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Ft. 215 vieüer Blatt Giehener Anzeiger lGeneral-Anzetger für Oberhejftn»
achlichkeit und Romantik an Gießener Tankstellen.
Kraftfahrer und sein Auto. — Tankftellenleiter erzählen.-Lu der Reparaturwerkstatt.
8am§tag,i4.§eptrmber 1955
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Der gleichartige, mehr oder weniger umfangreiche Betrieb an unseren Gießener Tankstellen bietet sich,
(Aufnahmen [7]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Zum Lob der Frauen aber läßt sich sagen, daß sie meist gar keine schlechte Fahrerinnen sind, daß sie es auch nicht so eilig haben wie die Männer und auch ruhig und sicher zu steuern vermögen. Ein schönes Auto und eine schöne Frau sind aber häufig nur durch den weiblichen Wunsch zur ästhetischen Harmonie miteinander verbunden, weniger durch sachliche Notwendigkeiten. Ganz abgesehen davon, daß es natürlich auch Frauen gibt, die sich im Erwerbsleben des Autos bedienen müssen.
Kraftfahrzeug - Reparaturwerkstätten gibt es in unserer Stadt ebenfalls eine stattliche Anzahl. Sie aufzuzählen erscheint an dieser Stelle wohl unnötig. Erwähnenswert ist aber, daß sich darunter Betriebe befinden, die über 20 bzw. über 40 Arbeitskräfte dauernd beschäftigen können. Auch hier fährt ein Wagen nach dem andern vor. Oft ist der Mangel in Minuten beseitigt, und der Fahrer braucht sich nicht in Ungeduld zu verzehren. Aus einem anderen Wagen aber muß vielleicht der ganze Motor herausgenommen und überholt werden. Wenn man in eine dieser Werkstätten kommt, wird man oft einen oder mehrere der Mechaniker auf dem Bauche oder auf dem Rücken liegend unter den Fahrgestellen vorfinden. Andere sind angelegentlich mit dem Motor beschäftigt. Hier hat einer zu feilen, zu prüfen und wieder zu feilen, dort ist ein anderer damit beschäftigt, auseinandergenommene und gereinigte Teile wieder zusammenzufügen. Die Tätigkeit ist ungemein vielseitig. Bei dieser Gelegenheit sei besonders erwähnt, daß der in der Reparaturwerkstätte tätige Mechaniker über ein grundsolides handwerkliches Können verfügen muß. Mit
Montage allein wäre hier nichts getan. Darüber herrschen in weiten Kreisen der Bevölkerung häufig falsche Vorstellungen. Daß in den Dienststellen großer Automobilfabriken umfangreiche Ersatzteillager unterhalten werden, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Zu den größeren Reparaturwerkstätten gehört in jedem Falle auch der Abschleppdienst. Verschie
dene Gießener Firmen sind damit ausgerüstet. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um einen stets startbereiten Spezialwagen, der mit viel Werkzeugen, insbesondere mit Hebewerkzeugen, ausgerüstet ist und mit dessen Hilfe der verunglückte Wagen von der Straße rasch zur Werkstätte gebracht werden kann.
Es versteht sich fast von selbst, daß in den modernen Kraftfahrzeug-Reparaturwerkstätten eine Arbeit geleistet wird, die in hohem Maße, wenn auch indirekt, der Verkehrssicherheit dient. Mit Hilfe von raffinierten optischen und mechanischen Prüfgeräten werden Differenzen von tausendstel Millimeter festgestellt und behoben, Betriebsstoffverbrauche geprüft und reguliert, Zündkerzen auf ihre Leistung nachgesehen und dergleichen mehr. Aber neben all den großen und zuverlässigen Hilfsmitteln, die die Technik diesem Gewerbe an die Hand gibt, bedarf es immer wieder der auch hier unersetzlichen empfindsamen, mit Fingerspitzengefühl begabten menschlichen Hand, wenn es gilt, Schäden kaum merkbarer Art zu beheben.
An Tankstellen und in vielen Werkstätten schaffen in diesem Geiste und in herzlicher Verbundenheit mit der Sache, mit oft erstaunlicher Hingabe an das Werk auch in unserer Stadt viele Hände. Manchem dieser Helfer des Autofahrers, der in schlichtem, ölbefleckten Arbeitsanzug seiner Pflicht nachgeht, ist seine Arbeit fast ein Sport. Sie alle sind auf ihre Art Helfer an der Erhaltung von Volksvermögen und somit Diener an der Volksgemeinschaft. Hinter den Hunderttausenden von Fahrzeugen, die die Straßen der Städte und die Landstraßen beleben, steht wie eine Garde das Heer der Fachleute, die ihr Teil dazu beitragen, dem Auto seine überragende Bedeutung im Verkehrswesen zu gewährleisten.
t*r Kraftfahrer, das Auto und die Tankstelle sinh ein Dreiklang der Gegenwart, eine sinn- und ^ckoerbundene Gemeinschaft, eine Verbindung roh Geist und Materie, des Lebens und der Bewe- « uri, und des Dienstes an den Menschen und an Iler Dingen. Es soll hier nicht von der Geschichte ÜierÄutos gesprochen werden, die ja viele Volks- -lenssen bewußt erlebt haben, wohl aber von den j'akn Verhältnissen zwischen Kraftfahrer und Auto, *:cn2fahrer und Tankstelle, Auto und Reparatur- refftatt usw Bei näherem Zusehen merkt, man l\s illf einmal, daß das Auto gar keine so sehr jiftiüche, oder kühl-moderne Angelegenheit ist, son- Fen ein Ding, dem man sehr wohl Empfindungen i.ni Zustände andichten kann, das seine Bedingt- j eil n und Gesetze hat, ja beseelte Materie ist. Man iiu nur einmal mit einem der Männer sprechen, Ti« m Dienste des Autos und ihrer Kunden stehen, -!ie äglich mit Fahrzeugen umgehen, die Erfahrun- । er mit dem Auto und ihren Besitzern in sich ver- iifcen und zu erzählen wissen. Aus der Wechsel- I ez hung des Menschen zum Kraftfahrzeug er» «ebln sich die verschiedenartigsten Betrachtungen.
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steckt. Und jeder Kraftfahrer, der Betriebsstoff haben will, wird mit ruhiger Selbstverständlichkeit gewandt und rasch bedient. Dabei wird von den aufmerksamen Leuten an der Tankstelle nicht nur Benzin nachgefüllt und das Geld kassiert, der Kunde soll vielmehr auch wissen, daß man sich ernsthaft um den Wagen bekümmert. Da wird rasch der Luftdruck in den Reifen geprüft und die Luft ergänzt, der Wasserstand im Kühler nachgesehen, die Schutzscheibe gereinigt und was dergleichen Aufmerksamkeiten mehr sind.
Links oben: Deien und Luftpumpen, Arbeiten für den Lehrling. — Rechts oben: An einer Gießener Tankstelle. — Mitte links: Der Abschleppdienst, eine wichtige Aufgabe der Reparatur - Werkstätten. — Mitte rechts: Ein Privatkraftwagen auf der Hebebühne. Leichtere Arbeit am Fahrgestell. — Links: Bei der Arbeit an einem schweren Lastkraftwagenmotor. — Unten links: Hier . scheint ein ganz besonders schwieriger Fall vorzuliegen. — Unten rechts: Charakteristikum der Tankstelle: Betriebsstoff-Pumpen und Delflaschen- Batterien. —
Autofahrer ist nun einmal, so hören wir i:erfl)iebene Inhaber unserer Gießener Tankstellen i.ni Reparaturwerkstätten sagen, ein Mensch von I esinderer Art. Eines der hervortretendsten Kenn- (- eiten ist es, daß er nie Zeit hat. Es eilt beis inr schlechterdings immer. Dabei ist auffällig,, las die Autofahrer, deren Wagen die höchsten Ki- I)N tergeschwindigkeiten hergeben, es am allereilig- sier haben. Es wäre vielleicht einmal eine Doktor- rrbi t, die Frage zu untersuchen, warum die Menschen r iWiTer Zeit bei allem Zeitgewinn durch die Ge- s chll ndigkeit ihrer Fahrzeuge doch immer weniger jeii haben. Wie unerträglich ist es dem Kraftfah- ier,nDenn der Wagen einmal bockt oder gar streikt, iiirni der Schaden nicht an Ort und Stelle behoben 'ritten kann, wenn gar der Wagen abgeschleppt Ott en muß und in die Reparaturwerkstatt wan- llcri Da ist es dann dem Handwerker des einschlä- L|||n Gewerbes das tägliche Bild, daß der Wagen- a (jeftier nicht von seinem Fahrzeug weicht, von einem
1 M auf den anderen tritt und drängelt. Aber riet Mechaniker darf sich dadurch nicht aus der Ruhe hlirnen lassen. Manche Autobesitzer sind miß- t|ai sch und bleiben beim Wagen, vielleicht well
j)ier nimmt die Frankfurter Straße den ersten Platz ein. Der Verkehr ist dort sehr erheblich, und es ist keine Seltenheit, daß eine der dortigen Tankstellen allein im Laufe eines Tages von etwa 120 Fahrzeugen in Anspruch genommen wird. In den Reparaturwerkstätten an den Ausfallstraßen gehen täglich oft bis zu 35 Wagen durch. Wagen um Wagen fährt vor. äetzt der rassige Sportzweisitzer, dann der schwere Lastkraftwagen, hier ein Fahrzeug älteren Datums, dicht dahinter die elegante, moderne deutsche Limousine, oder das schwere amerikanische Tourencar. Motorradfahrer schnurren heran, tanken einige Liter Benzin und brausen wieder ab. Wie oft gibt es hier schnittige Formen und feine Farben zu sehen, wie oft kann man die saubere deutsche Werkmannsarbeit bewundern, die in den Wagen
Die großen Tankstellen sind recht universell und praktisch eingerichtet. Verschiedentlich findet man die großen hydraulischen Hebegeräte für Leistungen von 3000 und mehr Kilogramm, mit denen die Wagen leicht und rasch emporgehoben und so besser behandelt werden können. Die mit der Hand betriebene Luftpumpe kennt man kaum mehr; gereinigt wird mit einem starken Wasserstrahl oder mit Del unter starkem Druck. Die Betriebsstoffmengen, die den Tankstellen zur Verfügung stehen, sind gegen Blitz- und Feuersgefahr in jeder Hinsicht gesichert in großen Tanks unter der Erdoberfläche untergebracht. Tanks von 3000 bis 5000 Liter Inhalt sind keine Seltenheit. Eine der Gießener Tankstellen hat Tanks von 15 000 Liter Fassungsvermögen zur Verfügung.
fie fürchten, er könnte zur Seite gestellt und erst s insbesondere an den größeren Tankstellen und Werkstätten, wie ein Kaleidoskop dar. Tankstellen pfle-
später repariert werden. | huhch, umc «m
Viele Fahrer haben, so hörten wir weiter, ein cm meist an den Ausfallstraßen der Stadt zu liegen, ausgesprochen feines Gefühl für den Motor,........ ~
die Funktionen der vielseitigen Mechanismen Wagens. Viele verstehen in der Tat viel von ihrem Fahrzeug, hauptsächlich dann, wenn sie es schon längere Zeit steuern. Sie können meist rasche und klare Auskunft darüber geben, was dem Wagen fehlt. Solche Leute hören, wenn sie am Steuer sitzen, wie Luchse auf die leisesten verdächtigen Geräusche des Motors. Mit solchen Kunden wird auch am liebsten gearbeitet, denn sie verlangen nichts Unmögliches. Derjenige aber, der ohne inneren Kontakt zu feiner Maschine am Steuer sitzt, meckert gerne und macht oft Schwierigkeiten, wo gar keine zu sein brauchen. Abschließend zu diesem Kapitel „Fahrer und Auto" hört man, daß ein großer Teil der Fahrer ein sehr herzliches Verhältnis zum Fahrzeug hat, das ja schließlich auch einen erheblichen Wert darstellt.
Hm! Bei den Frauen ist das etwas anders! Die meisten Frauen, die am Volant sitzen, haben nach Ansicht vieler Fachleute kein allzu großes Verständnis für das Auto an sich, verstehen nichts von der komplizierten Mechanik und — geben das unumwunden zu. Ueber jene, die es nicht zugeben, fo tun „als ob" und dabei mächtig „angeben", lächelt der Fachmann meist schon beim dritten Wort. (Selbstverständlich nur für sich und in sich hinein!)
x Neils & Kraft d)
Abschleppdienst


