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Obecheffen

egenTotschlagsversuchsvordemSchwurgericht

Nachdruck verboten!

6. Fortsetzung

LPD. Worms, 13. Febr. Vor dem Hessischen Sondergericht, das zu diesem Zwecke in Worms tagte, hatten sich acht Wormser Mitglieder der ver­botenen Internationalen Bibelforscher zu verantworten. Die Angeklagten trafen sich in der Wohnung eines ebenfalls angeklagten Ehepaares, wo sie verbotene Bibelforscher-Schriften lasen. Sie wurden des Vergehens gegen die Verordnung des Hessischen Staatsministeriums vom Oktober 1933 m Verbindung mit der Verordnung des Reichspraft- denten zum Schutze von Volk und Staat für schuldig befunden und zu Gefängnisstrafen von ein bis drei Monaten verurteilt.________

* Großen-Linden, 13. Febr. Am nächsten Samstag, 16.Februar, feiert Altbürgermeister Leun in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 80 Geburtstag. Bürgermeister Leun hat 33 Jahre lang die Geschäfte der hiesigen Bürger­meisterei versehen. Während dieser Zeit wurde eine Anzahl größerer Objekte in der Gemeinde durch­geführt. Seine ganze Kraft legte er bald auf die Errichtung eines Bahnhofs an der Main Weser- Bahn, was viele Mühe und Arbeit verursachte. Leun war keine Mühe zu viel, bis er das Ziel erreicht hatte. Während seiner Amtszeit wurde auch die Wasserleitung gebaut, die Kirche umgebaut, das erste Pfarrhaus renoviert sowie eine Reihe von Straßen gebaut. Leun war lange Jahre Landtags- abqeordneter und weit über unsere Grenze hinaus bekannt. Vielen hat er mit Rat und Tat zur Seite

Unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Heid trat gestern das Oberhessische Schwur­gericht in Gießen zusammen, um gegen den Eugen Kiesel aus Friedberg, z. Z. in Unter­suchungshaft, zu verhandeln. Bei dem ^geklagten, der sich wegen versuchten Totschlags zu verant­worten hatte, handelt es sich um einen labilen Menschen, dem das Gleichgewicht fehlt. Obwohl er fchon zehn Jahre in Friedberg ansässig ist, führte er doch ein unstetes, heimatloses der Angeklagte ist staatenlos Leben.

Seit Sommer 1932 unterhielt der Angeklagte zu einer Frau aus Friedberg Beziehungen, die sehr weit gingen. Kiesel war der Frau bei der Arbeit

Polizei. ...... f ...

Nach dem Gutachten des Sachverständigen handelt es sich bei dem Angeklagten um einen Psychopathen, dem der Absatz 2 des § 51 StGB, zugute kommen nunter Würdigung dieses Umstandes erkannte das Gericht auf eine Zuchthausstrafe vonzwei Jahren sechs Monaten unter Anrechnung von sieben Monaten drei Wochen erlittener Unter­suchungshaft. Außerdem wurde die Einziehung der Waffe und der Munition ausgesprochen Der Ver­treter der Anklage hatte drei Jahre Zuchthaus be­antragt. _________

Ernste Bibelforscher vor dem Sondergericht.

gestellt werden.

Im Jahre 1905 mußte man allmählich an eine Erweiterung des Friedhofs denken; am 25. Mai beschloß daher der Gemeinderat, daß die Erwecke- rung an der Westseite vorgenommen werden solle. Hier kam neben anderen Eigentümern auch der Freiherr von Nordeck zur Rabenau in Betracht. Man wollte mit ihm einen Tausch vornehmen gegen den alten Friedhof. Am 2. Mai 1906 beschloß der Gemeinderat daher:Das Tauschobjekt des Herrn von Rabenau soll insofern angenommen werden, daß das Gelände des alten Friedhofes ein­schließlich der Fichten und sonstigen Bäume pro Ruthe zu 7,50 Mark gegen das Gelände zum neuen Friedhof mit 5 Mark angerechnet werden soll. Der Tausch kam aber nicht zustande, und so beschloß der Gemeinderat am 1. Juni 1906, das Gelände zu ^Alsdann noch im Jahre 1907 die Einfriedigung des nunmehr fehr geräumigen Friedhofes mit einer

Kein deutscher Jungarbeiter, keine deutsche Jungarbeiterin fehlt beim

Reichsberusswettkampf

vom 18. bis 23. INärz.

wirklich anständiges Bild gegeben. Heute tat das Horst in der Seele weh, denn er wußte, auch Die Erinnerung an den geliebtesten Menschen trübte sich durch die Zeit. t , ...

So würde sie auch das Bild des Vaters tn ihm verwischen, wie das der Mutter mehr und mehr vor dem geistigen Auge verblaßt war.

Wie mochte Helma aussehen? Immer wieder ver­suchte er sie sich vorzustellen aber es war un­möglich. Nur die Züge der kleinen Kindheitsgespielm waren ihm gegenwärtig. *

Er hatte im Atlantikhotel ein Zimmer bestellt und wurde von dem Geschäftsführer ehrerbietig empfan­gen, sowie er seinen Namen genannt.

Es sind schon telephonische Anfragen nach Ihrer Ankunft eingegangen, Herr von Gernsheim!" fagte er.Hier, bitte..."

Er überreichte ihm einen Zettel, auf dem einige Nummern verzeichnet standen. Horst überlas flüch­tig. Das Tropeninstitut hatte angefragt, eine Ham­burger Zeitung bat um ein Interview und ein ausländischer Verleger, der für ein paar Tage m Hamburg war, meldete sich für den heutigen Tag an. . ..

Horst lächelte. Das war ja bemah em amerika­nisches Tempo, in dem man ihn hier bestürmte. Er hatte es eigentlich gar nicht so heftig angehen lassen wollen. Das Tropeninstitut, natürlich. Aber abgesehen von den dortigen Besprechungen, hatte er ein wenig Hamburg genießen wollen, das von Jugend her'seine Liebe war. Er hatte einmal auf der Schule einen Hamburger Jungen zum Freund gehabt und war von dessen Eltern auf Ferien hierher eingeladen worden.

Da hatte er sich den nicht genug tun können in der Bewunderung des Hafens, der Alsteranlagen, der Fleets und Sankt Paulis. Freilich, damals als Gymnasiasten hatten sie nur verstohlen ihren Bum­mel auf der Reeperbahn machen dürfen.

Er ließ sich in das bestellte Hotelzimmer hinauf- fahren. Als der Zimmerkellner ihm die Tür öffnete, stutzte Horst. Ein Blumenduft, süß und zart, kam ihm entgegen tiefpurpurne Herbstrosen standen in üppig leuchtendem Glanz in einer breiten Schale auf seinem Tisch, grüßten den Heimgekommenen mit der sanften Lieblichkeit ihrer spaten Blute.

Von wem?" wollte Horst von Gernsheim fragen. Er dachte an eine Aufmerksamkeit des Hotels. Aber da sah er schon eine kleine Karte neben den Blu­men auf der Tischdecke liegen.

Einen innigen Willkommgruß aus der Heimat von Helma!" las er.

Ein warmes, herzliches Gefühl durchzuckte ihn. Helma! Wie lieb von ihr, so an seine erste Etappe auf deutschem Boden zu denken. Wie hatte sie nur so genau den Tag seiner Ankunft gewußt? Er hatte ihn doch nicht als sicher angegeben?

(Fortsetzung folgt!)

4 Tage alt.

Bereits im Jahre 1869 war das Gelände für den neuen Friedhof erworben und planiert worden und an der Straßenseite die Mauer mit dem Em- qangstor errichtet. Die übrigen drei Seiten wur­den mit einer Holzeinfriedigung versehen Die ganze Anlage, die damals kleiner war, als Der heutige Friedhof, verursachte der Gemeinde etwa 1700 Gulden (2900 Mark) Kosten, die, nach den vorhandenen Gemeinderechnungen, in den Jahren 1869/71 bezahlt wurden. Aber die Gemeinderech­nung von 1869 weist in dieser Sache auch einen Einnahmeposten auf:Empfangen von den israeli­tischen Gemeinden Reiskirchen 15 Gulden, Großen- Buseck 25 Gulden, Burkhardsfelden 15 Gulden, Alten-Buseck 30 Gulden zum Ankauf des Geländes zum neuen Friedhof." Warum diese israelitischen Gemeinden die Beiträge leisten mußten, ob viel­leicht beabsichtigt war, die Israeliten auch auf dem neuen Friedhof zu beerdigen oder welche anderen Gründe dafür maßgebend waren, konnte nicht fest-

Helma lächelt.

Kriminalroman von Klothilde von Stegmann.

Urheberrochtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

behilflich, während diese sich um sein Hauswesen kümmerte und ihn verpflegte. Diese Beziehungen dauerten über ein Jahr an. Etwa im Oktober 1933 kam es zwischen beiden zum Bruch. Während der Abbruch der Freundschaft auf die Frau so gut rote keinen Eindruck machte, entstand in dem Angeklagten ein tiefer Groll gegen die als Zeugin vernommene Frau. Im März 1934 begab er sich noch einmal zu der Frau, um ihr Vorhaltungen zu machen und ihr gemachte Geschenke zurückzuverlangen. Seitdem sind beide nicht mehr zusammengekommen.

Am 18. Juni 1934 begab sich die grau, die Zeu­gin, mit ihren beiden Töchtern nach ihrem etwas abgelegenen Garten. Vor dem Garten unterhielt ich die Zeugin mit einem Zeugen. Wahrend der Interhaltung ging der Angeklagte vorüber. Er dead- ichtigte, der Zeugin Vorhaltungen zu machen. Der Angeklagte behauptete, die Frau habe, als er vor­überging, nach ihm gedeutet und gelacht. Das wurde jedoch durch die Beweisaufnahme widerlegt. Hier­über will der Angeklagte in Erregung gekommen sein und er habe sich mit dem Entschluß getra­gen,' die Frau und sich zu erschießen. Er wollte, wie er bekundet, der Frau einen Denkzettel geben. Der Angeklagte begab sich nach Hause, holte seinen Re­volver, den er mit fünf Schuß geladen hatte, und begab sich nach dem Garten zurück Sieben Schuß Munition steckte er noch in die Tasche. Am Garten

worum es sich in dem zweiten Telegramm Hop- mans handelte.

Als sie wiederkam, stand Hopman bereits wie­der als Professor Schröder zusammengesunken und mit der Brille vor den zwinkernden Augen da.

Ich werde mich zum nächsten Zuge offiziell von Ihnen verabschieden, gnädiges Fräulein, und Sie bitten, mich zur Bahn fahren zu lassen da ich einer wissenschaftlichen Tagung in Frankfurt bei­wohnen müsse. Wundern Sie sich nicht, wenn ich in einer anderen Verkleidung mich hier in der Gegend herumtreibe. Seien Sie ohne Sorge. Ich bin ein gut Stück weitergekommen. Ich gebe Ihnen baldigst neue Nachricht."

Eine halbe Stunde darauf geleitete Helma Pro­fessor Schröder bis zu dem Wagen, der vor dem Schloßportal hielt. Charles half dem alten Herrn in den Wagen und nahm ein reichliches Trinkgeld in Empfang. . m , rr _, ..

Noch an der Wegbiegung winkte Professor Schro­der der zurückbleibenden Helma zu.

Helma sah mit einem Gefühl der Angst dem da­vonrollenden Wagen nach. Sie hatte sich so sicher in der Gegenwart Hopmans gefühlt, obgleich sie keine Ahnung hatte, was er eigentlich schon entdeckt hatte, und wohin seine Pläne zielten. Langsam ging sie ins Haus zurück, dessen Tür Charles für sie offen hielt. , ,, .

Einen Augenblick stand sie noch nachdenklich m der Halle. Dann ging sie in ihr Zimmer. Am besten war es, sich mit einem guten Buch in den Schlaf zu lesen.

Es klopfte an der Tür zum Ankleidezimmer.

Auf HelmasHerein!" erschien Fanny und fragte: Kann ich dem gnädigen Fräulein behilflich fern?

Ich danke!" sagte Helma freundlich.Ich brauche nichts mehr, Fanny. Lassen Sie mir noch Bade­wasser ein, dann können Sie auch schlafen gehen!

Ich möchte um die Erlaubnis bitten, daß ich noch eine Stunde ins Dorf gehen dürfte zu einer Freundin!", sagte das Mädchen leise.

Helma lächelte gütig.

,Za! Gehen Sie nur, damit Sie auf andere Ge­danken kommen, Fanny. Sie gefallen mir feit eini­ger Zeit gar nicht. Ist die Freundin vielleicht em junger Bursche aus dem Dorf, und Sie haben Kummer?" v ,...., _....

Statt einer Antwort schluchzte das hübsche Mäd­chen plötzlich laut auf und lief fluchtartig hinaus.

Helma sah ihr nach, schüttelte mit dem Kopfe. Dann machte sie sich für die Nacht fertig, und nach i einer Stunde bereits waren die Fenster ihres Schlafzimmers dunkel.

i 10. Kapitel.

Im Hamburger Hafen kam dieColumbia" nach stürmischer Fahrt an. Sie war infolge hohen See- i gangs überfällig gewesen.

i Den Passagieren, die jetzt über die schmale Schiffs­brücke herunter die kleinen Barkassen betraten, die

R-Gespräche.

Eine neue Ferngesprächsart ab -15. Februar.

düng ausgefertigt, als ob das Gespräch von der verlangten Sprechstelle angemeldet worden sei. Nach dieser Rückanmeldung werden die Gespräche als Gespräche mit Rückanmeldung" oder kurz alsR.- Gespräche" bezeichnet. Wird die Uebernahme der Gebühren abgelehnt, so hat der Anmelder die Vor­anmeldegebühr zu entrichten.

Die R.-Gespräche haben sich in einigen fremden Ländern gut eingesiihrt und dürften auch in Deutschland beifällig ausgenommen werden. Sie eignen sich z. B. für den Verkehr zwischen Reisen­den und ihren Firmen, sowie für Teilnehmer, die von auswärts mit ihrem Anschluß sprechen wollen. Die R.-Gespräche lassen sich auch für Werbezwecke benutzen, wenn die Firmen sich auf ihren An­preisungen bereiterklären, bei Bestellungen von einem bestimmten Betrage an die Gebühren für die Bestellgespräche zu übernehmen.

anqelanqt, kam es zu einem Zusammenstoß mit den Töchtern der Frau. Der Angeklagte versuchte, in den Garten einzudringen und betrat ihn auch. Da stellte sich ihm die ältere Tochter der Zeugin entgegen. Als der Angeklagte darauf seinen Re­volver zog, floh Die Tochter nach hinten, und es fiel ein Schuß. Kiefel war mittlerweile weiter in den Garten vorgedrungen und feuerte einen zwei­ten Schuß in Richtung der ebenfalls fliehenden jüngeren Tochter. Die im Garten arbeitende Frau wurde durch die Hilferufe ihrer Töchter aufmerk­sam und versuchte, aus dem Garten auf die Straße zu laufen. Der Angeklagte folgte ihr aber mit der Waffe in der Hand und gab in unmittelbarer Nähe einen Schuß ab, der an der Stirn der Zeu­gin vorbeiging. Sie drehte sich nun fyerum und packte den Angeklagten am Kragen. In diesem Augenblick gab er zwei weitere Schüsse ab Der erste traf die Frau am Hinterkopf, wahrend der zweite Schuß sein Ziel verfehlte. Die Zeugin hatte den Angeklagten zusammen mit ihrer Tochter zu Boden geworfen. Da versuchte er noch einmal zu schießen, was jedoch durch das Hinzukommen eines jungen Mannes vereitelt wurde. Der Mann nahm dem Angeklagten die Waffe ab und brachte ihn zur

gestanden.

Kundgebung der NSDAP, in Lich. \

? Lich, 13. Febr. Die Ortsgruppe Lich ( der NSDAP, hatte für den gestrigen Abend zu einer Kundgebung in die hiesige Turnhalle ( eingeladen. Nach einleitendem schneidigen Spiel des < Spielmannszuges, Begrüßungsworten des Orts­gruppenleiters Pg. K. Kuhn und gemeinsamem Gesang des LiedesVolk ans Gewehr" sprach Pg. Heß (Gießen) über die innenpolitische Lage. Der Redner sagte u. a., es gebe Volksgenossen, denen Der Neuaufbau Deutschlands nicht schnell genug gehe, denen das, was die Regierung Adolf Hitlers bisher geleistet habe, noch nicht genüge, und die an allen Maßnahmen der nationalsozialistischen Regie­rung immer etwas auszusetzen hätten. Die Ursache dieser Unzufriedenheit liege in den weitaus meisten Fällen bei den Unzufriedenen selbst, da diese Men­schen noch immer in der Ichsucht, im Liberalismus ihr Heil zu sehen und zu finden glaubten und eben noch nicht begriffen hätten, im Sinne wahrer Volks­gemeinschaft zu denken, zu handeln und zu leben. Mit der nationalsozialistischen Revolution hätten sich zwar die Machtverhältnisse im Deutschen Reich grundlegend geändert, doch habe bei manchen Volks­genossen die innere Revolution nicht Schritt ge­halten. Diese Volksgenossen hätten nur zu schnell vergessen, welche gewaltigen Aufgaben Adolf Hitler bei der Machtübernahme vorfand und daß der Nationalsozialismus nicht nur für einen Stand, für eine Klasse von Volksgenossen, sondern für das ganze deutsche Volk gekämpft habe und kämpfe. Wir erlebten heute einen Neuaufbau, der ständig, wenn auch langsam, aber mit Gewißheit vorwärts- schreite. Aber welche Voraussetzungen in geistiger und seelischer Hinsicht mußten für dieses Werk erst geschaffen werden. Diese Voraussetzungen habe unser Führer in zäher, aufopfernder Arbeit geschas- fen. Adolf Hitler habe um die Seele des deutschen Volkes gekämpft, er machte uns klar, daß nur durch das Zusammengehen aller Stände und Berufe das : Wohl des Staates und des ganzen deutschen Volkes : erreicht werden könne. Der Nationalsozialismus fordere aber auch Menschen, die mit ganzem Her­zen Dabei und alle Zeit bereit seien, auch das Letzte für das große Werk des Führers im Interesse des deutschen Volkes herzugeben. Wir alle wußten, daß alles, was der Führer bisher getan habe, stets zum Wohle des deutschen Volkes war. Daraus er­wachse uns die Pflicht, alles zu tun, damit der Gedanke der Volksgemeinschaft immer tiefere Wur­zeln schlage und in unseren Herzen sich befestige, damit das Dritte Deutsche Reich, das wir ausbauen helfen, der Stolz der kommenden deutschen Volks­genossen sei. Wir mühten uns dieser Pflicht immer bewußt sein und mit gläubigem Herzen dem Füh­rer in vollem Vertrauen folgen. Lebhafter Beifall brachte dem Redner die volle Zustimmung zu seinen Worten zum Ausdruck. Der Ortsgruppenlecker schloß die Kundgebung mit einem Gelöbnis zum Führer, in das die Anwesenden begeistert einstimmten.

DND. Am 15. Februar wird im innerdeut­schen Fernsprechverkehr von Ort zu Ort eine neue Ferngesprächsart eingeführt, bei der die Gebühren nicht vom Anmelder, sondern von der verlangten Sprechstelle bezahlt wer­den. Für die Mehrleistungen wird die Voranmelde­gebühr erhoben, dafür darf der Anmelder, wie bei Doranmeldegesprächen, die Person, mit der er das Gespräch zu führen wünscht, namentlich bezeichnen. Bei einem solchen Gespräch, das stets beim Fern­amt anzumelden ist, muß der Antrag, der ver­langten Sprechstelle die Gebühr anzurechnen, so­gleich bei der Anmeldung gestellt werden. Die ver­langte Sprechstelle wird unverzüglich verständigt und gefragt, ob sie bereit ist, die Gesprächsgebühr Und die Voranmeldegebühr zu übernehmen. Er­klärt sich bei der Sprechstelle der Befragte damit einverstanden, so wird eine neue Gesprächsanmel-

Er rückte an seiner Brille und las laut:

Frau Adele Lindemann, Wirtschafterin bei Pro­fessor Schröder, Berlin W 50, Dahnstraße 35. Reise heute Frankfurt. Eintreffe morgen nacht Ber­lin. Schroder.

Er hatte mit lauter Stimme gelesen und dabei das Mädchen scharf beobachtet. Es war ihm nicht entgangen, daß ein erleichtertes Aufatmen ihre ^Wollen Sie denn nicht noch das Buch sehen, das Sie so interessierte, Herr Professor?" fragte Helma.

Fanny kann ja einmal im Zimmer unseres Gastes nachsehen. Sicherlich hat er es mit hmausgenom- metQh" sagte Professor Schröder und wollte sich unwillkürlich bücken, Denn das Telegramm war aus den Händen der Zofe gefallen,bemühen Sie sich nicht wegen des Buches, gnädiges Fraulem Ich komme doch schon in wenigen Tagen wieder dann werde ich ja die Ehre haben, den HerrnDoktor zu sprechen. Ich kann es ihm bei dem schonen Wetter nicht verdenken, daß er in di- Berge gegangen 'st, statt hier in der Bibliothek zu sitzen. Als >ch ,ung war, habe ich es gerade so gemacht.

Er hörte auf, in dem langsamen A.l/^nnerton zu sprechen, denn die Zofe war nun nut dem Tele­gramm zur Tür hinaus.

Hopman trat ans Fenster und sah, wie sie gleich darauf aus dem Schloßportal trat. Aber sie g g nicht in Richtung des Dorfes, wo die Post ag,^son­dern, nachdem sie sich umgesehen hatte, lief sie schn durch eine Seitenpforte, die in den Park suyne.

Hopman lächelte befriedigt. Dann wandte er sich schnell zu Helma, die mit einem Ausdruck des Nichtbegreifens neben ihm stand.

Und nun, mein gnädiges Fräulein, möchte ich für meine Person noch ein zweites Telegramm ""^ch "schade! Das hätte ja Fanny auch gleich mitnehmen können."

Hopman lächelte. .

Nein! Es ist genug, wenn mir Fanny das erste Telegramm anvertraut haben. Das zweite möchte ich lieber persönlich, und zwar durch den Fernsprecher aufgeben. Bitte, passen Sie auf, ob ich hier in dem Vibliotheksraum auch nicht belauscht werden kann.

Helma ging hinaus und stellte sich vor der Tür auf. Nein, kein Mensch war jetzt außer ihr in dem Bibliotheksflügel des Schlosses. Sie hörte drinnen ein leises Sprechen, aber sie konnte nicht verstehen,

Altbürgermeister Leun 80 Lahre alt. l Friedhofserinnerung in Großen-Buseck * Großen- Buseck, 14. Febr. Heute vor acht Tagen, am 7. Februar, wurde der Besitzer des hiesigen Schlosses, Freiherr vr. jur L u d w i g von Nordeck zur Rabenau, auf dem Alten Friedhof hinter der Schloßmauer beerdigt Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß gerade a m s e Iben Tage v o r 65 Jahren, am 7. Februar 1870, unser jetziger, neuer Friedhof mit der Beerdigung von drei Personen eingeweiht wurde. Es waren dies: 1. Margarete Dort, Ehefrau des Forst- warts Karl Dort; 2. Konrad Pfeiffer Sohn des Wilhelm Pfeiffer II. und 3.' Wilhelmine Pfeiffer. Die Einweihungsrede wurde von Pfarrer Strack, der von 1863 bis 1876 hier tätig war, über 1. Mos., Kap. 28, Vers 17 gehalten: Wie heilig ift diese Stätte ..." Kurze Zeit dar­auf, am 14. März 1870, wurden wiederum meh­rere Personen zugleich beerdigt, und zwar vier junge Leute, die am 12. März während der Früh­stückspause in einer Gießener Sandgrube verun­glückt waren. Ihre Namen sind: Philipp Arnold, 19 Jahre 7 Monate 28 Tage alt; Balthasar Schmidt, Sohn des Ortseinnehmers Heinrich Schmidt, 19 Jahre 4 Monate 24 Tage alt; Kon­rad Henß, 15 Jahre 8 Monate 2 Tage alt, und Karl Heinrich Schmidt, 15 Jahre 8 Monate

auf die Fährboote führten, sah man die Schrecken der überstandenen Seefahrt an. Nur wenige waren es, die frisch und vergnügt den deutschen Boden be­traten. .

Unter ihnen war ein schlanker, dunkelgebraunter Mann, dessen Züge noch die dunkle Tönung der Tropensonne zeigten. Mit einem wehmütigen Lächeln sah er auf das herrliche Hafenbild, das der Hamburger Hafen entrollte.

Alles alles anders!, klang eine Stimme in ihm. Damals, als ich hinausging, vor vielen, vielen Jah­ren, damals, ehe der Krieg die Wirtschaft der Vol- her vernichtete, war hier ein Gewimmel von Schif­fen, von Masten; der Pulsschlag der Welt war hier zu spüren gewesen. Gegen die Erinnerung von da­mals war dies Bild hier ein recht trübes.

Und doch, wie es auch war, es war die Heimat. Tief atmete Horst von Gernsheim Die salzige Luft ein, Die vom Meere bis hierher in Den Hafen ^H"e?matluft! Sie schmeckte süß. UnD wie roürDe erst Die Luft von GernroDe schmecken? Ein welches Lächeln kam in feine ernsten Augen.

GernroDe! Wie lange hatte er es nicht gesehen! Nun kam er heim aber Den Vater fanD er nicht mehr. Das war ein bitterer Tropfen in Dem Hei­matglück. ... ..

Er übergab einem Träger sein HanDgepack; Die großen Koffer hatte Die Hamburg-Amerika-Lime direkt in sein Hotel Dirigiert. Er wollte in Hamburg noch einige Tage verbringen, um im Institut für Tropenkränkheiten mit einigen Aerzten über Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Forschungen auf Java zu sprechen. Dann waren Verhandlungen in Berlin zu führen wegen Herausgabe seines Buches und ein paar Radiov'orträgen; danach ging es heim nach Gernrode.

Ein Glück nur, daß die kleine Helma da war, sonst wäre er sich in der Heimat zu verloren vor­gekommen. Wie sie wohl aussehen mochte?

Als er sich vor vielen, vielen Jahren von Gern­rode trennte, war sie noch ein Kind gewesen, ein Kind mit ernsten, leuchtenden Augen, sein bester Kamerad, sein kleiner Schützling ihm ans Herz gewachsen wie eine Schwester. Dann waren nur im Laufe der Jahre Bildchen von ihr herübergekom­men in feine neue Heimat. Sie zeigten einen lang aufgeschossenen Backfisch, der mit seinen Gliedern nicht recht wußte, wohin, und dessen Gesicht die weiche Rundung des Kindes zu verlieren begann. Die späteren Ämateurbilder zeigten ein heran­blühendes, junges Menschenkind, waren aber doch nicht künstlerisch genug, um eine genaue Vorstel­lung von Helmas wirklichem Aussehen zu vermit­teln. Einen guten Photographen gab es in Gern- roöe nicht und zum Zwecke des Photographiert­werdens erst in die nächste große Stadt zu fahren, war dem Vater wohl zu albern erschienen. Der baßte ohnehin die Abkonterseiung, wie er sagte. Es hatte auch von Vater und Mutter niemals ein