Nr. >88 Zweiter Blatt
Lietzener Anzeiger tSenerai-Anzetger für fflbctticficn)
Mittwoch, >4. »ngnft >955
Aus dem Reiche der Krau.
Mütter, die fingen...
Von Elfriede Bast.
„Wer die Welt am Stab durchmessen, wenn der Weg in Blüten stand..der hat nicht nur Berge und Täler, Wälder und Felder, Dörfer und Städte durchwandert, der hat auch Menschen darinnen gefunden, wie wir sie nicht alle Tage sehen.
So sah ich vor wenigen Tagen eine Mutter mit ihren drei Kleinen, das Jüngste an der einen, die beiden Aelteren an der andern Hand, singend durch die Felder gehn! Ich hielt auf einem Baumstumpf Rast, ihren Blicken durch einen Strauch verborgen. Da hätte ich Maler sein mögen, um das schöne Bild auf der Leinwand festzuhalten; doch nur ein Meister hätte dieses vermocht.
Im Arbeitskleid, mit gestreifter Schürze und leuchtend-buntem, nach hinten gerutschtem Kopftuch, so daß das dunkelblonde Haar sichtbar war, mit geröteten Wangen und leuchtenden Augen, so schritt die Frau dahin, das Kleinste ein wenig nach sich ziehend. Die beiden älteren Kinder, mit Korb und Vesperkanne versehen, bemühten sich, tapfer mit der Mutter Schritt zu halten, dem Takt des Liedes folgend. Hell mischten sich ihre frohen Kinderstimmen mit dem reinen Ton der Frauenstimme, und auch das Allerkleinste versuchte, sein Stimmchen zu erheben. Es glitt manchesmal dabei aus in eine Terz oder Quart tiefer, doch das tat der Singe- freudigkeit keinen Abbruch! „Die singen oft, wenn sie zum Felde gehest", dachte ich — und blickte chnen lange, lange nach, denn es lag ein Leuchten auf dem Weg, den sie gegangen...
„Mütter, die singen..ging es mir immerfort durch den Sinn, und ich mußte an viele denken, die das Singen verlernt haben! Verlernt haben? Ja, viele, denen das Leid die Kehle zugeschnürt, daß kein Ton mehr hindurchmochte: doch auch viele, die es nie mehr aeübt haben und noch mehrere, die es nicht der Mühe wert hielten, sich damit zu brassen und es anderen überließen, mit ihren Kindern zu singen. Ist eine singende Mutter eine so eltene Erscheinung geworden, daß sie einen so tiefen, nachhaltigen Eindruck auf einen macht? Leider ja, immer noch — auch in der heutigen Zeit noch, in der man wieder bemüht ist, die Mutter dem Innerlichen des Lebens zuzuführen! Es gibt auch heute noch Gegenden in Deutschlands schönsten Gauen, wo man sich verängstigt umsieht, ob man nicht als „zu laut auffällt", wenn einmal das Herz mit einem durchgeht und sich im Liede Bahn bricht!
Dort, wo eine Mutter nicht mehr singen kann oder mit ihren Kindern nicht mehr singt, stimmt etwas nicht in ihrem Leben! Wie ist es, wenn ihr mechanisch und vergrübelt euren häuslichen Obliegenheiten nachgeht und plötzlich findet ein euch wohlbekanntes Volkslied den Weg zum Herzen? Erft hört ihr zu — und aus dem Hören wird ein leises Mitsummen und daraus erwächst ein Mitsingen, dos euch leicht und froh das Herz befreit! Das ist wie ein Sonnenschein, der den Tag überflutet und alle guten Geister sind mit dem Liede eingezogen und Damit die Freude, die mit neuerstandenen Kräften die trüben Gedanken erwürgen und hinauswerfen, die sich in dunklen, unbeobachteten Stunden eingeschlichen haben! Ganze Wolkenmassen scheucht das Singen vor der Sonne fort! Und damit hat die Freude am einfachen „Da-sein" Einzug gehalten und mit ihr ist die Erkenntnis des herrlichen „Mutter-sein-dürfens" neu erstanden, um derentwillen es sich allein schon lohnt, zu leben.
In jeder Frau lebt die echte Freude am Gesang und es ist nicht schwer, sie xu erwecken und zu fördern. Keine Zeit war wie die heutige dazu angetan, das Singen in der Familie, in Heimat und Vaterland zu fördern! Gelegenheiten werden unzählige dazu geboten — aber auch keine Zeit war wie die heutige dazu geeignet, aus den wirtschaftlich und wissenschaftlich geschulten Müttern auch singende Mütter zu machen! Ihr vergebt eurer Würde nichts, ihr lieben Mütter, wenn ihr mit euren Kindern singt und spielt und die heiteren Stunden ihrer Kindheit teilt. Sie werdens euch danken, denn im ganzen Leben werden sie voll Innigkeit der frohen Mutter und des lustigen Vaters gedenken, die mit ihnen singen konnten und sich ein junges, lachendes Herz bewahrt haben! Von den Kinderliedern, denen die Kinderreime und Spiele folgen, geht es aufwärts zum Volkslied und von da zum Volkstanz und zum Brauchtum, welches der heimische Gau umschließt. Kein krampfhaftes Suchen nach geeigneten Liedern darf die Familie mehr hemmen, die auf Spaziergängen und in froher Runde im Gesang Erholung und Ent- fpannung sucht. Die singende Mutter muß wieder die Quelle dieses Volksgutes werden. Dort, wo die Mütter ihren reichen Schatz an Kinderliedern, Reimen und Märchen aus ihrer eigenen Kindheit weitergeben, leaen sie den Grundstein zu inniger Familienverbundenheit. Singende Mütter, die sind es, die uns wieder nottun — und sie sollten in jeder Mütter-Schulung dazu geschult werden, denn sie sind ein wertvolles Gut für bte Zukunft unseres Volkes!
Der „Rasch-Groschen"
Ich glaube, älle Mütter haben das schon erlebt, und immer wieder ist es in der Kinderstube zum Problem geworden: der Groschen für das Zuckerwerk! Vielleicht erinnern wir uns selbst an unsere Jugend, wie wir mit sehnsüchtigen Blicken vor dem Sützigkeitenladen standen und die Herrlichkeiten betrachteten. Roch heute können wir nicht begreifen, wie uns der süße „Pfefferminzbruch" oder die Bruchschokolade so gut geschmeckt haben können, daß wir dachten, es hinge die Seligkeit davon ab.
Aber Kinder haben ein unerhörtes Bedürfnis nach Süßigkeiten. Der kindliche Körper braucht zum Aufbau Zucker, viel mehr Zucker als der Erwachsene. Deshalb ist eine spartanische Erziehung, die dem Kind alle Süßigkeiten versagt, nicht angebracht, und die Gier nach den verbotenen Dingen wird immer größer. Trotzdem soll man gerade in bezug auf den „Rasch-Groschen" die gute Mittelstraße einhalten.
Besonders Schulkinder haben oft die Angewohnheit, wenn sie aus der Schule kommen, kurz vor dem Mittagessen sich den Magen mit billigen Süßigkeiten vollzustopfen. Daß dann das Mittag- essen nicht schmeckt, ist ju selbstverständlich. Hier handelt es sich nur um eine dumme Angewohnheit, mit Strenge und Disziplin wird Abhilfe geschaffen.
Das intereffiert die Hausfrau!
Helle Sommerkleidung bedarf besonderer Pflege.
Helle Sommerkleidung ist empfindlich, und nur bei größter Pflege können die einzelnen Bekleidungsdetails während der ganzen warmen Jahreszeit ansehnlich bleiben. Die großen Frauenhüte zum Beispiel bedürfen nach jedem Ablegen pfleglicher Behandlung. Der Hutkopf wird mit Seidenpapier ausgestopft und muß mit der Oeffnung nach oben liegen. Rur auf diese Weise bleibt der Hut vor dem Verbiegen bewahrt. Batist-, Seiden- und auch weiße Strohhüte müssen nach dem Nachhause- kommen sogleich entstaubt werden, da sich der Schmutz sonst einfrißt. Bleiben trotzdem Schmutzstellen sichtbar, so entfernt man sie mit weichem Radiergummi oder einer nicht zu frischen Brotkrume. Derbere weiße Strohhüte lassen sich mit lauwarmem Wasser, in dem geringe Mengen von Kleesalz und Schwefelblüte aufgelost wurden, reinigen.
Weiße Pelzkragen an Sommermänteln nehmen ganz besonders an Halsausschnitt Schmutz an. Man behandelt sie mit Magnesiapulver. Das Pulver wird auf die betreffende Stelle gestreut, leicht verrieben und dann durch Schwenken entfernt.
Die weißen Einsätze an Wildlederschuhen werden mit Rauhpapier gereinigt. Es hat den Vorteil, das Wildleder nicht anzugreifen. Weihes Kalbleder, das sich an Sommerschuhen und sommerlichen Gürteln befindet, kann mit ungekochter Milch behandelt werden. Bedingung ist, daß man diese Flüssigkeit nur sparsam auf Wattebäuschchen aufträgt, um die Grenzen zwischen Schuh und Einsatz nicht zu berühren. Will man die weißen Einsätze farblich auf- frischen, so bedient man sich am besten gut angespitzter Kreide. Ein sauberes Löschblatt vermag beim Verreiben der Kreide aute Dienste zu leisten.
Die in diesem Sommer sehr modernen weißen Ansteckblumen benötigen ebenfalls sachgemäßer Pflege. Ein Benzinbad erweist sich in den meisten Fällen als zweckmäßig. Bestehen die Blüten jedoch
Es ist ja wie immer im Leben: das Verbotene lockt. Wenn man den Kindern nicht gestattet, sich ab und zu einmal Süßigkeiten zu kaufen, dann erwacht die Sehnsucht und eine quälende Gier! Gibt man den Kindern aber regelmäßig Süßigkeiten, in wohlabgemessenem Maß, dann werden sie nie denken, daß ihnen etwas vorenthalten blieb, und die Sehnsucht nach den nicht erreichbaren Schätzen wird nachlassen.
Der Groschen für die Süßigkeiten soll also keinen schwerwiegenden Erziehungsfall in die Kinderstube bringen. Es gibt natürlich Kinder, die ausgesprochen naschhaft veranlagt sind. Hier muß man zunächst einmal untersuchen, ob in der sonstigen Ernährung des Kindes nicht ein Fehler vorliegt, und ob die Gier nach Süßigkeiten nicht wirklich einem körperlichen Bedürfnis entspricht. Es gibt ja auch Kinder, die leidenschaftlich gern Eierschalen essen, nur aus dem gesunden Instinkt heraus, daß ihrem Körper nicht genügend Kalk zugeführt wird. In der Kinderklinik in Halle war einmal ein kleiner
Junge, der zu Hause immer die Kohlenkästen leerte, der den Brikettstaub verzehrte, wie andere Kinder Schokolade! Geschadet hat ihm bas nicht — als die Ernährung des Kindes von der Klinik aus planmäßig vorgenommen wurde, unterließ der Junge das Kohlenessen ganz von selber.
Kinder, die naschhaft sind, müssen zur Ordnung gerufen werden. Wenn die Mutter weiß, daß dem Kind genügend Süßigkeiten im Lauf des Tages zu- aeführt werden — es kann auch in Form von Fruchtfäften und Obstsalaten bestehen und braucht nicht immer nur Keks und Schokolade zu sein —, dann ist es nicht notwendig, daß das Taschengeld in Bonbons angelegt wird!
Aber ab und zu einmal einen Groschen für Pfefferminzbruch — bas ist nicht schlimm. Denken wir boch baran, wie wir als Kinber so gern mal in ben Zuckerwarenlaben gingen, unb wie uns gerabe bas am besten gefiel, was am süßesten unb buntesten war! B. L.
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PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
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Für den Spätsommer zeigen unsere Vorschläge ein einfaches Wollkleid mit einer Jacke und einem kurzen Mantel.
Das Kleid ist aus leichter, weicher ultramarin- blauer Wolle mit hochrotem Ledergürtel. Die Falten sind hinten unb vorn burchgehenb eingelegt; her Schoß unb bie ben halblangen Aermeln angeschnittenen Kollerteile sinb burch viereckige, mit bem Kleib- material bezogene Knöpfe bem Vorberteil aufgeknöpft.
Die kurze, enganliegenbe Jacke (in ber Mitte) ist aus großgewaffeltem weißem Piquä. Die großen Aufschläge sinb ben Vorberteilen angeschnitten, ben breiviertellangen Aermel schließt eine weite Stulpe ab. Der große blaue Filzhut hat bie neue, hinten
stark fallenbe Ranbfvrm mit bem Heibfamen, in biesem Falle weißen Nackenschleier. Schuhe, Hanb- tasche unb Handschuhe sind blaues Leder, während bie Phantasieblumen im Ausschnitt ber Jacke aus bem Material bes Kleibes geschnitten sinb. Die brei Jackenknöpfe sinb mit Piquö bespannt.
Der kurze unb sehr weite Mantel aus ebenfalls weißer Wolle (links) ist in K i mo no f o r m mit fallenben Aermelnähten geschnitten. Der Kragen ist ben seitlichen Vorberbahnen angeschnitten, über bie bie mittleren Vorberbahnen mit ben Taschen übergreifen. Alle Nähte sinb breit abgesteppt. Die kleine Mütze in Haubenform ist aus dem gleichen Stoff wie bas Kleib gearbeitet. H.
aus Samt, so kommen Abreibungen mit weicher Bürste bei gleichzeitigem Aufbämpfen in Frage.
Zeitmaße, auf bie es ankommt.
Eine achtstünbige Schlafbauer ist bas minbefte, wessen ber berufstätige Mensch bebarf, um leiftungs- fähig zu bleiben. Wer biefe Frist verkürzt, treibt Raubbau an feiner Gesunbheit. Die oft gehörte Ausrebe, man könne mal länger aufbleiben unb ben oerjäumten Schlaf bei Gelegenheit nachholen, ist stets ein Zeichen von Leichtsinn Schlat läßt sich nicht nachholen. Das sich schließlich einftellenbe ungewöhnliche Schlafbebürfnis ist bereits ein Zeichen von Krankheit. Unb wo biefe Platz griff, tritt schon Schaben auf.
Ein Schulkinb unter elf Jahren muß zehn, ein über elf Jahre altes minbeftens neun Stunben schlafen. Da Schulkinber in ber Regel um sieben Uhrm orgens aufstehen müssen, was ein vorheriges Wecken von einer Viertelstunbe bebeutet, so sollten kleinere Schulkinber, ba auch bis zum Einschlafen eine gewisse Frist verstreichen pflegt, halb nach acht, größere gegen neun Uhr zu Bett gehen. Eltern, bie bas unterlassen, begehen einen ber schwersten Erziehungs- unb Gesunbheitsfehler.
Das Mittagsschläfchen, dessen gesundheitlicher Wert für arbeitende, nervöse und schwächliche Personen einwandfrei feststeht, braucht sich niemals über eine halbe Stunde zu erstrecken Man soll sich aber nicht früher als fünfzehn Minuten nach eingenommener Hauptmahlzeit hinlegen.
Zwischen Hauptmahlzeit und bem Beginn sportlicher Betätigungen müssen unbebingt ein unb’ eine halbe Stunbe vergehen. Dies gilt befonbers vom sommerlichen Schwimmen, beffen Gefahren bei stark überfülltem Magen immer noch unterschätzt werben.
Die Morgengymnastik ber arbeitenben Frau bauert zehn Minuten. Die halbe Zeit wirb auf Atem-, bie übrige auf bie Verbauung förbernbe Rumpfübungen verwenbet.
Wirb beim sommerlichen Spaziergang im Freien systematisches Tiefatmen betrieben, so läßt man beim Ein- unb Ausatmen jebesmal zehn Sekunben verstreichen.
„Wir wollen gepflückt sein!"
Von Therese Wagner, Wiesbaden.
Ueberlegte Vvrratswirtschaft ist für bie Sicherung unseres Dbftbebarfs in biesem Jahre ganz beson- bers wichtig. Leiber ist bie Dauerobsternte in vielen Gauen ebenso unbefriebigenb wie bie nur strichweise gute Zwetschenernte. Das bebeutet, baß wir anbere Quellen für uns ausfinbig machen müssen, um unseren Vorrat an Obstkonserven zu erhalten. Die reiche Brombeerernte steht vor ber Tür, etwas später liegt bie Reife ber schwarzen H o - unber« ober Flieberbeeren. Beibe sinb im wahrsten Sinne bes Wortes „Freiobst", bas uns wie im Märchen anruft: „Wir wollen gepflückt fein, wir sinb reif unb bie Sonne spiegelt sich in unseren buntlen Beeren!" Brombeeren werben gewiß gerne von ben Hausfrauen als Gelee, Marmelabe unb als köstlicher Brombeerfirup unb -füßmoft verwenbet. In früherer Zeit war es selbftverftänblich, baß bie gute Hausfrau einen Vorrat an Brombeeren beschaffte. Zum Segen für bie Dolksgesunbheit halten auch bie Bewohner unserer Küstengebiete an ber guten, alten Gewohnheit fest, einen reichlichen Vorrat an Holunbersaft ober luftgetrockneten Beeren in ben Winter zu bringen. Leiber ist Holunber, beffen Blüten man zu mebizinischen Zwecken unb zum Ausbacken kennt, in ber Küche ber Hausfrau aus Mittel-, Süb- unb Westbeutschlanb so gut wie unbekannt.
Die in naßkalter Jahreszeit so roärmenbe Ho- lunbersuppe kann also nach guter, alter Art bereitet werben. Kein Holberstrauch barf ungenutzt bleiben, wenn auch für bas Abschneiben ber Kolben in öffentlichen Anlagen ober gar in Privatbesitz erst bie Erlaubnis eingeholt werben muß. Hier wäre ein bankbares Felb für bie NS.-Frauenschaft unb bie NSV., aber auch für bie festen Lager bes weiblichen Arbeitsbienstes, wo für bie ftänbige Verpflegung Sorge getragen werben muß. Kein Obst eignet sich zum Vermischen mit Zwetschen so gut wie Holunber. Die nur eben reifen, aber nicht mehr grünen Beeren werben abgestreift, gewaschen unb abgetropft, bis zum Kochen gebracht unb abgekühlt burchgegossen Den zuerst ablaufenben Teil nimmt man z u Saft unb Süßmost, ben schwerer tropfenben Saft zu Gelee, bem man Saft von unreifen Falläpfeln (Spätsorten sinb geleestoffreicher) zusetzt. Man rechnet auf 1 Piunb Saft 300 Gramm Zucker. Will man Gelee als .Hustenheil- mittel" ohne Apfelsaft kochen, so sinb % Pfunb Zucker je Pfunb Saft nötig Es ist vorzüglich, ben Brombeeren aus letzter Ernte ben Saft ber ersten Holberbeeren hinzuzufügen. Das so erreichte Aroma kommt in heißen Suppen unb Getränken am günstigsten zur Geltung. Wer gar zur Suppe einen Teil Apfelsüßmost ober Apfelwein nimmt, wirb auch bie Gegner ber Suppe überzeugen können, baß sie nicht nur ein gefunbes, fonbern auch wohlschmeckendes Gericht ist. Alle, bie in naßkalter Zeit ober im Frost braufeen zu arbeiten haben, werben ben Wert ber heißen Suppe halb erkannt haben Man kocht ben zuckerlos pasteurisierten Saft mit Wasserzusatz, Zucker, etwas Nelke unb nach Belieben Anis, binbet mit Roggen- ober Kartoffelmehl, läßt kleine abge- stochene Grießmehl- ober Eierklößchen barin gar werben unb gibt bann erst ben Apfelmost ober Wein in bie vom Feuer genommene Suppe unb genießt Vollkornbrot bazu. Die heiße Fliebersuppe ist bie Leibspeise ber werkenben Bevölkerung ber beut» schen Küstenlänber unb ber bärtigen Bauern bei un- gefunbem Wetter. Ebenso trinkt man, braußen durchnäßt unb burchgefroren, ben heißen Labetrunk aus Fliebersirup.
Wenn man bebenft, welche Rolle ber Holberstrauch bei unseren germanischen Vorfahren spielte, wie man von ihm Gesunbheit erwartete unb alles Ungefunbe unb Krankhafte burch ihn loszuwerben bachte, so erhellt baraus, baß bte Heilkraft bes Holunbers nicht von ungefähr kommt, fonbern bafe bie Kenntnis berfelben uralt ist.
Was mache ich ein?
Gefüllte Einmachgläser sinb mieber ber Stolz ber Hausfrau! Rezepte aus Großmutters Zeiten kommen zu Ehren! Aber bamit allein ift’s nicht getan! Sparsames unb gutes Einkochen erforbert viel Erfahrung! Das soeben neu erschienene „Gelbe Einmachbuch" von Elly Petersen (Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München) erläutert alles von Grunb auf unb bringt über 300 bewährte unb erprobte Rezepte! Mit Erlaubnis bes Verlags bringen wir baraus folgenben Abbruck:
Pfirsiche.
Pfirsiche ergeben bas feinste Kompott. Man kaufe nicht bie frühen Sorten, bie sich nicht vom Kern lösen. Man kaufe ausgereifte, aber nicht zu weiche Pfirsiche. Sie werben geschält unb halbiert. Von ben Steinen einige aufgeklopft unb bie inneren Kerne ohne Haut miteingelegt. Die Pfirsichhälften sollen schön in bie Gläser gepackt werben.
Pflaumenmus.
Recht reife Zwetschen entfernen. Ohne Zucker in einem großen flachen Topf, zuerst auf starkem Feuer, bann auf ganz milbem, unter fortwährenbem Rühren bick einfachen. — Es spritzt sehr ftarf, bes- halb ziehe man Hanbschuhe an! Wenn das Zwetschen- mus fest geworben ist, in Steintöpfe füllen. — Nach Erfalten Rumpapier barüber unb zubinben.
Birnen.
Die feinste Birne zum Einfachen ist unbebingt bie „Williams Christbirne". Die ,^angreßbirne" ist ihr ähnlich. Diese Früchte werben mit einem Bronze- messer ober einem anderen rostfreien Messer geschält, halbiert und das Kernhaus vorsichtig entfernt. Damit sie nicht braun werden und dadurch unansehnlich, empfiehlt Weck „eine Schüssel mit einem in Salzwasser getauchten Tuch auszulegen und die geschälten Birnen damit zu bedecken". Hat man genügend für ein Glas geschält, ordnet man sie hübsch hinein und übergießt sie mit der Zuckerlösung. — Nicht in Wasser liegen lassen, auch nicht in Essigwasser! — Kleinere Birnen läßt man ganz oder schält den Stengel, damit sie zierlicher aussehen. Größere Birnen fann man auch vierteln und das Kernhaus entfernen. Birnen müssen sorgsam hergerichtet werden, damit die Früchte ansehnlich roirfen. Sie müssen auch vorsichtig in breite Gläser gepackt werden. Obacht geben, bafe man für jebes Glas Birnen im


