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Kr.267 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberheßen) . Donnerstag, (4.November(935

Die neue Zeppelinhalle bei Frankfurt.

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Neueste Aufnahme vom Bau der riesigen Luftschiffhalle auf dem Weltflughafen bei Frank- f u r t, von dem aus im kom­menden Frühjahr der interkonti­nentale Luftverkehr ausgenommen wird. Gigantisch ragen die Pfei­ler und Bogen in die Luft und lassen die ungeheueren Ausmaße der Halle nach ihrer Fertig­stellung ahnen. Mit einer Länge von 60 Meter und einer Höhe von 55 Meter entsteht hier die größte Luftschiffhalle der Welt.

(DNB.-Heimatbilderdienst, Photo: Schmidter.)

Das Dors ohne Frauen.

Wie die Olymp^kämpfer wohnen.

Inmitten einer mit verschwenderischer Pracht ge­segneten märkischen Landschaft, den BegriffStreu­sandbüchse" in das Gebiet der Fabel verweisend, wächst in der Nähe Berlins auf dem Riesengelände des Döberitzer Heerlagers ein Dorf in die Höhe und seiner Vollendung entgegen: das Olympische Dorf! In diesem Dorf, dessen Grundfläche 550 000 Quadratmeter groß ist, das von lieblichen Hügeln, sanften Tälern, beschaulichen Waldeswinkeln, silber­hellen Birkenalleen, rauschenden Kiefern, saftgrü­nen Rasenflächen, einem verträumten Märchensee durchzogen ist, werden zur Zeit der Olympiade, im August 1936, rund 3000 olympische Kämp- f e r ihren Aufenthalt nehmen.

In diesem Dorfe sind wir jüngst spazieren gegan­gen und haben das Wundern wieder gelernt. Ge­wiß, man war auf vieles vorbereitet,' man hatte von dieser und jener Einrichtung bereits gehört. Aber wie verblaßt jedes Wort, jede Beschreibung vor der Wirklichkeit, vor der wir nun standen! Man weiß kaum, wovon man zuerst berichten soll.

Etwa von den vielen Einzelhäusern, die durch das Grün der Bäume schimmern, und in denen die Mannschaften der 45 Nationen, die sich bisher zur Teilnahme anmeldeten untergebracht werden? Jedes dieser Häuser trägt den Namen einer Stadt. An der Stirnwand eines solchen Hau­ses sehen wir in farbiger, silhouettenhafter Zeich­nung die Türme der Stadt Erfurt, dort die Wahr­zeichen der Dichterstadt Weimar. Im Innern bergen diese eingeschossigen, mit edlem Putz geschmückten und mit leuchtenden, roten Ziegeldächern versehe­nenSteinbara.cken" Helle, lichte Räume, Schlaf­kabinen für je zweiOlympier", Brausebäder, Waschräume, Aufenthaltsräume, und breite terras­senartige Ausgänge in den Wald, in dessen Mitte diese Häuser verschwiegen und versponnen stehen. Oder aber drei solcher Häuser sind hufeisenförmig aneinandergebaut und umschließen so einen mit Birken und Tannen bestandenen Garten.

Dann fällt unser Blick auf das mächtige, mit breitausladenden, offenen, luftigen Terrassen ver­sehene Wirtschaftsgebäude, das die Speisesäle und die 38 Küchen in sich birgt, die berufen sind, die 3000 Kämpfer sachgemäß zu verpflegen. Jede Nation wird ihre eigenen Köche mitbringen, um die Nationalgerichte, unter denen auch die schmackhaften Schwalbennester nicht fehlen wer­den, in gewohnter Güte herzustellen. Jedes Welt­bad wäre Stolz, ein solchesKurhaus" sein eigen nennen zu dürfen.

Doch auch sonst ist auf die nationale Eigenart der Olympiateilnehmer Bedacht genommen. Unter großen, herrlichen Laubbäumen lugt ein strohge­decktes Holzhaus hervor. Es ist dieSauna", jenes eigenartige Dampfbad, ohne das die Finnen nicht leben können. Hier werden sie sich von heißen Dämpfen einhüllen lassen, werden sie sich mit Bir- kenreisern ihre Körper rot schlagen lassen, um sich dann sofort mit einem Kopfsprung in die kalten Fluten des Sees zu stürzen, dessen Gestade (mit drei Meter Tiefe) bis an den Fuß des Blockhauses heranreicht.

Weiter geht es durch die weiten Anlagen des Dorfes. Bis in die entferntesten, äußersten Winkel stoßen wir vor, bis dorthin, wo der große N u r m i als Führer seiner Nationalmannschaft sich ungestört der Ruhe und Erholung hingeben wird. Auf die verschiedenenGaue" des Dorflagers werden die einzelnen Völker (wer zählt sie und wer kennt die Namen?) verteilt. Eng benachbart werden Deutsche und Franzosen beieinander wohnen. Dort haben die Engländer, da die Japaner, und da hin­ten die Südamerikaner ihre Wohnsitze. Eine große, in sich einige Völkerfamilie wird hier leben, und ihr einziger Ehrgeiz wird sein: der Sieg für ihr Volk, aber auch die Sportkamradschaft aller! Dieser Gedanke des Olympischen Dorfe, 1932 in Los Angeles in die Wirklichkeit übertragen, ist so überwältigend, daß von dem Erlebnis dieser La­gergemeinschaft nur Segensreiches ausströmen wird.

Doch wir sind in unserem Rundgang noch nicht zu Ende. Da ist noch die große Schwimmhalle, deren eine Breitseite nur aus riesigen großen Glas­scheiben besteht, die bei warmer Witterung versenkt werden, und so das Hqllenbad zu einem Freibad machen. Und dort hinten recken sich schon die stähler­

nen Träger der gewaltigen Sporthalle in die Höhe, in der die Athleten üben werden. Nebenan aber, auf dem beneidenswerten gut ausgebauten und angelegten Stadion werden die Rasenkämpfer und Läufer trainieren. Und so stehen nebeneinander, immer aber wieder durch Baum- und Strauch­kulissen von einander geschieden, neben den ruhigen Wohnhäusern die Stätten des Kampfes.

Während wir von Bauwerk zu Bauwerk wan­dern, bewundern wir immer wieder, wie d i e Na­tur selbst einbezogen wurde in das Leben und Treiben dieses Dorfes. Man hat immer wieder neue, reizvolle Durchblicke und herzerfreuende Na­turbilder geschaffen, Wahrlich! Wenn man auf der Bastion" steht, unter jenem großen Pilztempel, in dessen Schatten in der Augusthitze erfrischende Getränke (aber kein Alkohol) eingenommen werden können, und wenn dann der Blick weit, weit hin­über schaut über diese Welt der Schönheit und Lieb­lichkeit, dann überkommt einen das Gefühl: hier ist der Frieden der Wett, hier ist das Paradies!

Langsam führt uns der Weg zum Eingang in dieses olympische Idyll zurück. Aber aufmerksam schauen wir uns um und sehen, wie liebevoll man mit den Bäumen, die hier wuchsen, umging! Sie wurden nichtabgeholzt", wenn sie hier und da im Wege standen. Nein, fein säuberlich wird hier die Dachrinne, dort die Treppe unterbrochen, um dem Wachstum keinen Einhalt zu gebieten.

Ja, hier ist die Natur mit der Kunst eine Ehe eingegangen. Der Führer des Reiches, der den Bau dieses Olympischen Dorfes der deutschen Wehrmacht als der Besitzerin des Geländes über­trug, hat hier das Zeichen gegeben zur Errichtung eines Natur- und Kulturdenkmals, dessen Einwir­kung auf die Völker der Erde nicht abzuschätzen ist.

Breit, mit weiten Flügeln nach links und rechts, liegt nun wieder dad Empfangsgebäude mit dem Eingangstor, von dem aus wir unfern Spaziergang begannen, vor uns. Hier in diesen Räumen werden die Ehrengäste, die Gesandtschafts­attaches, die Ehrenführer der Nationalmannschaften wohnen. Auch sie wird Sorgfalt, Vornehmheit, Wohnkultur umgeben. Eine Schar lebendiger, schmucker weißgekleideterEhrenjungs", Schüler der Reichshauptstädtischen Unterrichtsanftalten, mannigfacher Weltsprachen mächtig, werden flinke Dienste persönlicher Art leisten. Post, Telegraph, Fernsprecher, Läden, Verkaufsräume, erleichtern den Aufenthalt in jeder Weise.

Alles, alles wird vorhanden (und fertig) fein, wenn im Mai d i e ersten Mannschaften im Olympischen Dorf eintreffen. tRur eins wird es nicht geben: dieses romantische Dorf wird kein weiblicher Fuß betreten! Dieses Dorf wird ein Dorf ohne Frauen sein! Unbarmherzige Wäch­ter werden an den Eingängen diese Ruhe- und Uebungsstätte jede Besucherin, aber auch jeden Be­sucher fernhalten. H. Deyben.

Anrechnung von Schutzhaft als Llntersuchungshaft.

Darmstadt, 13. Nov. (LPD.) Die Frage, ob die Schutz ha ft, welche seit der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat seit Anfang 1933 häu­fig verhängt wurde, ebenso wie die Unter­suchungshaft auf die gerichtlich erkannten Strafen angerechnet werden kann, ist, wie die Justizpressestelle Darmstadt mitteilt, von den Ge­richten seither nicht immer einheitlich gelost worden. Zahlreiche Oberlandesgerichte, darunter das Ober» landesgericht Darmstadt und neuerdings auch der Volksgerichtshof, haben sich für die Anrechnung der Schutzhaft ausgesprochen, wenn diese in der abzuurteilenden Strafsache verhängt war.

Nunmehr hat auch das Reichsgericht in einem Urteil vom 30. September 1935 zu der Frage Stellung genommen. Es wird darin hervor­gehoben, daß klargestellt werden müsse, ob es sich bei der sog. Schutzhaft um die schon früher zu­lässige Polizeihaft im Sinne der Strafprozeßord­nung eines nach den Bestimmungen der Straf- prozeßprdnung vorläufig Festgenommenen handelt, ober um eigentliche Schutzhaft im Sinne der ein­

gangs erwähnten Verordnung. Im ersteren Falle ist die Anrechnung auf die Freiheitsstrafe nach §60 Strafprozeßordnung ohne weiteres zulässig; handelt es sich dagegen um eigentliche Schutzhaft, so ist die Anrechnung ebenfalls zulässig, wenn die Haft 3ur Sicherung der Strafverfolgung, ober zur Untersuchung ber Straftat ungeordnet war Denn §60 der Strafprozeßordnung versteht unter Unter­suchungshaft nicht nur die Haft im Sinne der Strafprozeßordnung, sondern jede behördliche Frei­heitsentziehung, die der Strafverfolgung dient. Einen solchen Charakter kann (nicht muß) aber auch die Schutzhaft haben

In einer Anmerkung zu dieser Entscheidung in derDeutschen Justiz" begrüßt Ministerialrat R i e tz s ch , daß sich nunmehr auch das Reichsgericht dieser billigenswerten Auffassung angeschlossen hat.

Kirche und Schule.

Evangelisch-kirchliche Personalien.

(LPD.) Ernannt wurden:

der Hilfsprediger Erwin Weigel zu Oberhau­sen (Rheinland) zum Pfarrverwalter der Pfarrei Burkhardts, Dekanat Schotten, mit Wirkung vom 16. Oktober 1935 ab;

der Pfarrer Lic. Dr Hugo Grün zu Hochheim am Main zum Dekanstellvertreter des Dekanats Wiesbaden-Wallau mit Wirkung vom 16. Oktober 1935 ab;

der Pfarrverwalter Ludwig Hahn zu Altheim, Dekanat Groß-Umstadt, zum' Pfarrer der Pfarrei Altheim, mit Wirkung vom 1 Oktober 1935 ab;

der Pfarrer Otto Müller-Thüring zu Neuerkirch (Kreis Simmer, Rheinland) zum Pfarrer der Pfarrei Michelbach i T., Dekanat Bad Schmal­bach, mit Wirkung vym 1 November 1935 ab;

der Pfarrverwalter Ernst Velten zu Offenthal, Dekanat Offenbach, zum 5)iissprediger in Limburg (Lahn), Dekanat Runkel, mit Wirkung vom 16 Ok­tober 1935 ab;

der Dekanatsstellvertreter Pfarrer Gustav Zeh- fuß zu Schlitz zum Dekan des Dekanats Lauter­bach, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab;

der Pfarrer Leopold S p e r b zu Zangenberg (Zeitz-Land), Konsistorium der Provinz Sachsen, zum Pfarrer der Pfarrei Wirges, Dekanat Selters, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab;

der Pfarrer Johannes G i e b n e r aus Heidel­berg zum Pfarrverwalter der Pfarrei Groß-Kar­ben, Dekanat Friedberg, mit Wirkung vom 1. Ok­tober 1935 ab;

der Pfarrer Lic. Hans Korn zu Braunschweig zum Pfarrer der St Jakobsgememde zu Frankfurt am Main-Bockenhetm, Dekanat Frankfurt a. M.- West, mit Wirkung vorn 1. November 1935 ab;

der Missionar und Vikar Philipp Schäfer zu Bischoffen, Dekanat Gladei ; zum Pfarrverwal­ter der Pfarrei Obbornho : D.ckanat Hungen, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab.

Bürgermeister-Tagung in Schotten.

D Schotten, 12. Nov. Im hiesigen Rathaus­saal fand unter Leitung des Obmanns, Bürgermei­ster Menget, Schotten, eine vollzählig besuchte Tagung des Kreisverbands Schotten vom Deutschen Gemeindetag statt.

Nach Eröffnung und Begrüßung des Kreisleiters K r o m m, Regierungsrats Schwan, der Inspek­toren Müller und Alles vom Kreisamt Schotten wurde eine Reihe von Rundschreiben und Verfügun- aen des Deutschen Gemeindetags bekanntgegeben. (Kosten des Luftschutzes, Förderung des Jugendher­bergwerkes, Stärkung des Deutschtumsfonds u. a.) Auf die Abfassung der Gemeinderatsprotokolle kam Inspektor Müller zu sprechen.

Ein längerer Erlaß des Reichsinnenministers, der die Gemeinden bei Aufstellung ihrer Voranschläge an Sparsamkeit dringend mahnt, wurde verlesen. Regierungsrat Schwan ergänzte den Erlaß und besprach die Frage der Wassergelderhebung und der Steuerrückstände. Dann hielt der Direktor des Ar­beitsamtes Gießen,

OberregierunqSrat Or. List

einen Vortrag über die Durchführung von Notftandsarbeiten. Ursprünglich wurden diese eingeführt, um das Rad einer abwärts sich be­wegenden Wirtschaft aufzuhalten, dann wurden die Notftandsarbeiten produktiv gestaltet. Heute wird das Recht auf Arbeit in den Vordergrund ge­stellt. In Oberhessen liegt der Prozentsatz der Ar­beitslosigkeit mit 10 Personen auf 1000 Einwohner weit unter dem Reichsdurchschnitt mit 26 pro Tau­send. Manche Notstandsgebiete, Offenbach, Worms find ungünstiger gestellt. Es gilt daher, Personen aus den dortigen Gebieten in Oberhessen unterzu­bringen. Dies ist auch schon mit 680 Personen ge­schehen, der Plan soll noch weiter durchgeführt werden. In erster Linie sollen Personen, die im letzten Jahre weniger als V2 Jahr gearbeitet, be­sonders auch Jugendliche unter 25 Jahren, sowie Familienväter mit mindestens drei Zuschlags- empsängern berücksichtigt werden. Auf den großen volkswirtschaftlichen Wert der Meliorationen kam der Redner zu sprechen, der auch von den Bür­germeistern anerkannt wurde, die in den letzten Jahren Meliorationen in ihren Gemeinden durchge­

führt haben. Im letzten Jahr sind bisher im Kreise Schotten Notftandsarbeiten mit 20130 Tagewerken = zirka 100 000 RM. Zuschüssen aus­geführt worden. Eine Reihe von Notstandsarbeiten läuft noch, manche sind neu beantragt. Immer ist die Frage zu prüfen, ob die Notftandsarbeiten ent­lastend wirken, ob sie wirtschaftlich wertvoll sind und die Gemeinde auch finanziell in der Lage ist, sie durchzuführen. Die Frage der Verwendung von landwirtschaftlichen Arbeitern wurde näher bespro­chen. In besondes gelagerten Fällen sollen beson­ders begründete Anträg' . qt werden. Der Redner sprach dann nodi i: 5er die Unterbringung der alten Kämpfer, über die L.. 5eitsvermittlung, dis nunmehr ganz in der Hand ber Arbeitsämter liegt, ferner eingehend über die Ausstellung und den Wert des Arbeitsbuches, über die Meldung der ar­beitslos gewordenen Personen, über die Einstellung ber Holzhauer unb über Bekämpfung ber Schwarz­arbeit unb bie Mithilfe ber Bürgermeistereien bei ber Außenkontrolle.

Kreisleiter Kr 0 mm ergänzte die Frage ber Arbeitsbeschaffung unb wies auf bie besonderen Schwierigkeiten im Vogelsberg hin.

pg. Karbus

vvm Landesverkehrsverband Rhein - Main hielt dann einen Vortrag über die Hebung des Verkehrs im Vogelsberg. Jede, auch die kleinste Gemeinde müsse Jntere'le an dieser Hebung haben, alle hätten Vortä. Mit leichter

Mühe, ohne viele Kosten,.Cu> noch sehr viel in unseren Vogelsberg-Dörfern 1": . die Verschönerung des Dorfes (Blumenkasten) usw. geschehen. Ein de- fonberer Prospekt für ben Vogelsberg werbe vom Verkehrsverband herausgegeben.

Kreisleiter Kromm wies ergänzend auch auf die Hebungsmöglichkeiten des Fremdenverkehrs hin. Vom Kreisamt wurden noch eine Reihe von Fra­gen (Einzelhandelsfchutz, Haushaltsrechnung, Win­terhilfswerk u. a.) vorgebracht. Kreisleiter Kromm berichtete von dem gewaltigen Erleben am 8. und 9. November in München und braute ein begeistert aufgenommenes Sieg-Heil auf den Führer aus. Die Tagung, die reiche Anregung brachte, wurde als- dann geschloffen.

DNB

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Vei ben Säulchen-Schnitzern im Oswald.

Die Heimarbeiter in der Werkstatt. (Ausnahmen [2]: DNB.-Heimatbilderdienst. Photos: Reeck.)

LPD. Hessen - Nassau steckt voller Heim­industrien. In allen Gegenden unseres Gaues sind in engen Dorfftuben emsige Hände tätig, um ihren Sonderzweig der Heimarbeit zu pflegen und aus ihm ihr täglich Brot zu gewinnen. Nun, da die Weihnachtszeit naht, wird auch in den Spiel­zeugdörfern des Odenwaldes tüchtig gearbeitet, da­mit dieOdenwälder Gäulchen" noch rechtzeitig fer­tig werden, denn in einigen Wochen sollen sie in den Dörfern unb Stäbten unseres Gaues auf den Weihnachtsmärkten zum Verkauf stehen.

In Rohrbach schaffte einst die ganze Familie mit Gesellen und Lehrlingen, denn rund 60 000 Gäulchen gingen aus einem einzigen Betrieb in die Wett. Da war das ganze Haus wohl eine einzige Spielzeugfabrik. Inzwischen hat Rohrbach sein altes Gewerbe so gut wie ganz aufgegeben. Als Haupt­spielzeugmacherdorf kann Niedernhausen am Fuße des Schlosses Lichtenberg gelten. Hier merkt man auf Schritt und Tritt, daß Niedernhausen ein Spielzeugmacherdorf ist. Jetzt herrscht schon Weih- ncichtsbetrieb. Hunderte von Apfelschimmeln stehen schwadronenweise auf Tischen aufgebaut zum Trock­nen. In zwölf Größen werden die Pferdchen her- gestellt, dazu die nötigen Karren oder Wagen. Und so wie der Großvater die Pferdchen machte, so wer­den sie noch heute hergestellt, wenn auch Hobelbank und Sägen elektrisch angetrieben werden.

Di« Parade der hölzernen Schimmel,

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