England drängt in Genf auf Beschleunigung der Sanktionen.
Genf, 13.DEL (DNB.) Die Finanzsachverständigen des Sanktionsausschusses haben sich über einen Entschließungsentwurf für finanzielle Sühnemaßnahmen geeinigt, der am Montag dem Arbeitsaus- schuß der Konferenz zur Beschlußfassung unter- breitet und dann veröffentlicht werden soll. Auf eng- lischer Seite wird angenommen, daß diese Maßnahmen schon am Montag in Kraft treten können. Es fanden auch zwischen dem französischen und dem englischen Wirtschaftssachverständigen im Beisein Edens Besprechungen über die Frage wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen statt. Dabei wurde vereinbart, daß die Frage der Einbeziehung gewisser kriegswichtiger Schlüssel- erzeugnisse gleichzeitig mit derjenigen eines allgemeinen Boykotts italienischer Wa- r e.n geprüft werden soll. Auf englischer Seite wird erwartet, daß die letztgenannten Maßnahmen alsbald untz die Rohstoffsperre wenigstens in gewissem Umfange gleichfalls in einigen Tagen wirksam werden kann. Zur Ausarbeitung eines Sühnemaßnahmeplanes für Rohstoffe wird ein Ausschuß eingesetzt werden, der sich auch mit dem von verschiedenen Staaten verlangten Z o l l aus- gl e i ch beschäftigen soll.
Der Genfer Berichterstatter der „Time s" teilt mit: Bisher seien die Arbeiten zur Vorbereitung der finanziellen Maßnahmen schnell vorwärts gegangen und hätten sich viel einfacher gestaltet als die Vorarbeiten für die wirtschaftlichen Maßnahmen, bei denen zahlreiche Fallgruben vorhanden seien. Die französischen Dölkerbundsvertreter hätten den Auftrag erhalten, das von den Verteidigern der Dölkerbundsfatzung vorgeschlagene Vorgehen zu schwächen und zu verzögern, aber wenn
eine Abstimmung unvermeidlich sei, mit den Engländern zu stimmen. Die Vorkämpfer des Gedankens, daß wirtschaftliche und finanzielle Sühnemaßnahmen eine wirksame Antwort auf Krieg darstellen könnten, hätten eine angenehme Ueberraschung gehabt. Es habe sich herausgestellt, daß die Anwendung eines Ausfuhrverbotes für wichtige Artikel nach Italien nicht so viel Zeit beansprucht habe, wie die britische Abordnung befürchtet habe.
„Daily Telegraph" berichtet: „Am interessantesten sind vielleicht die von England und Frankreich gespielten Rollen. Edens Bemühungen sind darauf gerichtet gewesen, sicherzustellen, daß der Völkerbund, falls er überhaupt handelt, schnell und wirksam vorgehe. Er ist dadurch ganz von selbst zum Führer der Ländervertreter geworden, die jetzt den Plan für ihr Vorgehen ausarbeiten. Seine Stellung ist dieselbe, die früher meistens von Frankreich eingenommen worden ist. Frankreich ist jetzt mehr Bremser als Wagenführer. Die Haltung Polens sei enttäuschend. Oberst Beck soll sich gegenüber den verschiedenen Vorschlägen hauptsächlich um Aufschub bemüht haben. Polen stehe aber mit seinen Bedenken keineswegs allein da. Laval habe den am Samstag abgereisten Baron A l o i s i dringend aufgefordert, feinen ganzen Einfluß in Rom zur Geltung zu bringen, um Mussolini zu einer Bekanntgabe seiner Mindest- bedinaungen für einen Frieden zu veranlassen. Bisher seien der französische und der britische Botschafter mit ihren Bemühungen in dieser Richtung ganz erfolglos gewesen. Zuverlässige Sachverständige glaubten, es werde neun Monate erfordern, um Italien durch bloße wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen zu erschöpfen.
die italienische Heeresleitung drei Gefangenenlager eingerichtet. General de Bono ist zur Besichti- aungsreise in das von den italienischen Truppen besetzte Gebiet abgereist und wird in 2(bua nach einer religiösen und militärischen Zeremonie das Denkmal einweihen, das neben der Inschrift zur Er- innerung an die 1896 in Adua gefallenen Italiener das Datum des 6. X. XIII der faschistischen Zeitrechnung trägt. Es wurde von der Division Gavi- nana aus Italien nach Adua mitgeführL
Kriegsvorbereitungen am Roten Meer
London, 14. Okt. (DRB. Funkspruch.) Aus Aden wird berichtet, daß der Imam von Jemen die militärische Bewachung und die Befestigungen an der Küste v e r st ä r k e, besonders an den Ha- fenstädten Hodeida, Mokka und Schech Said. Dies wird in Zusammenhang gebracht mit der Ablehnung des italienischen Ersuchens, Schech Said als Genesungsstätte für italienische Soldaten benutzen zu dürfen. In Addis Abeba lebende Araber wollten die arabischen Frauen und Kinder aus Sicherheitsgründen nach Aden schicken. Ihre Einreise wurde jedoch von den britischen Behörden ab gelehnt, da Aden bereits umfangreiche Kriegsvorbereitungen trifft. Auf den die Stadt und den Hafen umgebenden Höhen werden Fliegerabwehrae sch Ütze aufgestellt. Die in Aden ansässigen Frauen und Kinder mußten bereits die Stadt verlassen.
kerbundsversammlung sind stets gemeinsam gewesen, wie auch unser Handeln stets gemeinsam sein wird. Die Freundschaft zwischen Frankreich und Großbritannien ist die unentbehrliche Voraussetzung des Erfolges. Damit meine Aufgabe erleichtert wird, fordere ich von allen Franzosen V e r st ä n d n i s. Die Franzosen brauchen nur g e - r e ch t zu bleiben, um ihre Ruhe und ihre Kaltblütigkeit zu bewahren."
„An unsere englMen Freunde"
P a r i s, 14. Okt. (DRB. Funkspruch.) Der halb- amtliche „Petit P a r i s i e n" veröffentlicht unter der Ueberschrift: „An unsere englischen Freunde' einen Artikel, der wahrscheinlich von maßgebender Stelle beeinflußt worden ist. Diele Franzosen befürchteten, daß der Nachdruck mit dem man sich englischerseits für die Sühnemaßnahmen einsetze, den unerschütterlichen Entschluß verberge, eine Versöhnung unmöglich zu machen, Mussolini politisch zu töten und wenn möglich b i s zum Kriege zu gehen, um dieses Ziel zu erreichen. Deshalb gebe es Engländer, die glaubten, die Versöhnungsversuche Lavals im Zusammenhang mit irgendwelchen dunklen Plänen bringen zu müssen, die sich gegen England und gegen den Völkerbund richteten. Es gebe aber in Paris feines dunklen Pläne. Es gebe lediglich den Willen, jede Gelegenheit zu ergreifen, um dem Drama, das England Italien und Italien dem Völkerbund gegenüber stelle, ein Ende zu machen. Das Blatt fährt fort: „Die englische Flotte hat ihr Vorhandensein bewiesen. Sie kann ohne Gefahr ihre Stützpunkte wieder aufsuchen. Sie würde dadurch der englischen Vorrangstellung sogar einen Dienst erweisen." In Verhandlungen liege der Schwerpunkt der ganzen Angelegenheit. Seit Monaten habe man nicht zu verhandeln gewußt. Man habe zwar gesprochen und manchmal sogar zu viel gesprochen. Manzbabe sich aber mißverstanden, oder sich Tchliehlich gegenseitig verdächtigt. Es gebe aber in London keinen teuflischen Plan, der darauf hinausgehe, den Ministersessel Mussolinis abzusägen.
Das Echo in Rom.
Rom, 14. Oft. (DNB.) Das Hauptinteresse der römischen Sonntagspresse liegt bei den Genfer Beratungen. Mit unverkennbarer Genugtung wird auf die Interessengegensätze hingewiesen, die, wie man hier erwartet hatte, sich bereits in der Frage der wirtschaftlichen Sühnemahnahmen sehr störend bemerkbar gemacht hätten. „Voce d'Jtalia"
verwahrt sich gegen die von Eden immer wieder geäußerten Freundschaftsbeteuerungen gegenüber Italien, die man in Italien nur als l ä - ch erlich empfinden könne. Die Haltung der englischen Regierung, nicht aber des ganzen englischen Volkes fei gegenüber Italien schlechtweg feindlich. Die englischen Kriegsschiffe im Mittelmeer lehnen es bereits ab, den Gruß italienischer Schiffe zu erwidern. Aus dem italienisch-abessinischen Kolonialkrieg sei eine Weltfrage geworden, indem eine Bewegung gegen das faschistische Italien ingang gekommen fei, das man nur deshalb zerstören wolle, weil Italien heute wieder ein seiner Rechte und seiner Stärke bewußter Staat geworden sei.
Der italienische Gesandte sestgenommen.
GrafBinci hat die Abreise aus AddisAbeba verweigert.
Addis Abeba, 12. Okt. (DNB.) Die für Samstag vormittag in Aussicht genommene A b - reife der italienifchen Gesandtschaft ging unter dramatischen Umständen vor sich. Das Gesandtschaftspersonal erschien mit einstündiger Verspätung am Bahnhof. Der Gesandte GrafBinci befand sich nicht darunter, er hatte sich vielmehr in den Keller der Gesandtschaft e i n g e s ch l o s s e n. Er hat sich trotz mehrfacher Aufforderung geweigert, aus Addis Abeba abzureisen. In seiner Gesellschaft blieb auch der Militärattache C a l d e r i n i zurück. Der für das Personal der Gesandtschaft bereitgestellte Sonderzug hat Addis Abeba um 11 Uhr verlassen. Als sich der Zug schon in Bewegung setzte, sprang der zweite Sekretär de Grenet plötzlich aus dem Zug und entfernte sich. Man fand ihn in einem Restaurant. Er wurde gewaltsam in den nächsten planmäßigen Zug gebracht und von einer Wache bis zur abessinischen Grenze begleitet. Graf Vinci hat eine schriftliche Erklärung abgegeben, die lautet: „Ich Endesunterzeichneter erkläre, daß ich aus eigenem W illen in Addis Abeba geblieben bin, weil mein Bestreben, zwei meiner Handelsvertreter noch zu erwarten, seitens der abessinischen Regierung keine Unterstützung gefunden hat. Ich erkläre, daß ich mich freiwillig keiner Maßnahme der abessinischen Regierung unterwerfen werde." Der Gesandte wurde am Samstagnachmittag festge - n o m m e n. Die abessinische Regierung sandte ihm die Mitteilung, daß sie ein Privathaus für ihn und den Militärattache Calderini vorbereitet habe und daß er dem Ueberbringer dieser Antwort und seiner Gefolgschaft sofort fMgen müsse. Vinci wurde im Hause des Ras Desta Damton, eines Mitgliedes der kaiserlichen Familie, untergebracht. Das Gebäude der italienischen Gesandtschaft wurde geschlossen. Wie verlautet, hat der Kaiser die Absicht, den italienischen Konsul und den Handelsvertreter Italiens in Maaallo, die noch eine Woche Reise vor sich haben, mit Flugzeugen nach Addis Abeba zu befördern, um die Haft des italienischen Gesandten abzukürzen. Der Gesandte würde dann gemeinsam mit den beiden italienischen Vertretern aus Magallo abgehoben werden.
Kabinettswechsel in polen.
Beck bleibt als Außenminister.
Warschau, 12. Oft. (DRB.) Ministerpäsident Slawek hat dem Staatspräsidenten seinen R ü ck- tritt erklärt. Slawek ist noch zu Lebzeiten des Marschalls Pilsudski Ministerpräsident geworden mit der Aufgabe, die neue Verfassung zum Abschluß zu bringen und die Wahlen zum neuen Parlament durchzuführen. Nach Beendigung der Uebergangsperiode zwischen alter Verfassung und neuer Verfassung, hätte es schon der seit rund 10 Jahren eingehaltenen Tradition entsprochen, daß die Leitung der Regierung wechselte. Seit langem ist es der Wunsch des Staatspräsidenten, ein Kabinett unter dem besonderen Gesichtspunkt der Durchführung eines großzügigen W i r t s ch a f t s p r o - gram ms zu berufen. An die Spitze des neuen Kabinetts wird Minister Koscialkowski treten. Dem neuen Kabinett gehören ferner u. a. an: Außenminister: Oberst Beck (wie bisher); Innenminister Raczkiewicz (früher Senatsmar- schall, zuletzt Wojwode von Krakau); Kriegsminffter: General Kafprzycki (wie bisher); Finanzminister: der ehemalige Handelsminister K w i a t k o w- ski; Handelsminister: General Gorecki (bisher Direktor der Staatlichen Wirtschaftsbank und Leiter des Polnischen Frontkämpferoerbandes).
Das Kabinett Koscialkowski, schreibt „Gazeta Polska", wird von der Oeffentlichkeit m i t Vertrauen begrüßt werden. Sowohl der Ministerpräsident wie eine Reihe der Minister gehören zu denen, die eine hervorragende Rolle in den militärischen und politischen Kämpfen um den Wiederaufbau Polens gespielt haben. Die Anknüpfung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Regierung und Oeffentlichkeit werde nicht schwierig sein, wenn das Programm der Regierung tlar und überzeugend sein werde, und wenn ihm wirkungsvolle Taten folgen. — „Kurjer Po- ranny" begrüßt es, daß die Neubildung des Kabinetts die Unsicherheit der lieber- gangszeit beendet und die Möglichkeit gegeben fei, alsbald wichtige Entscheidungen für die drängenden wirtschaftlichen Fragen zu treffen. — Das Militärblatt „Polska Zbrojna" schreibt, die neue Regierung werde den wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten um so mutiger entgegen- treten können, als sie nicht mehr alle die Hemmungen zu bekämpfen habe, die sich bei dem früheren Verfassungssystem für die Arbeiten der Regierung ergaben. — Die nationaldemokratische O p» positiv nspresse sagt, die Aenderung des Kabinetts sei nicht von großer Bedeutung, obgleich in Polen grundsätzliche Änderungen notwendig seien.
Amerikanische Ilugdienststiitzpuntte in der Südsee.
Washington', 14. Oft. (DNB. Funfspr.). Das Handelsluftfahrtsamt hat drei f lei ne un- bewohnte Koralle ninfeln südlich und sud- westlich von Honolulu in der letzten Woche für die Vereinigten Staaten in Besitz genommen. Die Inseln sollen als Stütz - punfte für den beabsichtigten Flugdienst von San Franzisfo über Hawai nach Australien und Neuseeland ausgebaut werden. Die Inseln sollen dem Verwaltungsbezirf von Hawai unterstellt werden. Die Bekanntmachung
erfolgte gleichzeittg mit der Meldung über die erfolgreiche Landung des ersten ame- rifanifdjen Postflugzeuges in Guam, das die 155 Meilen lange Strecke von der Weko- infel nach Guam in zehn Stunden und elf Minuten zurückgelegt hat.
öte Christenverfolgungen in Gowjetrußland.
Erschütternder Bericht eines schwedischen Blattes.
Stockholm, 13. Okt. (DNB.) Unter der Heber- schrift „Das Märtyrertum unserer Glaubensbrüder unter dem Bolschewistenterror" schildert Nyha Dag- ligt Allehanda auf Grund eines Tatsachenberichtes von Vertrauensmännern aus Ostkarelien und Ingermanland die verzweifelte Lage und die Verfolgung insbesondere der' lutherischen Finnen in diesen Gebieten. In Ostkarelien sei von 120 Kirchen nur eine einzige übrig geblieben, und in den 32 lutherischen Gemeinden Ingermanlands seien nur zwei Priester und vier Prediger belassen worden. Die übrigen Kirchen seien in Lust- und Tanzlokale verwandelt und die meisten Priester verschleppt worden. Die Kinder würden in den bolschewistischen Schulen zur Verachtung jeder Religion erzogen. Allein in den Monaten April und Mai dieses Jahres seien aus den genannten Gebieten etwa 160 000 Menschen von Haus und Hof vertrieben und namentlich nach Turkestan und Kasakstan verschickt worden. Das gleiche Schicksal erlitten auch andere nichtrussische Volksteile, die ebenfalls ihres Glaubens wegen von ihrem Heimatboden versagt würden. An ihre Stelle würden Bauern aus dem Innern Rußlands angesiedelt.
Das Blatt erklärt, daß Sowjetrußland, das ja jetzt Mitglied des Völkerbundes sei, daran denken müsse, daß es auch moralische Pflichten zu erfüllen, habe. Es wäre sehr wünschenswert, wenn Schweden seinen Einfluß im Völkerbund zur Linderung der Not verfolgter Glaubensbrüder geltend machen würde.
Zusammenschluß deutscher evangelischer Kirchen Südosteuropas.
Wien, 12. Okt. (DNB.) Die Vertreter der deutschen evangelischen Kirchen von Rumänien, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Jugoslawien haben in Wien folgende Entschließung gefaßt: Im Bewußtsein ihrer Verantwortung vor Gott und der engen Verbundenheit untereinander im Glauben und Schicksal haben sich die Leitungen der deutschen evangelischen Kirchen von Rumänien, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Jugoslawien zu einer Arbeitsgemeinschaft z u s a m m e n g e s ch lo s s en, um alle für die Sicherung ihres äußeren Bestandes und für die innere Festigung notwendigen Schritte im engsten Zusammenwirken zu tun. In der Erkenntnis der hohen Bedeutung der vollen (Entfaltung der religiösen und kulturschöpferischen Kräfte des evangelischen Geistes erachten sich die genannten Kirchenleitungen berechtigt und verpflichtet, zur Ausübung solchen Dienstes innerhalb der menschlichen Gesellschaft und der Staaten, denen sie angehören, von allen gesetzlich statthaften Mitteln Gebrauch zu machen. Sie erklären die Geschicke dieser Kirche in gegenseitiger brüderlicher Anteilnahme wachsamen Auges zu verfolgen und jeder etwaigen Hemmung oder gar Gefähr düng des Protestantismus innerhalb dieses europäischen Raumes solidarisch entgegenzutreten. Sie werden vor allem die gemeinsamen Belange des evangelischen Christentums des bezeichneten Raumes vor den großen kirchlichen Weltverbänden, aber auch im Appell an das Weltgewissen vertreten.
Teuerungswelle in Holland.
Amsterdam, 13. Oft. (DNB.) Seit mehreren Wochen machen sich in Holland st a r k e Preis- fteigerungen für Lebensrnittel bemerkbar. Vor allem die Fleisch-, Fett- und Speckpreise sind in einer Weise gestiegen, daß sich weiter Kreise der Bevölkerung eine große Beunruhigung und Unzufriedenheit bemächtigt hat. In der Stadt Arnheim sind z. B. die F e 11 p r e i s e im Vergleich zum Sommer um rund 10 0 v. H. geftiegen. In Maastricht hat sich die Stadtverordnetenversammlung eingehend mit diesen Preiserhöhungen befaßt. Hierbei kam große Entrüstung darüber zum Ausdruck, daß in einer Zeit, in der von der Regierung eine allgemeine Herabsetzung der Lebenshaltung gepredigt wird, um die holländischen Inlandspreise in Uebereinstim- mung mit den niedrigeren Weltmarktpreisen zu bringen, die Bevölkerung für die wichtigsten Artikel des täglichen Bedarfs, in erster Linie Brot, Fleisch und Fett, stets steigende Aufwendungen zu machen habe. Es wurde auch festgestellt, daß die Steinkohlenpreise in jüngster Zeit um etwa 3 Gulden für 1000 Kilogramm erhöht worden seien. Es wurde an den Magistrat 'das Ersuchen gerichtet, bei der Regierung wegen dieser Vorgänge dringliche Vorstellungen zu erheben. In mehreren 23er- braucherversammlungen und in Zusammenkünften von Schlächtern und Viehzüchtern wurden schwere Vorwürfe gegen die Krisenpolitik der Regierung erhoben, wobei die Ansicht ausgedrückt wurde, daß die seinerzeit von der Regierung zur Stützung der Landwirtschaft errichteten Krisenzentralen viel zu kostspielig arbeiteten und die staatlichen Ueberwachungsmaßnahmen die Lebensmittelpreise' unnötig verteuerten. Diese Kritik kommt auch in der Presse stark zum Ausdruck.
Chaos auf dem sowjetrussischen LebensmitteSmartt.
Leningrad, 12. Okt. (DNB) Es erweist sich immer mehr, daß die chaotischen Zustände, die in der sowjetrussischen Ernährungslage herrschen, durch die Abschaffung der Lebensmittelkarte nicht behoben, sondern noch verstärkt wurden. Eine umfangreiche Kontrolle der städtischen Lebensmittelgeschäfte, die in Leningrad vorgenom- men wurde, hat nicht nur zu der Feststellung geführt, daß nicht im entfernte ft en genügend Lebensrnittel aur Versorgung der Bevölkerung vorhanden sind, sondern auch das überraschende Ergebnis gezeitigt, daß für Fleisch, Butter, Fische usw. die verschiedensten Preise bestehen, und daß zahlreiche Lebensmittelgeschäfte eigenmächtig'zu erheblichen Preis« Steigerungen geschritten sind. Schließlich wurden auch in zahlreichen Geschäften minderwertige Waren verkauft. Die Leiter oer Trusts für Fleisch, Butter und Fischversorgung haben darauf strenge Verweise erhalten. Außerdem wurde die Staatsanwaltschaft angewiesen, die Derantworttichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Der Gouverneur von Ost-Tigre unlerwirst sich den Italienern.
Oenkmalsweihe in Adua in Anwesenheit de Donos.
Asmara, 12. Okt. (DNB.) Im Hauptquartier des Generals de Bono ging der offizielle Unterwerfungsakt des Gouverneurs des östlichen Tigre- Gebietes vor sich, des Halle Selassiö G u g s a. Gugsa war in europäischer Generalsuniform erschienen und war voll bewaffnet. Er erklärte Pressevertretern, daß er bereit fei, auf der italienischen Seite zu kämpfen. Er sei stets e i n Freund Italiens gewesen. Er hoffe, sein Gebiet mit italienischer Hllfe zivilisieren zu können. Gugsa sprach die Ueberzeugung aus, daß sämtliche ihm unterstehenden Truppen seinem Beispiel folgen würden. Die Provinz M a k a 11 e kann deshalb nach italienischer Auffassung als von den Italienern erobert gelten. Fast sämtliche Bewohner A d u a s sind zurückgekehrt und haben sich den Behörden gestellt. Die mefften hatten an ihren Häusern Zettel hinterlassen mit der Bitte, nichts anzurühren. Durch die Unterwerfung des Ras Selafsie Gugsa kam ganz Ost-Tigre in Italien i f cf) c Hände. Der Ras ist schon längst als Jtaliensreund bekannt gewesen, und der Negus wollte treue Truppen zu ihm entsenden, um ihn zum Eingreifen gegen Italien zu zwingen. Dadurch wurde der Abfall des Ras beschleunigt. Es fft allerdings noch nicht bekannt, ob alle Gefolgsmannen des Ras mit ihm gemeinsame Sache machen. Die Folgen dieses politischen Sieges Italiens sind auch noch nicht abzusehen. Aus den 1500 Abessiniern, die mit Ras Gugsa auf die italienische Sette übergetreten find, wurden irreguläre Truppen gebildet. Für die 500 abessinischen Gefangenen hat
Die französische Politik in Schwierigkeiten.
VeabsichtigtEnglanddenAbbruch der Beziehungen?
Paris, 14. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Genfer Sonderberichterstatter der Agentur Havas meldet, daß sich der englische Minister (Eben mit der Absicht trage, sich Mitte der Woche nach London zu begeben, um seiner Regierung Bericht über die letzten Beschlüsse des Völkerbundes zu erstatten. Der Berichterstatter behauptet, daß sich die englische Abordnung eingehend mit dem Gedanken eines Abbruches der diplomatischen Bezieh u n g e n mit Italien befasse. Hierbei hoffe sie von den Dominien und auch von einigen anderen Mächten, insbesondere von Holland, unterstützt zu werden. Wenn jedoch eine solche Maßnahme vorgeschlagen würde, so werde sie auf den starken Widerstand anderer Staaten stoßen, weil mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen auch jede Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Italien aufgegeben werden müsse.
Laval sucht zu beruhigen.
Die französisch - englische Zusammenarbeit die Grundlagen seiner Politik.
Paris, 13. Okt. (DNB.) Angesichts der Mißstimmung, die sich gegen England geigt, hat es Ministerpräsident Laval für angebracht gehalten, beruhigend einzugreifen. In einer Erklärung der Agentur Havas, bringt er zum Ausdruck, daß jedes „Mißverständnis" über die Loyalität der französisch- englischen Beziehungen der Sache des Friedens nur schaden könnte. „Die Lage ist zweifellos heikel. Aber die französisch-englische Zusammenarbeit, die sich in Genf in größter Herzlichkeit bestätigt hat, wird im Interesse des Friedens fortbeste h e n. Denjenigen, die militärische Sühne- maßnahmen befürchten, kann ich sagen, daß in meinen Unterhaltungen mit den englischen Ministern davon niemals die Rede gewesen ist. In Uebereinftimmung mit den Völkerbundssatzungen haben wir die Maßnahmen wirtschaftlicher und finanzieller Art ins Auge gefaßt, deren Einzelheiten gegenwärtig von den Sachverständigen geprüft werden. Für diejenigen, die versucht sein könnten, uns in Gegensatz zu England zu stellen, füge ich hinzu, daß England niemals selb - ständig und außerhalb des gemeinsamen Volker- bundsrahmens hat vorgehen wollen. Unsere Erklärungen vor dem Völkerbundsrat und vor der Völ«


