Nr. 267 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Donnerstag, 14. November 1935
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Aus den Akten.
In der Protestnote, welche die italienische Regierung an die Sanktionsmächte des Völkerbunds gerichtet hat, weist sie u. a. auch darauf hin, daß die grundlegende Beurteilung der abessinischen Verhältnisse durch den Völkerbund irrig sei und daß dies durch das Verhalten der abessinischen Bevölkerung und ihrer Chefs in den bis jetzt von Italien eroberten Landesteilen bewiesen werde; diese hätten fast durchweg die italienischen Truppen als Retter aus der Gewalt eines Usurpators und als Bringer der Zivilisation begrüßt und sich freiwillig der italienischen Herrschaft unterstellt. Ferner wird in der Rote Klage darüber geführt, daß der Völkerbundsrat und die von ihm eingesetzten Kommissionen sich nicht die Mühe und Zeit genommen hätten, dem umfangreichen Beweismaterial die gebührende Beachtung zu schenken, das Italien vorgelegt habe, und aus dem bei gewissenhafter Prüfung eine bessere Würdigung der italienischen Sache zu erwarten gewesen wäre. In der Tat ist namentlich das letztere richtig, denn das in vielen Kisten seinerzeit nach Genf verfrachtete Anklagematerial gegen Abessinien, gegen seine barbarischen Zustände, seine Rechtsverletzungen, gegen den fortdauernden Sklavenhandel usw. ist wohl von keinem der Genfer „Richter" auch nur eines Blickes, geschweige denn einer gründlichen Durcharbeit gewürdigt worden. Richtig ist ferner auch, daß sich der größte Teil der italienischen Meldungen über das willfährige Verhalten der Bevölkerung, namentlich in der eroberten Provinz Tigre, einiger Stammeshäuptlinge und der koptischen und mohammedanischen Geistlichkeit bewahrheitet hat. Ganz abgesehen von dem Uebergang der etwas zweifelhaften Persönlichkeit des Ras G u g \ a in das italienische Lager hat sich das gezeigt, was Kenner Abessiniens voraussagten, daß das „Kaiserreich" kein geschlossener National st aat im europäischen Sinn ist.
Es fügt sich nun für die italienische Sache sehr schlecht, daß mit der Uebergabe der Note und der erwähnten Beschwerdepunkte die Meldung der italienischen Heeresleitung zusammentrifft, daß sich der Sultan P a h o, der Herrscher Über den Stamm der Aufs a,’ dem Kommandanten von Assab mit, nach einer Lesart 20 000, nach einer andern 5000 gut bewaffneten und berittenen Anhängern zur Verfügung gestellt habe und daß dies von der italienischen Presse als eine neue glänzende Rechtfertigung, eben im Sinne der Note, gefeiert wird Die von Italien so lebhaft beklagte Unkenntnis der Akten ist aber in diesem Falle nicht gegeben, denn alsbald nach der Bekanntgabe dieses neuen moralischen Triumphes der italienischen Sache werden über den übergelaufenen Sultan Dinge bekannt, die die italienische Beweisführung eher zu kompromittieren, als zu stützen geeignet find. Dieser Sultan ist der Chef eines an den Grenzen von Französisch-Somaliland nomadisierenden Stammes, der von den Kennern Abessiniens zu den räuberischsten und blutdürstigsten gerechnet wird und der in der Hauptsache von dem ehrbaren Handwerk des W a f f e n - und S k l a v e n s ch m u g g e I 5 lebt. Heber dieses allgemeine Urteil hinaus existiert aber bei den Akten des Völkerbunds eine Note, die wenige Tage vor der Aufnahme Abessiniens der damalige italienische Ministerpräsident Salandra an den Generalsekretär des Völkerbunds, den heutigen britischen Botschafter in Rom, Sir Eric Drum- m o n d, gerichtet hat und die sich eingehend mit dem Stamme der Aussa und ihrem Chef, dem Sultan Paho, beschäftigt. Es heißt in dieser Note:
„Die italienische Regierung ist darüber unterrichtet worden, daß einige Sklavenhändler sich mit der Absicht tragen, 150 Sklaven auf dem Seewege zu verschleppen, und eine indirekte Route wählten, um sich die Zahlung von dreißig Talern für jeden Sklaven zu ersparen, die der Chef der Provinz Aussa fordert. Aus Veranlassung dieses Chefs, des Sultans Paho, wurde die Karawane angegriffen. 3 0 Sklaven wurden getötet oder verwundet. Die Frauen wurden verschleppt und dem Sultan Paho zugeführt. Dieser Zwischenfall beweist die Fortdauer des Sklavenhandels trotz der strengen Anordnung der abessinischen Regierung und trotz der harten Strafen, die sie verhängt."
Aus diese Note geht hervor, daß der neue Freund Italiens eben einer jener berüchtigten Sklavenhändler ist, gegen den die abessinische Zentralregierung wiederholt Strafexpeditionen ausgeschickt hat und dessen Treiben seinerzeit von Italien als Bedenken gegen die Zulassung Abessiniens zum Völkerbund geltend gemacht wurde. Die von Italien in der Note gerühmte Unkenntnis der Akten ist also in diesem Falle ganz auf seiner Seite, und man könnte gegen die italienische Regierung den Vorwurf erheben, daß sie den Sultan Paho, anstatt ihn, wie es dort landesüblich ist, am nächsten Baume aufzuknüpfen, freundschaftlich ausgenommen und ihn der politischen Umwelt sogar als Paradestück der zivilisatorischen Mission Italiens vorführt. Aber auch dies wäre, wie die Ausführungen der italienischen Note, selbst, nur eine dialektische Hebung. In Wirklichkeit hat weder in Genf, noch in den diplomatischen Verhandlungen der Rechts st andpunkt oder eine Erwägung allgemeiner moralischer Natur die ausschlaggebende Rolle gespielt, sondern nur die Tatsache, daß Italien sich mit Gewalt eines Landes bemächtigen will, auf das auch andere, wenn es schon seine Selbständigkeit verlieren soll, Anspruch erheben. Immerhin ergibt sich aus diesem Falle für die Diplomatie ganz allgemein die Lehre, nur auf der genauesten Kenntnis der eigenen Akten den Vorwurf mangelnder Aktenkennt- nts gegen andere zu erheben. O. M.
Volk und Kirche muffen zusammenkommen.
Reichsminister Kerrl spricht vor den Berliner Studenten von den Ausgaben der Kirche an den neuen Menschen unserer Zeit.
Berlin, 13. Nov. (DNB.) In der neuen Aula der Hniversität sprach am Mittwochabend auf Einladung der theologischen Fachschaft Reichsminister Kerrl vor einer öffentlichen Studentenversammlung. Minister Kerrl schilderte in längeren geistesgeschichtlichen Darlegungen die Entstehung der Situation, wie sie Europa und Deutschland bis zu Beginn des Weltkrieges beherrscht hatte. Er fuhr dann fort: Der Zusammenbruch des deutschen Volkes nach 4V2 Jahren heroischen Widerstandes sand uns innerlich unvorbereitet. Wir haderten mit unserem Gott und wir wären verzweifelt, wenn wir nicht immer wieder in uns d i e S e h n- sucht nach Freiheit und das geheime Wissen um einen Sinn des Geschehens getragen hätten. Als dann die Stimme des namenlosen und unbekannten Gefreiten ertönte, als Adolf Hitler uns predigte: „Euer Schicksal kommt nicht von außen, es liegt in eurem In - nern, ihr müßt neue Menschen werden!", da wurde in uns der Glaube wach, daß nicht das Einzelschicksal, sondern die gemeinsamen Ausgaben, die die Nation zusammengeschweißt in einem Willen, das Wunder erzwingen. „Wir predigten dem deutschen Volk den Weg der inneren Wandlung und, je mehr sie uns einsperrten und mit Dolch und Pistole bekämpften, desto mehr verstanden wir die Worte: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun, denn wenn sie uns wirklich kennten, wenn sie unsere Liebe zum Volk wüßten, würden sie nicht so handeln".
Das Wunder geschah, der Glaube hat wieder einmal erwiesen, daß er im Menschen unendliche Kräfte freimachen kann. Und wie einst die Wendung in den Wissenschaften vom Glauben aus vorwärts getrieben wurde, so erlebten wir die Wendung innerhalb der Ration vom Glauben her, wie ihn Adolf Hitler uns predigte. Wir erlebten, was in Wahrheit für
den Deutschen Freiheit ist, nicht Zügellosigkeit, nicht die französische Liberte, sondern Jucht und Disziplin, Bindung an das Gewissen in uns. Das war die Botschaft, die vor 1900 Zähren der Heiland verkündigte als er predigte: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch", denn alles was der Mensch zum handeln wissen
muh, liegt beschlossen in seinem Gewissen.
Wenn man heute kommt und uns sagt: „Ihr seid in Wahrheit nicht fromm, ihr wollt uns den Glauben nehmen", dann kann ich nur sagen: Wer hat denn den Glauben bewahrt in der vergangenen Zeit? Wir haben 1923 erkannt und verstanden, was Jesus mit dem Glauben meint, der Berge versetzt. Wir haben im Nationalsozialismus nicht nur die Wahrheit dieses, sondern die Wahrheit vieler Worte erlebt. Unb wenn der Führer in seinem Programm den Artikel 24 ausgenommen hat, so ist das Bekenntnis zum positiven Christentum der Ausdruck einer Tatsache. Nur der kann Nationalsozialist sein, der religiös i st. Allerdings können weder Staat noch Partei sich an Bekenntnisse binden, jeder Einzelne hat das Recht, sich selbst über diese Dinge klar zu werden. Aber der Staat sieht auf die Tat. Er sieht auf die praktische Liebe des Volksgenossen zum Volksgenossen. Das ist eine Forderung, die in keiner Weise im Widerspruch zum Christentum stebt. (Beifall.)
hinter uns liegen zwei Jahre schweren Zankes und Streites in der Kirche, hier muh dasselbe geschehen, was vorher im Volke geschah: die einzelnen müssen zueinander kommen, nicht länger gegeneinander stehen. Richt der Staat und nicht wir, das Schicksal selbst hat an die Tür der Deutschen Evangelischen Kirche geklopft. Sie steht h.ute vor derselben Entscheidung, wie einst das Volk in
seiner Gesamtheit, sie muh mit der Tatsache rechnen, dah eine neue Zeit gekommen ist und dah dieMenschen dieser Zeit neu geworden sind. Die Kirche muh zu diesen Menschen kommen und mit ihnen marschieren, denn ihr Arbeitsgebiet liegt im deutschen Volk. Das Gros der Ration marschiert heute mit dem Führer. Die Kirche hat zu entscheiden, ob sie mitmarschieren oder eines Tages, wenn das Volk bereits am Horizont verschwindet, allein Zurückbleiben will. (Beifall.)
Der Staat denkt nicht daran, in Glaubensdinge einzugreifen. Gerade der Nationalsozialismus weiß, daß der Mensch von innen her wird, er weiß, daß man nicht von außen her an solche Dinge packen kann. „Mit mir", so rief der Minister aus, „hat der Führer und hat das deutsche Volk Interesse nur an einer Kirche, die aus innerem Gesetz heraus und aus freien Stücken mit uns geht. So bin ich an meine Aufgabe herangegangen. Ich will dem deutschen Volk die Sicherheit wiedergeben, daß der Staat seinen Grundsätzen nicht untreu wird und nicht daran denkt, Christentum irgendwie anzugreifen." Der Minister ging dann auf die Entstehung und Arbeitsweise der Kirchenausschüsse ein. Sie haben sich vereint und zusammengefunden in dem Willen, den Gemeinden ein Vorbild in der tätigen Liebe und im wahren christlichen Handeln zu sein. Das Führerprinzip ist nicht für die Kirche (Beifall), es ist ein politisches Prinzip. Die Kirche aber soll mit Geist und mit Liebe durchdringen und führen.
Minister Kerrl gab der festen Heberzeugung Ausdruck, daß das Werk, das jetzt in der Deutschen Evangelischen Kirche begonnen hat, gelingen wird, weil es gelingen muß. Die Studenten brachten dem Minister lebhaft Beifall und Zustimmung zum Ausdruck.
OieHaupttägung desReichsbauerniags Hai begonnen
Goslar, 14. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des 3. Reichsbauerntages, Ministerpräsident a. D. Granzvw eröffnete am Donnerstag die erste Haupttagung des 3. Reichsbauerntages und erteilte Stabsabteilungsleiter Dr. Merkel das Wort zu grundlegenden Ausführungen über
„Die Reuordnung des Rechts als Voraussetzung neuer Wirtfchaftsgestaltung".
Dr. Merkel ging aus von den drei großen Lebensordnungen des deutschen Mittelalters, der Marktgenossenschaft des deutschen Bauerntums, der Zunftordnung der deutschen Städte und dem deutschen Ritterorden. Er behandelte dann die Zerstörung dieser Ordnungen durch den Kapitalismus und zeigte, wie die entstandene volks- fremd gewordene Rechtsordnung durch die vom Nationalsozialismus aufgebaute neue Lebens- ordnung der Volksgemeinschaft abgelöst wurde, die durch eine neue Rechts- und Wirtschaftsordnung getragen wird. Im Reichsnährstand hat der Nationalsozialismus diese Forderungen verwirklicht und als neue Standes- ordnung eine neue Lebensgemeinschaft des deutschen Bauerntums geschaffen. Dazu gehört eine neue Bodenordnung und eine neue Marktordnung.
Die neue Marktordnung bedingt eine Lenkung der a u f dem Leistungsprinzip aufgebauten Erzeugung. Diese Lenkung erfolgt durch das neue Lieferungsrecht, das neue Betriebsrecht und das neue Berufsrecht. Das neue Lieferungsrecht hat Spekulation und Börse ausgeschaltet und damit das Steuerungsmittel für die gesamte bäuerliche Erzeugung im Dienste der Dolksernährung geschaffen. Für das neue Betriebsrecht sind die Verarbeitungsbetriebe dienende Glieder des Wirtschaftskreislaufes. Sie haben die Aufgabe, sich standortsmäßig, betriebstechnisch und absatzmäßig so in den Wirtschaftskreislauf einzuschalten, daß die Verwertung der Ernte und die Versorgung der Bevölkerung s o rasch, s o gut und so billig wie mög- l i ch erfolgen kann. Das neue Berufsrecht der Marktordnung will einen gesunden ehrbaren Kaufmannsstand schaffen und erhalten. Träger der neuen Ordnung sind d i e Marktverbände als Selbstverwaltungs-Körperschaften des öffentlichen Rechts. Neben die Selbstverwaltung und die durch sie entstehende lebendige Rechtsordnung tritt die ständische Gerichtsbarkeit. Diese sichert den Wirtschaftsfrieden und den harmonischen Ausgleich. Damit ist neben die Erbhofgericbtsbarkeit und die Standesgerichtsbarkeit die Marktgerichtsbarkeit getreten.
Der Reichshauptabteilungsleiter II Dr. Brumme n b a u m behandelte
„Die Grundlagen der Erzeugungsschlachl".
Die Wehrfreiheit des deutschen Volkes kann auf die Dauer nur dann gesichert werden, wenn darüber hinaus auch die Nahrungsfreiheit gegeben ist. Die Marktordnung kann erst dann ihren Zweck voll erfüllen, wenn die Erzeugung in ordnungsmäßigen Bahnen verläuft. Des
halb muß die Erzeugung bis zum letzen Bauernhof überseh'en und gelenkt werden. Unter allen Umständen muß in dem kommenden zweiten Abschnitt der Erzeugungsschlacht in die Breite gearbeitet werden. Steigerung und Ordnung der Erzeugung müssen Hand in Hand gehen.
Unter den verschiedenen Problemen spielt die Faserversorgung eine besondere Rolle. Hier liegt der Hinderungsgrund für eine schnelle Deckung unserer Versorgungslücke hauptsächlich darin, daß die Anbau-Erfahrungen verlor en gegangen sind. Dr. Brummenbaum schloß mit der Aufforderung, daß die Bauernführer mit unbedingtem Vertrauen auf den Sieg in die diesjährige Erzeugungsschlacht gehen. Dann werden wir dem Ziel näher kommen: Die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes!
Sodann sprach der Staatsleiter der Reichshauptabteilung II Dr. Krohn über
„Die Ordnung der Erzeugung "
Die Voraussetzung für die Versorgung aus eigener Scholle, so führte der Vortragende u. a. aus, liegt nicht so sehr in einer bedingungslosen Erhöhung der Erzeugung auf allen Gebieten. Sehr viel wichtiger ist zunächst die Ordnung und Lenkung der Erzeugung in die volkswirtschaftlich notwendigen Bahnen. Diese Führung kann nur durch einen lebenswarmen straff aufgezogenen st ä n d i - f cf) e n Selb st Verwaltungskörper durch- qesetzt werden, der das letzte Dorf und den letzten Bauern erfaßt.
Heute sind unsere drei großen Erzeugungslücken die Eiweiß-, Fett- und die Faserlücke. Uns fehlen augenblicklich rund 1 Million Tonnen Eiweiß, das zu 9 bis 10 v. H. Futtereiweiß ist, rund 1 Million Tonnen Fett, das zu rund 2/s für die menschliche Ernährung und zu V.3 für technische Zwecke benötigt wird, und Faserstoffe, bei denen wir augenblicklich noch zum überwiegenden Teil vom Ausland abhängig sind. So bedrohlich, wie diese Versorgungslage auf den ersten Blick erscheinen mag, ist sie in Wirklichkeit nicht. Die Reserven im deutschen Boden sind so groß, daß die statistisch berechnete Möglichkeit der Selbstversorgung bei richtiger Ausnutzung aller Kräfte durchaus möglich ist. Allerdings kann die Sicherung der Ernährung und Versorgungsgrundlage nicht von heute auf morgen durchgefuhrt werden, sie kann auch nicht durch Berechnungen und Anordnungen von oben allein gelingen. Die Grundlagen des Erfolges der Erzeugungsschlacht liegen im Gegenteil in einer ungeheuren Kleinarbeit bei jedem einzelnen Bauern und bei jedem Mitkämpfer in der Erzeugungsschlacht.
Zum Schluß sprach der Reichshauptabteilungsleiter III Dr. Korte über:
„Oie Ordnung des Marktes."
Die nationalsozialistische Auffassung, daß die Wirtschaft nicht Selbstzweck, sondern Dienst am Volk und am Wohl des Volksganzen ist, gilt in
ganz besonderem Maße für die Ernährungswirtschaft. Aus dieser Einstellung heraus, dürften die Maßnahmen zür Rettung des Bauerntums nicht zu einer Belastung des Verbrauchers führen. Dies konnte nur durch eine Ordnung des Marktes erreicht werden. Erste Aufgabe der Marktordnung war es, st e t i g e Märkte, und damit auch stetige, volkswirtschaftlich gerechtfertigte Preise für Erzeuger und Verbraucher zu schaffen. Deshalb war eine Ordnung der Absatzwege notwendig. Grundsätzlich soll die Ware den b e • ft e n, billig ft en und kürzesten Weg vom Erzeuger zum Verbraucher nehmen.
Die übrigen Glieder des Wirtschaftskreislaufes, die Verarbeitungs- und Verteilungsbetriebe sind Diener der Bedarfsdeckung. Sie müssen daher so arbeiten, daß der Bedarf auf die bestmögliche Weise gedeckt wird. Ferner muß zwischen allen am Markt beteiligten Gruppen ein gerechter Ausgleich geschaffen werden. Kein Gewerbe, keine Wirtschaftsgruppe, die zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher steht, soll sich auf Kosten anderer Wirtschaftsgruppen bereichern können. Um die Tragweite der nationalsozialistischen Marktordnung aber im vollen Umfange beurteilen zu können, müssen wir auch einen Blick in das bolschewistische Rußland werfen. In diesem großen Bauernlande ist der Bauer proletarifiert, seine Lebenshaltung ist in unerträglicher Weise eingeschränkt. Sein Eigentum ist ihm genommen und der Viehbestand in außergewöhnlichem Umfange zurückgegangen.
Durch die nationalsozialistische Marktordnung ist für die Privatinitative des deutschen Bauern ungeahnter Raum geschaffen worden. Ihren äußeren Ausdruck findet sie in der Er - zeugungsschlacht, die eine Erzeugungssteigerung nahezu auf allen Gebieten zur Folge hatte. Die Sicherung des Absatzes gewährleistet den deutschen Bauern bei höheren Roherträgen im wesentlichen auch höhere Reinerträge. In Deutschland vollzieht sich die Warenbewegung nach großen volks- wirtsckaftlichen Gesichtspunkten unter ständiger Führung in Form einer Selbstverwaltung der Wirtschaft. In anderen Ländern wird der Dank der Er-« nährungswirtschaft durch Börse und Spekulation oder wie in Sowjetrußland durch eine bürokratische Staatsverwaltung bestimmt.
Oer Leiter der illegalen KPD. Thüringens unschädlich gemacht.
Jena, 13. Nov. (DNB.) Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hatte sich der zuletzt in Stuttgart wohnhafte Hermann Scheier vor dem 1. Strafsenat des Oberlandesgerichtes Jena zu verantworten. Nach der Anklage hat Scheier das hochverräterische Hnternehmen der illegalen KPD. in Jena, Gera, Stuttgart sowie anderwärts im Jn» und Auslande fortgesetzt unterstützt. Er galt als die Haupt stütze der kommunistischen Staatsfeinde in Thüringen. Das Urteil lautete auf 14 Jahre Zuchthaus und 15 Jahre Ehrverlust unter Zulässigkeit der Polizeiaufsicht»


