Nachdruck verboten!
9 Fortsetzung
Magdalena sah erstaunt zu ihm auf. Wie anders war heute der Ton seiner Stimme! Nichts Herrisches mehr in Wort und Blick. Ein stiller, gesammelter Ausdruck der Güte, die sofort in ihr alle Bangigkeit nahm. Er stand mit dem Hut in der Hand vor ihr.
„Wenn Sie einen Augenblick Platz nehmen wollen, Herr von Mackenroth!" räumte sie ihre Blumen weg. Mit einer Verbeugung folgte er ihrer Aufforderung. Einen Augenblick saßen sie stumm nebeneinander. Die Befangenheit wollte wieder in Magdalena aufsteigen. Da sagte Eckehard von Mackenroth:
„Gnädiges Fräulein, es ist mir wie ein Wink des Schicksals, daß ich Sie hier allein treffe! Ich weiß, Sie sind Frau von Stechow eine treue Freundin! Darf ich ganz offen etwas mit Ihnen besprechen?"
Magdalena Nichte:
„Gern, Herr von Mackenroth! Was gibt es?"
Eckehard zögerte einen Augenblick. Sollte er seine ganzen Befürchtungen hier vor Magdalena ausbreiten? Aber vielleicht war es besser, als sofort mit allem zu Barbara zu kommen.
„Gnädiges Fräulein, ich bin gerade auf dem Wege Zu Frau von Stechow! Es ist in der Nacht wieder ein Unglücksfall in unseren Ställen geschehen. Die Zuchtstute — Sie kennen sie doch ...!"
„Die Liese?" fragte Magdalena erschreckt. „Was ist mit ihr?"
„Das Tier ist heute nacht plötzlich verendet."
„Aber wie ist denn das möglich? Gestern nachmittag war ich doch vor Beginn des Festes noch mit Barbara auf der Pferdekoppel. Da freuten wir uns noch über Liefes Uebermut und Kraft. Das wird Barbara sehr nahe gehen."
„Das fürchte ich auch, gnädiges Fräulein! Auch mir ist es sehr nahe gegangen. Und das Schlimmste dabei ist: ich habe einen Verdacht!"
Magdalena sah ihn fragend an:
„Was für einen Verdacht, Herr von Mackenroth?"
Eckehard blickte sich um:
„Gnädiges Fräulein, ich fürchte, daß hier auf dem Gut Kräfte am Werke sind, um Frau von
„Das ist noch immer kein Grund, gegen einen unschuldigen Menschen derart verletzend zu sein."
Eckehard sagte es mit finsterer Stirn. All die Empörung und die Scham der Erinnerung stiegen
geheuer. Es könnte ein planmäßiger Vernichtungsfeldzug sein, der da begonnen hat."
Magdalena war ganz blaß geworden:
„Aber um Himmels willen, wer sollte daran ein Interesse haben? Barbara ist doch eine so gerechte Gutsherrin und sorgt so für das Wohl ihrer Leute. Glauben Sie, persönliche Rachsucht?"
Eckehard zuckte mit den Schultern:
„Persönlich vielleicht nicht, mein gnädiges Fräulein. Aber die deutschen Besitzer sind hier gewissen Kreisen ein Dorn im Auge. Vielleicht möchte man die Güter allmählich selbst erwerben."
„Niemals wird Barbara sich zwingen lassen, ihr Besitztum aus der Hand zu geben."
„Das ist es ja eben. Aber vielleicht versucht man sie zu schädigen, bis sie der Dinge müde wird."
„Aber dann ist es doch Ihre Pflicht, Herr von Mackenroth, meiner Freundin unverzüglich von Ihrem Verdacht Mitteilung zu machen."
Eckehard nickte:
„Darum spreche ich ja zuvor mit Ihnen, gnädiges Fräulein. Frau von Stechow hat aus irgendwelchen Gründen ein Mißtrauen gegen mich. Es gab schon einmal eine kleine Auseinandersetzung zwischen dem Oberinspektor Rockesch und mir wegen der Obduktion eines auf rätselhafte Weise verendeten Tieres. Da hat sich Frau von Stechow auf die Seite des Oberinspektors gestellt. Ich konnte nichts sagen. Rockesch ist mein Vorgesetzter und Frau von Stechow meine Arbeitgeberin. Darum wollte ich Sie bitten, mit Frau von Stechow einmal in Ruhe zu sprechen, wenn ..."
„Wenn was, Herr von Mackenroth?"
Der Mann zögerte einen Augenblick. Dann sagte er leise: „Wenn ich nicht mehr hier bin."
„Sie wollen von hier fort, Herr von Mackenroth?"
„Ich glaube, es ist das Beste, mein gnädiges Fräulein. Frau von Stechow scheint mit mir nicht zufrieden zu sein, soviel Mühe ich mir auch gegeben habe — und ich bin nicht der Mensch, der sich auf die Dauer eine Behandlung wie die von gestern abend gefallen läßt."
Da faßte Magdalena impulsiv beide Hände Eckehards. Flehend sagte sie:
„Sie dürfen nicht gehen, Herr von Mackenroth. Ich bitte Sie: Tun Sie es nicht! Ich weiß nicht, was Barbara dazu bringt, gegen Sie so eigentümlich zu sein. Aber glauben Sie mir, es ist nicht Barbaras wirkliches Wesen. Sie hat irgendeinen tieferen Kummer. Vielleicht hat sie das Unglück, das sie getroffen hat, noch nicht überwunden."
Kamm verkennst!»« mich, Barbara?
Roman von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)
Stechow zu schädigen. Die Häufung von Todes- , r_____o ____
fällen in unserem Viehbestand find mir. nicht gun^rviedex m ihm (U&
Magdalenas Stimme war sehr zart und weich, ass sie jetzt meinte:
„Sollte es nicht Situationen geben, Herr von Mackenroth, in denen ein Mensch irgend etwas tut, nur um seinen eigenen Kummer zu betäuben?"
Eckehard stutzte. Vielleicht hatte Magdalena recht. Hatte er nicht selber Magdalena gestern an sich herangezogen, nur um Barbara zu zeigen, daß er nicht an sie dächte?
Schwer sagte er:
„Sie haben recht! Man tut vielleicht manches aus Kummer oder aus Verzweiflung, was man bei ruhiger Ueberlegung unterlassen würde. Aber dennoch halte ich es für. besser, wenn ich Frau von Stechow mein Abschiedsgesuch unterbreite. Ein solcher Besitz hier erfordert das Zusammenfassen aller Kräfte in der Arbeit. Wenn Mißtrauen zwischen Menschen besteht, kann die Arbeit nicht fruchtbar werden. Darum ist es besser, ich gehe!"
Wieder streckte Magdalena Eckehard die Hände entgegen?
„Ich bitte Sie, übereilen Sie nichts, Herr von Mackenroth. Gerade, wenn Sie jetzt glauben, daß hier auf dem Gut irgend etwas Unrechtes geschieht, ist es Ihre Pflicht, zu bleiben."
„Wenn eine andere aber diese Pflichterfüllung nicht wünscht?"
„Dann ist es dennoch Ihre Pflicht, Herr von Mackenroth."
In Magdalenas zartem, weichem Gesichtchen stand eine ernste Mahnung. Ihre sanfte Stimme klang entschieden. Eckeharo hatte die Hände des jungen Mädchens ergriffen. Ihre Worte hatten ihn tief ergriffen. Sie hatte recht, diese junge Magdalena Gerwig. Er mußte persönlichen Schmerz und persönliche Kränkung unterdrücken.
„Sie haben mich zur richtigen Zeit gemahnt, Fräulein Gerwig. Solange mich Frau von Stechow behalten will, werde ich bleiben. Hier meine Hand darauf!"
Fest lagen die Hände der beiden Menschen ineinander.
„Auf gute Kameradschaft?" fragte Eckehard.
Magdalena nickte. Sie sah ihn strahlend an.
Selbstvergessen ruhten Eckehards Auaen auf Magdalenas Gesicht. Wenn man ein solches Mäd- chen hätte lieben können — sanft, weich, voll innerer Harmonie! Warum mußte man fein Herz an einen Menschen verlieren, der einem ewig unerreichbar war, und der einem deutlich zeigte, wie tief man unter ihm stand? Aber er wollte jetzt nicht daran denken. Die Mahnung Magdalenas mußte ihm Richtschnur fein. Magdalena hatte mit heißem Erröten den nachdenklichen Blick des Mannes in sich aufgenommen. Er sollte sie nicht so ansehen. Darm kam wieder jene eigmtüockchs Unruhe
Deutsche Arbeitsfront.
Amt für Berufserziehung.
Das Amt für Berufserziehung gründet eine Kurzschrift-Vereinigung, die allen Mitgliedern der DAF. offensteht. Aufgabe dieser Kurzschrift-Vereinigung ist es, die Teilnehmer einzuführen in die Praxis der Redeschrift, um durch intensive Hebungen zu Höchstgeschwindigkeiten zu gelangen. Für diese Ausbildung wird lediglich ein Monatsbeitrag von 0,50 RM. für die Teilnehmer der Kurzschrift- Vereinigung erhoben. Anmeldungen werden in der Geschäftsstelle des Amtes für Berufserziehung, Gießen, Lonyftraße 18, entgegengenommen.
Wirtschaftsgruppe Tabakindusirie.
Die Vortragsreihe „Entstehung und Verarbeitung des Tabaks" wird am Samstag, 15. Juni, fortgesetzt. Beginn um 16 Uhr im Kaufm. Vereinshaus, Gießen, Wernerwall. Gleichfalls findet eine Besprechung wegen des geplanten Besuches des Tabakforschungsinstitutes in Forchheim statt.
Reichsbelricbsgemeinschaft Handwerk. Sternfahrt durch Gießen.
Am kommenden Samstag, 15. Juni, kommen 258 Sternfahrer der Fachgruppe Holz durch Gießen. Die Sternfahrer werden morgens um 7.45 Uhr im Cafe Leib verpflegt. Die Kosten der Verpflegung wurden von der Gießener Innung der Schreiner übernommen.
NG.-Gemeinschast„Krast durch Sreuöe"
Die Rheinfahrt am 23. Juni.
Wie schon wiederholt bekanntgegeben wurde, veranstaltet die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" am Sonntag, 23. Juni, die erste Rheinfahrt des Jahres 1935. Die Fahrt geht mit der Bahn von Gießen nach Niederlahnstein, von dort aus mit dem Schiff nach Bingen, nachmittaas mit dem Schiff wieder zurück nach Niederlahnstein, von wo aus die Heimfahrt angetreten wird. Wir haben also die Möglichkeit, die schönste Strecke unseres deutschen Rheines stromauf und -ab zu fahren. In Bingen oder gegenüber in Aßmannshausen oder Rüdes- heim kann die Mittagszeit verbracht werden. Eine große Kapelle wird uns begleiten und uns auf dem Schiff und in Bingen mit einem Konzert erfreuen. Der Gesamtfahrpreis beträgt 5 RM. Mittagessen geht extra, es kann im voraus bestellt werden, Preis 80 Pfennig. Noch 200 Anmeldungen können angenommen werden. Mit der Anmeldung ist sofort der Betrag einzuzahlen. Andere Anmeldungen find ungültig.
Fahrt zum Nürburgring.
Am 28. Juli findet auf dem Nürburgring das Entscheidungsrennen um den großen Preis von Deutschland statt. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beabsichtigt, einen Sonderzug entweder im Anschluß an den Zug Offenbach oder direkt laufen zu lassen. Die Fahrtkosten belaufen sich auf etwa 7 RM. Wir bitten Interessenten, sich umgehend zu melden, damit wir einen Ueberblicf bekommen.
Eine Betriebsfahrt!
An einem der letzten Sonntage unternahm die Belegschaft des Dampfsägewerkes Abendstern ihre schon seit langem geplante Betriebsfahrt. Die Fahrt wurde zusammen mit der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Amt Reisen, Wandern und Urlaub ausgearbeitet. Die Kosten zu der Fahrt wurden zur Hälfte vom Betriebsführer, zur anderen Hälfte aus einer von der Gefolgschaft schon feit langer Zeit geführten Reisekasse bestritten.
Morgens schon um 4.45 Uhr ging die Fahrt von Abendstern über Rodheim—Bieber—Waldgirmes. Hier wurden jeweils die einzelnen Gefolgschaftsmitglieder eingeladen, und dann ging es weiter über Wetzlar, Braunfels nach Weilburg. Dort wurde das Schloß besichtigt, es ging vorbei an der Unglücksstelle des zweiten Zeppelins nach Neuweilnau. Hier gab es ein ordentliches Frühstück, lieber wundervolle Taunusberge wurde die Fahrt bei frohen Liedern nach dem Feldberg und weiter über Königstein, Bad Soden nach Frankfurt am Main fortgesetzt.
Es war mittlerweile Mittag geworden, ein gemeinsames Mahl sah die Teilnehmer im Börsenkel-
„Tierseuchenbekämpfung durch Tierseuchensorschung."
Herr Professor Dr. Zwick sprach gestern abend im Hörsaal des Deterinärhygienischen und Tier^ seucheninstituts über „Tierseuchenbekämpfung durch Tierseuchenforschung". Dieser Vortrag fand in der Reihe der Vorträge, die unter der Bezeichnung „Wissenschaft im Dienst des Volkes" von der Universität und der NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in diesem Semester veranstaltet werden, statt.
Professor Dr. Zwick führte zu dem Thema u. a. ungefähr folgendes aus: „Das Wesen, die Entstehung, und, die Bekämpfung der Tierseuchen seien in der ' Bevölkerung wenig bekannt. Man höre wohl zuweilen, daß Tiere verenden infolge einer Seuche, ab$r man mache sich gar feinen Begriff, welcher Schaden für den Besitzer und für die Land- und Volkswirtschaft dadurch entstehe. Alljährlich entstände ein Schaden von vielen Millionen Reichsmark.
Gerade In Deutschland, wo die Haustiere auf ziemlich engem Raum lebten und wo der Viehverkehr durch handel und Wandel sehr stark fei, sei die Möglichkeit der Ansteckung gegeben.
Selbstverständlich trage das herdeweise Halten der Tiere auch zur Vermehrung der Tierseuchen bei. Die populärste Seuche sei die Maul- und Klauenseuche, die im Jahre 1919 auf 1920 in einem sehr großen Umfange geherrscht habe und der eine Menge Vieh zum Opfer fiel. Eine andere Seuche sei die Tuberkulose unter dem Rinderbestand. Jedes vierte bis fünfte erwachsene Rind fei tuberkulös, so hoch sei der Prozentsatz dieser Krankheit unter den Rindern. Durch die Seuche des ansteckenden Verwerfens werde die Tierzucht schon in ihrer Wurzel stark geschädigt, denn die Tiere bekämen so keinen gesunden Nachwuchs, weil die Tiere, die wirklich trotz dieser Krankheit das Licht der Welt erblicken, bald nach der ^Geburt in den meisten Fällen wieder eingingen. '
Aus diesen Beispielen ersehe man, wie groß die Wertverluste, die durch Infektionskrankheiten verursacht seien, wären. Die Bekämpfung der Seuchen fei Aufgabe der Forschung. Erst wenn man durch die Forschung genau über Wesen der Seuchen
orientiert sei, dann könne man auch mit Erfolg gegen die Seuchen Vorgehen.
Robert koch, dem Begründer der Bakteriologie, gebühre der Hauptverdienst, denn er habe neue Wege in der Bakteriologie durch Züchtung der Erreger auf Nährböden und durch Kolonienbildung außerhalb des Körpers gezeigt.
Der Redner erklärte dann an Hand des Milzbrandes zuerst den Stand der Wissenschaft vor dem Auftreten Robert Kochs, dann die neuen Methoden, die Robert Koch fand. Da der deutsche Staat bei Verenden eines Tieres an Milzbrand eine Entschädigung zahle, so sei es Ausgabe der Deterinärmedi- ziner, diese Krankheit genau zu diagnosieren. Der Milzbrand käme nur in bestimmten Gegenden vor und vornehmlich da, wo Kadaver verscharrt oder wo Gerbereien und Wollspinnereien vorhanden seien. In den Kulturländern habe der Milzbrand dank der veterinärpolizeilichen Vorschriften immer mehr abgenommen. Durch Impfung werde heute ein größerer Schaden verhütet, weil dann die Tiere gegen den Milzrand immun gemacht würden. An Hand von Bildern und praktischen Versuchen zeigte Prof. Zwick fehr deutlich, wie man durch das Eindringen in das Wesen einer Krankheit sie wirksam bekämpfen kann. Als weiteres typisches Beispiel hierzu diente der Schluß seines Vortrages, der die Tuberkulose behandelte. Auch hier sei es wieder Robert Koch gewesen, der den Schwindsuchterreger entdeckt habe und dann auch Wege zur wirksamen Bekämpfung zeigte.
Viele Versuche muhten angestellt werden, bis es auch hier gelungen fei, die Erreger zu züchten.
Die Färbemethoden und die Nährböden, die bei dem Milzbranderreger anaeroenbet worden seien, hätten bei den Tuberkelbazillen versagt. Heute sei man nun in der Lage, durch Tuberkulin festzustellen, ob Tuberkulose latent vorhanden sei. Am Schlüsse seiner interessanten Ausführungen zeigte Herr Prof. Zwick noch im Lichtbild die einzelnen Erreger, ihre Züchtung und ihr Einwirken auf gesunde und kranke Tiere.
Der Dortrag, der aus der Arbeit des veterinär- hygienischen Instituts berichtete, wurde mit großem Interesse verfolgt und mit Beifall ausgenommen.
ler in bester Laune versammelt. Dann begab man sich weiter zur Reichsautobahn. Man kann sich kaum ein Erlebnis oorstellen, das eindringlicher als dieses gewaltige Bauwerk von dem Aufbau- und Friedenswillen des Führers spräche. In Staunen und Bewunderung standen alle auf der Brücke und blickten auf die weite Straße und die Gedanken aller zogen mit der Straße durch das ganze deutsche Vaterland. Es ist unmöglich, die Eindrücke wiederzugeben, die wir in dieser Stunde empfingen!
Dann fuhr man wieder zurück nach Frankfurt, und zwar wurde nun der Zoologische Garten besucht und in froher Stimmung durchwandert. Da der größte Teil der Gefolgschaftsmitglieder aus Landbewohnern bestand, hatten diese natürlich das größte Interesse für die Tiere und ihre Lebensgewohnheiten. Dann ging es wieder zurück bei frohem Gesang. Müde vom vielen Sehen, aber im Herzen voll Kraft und Freude, ging dann spät abends alles auseinander.
Nächsten Montag: Musterunqsbeginn in Gießen.
Vor der zuständigen Stelle, dem Wehrbezirkskommando Gießen, beginnen am nächsten Montag die Musterungen. Die Musterungen der Jahrgänge 1914 und 1915 finden in der Stadt Gießen vom 17. Juni ab jeweils in der Zeit von 8.30 Uhr an im Wehrbezirkskommando Gießen, Liebigftraße 16, nach folgendem Plane statt:
Es melden sich die Dienstpflichtigen, deren Familiennamen beginnen:
von A bis Bi:
„ Bl bis Fl:
„ Fo bis He:
„ Hi bis Ko:
„ Kr bis O:
„ P bis S:
„ Sch, St und T: „ U bis Z:
am 17. Juni 1935, am 18. Juni 1935, am 19. Juni 1935, am 21. Juni 1935, am 24. Juni 1935, am 25. Juni 1935, am 26. Juni 1935, am 27. Juni 1935.
Oie Blutgruppenbestimmung bei der Wehrmacht.
Durch den Erlaß des Oberbefehlshabers des Heeres ist im Heer die Blutgruppenbestimmung eingeführt worden.
In diesem Zusammenhang Und die Mitteilungen bemerkenswert, die Dr. Biedermann im „Deutschen Aerzteblatt" gemacht hat: „Die Deutschland umgebenden Mächte haben die großen Vorzüge der Bluttransfusion besonders nach dem Kriege erkannt und sind bemüht, rechtzeitig die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. So wird in Frankreich die Blutgruppenbestimmung bei den Rekruten ebenso wie in Jugoslawien gefordert, außerdem noch die Bereitstellung von Spendern und Transfusionstrupps mit Aerzten, die motorisiert fein sollen, um sofort überall eingesetzt werden zu können. Auch Rußland bestimmt bei jedem Rekruten die Blutgruppe und
läßt sie in den Paß eintragen. Es ist also auch für Deutschland dringend geboten, alles Erforderliche für den Kriegsfall zu tun, und zwar durch die Be- ftimmung dek. Blutgruppen bei sämtlichen Angehörigen des Heekes — mit Eintragung der Gruppe in den Militärpaß ober Eintätowieren in den Arm — durch rechtzeitige Schaffung von Spendertrupps mit besonders auf die Bluttransfusion eingearbeiteten Aerzten, um nicht das letzte Mittel unversucht zu lassen zur Rettung deutscher Volksgenossen."
Jahreshauptversammlung des Gießener Lesehallen-Vereins.
Der Gießener Lesehallen-Derein, der im Neuenweger Tor eine Volksbücher- und im Selterstor die Zeitungslesehalle unterhält, hielt gestern in der Universitäts-Bibliothek seine Jahreshauptversammlung ab. Der Vereinsführer, Universitäts-Professor Dr. Eger, gedachte der verstorbenen Mitglieder Rentner August Schwan und Kohlenhändler Fischer, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Er sprach von dem regen Gebrauch der Einrichtungen und hob die unter Anleitung der Landesberatungsstelle für das Volksbüchereiwefen in Darmstadt ausgeführten Anschaffungen neuerer Literatur hervor. Die starke Beanspruchung der Lesehalle läßt erneut die Frage nach einem größeren Raum aufkommen.
Der Schriftführer Studienrat Dr. Krauß gab Kenntnis von einem Schreiben des Leiters der Darmstädter Landesberatungsstelle Dr. F u h r. Frl. Vogt erstattete Bericht zunächst über die Frequenz der Bücherlesehalle, die 530 Leser verzeichnen kann, 15 824 Bände im letzten Geschäftsjahr ausgeliehen hat und über insgesamt 9350 Bände verfügt. Der Bücherbestand ist in den letzten Monaten um größere Anschaffungen im Werte von über 1000 Mark vermehrt worden, so daß ein Gesamtbestand von annähernd 10 000 Büchern vorhanden ist. Bei der Bücherausleihe macht sich die stärkere Nachfrage nach Literatur der Bewegung und des Weltkrieges bemerkbar. In der Zeitungslefehalle ist der Zei- tungsbeftanb zufammengefchmolzen, obgleich auch hier ein guter Besuch zu verzeichnen ist. Der Mangel an Darmstädter, an oberhessischen und einiger Zeitungen des angrenzenden preußischen Gebietes wird Mauert.
Bankdirektor Grießbauer wies in feinem Rechenschaftsbericht auf den bedauerlichen Rückgang des Mitgliederbestandes hin, der auf 66 Mitglieder anaelangt fei. Dementsprechend sind auch die Einnahmen gesunken. Einschließlich oes städtischen Zuschusses betrugen die Einnahmen rund 2700 Mark, die Ausgaben rund 2866 Mark. Rund 1500 Mark der Ausgaben entfielen auf Neuanschaffungen. Auch von 1250 Mark Kasfenbestand sind 1070 Mark im laufenden Jahr für Bücherkäufe verwandt worden. Einschließlich eines Vermögensrestes verfügt- der Verein noch über ein Gesamtvermögen in Höhe von 5121,53 Mark. Weitere Bücher sollen aus Vermögensbeständen angefchafft werden. Bei der Lesehalle betragen die Einnahmen einschließlich des städttschen Zuschusses 1264 Mark, die Ausgaben, in denen etwa 409 Mark für Zeitungsgelder enthalten sind, 1240 Mark. Ein Vermögen ist nicht vorhanden.
Nachdem dem Rechner Entlastung erteilt worden war, dankte der Vereinsführer auch Frl. Voat und deren Mitarbeiterinnen für die hingebende Arbeit. Für die Neuwerbung von Mitgliedern werden dementsprechende Schritte bei Gießener Firmen und auch bei der DAF. unternommen werden. Der Mitgliederbeitrag beträgt 2 Mark im Jahr. Die mit neuzeitlicher Literatur auf gefüllte und ge- « Bibliothek entspricht allen Anforderungen euzeit und verdient besondere Beachtung in weitesten Dolkskreisen. Dereinsführer Professor Dr. Eger betätigte Bankdirektor Grießbauer als Rechner, Studienrat Dr. Krauß als Schriftwart, Bibliotheksdirektor Universitäts-Professor Dr. Velke und Universitäts-Bibliothekar Professor Dr. Koch als Beiräte. Direktor Velke sprach dem Dereinsführer Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit aus.
über sie. Um ihre Befangenheit zu überwinden, griff sie nach dem Strauß, der erst halb fertig in ihrem Schoß ruhte.
„Nun muß ich mich aber beeilen", scherzte sie, „wenn ich den Strauß für den Frühstück-tisch fertig haben will."
„Darf ich Ihnen zureichen?" fragte er.
Sie nickte. Da ergriff er die weißen Margueri- ten, die blauen Kuckucksblumen, den Mohn und die zarten Gräser. Sie hätte nie geglaubt, daß seine Hand so behutsam fein konnte.
12. Kapitel.
Barbara von Stechow war kurz nach Magdalena erwacht. Erstaunt sah sie auf die Uhr. Es war bereits eine Stunde über ihre gewohnte Zeit. Die Zofe hatte sie nicht geweckt. Offenbar hatte sie geglaubt, daß die Herrin heute nach dem Fest ein wenig länger ruhen wollte. Schnell zoa Barbara sich an. Um 9 Uhr kam ja gewoynheitsgemäß Oberinspektor Rockesch ober Mackenroth zum Bericht zu ihr. Da wollte sie doch wenigstens mit Frühstücken fertig fein.
Im Badezimmer hantierte die Zofe leise und kam jetzt nach kurzem Klopfen herein.
„Darf ich die Jalousien Hochziehen, gnädige Frau?"
Barbara nickte. Sie dehnte sich noch einen Augenblick in den Kissen, indes die Zofe die Jalousien hochzog. Sofort war der Raum von strahlendem Sonnenlicht erfüllt.
„Ein wunderbarer Morgen heute", sagte das Mädchen. „Darf ich der gnädigen Frau das weiße Kleid herauslegen?"
Barbara nickte. Während die Zofe nebenan im Ankleidezimmer an den Schränken hantierte, warf sie ihren hellgrünfeidenen Morgenrock um. Es war ein Geschenk eines Vetters aus Tokio und zeigte auf dem fanftgrünen Grunde kunstvoll gestickte Zweige von Apfelblüten, in denen kleine Vögel faßen.
Im Badezimmer war das Bad bereits gerichtet. Es duftete sanft nach Kölnisch Wasser und Badesalz. Barbara machte sich schnell fertig. Dann kam sie ins Ankleidezimmer zurück. Bald stand sie fertig angekleidet uno prüfte sich noch einmal vor dem Spiegel. Dann ging sie hinunter.
„Haben Sie Fräulein Gerwig schon gesehen?" fragte sie den Diener Franz, der gerade mit den frisch gefüllten Blumenschalen in den Eßsaal gehen wollte.
„Fräulein Gerwig war vor einer halben Stunde da und ist in den Park gegangen. Soll ich sie rufen?"
„Nein — danke, Franz. Ich gehe schon selbst. Sagen Sie der Mamsell, daß der Kaffee herausgebracht werden kann?
_ (Seötonü WU _


