Ur. 240 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger'für Gberheffenj
Montag, (4. Oktober (935
Aus der Provinzialhauptstadt.
An das Gießener Publikum!
Von Intendant Schultze-Griesheim
Am 1. Oktober eröffnete das Stadttheater Gießen unter der neuen Leitung mit einer Aufführung von Kleists Schauspiel „Der Prinz von Homburg" die neue Winterspielzeit 1935/36. Dem allseitig anerkannten, bedeutungsvollen Beginn folgten in der ersten Spielwoche zwei Erstaufführungen und eine Uraufführung, Die ebenso wie die Eröffnungsvorstellung den Namen des Stadttheaters Gießen bis weit über die Grenzen der heimatlichen Provinz hinaus lobend bekannt machten. In meiner Ansprache vor dem festlich versammelten Hause des Eröffnungsabends habe ich die Ziele der kommenden Spielzeit mitgeteilt. Die Erfüllung unserer hochgesteckten Ziele gegenüber der Kunst ist uns aber bei allem ehrlichen Willen, Wollen und Können nur möglich, wenn wir von allen freudige Mitarbeit erwarten dürfen. Jeder dürfte klar erkannt haben, daß als natürliche Folge der Entwicklung unseres Theaters durch Neueinführung der eigenen Oper in dieser Spielzeit mit der Vergrößerung der künstlerischen Arbeit unsere Verantwortung und Verpflichtung gewachsen ist, daß wir aber diese gesteigerten Ansprüche auch vollauf und restlos erfüllt haben.
Wir haben mit dem allseitig — sowohl in der Heimatpresse, wie auch der führenden Presse Deutschlands — anerkannten Auftakt bewiesen, daß gefaßte Vorurteile durch nichts mehr berechtigt sind. Jeder, der in städtischen, staatlichen ober privatwirtschaftlichen Diensten steht, muß sich nunmehr, nach diesen Beweisen unseres Könnens, angelegen fein lassen, nicht mehr abwartend beiseite zu stehen, sondern durch ständigen Besuch beizutragen an dem weiteren Ausbau der mit dem innersten Leben der Volksgemeinschaft verbundenen Kulturstätte.
Nachdem die neue Spielzeit so verheißungsvoll eingesetzt hat, möchte ich all denen danken, die Vertrauen zu uns hatten, möchte mich aber auch an all die wenden, die vielleicht aus voreingenommenen Bedenken den Weg noch nicht zu uns gefunden haben. Ein bewährter und beliebter Darstellerstamm rundet sich durch eine Reihe neuer Gesichter zu einem arbeitsfrohen und für sein Publikum begeisterten Ensemble von frischer Spielfreudigkeit. Theaterbau, Darsteller und lebendig gestalteter Spielplan erscheinen im schönen Rahmen eines auch äußerlich festlich gestimmten Abends.
Was mir auf der Bühne schaffen und Sie als freudig mitgehende Besucher erleben, ist ein wichtiger Beitrag Ruf und Namen der Stadt Gießen in unserem 'Vaterlande zu erhöhen. Darum stehe keiner mehr abseits. Ich appelliere an Sie für meine Mitarbeiter und für das meiner Obhut anvertraute Theater. Wenn Sie alle unsere Arbeit durch regelmäßigen Theaterbesuch unterstützen, werden Sie alle mit dazu beitragen, das Stadttheater Gießen in seiner aufwärtsgehenden Entwicklung sicherzustellen. Bei den geringen Abonnementspreisen ist der Theaterbesuch für den Erwerbstätigen keine Geldfrage mehr, sondern nur noch eine Frage der Gesinnung. Jeder, der bisher noch gezögert hat, melde sich darum noch heute zum Abonnement an! Wenn auch jetzt schon die Zahl der Abonnenten gegen das vorige Jahr stark gestiegen ist, so fehlen doch noch viele, denen der ständige Theaterbesuch Pflicht und Freude sein müßte.
Dornotizen.
Tageskalender für TUonfag.
NSG. „Kraft durch Freude": 18 bis 19 Uhr Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Schützenhaus; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schörnbs, Brandvlatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das leuchtende Ziel" — Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund): 20.15 Uhr im Studentenheim Lichtbildervortrag: „Kreuz und quer durch das Schlesierland".
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serer Stadt. Das vistenstöckchen, die vistenflasche, die vistenblume usw. dabei zum ersten
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Nach vielen Jahren verlassen wieder Reservisten unsere Gießener Kaserne. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)
nach langen, langen Jahren wieder zum Vorschein. Und fröhliche junge Menschen trugen
Soldaten, junge Reservisten, die sich so innig mit ihrer Garnisonstadt Gießen verbunden fühlen, daß der größte Teil von ihnen am liebsten weiterhin hier in Arbeit und Brot bleiben möchte. Aber auch die Heimatstadt oder das traute Heimatdorf haben doch ihre starken Reize, und so zieht der Reservist „frohgemut der Heimat zu".
strahlend einher, schwangen sie bei frohem Gesang von Soldatenliedern auf einem vollgepfropften Lastkraftwagen während der Heimfahrt, tranken einen guten Reservistenschoppen und plauderten lachend von der Heimkehr zu Muttern, die sich sicherlich freuen werde, wenn sie nunmehr „ihren Liebling" wieder zu Hause habe. Glückliche „alte"
„Und wenn Reserve Ruhe hat, Dann hat Reserve Ruh". Sogar „eiserne, ganz eiserne Ruh", wie uns Reservisten am Samstagmittag am Bahnhof mit lachendem Gesicht besonders betonten. Und in dieser „eisernen Ruh" belebten die „alten" Soldaten, die am Samstag in unserem Standort als Reservisten zur Entlassung gekommen waren, mit allen Abzeichen des „ehrwürdigen alten Knochens" die Straßen un
Sammeltag für Kinderkleider und Mderwäsche.
Ein Aufruf der Gauführung Hessen-Nassau des WHW.
Am 2 0. Oktober stellen sich alle Jungmäbels des VDM., Gau Hesien-Rasiau, der Winterhilfe zur Verfügung. Sie werden von Haus zu Haus gehen und euch, deutsche Volksgenossen, bitten, was ihr an Kinderkleidern und Kinderwäsche entbehren könnt, dem Winterhilfswerk zuzuführen. Die Gauführung des WHW. bittet darum, die Jungmädels, die sich dieser schweren Aufgabe aus freien Stücken unterzogen haben, nicht von der Tür zu weisen. Schon seht wollt ihr, deutsche Volksgenossen, das zurechtlegen, was ihr
den am 20. Oktober erscheinenden Jungmädels geben wollt. Strahlende Kinderaugen und mit de« Gaben bedachte Volksgenossen werden euch den Dank nicht versagen. Wir bitten und appellieren nochmals an alle, die in der Lage sind, uns zu unterstützen. Also am 20. Oktober großer Sammeltag für Kinderwäsche und Kinderkleidung der Gauführung Hessen-Aassau des WHW. unter Mitwirkung Tausender Jungmädels des VD2N.
Gauführung Hessen-Aassau des WHW.
An alle Vereine undDerbände inHessen
Der Landespressedienst meldet aus Darmstadt: Sämtliche Vereine und Verbände werden ersucht, in Zukunft bei Einberufung von Versammlungen in der Presse oder in Einladungsschreiben die Namen der Redner cknzugeben und dem Geheimen Staatspolizeiamt mitzuteilen.
Oer Kartoffelbezug in Hessen.
Die Zentralabteilung der Hessischen Landesregierung gibt folgende Bekanntmachung der Preisüberwachungsstelle betreffend den Bezug von Speisekartoffeln durch den Verbraucher beim Erzeuger bekannt:
„Im Interesse eines ungestörten und erleichterten Bezugs von Speisekartoffeln durch den Kleinverbraucher (Verbraucher im eigenen Haushalt) bei dem Erzeuger direkt ist dieser unmittelbare Bezug in Menge und Form keinen Beschränkungen mehr unterworfen. Ein Schlußscheinzwang ist hier nicht vorgeschrieben, ebensowenig ein Zwang zur Aushändigung von Verkaufsoestätigungen und ähnlichem. Der Erzeuger ist auch nicht gehindert, auf Wochenmärkten seine Ware dem Verbraucher anzubieten. Beschränkung auf bestimmte Mengen, die der Erzeuger nur auf dem Wochenmarkte verkaufen durfte, fallen, soweit sie bisher bestanden, weg.
Dagegen hat der H a u s i e r handel mit Kartoffeln (einschl. des Hausierangebots durch Zeitungsinserate)
für die Erzeuger auch künftighin zu unterbleiben. Das Aufsuchen von Winterbestellungen (also für den Einkellerungsbedarf) fällt nicht unter dieses Verbot."
Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36
Ortsgruppe Gießen-Aord.
Die für Oktober durchzuführende Pfund- fammlung wird nicht am nächsten Dienstag und Mittwoch, sondern nur Mittwoch, den 16. Oktober, durchgeführt.
Deutsche Arbeitsfront.
kreiswaltung Gießen.
Reichsfachgruppe Hausgehilfinnen.
Am Dienstag, 15. Oktober, 20 Uhr, findet im großen Saal des Hauses der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, Schanzenstraße 18, ein Heimabend aller vier Gießener Ortsgruppen statt.
Es spricht Kreiswalter der DAF., Pg. Wagner.
Zu diesem Heimabend laden wir alle Hausgehilfinnen ein.
Um den Abend gemütlich auszugestalten, werden wir Kaffee und Kuchen verabreichen. Der Unkostenbeitrag beträgt 30 Pfennig.
Wir bitten Sie, die Hausgehilfinnen, die der Deutschen Arbeitsfront nicht angehören, zu diesem Abend mitzubringen.
Im Interesse aller Hausgehilfinnen bitten wir um restloses Erscheinen.
Deutsche Arbeitsfront.
AS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude"»
Kreis Gießen.
Alle Quartiergeber werden hiermit aufgefordert, die gelben Quartierscheine bis spätestens Mittwoch auf der Geschäftsstelle Schanzenstraße 18 einzulösen.
(Sportamt „straft durch Freude".
Großer preis-Wellbewerd!
Tausende Männer und Frauen stehen den Leibesübungen noch aus irgendeinem Grunde fern. Die Sportämter der NSG. „Kraft durch Freude" haben es sich zur Ausgabe gemacht, aufklärend und werdend für die Leibesübungen zu wirken und das große Ziel zu erreichen: ein kraftvolles und gesundes Volk!
Jeder Inhaber einer KdF.-Iahressportkarte kann dazu beitragen. Das Gausportamt hat für Diejenigen, die bis zum 28. Oktober 1935 Die meisten neuen Teilnehmer werben, wertvolle Preise ausgesetzt:
1. Preis: eine 8-Tagefahrt mit KDF. nach Dem Allgäu;
2.— 4. Preis: je eine 3-Tagesfahrt mit KDF. nach Dem SchwarzwalD;
5. Preis: eine Tagesfahrt mit KDF. in de« Taunus;
6. —10. Preis: freie Teilnahme an einem geschlossenen Sportkursus.
11. —15. Preis: freie Teilnahme an einem offenen Sportkursus.
Wer wirbt die meisten Teilnehmer?
Teilnahmebedingungen an Dem Wettbewerb sind auf Dem Sportamt. Schanzenstraße 18 unD bei Den Lehrern in allen Kursen erhältlich.
Verlegung eines Kursus!
Der Kursus Fröhliche Gymnastik unD Spiele, nur für Frauen, bisher Dienstags in Der Alten Pesta- lozzischule, muß währenD Der Ferien in die Turnhalle Der Schillerschule, Schillerstraße, von 20.30 bis 21.30 Uhr verlegt werden.
Am Wontag finden folgende Kurse statt:
Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: Von 19.45 bis 20.45 Uhr, Großen- Buseck, Gasthaus Wagner.
Reiten: Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schörnbs.
Landschastsbund Volkstum und Heimat
Ortsring Gießen.
Voraussichtlich am Dienstag, 29. Oktober, findet die feierliche Eröffnung unserer Winterarbeit im Katholischen Vereinshaus statt. Unser Landschaftsleiter, Ministerialrat Ringshausen, spricht.
Der Bund heimattreuer Schlesier lädt unsere Mitglieder ein zu seinem Lichtbildervortrag über das Schlesierland am Montag, 14. Oktober, 20.15 Uhr im Studentenheim. Eintritt 35 Pfennig.
Richtlinien für die Weinwerbewoche.
Die Bürgermeisterei Gießen macht für Die Weinwerbewoche, Die vom 19. bis 27. Oktober ftattfinbet, auf folgenDes aufmerksam:
1. Die Weinwerbewoche wird von „der Geschäftsstelle der Weinwerbewoche" gemeinsam mit „Kraft durch Freude" durchgeführt.
2. In der Weinwerbewoche wird Patenwein von notleidenden Winzergemeinden ausgeschenkt. Die Stadt Gießen hat die Patenschaft für Oppenheim am Rhein und Gap-Odernheim übernommen.
3. Die Patenweine werden besonders als solche gekennzeichnet mit Etikett oder Halsschleife.
4. Die Geschäftsstelle Der Weinwerbewoche hat Die Patenweine van Den genannten (BemeinDen geschlossen bezogen. Infolgedessen find alle Bestellungen von Gastwirten, WeinhänDlern usw. auf Paten- meine bei Der Geschäftsstelle aufzugeben.
5. Als Patenweine Dürfen nur zusätzlich bezogene 1934er Naturweine aus Den beiDen genannten Ge- meinben bezeichnet werben. Wer alte Bestänbe ober anbere Weine als Patenwein bezeichnet unb verkauft, macht sich strafbar.
Gießener Gtadttheater.
Tanzgastspiel Harald Kreutzberg. Lehär: „Paganini".
i.
„Der Welt bester Tänzer" — sv würbe er ange- fünDigt. Wir haben versucht, biesen zwar anspruchsvollen, aber auch sehr allgemeinen Titel ein wenig zu charakterisieren: Hans Jürgen Wille hat vor einigen Tagen im Feuilleton einen Umriß Der tänzerischen Erscheinung HaralD Kreutzbergs gegeben unD manchen, Denen Der Name Doch kaum ein Begriff war, eine, wie wir glauben, recht einleuchtende Vorstellung von diesem Menschen vermittelt; wir finden jedenfalls, daß der kleine Aufsatz, der die Prvgrammlosigkeit und die reine, musikalische Intuition im Schaffen Kreutzbergs unterstrich, eine glückliche Einführung und Vorbereitung des Tanzgastspiels war, Das wir am Samstag hier zu sehen bekamen.
Er begann mit Dem Königstanz von Reger: sehr pathetisch, unD es mag sein, Daß manche bei Diesem impulsiven Auftakt zunächst eine leise Enttäuschung nicht unterDrücfen konnten, weil hier Das Pantomimische unD ein, sagen wir: theatralisches Element des Tanzes stärker herausgearbeitet war, als man nach Der Wigman-Schule erwarten Durfte. Schon schärfer profiliert wirkte Das LanDsknechtslieD von Wilckens: eine prachtvoll belebte Figur, in Deren Ausformung Das Trommler- unD Fahnenschwenker- Motiv rhythmisch geschickt einbezogen unD aufgelöst war; nur schien uns im Mittelteil Die Musik mit dem Thema sich nicht völlig zu Decken.
Aber Dann: Die Romanze, eine bezaubernDe kleine Mozartmusik, ganz zart, ganz leicht unD schwebenD roieDergegeben; ein Hauch vom unsterblichen Rokoko noch in Den Pastellfarben Des Kostüms; hier war Der Tanz, selbst im einfachen, beschwingten Schreiten, in Der Tat ein Schweben auf Der Melodie. — Dann folgte, als elegante Humoreske, Das spanische StraßenlieD von Albeniz, sehr schnell, sehr bewegt im Wirbel Der kleinen Schritte, auch technisch übrigens mit einer erstaunlichen Sicherheit durchgebildet.
Der Höhepunkt Des Gastspiels aber war für unser Gefühl die „Beweinung" von Reger. Hier war zu sehen, was Kreutzberg wirklich kann, was er schöpferisch im absoluten Tanz zu gestalten vermag. Diese Beweinung wirkte wie eine vollkommen durchmodellierte Plastik. Die Hände allein, wahrend der
kauernde Körper noch verhüllt und unbewegt ist, nehmen Die Musik entgegen, nehmen sie auf unD formen sie — Dergestalt Daß keinerlei Verführung oDer Ablenkung Durch Kostüm, sinnfälliges Motiv oder einen einschmeichelnDen MeloDiebogen mitspricht. Nicht Das geringste ZugestänDnis ans Publikum; nur Die tänzerische Bewältigung eines strengen unD einfachen Themas: Beweinung. Ein Tanz „an sich". Der auch formal eine bezwingenDe Lösung erfuhr in Der rhythmischen RunDung vom Anfang zum EnDe hin unD mieDer zum Ausgangspunkt zurück. — Nur von Der Palucca haben wir bisher eine so Dollenbete unD ausgereifte Leistung gesehen.
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Aus Dem Stand entwickelte sich der Ungarische Tanz von Brahms, aus einem sanften Wiegen hin und her, das den Rhythmus der Begleitung aufnimmt, zum großen ausgreifenden Schwung. Doch sah man hier nichts von Der üblichen, konventionellen CsarDas-Raserei, fonbern Der Tanz blieb noch in Der stärksten Bewegung beherrscht unD konzentriert; bestechenD als tänzerijcher Einfall Der weit ausholende Schleifschritt, der unmittelbar in den scharf taktierten ungarischen Rhythmus überspringt.
Nach der Pause sahen wir zunächst den Tanz des Zeremonienmeisters aus Gozzis „Turandot", jenen berühmten Tanz, Der Kreutzbergs internationalen Ruf begründet hat: man begreift sofort Die barocke unD phantastische Theaterwirkung, Die zum Stil Des Märchenspieles vorzüglich paßt, unD man Denkt sich sogleich um Den abgemessenen Figurenzirkel herum die ganze Fülle einer bunten und bewegten Szenerie.
Der „Tanz des Hofnarren" aus dem Ballett „Don Morte" von Wilckens ist aus dem Kauern zu einem Furioso Der Bewegung unD in Der Bewegung zum uralten Tänzer-Spiel mit Der Maske gesteigert, — aber Der bleibenDe EinDruck war hier Doch roeDer Die Maske noch Das Furioso, sonDern eine einfache, eDle unD ganz verhaltene Körpergeste vor Dem Dunklen Hintergrund fast ohne Bewegung.
Brahms' „Gesang Der Nacht": ein Largho in Violett, beseelt unD vergeistigt im ruhigen Fluß Der Bewegungen, Denen Die Schwingung des weiten unD weichen GewanDes wunDervoll nachgibt; ein schönes BilD, ein ästhetischer Genuß.
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Drei luftige Tänze für Kinder bildeten den Schluß. Die „Kleine Pastorale" von Poulenc zeigt Kreutzbergs liebenswürdigen Sinn für Humor in allerlei drolligen Einfällen, etwa wie er das an sich belanglose Requisit Des Schäferhutes improvisatorisch in Die Tanzfigur einbezieht und gewisser
maßen mitspielen läßt. Der „fröhliche Faun" von Reinitzer: ein neckisches Capriccio, worin das schon erwähnte Spiel mit Der Maske als Scherzo-Motiv spielerisch mieDer ausgenommen roirD. Zuletzt Das „fesche Herrchen"; entzückenD, wie hier ein wahrhaft abgeklapperter Wiener Walzer in souveräner Laune unD sprühenDem Temperament in Schwung unD Sprung aufgelöst roirD: Triumph Der überlegenen tänzerischen ErfinDung über Den banalen Anlaß.
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Es gab rasenDen Beifall unD mehrere WieDer- holungen, zuletzt als viertes KinDertänzchen Den „Flotten Spanier" von Casella. Die Leute klatschten, trampelten unD konnten sich kaum entschließen, aufzustehen unD nach Hause zu gehen. — Am Flügel wirkte FrieDrich Wilckens als feinfühliger unD taktvoller Begleiter.
II.
Nicolo Paganini, geboren 1782 in Genua, gestorben 1840 in Nizza, verDankt feinen Ruhm in erster Linie einem von allen Zeitgenossen beraum Derten virtuosen Geigenspiel. Sein Lieblingsinstrument, eine Guarnerius, vermachte er Der VaterstaDt; seinem Sohn hinterließ er ein Vermögen von zwei Millionen Franken. AußerDem muß er Das gewesen sein, was man eine Dämonische oDer jeben- falls faszinierenDe Persönlichkeit nennt, nicht nur ein brillanter Musiker, sonDern auch ein FreunD unD Liebling schöner Frauen. 1805 raurDe er als Kapellmeister unb erster Geiger an Den Hof Des Fürsten von Lucca verpflichtet, wo er Drei Jahre geblieben ist.
*
Dieses UmstanDes hat sich Das Textbuch (von K n e p l e r unD Ienbach) bemächtigt unD aus Der flüchtigen Begegnung Des Meisters mit Der Schwester Napoleons, Der Fürstin Maria Anna Elisa von Lucca unD Piombino, eine Liebesgeschichte gemacht, Die freilich Durch Die Wankelmütigkeit Des auch für Die Primabonna der fürstlichen Oper schnell entflammten Musikers unb' burch das Eingreifen Napoleons ein vorzeitiges und dramatisches Ende findet.
Die Fabel, die sich um diesen Tatbestand gruppiert, ist nicht besonders ertragreich; sie wird belebt und getragen von der breit angelegten, stellenweise recht anspruchsvoll instrumentierten Musik Lehars, dem mit Paganinis Triumphlieb im zweiten Akt („(Bern hab' ich bie Frauen geküßt") in ber Tat ein melobiöses Kabinettstück unb einer ber populärsten Operettenschlager ber neueren Zeit überhaupt gelang.
Mit ber musikalischen Leitung ber Aufführung stellte sich ber neuverpflichtete zweite Kapellmeister Ernst Bräuer sympathisch vor: er holte aus ber bantbaren Partitur bie Glanzstellen wirksam heraus, hielt ben Klangkörper füllig beisammen unb blieb geschmeibig mit ben Bühnenvorgängen im Kontakt. Die szenische Leitung hatte Herr H u b, ber in Ausstattung unb Aufmachung bes Liebesabenteuers, auch mit allerhanb effektvollen Beigaben nicht sparte; boch hätte ber etwas langatmige Mittelakt für unser Gefühl konzentrierter gespielt raerben bürfen. Don Herrn Löfflers Dekorationen gefielen uns bie fübliche Szenerie bes ersten unb die romantische Schmugglerschenke des dritten Aktes am besten. Herr Keim gab Der großen Konzertszene Die ersorDerliche Dämonische Beleuchtung. Als Ballettmeisterin stellte sich Li I h l e n f e ID t mit Der choreographischen Leitung unD mit mehreren Solotanzeinlagen erfolgreich vor. Das Geigensolo im Mittelakt, eine Originalkomposition Paganinis, raurDe von Konzertmeister Kerzisnik mit technischer Eleganz unD Sicherheit gespielt.
Rudolf Hille in Der Titelpartie nahm Den Paganini nicht so sehr vom Dämonischen her, sonDern als einen zierlichen, noch jugenblichen unD impulsiven Liebhaber unb Musikanten; sein schlanker Tenor, anfänglich etwas verbeckt unb verhalten, sang sich halb frei unb kam mit bem berühmten Liebe im zweiten Akt, bas weniger auf strahlenbe Höhe als auf ein einschmeichelnbes Piano angelegt war. recht vorteilhaft zur Geltung.
Maria Perry gab eine elegante, kokette unb kapriziöse Fürstin unb zeigte sich gesanglich im Duett bes zweiten Aktes unb mit ihrem ßiebeslieb „Alle Himmel öffnen sich" von ber besten Seite.
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Herr Linbt spielte ben sanft vertrottelten Pim- pinelli ganz auf komische Effekte unb erhielt beson- bers für feine improvisatorische Paganini-Parobie viel Beifall. Sehr angeregt unb lustig, ohne alle Primadonna-Manieren, fang unb tanzte Cisfi Henckell bie Bella (Biretti. Hub erschien als General Graf Höbouville aus Paris unb sah beinah aus wie ber große Bonaparte persönlich. Dom Ensemble seien noch 23 o I cf s Impresario unb Wilhelm Greif in ber Episobenrolle Des buckligen Beppo mit Auszeichnung erwähnt.
Das Publikum erwies sich als Dankbar unD über* aus beifallsfreuDig. Fast alle größeren Gesangs* und Tanznummern mußten wieDerholt werDen.
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