ttr.188 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Mittwoch, (4. August 1935
38,2 Millimeter Regen in 24 Stunden.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Faltboote im Wafferrettungswesen.
Das Faltboot und das Rettungswesen sind nach Ansicht der meisten Menschen zwei Dinge, die keinen Zusammenhang haben. Man wird im allgemeinen nur selten von der Rettung eines Ertrinkenden mit dem Faltboot hören. Und doch hat die Praxis bewiesen, daß das Faltboot sowohl für den Rettungsdienst, wie auch für die Einzelrettung geeignet ist.
Bei der Hilfeleistung bei Ertrinkenden mit dem Faltboot wird man nicht einfach die Vorschriften für die Rettung durch die gewöhnlichen Wasserfahrzeuge übertragen können. Das Faltboot erfordert ganz besondere Dorsichts- und Verhaltungsmah- nahmen. Richt jedes Faltboot wird in gleicher Weise für die Aufgabe der Wasserrettung geeignet sein. Ob das Faltboot zur Rettung geeignet ist, entscheidet hauptsächlich die Breite, d. h. die Kentereigenschaften des Bootes. Wanderboote, die durchschnittlich eine Breite von etwa 90 Zentimeter haben, sind für das Rettungswesen geeignet; dagegen dürften Sport- und auch Rennfaltboote mit einer Breite von unter 50 Zentimeter nur in äußersten Fällen zu Rettungszwecken verwendbar sein. Die Verwendung von Faltbooten im Wasserrettungswesen eröffnet neue Wege zur Bekämpfung des nassen Todes. Das Faltboot befährt auch Gewässer, die von keinem festen Boot befahren, die jedoch sehr fleißig von Badenden benutzt werden, und es hat dadurch öfter die Aufgabe, Ertrinkenden Hilfe zu leisten. Das Faltboot dürfte auch bei der Aufstellung von gut durchorganisierten Rettungswachdiensten gute Verwendung finden.
Die erste Grundbedingung für jeden Faltbootfahrer, der einem Ertrinkenden Hilfe leisten will, ist Bewahrung eiserner Ruhe und schnelle Entschlußkraft. Die Geistesgegenwart wird erst das glückliche Gelingen einer Rettung ermöglichen. In den meisten Fällen wird das Faltboot nur dazu dienen, den Retter schnell und ohne Kraftanstrengung an die Stelle des Unglücksfalls zu bringen. Dort wird dann der Retter das Boot verlassen und den Verunglückten durch Schwimmen retten müssen. Aus diesem Grunde ist es auch wünschenswert, daß jeder Faltbootfahrer nicht nur ein Schwimmer, sondern auch Retter sein soll. Der Grundschein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft müßte die niedrigste Prüfung im Rettungsschwimmen jedes Faltbootfahrers sein.
Wird bei breiten Faltbooten oder auch bei sonstigen Umständen dem Ertrinkenden Hilfe mit dem Boot geleistet, so muß vorerst darauf geachtet werden, daß der Ertrinkende keine Gelegenheit hat, sich an einer Breitseite an das Boot zu klammern. Vorteilhaft ist es, Faltboote mit einem kleinen Rettungsring, Luftkissen oder einem sonstigen Gegenstand auszurüsten, die einen Ertrinkenden leicht über Wasser halten können. Im Notfall wird auch eine Leine oft den Zweck erfüllen müssen. Man werfe Luftring oder -kiffen, die an einer Leine an dem Boot befestigt sind, dem Ertrinkenden zu. Sobald er sich daran angeklammert hat, versucht man, auf dem kürzesten und schnellsten Wege das Ufer zu erreichen. Hat man keinen Gegenstand zum Zuwerfen bei der Hand oder ist ein schnelles Anlandkommen nicht möglich, so kann man den Versuch machen, mit dem Bug oder Heck des Faltbootes in die Reichweite des Verunglückten zu gelangen, damit er sich daran festhalten und dann so ans Ufer gebracht werden kann.
Wie schon erwähnt, wird in den meisten Fällen nur ein Hineinspringen ins Wasser und dann die Rettung durch Schwimmen möglich sein. Beim Hineinspringen ins Wasser müssen die Hände aufgestützt und vorsichtig eine Flanke ins Wasser gemacht werden. Ist das Boot nur einsitzig, so muh man es treiben lassen und erst später ans Ufer holen. Beim Zweisitzer übernimmt der im Boot Sitzengebliebene die Fürsorge für das Boot und kann außerdem noch durch Zuwerfen von Leinen oder Zureichen eines Paddels oder durch Heranfahren mit dem Bug oder Heck den Retter unterstützen.
Ob das Hereinheben des Verunglückten über den
Im Laufe des gestrigen Nachmittags, etwa von 16 Uhr ab, setzte erneut Regenfall ein, der seitdem, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zwischen 20 und 21 Uhr, während der ganzen Nacht andauerte und zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen, gegen 9 Uhr heute früh, noch im Gange ist. Der durchweichende Regen hat dem stark ausgetrockneten Boden eine sehr beachtenswerte Menge Feuchtigkeit gebracht, die u. a. an dem von gestern bis heute früh ganz ansehnlich gestiegenen Wasserstand der Wieseck zu ^kennen ist.
Die Wetterstelle Gießen des Reichsamtes für Wetterdienst gab uns heute vormittag auf Anfrage die nachstehend verzeichneten Niederschlagsmengen an:
Vom Chemischen Untersuchungsamt der Provinz Oberhessen wird uns geschrieben:
Es erscheint angebracht, daß jeder Käufer, besonders bei dem starken Verbrauch während der heißen Sommermonate, darüber unterrichtet ist, welche Sorten Speiseeis hergestellt und feilgehalten werden. Denn es hat jeder Käufer ein Reckt darauf, zu wissen, wie die einzelnen Speiseeissorten zusammengesetzt sind und welchen Nähr- und Genußwert sie haben.
Seit dem Jahre 1933 ist eine Verordnung über Speiseeis in Kraft, die sehr genaue Bestimmungen über Zusammensetzung und Bezeichnung von Speiseeis enthält, die aber nicht weniger als sieben Sorten Speiseeis kennt:
1. Kremeis,
2. Fruchteis,
3. Rahm- oder Sahneeis,
4. Milchspeiseeis,
5. Eiskrem,
6. Einfach Eiskrem,
7. Kunstspeiseeis.
Don diesen sieben Sorten'sind in hiesiger Gegend vier am häufigsten im Handel anzutreffen, nämlich Kremeis, Fruchteis, Milchspeiseeis und Kunstspeiseeis. Deshalb sollen auch nur diese vier Sorten näher beschrieben werden.
1. Kremeis.
Dieses wird meistens in Hotels, Cafös und Konditoreien als Konditoreieis angeboten unter der Bezeichnung Vanilleeis, Schokoladeeis, Nußeis usw. Für diese Kremeissorten müssen auf ein Liter Vollmilch mindestens sechs Eier verwendet werden. Bezüglich ihres Nährwertes nehmen so hergestellte Eissorten die erste Stelle ein, sie sind auch entsprechend teurer.
Eine künstliche Färbung, die einen nicht vorhande- denen Eigehalt vortäuscht, ist verboten.
2. Fruchteis.
Dieses findet sich als Zitroneneis, Erdbeereis, Himbeereis usw. im Verkehr und muß 20 Prozent Obstbestandteile enthalten.
Ein Zusatz von Milch oder Eiern wird gesetzlich nicht verlangt, gibt jedoch dem Eis einen höheren Nährwert.
3. Milchspeiseeis.
Dieses Eis enthält als Hauptbestandteil Vollmilch.
Bug oder über das Heck in das Boot in der Praxis möglich ist, bleibt vorläufig abzuwarten. Ebenso wird erst die Praxis zu beweisen haben, ob das Hereinheben eines Verunglückten bei zwei neben» einanderliegenden Faltbooten, die durch Paddeln, Masten oder Stangen gegen das Kentern gesichert sind, durchführbar ist. Bei Uebungsversuchen wurde dieses Verfahren mit Erfolg durchgeführt. Den Leitsatz: „Jeder Faltbootfahrer ein Schwimmer und jeder Faltbootfahrer ein Retter!" muß der Faltbootfahrer beherzigen _____________P- W.
Dienstag von 7.25 bis 14.25 Uhr: 3,2 Millimeter, von 14.25 bis 21.25 Uhr: 16,7 Millimeter, von 21.25 bis Mittwoch 7.25 Uhr: 18,3 Millimeter, insgesamt also innerhalb von 24 Stunden 38,2 Millimeter Regen. Eine ähnlich hohe Niederschlagsmenge hatten wir am 28. Juni 1935 mit 34,7 Millimeter zu verzeichnen (Gewitterregen), dann ist rückschauend auf den 8. Juli 1926 mit 73,8 Millimeter Niederschlagshöhe zu verweisen.
Diese anhaltenden Niederschläge sind im Hinblick auf unsere Kartoffelversorgung und das Wachstum der nicht minder wichtigen Rüben sehr zu begrüßen.
Ein Zusatz von Eiern ist gesetzlich nicht erforderlich, so daß Milchspeiseeis im allgemeinen nicht den Nähr- und Genußwert der Kremeissorten erreicht.
Eine künstliche Färbung ist jedoch, wie bei Kremeis, verboten.
4. Kunstspeiseeis.
Diese Sorte soll die Möglichkeit geben, ein billiges Eis herzustellen. Und so sind auch nicht nur künstliche Farbstoffe, sondern auch künstliche Aromastoffe zugelassen.
Die Verwendung von Milch und Eiern wird gesetzlich nicht verlangt, so daß in den meisten Fällen dem Käufer ein Kunstprodukt aus Wasser, Zucker, künstlichem Aromastofj und etwas Farbe verabfolgt wird.
Entsprechend dem billigen Preis und der Zusammensetzung ist der Nährwert von so hergestell- tem Kunstspeiseeis auch nur gering.
Ausammensassend
kann gesagt werden, daß im allgemeinen die Kremeissorten bezüglich Nährwert und Preis an der Spitze stehen. Den mittleren Platz nimmt das Milchspeiseeis ein, während das Kunstspeiseeis die billigste Sorte mit dem geringsten Nähr- und Genußwert zu sein pflegt.
Das Gesetz stellt also für jede Art von Speiseeis bestimmte Mindestanforderungen, verlangt aber auch, daß jede Eissorte genau nach ihrer Herstellung und Art äußerlich gekennzeichnet wird, z. B. Vanilleeis, Schokoladeeis, Erdbeereis, Milchspeiseeis, Kunstspeiseeis. Eine einfache Bezeichnung „Eis" oder „Gefrorenes" deutet auf ein hochwertiges Erzeugnis der Kremeissorten hin und läßt den Käufer auch ein solches erwarten.
Die Verordnung über Speiseeis enthält noch eine ganze Reihe von Bestimmungen spezieller Art. So wird z. B. verlangt, daß nur abgekochte Milch zur Herstellung von Speiseeis verwendet werden darf. Sämtliche Bestimmungen hier aufführen zu wollen, würde den Rahmen dieser Zeilen überschreiten und auch nicht das Interesse der Allgemeinheit finden. Es soll hier nur darauf ankommen, den Konsumenten von Speiseeis in aller Kürze aufzuklären und ihm eine Möglichkeit zu bieten, falschbezeichnetes Eis zurückzuweisen und sich so vor Schaden zu bewahren, zumal heute noch eine große Anzahl Speiseeis nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht.
Rechtzeitig Karten für den „Fliegenden Frankfurter" bestellen. LPD. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt mit: Die Anmeldungen zu Fahrten mit dem „Fliegenden Frankfurter" der Reichsbahn nach Berlin und zurück laufen so zahlreich beim Mitteleuropäischen Reisebüro im Frankfurter Hauptbahnhof ein, daß empfohlen roirt), die Voranmeldungen für diese Fahrten so früh wie möglich zu tätigen. Die
regelmäßigen Fahrten des „Fliegenden Frankfurter" werden am 15. August aufgenommen.
CRubolf Hille.
Oer neue Spieltenor des Stadttheaiers für Oper und Operette.
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„Mein ,Jall war stärker als der Eltern »Nein!*. Beginnen wir sogleich dort, wo es Sie interessieren wird. Denn was vor diesem Stimmentscheid liegt, ist wie bei fast allen Menschen — alltäglich. Nach vollendeter Ausbildung am Wiener Konservatorium wurde ich als lyrischer Tenor verschickt: Mährisch Ostrau, Linz a. d. Donau, Bern, Wien, Schönbrunner Schlohtheater. Dann wurde Reiselust und Wandertrieb in mir übermächtig und ich pilgerte gen Amerika, in ein anderes Land. Erst ans Deutsche Theater nach Neuyork und dann ans Deutsche Theater nach Chikago. Aber dann hielt's mich dort auch nicht mehr und ich machte als lyrischer Tenor und Tenorbuffo eine Operntournee mit, die mich durch ganz Mittel-, Nord- und Westamerika führte. Heimweh nach Europa brachte mich 1932 zurück und ich fand Engagement am Salzburger Stadttheater. Letzte Spielzeit war ich als Gast am Volkstheater München tätig und habe außerdem in Frankreich und in der Schweiz oft gastiert. Nebenher konnte ich des öfteren am Rundfunk München fingen. Also immer auf Tournee, immer guter Dinge, immer bereit für die Kunst. Mit diesem Wahlspruch fteure ich guter Hoffnung Gießen an. Ein kräftiges toi-toi-toi der kommenden Spielzeit."
Eine Ausstellung von 15 Kilometer.
Am 24. August öffnen sich die Tore der großen Ausstellung „Die Rhein-Mainifche Wirtschaft" auf dem Festhallengelände zu Frankfurt a. M., die ein ausgezeichnetes Bild der Rhein-Mainifchen Wirtschaft vermittelt. Wenn man die Ausstellung durchwandert und jeden Stand besichtigt, so hat man einen Marsch von 15 Kilometer hinter sich. Rucksackverpflegung ist aber nicht notwendig, da überall im Gelände preiswerte Erfrischungsmöglichkeiten vorhanden sind.
463 D
Seltersweg 67 Telephon 3170
Wieviel (Sorten Speise-Eis gibt es?
Radio
uhl
(Sin kleiner Pechvogel.
Don Christian Munt.
Man geht aus dem Dorf an der Pferdeweide vorbei, dort wo der Tümpel ist, in dem die kleinen Dorfjungen Feuersalamander fangen oder Kaulquappen.
Etwas weiter sieht man schon die Mäher bei der Arbeit.
Als wir an einen Kreuzweg kommen, sehen wir ein niedliches Bild. Mitten im Weizen steht ein kleines Mädchen, scharrt mit seinen nackten Füßen im Staub und sucht anscheinend etwas. Sie trägt knallrote Schleifen an ihren gelben Stoppelzöpfen. In der Hand hält sie ängstlich einen Tonkrug gefüllt mit Brombeeren. Da steht die kleine Person mutterseelenallein auf dem Feldweg und späht auf den Boden.
Sucht sie eine verlorene Beere oder ärgert sie etwa Ameisen, die ihr in den Weg geraten sind? Wir beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen und gehen auf sie zu.
„Guten Tag, mein Fräulein", fangen wir unsere Unterhaltung an. „Suchen Sie vielleicht etwas?" Ein Blick auf den Boden belehrt uns rasch, daß keine einzige Ameise weit und breit zu sehen ist. Aber ein weiterer Blick in das Gesicht des Mädchens belehrt uns gleichzeitig, daß ihr Kummer sehr groß sein muß. Denn schon beginnt sie zu meinen. Dicke Tränen rollen aus ihren Augen. Es muß etwas Entsetzliches passiert sein. Was ist denn los?
Wir sind uns einig, daß wir dem kleinen Pechvogel helfen wollen, und fragen sie nach dem Grunde ihres Kummers. Unter vielen Schluchzern und Tränen erfahren wir endlich, daß fie etwas verloren hat, und daß Mutti sehr schimpfen wird, aber sehr.
Die Lage wird ernst. Mutti wird schimpfen? Das ist doch allerhand. Wir werden mächtig aufgeregt und bestürmen das Fräulein mit unserer Teilnahme und mit Fragen. Was ist denn um Himmels willen verloren? Eine Mark. Was bitte? Eine Mark, huhu.
„Wo hast du sie denn verloren?" — Hier. — Also hier."
Nun beginnen mir zu suchen. Wir kriechen auf dem Feldweg herum und menden jedes Wegerichblatt und jeden Grashalm um. Es ist eine entsetzliche Hitze. Kätchen hilft uns suchen. Sie zeigt nach rechts, dort muß die Mark liegen, mir suchen rechts. Dann zeigt fie nach links, nein, dort müsse sie sein. Wir suchen links. Meine Frau mird leicht ungedul- big, als mir nach langem Suchen mit krebsroten
Köpfen uns mieber aufrichten. Die Mark hat boch keine Beine, fie muß doch hier liegen. Ein Brot und ein Paket Kerzen sollte Kätchen kaufen —, bas arme Kätchen.
Meine Frau übernimmt jetzt das Kommando. Sie befiehlt, daß mir uns alle drei nebeneinander aufstellen, ausschmärmen und planmäßig den Weg ad- suchen. Meine Frau ist sehr energisch, aber die Suche verläuft durchaus ergebnislos. Keine angenehme Ueberrafchung, besonders, roenn im Dorf das Mittagessen auf einen märtet. Die Kirchenglocke hat schon eins geschlagen.
Schließlich geben mir die Suche auf. Ob denn die Mark nicht wo anders liegen könne? — Doch, das märe möglich.
Ich mundere mich, mie freundlich meine Frau fein kann. Wo Kätchen denn die Mark zuletzt gesehen habe? — An den Brombeeren, erinnert sie sich. — So, so, an den Brombeeren. — Mir mird schwach, ich sehe im Geiste, mie mir in der Mittagshitze dornenzerkratzt in den Brombeeren herumkriechen!
Aber meine Frau ist klug. „Wo mar sie denn die Mark?"
Kätchen überlegt angestrengt, ihr sommersprossiges Näschen zieht sie kraus, aber es fällt ihn nicht ein. — Ob sie die Mark im linken Händchen getragen habe oder im rechten, he? — Kätchen blickt träumerisch auf ihre kleinen braunen Fäuste, dann starrt sie uns ratlos an und sagt: nein.
Meine Frau ist gar nicht so klug, stelle ich zu meiner Vermunderung fest, mie? Aber sie hat Geduld mit dem Kind. Sie nimmt den Brombeernapf stellt ihn auf den Boden, ergreift Kätchens linke Hand und fragt: „War fie hier, Kätchen?" — „Nein", antmortet Kätchen.
Meine Frau ergreift Kätchens andere Hand und fragt: „War die Mark in dieser Hand, Kätchen?" — Kätchen blickt versonnen auf die Hand und bann heiter auf meine Frau und jagt: „Nein". Meine Frau hat es aufgegeben. Ich aber beuge mich zu ihr und frage fie eindringlich, mo denn diese böse Mark gesteckt habe.
Kätchens Gesicht erhellt sich plötzlich und sie zeigt auf den Brombeernapf. Ein Gedanke durchzuckt mich, ha! 3d) breite mein Taschentuch aus, schütte bie Brombeeren aus und richtig: Auf dem Boden des Napfes liegt die Mark!
„Da hätte man aber lange suchen können!"
Kätchen ist glücklich, sie lacht über ihr ganzes Kindergesicht, nimmt Napf und Mark und trollt sich und verschwindet eilig im Weizen. Ich aber spreche sanft zu meiner Frau, mie man mit Ueberkgung bas Schicksal zu meistern imstande sei. Ja, ich plu
stere mich etrnas auf und mache mich kostbar vor ihr.
Aber als mir schon beim Mittagessen sitzen, fragt sie mich spitz, rnas ich denn getan hätte, roenn in dem Napf keine Brombeeren gewesen wären, sondern Marmelade?
Ich muß gestehen, daß ich etwas verdutzt war und von etwas anderem sprach ...
Eine Stadt ohne tödlichen Autounfall.
Auch in England wird über das Anschwellen der tödlich verlaufenen Autounfälle in den letzten Jahren lebhaft Klage geführt, und das Verkehrsministerium erprobt feit langem die verschiedenartigsten Abwehrmittel, um der durch den Kraftwagenverkehr verursachten lebensgefährlichen Verkehrsunsicherheit zu steuern. Mit um so größerem Interesse ist im ganzen Land die Nachricht aufgenommen worden, daß die Stadt Sunderland, eine Großstadt von zweihunderttausend Einwohnern, während des vergangenen 'Jahres nicht einen einzigen tödlichen Autounfall zu verzeichnen hatte. Der englische Verkehrsminister hat den Bürgermeister von Sunderland, wie in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, in einem Schreiben gebeten, ihm über bie Methoden Auskunft zu geben, denen dieses erfreuliche Ergebnis zugeschrieben werden kann. Die Maßnahmen bestanden in einer Vermehrung der Verkehrs- p o st e n und in einer Herabsetzung der G e - schwindigkeiten im Ortsverkehr, vor allem aber in einer umsichtig geleiteten Propaganda, die sich besonders auf die Heranwachsende Jugend erstreckte. An die Schulkinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren wurden von den Beamten der Polizei mehr als dreißigtausend Flugzettel mit leicht verständlichem Text und anschaulichen Bildern verteilt. Die Verkehrserziehung der Erwachsenen erfolgte in erster Linie durch Lichtbilder und Aufklärungsfilme, die in Theatern der Stadt während der Pausen gezeigt wurden. Den Autofahrern selber klebte man auf die Windschutzscheibe ihrer Wagen Zettel mit „Zehn Geboten", in denen die wichtigsten Verhaltungsmaßregeln zusammengefaßt waren. Ausgezeichnete Erfahrungen hat man in Sunderland mit den „Sicherheitswochen" gemacht, die mehrfach im Jahre veranstaltet worden find. Während dieser Zeit erteilte bie Polizei den Jugendlichen an den Straßenkreuzungen praktischen Unterricht. — Jeder, der von einem Autounfall betroffen worden war, bekam eine Reihe von Aufklärungsschriften ins Haus geschickt. Der Bürger-
meister von Sunderland hofft, den begrüßenswerten Rekord in der Verkehrssicherheit auch im nächsten Jahr halten zu können.
Zeitschriften.
— „Die Kun ft", Monatshefte für Malerei, Plastik und Wohnkultur (Verlag Bruckmann, München) bringt in ihrem Augustheft eine Fülle köstlichen Bildmaterials und wertvoller Aufsätze, so u. a. eine Abhandlung von Ulrich Christoffel „lieber die Große Münchener Kunstausstellung 1935" mit vielen hervorragenden Bildwiedergaben. „Persönliche Erinnerungen an Paul Cszanne" geben einen interessanten Einblick in die Wesensart dieses großen Meisters. Verkäufe aus großen amerikanischen Privatsammlungen sind der Anlaß zu einer Betrachtung von Professor Dr. Hans Tietze über „Amerikanisches Kunstjammeln von heute". Hier werden die Umstände klargelegt, welche zu einer bemerkenswerten Umformung des amerikanischen Kunstsammelns führen. „Die Wandgemälde der deutschen Romantiker im Casino Massimo zu Rom" machen den Leser mit wertvollen Hinterlassenschaften deutscher Künstler bekannt. Schöne Brunnenbilder enthält die Veröffentlichung „Brunnen an Hamburger Staatsbauten" von dem Leiter des Hamburger Bauwesens Fritz Schumacher. Der zweite Teil, der die moderne Wohnkultur behandelt, bringt eine Reihe schöner Aufnahmen der Innenarchitektur des Dampfers „Scharnhorst" des Norddeutschen Lloyd mit Erläuterungen von Gerhard Ludwig Milau. Neben Abbildungen moderner Landhäuser und schöner Entwürfe der Metallwerkstätte der Schule Reimann, Berlin, findet der Leser in den Aussätzen „Möbel und Wohnraum" von Hans Eckstein und „Die Gestaltung kleiner Gärten" von Hans Beckstein viel- fache praktische Anregungen. Wie der künstlerische Gedanke auch dem Alleinstehenden ein Helfer und guter Freund sein will, zeigt der Aussatz „Behagen im Junggesellenheim" mit Entwürfen von Leonie Pilewski, Wien.
Hochschulnachrichien
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, ist der ordentliche Professor Dr. Erich Schwinge in Halle a. d. S. in gleicher Eigenschaft in die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Marburg berufen worden. Der Dozent Dr. med. Emil Lehnarzt ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität zu Frankfurt a. M. ernannt worden.


