgepflanztem Bajonett. Drinnen geht es ZU wie in einem Ameisenhaufen. Aufgeregt sammeln sich die Stimmzähler im großen Saal und die ausländische Presse verteil sich auf die Räume, in denen in deutscher, französischer und englischer Sprache das Ergebnis bekanntgegeben wird.
Es ist 7.50 Uhr. Im Hause „Wartburg" sind nun die Galerien dicht gefüllt. Und m dem weiten Rund des Saales, wo einigermaßen Ordnung geschaffen worden ist, hat sich ebenfalls ein zahlreiches Publikum eingefunden. Auf der Bühne sitzen die Herren von der Abstimmungskom- m i s s i o n , die Mitglieder der Regierungskommission und die Vertreter Deutschlands und Frankreichs. Nochmals werden die Lautsprecheranlagen überprüft. Die Jupiterlampen werden eingeschaltet, und die Filmoperateure machen sich kurbelbereit. Ein Riesenausgebot an Photographen zückt die Kamera, und Hunderte von Journalisten stehen mit Block und Bleistift bereit, um die Ergebnisse zu notieren.
Jetzt steht Präsident Rhode auf. Die Funksprecher künden den Beginn der Sendung an. Prä- sident Rhode nimmt die ersten Blätter mit dem Ergebnis in die Hand. Nun beginnt er die Verkündung der Freiheit des Saarlandes.
Jnhaltder beiden Urnen vermischt, um das Ergebnis einzelner Gemeinden unkenntlich zu machen. Neben jedem Tisch waren je nach der Größe des Stimmbezirks zwei bis sechs Urnen aufgestellt, sozusagen auf Vorrat. Die entleerten Urnen wurden genau daraufhin untersucht, ob sie noch Stimmzettel enthielten und dann in den Keller geschafft und dafür neue Urnen heraufgebracht.
Separatistische puischabWen des polizestonderkommandos Mchls vereitelt Oie Führer geflüchtet. — Waffen sichergesiellt.
stündlich wie immer i f) r e Pflicht tun und mit allen diesen Dingen nichts zu tun haben. Schon seit längerer Zeit herrscht im Gegenteil in der alten Beamtenschaft eine erhebliche Erbitterung wegen der Bevorzugung der Emigranten, die sowohl bei der Beförderung als auch bei der Vergebung von Kommandos in jeder Weife den alten Beamten vorgezogen worden find.
Zu diesen Vorgängen gehört auch eine Führerbesprechung, die Matz Braun für den späten Abend einberufen hatte und die mit den Putsch- absichten dieser -kleinen separatistischen Polizeikommandos zusammenhängt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß der für Dienstag früh an- gesetzte Empfang der Auslandspresse ebenfalls mit diesen Dingen in Verbindung steht. Dazu passen wie die Faust aufs Auge die geradezu brutalen Drohungen der separatistischen Presse am Montag, daß sie auch trotz des Abstimmungsergeb- nisses das Saargebiet niemals zu Hitler lassen würde und daß ihre Parole: „Nie zu Hitler!" auch weiterhin bestehen bleibe. Sie würde es zu verhindern wissen, daß das Saargebiet nationalsozialistisch werde.
Man kann angesichts dieser ganzen Lage den Präsidenten der Regierungskommission, Herrn Knox, nicht von der Schuld fteisprechen, jegliche Aufsichtspflicht versäumt zu haben und so die Entwicklung von Zuständen möglich gemacht zu haben, die im höchsten Grads bedenklich sind. Selbstverständlich besteht durchauch keine akute Gefahr für das Saar gebiet; denn die vorhandenen Polizeikräfte langen bei weitem aus, um auch den leisesten Umsturzversuch sofort unmöglich zu machen. Immerhin find derartige Vorgänge dazu geeignet, die Bevölkerung aufs böchffe zu beunruhigen. Es wäre Aufgabe des Präsidenten der Regierungskommission ' gewesen, einer solchen Beunruhigung der Bevölkerung mit allen Mitteln vorzubeugen und sie zu verhindern.
Ein Zwischenfall.
Separatistischer Redakteur versucht bewaffnet der Stimmauszählung beizuwohnen.
Saarbrücken, 14. Jan. (DNB.) Als der Redakteur Schulte der separatistischen „Volksstimme" am Montag die Wartburg betreten wollte, wurde bei der Leibesvisitation bei ihm eine Waffe beschlagnahmt. Der Redakteur des „Journal", Eduard H e l e y, wurde aus der Wartburg verwiesen, weil er offenen Widerstand gegen öie Leibesvisitation leistete.
Man ging nun noch sehr viel st r e n g e r bet der Leibesvisitation vor. Besonders unbarmherzig war man gegen Damen, denen man es am ehesten zuzutrauen schien, möglicherweise eine Bombe zu werfen. Jede Dame mußte ihre lieber- schuhe ausziehen, den Hut absetzen, die Taschen wurden vollkommen geteert und die Manteltaschen nach irgendwelchen gefährlichen Dingen durchsucht. Verschiedene Französinnen widersetzten sich sehr energisch dieser peinlichen Untersuchung, hatten jedoch bei den streng ihren Vorschriften folgenden Roten-Kreuz-Schwestern keinen Erfolg.
Ulanenkaserne eingreifen wollte, ergriffen G r u m - bad), Christ und Gericke die Flucht, sind in den frühen Morgenstunden jedoch zusammen mit den Beamten Wagner, Edelmut, Paul und Loriot, sämtlich deutsche Emigranten, verhaftet worden. Unter den Verhafteten befindet sich außerdem d i e Freundin des berüchtigten Emigrantenkommis- sars Wachts, Elfe Haas.
In den späten Abendstunden traf in der Ulanenkaserne der Leiter der Saargebietspolizei, der Engländer Wajor Hennessy, ein und nahm hier eine Untersuchung vor. Die Beamten wurden zusammengeholt und vernommen und verhört. Ferner wurden dieWaffen sichergestellt. Es heißt, daß von den 120 Beamten mindestens 90 Emigranten sind. Im Zusammenhang mit diesem Vorgang steht ein Aufruf der separa- tistischen Einheitsfront vom Wontagvormittag, in dem zur Bildung eines f o genannten Ordnerdienstes der Separatisten aufgefordert wird.
Ganz zweifellos sollte dieser Ordnerdienst m i f polizeilichen Waffenbeständen bewaffnet und dann in d i e Polizei eingereiht werden. Das separatistische Polizeikommando hatte die Absicht, im Lause der Nacht die Wacht an sich zu reißen, die alte blaue Polizei zu entfernen und die Separatisten zu bewaffnen. Sicherlich hat auch der ehemalige polizeigewaltige Polizeikommissar Wachts, der seit einigen Tagen in Forbach jenseits der Grenze sitzt und keine Dienste mehr macht, mit diesen Vorgängen in Verbindung gestanden.
zettel, die offenbar dem Status quo galten und auf denen das Kreuz nicht in den Kreis gemacht wurde, sondern einfach die Worte Deutschland und Frankreich durchgestrichen waren. Auch diese Zettel sind selbstverständlich ungültig.
Man kann im übrigen sehr gut von der Galerie aus an den einzelnen Tischen mitzählen und sich so einen Einblick in die Stimmung schaffen, und man sieht immer wieder, daß das Ergebnis für Deutschland sehr günstig sein dürfte. Arn Tisch des Kreises Hornburg und St. Ingbert ist die Zahl der Status-quo-Stirnrnen besonders gering. Es kommt vor, daß eine halbe Stunde lang überhaupt nicht eine einzige Status- quo - Stimme ausgezählt wird. Die Kontrolle ist scharf, und die neutralen Stimmzähler arbeiten mit aller Anstrengung. Man kann dabei bemerken, daß die Schweizer, die ja ebenso wie die Deutschen ein besonderes Organisationstalent besitzen, sich sogar Kuoertschneidemaschinen und Rechenmaschinen mitgebrscht haben.
Gegen 20 Uhr hat das Interesse der in- und ausländischen Presse etwas nachgelassen. Es sind aber immer noch über 100 Journalisten im Saale anwesend, und ein nicht geringer Teil davon will die ganze Nacht durchhalten. Das durch die militärische Besetzung bedingte Lagerleben, der lebhafte Verkehr auf den Gänyen, das Treiben in den Restaurants ufw. erweckt für den Berliner Erinnerungen und Vergleiche mit den Sechstagerennen, bei denen in den Räumen des Berliner Sportpalastes ein ähnliches Treiben herrscht. Es kommt hinzu, daß vielfach von den Ausländern
Llm 4 W früh in der,Wartburg'.
Das Zählgeschäft
geht in Hemdsärmeln weiter.
Die (Stimmung im Hause „Wartburg" ist in den frühen Morgenstunden ausgesprochen matt. In den Korridoren und den Sälen sind zahlreiche Personen auf Stühlen eingeschlafen, und selbst die Polizeibeamten, die den heute für deutsche Augen so ungewohnten Gummiknüppel tragen, lehnen verschlafen an den Wänden. Die Sensation dieser Morgenstunden ist ein englischer Offizier in Meß-Unikorm, eine enge Hose mit breiten roten Biesen, steifem Smokinghemd und einer knallroten kurzen Aermelwesie, em jarben- prächtiger Anblick, der allgemein ausfällt. Die Telephonbeamtinnen, die im Laufe der Nacht weit über 1000 Verbindungen haben Herstellen müssen, sind abgekämpft. Die Anordnung, daß am Dienstag auf etwa zwei Stunden alle Telephonleitungen gesperrt werden, gibt doch zu größten Bedenken Anlaß, da dadurch S a a r - brücken vollständig abgeschnitten ist. Im Saal selbst schimmert jetzt der ganze Boden blau. Viele Tausend von leeren U m - schlügen sind einfach auf den Boden geworfen worden, da die großen Mengen gar nicht mehr ordnungsmäßig förtgedracht werden konnten. Die Stimmenzähler im Saal sind ebenfalls nach nunmehr elfftünbiger Arbeit reichlich ermattet. Es wird zwar gut für ihr leibliches Wohl gesorgt, aber sie haben keine rechte Zeit, in Ruhe zu essen. Im Saal herrscht eine f a ft unerträgliche Schwüle: Alle arbeiten in Hemdsärmeln, und trotzdem nicht geraucht werden darf, was von nicht wenigen sehr unangenehm empfunden wird, ist die Luft im Saal blau wie zum Schneiden. Die einzige Abwechslung in den Gängen bildet das Austauchen der englischen Patrouillen und Wachablösungen, die martialisch und mit eiserner Entschlossenheit die Trepven herauf- und heruntervoltern und der in den Morgen-
noch nebelverhängt, aber schon um 6 Uhr läuten öie Glocken öes Saargebietes öen Freiheitstag an, unö öie Frühgottesöienste öer katholischen Kirchen finö überfüllt. Geht man durch die Straßen öer StäÖte, so sieht man an allen Häusern zahlreiche Fenster hell erleuchtet. An öiesem Tage, an öem öas Saarlanö sein Schicksal erfährt, finö öie 800 000 Saaröeutschen zu Frühaufstehern gerooröen. Unö um 7 Uhr morgens herrscht auf öen Straßen schon reger Verkehr. In öen Hotels hat man ebenfalls um öiefe frühe Stunöe noch nie solchen Trubel gesehen. Alles ist bereits in öen Frühstückssälen versammelt. Die Lautsprecher werben ein = ge ft eilt, man zückt Bleistift unö Notizbuch und wartet nun gespannt auf öas, was kommen fall. Die Deutsche Front hat an vielen Stellen G e - meinschaftsempfang vorbereitet. Es gibt große Schul- unö Fabriksäle, in öenen Lautsprecher aufgestellt finö, Öamit jeher, auch jene, öie nicht im Besitz eines Radioapparates finö, öer Verkün- öung öes Ergebnisses teilhaftig werben unö bann Gauleiter Bürck<>l unb anschließenb baran ben Führer unb Dr. Goebbels hören kann.
Die Stimmung ist auf einem Höhepunkt angelangt, her schlechterdings nicht mehr zu übertreffen ist. Man ist in biesen Wochen im Saargebiet Superlative gewöhnt gewesen, aber es zeigt sich, baß es immer noch roieber eine Steigerung gibt. Die Schulen, Geschäfte unb Betriebe finb geschlossen. Die Saarkumpels finb an biefem Morgen nicht in bie Grube eingefahren, fanbern sammeln sich in ihren reich geschmückten Orten zum Abhören bes Abstimmungsergebnisses. Ueberall sieht man, wie bie Fahnen st ang en von Blumengewinden bekränzt und in Ordnung gebracht werben, benn sofort nach Bekanntgabe bes Abstimmungsergebnisses wirb bas Saargebiet ein einziges 'Flaggenmeer (ein. Es wirb bann so aussehen, wie es am 13. Januar nicht aussehen bürste. In ben Schaufenstern sieht man überall Silber bes Führers, bes Gauleiters Bürckel unb von Reichsminister Dr. Goebbels. Auch bie ersten Hakenkreuzfähnchen finb schon in ben Schaufenstern zu sehen. Bis heute morgen galt bas Flaggenverbot. Aber nun, mit ber Bekanntgabe bes Ergebnisses, ist es a u f g e h o b e n unb bas Saarvolk barf — enblich — feinen Gefühlen ben Ausbruck geben, ber ihm bisher verwehrt war. Draußen im Lande selbst finb bie Zechentore bekränzt, Tan- nengeroinbe um bie Hochöfen gerankt. Waghalsige haben oben auf ben steilen Dächern ber Fabriken Fahnen gehißt. Auch auf ber Grube „Pascal", auf ber bie Belegschaft gestern wegen Entlassung bes
famtabbition unb bie sorgfältige Nachprüfung ber Einzelzählung. Erschöpft von zwölfstün- biger Arbeit verlassen bie Stimmzähler allmählich ben Saal, um sich vor ber Bekanntgabe bes Ergebnisses noch ein wenig zu erholen. Der Saal macht ben Einbruck, als sei eine Papierflut auf ihn niebergegangen. Dazwischen stehen öie großen Zähltische, eine große Zahl von leeren Urnen unö leeren Zählkartons. Die englischen Solöaten, bie bie ganze Nacht über ben Transport ber Urnen besorgten, finb verschwunben. Auf ber Bühne ist bie Abstimmungskommission eifrig an ber Arbeit, um nunmehr bas Gesamtergebnis zu ermitteln.
Vor bem Tisch steht bas Gewirr ber Mikrophone, burch bie Präsident Rhobe um 8 Uhr ber ganzen Welt mitteilen wirb, baß bie Deutsche Front einen überroältigenben Sieg errungen unb daß fast bas ganze deutsche Saarvolk sich zu Deutsch- lanb bekannt hat. Die Galerien füllen sich allmählich roieber etwas. Die Filmoperateure beginnen ihre Apparate einzullellen unb zu prüfen, um ja ben großen Augenblick ber Bekanntgabe bes Ergebnisses nicht zu verfehlen. Mitten in biefem Stilleben aus Tischen, Papier, Kartons unb Urnen aber steht ein einsamer Stimmzähler mit einem Teller Suppe in ber Hanb, unschlüssig, wo er ihn nun in biesem Wirrwarr niebersetzen soll. Die einzelnen Wahlprotokolle finb gesammelt unb fertiggemacht worben. Es ist a l l e s in schönster Orbnung. Die Zahl ber ungültigen Stimmen ist, wie der Augenschein ergibt.
Das Gesamtergebnis wird ermittelt
Um 5.30 Uhr war die Auszählung der
außerordentlich gering und der Stapel der Deutschland abgegebenen Stimmen häuft sich großen Bergen.
Hochstimmung im ganen Saarland.
Festlich geschmückt für den heutigen


