Dienstag, 13. August 1935
Nr.187 Erster Blatt
185. Jahrgang
Gießener Anzeiger
3
-S
3
l»
iS
Z
3
5 T
s
§
2
V
L
L
3 -
3
Ä»
DS 2
Ä
S
3- a ®
??
schlagen und nicht von Angeboten gesprochen werden, da Italien es nicht nötig habe, sich etwas von Dritten schenken zu lassen, was es sich mit eigenen Mitteln sehr wohl selbst verschaffen könne. Wenn man heute wirklich noch eine bewaffnete Lösung vermeiden wolle, müsse man den von Italien geforderten Preis zahlen, sonst würden die Kanonen sprechen. Besonders wird hervorgehoben, daß Frankreich und England heute nicht mehr mit dem Italien zusammensäßen, das 1906 mit ihnen einen Vertrag über Abessinien geschlossen habe. Heute habe die Tatsache alle Italiener überzeugt, daß es nur eine Sicherheit gebe, die durch die bewaffnet en Kräfte des Staates errungen werden könne. Kein Recht könne ohne diese Macht bestehen, keine gegenwärtige und zukünftige Kräftebasis könne ohne den festen Block der moralischen und materiellen Hilfsquellen existieren. Den melancholischen Leuten, die im Ausland den verblichenen Erinnerungen des liberalistischen Italiens des vorigen Jahrhunderts nachtrauern, ruft das Blatt zu, daß man nicht mehr die erbarmungswürdige Komödie der Demütigungen und Verzichte erleben würde, die zu oft die vorfaschistische Außenpolitik gekennzeichnet hätten.
ogenten zugelassen, und die Waren werden dem Oberstuart mit einer Leiter zugestellt. Vielleicht um die Verbreitung von Neuigkeiten und die Absendung von Briefen nach Hause zu verhindern. Es wird dann im Bericht noch erwähnt, daß eingeborene Truppen aus Somali-Land und Eritrea nach Tripolis und tripolitanische Truppen nach Eritrea befördert werden.
Keine englischen Kohlenlieferungen mehr an Italien.
London, 13. Aug. (DNB.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" berichtet, daß sich so gut wie alle Kohlenausfuhrhäuser am Tyne geweigert haben, weitere italienische Kohlenbestellungen anzunehmen, da ihnen von italienischer Seite schon eine halbe Million Pfund Sterling geschuldet werde. Diese Lage habe zu einer Arbeitseinschränkung in einer Anzahl von Bergwerken der Grafschaft Durham geführt. Auch der Kohlenhandel von Süd w ale s leide-schwer unter der Langsamkeit der italienischen Zahlungen.
#9
~"O
-Z
Reger Verkehr durch den Suezkanal.
Oie italienischen Truppen- und Provianttransporte nach Eritrea hotten an.
Edens Abreise zur pariser Dreierkonferenz.
Ein konstruktiver plan Englands zur Befriedigung der wirtschastlichen Bedürfnisse
Italiens in Abessinien.
könne, erwiderte der Italiener: Selbstverständlich! Das Wort „K r i e g" könne überhaupt nur für europäische Verhältnisse angewandt werden. Wenn man nach zwei oder drei Zusammenkünften im September mit einem Abkommen nach Genf gehe, das für alle und auch für den Völkerbund einen Erfolg darstelle, so werde es sich dann nur noch um eine „koloniale Operation" handeln, oder um eine „Polizei- m a ß n a h m e", also etwas, was sich England für koloniale Gebiete vorbehalten habe, als es dem Kelloggpakt seine Zustimmung gegeben habe. Für Abessinien würde eine solche Maßnahme allerdings militärischen Charakter behalten, denn die Zivilisierung dieses Volkes lasse sich anders nicht durchführen. England habe einen großen Einfluß in Addis Abeba und könne den Kaiser von der Notwendigkeit überzeugen, sich damit abzufinden. Auf die Frage, ob England bereit sei, so weit zu gehen, lautete die Antwort: „Das ist das große Geheimnis der Pariser Konferenz".
Das römische Blatt „Otto b re" schreibt: Heute müsse es sich endlich zeigen, ob England weiter darauf beharre, eine Lösung durch lächer« liche und haltlose Vorschläge unmöglich zu machen. Heute könne nur von Dor-
Nom—Ostafrika in 12 Stunden
Von unserem römischen (^.-Korrespondenten.
London, 13. August. (DNB. Funkspruch.) Die : heutige Abreise des britischen Völker- : bundsminister Eden zur Pariser Drei- । Mächtekonferenz hat den italienisch-abessinischen Streit wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Im „Daily Telegraph" heißt es: Die Besprechungen dürften zehn bis zwölf Tage dauern. Die Konferenz soll feststellen, ob Jta- i lien in dieser späten Stunde doch noch bereit ist, eine friedliche Regelung zu suchen. Die britischen Vertreter unter der Führung von Eden werden einen konstruktiven Plan vorlegen, . der dazu bestimmt ist, die wirtschaftliche Entwicklung Abessiniens zu erleichtern. Dieser Plan enthält keine Andeutung einer Ausdehnung der britischen Einflußzone. In ähnlicher Weife hat Frankreich angekündigt, daß es keine rein franzüsiischen Interessen hinsichtlich einer Erweiterung seiner Einflußzone habe. Die Konferenz roirb daher umfassende Vorschläge erwägen, die die Bewilligung ausgedehnter und wesentlicher wirtschaftlicher Zugeständnisse an Italien durch Abessinien vorsehen. Wenn es sich herausstellt, daß Mussolini bereit ist, einen unblutigen Sieg in Erwägung zu ziehen, dann muß die Konferenz feststellen, welches Italiens tatsächliche Forderungen sind, und ob sie erstens vernünftig, und zweitens für Abessinien annehmbar sind. Es wäre zwecklos, zu verhehlen, daß man die schwer st en Zweifel hinsichtlich beider Punkte hegt. Die britische Politik bleibt einer Gewaltanwendung durch Italien unbedingt entgegengesetzt. Die Wirksamkeit dieses Widerstandes muß im hohen Maße von der endgültigen Stellung Frankreichs abhängen.
„Morning Post" erwähnt Gerüchte, daß Eden vielleicht sogar bereit sein werde, eine Revision kolonialen Besitz st andes zu erörtern, falls Italien sich verpflichte, nicht zum Kriege zu schreiten. Auf jeden Fall werde die britische Regierung eine Gewaltanstrengung machen, um die italienischen Wünsche zu befriedigen. Die Aussichten würden besser sein, wenn nicht militä- rische Operationen, sei es auch nur in beschränktem Ausmaß, jetzt geradezu eine Notwendigkeit für Italien geworden wären, wenn es sein Ansehen im Auslande aufrechterhalten und seine militärischen Vorbereitungen im Innern rechtfertigen wolle.
Abessiniens Vorschlag für Frankreich nicht diskutabel.
Keine Konkurrenz für Dschibuti.
Paris, 13. Aug. (DNB. Funkspruch). Die französische Presse erklärt, daß die Zugeständ- nisse, zu denen sich der abessinische Kaiser in seinem Gespräch mit dem Havas-Korrespon- denten unter gewissen Bedingungen bereit erklärt habe, keine Verhandlungsgrundlage böten und zwar aus zweierlei Gründen: Einmal habe Mussolini ä h n l i ch e D o r s ch l ä g e, die seiner Zeit von englischer Seite gemacht worden seien, a b g e l e h n t und zum anderen könne die französische Regierung dem Ausbau eines abessinischen Hafens an der Seite des französischen Hafens D s ch i b u t i n i ch t z u st i m m e n, weil Frankreich dadurch seine eigenen In- teressen schädigen würde. Das „Echo de Paris" weist daraufhin, daß der Hafen von Z e i l a, um den es sich ausschließlich handelt, n u r w e n i g e Kilometer von der französischen Eisenbahn Addis Abeba—Dschibuti entfernt fei. Diese Eisenbahn sei aber im Vertrage von 1906 gegen jede englische und italienische Konkurrenz geschützt. Selbst wenn es daher auf dieser Grundlage zu einer Einigung kommen sollte, müßte Abessinien gegenüber Frankreich die gleiche Verpflichtung eingehen und würde praktisch über einen Hafen verfügen, ohne die Möglichkeit zu haben, ihn richtig auszu- nützen. Die Erklärungen des Kaisers von Abessinien hätten deshalb nur psychologischen Charakter. In Wirklichkeit habe sich aus den bisherigen Vorbesprechungen noch nichts Greifbares herausgeschält. Trotzdem sei die ganze Angelegenheit nicht unlösbar. Das Blatt denkt dabei an die Möglichkeit, Abessinien in drei verschiedene Einflußzonen, nämlich eine italienifche, eine englische und eine französische, a u f z u t e i l e n. Da der Kaiser von Abessinien aber jeglichen italienischen Einfluß ablehne, sei eine Lösung dieser Frage unwahrscheinlich.
Die Auffassung in Rom.
Eine „koloniale Operation" aber kein Krieg.
Paris, 13. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Eine hochstehende italienische Persönlichkeit erklärte dem römischen Berichterstatter des „Jour" auf die Frage, ob der Vertrag von 1906 der augenblicklichen Lage noch gerecht werde: Gegenüber Abessinien nicht, deshalb lenke Italien auch die Aufmerksamkeit der anderen Unterzeichner dieses Vertrages auf die Notwendigkeit einer Abänderung. Wenn Italien sich hinsichtlich dieser Forderung bisher größte Zurückhaltung auferlegt habe, so nur deshalb, weil es nicht im voraus eine unnachgiebige Haltung einnehmen wolle. Au den Einwurf des Berichterstatters, ob dann ein Krieg noch vermieden werden
Rom, im August.
Zwischen Rom und Abessinien liegt ein Fünftel des Erdumfangs. Das Mittelmeer, Aegypten, der Sudan. 8000 Kilometer. Was es heißt, über solche Entfernungen Krieg zu führen, dafür bietet der Weltkrieg manches beredte Beispiel. Einmal machte ein Luftschiff diesen Weg, aber es war das Mächtigste, was sich damals denken ließ: ein Zeppelin, und man sprach davon wie von einem Wunder.
Heute: Der Hafen von Masfaua am Roten Meer, der heißeste der Erde, ist verstopft mit Kriegsmaterial. Es kommen bedenkliche Berichte nach Rom. Zwei Tage nur kann es ein Europäer dort aushalten, die kühlste Nachttemperatur ist 36 Grad. Andere Meldungen besagen, daß die Ausschiffungsschwierigkeiten zu beheben sind, daß die Truppen sofort ins Hochland befördert werden. Nun, Mussolini will wissen, wie er daran ist, jeden Tag. Er leitet den Feldzug von Rom aus. Und so setzt sich der Unter st aatssekretär für die Luftwaffe, General Äalle, nach einer gründlichen Inspektion der Armee morgens ins Flugzeug, ein Savoia Marchetti 79, und erstattet am Nachmittag dem Duce in Rom Bericht. Reine Flugdauer 11V« Stunden, Aufenthalt in Kairo. Fluggeschwindigkeit zwischen 300 und 400 Kilometer, Höhe zwischen 4000 und 5000 Meter. Einen Tag später wiederholt der Minister für öffentliche Arbeiten den Flug in umgekehrter Richtung, stürzt nach der Mittagslandung in Kairo ab. Acht Tote. Mussolini salutiert, Krieg ist Krieg, morgen geht ein anderes Kommandoflugzeug.
So zeichnet sich schon am wetterleuchtenden Horizont der'Feldzug ab, wie er sein wird. Der erste ganz moderne Krieg, wenn auch nur auf der einen Seite als solcher geführt. Unabsehbar ist die Entwicklung, doch das steht fest: der nächste europäische Zusammenstoß wird ein Adlerkrieg sein. Es gibt keine Grenzen mehr, auch keine Grenzen der Entfernung. Fraglich, ob Kriegsschiffe noch wegoerlegende Wirkung haben werden. Tag und Nacht schuften und schanzen die Engländer auf Malta,
rs
I!
London, 13. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie die „Times" aus Alexandria berichtet, nehmen die italienischen Truppentransporte durch den Suez-Kanal nach Eritrea ihren Fortgang. Tag für Tag passieren die Dampfer Port Said. Am Montag durchfuhr das Schiff „.California" den Kanal. Zwischen Schiff und Küste wurde kein Verkehr erlaubt. Eine große Ladung Bier an Bord eines dänischen Dampfers, der nach Masfaua bestimmt war, wird mit der Tatsache erklärt, daß Wein sich als zu er- hitzend für die Soldaten herausgestellt hat. Auf griechischen Schiffen kommen weiter fortgesetzt Maulbeeren, Ford-Autos und Schleppboote durch. Die meisten Fahrten erfolgen bei Nacht. Die Schiffe gehen weit entfernt von der Stadt vor Anker, besonders die Fahrzeuge, die mit Kranken nach Italien zurückfahren. Die heimkehrenden Hospitalschiffe haben schätzungsweise 5000 Mann an Bord gehabt, die an Malaria, Diphterie und in einigen Fällen an T y - p h u s erkrankt waren. Außer den großen Schissen, von denen jedes ungefähr 2500 Soldaten an Bord hat, sind auch eine Anzahl Lastdampfer mit Mechanikern und Munition durchgekommen. Beim Antreffen der ersten Transportschiffe erhielten örtliche faschistische Kaufleute die Erlaubnis an Bord zu gehen, und Boote mit Händlern legten an den Bordwänden an. Jetzt werden nur noch die Schiffs-
9er Umweg über Afrika.
Von Or. Hans von Malottki.
Die Neubelebung der mitteleuropäischen Debatte angesichts der ostafrikanischen Auseinandersetzung muß überraschen. Verlangt das bevorstehende Ringen der Diplomatie der Westmächte nicht ein Höchstmaß gesammelter Aufmerk- amkeit? Wenn die internationale Politik durch Be- eitigung gefährlicher Spannungen und akuter Kon- liktsmöglichkeiten den Frieden gewährleisten soll, muß dann nicht folgerichtig jede weitere Komplizierung einer bedrohlichen Situation vermieden werden? Zumal wenn mit der mitteleurpäischen Problematik eine Frage aufaerollt wird, deren bisherige Erörterung weniger Aussichten für eine befriedigende und fortschrittliche Klärung, als vielmehr unüberbrückbare Gegensätze zutage gefördert hat?
Warum also den Finger auf die wundeste Stelle Europas legen, wenn in Afrika die Waffen klirren? Die Antwort ist einer besonderen Betrachtung wert, denn sie läßt den Geist offenbar werden, der seit den Pariser Vorortverträgen Europa beherrscht. Jenen Geist, der unter der Flagge des „unteilbaren Friedens" eine unnatürliche politische Methodik zum europäischen Gesetz erhob und durch die Herstellung künstlicher und komplizierter Abhängigkeitsverhältnisse zwischen heterogenen Problemen lediglich eine negative Zielsetzung unter Beweis stellte. Ins Praktische übertragen: die französische Einkreisungspolitik war nach dem Abschluß des Militärbündnisses mit Moskau und der Einbeziehung der bolschewistischen Macht in die Front von Versailles an einen toten Punkt gelangt. Dem weiteren Ausbau der Sicherungen gegen die „deutsche Gefahr", im südo st europäischen Raum, war durch den italienisch-französischen Gegensatz und die vielfachen Spannungen zwischen den Nachfolgestaaten eine Grenze gesetzt. Die Vorstellung, diese Rivalitäten könnten einmal offen zum Ausbruch gelangen, verursachte in Paris Unbehagen und erleichterte Herrn Laval die Fahrt nach Rom.
Heber die Januarbegegnung mit dem Duce ist seinerzeit viel orakelt worden. Wie geschickt die französische Politik damals operierte, wurde aber erst völlig klar, als die ganze Tragweite des französisch - italienischen Protokolls vom 7. Januar zu übersehen war: das Geschäft auf Gegenseitigkeit. Frankreich hatte seine nachträgliche Zustimmung zum englisch-italienischen Abkommen von 1925 gegeben. Als Preis für die so gewährte „freie Hand" in Abessinien brachte Laval die Zustimmung Italiens zu der französischen Paktkonzeption über den Donauraum nach Hause. Was bisher nicht gelungen war: die Beseitigung der italienisch-französischen Rivalität im Südosten, — gelang a u f dem Umweg über Afrika.
Das „Journal" formulierte diesen Zusammenhang dieser Tage so: „Italien, das vor einem Krieg mit Jugoslawien gestanden habe, wende seinen Blick nunmehr nach Afrika. Frankreich brauche sich über diese Entwicklung nicht zu beklagen (!), denn Jahre hindurch sei Frankreich durch die italienisch-jugoslawische Rivalität in die grausamste Verlegenheit gebracht worden." Diese Darstellung ist allzu bescheiden. Sie verschweigt, daß die französische Politik dem italienischen Blick nach Afrika nachgeholfen hat, ja daß sie das afrikanische Abenteuer bewußt inszenierte, um den gefährlichen Gegenspieler im Südostraum in die eigene Front einzureihen. Wer bei diesem Arrangement der eigentliche Gewinner ist, — diese Frage bleibt vorläufig offen. Das aber läßt sich ohne weiteres sagen: den Schaden dieser erstaunlichen, mit den Lebensinteressen anderer Staaten nicht gerade rücksichtsvoll verfahrenden Manipulation hat Europa i n s g e s a m t zu tragen, während für Italien im Augenblick die Aussicht auf die „Rückendeckung" am Brenner alle anderen Fragen verdrängt zu haben scheint.
Daß die mitteleuropäische Frage seit dem Januar in einer ganz bestimmten Fassung immer wieder auftauchte, war zwar kein Fortschritt für Europa, entsprach aber den Absichten ihrer Urheber. So erschien sie im Londoner Fe- bruarpotokoll, in der Schlußverlautbarung der Stresaer Konferenz ebenso wie auf der Konferenz von Venedig, die die Staatsmänner Italiens, Oesterreichs und Ungarns zur Beratung der neuen Lage zusammenführte, also die Staatengruppe des römischen Protokolls vom März 1934, die gemäß ihrem Statut zur Konsultation verpflichtet ist. Auf der anderen Seite mußten auch die südöstlichen Bundesgenossen Frankreichs, in erster Linie die Staaten der Kleinen Entente, zu der veränderten Lage Stellung nehmen, die für sie, die ebenfalls gewohnt waren, im italienisch-französischen Gegensatz einen sicheren Maßstab ihrer außenpolitischen Kalkulation zu besitzen, schwierige, ja zum Teil recht unerwünschte Problemstellungen aufwarf. Alle Versicherungen, der neue Pakt werde eine erhöhte Friedenssicherung zur Folge haben, also einen Zustand herbeiführen, dem beizupflichten im eigenen Interesse geboten sei, konnten zunächst nicht die Befürchtungen der kleinen Staaten — der nach Rom und der nach Paris orientierten — aus der Welt schaffen, daß ein Ausgleich der beiden Großmächte nur zu leicht mit der Außerachtlassung ihret eigenen Interessen zu bezahlen sein würde.
'Was aber hatte man Positives von der „Organi- sieruna des Friedens" im Donauraum zu sagen? Bestätigung der Unabhängigkeit Oesterreichs, Nichteinmischung, Nichtangriff, Konsultation — das ist offenbar alles. Weder ist die Rede von der so ost angekündigten großzügigen Organi-
um die gestern noch uneinnehmbare Felsenfestung durch Luftabwehrbatterien zu schützen. Wenn aber auch nur ein einziges großes Lufttorpedo in den Naturhafen fallen würde, spritzen die schwimmenden Festungen darin auseinander wie eine Pulverfabrik. Addis Abeba rechnet damit, nicht bombardiert zu werden, es ist ja auch nicht viel zu zerstören dort. Wenn aber ein launenhafter Cäsar in Rom säße, brauchte er nur zu winken und noch gleichen Tages ginge ein Feuerregen herab wie über Sodom und Gomorrha. Die italienischen Bomber machen auch ihre 500 Kilometer, wenn es sein muß, ein kleiner Feldwebel am Gardasee hält den Weltschnelligkeitsrekord mit über 700 Kilometern in der Stunde.
Das ist das neue Italien, gegossen, geschmiedet und gestählt von einem Manne. Wie weit liegt jenes Adua schwächlicher Regierungen und keifender Oppositionen zurück! Die Schlacht von Tannenberg konnte noch nicht vorn kaiserlichen Hauptquartier aus geleitet werden, ein Hindenburg mußte sich auf die Bahn setzen, um zum Feldherrn- hügel zu gelangen. Heute kann Mussolini den afrikanischen Krieg von Rom aus leiten. Er braucht sich nicht auf Depeschen oder Meldereiter zu verlassen — übrigens gab es im letzten großen Krieg noch nicht einmal den Funkspruch, wie er unser tägliches Brot ist. Kürzlich hörten wir aus dem Kasten den Vesuv rumoren, warum soll ein smarter Reporter nicht auf den Gedanken kommen, uns die brüllende Schlacht zum Fünfuhrtee zu liefern? Mussolini erfährt jedoch unmittelbar aus dem Munde seiner Boten, wie es „dort drunten" steht. Er lenkt über Tausende von Kilometern hinweg. Und hätte er nicht einen Getreuen mehr — da sind seine beiden Söhne, Flieger in Ostafrika. Der eine kommt, der andere geht, wenn es sein muß. Unter dem Donner der Geschütze keimt vielleicht eine Führerdynastie. Alles ist anders geworden, seit Cäsars Legionen den schwarzen Erdteil unterwarfen. Und doch, wer denkt heute nicht an das alte Rom und seinen stahlharten Willen?
Erscheint täglich, außer M Ä Annahme von Anzeigen
Sonntags und Feiertags ™ für die Mittagsnummer
Beilagen: -Die 3üu[trierte e Ä k A A A. A A H M ▲ ▲ ▲ A A A. AA bis 8>/,Uhr des Vormittags
MU (hlChCilCf 211KCU1CI MM
von einzelnen Nummern Wf Ermäßigte Grundpreise:
infolge höherer Gewall w < < Stellen-, Vereins-, gemein-
(hetiernLllhtefrter für (hherheiieti »äs»
voftfcheckkonto: behördliche Anzeigen 6Rpf.
grantfurt am Main llßse Druck uttb Verlag: vrühl'fche UnioerfitStsvuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und SeschSftsftelle: Schnlftrahe 7 M-ngenabichlüff-Staffel»


