Einzelbild herunterladen

Nr. 215 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Samstag, 14. September 1955

Die GA fährt nach Nürnberg.

Standartenführer Lutter prüft den Anzug der Nürnberg-Fahrer.

--

X

v X

V f

' **<*

> T äF**. x. /'<

Am gestrigen Freitag um 17.45 Uhr sind die Nürnberg-Fahrer der Gießener SA., gemeinsam mit SA.-Formationen aus der Gegend von Marburg und aus anderen Kreisen der Pro­vinz Oberhessen, in einem Sonderzug zum Reichs­parteitag abgefahren.

Am Vormittag versammelten sich die SA.-Kame­raden der Fahrtgemeinschaft auf dem SA.-Platz vor dem Standartengebäude in Gießen, wo noch ein­mal eine gründliche Nachprüfung der Uniform und der Marschausrüstung vorgenommen wurde. An­schließend vereinigten sich die Nürnberg-Fahrer zum gemeinsamen Mittagessen im Cafe Leib, wobei die herzliche Kameradschaft in der SA. wiederum ein­drucksvoll zu Tage trat. Die Stunden bis zum An­treten zur Abfahrt waren dann mit einem kamerad­schaftlichen Beisammensein ausgefüllt.

Um 16.30 Uhr traten die Fahrtteilnehmer auf dem SA.-Platz vor dem Standartengebäude in langer

Kolonne an. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Musikzugführer Herrmann erschien, und Punkt 17 Uhr nahm Standartenführer Lutter von Obersturmbannführer Bender die Meldung der Nürnberg-Fahrer der SA. der Standarte 116 ent­gegen. In Gegenwart einer großen Menschenmenge, die am Standartengebäude mit größtem Interesse den Vorgängen zuschaute, wurde dann unter den schnei­digen Marschklängen des Musikzuges der Marsch zum Bahnhof angetreten. Ueberall in den Straßen, die von den SA.-Kameraden unter dem Kommando des Standartenführers Lutter durchschritten wur­den, standen die Volksgenossen und Volksgenossin­nen in großer Zahl, um den Marschierenden ihren Gruß darzubringen. Viele herzliche Zurufe konnte inan bei dieser Gelegenheit vernehmen, in reichem Maße wurden die marschierenden SA.-Männer auch mit Blumen beschenkt. Es war ein erhebendes Bild der deutschen Volksgemeinschaft und der starken Ver-

Hinein in den Sonderzug. (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff, Gießen.)

T

---

e

'/V J F

' ><L' ....

bundenheit mit der SA. des Führers, das man auf diesem Marsche durch die Stadt wiederum bemerken konnte.

Am Bahnhof hatte mittlerweile ein kleines Vor­kommando alle Maßnahmen zur schnellen Abwick­lung des großen Transportes getroffen. Kurz vor der Ankunft der Marschkolonne hatte der Standar­tenadjutant, Obersturmbannführer M ü n k e r, sich noch einmal davon überzeugt, daß alles gut klappen würde. Und dann rückte auch schon die lange Marschkolonne heran, von einer großen Menschen­menge auf dem Bahnhofsplatz mit herzlicher Sym­pathie begrüßt. Nach kurzem Aufenthalt auf dem Bahnhofsplatz ging es hinüber zum Bahnsteig 2, der mit den Fahnen des Dritten Reichs geschmückt war. Zur gleichen Zeit rollte auch schon, von Marburg

kommend, der Sonderzug heran, dessen Lokomotive schönen Girlandenschmuck und an beiden Seiten, rechts und links von einem Hakenkreuz, die Auf­schriftEhre, Freiheit, Wehrmacht" trug. Rasch war der Zug bestiegen, die Einrichtung für die Fahrt vollzogen und sogleich dasKrätzchen" aufgesetzt. Noch einige srohgestimmte Worte mit den zur Ver­abschiedung auf dem Bahnsteig weilenden SA.-Ka­meraden und anderen Volksgenossen, einige Scherz­worte hinüber und herüber, ein letzter Händedruck und dann rollte der lange Sonderzug, der schon von Marburg her stark besetzt war, aus der Bahn­hofshalle hinaus. In Friedberg stieg die letzt« Gruppe der Nürnberg-Fahrer der SA. in den Zug ein. Dann ging's in flotter Fahrt nach Nürnberg.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oie rechte Liebe zum Leben.

Von Reinhold Braun.

Eine Frau fragte mich kürzlich, ob ich den Ver­fasser des Ausspruches kenne:Hab' dein Leben lieb; es ist der Weg Gottes mit deiner Seele!"

Ich konnte ihr den Namen des Verfassers nicht nennen. Aber der Spruch ist so schön, daß ich be­schlossen habe, ihn als Wandspruch in meinem Ar­beitszimmer aufzuhängen.

Das ist ein Wort, von dem man nicht loskommt; und je mehr man sich daran festbindet, je freier und reicher wird die Daseinsschau. Es ist, als schlösse das Wort eine Kraft ein, die zu uns herein wirkt, daß wir uns zuinnerst gesteigert fühlen.

Hab' dein Leben lieb!" Wenn dieser Satz für sich stünde, könnte man Ichsucht daraus lesen. Aber das Nachfolgende:Es ist der Weg Gottes mit deiner Seele!" hebt den Spruch in die Sphäre der hohen Liebe, die um Kampf und Wachstum und Reife weiß und die nicht anders kann, als ins All­gemeine und Ganze hinauszulieben.

Dein Leben:Der Weg Gottes mit deiner Seele!" Kann es eine höhere Lebensauffassung geben, er­füllt von Verantwortung und dem Impuls reinen Sehnens! Entwicklung am Göttlichen und aus ihm! Heiliges Wollen, immer und in jeder Lage zu versuchen, in Gottes Nähe zu bleiben und sich nicht von ihm abdrängen zu lassen durch noch so schlim­men Wogendrana und drückende Not!

Dein Leben:Der Weg Gottes mit deiner Seele!" Gewiß, es kommen Stunden, da meint man, an dem Worte irre zu werden: So nüchtern ist der Alltag, immer nur Tretmühle! Dazu zuweilen viel Bosheit um einen herum! So schwer ist alles. Ja, solche Stunden können kommen. Das unbeirrte und erkennende Herz wird nicht von heute auf mor­gen. Es kostet Umwege. Aber allmählich reift die Erkenntnis, oder es fällt uns wie Schuppen von den Augen: Auch alles Harte, Bittere im Leben hat einen Sinn. Die Hauptsache ist, daß wir ihn erfassen, und das ist, an allem, auch den heftigsten Widerständen, innerlich größer und besser zu wer­den, kraftvoller, gediegener. Aber es gehört zur Sinn-Erfassung auch noch dies: Alles daransetzen, um im Druck und Drang des Tages eine wirkliche Gottesstunde oder auch nur einen Teil von ihr zu gewinnen, um das Durchlebte, Durchlittene zu ver­arbeiten, unter das Licht des Ewigen zu halten und in die Richtung auf das Ziel zu bringen, um das man kämpft:

Um eine Stunde Frieden zu haben am Abend, gilt es zehn im Kampfe zu stehen!"

Gerade in den nachdenklichen Stunden wird einem klar, daß zur inneren Weggestaltung Hell und Dunkel, Tiefe und Höhe, Schmerzliches und Beglückendes gehören. Nur aus Spannung wird Leben. Je spannungsreicher, je mehr ist die Mög­lichkeit zu Kraft und Festigkeit gegeben. Sturm- Tannen haben das festeste Holz.

Dein Leben:Der Weg Gottes mit deiner Seele!" Das umschließt in einem den heiligen Ernst und die heilige Freude. Kann es ein besseres Wort für

den heldischen Menschen geben! Die deutsche Ge­schichte war dann immer groß, wenn die Erkennt­nis im deutschen Volke waltete: Unser Leben im einzelnen und im ganzen ist der Weg Gottes mit unserer Seele!

Ortsgruppe Gießen Süd.

Abteilung Hilfskasse.

Velr.: Bezahlung der hilfskassenbeiträge für das letzte Vierteljahr 1935.

Arn Montag, 16., und Dienstag, 17. September, in der Zeit von 20 bis 22.30 Uhr, zahlen alle An- gehörigen der SA., SS., NSKK., Reiter- und Marine-SA., die nicht Parteigenossen sind, den Hilfskassenbeitrag für das 4. Vierteljahr 1935 im RestaurantZum Tannhäuser", Frankfurter Straße 83.

Wer an diesen beiden Abenden den Beitrag nicht bezahlt, wird bei der Hilfskasse in München abge- meldet.

iRt Öicb.eutfdie.flrbcitefront

W > n.S^Oemeinfthaftfiraft durch freute"

NS.-GememschaftKraft durch Freude", Kreis Gießen.

derzug b.ekannt:

ab

an Mainz-Kastel

ab 19.12

*

Wetzlar Dutenhofen Gießen Großen-Linden Lang-Göns

Hinfahrt: 7.39 Uhr 7.55 8.17 8.29 8.36

10.15

Rückfahrt: an 20.56 Uhr 21.09 21.18 21.34 21.40

Vetr. Fahrt an den Rhein am 15. September 1935: Nachstehend geben wir den Fahrplan für den Son-

Koblenz

Das Schiff geht ab Mainz-Kastel 10.30 Uhr. Die Fahrt wird in Aßmannshausen unterbrochen. Das Mittagessen wird auf dem Dampfer eingenommen.

Orts- und Vetriebswanderwarte von Gießen, Lollar und Heuchelheim!

Am Sonntag, 22. September, findet eine Wande­rung nach dem Dünsberg statt. Treffpunkt ist in Bieber am Bahnhof. Abfahrt mit der Biebertal­bahn in Gießen ab 8,20 Uhr, Sonntagskarte.80 Mark, oder mit dem Rad 8 Uhr ab Lahnbrücke. Rucksackverpflegung. Die Wanderung geht von Bie­ber nach dem Dilnsberg, dann nach Frankenbach durch das Strupbachtal nach Bieber. Führer: Wan- derwart Paul Werner, Lollar. Meldungen über die Teilnehmerzahl bis Donnerstag, den 19. Sep­tember, auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18. Fehlanzeige erforderlich.

SportamtKraft durch Freude^.

heute folgende Kurse:

Leichtathletik: Von 17 bis 19 Uhr, für Frauen und Männer, Universitätssportplatz.

Ina Seidel.

Zum 50. Geburtstage Der Dichterin am 15. September.

Vor fünf Jahren erschienD a s W u n s ch k i n d" von Ina Seidel, ein Roman von riesigem Aus­maß und ungewöhnlichem inneren Gewicht. Der Erfolg, der ihm im Laufe der Jahre zuteil wurde, hat die Dichterin in die vorderste Reihe des deut­schen Schrifttums der Gegenwart geruckt.Das Wunschkind" ist kein Gegenwartsroman, sondern em historischer, dessen kulturgeschichtliche und menschliche Bedeutung weit über den Rahmen der in ihm be­handelten Epoche hinausgreift. Er urnfaht eine Zeitspanne von zwanzig Jahren, die Zeit von 1792 bis 1813, er umfaßt das Leben nicht nur des jun­gen Christoph Echter von Mespelbrunn, nein, das Leben überhaupt, das Leben mit all feinen Ge­walten und Mächten, seinen Höhen und Tiefen fei­nen Freuden und Leiden. Wenn irgendwo, so ist in diesem Roman das gewaltige Unternehmen gegluckt, alle die tausendfachen Beziehungen und Faden des Lebens einzufangen. Eine über die Maßen erstaun­liche dichterische Leistung! Bis zum Jahre 1912 geht die erste Idee der Entstehung des Werkes zuruck, und die seitdem von Ina Seidel gestalteten Pro­bleme sind gleichsam als dessen Vorläufer und Weg­bereiter zu betrachten.

Die Dichterin selbst bezeichnet neben demWunsch­kind" ihren 1922 erschienenen ersten RomanDas Labyrinth" als wesentlich. Die Beziehung zwi­schen beiden ist in der Tat schon äußerlich auffallend. Es ist in beiden Werken vor allem die Stadt Mainz, die eine hervorragende Rolle spielt undDas Laby­rinth" endet dort, woDas Wunschkind" anhebt, in der Revolutionszeit 1792 und 1793. AberDas Labyrinth" beschränkt sich auf die Darstellung des Lebensromans des Weltreisenden Georg Forsters, eines ungeklärten, richtungslosen, schwierigen Cha­rakters; freilich konnte an der Gestaltung dieser historischen Persönlichkeit schon damals die meister­hafte Sicherheit, mit der die Dichterin ihre Mittel handhabte, ins Auge fallen. Es konnte ihre untrüg­liche psychologische Begabung, ihre anschauliche Bildhaftigkeit, es konnte die stoffliche Dichte auf- -allen alles Eigenschaften, die sich dann im Wunschkind" so außerordentlich bewährt haben. Sehr bemerkenswert auch mochte schon damals die Art sein wie sie ihr Thema zu fassen wußte; sie scheute vor keinen Tiefen, vor keinen seelischen Schwierigkeiten zurück, und die Gestalt ^r Therese Forster, eine an Hysterie grenzende Haltlosigkeit verkörpernd, darf gleichsam dafür als Beispiel ge­

nommen werden, wie Ina Seidel schon zu Beginn ihres dichterischen Weges Macht hatte auch über die Verwirrungen und Abirrungen der Seele.

Dies hat sie dann mehrfach bestätigt. In ihrem RomanBrömfeshof" (1927) erzählt sie die Geschichte des lange nach Friedensschluß heim­kehrenden Kriegsgefangenen Conrad Brömse,den altere Stiefschwestern in den Jahren feines Per- schollenseins aus dem Erbhof verdrängt haben und ihre Ansprüche dann in einer Art von mutterrecht­lich begründeter Erdbesessenheit verteidigen". Auch

Scherl-Bildmaterndienst

die Gestalten dieser Schwestern erscheinen in meister­hafter Glaubwürdigkeit vor dem Leser.

Eine ErzählungRenee und Rainer" gab der Dichterin 1929 Gelegenheit, in klarer Linienfüh­rung und Linienverschränkung erstmals das Ver­hältnis einer Mutter zu ihrem Sohn darzustellen, den sie in Abhängigkeit von sich sieht und den sie zur Selbständigkeit erziehen möchte. Erziehungs­probleme werden hier gestreift, aber sie treten vor der Bildhaftigkeit der Gestaltung zurück. Gerade diese Tatsache'kennzeichnet auch wieder das Gesamt­wert Ina Seidels: Daß sie immer von bestimm­ten Problemstellungen ausgeht und durch die Ge­staltung selbst die Probleme zu lösen, d. h. auf­zulösen vermag in unmittelbar durch die Anschau­ung wirkende Darstellung.

Aehnliches ist auch von ihrem letzten Roman Der Weg ohne Wahl" zu sagen, der ein Geschwisterschicksal von merkwürdiger seelischer

Verflechtung zum Vorwurf hat und diese Verflech­tung in eine klar strömende Musik zu wandeln ver­mag. Wirrnisse entwirren sich, nachdem sie bis ins Letzte durchleuchtet und durchforscht wurden; es ist eine fast männliche Art, die Ina Seidel hier entwickelt, jedenfalls ist bei ihr frauliche Herzens­wärme immer mit klarer und gründlicher Verstand­desarbeit vereinigt. Sie hat nicht nur erfahren, was Leid und Dunkel find, sie hat sie auch durch­drungen, hat nach dem Sinn des Leides gefragt und ist nicht ohne Antwort geblieben. So erhiel­ten ihre Werke den köstlichen Glanz der hohen Reife und des Ernstes.

Ein unter dem TitelDichter, Volkstum und Sprache" erschienener Band von Vorträgen und Aufsätzen legt davon Zeugnis ab, daß sich die Dichterin auch Rechenschaft zu geben versuchte unter den Umfang und das Ausmaß ihres kulturellen Daseins. Sie nimmt Stellung zu zeitgenössischen Köpfen der Literatur (Ricarda Huch, Lulu von Strauß und Torney, Wilhelm von Scholz usw.), sie geht in einer neuen AbhandlungMein Erlebnis mit Adalbert Stifter" persönlichen Verwurzelun­gen nach, sie faßt noch einmal in einem Aufsatz Revolution in Mainz" zusammen, was ihr für die beiden großen RomaneDas Labyrinth" undDas Wunschkind" als historischer Hintergrund gedient hat.

Auch eine nur flüchtige Würdigung aber darf neben der Romandichterin die Lyrikerin nicht über­sehen, die durch ihre Gedichte, vor allem den zu­letzt erschienenen BandTröstliche Begeg­nung" bewiesen hat, daß sie die Nachbarschaft der bedeutendsten Dichter unserer Zeit nickt zu scheuen hat. w. K.

Oie Zähne des Prinzen von Wales.

Auch ein Thronfolger des britischen Weltreiches kann Zahnschmerzen bekommen und genötigt fein, einen Zahnarzt aufzusuchen. Dies Mißgeschick passierte Eduard, dem Prinzen von Wales, einmal während eines Aufenthaltes in Wiesbaden. Er be­gab sich also zu einem berühmten Arzt der Zahn­heilkunde. Doch vermochte auch dieser den erkrank­ten Zahn nicht zu retten, der Zahn mußte gezogen werden und leider auch die beiden benachbarten Zähne. Der Prinz von Wales schickte sich mit Fassung in das Unvermeidliche und überstand die unangenehme Operation recht gut.

Kurz nach dem Weggang des Prinzen kam ein Geschäftsmann, der in Wiesbaden einen großen Laden mit Reiseandenken besaß, zu demselben Zahn­arzt. Der Arzt erzählte dem Kaufmann von dem

prinzlichen Patienten. Der Geschäftsmann bat sich unter einem Vorwand die dem Prinzen gezogenen Zähne aus und erhielt fie auch.

Schon am nächsten Morgen prangte hinter der blitzenden Spiegelscheibe des geschäftstüchtigen Kauf­manns ganz vorn in großer Aufmachung, auf rotem Samt, alsAndenken an Wiesbaden" ein Zahn des Prinzen von Wales. Die im Kurort weilenden Amerikanerinnen drängten sich begeistert vor der Auslage, fanden die Sache äußerst smart und eine Stunde später hatte der prinzliche Zahn trotz seines hohen Preises bereits eine Liebhaberin gefunden. Bald darauf erschien im Schaufenster eines anderen Geschäftes ebenfalls einverbürgt echter Zahn des Prinzen von Wales" als Reiseandenken. Der Prinz erfuhr von der Sache, war darüber durchaus nicht entzückt und befahl einigen Herren seiner Umgebung, sofort in der Stadt Umschau zu halten und, sofern sie noch irgendwo auf ein derartigesAndenken" stoßen sollten, dieses schleunigst und ohne Aufsehen aufzukaufen. Die Herren zogen los und wenige Stunden später kamen sie wieder zusammen. Jeder brachte ein sorgsam in zartes Seidenpapier gewickel­tes Päckchen zum Vorschein, das er um teures Geld in der Stadt erstanden hatte. Als man die Päck- cken aufwickelte und den Inhalt zählte, waren es zusammen achtundvierzigverbürgt echte" Zähne des Prinzen von Wales. E. T.

Verlassene Stadt am Tanganjika-See.

Der Kommandant Nino del Grande, der jetzt von einer wissenschaftlichen Expedition zur Erforschung von Schlangengiften aus dem ostafrikanischen Hinterlande nach Nairobi zurückgekehrt ist, berichtet, am Ufer des Tanganjikasees die Reste einer aus- gestorbenen größeren Stadt entdeckt zu haben, die vor etwa fünf Jahrhunderten geblüht haben muß, von einer in diesem Gebiete beachtenswerten hohen Stufe der Zivilisation und Baukunst zeugt und deren ursprünglichen Einwohner wahrscheinlich die Vorväter des Wamburustammes sind, der heute in etwa achtzig Kilometer Entfernung von dieser alten Stadt wohnt. Die Stadt hat eine Länge von sieben und eine Breite von zweiundeinhalb Kilo­metern, ist von einer kunstvoll geschichteten Stadt mauer umgeben und enthalt mehr als 4000 stei­nerne Häuser mit je drei bis vier Stuben und Mauern von der Dicke eines Meters. In einem Tale in der Nähe konnte Nino del Grande auch den Begräbnisplatz der Stadt ausfindig machen, dessen Gräber mit richtigen Grabsteinen, allerdings ohne Aufschrift, geschmückt sind.