gleichen Reifegrad aussucht! Sie schmecken nicht gut, wenn eine Birne weich, die nächste hart ist.
Apfelgelee.
Zum Apfelgelee i .uh man unreife Aepfel nehmen. Aus reifen Aepfeln kann man kein Gelee kochen. Für diesen Zweck wird meistens das billige Fallobst gewählt. Dieses ist dann auch gewöhnlich eine Mischung von verschiedenen Aepfeln. Und Apfelgelee wird am besten aus einer Mischung von Sorten. Besser als aus einer Sorte. — Die Aepfel waschen, bis das Wasser ganz klar bleibt. Sie dann auf einem Holzbrett mit einem rostfreien Messer in Stücke schneiden. Stiel und Blüte und alles Madige entfernen. Die geschnittenen Aepfel in einen weiten Topf geben. Mit überstehend Wasser, ohne zu rühren, weich kochen lassen. Am Tag darauf Aepfel auf Seihtuch geben, damit der Saft durchläuft. — Ist aller Saft durchgetropft, so lasse ich erst den Saft auf ein Drittel bis auf die Hälfte einkochen. Denn durch das Einkochen des Wassers wird das Apfelgelee röter und schmeckt fruchtreicher. Den Saft dann wiegen und den Zucker nach Gewicht dazugeben. Aufs Feuer stellen. Der Zucker soll aufgelöst sein, bis der Saft wieder kocht. Unter sorgfältigem Abschäumen kochen lassen, bis der Saft ganz klar geworben ist, und die Probe auf einem Porzellanteller » zu gelieren beginnt. — Heiß in vorgewärmte Geleegläser. — Abgekühlt, Rumpapier darauf und zu- binden. Der Zusatz von gespaltener Vanille oder etwas Zitronenschale verfeinert den Geschmack.
Gurken,
Es ist wichtig, zu Senf- und Zuckergurken die ganz großen, langen und dicken Einmachgurken zu kaufen. Sie erscheinen im Moment nicht billig, sind aber viel billiger als die mindere Ware. Denn die großen dicken Gurken haben dickes Gurkenfleisch, das kernig ist — während das Fleisch der dünneren Gurken dünn ist und nach dem Soeben lappig wird. Zu Senfgurken kann man öfters sogenannte „Sa- mengurfen" billig kaufen. Das sind reife Gurken, von Denen die Gärtner das Innere herausgenommen haben, um den Samen zu trocknen und äu benützen. Solche Gurken sind preiswert. Man kauft sie bereits in hohlen Hälften. — Zum Gurkenschälen eignen sich die gewöhnlichen Kartoffelschäler. Mit ihnen jchält man die Gurken gleichmäßiger als mit einem gewöhnlichen Messer. — Warum legen wir die Gewürzzutaten an die Gurken und an die Kürbisse in Mullbeutelchen? Der Grund dafür ist: die Köpfe der Nelken — die kleinen runden Körper — geben einen Farbstoff ab. Und dadurch würden die hellen Gurkenstücke schwarzsleckig. — Wenn wir uns aber die Mühe machen und von jeder Nelke den Kopf abschneiden, dann brauchen wir die Gewürze nicht in Beutelchen zu tun. Eigentlich wirkt aber ein gut- gepacktes Gurkenglas sauberer, wenn nicht überall die Nelken und die Zimtstücke herumschwimmen. — Der Senfbeutel ist ein Beutel aus weißem Stoff, der genau die Oberfläche des Topfes deckt, auf dem er liegen soll. Er wird einen Zentimeter dick mit gelben Senfkörnern gefüllt.
Gurkenzeii.
Man sollte die Zeit der frischen Gurken gut aus- nutzen und sie häufig auf den Tisch bringen. Gurken sind gerade im heißen Sommer ein zu bevorzugendes Nahrungsmittel. Sie wirken kühlend für Magen, Darm und Blut. Wegen ihres hohen Wasserreichtums ist die Gurke wenig nahrhaft, sie hat anderseits einen außerordentlich hohen Gehalt an Basen und ist aus diesem Grunde besonders gesund. Für die Dicken sind Gurken geradezu ideal, da sie sehr kalorienarm sind und jeden Fettansatz verhindern. Magenkranke, oder auch solche, die einen schwachen Darm haben, führen oft an, daß sie Gurken oder Gurkensalat nicht vertragen können. Das liegt aber meistens wohl daran, daß manche Hausfrauen den Gurkensalat noch nach dem alten Verfahren bereiten, die Gurken einsalzen, sie stundenlang stehen lassen und dann ausdrücken. So zubereitet, kann der Gurkensalat für die meisten Menschen nicht bekömmlich sein. Ein weiterer Fehler, der Unbekömmlichkeit verursacht, besteht auch oft darin, daß gerade Gurken nicht klein genug gekaut werden. Viele schlucken die dünnen Scheiben beinahe ungekaut hinunter. Da verursacht allerdings Gurkensalat Magen- und Darmbeschwerden. Es ist zu betonen, daß Gurken auf Nieren, Darm und Lunge günstig einwirken. Sie vermögen sogar Nierensteine zu lösen. Auch Zuckerkranken reicht man Gurken, da sie die Zuckerausscheidungen herabsetzen.
Gurkensalat bereitet man zweckmäßig so, daß man zuerst die Soße bereitet und dann erst mittels Gurkenhobels die frisch gehobelten Scheiben hineinlegt. Für eine Gurke rechnet man einen halben Löffel Essig, einen Löffel Del, wenn man nicht vorziehen sollte, ihn mit Zitronensaft anzurichten. Gehackte Petersilie, Dill und Schnittlauch verbessern ganz wesentlich den Geschmack. Salz und Pfeffer dürfen nicht fehlen. Etwas Senf zum Gurkensalat genossen, trägt zur besseren Verdaulichkeit bei.
, Man sollte sich aber nicht auf Gurkensalat be= r ra^cn‘ ^as Kochbuch sieht die verschiedenartigsten Gemüse und Speisen aus Gurken vor. Namentlich gebackene Gurken sind ein guter Fleischersatz Dieses Gericht läßt sich billig Herstellen, da hierzu nur Butter und geriebener Käse nötig sind. Die geschälten halbierten Gurken werden in eine gut mit Butter eingefettete Auflaufform gelegt und mit Butterflöckchen und geriebenem Käse bestreut und etwa eine Stunde gebacken. Man kann hierzu noch eine pikante Soße reichen.
Vorsicht bei Beffeverwertung.
Der Grundsatz guter Hausfrauen ist es, in ihrem Haushalt nichts „umfommen* zu lassen. Das ist an sich sehr löblich, kann aber, namentlich im Sommer, sehr leicht zum Verhängnis werden. Man kann nicht genug davor warnen, jeden Speiserest auf alle Fälle noch zu verwerten. Das ist Sparsamkeit am falschen Platze, denn außerordentlich viel Fleisch-, Wurst-, Pilzvergiftungen sind auf diese Resteverwertung zurückzuführen. Manchmal sind sie ganz harmloser Art und haben nur leichte Unpäßlichkeit, Uebelsein, Kopfschmerzen im Gefolge. Aber Hunderte von schweren Vergiftungen, die oft tödlichen Ausgang haben, sind die Folge von der Sparsamkeit am falschen Platze.
Eine der meist harmloseren Vergiftungen ist auf den Genuß von gekochten Kartoffeln oder Kartoffelspeisen zurückzuführen. Kartoffeln müssen im verarbeiteten Zustande in längstens 2 4 Stunden gegessen werden. Kartoffeln ent- halten ein Gift, das bei längerem Aufbewahren im gekochten Zustande in Erscheinung tritt. Auch vor Kartoffelkeimen kann man sich nicht genug in acht nehmen. Das gleiche gilt für keimende Zwiebeln.
Pilzvergiftungen sind nicht immer auf giftige Pilze zurückzuführen. Oft erfolgen sie, wenn man ein Pilzgericht a u f m ä r m t, oder aber, wenn gepflückte Pilze zu lange liegen. Wenn man
ein Pilzgericht in nicht zu langer Frist nochmals aufwärmen will (es darf sich aber hierbei nur um Stunden handeln), so darf es in der Zwischenzeit nicht in einem Emaillegeschirr aufbewahrt sein. Es muß in Porzellan oder einem irdenen Gefäß verwahrt werden. Dasselbe gilt für alle säuerlichen Gemüse, wie Sauerkraut, Rotkohl. Bei Kompotten gilt die Vorschrift, daß sie — ein Aufwärmen kommt ja da nicht in Frage — niemals in Emaille-, Aluminium- oder Nickelgefäßen verwahrt werden. Nur in Glas oder Porzellan soll man sie kaltstellen oder aufheben.
Konserven dürfen in geöffnetem Zustand niemals in der Büchse verwahrt werden. Nicht einmal ein paar Stunden darf man sie in der Büchse belassen. Sollten von Konserven Reste verbleiben, ist dafür zu sorgen, daß sie innerhalb 12 bis 18 Stunden, wenigstens im Sommer, gegessen werden. In der Aufbewahrungszeit darf man sie nur in Porzellan ober Steingut belassen.
Die größte Vorsicht ist bei Fischen anzuempfehlen. Fische sind im Sommer ohnehin mit Vorbehalt zu genießen. Sowie sich der leiseste Nebengeschmack bemerkbar macht, oder aber der Geruch nicht ganz einwandfrei ist, sollte man von einem Genuß Abstand nehmen. Ebenso wenn sich in der Farbe der Fische ein Symptom bemerkbar macht. Fischkonserven, namentlich solche, die mit Del konserviert werden, sind im Sommer stets sehr rasch zu genießen und sogleich aus der Büchse zu entfernen. Del und Blech gehen sehr schnell eine chemische Verbindung ein, die gefährlich für unsere Gesundheit werden kann. Von den Fleischsorten ist im Sommer Kalbfleisch am raschesten dem Fäulnisprozeß ausgesetzt. Ist man gezwungen, Fleisch für den nächsten Tag aufzubewahren, sollte man es trotz Eisschrank kurz anbraten oder ankochen. —
Wochenend-
und Aussiugsverpflegung.
Hon & Grabow
Die richtige Speisenauswahl fürs Wochenende oder für den Ausflugstag macht der Hausfrau gewöhnlich viel Kopfzerbrechen. Außer belegten Broten und der mit Kaffee gefüllten Thermosflasche fällt ihr in der Regel nichts Neues ein. So ergibt sich an diesen Tagen häufig eine Gleich
förmigkeit des Essens, das in allwöchentlicher Wiederholung bargeboten wird. Dies ist falsch; denn auch die im Freien einzunehmende Mahlzeit läßt sich mit ein wenig Mühe und Nachdenken ebenso reichhaltig gestalten wie jede andere. Ein Picknick sollte ganz besonders genußreich sein und kleine Ueberraschungen bieten. Die Ansicht, daß im Freien ohnehin alles gut schmeckt, ist nicht stichhaltig. Dbwohl sie zutrifft, deutet sie dennoch auf Ausflüchte und Entschuldigungen vor sich selbst hin.
Die wichtigste Vorbedingung für die richtige Wochenendverpflegung besteht darin, daß sie nicht durstig macht. Das Essen muß sättigen und lange Vorhalten, denn frische Luft macht hungrig. Auch darf eine solche Mahlzeit nickt mehr kosten, als dies an andern Tagen der Fall zu sein pflegt. Schließlich muß sie leicht transportierbar und auck nach längerer Wanderung weder zerbröckelt, noch unansehnlich erscheinen.
Kuchen, Brot usw. werden am besten in Pergamentpapier gewickelt und überdies in ein feuchtes Tuch geschlagen. Legt man sie dann in eine Dose, so ist Die Gefahr des Austrocknens (auch bei zweitägigem Ausfluge) beseitigt. Den Aufstrich verpackt man gesondert in kleine Aluminiumdosen. Das in der Thermosflasche befindliche Getränk bleibt besonders frisch, wenn man zuhause, kurz vor dem Einfüllen, ein Stückchen keimfreies Eis hineintut. Zitronentee, Malzkaffee und Buttermilch erfrischen sehr. Die Vorzüge kalter Kakaomilch liegen in ihrer stärkenden und sättigenden Wirkung. Sommerliche Süßspeisen, vornehmlich Grießschnitten, Flammeri, aber auch gebackene Käseklöße, Käsenudeln, zu denen man Salat reichen kann, erweisen sich als vorteilhaft zum Mitnehmen. Kompott, mit harten Eiern vermischter Kartoffelsalat, Fruchtgrütze, Vanillemilch und Mandelpubding müssen ebenfalls erwähnt werden. Wer nur an belegte Brote und den üblichen Kaffee mit Kuchen gewöhnt ist, wird eine solche Abwechslung am Wochenende oder Ausflugtage als besonders angenehm empfinden.
Bobkostsalat.
Die ganz jungen Blätter von Spinat, Löwenzahn, Gartenkresse, Gartensauerampfer, frische Kräuter, Selleriegrün, Schnittlauch, junge Zwiebel, Kerbel werden gehackt, nachdem sie gewaschen und getrocknet wurden. Aus saurer Sahne, Salz und etwas geschmolzener Pflanzenbutter wird eine Marinade bereitet, in der die Salatblätter gründlich durchgeschüttelt werden. Schü.
Etwas vom Umgang mitElektro-Haushaltgerälen
Von Hanna Hermann
Fast jede Hausfrau verwendet heute ein elektrisches Bügeleisen, einen Staubsauger oder sonst irgendein elektrisches Haushaltgerät, um die Zeit zu sparen und sich die Hausarbeit zu erleichtern. Die elektrischen Haushaltgeräte sind heutzutage zwar außerordentlich betriebsicher, aber wie bei allen von Menschenhand gefertigten Geräten kommen auch bei ihnen hin und wieder einmal Störungen vor, die meistens auf natürliche Abnutzung oder unsachgemäße Behandlung zurückzuführen find. Deshalb ist es recht nützlich, wenn sich die Hausfrau bei kleinen Störungen selbst zu helfen weiß.
An motorisch angetriebenen Elektrogeräten, Staubsaugern, Haartrocknern, Windfächern z. B. bemerkt man nach längerem Gebrauch oft ein Ouitschen oder Zwitschern. Das ist ein Zeichen dafür, daß die auf dem drehbaren Teil des Motors schleifenden Kohlenstifte bis zum Ende abgenutzt sind und ersetzt werden müssen. Unbedingt falsch und für das Gerät schädlich ist es, das zwitschernde Geräusch durch Deien beseitigen zu wollen. Die neuen Kohlenstifte kann jede Hausfrau, die mit einem Schraubenzieher umzugehen versteht, selbst einsetzen. Wie es gemacht wird, läßt sie sich am besten gleich beim Kauf des Gerätes vom Fachmann zeigen. Außerdem steht es in der Gebrauchsanweisung. Dort ist aber auch vermerkt, daß man es gar nicht bis zum „Ouitschen" kommen lassen darf, sondern die Kohlen schon erneuern soll, wenn sie bis auf etwa drei bis vier Millimeter abgenutzt sind.
Bei Elektrowärmegeräten kann es Vorkommen, daß einmal der Heizkörper durchbrennt. Meistens liegt die Ursache in einer Ueberhitzung durch unsachgemäße Behandlung. Selbst für den besten Wasserkocher und für den besten Tauchsieder ist es auf die Dauer schädlich, wenn er häufig für längere Zeit im trockenen Zustand eingeschaltet ist. Auch ein Bügeleisen soll man nicht längere Zeit unbenutzt unter Strom stehen lassen, denn darunter leidet, ganz abgesehen von der Stromoerschwendung, der
Heizkörper und sehr oft auch die Unterlage des Bügeleisens. Also, Hausfrauen, schaltet Elektrowärmegeräte immer rechtzeitig aus. Ist der Heizkörper einmal durchgebrannt, so kann die Hausfrau selbst nichts daran ausbessern, während der Fachmann das Gerät meistens schnell und für wenig Geld wieder in Drtmung bringen kann.
Die meisten Störungen entstehen allerdings nicht an den Geräten selbst, sondern an den Zuleitungsschnüren. Besonders bei Schnüren, die viel bewegt werden, wie die Zuleitungen von Bügeleisen, Tauchsiedern, Staubsaugern usw. scheuert sich häufig die Isolierung mit der Zeit durch. Es empfiehlt sich deshalb, die Schnüre von Zeit zu Zeit darauf anzusehen, ob die Isolierung noch in Drbnung ist. Bemerkt man Stellen, an denen die Isolierung schon beschädigt ist, dann ist es am besten, die Schnur gleich dem Elektrofachmann zur Ausbesserung zu geben, denn ist die Schnur erst einmal bis auf den Leitungsdraht durchgescheuert, besteht die Gefahr, daß man beim Berühren des Gerätes in Wohnräumen mit Holz- oder Linoleumböden einen zwar meist ungefährlichen, aber immerhin unangenehmen Schlag bekommt, oder daß es Kurzschluß gibt.
Bei einer ordnungsgemäß instandgehaltenen Installation ist ein Kurzschluß vollkommen ungefährlich, weil die Sicherung sofort durchbrennt und die Lei- tung vor Schaden schützt. Jeder Techniker wird gerne bereit sein, der Hausfrau einmal das Auswechseln von durchgebrannten Sicherungen zu zeigen, damit sie es im Bedarfsfälle selbst vornehmen kann. Einige Ersatzsicherungen sollte man immer griffbereit vorrätig halten, damit man im Falle eines Kurzschlusses nicht erst Zeit mit dem Holen einer neuen Sicherung versäumen muß. Besonders bewährt haben sich in dieser Beziehung die automatischen Sicherungen, bei denen man nur auf einen Knopf zu drücken braucht, um sie wieder betriebsfertig zu machen.
VDR. beim Sport.
Unsere Iungmädet bekommen einen „Gruppenball^.
Gestern bekam unsere Jungmädelgruppe ein großes Paket. Es war eine richtige kleine Kiste. An die Mädel der Jungmädelgruppe Dst stand daraus geschrieben und der Paketmann hatte es am Morgen unserer Führerin gebracht. Mit einem Bollerwagen haben wir es dann zum Heim gezogen, denn wir wollten es doch in unserem Heim auspacken. Lies hatte herausgefunden, daß es vom Untergau kam. Was da bloß drin war? „Hoffentlich nicht olle Akten", sagte Liselotte. Aber die gingen uns Jungmädel doch gar nichts an, die konnten wir doch nicht gebrauchen. Wir hockten uns alle in Hücksken auf die Erde im Kreis und unsere Führerin saß in der Mitte und packte vorsichtig die Kiste aus. Erst kam ’ne Menge Papier, dann kam Holzwolle und als wir vor lauter Aufregung schon gar nicht mefyr sitzen konnten, kam nochmal Papier und ein Brief an die Jungmädel in Dst. Wir fanden ja alle daß man den Brief lesen konnte, wenn die K,ste ausgepackt sei, aber unsere Führerin las ihn doch erst, und darin stand mit Schreibmaschine geschrieben: An die Jungmädel der Jungmädelgruppe Dst.
„Liebe Jungmädel! Ihr habt neulich auf dem deutschen Jugendfest so fein geturnt und habt alle eine Nadel erhalten. Weil Ihrs so gut gemacht habt und wir uns so darüber gefreut haben, schicken wir Euch heute dies, es gehört der, ganzen Jung- mäbelgruppe. Turnt weiter so fleißig, damit Ihr alle^ recht gesunde und kräftige Jungmädel werdet." Und bann kam der Name unserer Jung- mädeluntergauführerin und sogar ein Stempel.
Was in dem Paket war, wußten wir ja nun immer noch nicht, aber etwas ganz besonderes und etwas wunderschönes mußte es sein. Wir wurden ganz zappelig vor Aufregung. Gretel packte wieder Holzwolle aus und endlich zog sie unter schrecklichem Freudengeheul der Jungmädelgruppe Dst, was meint ihr nun, einen richtigen, großen Medizinball hervor. Er ist noch viel schöner, als unserer in der
Schule. Daß wir jetzt nicht mehr unser Märchenspiel machen konnten, wie wir es eigentlich vorgehabt hatten, werdet ihr sicherlich einsehen. Im Nu hatten mir uns vor unserem Heim zu Dreien aufgestellt und die Lies in der vordersten Reihe trug feierlich den Ball. Wir haben alle drei Minuten umgewechselt, denn wir wollten ihn doch alle einmal tragen, und dann wurde er auf Bollmanns großer Wiese gleich richtig eingeweiht. Unsere Führerin sagte uns noch, daß wir alle sehr froh und stolz sein dürften und daß wir sicher viel Freude an ihm haben würden, an unserem Gruppenball. Und dann haben wir Fangball gespielt und so fein ist das noch die gewesen als mit unserem neuen Ball. Und morgen ist Sportnachmittag, da freuen wir uns noch viel, viel mehr als sonst darauf.
Heute sind wir alle im Heim zusammengekommen und haben unserer Jungmädeluntergauführerin einen langen Brief geschrieben, weil sie uns doch den Ball geschickt hat und wir uns so über ihn gefreut haben. E i n Jungrnäoel.
Man muh sich nur zu Helsen wissen
So dunkel war es noch draußen, als heute morgen das grelle Pfeifen, unser allmorgendlicher Weckruf, durch das Haus gellte. Der Himmel war grau und goß große Eimer Regen auf unsere Sportwiese. Was nun? Verschlafen sanden mir uns in der Halle ein, stellten uns auf und guckten immer mieber in ben Regen draußen; es mar nichts mit dem Dauerlauf rund um die Wiese draußen, und zur Turnhalle konnten mir doch auch N'cht rennen, das mar doch zu roeit für den Früh- fport. Also? Na hoffentlich ..nichts roie in die betten" meldet sich jemand schüchtern. Aber damit mar's nichts. Ein paar Kniebeugen in der Halle, unfer Muskelkater errnachte, au weh.
Wieder standen mir in einer Linie, mordsneu- gierige schon auf das, was nun kommen sollte, unb es kam. Erst ein fröhliches Lämmerhüpfen den ganzen Flur entlang, dann stolzierte gravitätisch em langbeiniger Storch über ben Gang, ein Frosch pupfte luftig, unb ein langer Regenwurm kroch
Im Dorskinderhort.
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Unter ben Aufgaben, mit denen die nationalsozialistische Dolkswohlfahrt im Sinne einer gesunden Bevölkerungspolitik der deutschen Familie dient, betreut auch das segensreiche Hilfswerk „M utter und Kind" in Tagesstätten diejenigen Land- unb Dorfkinder, deren Mütter und Eltern erwerbstätig sind. In diesen Heimen herrscht besonders in den Tagen der Ernte fröhliches Leben. Unser Bild aus einer solchen Kindertagesstätte, die in einer früheren Schnitterkaserne vor Berlin entstand, zeigt die Kleinen, wie sie zu häuslichen Arbeiten angehallen werden. Das Abwaschen und Abtrocknen macht ihnen sichtlich Freude. (Scherl-M)
langsam und schleppend und sogar stöhnend über den Erdboden.
Wieder in einer Linie antreten; wir marschieren über den Flur zurück zur Treppe, nun war unser Muskelkater futsch und nun sollte unser Frühsport vielleicht schon vorbei sein. „So nun steigt mal alle ganz gemächlich die Treppe hinauf, aber bitte die Beine so hoch heben, daß euer Knie bei jedem Schritt an das Kinn ballert" rief unsere Sportwar- tin uns zu. Beim ersten Mal verunglückten wir alle, mir lachten zuviel, beim zweiten Male sahen mir ein, daß die Sache gar nicht so lächerlich mar, sondern eine feine Uebung, die in die Knochen ging. Dann mußten mir locker und leicht und zierlich die Treppe hinaufsteigen, das mar beinahe noch schmieriger. Wir sahen bei unseren zierlichsten Schritten oft noch tolpatschig und steif aus, mir mußten ein paarmal hinauf und hinunter, bis unsere Beine locker waren. „Hopp Mädels, nicht so langsam, spielt mal Dsterhas, aber leicht und leise und nicht so aufstampfen wie ein Elefant!" Zuerst wackelte das ganze Treppenhaus und dröhnte, als marschierten Soldaten in die Kaserne ein, aber zum Schluß konnten schon einige fast lautlos hinaufhoppeln.
Seid ihr schon mal als zusammengeklappte Taschenmesser eine Treppe hinaufgestiegen? Ich glaube nicht, wir haben das auch zum ersten Male in unserem Lager an unserem verregneten Frühsport fertig bekommen: Das ging so: ganz tief bücken, Rücken gestreckt, die Hände fassen die Fußgelenke, und nun nix wie aufi! Au, zog das in Den Knochen, Der Muskelkater rückte wieder in bedenkliche Nähe. Nun noch wie die wilde Jagd auf allen Vieren vorwärts und rückwärts rauf und runter die Treppe, bis unsere Beine und Arme wieder ganz zappelig und locker waren. Tief ausatmen, an der Tür zum Hof, und tüchtia die Glieder ausschlenkern.
Unser Frühsport im Regen ist beendet, und fein mar es, man muß sich nur immer zu helfen wissen.
Gefängnis wegen Nötigung eines Bürgermeisters.
Mainz, 13. Aug. (LPD.) Vor der Großen Strafkammer hatte sich gestern die 36jährige Appolonia Schulz aus Winkel wegen Nötigung zu verantworten. Am 31. Mai 1935 erhielt der Bürgermeister von Bechtheim einen anonymen Brief, in dem er aufgefordert wurde, binnen acht Tagen zu bewirken, daß der evangelische und der katholische Pfarrer wieder in ihr Amt eingesetzt würden bzw. in den Drt zurückkehren dürften, widrigenfalls der Bürgermeister und noch zwei andere meuchlings erschossen würden. Die Nachforschungen ergaben, daß dieser Brief auf der Schreibmaschine des katholischen Pfarrhauses geschrieben wurde unb daß die katholische Gemeinde- und Krankenschwester Appolonia Schulz Die Schreiberin mar. Sie leugnete Dies auch nicht und mollts Die Sache zunächst allein auf sich nehmen. Im Laufe Der Untersuchungen nannte sie jedoch den 61jährigen Georg Wagner II. als den, der ihr das Konzept Dieses Briefes gegeben habe. W. leugnete dies aber mit größter Bestimmtheit, und Da keine Tatzeugen vorhanDen unD Das Konzept vernichtet war, konnte gegen ihn ein SchulDbemeis nicht erbracht werDen. Er rourDe daher freigesprochen, während die Schwester wegen versuchter Nötigung zu 5 Monaten Gefängnis abzüglich zwei Monate ver- bnßter Haft verurteilt wurde. Der Staatsanwalt, der nach den Zeugenaussagen, die die Schwester als überaus fleißig, opferfreudig und hilfsbereit schilderten, und sie insbesondere keiner Lüge für fähig gelten, bie Angeklagte für glaubwürdig hielt, hatte gegen Wagner 9 Monate und gegen die Schwester 4 Monate Gefängnis beantragt
Kirchliche Nachrichten
Katholische Gemeinden.
Mittwoch, den 14. August.
Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.
# Donnerstag, den 15. August.
Fe st Mariae Himmelfahrt.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Komrnu- Ü-Ou: 9- Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre- Digt; 14.30: Andacht mit Segen. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit predigt. — Cid). 10: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hoch- amt mit Predigt.


