Rr.24v Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger »General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag. Oktober
mandeurs der Pioniere, Hauptmann Winkler, Semendria brandend 3. Pioniere 3, völlig planmäßig. 25. Reserve-Division > nieren zu verdanken.
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Nur zehn Pontons erreichten mit 180 Mann das jenseitige Ufer. Die Mehrzahl der Pontons kam in der hier sehr starken Strömung nicht über die Slld- spitze der Semendrianer Insel heraus.
Bei 6. Division verlief der Uebergang, besonders dank der ausgezeichneten Anordnungen des Kom-
siegreiche Durchführung des Donauübergangs bei Semendria brandenburgischen und kurhessischen Pio-
geschwindigkeit war überraschend gering an der Unterstromseite, sie betrug dort nur 1 Meter in der Sekunde. Der Gegner störte weder die Erkundungen, noch die Vorbereitungen.
Außerordentlich klein war die Zahl der eingesetzten Pioniere; die 6. Division verfügte über die 3. und 5. Pi. 3, die 25. Reserve-Division über die 1. und 2. Res.-Pi. 11, dazu 2/3 österreichische Pi.-Ko. An Pontons lagen bereit, gleichmäßig verteilt auf beide Divisionen je 26 Ganzpontons und 6 deutsche sowie 41 österreichische Halbpontons, dazu je ein Motorboot und etwa 30 österreichische Zillen. Für späteres Uebersetzen standen drei Schleppzüge mit Fassungsvermögen für 3000 Mann Infanterie bereit. Der Beginn des Ueberfetzens wurde auf den 9. Oktober, 3.45 Uhr, festgelegt, um das erste Uebersetzen einschl. der Rückfahrt, das sechs Kompanien je Division gleichzeitig herüberbringen sollte und mit lVr Stunden berechnet war, noch vor Tagesanbruch erfolgen zu lassen. Das Wirkungsschießen der Artillerie setzte bereits am 7. Oktober, 15 Uhr, ein. Viele durch die kurze Zeit der Vorbereitungen bedingte Reibungen und starker Regen in den beiden letzten Nächten hatten zur Folge, daß bei der 25. Reserve-Division der lieber« gang mit starker Verspätung begann, in die Helligkeit kam und so mit Verlusten abgewiesen wurde.
„Schon rötlich die Kartoffeln sind
Vor 20 Jahren.
Oer Donauübergang bei Semendria. — Eine Ruhmestat deutscher Pioniere. Von Major Beffel.
20 Jahre sind vergangen seit einer der gewaltig- sten Pioniertaten aus der großen Zeit des Weltkrieges. Unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschall von Mackensen setzten branden- burgische und kurhessische Pioniere des 3. und 11. Pionier-Bataillons als Einleitung des serbischen Feldzuges das III. Armeekorps mit der 6. ID. und 25. RD. bei Semendria über den mächtigen Strom der Donau und halfen damit die Grundlage schaffen für die Operation, die den siegreichen verbündeten Armeen „sozusagen mit der Uhr in der Hand" das ganze Königreich Serbien in die Hand brachte. Die ernste Bedrohung Konstantinopels im Frühjahr 1915 stellte die Mittelmächte gebieterisch vor die Forderung, eine u n • mittelbare Verbindung zu dem türkischen Bundesgenossen herzustellen. Dem stand Serbien im Wege. Die Militärkonvention zwischen Deutschland, Oesterreich - Ungarn und Bulgarien vom 6. September 1915 erst gab den Ausschlag, den serbischen Feldzug zu beginnen.
Am 16. September erhielt Generalfeldmarschall v o n M a ck e n s e n in Allenstein die Anweisung für die neugebildete Heeresgruppe Generalfeldmarschall von Mackensen. Sie lautete: „Aufgabe des Generalfeldmarschall von Mackensen ist, d i e serbische Armee zu schlagen, w'v erste findet und baldmöglichst die Verbindung über Land zwischen Ungarn und Bulgarien zu öffnen und zu sichern." Ihm wurde unterstellt die österreichische 3. Armee, der als deutsche Truppen das XXII. Reservekorps und die 26. ID. angehörten, die 11. Armee unter General der Artillerie von Gollwitz mit dem III. Armeekorps, dem IV. Reservekorps und X. Reservekorps sowie einer österreichischen Landsturmaruppe und die 1. bulgarische Armee. Der Angriff sollte mit der 3. und 11. Armee von Norden her über die untere Save und Donau beiderseits der Mo-
erhielt 8.30 Uhr vormittags Befehl, den Angriff aufzugeben, um unmittelbar rechts von der 6. Division, wo der Uebergang im flotten Fortschreiten war, eingesetzt zu werden. Bis 6.30 Uhr war bereits das ganze Infanterie-Regiment 64 mit 12 Mafchinen- Gewehren übergesetzt. Nach Einsatz bet Schleppfähre und Bau von Fähren, die von den Pionieren mit der Hand gerudert wurden, waren bis 18 Uhr über» gesetzt bei 6. Division: 10 Bataillone, 10 Maschinengewehr-Kompanien, 3 Batterien mit teilweiser Bespannung. 3 Gebirgs-Minenwerfer-Abteilungen; bei 25. Reserve-Division: 7 Bataillone. 1 Maschinengewehr-Kompanie, 1 Batterie, eine ausgezeichnete Leistung und ein Beweis für die hervorragende Or- ganisation der Truppe und der leitenden Pionier- Offiziere. Bis 24.10. abends war von 6. Division die gesamte Infanterie mit Maschinengewehr-Kompanien die ganze Feldartillerie mit 1 Maschinengewehr- Kompanie und I. Staffel der Gefechts-Bagagen, von 25. Reserve-Division gleichfalls die ganze Infanterie und Feldartillerie bis auf Teile der 1. Maschinengewehr-Kompanie übergesetzt. Vom^ 13. bis 15. 10. herrschte die berüchtigte Kossova (Südoststurm), die jegliches weitere Uebersetzen unmöglich machte und auch Brückenbau mit dem normalen Brückengerät ausschloß. Ab 16.10. lief wieder geregelter lieber« setzbetrieb, jedoch ohne den Einsatz der Ruderfähren. Eine besonders herangeführte österreichische Schleppschiffbrücke wurde am 19. und 20. 10. eingebaut — jetzt erst bestand eine feste Verbindung von Ufer zu Ufer.
Der Angriff über das gewaltige Hindernis der Donau war gelungen. Wenn auch der Widerstand des Feindes dank der überlegenen Wirkung unserer Artillerie gering gewesen war, so daß die Verluste nicht schwer waren, so bleibt doch allein die technische Durchführung ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Pio - niere; neben voller Hingabe aller Waffen ist die
Die Kartoffel in Anekdote und Dichtung.
zawa, mit der bulgarischen Armee von Ost en her mit linkem Flügel auf Nisch geführt werden, um möglichst rasch in das Innere Serbiens vorzudringen. Hierzu war der Donau - und Saveüber- g a n g zu erzwingen, „von 3. Armee mit Hauptkräften bei Belgrad, mit einem schwächeren Teil Kupinowo", von 11. Armee „bei Ram-Bazias, mit einer Nebenabteilung in Gegend Semendria unter Scheinunternehmungen bei Orsova", Beginn der Operation voraussichtlich 6. Oktober, für die bulgarische Armee frühestens fünf Tage später.
Im Rahmen der 11. Armee war dem III. Armeekorps für den Angriff über die Donau der Abschnitt G r o ck a bis zur Morawa - Mündung zugewiesen mit der Aufgabe, sich in den Besitz von S ejn endria und den Höhen südwestlich der Stadt zu setzen — ihm war, wie der Chef des Generalstabs der Heeresgruppe Generalmajor von S e e ck t am 4. Oktober an die Oberste Heeresleitung meldet, „die schwierigste A u f g a b e " in der Heeresgruppe zugefallen. Die Lage der Semendrianer Insel, die von eigenen Truppen besetzt war, forderte zum Uebergang unter ihrem Schutze auf. So befahl das Generalkommando III Angriff um beide Spitzen der Insel herum, und zwar 25. Reserve-Division westlich (Oberstrom) und 6. Infanterie- Division ostwärts (Unterstrom) mit je zwei Regimentern in vorderer Linie. Das gesamte Aufmarschgelände war einzusehen, Anmärsche, Bereitstellung aller Artillerie usw. muhte bei Nacht geschehen; nur die unmittelbaren Pioniervorbereitungen am Ufer waren durch die dichtbewaldete Insel der Sicht entzogen. Die alte Feste Semendria war besetzt und beherrschte das Gelände, jedoch konnte bei der stark überlegenen Artillerie des Angreifers mit ihrem Niederkämpfen gerechnet werden. Die Flußbreite betrug 800 bis 1200 Meter. Die Strom-
Die nützliche Knollenpflanze, die im 16. Jahrhundert als südamerikanischer Fremdling nach Europa gekommen ist, hat durchaus keinen so nüchternen Lebensweg, wie wir das heute von der unscheinbaren und uns längst selbstverständlich gewordenen Erdfrucht annehmen. Im Gegenteil: zur Zeit ihres Auftretens ging es recht lebhaft um sie zu, sie spielte in die hohe Politik hinein, es kam zu regelrechten Kartoffelkomödien, und selbst die Dichtung nahm sich ihrer in begeisterten Lobpreisungen an.
Es scheint in fast allen europäischen Ländern nicht einfach gewesen zu sein, die Bauern über den Wert der Kartoffel aufzuklären. Alexander von Humboldt berichtet zwar, daß sie in Lancashire bereits zu Ende des 17. Jahrhunderts im Großen angebaut worden ist, und in Sachsen war sie nachweislich ebenfalls schon 1718 verbreitet, aber Friedrich der Große hatte einige Jahrzehnte später noch große Mühe, seine schlesischen und pom- merschen Untertanen mit diesem wichtigen Nahrungsmittel bekanntzumachen. Wie Joachim Nette l b e ck in seiner 1821 zu Halle veröffentlichten Lebensbeschreibung erzählt, ließ der Monarch 1745 einen großen Frachtwagen voll Kartoffeln an die Gartenbesitzer von Kolberg verteilen und, während die merkwürdigen Knollen auf dem Rathaus von Hand zu Hand gingen, Anweisungen über den zweckmäßigsten Anbau öffentlich verlesen. Man war jedoch äußerst mißtrauisch und schüttelte, nachdem man sie hinreichend berochen und beleckt hatte, erstaunt di- Köpfe. „Die Dinger riechen nicht und schmecken nicht, und nicht einmal die Hunde mögen sie fressen" hieß es. ___________________
Der erste Versuch des fürsorglichen Landesvaters war also kein rechter Erfolg, und erst die Mißernten und Hungersnöte der Jahre 1770/71, 1793 und 1817 ebneten der Kartoffel in Preußen den Weg. Bisweilen gelang der „Widerspenstigen Zähmung" nur durch eine List. So soll sich Lud- w i g XVI. lange vergeblich bemüht haben, sie in Frankreich einzuführen, aber die Bauern wollten kein Land für die Anpflanzung hergeben. Da kam der Chemiker Parmentier auf den Einfall, eine größere Bodenfläche in der Nähe von Paris mit Kartoffeln zu bauen, und als der Herbst heran- gekommen war, ließ er mit großem Lärm bekanntmachen, daß jeder Diebstahl an den wertvollen Früchten mit harten Strafen belegt werden würde. Außerdem wurden Wächter bestellt, die in den Tagesstunden fleißig die Felder beaufsichtigten, die sich nachts aber befehlsgemäß zurückzogen, um der inzwischen neugierig gewordenen Bevölkerung ausreichende Gelegenheit zu strasbaren Handlungen zu geben. Dieses Mittel hat glänzend gewirkt, erzählt die Geschichte. Es wurde so viel gestohlen, wie man sich nur wünschen konnte, und zwanzig Jahre später blühten überall die Kartoffelfelder.
Die Dichter haben schon verhältnismäßig früh eine Lanze für den Gast aus der südamerikanischen Fremde gebrochen. 1780 preist Matthias Claudius sie in seinem „Wandsbeker Boten" mit dem Kartoffelliede:
„Schön rötlich die Kartoffeln sind Und weiß wie Alabaster, Sie däun sich lieblich und geschwind Und sind für Mann und Frau und Kind Ein rechtes Magenpflaster."
Eine derartige Lobpreisung war nicht vereinzelt. Der badische Dorfschullehrer Samuel Friedrich Sauter, von dem übrigens auch das „Lied vom braven Dorfschulmeisterlein" stammt, ist der Der» fasser eines einst weitbekannten und vielgesungenen Kartoffelliedes, das zum erstenmal im Jahre 1811 in einer in Heidelberg erschienenen Sammlung seiner Gedichte herauskam. Diese Ode hatte die ansehnliche Länge von neunundzwanzig Versen; man konnte sie überall hören, mit besonderer Vorliebe wurde sie von Drehorgelspielern auf Jahrmärkten in einer ebenso einprägsamen wie eintönigen Melodie gespielt. Eine Kostprobe wollen wir uns wenigstens gestatten, der Anfang lautet:
„Franz Drake hieß der brave Mann, Der vor zweihundert Jahren Don England nach Amerika Als Kapitän gefahren.
Und der, als er zurücke kam Von feinen weiten Reisen Die guten Dinger mitgebracht, Die wir Kartoffel heißen. Europa sollte diesen Mann Auf allen seinen Auen, Wo es nur je Kartoffeln pflanzt, Ein goldnes Denkmal bauen. Seitdem wir diese Knollenfrucht Im Deutschen Reiche sehen, Kann keine große Hungersnot Durch Mißwachs mehr entstehen ..."
Das Denkmal wurde 1853 in Offenburg in Baden errichtet, obwohl Humboldt 1814 bereits nachgewiesen hatte, daß Drake dieser Ruhm nicht gebührt; wem das Verdienst, die Kartoffel bei uns eingeführt zu haben, wirklich zukommt, ist wohl noch immer nicht einwandfrei festgestellt.
Jagdgesetz und Treibjagden.
Die Pressestelle des Gaujägermeisters für die Provinz Oberhesfen teilt mit:
In der Tagespresse sind nicht von den zuständigen Iagdbehörden veranlaßte Mitteilungen über neue Bestimmungen für Treibjagden erschienen. (Der „Gießener Anzeiger" hatte jenen Bericht nicht veröffentlicht. D. Red.) Es mag sein, daß dabei Anordnungen von rein lokaler Bedeutung verallgemeinert worden sind. Um eine Verwirrung in den betroffenen Jägerkreisen zu vermeiden, wird daraus hingewiesen, daß es derartige Bestimmungen mit allgemeiner gesetzlicher Gültigkeit nicht.gibt und daß die veröffentlichten Bestimmungen für den Iagdgau Oberhessen jedenfalls keine Gültigkeit haben. Das bedeutet im einzelnen, daß die Zahl der Teilnehmer an einer Treibjagd nicht nach oben begrenzt ist, daß ferner der Kreis- jägermeifter keinen Einfluß auf den Tag der Treibjagd hat, also eine vorherige Meldepflicht nicht besteht, und schließlich, daß auch die Zahl der Hunde, die dazu zur Stelle sein müssen, nicht festgelegt ist. Bei der Verschiedenartigkeit der verschiedenen Jagdbezirke ist eine derartige Schabionisierung gar nicht möglich. Es ist Sache der Iagdbehörden, die Jagd- ausübung in ihrem Dienstbezirk zu überwachen und im Einzelfalle einzuschreiten, wenn sich Mißstände Herausstellen. Dazu gibt das Reichsjagdgesetz genügend Handhaben.
Vereinfachtes Enteignungsverfahren in Hessen.
Mit sofortiger Wirkung ist ein vom Reichsstatthalter in Hessen als Führer der Landesregierung und mit Zustimmung des Reichsinnenministers beschlossenes neues „Gesetz über ein vereinfachtes Enteignungsverfahren" in Kraft getreten, während gleichzeitig die Verordnung vom 6. November 1923 über ein vereinfachtes Enteignungsverfahren zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit außer Kraft gesetzt wird. Nach Artikel 1 des neuen Gesetzes kann der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — für Unternehmen, die aus Gründen
Gießener Gtadttheater. Kultur- und Werbeveranstaltung der NSG. „Kraft durch Freude".
Als Auftakt für die kulturelle Winterarbeit im Kreise Gießen veranstaltete die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" am Sonntagvormittag eine Kultur- und Werbeveranstaltung im Stadttheater. Eine seine und zarte Musik Friedrichs des Großen in drei Sätzen, in denen Flöte und Streicher die Melodie führen, leitete die Morgenfeier festlich ein. Dann trat der Kreiswalter der DAF., Pg. Wag- ne r, zu einer Ansprache vor den Vorhang, in der er u. a. Folgendes ausführte:
Wir Haden mit der NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" dem deutschen Menschen die tausend- fälligen Schönheiten Deutschlands erschlösse^ und haben ihn dadurch wieder mit dem Volke verwur- zelt. Der Nationalsozialismus ist eine Weltanschauung; sie i)at ein großes Ideal, ein Hochziel- das heißt Deutschland. Niemand ist für sich selber da, sondern all unser Tun und Denken mutz auf dieses Hochziel ausgerichtet sein. Auch in seiner Freizeit darf niemand sich selbst und damit unkontrollierbaren Einflüssen überlassen bleiben. Deshalb schufen wir die gewaltige Organisation „Kraft durch Freude". Aus der Freude sollen wir die Kraft finden, mit dem harten Alltag fertig zu werben. Es gibt kein Paradies auf Erden, aber wir wollen die Not aus sieghafter, froher Bejahung gemeinsam meistern. Wir wollen den deutschen Menschen wieder mit den ewigen Werten der deutschen Kultur in Verbindung bripgen. Eine Kunst, die das Volk nicht versteht, ist keine Kunst. Kunst ist Ausdruck unseres Kampfes um die Erhaltung unseres Wesens. Es ist kein Zufall, daß unser Winterprogramm im Theater eröffnet wird, denn das Theater gehört dem Arbeiter genau so wie dem Universitätsprofessor. Deshalb mußt du, deutscher Arbeiter, auch ins Theater kommen. Es geht um die Erhaltung unserer Kultur, die uns allen gehört. Arbeit ist der Sinn und Inhalt unseres Lebens. Wir wollen stolze und selbstbewußte Menschen mit starkem Gefühl für ihre Ehre. Das brauchen wir, um als Volk leben zu können. Wir wollen das Leben und die Freude fanatisch bejahen So wollen wir in der NS.-Gemeinschast ‘Straft durch Freude" uns als Diener am Werke unteres großen Führers und an unserem geliebten deutschen Volke fühlen. — Die Ansprache wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Es folgte dann die Aufführung der dramatischen S»ene Schach dem Zaren von Wilhelm M ü^l e'r- Schuld. Wir haben dieses Werk an- läßlich seiner Ursendung als Hörspiel durch die Ad- teilung Kunst des Reichssenders Frankfurt »m
Frühjahr an dieser Stelle eingehend gewürdigt. Es handelt sich hier, wie man sich entsinnen wird, um die dramatische Gestaltung einer weltgeschichtlichen Entscheidungsstunde. Die Szene -spielt 1812 in Petersburg am Zarenhofe. Ein Kriegsrat beleuchtet die militärische Lage. Der Schatten Napoleons fällt drohend über Rußland. Schon steht er vor den Toren von Moskau. Am Zarenhofe herrscht Wankelmut und Unentschlossenheit. Da erwächst dem Zaren und seinen Ratgebern im Freiherrn von Stein, der als Verbannter in Petersburg lebt, fast wider ihren Willen ein mächtiger Verbündeter, dem französischen Welteroberer aber ein fanatisch hassender und dennoch kluger Gegenspieler. In einer Zentralszene zwischen Stein und dem Zaren gelingt es dem „Baron aus Preußen", den Kaiser zu einem entscheidenden Entschluß aufzurütteln: Stein zeigt dem Zaren die elementaren Naturgewalten, Sturm, Schnee, Frost und Feuer als seine mächtigsten Verbündeten wider Bonaparte; sie werden den Untergang des Eroberers besiegeln. Der Kaiser, endlich überzeugt und von der glühenden Beredsamkeit Steins überwunden, macht diesen zu seinem Sprecher. In messerscharfen Sätzen lehnt der Freiherr das Angebot des französischen Unterhändlers mit einer unversöhnlichen und grimmigen Kampfansage ab: der Wille seiner verbündeten Gegner und die Naturgewalten des Frostes und des Feuers werden dem Siegeszuge des Eroberers ein schreckliches Ende bereiten. — So rundet sich die historische Szene zu einer lebendigen, von Kraft und Gegenkraft dramatisch geführten Entscheidung, zum eindrucksvollen Bilde europäischer Schicksalswende, mit knappen und markanten Stichen vor den Hörer und Zuschauer hingestellt.
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Die Spielleitung des Intendanten Schultze- Griesheim arbeitete im Gesamtaufbau die bei« den wichtigsten, einander korrespondierenden und die Waage haltenden Szenen zwischen Stein und dem Zaren, und zwischen Stein und dem sranzö- sischen General als Abgesandten Napoleons klar und überzeugend heraus.
Die Schauspieler ordneten sich dem Willen der Regieführung willig unter. Herr Lüpke ent- wickelte übersichtlich als Sprecher im Kriegsrat die Voraussetzungen für die beiden folgenden großen Dialoge. Herr Neuhaus gab den Freiherrn vom Stein: scharf und schroff, oft verletzend und ätzend in seiner unangreifbaren Argumentation, aber immer mit klarem Ueberblick über Tatsachen und Notwendigkeiten, ein glühender und beschwörender Verfechter seiner guten Sache. Ueberzeugend entwickelte auch Herr von S p a l l a r t die Gestalt des Zaren, der sich nach langem Sträuben und Schwanken, nach schwerem inneren Kampf von
tatenloser Bewunderung zum befreienden Entschluß durchringt. Herr Geiger gab, elegant und diplo- matisch, zuletzt mit mühsam bewahrter Haltung, den französischen General. —
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Die Hörergemeinde folgte mit gesammelter Aufmerksamkeit und dankte mit kräftigem Beifalls
Oberhessischer Kunsiverein.
Friesische Maler der Gegenwart.
Der Oberhessische Kunstverein beginnt feine Winterarbeit mit einer Ausstellung von Werken friesischer Maler der Gegenwart. Der Katalog verzeichnet 18 Künstlernamen mit insgesamt 88 Bildern; dabei sind die verschiedensten Techniken vertreten — Oel, Aquarell, Zeichnung, Radierung — und so ergibt sich, in mehrfacher Hinsicht, ein vielfältiges und abwechslungsreiches Bild. Dennoch wirkt der Gesamteindruck, im Sinne der Ausstellungsleitung, durchaus einheitlich und in sich geschlossen: man sieht hier eine deutsche Landschaft von ausgesprochener Eigenart im Spiegel ihrer bodenständigen Kunst. Die Ausstellung ist also nicht nur um ihrer künstlerischen Qualitäten an sich bemerkenswert, sondern, worauf wir heute entschiedenen Nachdruck legen, als ein Zeugnis ftammes« mäßiger Sonderart; so läßt diese Schau, im Ganzen betrachtet, durchaus ein Bild von der Landschaft und dem Menschenschlag, von der Kultur und der Bauweise, von der Tier- und Pflanzenwelt Frieslands gewinnen.
Ein immer wiederkehrendes und eigentliches unerschöpfliches Grundmotiv ist natürlich das Meer mit Küste und Strand; immer wieder finden sich ein hoher Himmel, getürmte, vom Sturm geballte oder zerrissene Wolken, weites flaches Küstenland, Spiel von Wind und Wellen, Backsteingotik, Fischerhäuser und Bauernhöfe, Dünen, Marschkanäle und Mühlen, buntes ostfriesisches Vieh, Schiffe, Fischer- boote und Möoen. Aus solcher Aufzählung mag man etwa den landschaftlichen Motivkreis der Ausstellung ableiten. Innerhalb dieses Kreises bleibt dem einzelnen Maler, je nach Sehweise, Tempe- rament und Technik, noch Spielraum genug, sein Erlebnis von Landschaft und Menschen auf seine persönliche Art zu künstlerischem Ausdruck zu verdichten. *
So malt etwa Hans Weidemann in leuchten- den Aquarellfarben einen flammenden Sonnenuntergang ober ein düster hingeducktes Küstendorf am Abend. Anna Martens zeigt in groß angelegten Bildern ohne alle Staffage die aus Wolken, Sand und spärlicher Vegetation zusammen
gesetzte Strandlandschaft in ihrer Abgeschlossenheit, Weite und Höhe. Lockerer, bewegter und farbiger wirken die Aquarelle von Jan O e 11 j e n (Sylt, Weser und Jade). In den Halliglandschaften von Willy Graba sind Ernst und Größe dieser Natur lebendig empfunden und in der sparsamen Wasserfarben-Technik eindringlich erfaßt. In lieblichem Gegensatz zu solcher Herbheit erscheinen die zart aquarellierten Blumenstücke von Fritz Hafner, Veilchen und Schneeglöckchen, Anemonen, Tulpen und Tazetten. Von Ingwer Paulsen haben wir uns den hellen, kräftig getönten, fett hingespachtelten „Dorfweg" gemerkt; von K. Sartorius ein Aquarell „Brandseeschwalben", das den bewegten Zusammenklang von Kreatur und Landschaft überzeugend zum Ausdruck bringt. Emma Ritter fei mit einem nobel und großlinig geführten Städtebild „Danzig", den leuchtenden Architekturen aus Jever und mit dem charaktervollen Bildnis eines alten Küstenfiscbers genannt. Als Gegenstücke dazu dürfen der „Alte Schmied" von Jakob Albert und sein „Besuch auf der Hallig" gelten, die beide, wie uns scheint, den norddeutschen Menschenschlag in treffenden Beispielen erfassen.
Die „Ballade" von Hans Feddersen wirkt in ihrer dunklen Wucht und herben Gedrungenheit wie eine malerische Improvisation über ein Thema von Storm oder Liliencron. Poppe Folkerts steuert zwei kräftige, figürlich bewegte Radierungen bei: Bühnenarbeiter und Rettungsboot. Wie ein Leitmotiv der ganzen Schau wirkt sein großes Bild „Das Meer". Sehr geschlossen in der Komposition präsentiert sich der einsame Bauernhof im „späten Licht" von Paulsen. Hell und freundlich daneben die Landschaft „Arn Kanal" von Marie Krüger. Eines der schönsten und repräsentativsten Stücke ist für unser Gefühl „Hallig Gröde" von Albert Johannsen, eine großartige, wirklich großzügig gesehene und gemalte norddeutsche Landschaft. Klein von Diepold behandelt die helleren und wärmeren Elemente einer im Grundton kargen und melancholischen Szenerie. Stimmungsvolle Einzelmotive bieten auch „Im Hümmling" von Warring und die Kanalbilder von Petrick und Roskamp, während die „Ziegelei" von H o b e i n in ihrer finsteren Sachlichkeit einen fast unheimlichen Eindruck hinterläßt. —
Lebendig bewegte, kleine Tierplastiken von Lilly König, von denen wir kürzlich in der Illustrierten des Gießener Anzeigers einige Proben mitteilten, ergänzen, obwohl sachlich und landschaftlich nicht in diesen Kreis gehörig, das Gesamtbild heiter und anmutig.
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Die Ausstellung wurde am Samstagnachmittag der Oeffentlichkeit übergeben. -y-


