185. Zahrgang
Montag,
Des Saarlands Bekenntnis zu Volk und Reich
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8 Uhr aus Saarbrücken das 21 b ft im-
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Kommerzienrat Röchling, der bekannte saarländische Wirtschaftssührer, gibt seine Stimme ab.
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des Führers und Reichskanzlers und wird dem deutschen Volke und seinem Führer das Ergebnis melden. Angesichts des großen geschichtlichen Augenblicks versammelt sich das deutsche Volk zum
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besucht und ihr Vaterunser für den Sieg der deutschen Sache gesprochen hatten. Ohne $ a ft u n b j
Länder, und sie kümmerten sich nicht darum, gingen achtlos an ihnen vorüber. Sie wußten: dies war der letzte Tag. An diesem letzten Tag war ihre größte Ehre, still und schweigend zu tun, was ihnen ihr Blut und ihr Herz geboten, und sie sind dieser Stimme des Innern gefolgt, treu und selbstlos. Am Abend wurde bekannt, daß die französische
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Der riesige Andrang vor den Stimmlokalen: Ein drastisches Plakat mahnt die Abstimmungsberechtigten zur Disziplin.
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Der Weg der Pflicht.
Drahidet icht unteres ins Saargediet entsandten W.v L.-SnndeibelilDterstattssr
Saarbrücken, 13. Januar 1935.
Das Saarvolk ist auf dem Wege heim ins Reich. Am frühen Sonntagmorgen begann der letzte große Aufbruch. Fünfzehn Jahre hindurch haben die 800 000 deutschen Menschen an der Saar ihre Zeitrechnung nach diesem Tage ausgerichtet, und nun ist er gekommen.
Es war kein glanzvoller, rauschender Tag. Es war ein sehr stiller Tag voll verhaltener Kraft und voll viel ungesprochener Worte. Es wehten keine Fahnen in den Straßen, keine Musik dröhnte auf, k->ine Heilrufe erklangen. Es war der Tag des großen Schweigens, an dem dies unübersehbare Heer deut- scber Menschen durch die Straßen und Gassen sich wälzte, die Straßenbahnen, die Autobube und die Kraftwagen überfüllte. Aber aus dem Bild dieser Städte und Dörfer sprach doch eindringlich die große Kraft und Inbrunst, aus der überwältigend in dieser
Grenze bei Forbach auch für Saarländer mit dem roten Paß, die sonst immer ungehindert passieren konnten, gesperrt worden war. Das heißt, daß man drüben ganz offensichtlich die Folgerungen bereits gezogen hat. Wenn nach Bekanntgabe des Stimmenergebnisses der Saarbevoll- mächttge B ü r ck e l im Rundfunk sprechen wird, dann werden die Glocken über das Land schwingen, dann werden die Fahnen wieder flattern, bann werden Ju^-l und Begeisterung über dem Lande sein, und au<? Liebe, die 800 000 deutsche Menschen Wochen. Monate und Jahre in sich tragen mußten, und sich aus ihrem Herzen lösen mit einem einzigen Schrei: Deutschland!
Achtung Rundsunkhörer!
Der Saarbevollrnächtigte wird am Dienstag früh acht Uhr das Ergebnis verkünden.
Berlin, 13. Jan. (DRV.) Der Deutsche Rundfunk und die ihm angeschlossenen Sender der Dell übertragen am Dienstagmorgen um
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheflen
kommission, und sie hat abgestimmt: für Deutschland!
Wer hat dagegen, wer hat für den Status quo gestimmt? Noch kann diese Frage in der Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, nicht beantwortet werden. Aber wir haben die ganze letzte Woche in Saarbrücken geweilt und mit immer stärkerer Bewegung die letzten Tage durchlebt, da immer deutlicher spürbar wurde, wie unter der Oberfläche d i e Erkenntnis der Wahrheit durchbrach und die -Fronten sich endgültig klärten. Zn den letzten Tagen hatten die Leute vom Status quo keinen Atem mehr. Deutschland hatte endgültig gesiegt. Noch wissen wir nicht, wie das genaue Ergebnis sein wird, aber wir haben heute das Gesicht dieses Landes und Volkes noch einmal gesehen. D'eses Gesicht war beuHrh
Die Menschen taten ihre Pflicht mit ber anspruchslosen Selbstverstänblichkeit, mit ber beutsche Menschen immer in bie großen Entscheibungen unseres Volkes gegangen finb. Sie marschierten auf ben verschneiten Wegen bes Gaues unb Warndt, im Angesicht ber französischen Grenzen, nachbem sie vorher, wie an jebem Sonntag ben Gottesbienst
wehenb, ben Erntekranz.
90 000 abstimmungsberechtigte Saarlänber sind an biesem Tage mit ber Eisenbahn, 50 000 mit Kraftfahrzeugen burch bas Saarlanb gefahren, nach dem Ort, an bem sie abzustimmen hatten. An den Haltestellen, an benen bie Wagen vorüberkommen mußten, stauten sich bie Menschenmassen, sie warteten trotz ber vorsorglich eingerichteten Wärmeräume im schnell verwässernben Schnee, burchfroren unb mit kalten nassen Füßen gebulbig auf die Wagen. Zwei Stunden und mehr mußten sie auch an einzelnen Stellen in den Morgenstunden warten, da sofort ein starker Andrang zu ben Abstimmungsräumen einsetzte, bis sie ihre Stimme abgeben konnten. Zn ben ersten Mittagsstunben melbeten beshalb bereits einzelne kleine Ortschaften, baß bie Abstimmung beenbet sei. Alle Abstimmungsberechtigten waren an ber Wahlurne erschienen.
Nur bie Menschenketten vor ben Häusern beuteten an, wo bie Abstimmungsräume sich befanben. Kein einziges Plakat, keine Propaganba ber Parteien: nicht einmal bie Zeitungen bürsten am Sonntagmorgen erscheinen. Am Samstagnachmittag war bas ben Mitgliebern ber Regierungskommission noch eingefallen. Höchstens ein Mann mit einem Schilb stanb vor ben Abstimmungsräumen, unb auf biesem Schilb stanb: „E r st esGebot: Maulhalten!" Das würbe nicht verboten. Es wäre sogar überflüssig gewesen. Denn bie Probeabstimmung vor acht Tagen, bei ber so viele Stimmen ungültig erklärt würben, weil sie mit „Heil Hitler! grüßten, weil sie erklärt hatten, beutsch sterben zu wollen, wie sie geboren wären, hat bie gute Wirkung gehabt, baß bie Abstimmung sich stumm vollzog. Zn den Abstimmungsräumen war meist nur die eintönige Stimme des fremdländischen Vorstehers zu hören, der bie Namen ber. Abstimmungsberechtigten aufrief unb bazu vielleicht noch ewige Worte ber Erklärung für die Abstimmungsberechtigten gab, was nun zu tun fei. Die abzustimmen hatten, sprachen aber kein Wort Ern altes Mütterchen kam. Es stand hilflos mitten im Raum. Seine Blicke gingen von einem zum andern, es wußte nicht weiter. Der Vorsteher sprach sie an. Sie kam zu ihm. Er fragte sie. Sie antwortete nicht Stumm reichte sie ihm ihren Ausweis hm, stumm fragten ihre Augen wieder was sie nun zu tun habe. Dann ging sie tn die Zelle, kam wieder, und wortlos ging sie hinaus. .
Nur an wenigen Stellen sind einige Stimmen für ungültig erklärt worden, und dort offenbar allein weil die Abstimmungsvorsteher trotz der Verhaltungsmaßregeln der Abstimmungskommisiion bie schriftlichen Vorschriften mit übertriebener bürokratischer Peinlichkeit erfüllen wollten. Es ist wohl ohne Zweifel, baß an biesem Tage, an bem sich nicht nur bas Schicksal bes Saargebietes entschieb, an bem zugleich eines ber bebeutfamften Bekenntnisse zum neuen Deutschen Reich abgelegt würbe, n u r w e n i g e z u H a u s e b l i e b e n. Die Beteiligung an ber Abstimmung wirb sehr hoch gewesen sein. Die Deutsche Front hat getan, was sie tun konnte, um auch ben letzten Mann an bie Urne ^u bringen.
Zn ber Nacht zum Sonntag, um 2.30 Uhr morgens, stauben in ber Bahnhofstraße zu Saarbrücken 17 Orbensfchwestern aus Köln, müde, abgespannt, hungrig. Sie waren gekommen, um abzustimmen. Es stanb neben ihnen ein Mann aus Kapstabt, einer aus No r b -Amer t ka, ein etwas verspäteter Journalist a u s B r a f > lien, ber mit einer Babewanne für die Nacht zufrieden fein wollte. Er brauchte es nicht zu fein. Trotz ber späten Stunbe finb alle nod) unter» gebracht worben. 1500 Betten waren m Saarbrücken noch frei, obwohl bie Einwohnerschaft innerhalb ein-r Woche runb 11000 Schlafgelegenheiten 3ur Verfügung gestellt hat. Am Sonntagnachmittag kam auch noch'bie Frau aus Schanghai an, bie erst, ba gegen ihre Abstimmungsberechti- gunq Einspruch erhoben worben war, bas wchill nach Deutschlanb verpaßt hatte, bann in Sibirien zwei Tage eingeschneit gewesen unb erft toonn- tag morgen in Berlin angekommen war. Mit einem Sonbersluqzeug würbe sie nach Saarbrücken gebracht, mit besonberer Erlaubnis der Regierungs-
bftimmungsräume sich befanden und stimmen ab. ‘ |m Anschluß an die Verkündung des Abstimmungs- uÄ-n 'İsch.n7n^w7hren^nd E Ä I ”9* fptW ber 5 aa 16et>oHm ä<f>11g t e
Der Tag der Entscheidung.
Das Saarland tut schweigend seine Pflicht.
Saarbrücken, 13. Jan. (DNB.) Die weltgeschichtliche Entscheidungsstunde der deutschen Saar ist angebrochen. Deut|che Menschen von nah unb fern sind herbeigeeilt, um im umstrittenen Deutsch- land-Grenzgau heute ihr freudiges Bekenntnis zu Volkstum und Vaterland abzulegen. Trübe Dämmerung lag noch über den verschneiten Ortschaften des Saartzebiets, als heute morgen um 8.30 Uhr allerorts in 860 Wahllokalen bie Eröffnung ber Volksabstimmung im Saargebiet burch bie neutralen Dorfitzenben ber Wahlbüros feierlich erklärt würbe. Enblose Menschenreihen bewegen sich burch alle Stäbte unb Dörfer. Jeben brängt es, m ö g l i ch st b a I b seine Stimme abzugeven. Ein schweigender Strom von Abstimmungsberechtigten burchzieht bie Straßen. Die Gesichter ber pilgernben Menschenmassen spie» aeln fröhliche Zuversicht, aber auch bas Bewußtsein bes Ernstes ber Stunbe roiber. lieber- all mihnen bie Schilder ber Deutschen Front „H a l- tet Disziplin — tut schweigenb eure Pflich t", reben jebem einbringlich ins Gewissen, heute sein Bekenntnis zu Deutschlanb nur burch bie stumme Tat abzulegen. Es herrscht seit ben frühen Morgenstunben ein ungewöhnlich starker Auto- und Straßenbahnverkehr. Unermüdlich schleppen .Rote- Kreuz-Wagen gebrechliche und alte Menschen herbei. Man sieht Leute, bie kilometerweit von ihren Angehörigen in Rollwagen zu ihrem Abstimmungslokal gefahren werden. Da die Bevölkerung Saarbrückens alphabetisch über die 140 Wahllokale der Stadt verteilt ist, haben viele Leute einen kilometerweiten Anmarsch von einem Ende der Stadt bis zum anderen.
Die Wahlhandlung.
In stühester Morgenstunde im Saarbrücker Stadtteil S t Arnual, wo mehr als zwei Wal)llokale ausschließlich für 1431 Saarbrücker Abstimmungsberechtigten namens Müller reserviert sind: Zn einem kleinen Raum sitzt der holländische Vorsitzende, umgeben von feinen vier Beisitzern, je zwei Mitgliedern der Deutschen Front und ber Rück- glieberungsgegner. Ehe bie Abstimmungsberechtigten selbst zugelassen werben, wirft ber Vorsitzende zunächst die auf sein Wahllokal entfallenden Stimmen der Vorab st immung vom 7. unb 8. Zanuar in die Wahlurne, nachdem er die zweiten, äußeren Umschläge entfernt hat. Dann erst beginnt die eigentliche Abstimmung bes heutigen Tages. Einzeln treten bie Hunberte von Müller vor, zeigen ihre Pässe unb Stimmausweise; ber Dorsitzenbe verliest mit lauter Stimme Namen unb Personalien, bie Beisitzenben kontrollieren in ben Abstimmungslisten, welcher Johann Müller ober welche Maria Müller nunmehr an ber Reihe ist, ob ber Betreffend orbnungsmäßig eingetragen würbe. Der Abstimmungsberechtigte bekommt so- bann feinen Stimmzettel unb ben Um- schlag ausgehänbigt, begibt sich in bie Isolierzelle, um nach wenigen Sekunben bem Vorsitzenben ben verschlossenen Umschlag mit ber von i h m getroffenen Wahl zu übergeben, der ihn in Empfang nimmt und in bie Urne roirft Anschließend wird der Stimmausweis ungültig gestempelt, zu den Akten des Wahllokahls genommen, der Paß des Abstimmungsberechtigten ebenfalls mit einem Stempel versehen und dem Abstimmungsberechtigten wieder ausgehändigt. Alles vollzieht sich in größtem Schweigen Aus abschreckenden Beispielen kennt jeder die Gefahr, die die geringste Willensäußerung mit sich bringen könnte. Im Lokal selbst sorgen Feuerwehrleute als Hilfspolizisten für Ruhe unb Orbnung. Rote-Kreuz- schwestern unb Samariter bemühen sich, baß alte unb gebrechliche Leute bevorzugt behanbelt werden ober zum minbeften nicht allzu lange stehen müssen.
Zu einem tragischen Vorfall kam es in Haustabt, wo eine ältere Frau beim Aussteigen aus bem Waaen einen Blutsturz erlitt, aber trotzbem versuchte, sich mit letzter Energie ins Wahllokal bringen zu lassen. Kurz vor ber Wahlhandlung ist bie Frau aber verschieben. Aus allen D^fen bes Saaraebietes wirb berichtet, mit welcher Aufopferung sich gerabe alte unb gebrechliche Leute auf ben Weg machen, um ihre Stimme für Deutschlanb abzugeben. So wirb aus ©aarbrürf-’n gemeldet, baß eine am anberen Enbe ber S^abt mnt'rrnho Fra" -'s sich trab t h r t> r 9 5 r e nicht nehmen ließ, in ber Turnhalle in Mah'statt ihre Stimme abzugeben, obwohl aerobe dort ein bffonbers starker Anbranq zur Wahl Herrschte. Kreuz und quer durchs Saarland.
Der Wahltag prägte bem Saargebiet schon in ben allerfrühesten Morgenstunben fein Gesicht auf. Ueberall in ben Orten sah man Orbner ber Deutschen Front unb große Mengen von Automobilen mit bem weisiblauen Schilb „Motor- bienft". Die Bezeichnung ..Deutsche Front", bie sich gleichfalls auf biefen Schilbern befanb, mußte entfernt werben; aber auch so wußte ieber, baß es sich hier um bie hilfsbereiten beulschb->wußten Autofahrer bes Saargebietes hanbelte. Da bie Abstimmungsbestimmungen vorsehen, baß jeber an bem Ort abstimmen muß, an bem er am Stichtag im Jahre 1919 wohnte, erlebte man es, baß ganze Familien nach ben verschieben- sten Orten unterwegs finb. Da treffen wir auf eine Saarbrücker B^amtenfamilie: ber Mcmn muß nach Merzig, die Frau nach St. Wendel und
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stillen, schlichten Größe das Bekenntnis zur Heimat wuchs. Wohin auch immer die rasche
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die Fahnenmasten streckten sich nicht leer aus den Fenstern, sondern trugen, frisch im leichten Winde
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