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Montag, p.Zanuar 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Hr.U Zweiter Blatt

HindenburgsTotenmaskeimZeughaus

SieMrls-astsiage in LISA. Mit KreuzerEmden" um die halbe Welt

R.i LUWK-ML«

; Was aber das Leben, von dem hier ein paar s Stationen, slüchtig belichtet. s-stg-h° en smd - über seine Zeit hinaushebt und vorbildlich macht, ist dies: daß es beherrscht wird bis zum letzten

In Santa Cruz de la Palma.

Don Korvetten apitcin Zng Weber. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

An Bord KreuzerEmden", im Dezember 1934. Am 17. November gingen wir auf der Rede von Santa Cruz de la Palma vor Anker. Bon Bord aus sieht man die Stadt liegen, die sich mit ihren hellgetünchten Häusern und ihren Kirchen malerisch an den Berghängen ausbreitet. Santa Cruz ist die Hauptstadt der Insel, sie zählt etwa 7500 Einwoh­ner. Ein lebhafter Ueberseeverkehr nach Hamburg, London, Barcelona, Cadiz, Havanna, Neunork und Buenos Aires verbindet die Stadt und die Insel mit der übrigen Welt. Die deutschen Farben sind zu unserer Freude während unseres Aufenthaltes gerade vertreten.

Unmittelbar nach dem Einlaufen kommen der deutsche Koni"!, der sein-'n Sitz auf Teneriffa hat, und der deutsche Vizekonsul, ein Spanier, an Bord, um das Schiff zu begrüßen. Nach dem Donbord- geben erhält der letztere einen Salut von fünf Schüssen. Noch am Vormittag mach der Komman­dant seine Besuche an Land, die bald darauf er­widert werden.

Und nun kann es an Land gehen. Sofort als wir aus dem Boot an die Pier kommen, merken wir, daß die Bevölkerung d"r Stadt den Kreuzer gern in ihrem Hafen liegen sieht. Ueberall begegnet man offener Herzlichkeit. Freudig werden -wir be- arüßt, liebenswürdig gibt man uns bei unseren Streifzügen durch die engen Straßen der Stadt auf unsere Fragen Auskunft. Es ist unendlich wohl­tuend, in dieser gegen uns mit Haß erfüllten Welt einen Hafen gefunden zu haben, in dem man sich heimisch fühlen kann. Auch die auf dieser Insel lebenden sieben deutschen Famrllen erzählen übereinstimmend, daß sie überall Ansehen genießen und unter den Einwohnern jederzeit Hilfs­bereitschaft finden.

In buntem Durcheinander verlaufen die wenigen Tage. Die Stadtkapelle gibt uns zu Ehren em, Konzert, das an einem der kommenden Tage durch unsere Bordkapelle erwidert wird. Manche Freund­schaft auch mit dem schönen Geschlecht wird hier geschlossen. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt werden besichtigt, Spaziergänge in die nähere Um­gebung werden gemacht, Fußballspiele stnden statt. Auch die Tanzlustigen kommen zu ihrem Recht. -Jeder Divisionsoffizier macht einen KraUwagen- ausflug mit seiner Division, um unseren Mannern auch das Innere der Insel zu zeigen. Die Deutschen sind an einem Tage unsere Gäste. Uebrlgens wer­den zwei ihrer Kinder an Bord durch den Bordgeistlichen getauft. ____

Nation etwa 90 Milliarden Dollar beträgt. Die Ausgaben, die sich schon jetzt hinter der vorjährigen Schätzung halten, sollen fortan laufend abge- b a u t werden in dem Maße, in dem die pnoate Wirtschaft wieder zu funktionieren beginnt.' Jeden­falls hat die Gestaltung des Bundesbudgets den Kredit der Regierung nicht erschüttert: jede Aus­legung von Regierungsanleihen hat stets zu sehr schneller Ueberzeichnung geführt.

Die Totenmaske des verewigten Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses, dem sie auf Anordnung des Führers und Reichskanzlers über­wiesen wurde.

nen. Die soeben dargelegte Stabilität des Dollars zeigt, daß Amerika hierzu fähig und willens ist, während über die britischen Pläne noch völlige Unklarheit herrscht. Eine derartige Sta­bilisierung würde mit einem Schlage Riesensummen gehorteter Werte in der ganzen Welt aus ihren Schluvswinkeln in den Gewölben der Banken und den Kassenschränken vieler Firmen hervorbrmqen und zu einer starken Belebung der Welt­wirtschaft führen, die fast an Inflation grenzen würde. Inflation innerhalb Amerika s durch Benutzung der Banknotenpresse ist aber von Roose­velt immer wieder glatt zurückgewiesen

ken von der Bundesregierung die Wiedereröffnung verboten. Seitdem ist eine großeSanierungs- a k t i o n eingeleitet worden, die jetzt so gut rote abgeschlossen ist. Nur etwa 600 Banken sind end­gültig geschlossen geblieben, und diese stellen unge­fähr 1 v. H. der Gesamtdevositen dar. Ueber 14 000 Banken sind heute einer Depositenversiche­rung anqeschlossen, die Bankkonkurse fortan unge­fährlich für die Einzahler macht. Jnfolg"desien sind die Einlagen um etwa vier Milliar­den Dollar gestiegen, und gleichzeitig hat das Anziehen der Werte für Grundstücke, und Renten das Kapital der Banken selbst beträchtlich erhöht. Es fehlt immer noch ein einheitliches Bank­system, aber die Struktur ist erheblich soltder ge­worden.

4. Das Kreditsystem: Roosevelt und andere haben im Laufe des letzten Jahres den Banken vor­geworfen, daß sie trotz ihrer erheblich gebesserten Einlagen es unterließen, den zur Erholung der Wirtschaft erforderliche Bankkredit in der erfor­derlichen Höhe zu gewähren. Die Anleihen der zum Bundes-Reservesystem aehörenden Privatbanken er­reichten 1929 die allerdings phantastische Höhe von 10 Milliarden Dollar. Sie sanken aber 1933/34 viel zu tief, wenigstens nach Ansicht der Bundesregie­rung, die daraufhin ihrerseits Geld an Großun^r- nehmer, Eisenbahnen u. a. zu leihen beaann. Ein Grund für dieses Zögern ist der Umstand daß Schwerindustrie und Eisenbahnen usw. mit Anlei­hen aus früheren Zeiten stark belastet sind und schon seit Jahren den Zinsendienst in vielen Fällen eingestellt haben, so daß wettere An- Feldherrn seiner Zeit und den Schöpfer der jungen Großmacht Preußen; zuletzt den alten, kranken, einsamen König, der Welt und Menschen verachten gelernt hat, ausgebrannt von den Feuern dreier Kriege, gehärtet von vielen Schicksalsschlägen, schon dem Jenseitigen zugewandt und Zwiesprache hal­tend mit dem Geist seines Vaters. Man sieht schon, daß hier an Rohstoff in eine einzige Dramenrolle hineingepreßt wurde, was ausreichend wäre für etliche Romanfiguren und dicke Bücher.

Sehr imponierend und nobel, was Herr Löfer aus diesem Rohstoff geformt hat; wenn manche Uebergänge und Verbindungslinien in der Entwick­lung vermißt worden sein mögen, war es sicher nicht seine Schuld; er empfand jedenfalls die Ver­pflichtung, die ihm auferlegt war, und gestaltete einen Friedrich von überlegener Haltung und wei- : tem Blick. Es mag Auffassungssache sein, wenn er uns in den ersten und in den mittleren Szenen, elegant, rasch, impulsiv und befeuernd, überzeugen­der schien als in der bitteren Melancholie des Aus­klangs.

Sochsckulnocknchten.

Der Privatdozent Dr. Heinrich Lampert, Chef­arzt der inneren Abteilung des Allgemeinen Kran­kenhauses in Bad Homburg, ist zum ordent­lichen Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt unter Uebertraqung der neugearünbeten Professur für Quellenforschmtg und Bäderlehre ernannt und gleichzeitig Zum Direktor des Instituts für ,Quellenforschung und Baderlehrc in Bad Homburg bestellt worden.

3. Das Banken- Sy st em: Das amerikam- sche Bankensystem war in früheren Jahren em loses Gemisch guter, mittelmäßiger und schlechter Banken, teils der Bundes-, teils einzelftaatlicher Kontrolle unterworfen. In manchen Einzelftaaten war diese Kontrolle recht milde, mit dem Erfolg, daß sogar während der Hochkonjunktur 1925/29 l a h rll ch etwa 680 Banken Pleite machten. Rach der Panik vom März 1933 wurde fast 5000 Ban- Schlage eines alt und müde und unendlich einsam gewordenen Herzens von dem Bewußtsein der Pflicht und von der ewigen Idee des Staates, der leben muß wie das königliche Kriegstestament es befiehlt, auch wenn fein oberster Diener aus­gelöscht werden sollte von der Hand des Schicksals, mit dem Friedrich in seinen trübsten Stunden die letzte Zwiesprache hält, gegen dessen hageldicht fal­lende Schläge sein unerschütterlich großer Geist und ein übermenschlicher Wille im ausgezehrten, schwachen, gichtgekrümmten Körper sich immer und immer wieder siegreich zur Wehr setzen.

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worden.

2 Das Budget: Die Bundesregierung arbet= tet mit einem Defizit, das bei Ablaus des Etatjah­res im Juni 1935 etwa 3,3 Milliarden Dollar erreichen und die öffentliche Gesamtschuld aus 28,5 Milliarden steigern wird. Hierbei ist zu beachten,

Erst indem man so, ganz grob, die Grundlinien des Dramenbauplanes absteckt, ermißt man den Umfang dessen, was Bötticher gewollt hat. Zum echten Drama freilich würde gehört haben, daß der Monolog sich zum Dialog steigert, daß, mit anderen Worten, nicht nur die äußeren, sondern auch die inneren Antithesen erlebt werden. Das geschieht m diesem Stück nur stellenweise und nur selten mit an­nähernd ebenbürtigen Kräften, am ehesten m den Szenen mit Guarini, mit dem englischen Gesandten, einmal auch mit Schwerin.

Enorme Bogenspannung: Berlin 1740 bis Sans­souci 1786. Aus den drei schlesischen Kriegen fliegen drei schicksalsschwere Namen vorüber: Mollwitz, Hohenfriedberg, Kolin. Dazwischen wieder Berlin iind wieder Sanssouci und das Dresdener Schloß unb noch einmal bas Königszelt in Schlesien kurz vor bem Hubertusburger Frieben. Ein Wirbel von Gestalten, von benen freilich nur wenige schärferen, persönlicheren Umriß empfingen, ein Wirbel von Um­armen, von Blau und Rot, von Weiß unb Gold unb Silber- Schlachtenlärm unb Trommelwirbel die preußischen Felbmusiken unb die zärtlichen Rokoko- melobien friedlicher Tage in Potsdam.

Herr Lüpke sprach klug unb kühl, mit dialek­tischer Schärfe, den Guarini; Herr Quad flieg mit schwärmerischer Begeisterung den jungen Mi­chael. Herr Lindt gab der knappen Szene des englischen Gesandten feste Kontur und dramatischen Antrieb. Herr Neuhaus spielte einen schwer­blütigen, ehrlichen, von schmerzlicher Hingabe an den König erfüllten Schwerin. Herr Geiger mit ruhiger Bestimmtheit den Kabinettsrat Eichel.

Von den vielen übrigen, die mit Eifer im En­semble wirkten, feiert noch Volck (österreichischer Geiandteri. Nieren (Grenadier; sächsischer Ge- , sandter), Mizzi Rauschenberg a. G. (Königin- Mutter), K ü h n e (Graf Brühl), Goebel (Page), Feige! (Dessou) unb von ber Tafelrunbe bie Her­ren Seitz, Weiser, König, Wrebe unb Valckenberg genannt.

Die Hörerschaft bankte mit starkem Beifall.

hth.

Don unserem K. G S -Bericktersiniier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Washington, Anfang Januar.

Die amerikanische Wirtschaftslage hat sich in den letzten Monaten fraglos weiter gebessert. Die Besserung ist besonbers bemerkbar im Süden, Mittelwesten unb Westen in den östlichen Gebieten ist sie roenicfer fortgeschritten. Hieraus erklärt sich der Skeptizismus in Neuvork, ber bann fälschlicher­weise alsbie amerikanische Gesamtlage umfassenb" oft auch nach Europa berichtet wirb Der Fort­schritt ist unbestreitbar unb wirb burch bie Mehr- zahl der jährlichen Geschäftsberichte ber großen Fir­men und Banken jedenfalls bestätigt. Selbst bisher ausgesprochen gegnerisch eingestellte Wirtschafts­kreise beginnen jetzt mit ber Regierung zusammen­zuarbeiten, offenbar, weil die Novemberwahlen ihnen gezeigt haben, daß Roosevelt unb seine Partei bis 1 940 amRuberblei- b e n werben. Der beste Beweis für ben Um­schwung ist wohl barin zu erblicken, baß Silas S t r a ro n , früher ein Erzrepublikaner und erbit­terter Gegner Roosevelts, aktiv an einer vom Vor­sitzenden des Dachverbandes aller Handelskammern unternommenen Propagandafahrt teil n i m m t. Die Retzierutzg selbst läßt es an Beein­flussung ber öffentlichen Meinung wahrlich nicht fehlen unb unterhält ein fortbauernbes Trommel­feuer öffentl eher Reden saft aller Minister unb Sonderkommissare im ganzen Land

Diese Reden gipfeln in der beruhigenden Ver­sicherung, daß die »Regierung an dem Grund­satz des unabhängigen Unternehmer­tums nicht rütteln wolle. Verbunden ist hier­mit freilich stets die Drohung, daß die Regierung gegen diejenigen vorzugehen entschlossen sei, die noch längere Zeit in Mißtrauen unb Abwarten ver­harren. In allen Geschäftszweigen, bie nicht ihren Teil zur Erholung bes Lanbes beitragen, werbe sie amtliche Konkurrenzbetriebe errichten, damit ber Verbraucher in anftänbiger Weife bebient

werde.

Hiermit fall nicht gesagt werben, baß sich das Land bereits erholt habe ober baß bas Arbells- lofenproblem bereits gelöst sei. Gerabe diese Propa- ganba zeigt ja klar, baß noch sehr v i e l g e t a n werben muß. Aber es wäre verfehlt zu behaupten, daß sich bie amerikanische Wirtschaftsbelebung über­haupt noch nicht abzeichne unb baß revolutionäre Erscheinungen sozusagen unmittelbar vor ber Tur ständen. Gewiß hat es im letzten Jahre viele Streiks und auch gelegentliche Unruhen gegeben, aber alle Streiks find beigelegt worden und keinerlei Revolution ist irgendwo ausgebrochen. Arn deutlichsten zeigen das die Wahlen, bei denen, wie schon gesagt, die Marxisten auch nicht einen einzigen Kandidaten durchzubringen vermochten. Aber die Besserung läßt sich auch positiv Nachweisen, und zwar in folgenden Kardinalpunkten:

1. D i e Währung: Der amerikanische Dollar ist am 31. Januar 1934 auf 59,06 v. H. des frühe­ren Wertes a b g e ro e r t e t roorden. Das führte naturgemäß in den ersten Monaten zu gewissen Schwankungen. Aber dann zeiate ber Dollar eine bemerkenswerte Festigkeit: er stieg nie über 59,70 unb fiel nie unter 58,30. Der Dollar schwankte im Jahre 1934 nie mehr als 1.3 v. H. während das Pfund um 4,3 v. H. und der Psn um 5 6 v. H. schwankte, ber argentinische PA sogar um 12 7 v. H. variierte. Die amerikanische Wahrung ist also so aut wie stabil. G-wiß bat Präsident Roo­sevelt bie Vollmacht, ben Dollar noch weiter, unb zwar bis auf 50 v. H. bes früheren Werte s zu devalvieren. Die ganze Entwicklung der letzten Mo­nate unb insbesonbere bas starke Bargelb-Bmurf- nis ber Regieruna lassen jeboch barauf schließen, daß man die Währung bis auf weiteres nicht anrüfjren wirb, schon um Industrie und Wirtschaft bie Möglichkeit zu lanafriftiqen Kalkula- tionm zu geben unb um bie Banken sowie bie Svaker, 'bie'Schatzscheine ber Regierung kaufen sol­len naht vor Anlage ihrer (Selber in schwankender

Aufgaben wie Grenzen einer Inszenierung lassen sich zum Teil bereits aus dem Gesagten ableiten; auch dürfte es jedermann klar sein, baß ein ötmf, besten Umrisse unb Wesenszüge wir anzubeuten ver­suchten, an eine Bühne wie bie unsere, personell unb szenisch, sehr erhebliche Anforberungen stellt. Der Svielleiter Kurt Lüpke würbe ber ausladen­den Masse des dramaturgischen Stoffes auf eine Weise Herr, die einen verhältnismäßig schnellen Ablauf der Bilderfolge möglich machte; auch waren die realen und die metaphysischen Bestandteile des Spieles gerecht gegeneinander abgewogen, der sehr preußische Grundton getroffen, wechselnde Stim­mung und Zeitkolorit in Farbe, Raum unb klang­licher Untermalung überzeugend eingefangen.

Die Bühnenbilber von Löffler: sparsam, den­noch nicht ohne eine gewisse Großzügigkeit unb stil­gerecht. Das berühmte Menzelsche ©emalbe be­stimmte bie bilbmäßig besonbers einbrurfsooüe S,ene ber Tafelrunde von Sanssouci. Herr Keim verwaltete mit geübter Hand ben für ben äußeren Einbruck nicht unwesentlich mitfpielenben Wechsel oon Licht unb Schatten über bem Schauplatz.

Was wir hier vor uns sehen, liegt etwa 0Uf dem Schnittpunkt zwischen theatralischer Chronik historischem Bilberbogen unb heroischem Monolog. Ein epischer Ablauf, ber einen mach- Hqen Roman zu füllen imftanbe gewesen mare mußte in einigen wenigen, szenisch be­lichteten Brennpunkten zusammengerafft werdem Es mufften ferner bie geschichtlichen Kulissen bes Welt- theaters um bie Mitte bes achtzehnten Jahrhunderts in Umrissen sichtbar gemacht werben was freilich nur auf eine, ben Mitteln bes dramatischen Dichters nicht zugängliche Weife gelöst werben konnte. Es kam Bötticher enblich barauf an, nicht nur ben Ab­lauf als solchen, sonbern auch dessen innersten An­trieb und ewigen Sinn begreifen zu lassen, bi Quintessenz gleichsam unb bie Summe dieses ein­maligen preußischen Lebens zu ziehen.

Gießener Gtadttheater.

Hermann boit :Der König".

Die Gestalt Friedrichs des Zweiten von Breußen ist oft unb immer roieber in ber deutschen Dichtung beschworen worben. Wir sahen Jie hier zuletzt in Hermann Burtes DramaKatte ; aber ba würbe die liebenswerte, gleichsam verschleierte Erscheinung des Kronprinzen bald von anderen, gegenwärtigeren und dramatisch wichtigeren Figuren m ben Hinter­grund gedrängt. Gestern nun, am Tage der großen Entscheidung an der Saar, hat man Bötticher^ SchauspielDer König" aufgesuhrt, weil, rote die Intendanz dazu bemerkt,in kaum einem anderen Werke der deutschen Literatur unserem heutigen Zeit­geschehen gleichartige und ähnliche weltwendende Schicksalsstundcn dichterisch so verewigt sind .

Wenn man Böttichers Stück an sich vorüberziehen sieht wird man unwillkürlich zu Vergleichen ange- reat Walter von Molo behandelte den gleichen - Stoff vor bem ein Dramatiker zuruckschrecken mußte; Molo bat in einem Roman und in einem Drama idne Vision dieses königlichen Menschen, dieses menschlichen, unmenschlichen und Übermensch ichen Leb ns in einen einzigen Tagesab auf gepreßt und ^was Unvergeßliches damit geschaffen, indem er der Nachwelt eine ber größten Erscheinungen unserer Melchichte innerlich naherückte.

»ötHdjer hat etwas Ungeheures versucht nämlich bie gesamte Regierunqszeit Friedrichs in elf Bi der -u fassen, die europäische Epoche zwischen 1740 und 1788 zenisch zu umspannen und im Rampenlicht lebendig werden z>i lassen: daß er danut [eine dich­terische Kraft an etwas Unmögliches [et, e kann nie­mandem klarer gewesen sein als ihm selber.

Den Auftakt bildet die in ein unruhiges, flackern­des Helldunkel gestellte Szene im Hause des Jesuiten Guarini. Dieser halb gespenstigen, halb Mephisto- vhelischen Figur, bie einmal als baszweite Gesicht bezeichnet wird, mag Bötticher so etwas wie die Rolle des Chors in ber antiken Tragobie zugebacht haben. Aus ihm spricht wenn wir ihn recht ver­stehen, die Stimme des Schicksals; er begegnet dem einsamen König im Dresdener Schloß als er­schreckende Vision seines wachen Traumes, an ihn scheint das letzte Vermächtnis des Sterbenden in ^u"nNi°ch'°in7an^er?Gestalt taucht schattenhaft aus bem Dunkel, Michael, ber Name klingt rote em Svmbol; eine junge Stimme beutet, träumerisch unb begeistert in bie Zukunft gesprochen, eme Aufgabe an, für welche bie Zeit, bie hier voruberrauscht noch nicht reif war: im brobelnben Europa nicht Preußen allen zu formen, sonbern Deutschland Don dieser S^ene her und einigen anderen, spater, gewmnt Böttichers Drama am unmittelbarsten den Anschluß an die Gegenwart, jene lebendige Beziehung zu unserer Zeit, die der Theaterlelliing bei der In­szenierung des Schauspiels vorgeschwebt hat.

Einer der Ausflüge führt uns auf den Cal­dera b e Taburiente, den größten erloschenen Krater der Erde. Von Santa Cruz aus wird mit Kraftwagenfahrzeugen geftartet, und in steilen Ser­pentinen geht die Fahrt zunächst auf eine beträcht­liche Höhe hinauf. Nach einem prächtigen Blick von ber Buena Vista ber schönen Aussicht auf bas Panorama ber Stabt fahren wir an ber Qst- küste entlang nach ber Sübspitze ber Insel, von bort aus nach bem nördlicher gelegenen Dorfe el Paso, bem Ausgangspunkt für ben Aufstieg auf den Krater. In del Paso erwarten uns Pferde, mit deren Hilfe wir den Krater erklimmen sollen. Der Weg führt uns durch eine malerische, mit kanari­schen Pinien dicht bewachsene Schlucht. Unsere Pferde vollbringen erstaunliche Kletterkunststucke. Sicher umgehen sie jedes Hindernis, und nach einem etwa einstündigen Ritt sind wir am Rande öes gewaltigen Kraters angekommen.

9000 Meter beträgt sein Durchmesser, feine Tiefe ist 700 Meter. Ein unbeschreiblich schönes Land­schaftsbild liegt vor uns, unvergeßlich für den, der es einmal gesehen hat: Laubbäume und Tannen­waldungen erklimmen bie steilen Abhänge der Schluchten unb bilben einen wunderbaren natür­lichen Schmuck dieses geologischen Wunders. Beim Abstieg werden die Pferde auf dem stellen Teil des Weges geführt, dann wird wieder aufgesessen. In el Paso angekommen, geht die Fahrt mit Ärafb wagen weiter über bie Stabt Lob Llanos nach Tacacorte, wo uns Sananenplan tag e n, das Verpacken ber Früchte unb ihre Verschiffung gezeigt werben. Letztere ist besonbers schwierig, weil an ber Küste eine sehr starke Brandung steht. Die Bananenbampfer ankern beshalb auf ber Reede unb bas Anborbfchaffen ber Früchte erfolgt derart, daß sie zunächst mit einem Transportsell auf eine auf einem hohen Felsen befindliche Zwischen- laöeftation gehoben und von dort aus auf die gleiche Weise in die Dampfer hinunter gelassen werden. , _ ,

Inzwischen ist der Abend heremgebrochen, an der in Mondschein getauchten Küste entlang geht es wieder nach Santa Cruz. Wir danken unse­ren spanischen Begleitern unb fahren roieber an B^Zäh wurden diese schönen Tage unterbrochen. Am Bußtag wird bei uns die Flagge auf H albst o ff a ese tz t: ber Heizer Martin Weiß war tobl ich verunglückt. In frember Erbe fern von der Heimat haben mir unseren Kameraden bestattet... Alle vorgesehenen Festlichkeiten wurden sofort ab­gesagt. Am 23. November lichtet KreuzerEmden den Anker, das nächste Ziel ist L o a n d a in portu- giesisch Angola.

Wenn oben in anderem Zusammenhang von der monologischen Grundhaltung des Schauspiels die Rede war, so war damit schon angedeutet, wie ausschließlich und entscheidend bie Gestalt bes Königs im Zentrum ber Szenenreihe steht: bas ganze Stück lebt von biefer einen Gestalt, bie bas normale Ausmaß einer Dramenrolle well uber- ebreitet. Man muß schon, rein bynamisch, etwa an ben Faust ober an ben Peer Gynt benfen, wenn man einen Vergleich für bie Entwicklung haben will, bie hier, innerlich unb äußerlich, wenn auch nur 'n ganz großen Ausschnitten unb Intervallen, sichtbar gemacht werden soll.

Herr Löser spielte den König von Berlin über Mollwitz, Hohenfriedberg, Kolm bis Sans­souci: den jungen, eben auf ben Thron gelangten, weltmännisch-diplomatischen Fürsten; den ersten

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