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Ur. 240 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger'für Gberheffenj

Montag, (4. Oktober (935

Aus der Provinzialhauptstadt.

An das Gießener Publikum!

Von Intendant Schultze-Griesheim

Am 1. Oktober eröffnete das Stadttheater Gießen unter der neuen Leitung mit einer Aufführung von Kleists SchauspielDer Prinz von Homburg" die neue Winterspielzeit 1935/36. Dem allseitig aner­kannten, bedeutungsvollen Beginn folgten in der er­sten Spielwoche zwei Erstaufführungen und eine Ur­aufführung, Die ebenso wie die Eröffnungsvor­stellung den Namen des Stadttheaters Gießen bis weit über die Grenzen der heimatlichen Provinz hinaus lobend bekannt machten. In meiner An­sprache vor dem festlich versammelten Hause des Er­öffnungsabends habe ich die Ziele der kommenden Spielzeit mitgeteilt. Die Erfüllung unserer hoch­gesteckten Ziele gegenüber der Kunst ist uns aber bei allem ehrlichen Willen, Wollen und Können nur möglich, wenn wir von allen freudige Mitarbeit er­warten dürfen. Jeder dürfte klar erkannt haben, daß als natürliche Folge der Entwicklung unseres Theaters durch Neueinführung der eigenen Oper in dieser Spielzeit mit der Vergrößerung der künst­lerischen Arbeit unsere Verantwortung und Ver­pflichtung gewachsen ist, daß wir aber diese gestei­gerten Ansprüche auch vollauf und restlos erfüllt haben.

Wir haben mit dem allseitig sowohl in der Heimatpresse, wie auch der führenden Presse Deutschlands anerkannten Auftakt bewiesen, daß gefaßte Vorurteile durch nichts mehr berechtigt sind. Jeder, der in städtischen, staatlichen ober privat­wirtschaftlichen Diensten steht, muß sich nunmehr, nach diesen Beweisen unseres Könnens, angelegen fein lassen, nicht mehr abwartend beiseite zu stehen, sondern durch ständigen Besuch beizutragen an dem weiteren Ausbau der mit dem innersten Leben der Volksgemeinschaft verbundenen Kulturstätte.

Nachdem die neue Spielzeit so verheißungsvoll eingesetzt hat, möchte ich all denen danken, die Ver­trauen zu uns hatten, möchte mich aber auch an all die wenden, die vielleicht aus voreingenomme­nen Bedenken den Weg noch nicht zu uns gefun­den haben. Ein bewährter und beliebter Darsteller­stamm rundet sich durch eine Reihe neuer Gesichter zu einem arbeitsfrohen und für sein Publikum be­geisterten Ensemble von frischer Spielfreudigkeit. Theaterbau, Darsteller und lebendig gestalteter Spielplan erscheinen im schönen Rahmen eines auch äußerlich festlich gestimmten Abends.

Was mir auf der Bühne schaffen und Sie als freudig mitgehende Besucher erleben, ist ein wich­tiger Beitrag Ruf und Namen der Stadt Gießen in unserem 'Vaterlande zu erhöhen. Darum stehe keiner mehr abseits. Ich appelliere an Sie für meine Mitarbeiter und für das meiner Obhut anvertraute Theater. Wenn Sie alle unsere Arbeit durch regel­mäßigen Theaterbesuch unterstützen, werden Sie alle mit dazu beitragen, das Stadttheater Gießen in seiner aufwärtsgehenden Entwicklung sicher­zustellen. Bei den geringen Abonnementspreisen ist der Theaterbesuch für den Erwerbstätigen keine Geldfrage mehr, sondern nur noch eine Frage der Gesinnung. Jeder, der bisher noch gezögert hat, melde sich darum noch heute zum Abonnement an! Wenn auch jetzt schon die Zahl der Abonnenten gegen das vorige Jahr stark gestiegen ist, so fehlen doch noch viele, denen der ständige Theaterbesuch Pflicht und Freude sein müßte.

Dornotizen.

Tageskalender für TUonfag.

NSG.Kraft durch Freude": 18 bis 19 Uhr Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Schützenhaus; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schörnbs, Brandvlatz. Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Das leuchtende Ziel" Bund heimat­treuer Schlesier (Deutscher Ostbund): 20.15 Uhr im Studentenheim Lichtbildervortrag:Kreuz und quer durch das Schlesierland".

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diese Reseroistenabzeichen

serer Stadt. Das vistenstöckchen, die vistenflasche, die vistenblume usw. dabei zum ersten

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Nach vielen Jahren verlassen wieder Reservisten unsere Gießener Kaserne. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)

nach langen, langen Jah­ren wieder zum Vor­schein. Und fröhliche junge Menschen trugen

Soldaten, junge Reservisten, die sich so innig mit ihrer Garnisonstadt Gießen verbunden fühlen, daß der größte Teil von ihnen am liebsten weiterhin hier in Arbeit und Brot bleiben möchte. Aber auch die Heimatstadt oder das traute Heimatdorf haben doch ihre starken Reize, und so zieht der Reservist frohgemut der Heimat zu".

strahlend einher, schwangen sie bei frohem Gesang von Soldatenliedern auf einem vollgepfropften Lastkraftwagen während der Heimfahrt, tranken einen guten Reservistenschoppen und plauderten lachend von der Heimkehr zu Muttern, die sich sicherlich freuen werde, wenn sie nunmehrihren Liebling" wieder zu Hause habe. Glücklichealte"

Und wenn Reserve Ruhe hat, Dann hat Reserve Ruh". Sogareiserne, ganz eiserne Ruh", wie uns Reservisten am Samstagmittag am Bahn­hof mit lachendem Gesicht besonders betonten. Und in diesereisernen Ruh" belebten diealten" Sol­daten, die am Samstag in unserem Standort als Reservisten zur Entlas­sung gekommen waren, mit allen Abzeichen des ehrwürdigen alten Kno­chens" die Straßen un­

Sammeltag für Kinderkleider und Mderwäsche.

Ein Aufruf der Gauführung Hessen-Nassau des WHW.

Am 2 0. Oktober stellen sich alle Jungmäbels des VDM., Gau Hesien-Rasiau, der Winterhilfe zur Verfügung. Sie werden von Haus zu Haus gehen und euch, deutsche Volksgenossen, bitten, was ihr an Kinderkleidern und Kinderwäsche entbehren könnt, dem Winterhilfswerk zu­zuführen. Die Gauführung des WHW. bittet dar­um, die Jungmädels, die sich dieser schweren Auf­gabe aus freien Stücken unterzogen haben, nicht von der Tür zu weisen. Schon seht wollt ihr, deutsche Volksgenossen, das zurechtlegen, was ihr

den am 20. Oktober erscheinenden Jungmädels geben wollt. Strahlende Kinderaugen und mit de« Gaben bedachte Volksgenossen werden euch den Dank nicht versagen. Wir bitten und appellieren nochmals an alle, die in der Lage sind, uns zu unterstützen. Also am 20. Oktober großer Sam­meltag für Kinderwäsche und Kinder­kleidung der Gauführung Hessen-Aassau des WHW. unter Mitwirkung Tausender Jungmädels des VD2N.

Gauführung Hessen-Aassau des WHW.

An alle Vereine undDerbände inHessen

Der Landespressedienst meldet aus Darmstadt: Sämtliche Vereine und Verbände werden ersucht, in Zukunft bei Einberufung von Versammlungen in der Presse oder in Einladungsschreiben die Namen der Redner cknzugeben und dem Geheimen Staatspolizeiamt mitzuteilen.

Oer Kartoffelbezug in Hessen.

Die Zentralabteilung der Hessischen Landesregie­rung gibt folgende Bekanntmachung der Preisüber­wachungsstelle betreffend den Bezug von Speise­kartoffeln durch den Verbraucher beim Erzeuger bekannt:

Im Interesse eines ungestörten und erleichterten Bezugs von Speisekartoffeln durch den Klein­verbraucher (Verbraucher im eigenen Haus­halt) bei dem Erzeuger direkt ist dieser un­mittelbare Bezug in Menge und Form keinen Beschränkungen mehr unter­worfen. Ein Schlußscheinzwang ist hier nicht vorgeschrieben, ebensowenig ein Zwang zur Aus­händigung von Verkaufsoestätigungen und ähn­lichem. Der Erzeuger ist auch nicht gehindert, auf Wochenmärkten seine Ware dem Verbraucher an­zubieten. Beschränkung auf bestimmte Mengen, die der Erzeuger nur auf dem Wochenmarkte verkaufen durfte, fallen, soweit sie bisher bestanden, weg.

Dagegen hat der H a u s i e r handel mit Kartoffeln (einschl. des Hausierangebots durch Zeitungsinserate)

für die Erzeuger auch künftighin zu unterbleiben. Das Aufsuchen von Winterbestellungen (also für den Einkellerungsbedarf) fällt nicht unter dieses Verbot."

Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36

Ortsgruppe Gießen-Aord.

Die für Oktober durchzuführende Pfund- fammlung wird nicht am nächsten Dienstag und Mittwoch, sondern nur Mittwoch, den 16. Oktober, durchgeführt.

Deutsche Arbeitsfront.

kreiswaltung Gießen.

Reichsfachgruppe Hausgehilfinnen.

Am Dienstag, 15. Oktober, 20 Uhr, findet im großen Saal des Hauses der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, Schanzenstraße 18, ein Heimabend aller vier Gießener Ortsgruppen statt.

Es spricht Kreiswalter der DAF., Pg. Wagner.

Zu diesem Heimabend laden wir alle Haus­gehilfinnen ein.

Um den Abend gemütlich auszugestalten, werden wir Kaffee und Kuchen verabreichen. Der Unkosten­beitrag beträgt 30 Pfennig.

Wir bitten Sie, die Hausgehilfinnen, die der Deutschen Arbeitsfront nicht angehören, zu diesem Abend mitzubringen.

Im Interesse aller Hausgehilfinnen bitten wir um restloses Erscheinen.

Deutsche Arbeitsfront.

AS.-GemeinschaftKraft durch Freude"»

Kreis Gießen.

Alle Quartiergeber werden hiermit aufgefordert, die gelben Quartierscheine bis spätestens Mittwoch auf der Geschäftsstelle Schanzenstraße 18 einzulösen.

(Sportamtstraft durch Freude".

Großer preis-Wellbewerd!

Tausende Männer und Frauen stehen den Lei­besübungen noch aus irgendeinem Grunde fern. Die Sportämter der NSG.Kraft durch Freude" haben es sich zur Ausgabe gemacht, aufklärend und werdend für die Leibesübungen zu wirken und das große Ziel zu erreichen: ein kraftvolles und gesundes Volk!

Jeder Inhaber einer KdF.-Iahressportkarte kann dazu beitragen. Das Gausportamt hat für Diejenigen, die bis zum 28. Oktober 1935 Die meisten neuen Teil­nehmer werben, wertvolle Preise ausgesetzt:

1. Preis: eine 8-Tagefahrt mit KDF. nach Dem Allgäu;

2. 4. Preis: je eine 3-Tagesfahrt mit KDF. nach Dem SchwarzwalD;

5. Preis: eine Tagesfahrt mit KDF. in de« Taunus;

6.10. Preis: freie Teilnahme an einem geschlos­senen Sportkursus.

11.15. Preis: freie Teilnahme an einem offenen Sportkursus.

Wer wirbt die meisten Teilnehmer?

Teilnahmebedingungen an Dem Wettbewerb sind auf Dem Sportamt. Schanzenstraße 18 unD bei Den Lehrern in allen Kursen erhältlich.

Verlegung eines Kursus!

Der Kursus Fröhliche Gymnastik unD Spiele, nur für Frauen, bisher Dienstags in Der Alten Pesta- lozzischule, muß währenD Der Ferien in die Turn­halle Der Schillerschule, Schillerstraße, von 20.30 bis 21.30 Uhr verlegt werden.

Am Wontag finden folgende Kurse statt:

Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: Von 19.45 bis 20.45 Uhr, Großen- Buseck, Gasthaus Wagner.

Reiten: Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schörnbs.

Landschastsbund Volkstum und Heimat

Ortsring Gießen.

Voraussichtlich am Dienstag, 29. Oktober, findet die feierliche Eröffnung unserer Winterarbeit im Katholischen Vereinshaus statt. Unser Landschaftsleiter, Ministerialrat Rings­hausen, spricht.

Der Bund heimattreuer Schlesier lädt unsere Mitglieder ein zu seinem Lichtbildervortrag über das Schlesierland am Montag, 14. Oktober, 20.15 Uhr im Studentenheim. Eintritt 35 Pfennig.

Richtlinien für die Weinwerbewoche.

Die Bürgermeisterei Gießen macht für Die Wein­werbewoche, Die vom 19. bis 27. Oktober ftattfinbet, auf folgenDes aufmerksam:

1. Die Weinwerbewoche wird vonder Geschäfts­stelle der Weinwerbewoche" gemeinsam mitKraft durch Freude" durchgeführt.

2. In der Weinwerbewoche wird Patenwein von notleidenden Winzergemeinden ausgeschenkt. Die Stadt Gießen hat die Patenschaft für Oppenheim am Rhein und Gap-Odernheim übernommen.

3. Die Patenweine werden besonders als solche gekennzeichnet mit Etikett oder Halsschleife.

4. Die Geschäftsstelle Der Weinwerbewoche hat Die Patenweine van Den genannten (BemeinDen ge­schlossen bezogen. Infolgedessen find alle Bestellun­gen von Gastwirten, WeinhänDlern usw. auf Paten- meine bei Der Geschäftsstelle aufzugeben.

5. Als Patenweine Dürfen nur zusätzlich bezogene 1934er Naturweine aus Den beiDen genannten Ge- meinben bezeichnet werben. Wer alte Bestänbe ober anbere Weine als Patenwein bezeichnet unb ver­kauft, macht sich strafbar.

Gießener Gtadttheater.

Tanzgastspiel Harald Kreutzberg. Lehär:Paganini".

i.

Der Welt bester Tänzer" sv würbe er ange- fünDigt. Wir haben versucht, biesen zwar anspruchs­vollen, aber auch sehr allgemeinen Titel ein wenig zu charakterisieren: Hans Jürgen Wille hat vor einigen Tagen im Feuilleton einen Umriß Der tänzerischen Erscheinung HaralD Kreutzbergs gegeben unD manchen, Denen Der Name Doch kaum ein Begriff war, eine, wie wir glauben, recht ein­leuchtende Vorstellung von diesem Menschen ver­mittelt; wir finden jedenfalls, daß der kleine Auf­satz, der die Prvgrammlosigkeit und die reine, musi­kalische Intuition im Schaffen Kreutzbergs unter­strich, eine glückliche Einführung und Vorbereitung des Tanzgastspiels war, Das wir am Samstag hier zu sehen bekamen.

Er begann mit Dem Königstanz von Reger: sehr pathetisch, unD es mag sein, Daß manche bei Diesem impulsiven Auftakt zunächst eine leise Enttäuschung nicht unterDrücfen konnten, weil hier Das Panto­mimische unD ein, sagen wir: theatralisches Element des Tanzes stärker herausgearbeitet war, als man nach Der Wigman-Schule erwarten Durfte. Schon schärfer profiliert wirkte Das LanDsknechtslieD von Wilckens: eine prachtvoll belebte Figur, in Deren Ausformung Das Trommler- unD Fahnenschwenker- Motiv rhythmisch geschickt einbezogen unD aufgelöst war; nur schien uns im Mittelteil Die Musik mit dem Thema sich nicht völlig zu Decken.

Aber Dann: Die Romanze, eine bezaubernDe kleine Mozartmusik, ganz zart, ganz leicht unD schwebenD roieDergegeben; ein Hauch vom unsterblichen Ro­koko noch in Den Pastellfarben Des Kostüms; hier war Der Tanz, selbst im einfachen, beschwingten Schreiten, in Der Tat ein Schweben auf Der Melo­die. Dann folgte, als elegante Humoreske, Das spanische StraßenlieD von Albeniz, sehr schnell, sehr bewegt im Wirbel Der kleinen Schritte, auch tech­nisch übrigens mit einer erstaunlichen Sicherheit durchgebildet.

Der Höhepunkt Des Gastspiels aber war für unser Gefühl dieBeweinung" von Reger. Hier war zu sehen, was Kreutzberg wirklich kann, was er schöp­ferisch im absoluten Tanz zu gestalten vermag. Diese Beweinung wirkte wie eine vollkommen durch­modellierte Plastik. Die Hände allein, wahrend der

kauernde Körper noch verhüllt und unbewegt ist, nehmen Die Musik entgegen, nehmen sie auf unD formen sie Dergestalt Daß keinerlei Verführung oDer Ablenkung Durch Kostüm, sinnfälliges Motiv oder einen einschmeichelnDen MeloDiebogen mit­spricht. Nicht Das geringste ZugestänDnis ans Publi­kum; nur Die tänzerische Bewältigung eines stren­gen unD einfachen Themas: Beweinung. Ein Tanz an sich". Der auch formal eine bezwingenDe Lösung erfuhr in Der rhythmischen RunDung vom Anfang zum EnDe hin unD mieDer zum Ausgangspunkt zu­rück. Nur von Der Palucca haben wir bisher eine so Dollenbete unD ausgereifte Leistung gesehen.

*

Aus Dem Stand entwickelte sich der Ungarische Tanz von Brahms, aus einem sanften Wiegen hin und her, das den Rhythmus der Begleitung auf­nimmt, zum großen ausgreifenden Schwung. Doch sah man hier nichts von Der üblichen, konventio­nellen CsarDas-Raserei, fonbern Der Tanz blieb noch in Der stärksten Bewegung beherrscht unD konzen­triert; bestechenD als tänzerijcher Einfall Der weit ausholende Schleifschritt, der unmittelbar in den scharf taktierten ungarischen Rhythmus überspringt.

Nach der Pause sahen wir zunächst den Tanz des Zeremonienmeisters aus GozzisTurandot", jenen berühmten Tanz, Der Kreutzbergs internationalen Ruf begründet hat: man begreift sofort Die barocke unD phantastische Theaterwirkung, Die zum Stil Des Märchenspieles vorzüglich paßt, unD man Denkt sich sogleich um Den abgemessenen Figurenzirkel herum die ganze Fülle einer bunten und bewegten Szenerie.

DerTanz des Hofnarren" aus dem Ballett Don Morte" von Wilckens ist aus dem Kauern zu einem Furioso Der Bewegung unD in Der Bewegung zum uralten Tänzer-Spiel mit Der Maske gestei­gert, aber Der bleibenDe EinDruck war hier Doch roeDer Die Maske noch Das Furioso, sonDern eine einfache, eDle unD ganz verhaltene Körpergeste vor Dem Dunklen Hintergrund fast ohne Bewegung.

Brahms'Gesang Der Nacht": ein Largho in Violett, beseelt unD vergeistigt im ruhigen Fluß Der Bewegungen, Denen Die Schwingung des weiten unD weichen GewanDes wunDervoll nachgibt; ein schönes BilD, ein ästhetischer Genuß.

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Drei luftige Tänze für Kinder bildeten den Schluß. DieKleine Pastorale" von Poulenc zeigt Kreutzbergs liebenswürdigen Sinn für Humor in allerlei drolligen Einfällen, etwa wie er das an sich belanglose Requisit Des Schäferhutes improvisa­torisch in Die Tanzfigur einbezieht und gewisser­

maßen mitspielen läßt. Derfröhliche Faun" von Reinitzer: ein neckisches Capriccio, worin das schon erwähnte Spiel mit Der Maske als Scherzo-Motiv spielerisch mieDer ausgenommen roirD. Zuletzt Das fesche Herrchen"; entzückenD, wie hier ein wahr­haft abgeklapperter Wiener Walzer in souveräner Laune unD sprühenDem Temperament in Schwung unD Sprung aufgelöst roirD: Triumph Der überlege­nen tänzerischen ErfinDung über Den banalen An­laß.

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Es gab rasenDen Beifall unD mehrere WieDer- holungen, zuletzt als viertes KinDertänzchen Den Flotten Spanier" von Casella. Die Leute klatsch­ten, trampelten unD konnten sich kaum entschließen, aufzustehen unD nach Hause zu gehen. Am Flü­gel wirkte FrieDrich Wilckens als feinfühliger unD taktvoller Begleiter.

II.

Nicolo Paganini, geboren 1782 in Genua, ge­storben 1840 in Nizza, verDankt feinen Ruhm in erster Linie einem von allen Zeitgenossen beraum Derten virtuosen Geigenspiel. Sein Lieblingsinstru­ment, eine Guarnerius, vermachte er Der VaterstaDt; seinem Sohn hinterließ er ein Vermögen von zwei Millionen Franken. AußerDem muß er Das gewe­sen sein, was man eine Dämonische oDer jeben- falls faszinierenDe Persönlichkeit nennt, nicht nur ein brillanter Musiker, sonDern auch ein FreunD unD Liebling schöner Frauen. 1805 raurDe er als Kapellmeister unb erster Geiger an Den Hof Des Fürsten von Lucca verpflichtet, wo er Drei Jahre geblieben ist.

*

Dieses UmstanDes hat sich Das Textbuch (von K n e p l e r unD Ienbach) bemächtigt unD aus Der flüchtigen Begegnung Des Meisters mit Der Schwester Napoleons, Der Fürstin Maria Anna Elisa von Lucca unD Piombino, eine Liebesgeschichte gemacht, Die freilich Durch Die Wankelmütigkeit Des auch für Die Primabonna der fürstlichen Oper schnell entflammten Musikers unb' burch das Eingreifen Napoleons ein vorzeitiges und dramatisches Ende findet.

Die Fabel, die sich um diesen Tatbestand grup­piert, ist nicht besonders ertragreich; sie wird be­lebt und getragen von der breit angelegten, stellen­weise recht anspruchsvoll instrumentierten Musik Lehars, dem mit Paganinis Triumphlieb im zweiten Akt ((Bern hab' ich bie Frauen geküßt") in ber Tat ein melobiöses Kabinettstück unb einer ber populärsten Operettenschlager ber neueren Zeit überhaupt gelang.

Mit ber musikalischen Leitung ber Aufführung stellte sich ber neuverpflichtete zweite Kapellmeister Ernst Bräuer sympathisch vor: er holte aus ber bantbaren Partitur bie Glanzstellen wirksam her­aus, hielt ben Klangkörper füllig beisammen unb blieb geschmeibig mit ben Bühnenvorgängen im Kontakt. Die szenische Leitung hatte Herr H u b, ber in Ausstattung unb Aufmachung bes Liebes­abenteuers, auch mit allerhanb effektvollen Bei­gaben nicht sparte; boch hätte ber etwas langatmige Mittelakt für unser Gefühl konzentrierter gespielt raerben bürfen. Don Herrn Löfflers Dekoratio­nen gefielen uns bie fübliche Szenerie bes ersten unb die romantische Schmugglerschenke des dritten Aktes am besten. Herr Keim gab Der großen Kon­zertszene Die ersorDerliche Dämonische Beleuchtung. Als Ballettmeisterin stellte sich Li I h l e n f e ID t mit Der choreographischen Leitung unD mit meh­reren Solotanzeinlagen erfolgreich vor. Das Gei­gensolo im Mittelakt, eine Originalkomposition Pa­ganinis, raurDe von Konzertmeister Kerzisnik mit technischer Eleganz unD Sicherheit gespielt.

Rudolf Hille in Der Titelpartie nahm Den Pa­ganini nicht so sehr vom Dämonischen her, sonDern als einen zierlichen, noch jugenblichen unD impul­siven Liebhaber unb Musikanten; sein schlanker Tenor, anfänglich etwas verbeckt unb verhalten, sang sich halb frei unb kam mit bem berühmten Liebe im zweiten Akt, bas weniger auf strahlenbe Höhe als auf ein einschmeichelnbes Piano angelegt war. recht vorteilhaft zur Geltung.

Maria Perry gab eine elegante, kokette unb kapriziöse Fürstin unb zeigte sich gesanglich im Duett bes zweiten Aktes unb mit ihrem ßiebesliebAlle Himmel öffnen sich" von ber besten Seite.

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Herr Linbt spielte ben sanft vertrottelten Pim- pinelli ganz auf komische Effekte unb erhielt beson- bers für feine improvisatorische Paganini-Parobie viel Beifall. Sehr angeregt unb lustig, ohne alle Primadonna-Manieren, fang unb tanzte Cisfi Henckell bie Bella (Biretti. Hub erschien als General Graf Höbouville aus Paris unb sah beinah aus wie ber große Bonaparte persönlich. Dom Ensemble seien noch 23 o I cf s Impresario unb Wilhelm Greif in ber Episobenrolle Des buckligen Beppo mit Auszeichnung erwähnt.

Das Publikum erwies sich als Dankbar unD über* aus beifallsfreuDig. Fast alle größeren Gesangs* und Tanznummern mußten wieDerholt werDen.

hth. j