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Gießener Biologen an der Nordsee

Ein schon lange gehegter Plan ist in diesem Jahre m ersten Male Wirklichkeit geworden: G letze.

Geschichten aus aller Wett

dauerte nicht lange, da trat er dienstlich erDisko" in Verbindung. Es wurden Be-

und es

Nachdruck verboten!

20 Fortsetzung.

Nun, aller- nach-

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Liebe auf der kurzen Welle.

Aber auch die beiden Mädchen sprachen wenig. Die schüchterne Evi hatte einen Gedanken, der sie sehr beschäftigte und ihr doch zugleich Angst ein- jagte. Sie schämte sich vor den Klinkes. Sie hatte niemals gedacht, daß sie sie Wiedersehen würde, und nun kam es ihr erst recht zum Bewußtsein, welch merkwürdigen Eindruck ihre Absage auf Johnie gemacht haben mußte. Er hatte ihr zwar freundlich die Hand gereicht, und sie hatte nicht das Gefühl, daß er ihr nicht verziehen hatte. Aber doch hatte sie den festen Vorsatz, mit ihm zu spre- chen und ihm zu erklären, wie alles damals gekom­men war, und warum sie unbedingt geglaubt hatte, sie könne nur einen reichen Mann heiraten. Er sollte das wissen, früher würde sie keine Ruhe haben. Und sie mußte ihm also noch heute bei der ersten Gelegenheit sagen, daß sie ihn unter vier Augen sprechen müsse.

Preston!" .. ,

Sie merkte b« Ironie in seiner tiefen, männlichen Stimme nicht, sondern nahm es für bare Münze.

Wie ärgerlich, daß gerade jetzt Monika und Em Arm in Arm aus einem Seitenpfad elnbogen und sich ihnen anschlossen.

Aber schließlich glaubte sie ,a genug zu wissen. Oh, sie würde diesen Gerling schon noch dieser kleinen, langweiligen Person abjagen! Und selbst wenn es ihre Absichten auf Johnie Klinke endgül- tig stören würde. Es gab andere reiche Männer eine Shirley Preston ging nicht verloren! Aber es gab augenblicklich nur einen einzigen begehrens- werten Manp, und das war Gerling.

Sie betraten den schönen Schloßpark. Buntes Laub deckte schon den Boden. Leuchtend blanke, wie polierte Kastanien von sattem Rotbraun leuch­teten dazwischen in voller Schönheit auf.

die Erfüllung nicht so schwer zu erreichen Frau Preston ..."

Ist das Ihre Ansicht, Herr von Gerling? das freut mich. Meine Freunde haben mir dings immer einen unwiderstehlichen Scharm gesagt. Aber weiß man es denn? Und glauben Sie mir, Herr von Gerling, wenn eine Frau liebt, wird sie bescheiden und zweifelt an ihrem Wert."

Aber das haben Sie doch nicht nötig, Frau

ihn.

Don Erinnerungen kann man nicht leben, Herr von Gerling. Man muß auch hoffen und wünschen."

Gerling langweilte das Gespräch, doch er wollte es nicht allzu unhöflich abbrechen.

Nun, wenn eine schöne Frau wünscht, so dürfte '' ~ ..... - - »-' sein,

das seltene Vergnügen und atmete in tiefen Zügen die reine Luft ein. Sie hatten diesmal keinen Chauffeur mitgenommen. Gerling steuerte den Wagen, und neben ihm saß Johnie, während die Damen im geräumigen Fond Platz Genommen hat­ten. Auf den Vordersitzen Frau Klinke und Frau Preston, die trotz des warmen Wetters einen präch­tigen Pelzmantel trug, und Monika und Evi neben­einander. Frau Preston bemühte sich, mit Frau Klinke ein Gespräch aufrechtzuerhalten, doch die war sehr einsilbig. Unter den kleinen Mühen quollen die braunen und die blonden Löckchen her­vor, und sie erblickte bald das eine, bald das an­dere Profil. Und die beiden Mädchen, die sich so wunderbar ähnlich sahen und vielleicht beide be­stimmt waren, in Johnies Leben eine Rolle zu spielen, ließen ihre Gedanken nicht los.

Zu jedem kommt einmal das Glück. Lftoman von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

Gerling sah sie etwas spöttisch an.

Dafür merke ich mit Vergnügen, daß Sie heute wieder ganz diejenige geworden sind, als die wtt Sie zuerst kannten. Die traurigen Erinnerungen, die Sie in den letzten Tagen quälten, scheinen Ihnen nicht mehr weh zu tun..."

Shirley Preston warf einen feurigen Blick auf

Dampfboot ruhig seine Bahn, eine dünne Rauch­fahne hinter sich lassend.

Endlich gelang es Frau Preston, Gerling em wenig zu isolieren.

Sie konnte ihre Erregung kaum meistern. e>te fing jeden Blick auf, den er auf Em warf, und sie'beobachtete jede scheue Antwort in Evis großen Kindesaugen. Und gerade daß es ihr schien, als vermeide dieses Fräulein von Tanner fast ge- flissentlich, in Gerlings Nähe zu kommen erschien ihr als Einverständnis der beiden. Und dabei fühlte sie, wie ihre Leidenschaft für Gerling ständig wuchs. Maud hatte recht, roehn sie im allgemeinen über ihre glühende Liebe zu dem ober jenem Manne lächelte unb sie als Strohfeuer bezeichnete. Aber so begehrenswert wie bieser Mann, war ihr noch keiner erschienen. Sie preßte bie Hänbe zu- Jammen, um ihre Haltung zu bewahren.

Sie sinb so wortkarg, Herr von Gerling?

"Muß man immer sprechen? Fühlen Sie benn nicht auch biefen wunderbaren Frieden der Natur, die sich zum Winterschlaf rüstet, aber jetzt noch einmal in den strahlendsten Farben aufglüht?"

Aber natürlich, Herr von Gerling. Ich finde es . wunderschön. Aber auf Sie scheint es ungünstig . zu wirken, Sie machen einen ganz melancholischen ! Eindruck."

Sie fuhren an Starnberg vorbei. Die Bade­anstalt leuchtete in der Sonne, und die Fahne war noch gehißt; aber auf den Planken lag eine einzige braune Gestalt, vermutlich der Schwimmeister, aus­gestreckt und blinzelte in die Sonne. Der schöne Ort war schon ganz leer von Sommerfrischlern.

Sie entschlossen sich, bis Feldafing zu fahren. Dort gab es einen ruhigen Wirtsgarten, vor dem sie anhielten.

Eine kleine, dunkeläugige Kellnerin kam gelaufen, half Frau Klincke beim Aussteigen unb schleppte sofort Tücher herbei.

Sie bestellten Kaffee. Frau Preston beherrschte auch jetzt bas Gespräch. Faste alle anberen waren einsilbig.

Dann schlug Frau Klinke ber Jugend einen «ei­nen Spaziergang vor. Sie selbst hatte Zeitungen mitgenommen, saß behaglich, in ihre Tücher einge« hüllt, in ber warmen Sanne unb spielte, wie sie selbst sagte,mal gern ein bißchen alte Frau".

In ber Nähe lag bas Dorf Garatshausen mit bem einfachen Schloß, wo einmal bie spätere Kaise­rin Elisabeth von Oesterreich, als sie noch bie kleine bayrische Prinzessin Sissy gewesen war, ihre fröh­liche, sorglose Jugend verbracht hatte.

Sie schlugen ben Weg am Wasser ein. Sanft unb friedlich plätscherten bie Wellen, hier unb ba ertönte ein Dogelgeschrei. Aber ber See, ber ,m Sommer immer voll kleiner, bunter Ruberboote unb stolzer Segelboote, war jetzt fast leer. Nur ganz brüben, am anberen Ufer entlang, zog bas

richte ausgetauscht. Eines Tages gerieten alle Tele­graphisten auf ben Schissen an der Grönland kch in Aufregung: von der Station im Eise war ge­funkt worden:Liebst du mich?" undDisko" hatte geantwortet:Ja, natürlich". Der Amerikaner ar­beitete auf einem Kurzwellensender, wahrend bas Grönlandschiff auf langer Welle antwortete, alle Grönlandtelegraphisten hatten also, wie man ver­stehen wird, fieberhaft zu tun, um die weitere Kor- respondenz zwischen den beiden zu verfolgen, oa immer auf andere Wellen umgewechselt werben mußte. Wie der Telegraphist des SchiffesHans Egede" später dem Amerikaner mitteilte, war er furchtbar anstrengend, jeden Tag in solchem Tempo die Spulen auszuwechseln. Aber es soll sich gelohnt haben ... ________

Der große Tourenwagen stand schon vor dem Hotel, als Evi von Tanner ein wenig atemlos an- kam. Muttchen hatte gar nicht gefragt, wohin sie sobald nach dem einfachen Mittagbrot eilte, sondern hatte sie nur lächelnd betrachtet.

Trotzdem kam sie ein wenig spät. Monika stand schon da unb wartete auf sie.

Gut, daß Sie kommen!"

Ach, ich habe mich so beeilt, Fräulein von Inne- mann. Unb jetzt fällt es mir schwer aufs Herz. Werde ich auch wieder zur Zeit zurück sein können?"

Ja! Sorgen Sie sich nur mcht. Ick habe schon gesagt, daß Sie pünktlich in der Stadt (ein müssen."

Aber störe ich damit nicht den übrigen Herr- schäften das Vergnügen?"

Nein, nein! Frau Klinke verträgt die Nebel beim See nicht unb zieht es auch vor, zur Zeit in der Stadt zurück zu sein. Machen Sie sich doch kerne Sorge, Evi! Ich darf dock Evi sagen nicht wahr? Und'du mußt Monika sagen... Und nun wollen wir drinnen melden, daß du endlich da bist. Es ist ja schade um jeden Augenblick, den wir in der Stadt verbringen." ..

Als Frau Klinke Evi die Hand reichte, errötete diese tief. Sie wußte ja, daß Frau Klinke von ihrer Absage an Johnie wußte. Johnie selbst konnte sie auch nicht recht ansehen. Sie begriff ja jetzt erst, was sie ihm damals angetan hatte.

Man stieg schnell ein. Bald war man aus der Stadt heraus und fuhr durch die schöne, bunt- belebte Herbstlandschaft. Mit Entzücken genoß Evi

Evchen stand erschrocken auf. Sie hatte am Fen­ster gestanden, regungslos, und wußte nicht, wie lange sie schon vor sich hinträumte.

Komm einmal her, mein Kind!"

Prüfend strich ihr die Mutter das Haar aus der Sttrn.

Du kommst mir so verändert vor, Evchen. Was ist das nur mit dir?"

Ach. Muttchen, was sollte es denn sein?"

Nein, sie durfte der Mutter nichts erzählen. Mutt- chen würde mit ihr leiden und konnte ihr nicht helfen. Nein, sie mußte ihr Geheimnis ganz fest in ihr Herz verschließen.

Hat mein kleines Mädchen Geheimnisse vor ihrer Mutter? Nein, Evchen, sprich nicht. Jeder Mensch hat manchmal Erlebnisse, die er erst mit sich selbst ins reine bringen muß. Ick) weiß doch, daß ich meiner Tochter vertrauen darf.

Evi fegte den Kopf an die Wange der Mutter. Hier war ihre Heimat. Und sie nahm sich vor, später Muttchen alles zu erzählen. Später bis dieses herrliche Erlebnis wieder aus ihrem Leben geschwunden war, bis es wieder nur den Alltag gab und den Kampf um das Stückchen tägliche Brot...

kleinste Anzeichen wechselvollen biologischen Ge- fchebens richtig zu deuten. In glücklicher Werse konnte all diese Arbeit mit bem Erleben der großen Landjchaft von Meer unb Insel unb mit ber Er­holung verknüpft werben. Auch wir haben viel ge. Fabel - aber nicht ohne Planktonneß auch mir haben am Strande gelegen - aber meist mit ber Luve über bie Nutkante gebeugt aud) uns sah man durch Dünen. Heide und Geholze streifen - aber nie ohne Feldglas und Kamera.

Neben her Arbeit im G-länb- und an ben Mikroskopen liefen zwei biologische Kurse in Form von täglichen Lichtbilbervortrag-n uni> an. chließenden Aussprachen einher, die von Privat- -dozent Dr. Wulf An k el Gießen, abgehalten wur- den. Eine Woche war der T r e r w e l t d e r N o . d. ee unb des Wattenmeeres gewidmet, die in ihren Vertretern, ihren Beziehungen zuden ver, schiedenen Lebensräumen und m Wammey. chluß zu Lebensgemeinschaften 06^1^ rour^ In acht weiteren Vortragen wurde em -

riß der modernen V e r e r b u n g s l e h n geboten und gezeigt, inwiefern sie die Voraus, etzuna schafft und die Waffen lrestrt für eme ziel- bewußte Erbgutpflege am deutschen Volke. Dir zahlreich teilnehmenden Lagergaste aus allen Be- rufsschichten dankten dem Vortragenden und den ihm-behilflichen Gießener Studenten durch eine be­sonders lebhafte und unablässige Mitarbeit.

Die Gießener Biologen beginnen, nach Hause zu- rückgekehrt, eigentlich erst jetzt die fast übergroße Fülle der Erlebnisse und Eindrücke zu überschauen und auszuwerten, die ihnen die Wochen an der deutschen Küste geboten haben. Bereichert smb sie auchmateriell", wenn man Präparate, Photo­graphien, wissenschaftliche Notizen so bezeichnen will. Ein im Lause des Oktober gemeinsam nut der Ober- hessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ge- planter Lichtbildervortrag und eine Ausstellung sol- len von den wissenschaftlichen Ergebnissen Rechen- schäft ablegen, lieber dem so Gewonnenen steht die Ausweitung des LebensbildesDeutschland , bie wohl jeder an sich erfahren hat und zu dem auch der Wurm im Wattenschlick, die Qualle tm brau- senden Meer und ber schreienbe Seevogel am ein­samen Sträube gehören. Besonbers froh aber ge­denken alle Teilnehmer der Nordseefahrt ber tarne. rabschastlichen Gemeinschaft, bie alle ohne Aus- nähme vom ersten bis zum letzten Tage zusammen- schloß unb bie in mehr als einem Falle sich wett über die Phrase hinaus ernstlich zu bewahren^ hatte.

Festlande; fallen dann die Fluten und ist das Wetter einigermaßen günstig, kann man dennoch zu Fuß, wenn auch nicht gerade ttockenen tfußes, die Küste erreichen. Aus diesem Wege gelangten wir in eineinhalbstündigem Marsch über bie Watten mit sinkender Sonne nach S ch i l l i g und von dort nach Wilhelmshaven zurück.

Die Fülle der Eindrücke dieser Tage war fcht überwältigend und unter ihnen spielen die nicht die geringste Rolle,' die wir m Wilhelms­haven, der Marinestadt, selbst gewinnen konnten. Der glückliche Zufall ist au preisen, der uns das PanzerschiffDeutschland im Hafen an- treffen ließ, so daß wir es unter sachkundiger Füh­rung besichtigen konnten. Ferner durften wir die Kriegsmarinewerft besuchen keiner von uns hätte solche Größe und Schönheit des Werks geahnt, zu dem sich hier Mensch und Maschine oer- einigen, um Deutschland stark zu machen. Mit Dankbarkeit und Staunen nahmen mir ferner unter ber Führung von Dr. Lüders vom Strombau- amt ber Marine Einblick in bie Tätigkeit der W as - serbauversuchsanstalt. Kein planloser, Kräfte verschwendender Kampf wirb gegen bie (Be­malten bes Meeres geführt: am Modell und nut bem Rechenschieber mirb jeber Damm unb lebe Buhne zunächst auf günstigste Wirkung von Form unb Lage geprüft, ehe an die Ausführung tm Gro- ßen, im Fahrrvasser draußen oder an der Küste ge-

spielen.

Eine ganz neue Art biologischer Arbeit erfor- berte bie Untersuchung bes Strandgutes, ußas hier an tierischem unb pflanzlichem Antreibsel unb an Resten zu finden ist, muß nicht nur ertaniu merben rnelche Fülle neuer Formen boten sich dem Binnenländer! es verrät auch seinen Werde­gang und sein Schicksal, roenn man gelernt hat,

gymnastik und Morgendad beginnende Tagesein­teilung, Anregung und Erholung tn den gemein­samen Veranstaltungen mit den übrigen Lagerkame- raden und Kursleitern. Für die Biologen stand ein Arbeitsraum zur Verfügung, das Zoologische Institut Gießen hatte die Ausrüstung mit Mikroskopen und sonstigen Instrumenten gestellt. Hier war setzt das Hauptquartier, von dem aus die mannigfachsten Unternehmungen ihren Ausgang nahmen unb zu bem mir immer mieber Zurück keh­ren konnten, um bas Erbeutete, Gesehene unb Er­lebte zu verarbeiten. Ein Tagesausflug galt bem Ueberblick über ben Aufbau der Insel und der Kenntnis ihrer geologischen Schichten, ein anderer führte nach der nördlich vorgelagerten damschen Insel Röm. Ein Besuch auf der dänischen Dogel- schutzinsel Jordsand, den die dänischen Ornitho­logen entgegenkommendermeise gestattet hatten, ver­mittelte starke Eindrücke von dem reichen Dogelleben auf dieser kleinen einsamen Hallig, die em Dvgel- märter-Robinson betreut. ..

Die reichste zoologische Ausbeute ermöglichten mehrere Fahrten auf bie 21 u ft e r n b a n f e im Snlter Wattenmeer unter ber bewahrten Führung von Detlef Dethlefs bem Letter ber Sylter Austernfischerei. DieLebensgemeinschaft Austernbank" ist für uns Zoologen em klassischer Begriff hier mar Gelegenheit Geboten, ihre Zu­sammensetzung gründlich kennenzulernen, der Lehr- buchmeisheit burch ben Augenschein Inhalt zu geben. Nicht nur um die Vermehrung unserer Formenkenntnis aber war es uns zu tun; wenn irgend möglich murden die gefangenen Tiere in ihren Lebensäußerungen tagelang in Aquarien be­obachtet. Die auf Öen Austernbanken erbeuteten Seeigel ermöglichten es, mehrmals im Laborato­rium bie künstliche 23 ef r u d) tun q bes See­igeleies durchzuführen unb im Anschluß daran bie Entmicklung über eine Reihe von Tagen zu ver- folgen ein biologischer Grundversuch, der einen unvergeßlichen Eindruck von den Vorgängen ver­mittelt, die am Beginn jedes Einzelmesens sichen und die sich bei allen Lebewesen, auch beim Men­schen, in grundsätzlich gleicher Art und Werse ab-

zum ersten Male Wirklichkeit gemoröen: Gieße- n e r Biologen konnten eine Nordseefahrt unb cmschließenb ein Ferienlager auf Sylt i burchführen. Das Unternehmen, zu bem sich bie 1 Ortsgruppe Gießen bes Deutschen Biologenverban- des, bie Biologische Fachschaft unb bas Zoologische Institut ber Universität zusammengeschlossen hatten, nahm seinen Anfang in Wilhelmshaven. Dort unterhält bie Senckenbergische Naturforschenbe Gesellschaft, Frankfurt a. M., seit einigen Jahren l eine ForschungsanstaltSenckenberg am Meer", bie : heute bereits zu einem unentbehrlichen Wissenschaft- lichen Stützpunkt für alle geworben ist, bie tm Wattenmeer geologisch, ober biologisch arbeiten wol­len. Dankbar gebenden die Gießener der groß­zügigen Unterstützung und Gastfreundschaft, die sie hier erfahren haben.

Unter der Führung des augenblicklichen Leiters von Senckenberg am Meer, Dr. Hän tz f ch e l, wurde die Lebewelt des Wattenmeeres zunächst tm Inneren des Jadebusens, in unmittelbarer Nahe von Wilhelmshaven, studiert. Bootfahrten unb Wattengänge bei Niebrigwasser fanben ihre (Ergän­zung in Vorträgen unb Vorweisungen in ben vor- trefflich ausgestatteten Arbeitsräumen ber Anstalt. Ein ganzer Tag würbe braußen auf Wangeroog verbracht, ein ftunbenlanger Marsch entlang bem fonnenflimmernben Norbstranbe vermittelte die ersten Eindrücke von freier Nordseeküste, vom Vogelleben und von dem vielfältigen hier ange- fpülten tierischen und pflanzlichen Strandgut. Abends, am Ziele, dem riesigen als Jugendherberge ausgebautenWestturm", wurden wir landsmän- nisch begrüßt: hier haust Heuer als Vogelwart Studienassessor Hellmuth Henning aus Gie- ß e n; der Gang durch das Vogelschutzgebiet, den wir noch am Abend unter seiner Führung machen konnten, vermittelte einen starken Eindruck von der oft schweren, aber auch durch Erfolg belohnten Vogelschutzarbeit: Ganze Wolken von Seevögeln erhoben sich vor unseren Tritten von den Nestern!

Von Wangeroog aus wurde am nächsten Morgen Oldoog erreicht, eine kleine, am Eingänge des Jadebusens gelegene Insel, der Mittelpunkt eines Sternes von Menschenhand errichteter Dämme, die strahlenförmig nach allen Seiten das Watt durch­ziehen. Der Kampf, den hier dieSchlengenarbeiter" gegen Strömungen, Wellenschlag und wandernde Sande der Nordsee führen, gilt der Verteidigung des lebenswichtigen Fahrwassers der Jade. Kaum jemand in Deutschland weiß etwas von der hier geleisteten entbehrungsreichen Arbeit, wenigen nur ist es vergönnt, diese ganz eigenartigeLandschaft" meilenweiter Sand- und Schlickflächen zu erleben, die zweimal täglich austauchen unb zweimal tpieber unter ben grauen Fluten der Nordsee verschwinden. Der Dank der Gießener Biologen, die hier einen ganzen Tag zubringen durften, gilt vor allem ber Reichsmarine, deren zuständige Behörde nicht, nur bie Erlaubnis zum Betreten ber Insel und ber Bauwerke gewährte, sondern auch die Fahrzeuge zu Wasser unb zuLande" zur Verfügung stellte: Auf den kilometerlangen Dämmen von Dlboog laufen Schienen, die, sobald die Flut sie fr ei gibt, von Schmalspurzügen befahren werden können. Mit einer solchenEisenbahn" gelangten wir an alle für uns wichtigen Punkte, sie führte uns recht­zeitig bei fteigenbegi Wasser zurSchlengenbude", Der auf hohen Stelzen stehenden Behausung der Schlengenarbeiter, die während bes Hochwassers unb bei Stürmen Obdach und Zuflucht bietet. Kilo­meterweite Wasserflächen trennen bei Hochwasser Oldoog vom gerade am Horizont noch sichtbaren

Ein prachtvoller Schäferhund kam schnuppernd angejagt, aber sogleich rief ihn eine Stimme zu­rück, und ein alter Mann mit gesundem, freund- sschem Gesicht näherte sich und fragte, höflich seine Mütze ziehend, ob die Herrschaften bas Schloß be- sichtigen wollten.

Ach, bas gibt es boch sicher njcht viel zu sehen! Shirley haßte es, jetzt in bämmerigen, muffigen, unbewohnten Räumen herumzugehen unb Staub zu schlucken. _

Aber Johnie witterte boch immer etwas Inter­essantes, unb bie anberen waren ebenfalls einver- stauben. ,

Es gab aber wirklich nickt viel zu sehen. Es war ber länbliche fürstliche Besitz einer begüterten Familie, unb nur einige alte Bllber unb wenige, besonbers schön erhaltene Brokate konnten das Auge bes Kenners feseln. Dann aber betragen sic den geräumigen Bibliothekssaal. Nicht alle Bücher wa­ren eingeschlossen, es standen auch einige auf ben. Regalen, und Johnie konnte es sich nicht versa­gen, sie in die Hand zu nehmen und darin zui blättern. Er stieß einen leisen Ruf des Entzückenn aus. Das Buch, das er in der Hand hielt, eine Sammlung alter Münchener Stiche, hatte er (W: seit langem gesucht.

Er wandte sich an den Kastellan: I

Würden Sie mir gestatten, daß ich mir dieses Buch genauer betrachte?"

Der Mann, den ein langes Leben Menschenken^ nis gelehrt hatte, betrachtete ihn einen AugenbÄ prüfend, dann nickte er:

Es ist eigentlich nicht erlaubt, und ich muß c- auf meine eigene Gefahr tun. Ader ich vertrau- dem Herrn, daß dem Buch kein Schaden geschieht^

Ganz gewiß nicht ich bürge mit meinen Namen. Hier ist meine Adresse, und ich will jc auch nichts anderes, als mich hier eine Weile nid derfetzen und das Buch durchsehen. Sie sehen, er ist vollkommen unbeschädigt; die einzelnen Blatte- sind nicht nur eingeheftet, sondern auch numeriert! und ich werde nachher selbst darauf bestehen, da° Sie es genau überprüfen. Ich will mir nur eint?1 wichtige Notizen machen, die für den Fortschrit meiner kunstgeschichtlichen Arbeit von Wert \W- werden."

Dann wollen wir nicht stören", sagte Gerling.

Johnie Klinke zog sich sogleich einen Stuhl zuki Fenster und vertiefte sich in das kostbare Werk. <

Die anderen gingen wieder in den Park zuri^ und spazierten langsam auf den breiten Wegen ad und ab.

Aus einer Seitenallee kam wieder der Schafe-' Hund angestürzt. Shirley Preston stieß eine-J ängstlichen Schrei aus. Sie griff dabei wie und sichtlich nach Gerlings Arm und zog ihn schn^ weiter

Bitte, bitte, kommen Sie ich fürchte mich vor Hunden!" -

Monika aber blieb stehen und hielt dem Hui» ruhig die offene Handfläche hin, die er aufmen1 sam beschnupperte, um bann mit einer zärtliche Bewegung ben mächtigen Kopf an Monikas Än* zu reiben.

Komm, bu schöner Hunb, komm nur! Wa^ einmal, vielleicht habe ich etwas Zucker bei mir."

(Fortsetzung folgt!)

gangen mirb.

Gegen Ende des Wilhelmshavener Aufenthaltes vereinigte ein kameradschaftlicher Abend die Gießener Biologen mit den Mitgliedern des Biologenverbandes in Wilhelmshaven unter der Führung von Dberftübienrat Dr. N i tz s ch k e.

Die folgenden vier Tage sahen die Exkursion auf Helgoland. Hier hatte die Biologische Anstalt einen Arbeitsraum unb alle ihre muftergulhaen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, ein reicher Ar- beitsplan würbe unter ber Leitung ihrer wissen­schaftlichen Beamten abgewickelt, von denen bie Gießener besonders Dr. Hertling zu Dank ver- pflichtet sinb. Fangfahrten in die nächste Umgebung der Insel wechselten mit Ausflügen zur Ebbezeit in das Felswatt ab, bann roieberum würben die erbeuteten Tiere und Pflanzen im Laboratorium mikroskopisch betrachtet, zergliedert, gezeichnet und photographiert und so ein Einblick erhalten in bie reiche und eigenartige Lebewelt auf dem Felssockel von Helgolanb unb in ihre Beziehungen zu ber hier gegebenen Umwelt. In bem in diesen Tagen besonbers reich besetzten Schauaquarium wurde jebe freie Minute verbracht, unb bei den abenblichen gemeinsamen Gängen auf bem Ober- lanb konnte bas Treiben der Lummen am Cum- menfelfen beobachtet werben, ber einen kleinen Ab­glanz vorn Leben norbischer Vogelinseln vermittelt. Ein Nachmittag war ber Vogelwarte geroib- met; Dr. Schilbmacher gab einen Einblick in die Tätigkeit dieser Abteilung der Biologischen An­stalt, die mit den mannigfaltigsten und modernsten Methoden an ber Aufklärung bes Vogelzuges ar­beitet, unb führte uns burch bas Museum und in ben Fanggarten, in bie berühmteSapskuhle". Ein kameradschaftlicher Biologenabend erhielt [eine besondere Note durch die Anwesenheit von Darmstädter Biologen unter der Führung von Professor L i st und vereinigte alle Hessen mit den wissenschaftlichen Beamten der Anstalt.

Von Helgoland fuhren die Gießener nach Sylt. -----. - f

JmNordseelagerKlappholttal, im Nor- ohne indes ein Wort Miteinander zu sprechen. Aus den der Insel, inmitten des Naturschutzgebietes ge- Grönland errichtete dann Oscanyan seine Station, legen, wurde die 2trbeit nunmehr in neuer Form und es dauerte nicht lange, da trat er lnenpucy fortgesetzt. Das Lager bot die straffe, mit Früh- mit derDisko" in Verbindung. Es wurden Be-

B. Kopenhagen.

Det amerikanische Radiotelegraphist Paul Os- canyan, der den amerikanisch-norwegischen Piloten Solberg auf dem Flug AmerikaNorwegen beglei­tete, ist zu Besuch in der dänischen Hauptstadt em- getroffen. Er wohnt bei feinen Schwiegereltern, unb aus bie em Anlaß wirb mieber bie schone Geschichte seiner Verlobung mit ber Dänin Astrib Funber er­zählt. Die beiben trafen sich vor mehreren Jahren auf bem bänischen Grönlanbschiff ,Disko , auf bem bie junge Kopenhagenerin als Telegraphistin arbei­tete. Der amerikanische Kollege mar Teilnehmer an derGrönlanb-Expebition Hobd". Telegraphist unb Telegraphistin sahen einanber mit Wohlgefallen,