In dem Saal der „Wartburg" ist alles schon
Tische stehen verlassen da, auf jedem befinden sich drei Behälter, um die Stimmen der Urnen zu sortieren. Die Galerien für die Zuschauer und die Presse sowie die Tribüne für die Abstimmungskommission sind eingerichtet. Die Tonfilmapparate sind schon aufgebaut. Die Urnen werden vorläufig im Keller der „W artburg" aufbewahrt und dort unter besonders strengen polizeilichen Schutz gestellt.
Absperrungen sind getroffen, um die Neugierigen von der „Wartburg" fernzuhalten. Nur mit besonderem Ausweis darf man sich au das Zähllokal heranwagen. Der Eintritt in das Allerheiligste selbst ist nur wenigen Bevorzugten gestattet. Englische Soldaten bewachen mit aufgepflanztem Seitengewehr den Eingang und machen nur Platz, wenn ein neuer Lastwagen in den Hof rollen will. Hochgestellten Mitgliedern der Abstimmungskommission und dem Militär kann gleichfalls nicht der Eintritt verwehrt werden.
Ueber die norwegischen Sender sang am Sonntagabend die Gattin des norwegischen Saarpolizeikommandanten Sie, eine hervorragende und sehr bekannte skandinavische Sängerin, Lieder von der Saar. Frau Lie weilte bis vor kurzer Zeit im Saargebiet und hat sich hier mit dem saarländischen Volksliederschatz vertraut gemacht, den sie am Entscheidungstag der Saar am Sonntag über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus im Rundfunk zu Gehör brachte.
schlugen die Kommunisten auf das Straßenpublikum ein. Das Publikum wehrte sich kräftig, und es kam zu einer Schlägerei. Polizeibeamte trieben mit dem Gummiknüppel die Ansammlung auseinander. Die Kommunisten fluteten hastig in die dunklen Seitenstraßen.
Matz Braun hat als geschlagener Feldherr nach verlorener Schlacht am Sonntagabend die Auslandspreise eingeladen. Er hat sich heftig beklagt über den „Terror" der Deutschen Front. Es werde eine Eingabe an d.e n Völkerbund erfolgen, weil die Völkerbundsinstanzen im Saargebiet versagt hätten. Sie hätten das Militär gegen die Deutsche Front einsetzen müssen. Die Wahlen seien.roeter frei noch unbeeinflußt noch geheim gewesen. Ein schwerer Vorwurf gegen die große Zahl der Neutralen, die diese Wahl durchgeführt haben.
Saarbrücken, 13. Ian. (DNB.) Die Kommunisten und Separatisten haben abends, nachdem ihnen klar geworden ist, daß sie nichts mehr zu gewinnen haben, versucht, durch Terror noch irgend etwas für sich zu erreichen. Schon am Nachmittag hatte vor der Wohnung des Herrn He im bürg er, des Direktors des Innern, ein reger Verkehr geherrscht. In der Dämmerung wurde dann gegen das Verkehrsbüro der Deutschen Front in Neunkirchen eine Bombe geworfen. Durch ein Fenster wurde eine mit Sprengstoff gefüllte Staufferbüchse geschleudert, die beim Aufschlagen explodierte und die Dielen aufriß. Ein Mann wurde am Kinn leicht verletzt. Der Täter wurde bis in den Kohlwald verfolgt, doch gelang es ihm, in der Dunkelheit zu entkommen. Sofort nach dem Bombenanschlag versammelte sich gegenüber der Kreisleitung der Deutschen Front eine Rotte Einheitssrontler, die eine H a - kenkreuzfahne verbrannte. Die Polizei mußte die Demonstranten mit Gewalt zerstreuen.
Nach 21 Uhr versuchten die Kommunisten in Saarbrücken einen Demo n'st rationszug zu- standezubringen, der aber infolge der zahlenmäßigen Unbedeutendheit der Separatisten scheiterte. Nur elwa 150 Menschen (!) zogen trotz des Demonstrationsverbotes unter dem Gegröhl der Internationale die Bahnhofstraße entlang, bis an der Ecke Friedrich-Ebertstraße das Publikum in lautes Gelächter ausbrach. Daraufhin
Mittelpunkten der Eisenindustrie im Saargebiet, erleuchtet. Aber auch dieser festliche Schmuck hält die Bewohner nicht davon ab, der Parole der Deutschen Front folgend, Sonntag abend soviel wie möglich zu Hause zu bleiben. Lastwagen mit Urnen durchrollen die Straßen. Von Merzig kommen die S ch w e d en mit ihren Lastwagen, von Dillingen und Saarlouis die Italiener — Maschinengewehre als Sicherheitsmaßnahme gegen eine nicht vorhandene Menge gerichtet. Man sieht Leute in den Straßen, die treuen Wächter der Wahllokale. Ein eindeutiger Beweis des ruhigen Verlaufes des Abstimmungstages ist der völlig eingesch'neite Bereitschaftswagen der Saarbrücker Polizei, der geduldig stundenlang vor einem Polizeirevier wartete und glücklicherweise bisher nicht eingesetzt zu werden brauchte. Auf der verkehrsreichen Eisenbahnstrecke Saarbrücken — Mettlach — Trier rollen Sonderzüge auf Sonderzüge, die die Abstimmungsberechtigten ins Reich zurückbefördern.
M'kkMenMpEeme.
Lc>n £)r. O. Wingen, Obeirecu'erungsrat beim Saarbevollmä'chiigten des Michsianzlers.
Wenn diese Zeilen erscheinen, ist die Saarab« stimmung vorbei. Ihr Ergebnis kann nicht zwei- felhaft sein, auch wenn es im Augenblick zahlenmäßig noch nicht feststeht. Es wird dann die Aufgabe des feit dem 11. in Genf versammelten Völker-
mik Ausnahme dieser beiden Punkte fast überall menschenleer, vor dem Gebäude der „Wartburg" hatte sich eine Reihe von Menschen eingefunden, die das Eintreffen des ersten Urnentransporkes aus dem Lande mit großem Interesse erwartet.' Ebenso sah man eine Fülle von Photographen und Filmoperakeuren, die unter reichlicher Verwendung von Magnesium- licht filmten, was zu filmen war. Das Publikum spielte gerne mit und demonstrierte eindeutig seine Haltung, indem es den rechten Arm hob.
Die Urnen wurden auf dem Hof der Wartburg entladen und zunächst in den Keller gebracht, von wo aus sie dann nach Bürgermeistereien und Kreisen geordnet an die einzelne n Zähltische gebracht werden. Das Gebäude des Evangelischen Gemeindehauses, die „Wartburg" ist hermetisch ab gesperrt. Man wird nach Waffen, Zigaretten und Zigarren durchsucht, von Kopf bis Fuß abgetastet, muß außer den Presseausweisen der Regierungskommission und der Abstimmungskommission noch einen Paß vorzeigen und ferner im Besitze eines gelben Nummernschildes sein. Die weiteren Transporte vom Güterbahnhof zum Haus der Wartburg gehen etwas weniger umständlich vor sich. Man läßt die Autobusse in kleineren Kolonnen abfahren, um längeres Warten zu vermeiden. Bis morgens gegen 5 Uhr waren alle vier Sonderzüge einge- troffen, entladen und die Urnen zur Wartburg gebracht. Sie befinden sich dort weiterhin unter Bewachung des englischen Militärs.
Am Montag 17 Uhr wird nun die Zählung beginnen, deren Ergebnis eigentlich für jeden Saarländer im Prinzip schon feststeht, mag es auch vielleicht um wenige Tausend nach oben oder unten schwanken.
Saarbrücken, 14. Ian. (DNB. Funkspruch.) Der nächtliche Transport der an vier Stellen ge- ammelten Wahlurnen aus den an entfernter gelegene Kn-'is"n durch Sonderzüqe war mit einer gewissen Mystik und Geheimnistuerei umgeben. Draußen am Güterbahnhof in Saarbrücken sind d i e breiten Gittertore fest g e - schlossen. Anordnung durch englische Kommandos: Es darf niemand ohne jede Ausnahme herein in den Güterbahnhof. Unterwegs schon an den Brücken und auf cken Straßen sieht man überall berittene Polizei, die die Straßen bewacht. Dazu hier und da Kriminalbeamte. Fährt man am Gü- terbahnhof entlang, dann entdeckt man plötzlich bei einer weiteren Einfahrt große dreiachsige Gelände- Lastwagen der englischen Truppe. Also hier werden die Urnen aus den Zügen in die L a st - wagen umgeladen. Der ganze Güterbahnhof ist mit englischem Militär besetzt. Schließlich läuft um 2.08 Uhr der erfte Sonderzug, bestehend aus vier Packwagen mit den Urnen und je vorn und hinten einem Personenwagen mit dem militärischen Begleitkoinmando ein. Die Urnen werden in neun Geländelastkraftwagen umgeladen, in denen außer den englischen Posten auch die Begleiter der politischen Organisationen Platz nehmen. Ein großer Lastkraftwagen voll M'litär setzt sich an die Spitze, ein zweiter an das Ende,
und dann beginnt der erste Urnenkransport durch die Stadt mit einer gewissen Feierlichkeit und einem Eifer, über den der Zuschauer zuweilen ekwas lächeln muß. Das sehr spärliche Publikum aber erkennt voll und ganz an, daß die englische Truppe sich einer- tadellosen Haltung befleißigt und den Urnenkransport mit peinlicher Korrektheit vornimmt. Die Straßen zwischen dem Güterbahnhof und der „Wartburg" sind
Ueberall ruhiger Verlauf der Wahl.
Die Saarländer halten größte Disziplin.
Sämtliche Orte waren überwältigend schön geschmückt. Ob Warndt, ob Gau. ob Blies-, ob Primstal, ob St. Wendel, ob Merzig, überall Zogen sich vom Ortseingang zum Ortsausgang links und rechts der Straße ununterbrochen Tannengirlanden, die. entweder die Bäume der Dorf- straße miteinander verbanden oder an besonderen Pfählen angebracht waren. Große Ehrenpfor- t e n waren errichtet. An den Fahnenstangen, die man größtenteils schwarzweißrot gestrichen halte, waren Sträuße und Kränze angebracht. In Kirkel äußerte ein Mann: „Die hawwe wohl vor Freud, daß sie Hamm kenne nach Deutschland, de ganze Wald usgeräumt"; denn sämtliche Straßen waren mit jungen Tannenbäumchen umsäumt.
Die Gottesdienste derjenigen Pfarrer, die als deutschbewußt bekannt sind, waren überfüllt. So standen z.B. in Wehrden, wo der bekannte Pfarrer Wilhelm, einer der beliebtesten und deutschbewußten katholischen Geistlichen des Saargebietes predigte, die Menschen bis vor der Kirchentür.
Im Warndt und im Gau war der Wahlvorgang schon mittags erledigt. Hier in besonders bedrohtem Grenzgebiet ist auch das Deutschbewußtsein besonders groß. Man hat den harten knorrigen Bauern aus dem Gau ihr Kamvfblatt, den „Wächter aus dem Kau", verboten, aber sie selbst halten nun die Wacht, denn sie wissen genau, daß ihre Hohen für manche Strategen jenseits der Grenze eine nicht unwesentliche militärische Bedeutung haben. Sie legen aber keinen Wert darauf, ihre Felder für Festungsbetonklötze herzugeben und aus ihren schönen Bauerndörfern Kasernen machen zu lassey. Da steht man nun auf der beherrschenden Höhe und schaut weit hinein in die übersonnte weite Schneelandschaft. Neben uns steht ein junges Bauernmädel, versunken in die Schönheit ihrer Heimat und summt: „O Heimat, wie bi ft du so schön". In Naßweiler fragen wir nach der Bedeutung der Separatisten in diesem Grenzort, und uns wird zur Antwort: „Dovun gebt's nur zwei bei uns."
Die fremden Truppen hielten sich überall zurück. Lediglich in Saarlouis standen zwei Lastautos mit Italienern im Stahlhelm alarmbereit, und in St. Wendel sah man zwei englische Panzerwagen auf der Straße, sonst war wenig von den Truppen zu bemerken. Ausländische Journalisten, die gemeinsam mit deutschen eine Rundfahrt durch das Saargebiet unternommen hatten, waren überrascht von der außerordent - lichen Disziplin. Ein Ausländer äußerte: „Noch nie haben mir eine derartige Disziplin gesehen und eine derartige Organisation. Die Deutschen sind das disziplinierteste und organisatorisch begabeste, Volk Europas". Ueberrascht waren die ausländischen Journalisten, als sie Gelegenheit hatten, mit einem katholischen Gei st lichen zu sprechen und dieser ihnen sagte: „Der deutsche Saarländer entscheidet so, wie sein Herz und sein Gemüt es ihm eingeben. Er stellt keine knifflichen Fragen. Der Saarländer ist aus seinem Herzen und seinem Gemüt heraus fromm und gottgläubig und genau so ist er auch gut deutsch. Es gibt kein j vtatus-quo-Herz und Status-quo=(9emüt und so kann er auch nur für Deutschland entscheiden".
Die Spannung wachst.
Während der Abendstunden in Saarbrücken, j
An den Straßen der Stadt Saarbrücken und der
nung geht fälschlicherweise dahin, daß die tatsächliche Rückgabe des Saargebietes bereits am 14. ober 15. Januar erfolgen werde. Das ist nicht der Fall. Vielmehr wird zwischen der Entscheidung des Völkerbundes und der Rückübergabe des Gebietes an die deutsche Regierung ein kurzer Zwischenzeitraum liegen, der nach dem Vorschlag des bekannten Aloisi-Ausschusses auf minde st ens oier Wochen festgesetzt werden soll. Es liegt im Interesse aller Beteiligten, daß dieser Mindestzeitraum praktisch auch der Höch st zeitraum wird, damit sich die tatsächliche Rückübergabe des Saargebietes möglichst rasch vollzieht.
Mit der Rückgabe des Saargebietes an Deutschland wird das weltpolitische Kapitel der Saarfrage hoffentlich für alle Zeit abgeschlossen sein. Es beginnt damit jene Periode der „R ü ck g l i e d e- r u n g", deren materielle und formale Einzelheiten mit Hochdruck in zahlreichen Amtsstuben o o r bereitet werden. So einfach der Begriff auf den ersten Blick zu sein scheint, so vielfältig und inhaltsreich wird er bei näherem Zusehen.'
Ganz allgemein gesprochen muß man berücksich- tigen, daß zwischen dem Rechtszustand im Reich und demjenigen im Saargebiet recht erhebliche Unterschiede bestehen. Nach § 23 des Saarstatuts des Versailler Diktats sind grundsätzlich die deutschen Gesetze und Verordnungen in Kraft geblieben, die am 11. November 1918 Geltung hatten. Die Regierungskommission hatte jedoch das Recht, Aenderungen an dem bestehenden Rechtszustande vorzunehmen und sie hat von diesem Recht sehr oft in einem von französischem Muster beeinflußten Sinne Gebrauch gemacht. Bei der Einstellung der Regierungskommission gegenüber dem Dritten Reich ist es selbstverständlich, daß das große Gesetzgebungswerk des Nationalsozialismus. in keiner Weise Eingang gefunden hat. Hier heißt also die Aufgabe, den derzeitigen Rechtszustand des Saargebietes durch Gesetze und Verordnungen in den fortgeschritteneren des Reiches überzuleiten. Dabei wird auf einzelnen Gebieten sofort die volle Angleichung vorgenommen werden müssen; auf anderen Gebieten, z- B. bei gewissen Steuergesetzen, wird man e r ft ft u f e n ro e i f e das reichsdeutsche Niveau erreichen können, um einen allzu brüsken Uebergang zu vermeiden.
Verwaltungsmäßig wird das Saargebiet nicht wieder nach.der alten Länderzugehörigkeit auf Preußen und Bayern aufgeteilt werden, sondern ungeteilt beisammen bleiben und im Zuge der Reichsreform den Kern einer neuen größeren Verwaltungseinheit bilden.
Aächtlicher Transport der Abstimmngs-itnien nach Saarbrücken.
tleberall reibungsloser Verlauf.-Don internationalem Militär und Vertretern der Parteien begleitet.
Verzweistnngsansbrnche der Separatisten Kommunistischer Bombenanschlag in Neunkirchen.
Braun hetzt vor der Auslandspresse.
Nach Beendigung des Wahlgeschäftes wurden die Urnen aus allen Wahllokalen in die B ü r- germeiftereien zusammengebracht, begleitet von den Vertretern der politischen Parteien. Es muß jedoch leider festgestellt werden, daß in einzelnen Fällen die zugesicherte Begleitung durch die politischen Parteien nicht hinreichend gewährleistet war. So waren in einem Falle für vier- zeyn Urnen nur zwei Mitglieder der Deutschen Front zugelassen. Gerade im Grenzkreise Merzig gestaltete sich die Mitwirkung der Einheitsfront oft zu einer Groteske, find doch dort teilweise nicht einmal die erforderlichen separatistischen Beisitzer aufzutreiben gewesen. Die Ueberführung der Urnen in die Bürgermeistereien konnte überall reibungslos bewerkstelligt werden. Sehr geheimnisvoll gestaltete sich der weitere Transport nach Saarbrücken. Polizei und Militär ließen es sich sehr angelegen sein, die Abfahrtstunde der Sonderzüge geheimzuhalten, um einen unnötigen Auflaus von Schaulustigen zu verhindern. Taghell sind die Straßen von Merzig, Mettlach, Dillingen, Saarlouis und Völklingen, den
falls in feinem Wahllokal außerordentlich gering. Auch die Beobachtungen in den anderen Bezirken berechtigen zu der Feststellung, daß die ganze Saarbevölkerung restlos ihre Pflicht getan hat.
Die ersten Urnen ans Saarbrücken treffen in der Wartburg ein.
Alles für das Zahlqeschäft vorbereitet.
Zur mitternächtlichen Stunde treffen d i e e r ft e n Urnen in der „Wartburg" in Saarbrücken ein, dem Ort, wo Montag um 17 Uhr d i e A u s z cich - lung der Stimmen beginnt. Lastwagen auf Lastwagen rollt herbei, Urne um Urne, zunächst haupsächlich aus den 140 Wahllokalen Saarbrückens, werden herangebracht, scharf bewacht von Militär. Die „Wartburg" ist hell erleuchtet, bereit zur Ausnahme von 860 graugrünen Büchsen, die als kostbaren Inhalt die Entscheidung des Saargebietes bergen. Umfangreiche
Anknust her ersten Sonderznge mit den Urnen ans dem Lande.
Unter starker miiitärischerBewachung ausgeladen und in dasZähllokal verbracht
die fünf ebenfalls schon wahlberechtigten Kinder nach fünf weiteren Orten des Saargebietes, in denen sie geboren sind. Manche Leute haben bei den schlechten Verkehrsverbindungen fast eine Tagesreise zurückzulegen, um ihrer Wahlpflicht genügen zu können. Aber sie scheuen diese Mühe nicht, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen zu können. Wir haben Arbeiter aus dem tiefen Waldgebiet des Saarlandes getroffen, die neun Kilometer zu Fuß im Schnee gehen mußten, um das Wahllokal zu erreichen; denn es war eine weitere Merkwürdigkeit dieser Wahl, daß nicht an jedem Ort sich ein Wahllokal befand, wie das bei sonstigen Wahlen der Fall ist, sondern daß die Einwohnerschaft aus sieben, acht, teilweise bis zu 15 Orten in einem größeren Ort ab- ft i m m e n mußte. Dadurch war ein riesiger Schlepperdienst bereitzustellen, der aber von der Deutschen Front mustergültig organisiert worden ist.
anderen großen Städte herrscht am Abend reges Leden. Alle Lokale sind überfüllt. Es ist kaum ein Platz zu bekommen. Und durch die in iyrer Lichter- prachk glänzenden Straßen fluten dichte Menschen ström e auf und ab, und das trotz des nassen Wetters, da der am Samstag gefallene Schnee in den engen Straßen der Städte getaut ist und nun ein richtiges Matschwetter herrscht. Immer noch sieht man die Autos des Motordienstes der Deutschen Front hin- und herflitzen, die letzten noch Säumigen zu holen oder die letzten angemeldeten Kranken und Gebrechlichen in ihre Wahllokale zu befördern. Schon jetzt ist eine ungeheure Spannung zu spüren und das Gespräch des Abends ist überall der vermutliche Ablauf der Wahl. Es ist aber müßig, vorher irgendeine Prophezeiung machen zu wollen. Nur eins ist unbedingt sicher: Der Sieg der Deutschen Front. Denn das hat der ganze Tag eindeutig bewiesen. Nirgends sah oder bemerkte man noch etwas vom Status quo. Er war vollkommen in der Versenkung verschwunden. Der Wahlgang Mrd geschloffen Schon eine Stunde vorher hat meist alles abgestimmt.
Irn Abstimmungslokal 1 im Rathaus Saarbrücken fanden sich tun vor 20 Uhr eine Reihe von Journalisten und Bildberichterstattern ein, um dem denkwürdigen Augenblick des Schlusses der Wahl beizuwohnen. Der Wahlvorsitzende, Johann Peter Martin, Gerichtssekretär in Luxemburg, schloß Punkt 20 Uhr die Wahl, indem er durch einen Polizeibeamten weiteren Personen den Eintritt in das Wahllokal verwehren ließ. Wie er selbst erklärte, ist jedoch von 18.55 Uhr ab niemand mehr im Wahllokal erschienen. Die Leute hätten mustergültige Disziplin gehalten, kein Murren habe man gehört, obwohl manche bis zu einer Stunde hätten warten müssen. Von den 629 Wahlberechtigten in feinem Bezirk hätten nur 17 nicht abgeftimmt. Da die Wahlberechtigten nach dem Alphabet auf die Abstimmungslokale verkeilt waren und die Abstimmungsausweise ebenfalls alphabetisch numeriert wurden, so erhielt die Nummer 1 bei der Volksabstimmung im Saargebiet der am 9. August 1863 in Bingen am Rhein geborene Oberlokomotivführer i. N. Franz Aach. Die Zahl der ungültigen Stimmen ist eben=
Mit der Rückkehr ins Reichsgebiet wird auch das ganz besonders prekäre Problem der saarländischen Forderungen an Deutschland aus dem deutsch-französischen Verrechnungs-Abkommen feine rusche und befriedigende Lösung dadurch finden, daß diese Forderungen in Reichsmark bezahlt werden können. Auch die K r e ö i 11 a g e des Saargebiets wird selbstverständlich durch den Hinzutritt der Kreditmöglichkeiten der deutsche Bankwelt die not- ! wendige Erleichterung erfahren. In diesem Zusammenhang mag noch darauf hingewiesen werden, daß : die wirtschaftliche Rückgliederung die Jnvestie- : rung beträchtlicher Geldmittel bedingen wird. Das gilt vor allem für den in staatliches Eigentum wieder zurückkehrenden Kohlenbergbau, der einen Ausbau feiner zum Teil veralteten technischen ' : Anlagen und darüber hinaus Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Saarkohle und damit zur
1 Erhöhung ihrer Absatzfähigkeit erfordert.
Am einfachsten wird sich die „Rückgliederung" auf dem Gebiete des Verkehrswesens (Eisenbahn, Post) vollziehen, denn große organisatorische Veränderungen sind hier nicht notwendig. Den wirt- chastlichen Bedürfnissen des Saargebiets wird die Reichsbahn durch besonders angepaßte Frachttarife entgegenkommen.
Es ist der Wille der Reichsregierung und der ganzen Nation, der Saarbevölkerung den Uebergang in zum großen Teil für sie noch neue Lebensoerhält- nisse so weitgehend wie nur irgend möglich zu erleichtern, auftauchende Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen oder auszugleichen. Mangelndem Verständnis für den notwendigen Schutz der Saarwirtschaft in der Uebergangsze'it wird notfalls durch geeignete Maßnahmen nachgeholfen werden. Etwaige unvermeidbare Schwierigkeiten für den Arbeitsmarkt werden durch ein sorgfältig vorbereitetes Arbeitsbeschaffungsprogramm wettgemacht werden können.
„Rückgliederung" bedeutet aber mehr als Angleichung an den reichsdeutfchen Stand der Gefetz- gebung, der Arbeits- und Wirtfchaftsverfassung usw. Sie bedeutet mehr als nur ein Nachholen in den 15 fahren der Fremdherrschaft versäumter Entwicklungsnotwendigkeiten. Sie bedeutet weit darüber hinaus eine Festigung und einen Ausbau des Vorhandenen sowohl in ökonomi- cher wie in kulturpolitischer Hinsicht; denn es gilt, diese Westmark innerlich und äußerlich stark und in sich g e f e ft i g t zu machen. Die vorbildliche S i e d l u n g s p o l i t i k z. B. der früheren staatlichen Bergwerksverwaltung hat ihre Feuerprobe glänzend bestanden und den Weg zur Bodenständigkeit bewiesen, der nun weitergegangen werden muß.
Besonders sorgfältig muß die Wiedereingliederung des Saargebietes in das deutsche Wirtschaftsgefüge erfolgen. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß mit dem Tage der Wiederherstellung der deutschen Souveränität im Saargebiet die feit 1920 ununterbrochen ausgeübte „Betreuung" aufhören könnte. Die Saarwirtschaft, Arbeiter, Angestellte und Unternehmer, wird noch für geraume Seit der schützenden und führenden Hand des Reiches bedürfen, bis sie im neuen Wirtfchafts- oerbanöe völlig auf eigenen Füßen stehen kann. Es wird guter, opferbereiter und verständnisvoller Wille auf beiden Seiten nötig fein, um die mannigfachen hier sich stellenden Probleme zu lösen mit dem Ziele, der Wirtschaft des heutigen Saargebietes innerhalb der deutschen Volkswirtschaft denjenigen Platz zu geben, der ihr nach der wirtfchast- lichen Leistungsfähigkeit und dem fünfzehnjährigen tapferen Kampfe tzer Bevölkerung um ihr Deutsch-
m,. ..... ... ,^.,.,bundsrat- - fein, unmittelbar nach dem Borlie-
zur Stimmzählung vorbereitet. Die 60 Abstimmungsergebmifes feine Ent-
~,r ■ - ' ' rr • - • ■ .......scherdung zu treffen, die nur in der Feststellung
bestehen kann, daß der eindeutige Wille der Saar- bevölkerung die Rückkehr zum Deutschen Reich fordert! Eine offenbar weit verbreitete Mei-


