Einzelbild herunterladen

Heimweh.

Von Loses Friedrich perkonig.

Vor einiger Zeit, versuchte mir, da wir von der Erde als Geburtsstätte sprachen und dabei die selt­same Liebe zu dem Orte unseres Ursprungs bedach­ten, ein sehr kluger Mensch einzureden, und er berief sich dabei auf allerjüngste lebenskundliche Forschung, Heimweh wäre eine Krankheit der ge­heimste Drüsen, insofern nämlich, als Art und Menge ihres abgesonderten Saftes und seine Ver­wandtschaft zum Blute, in das er ja schließlich träu­felte, von dem Boden abhingen, auf dem der be­treffende Mensch eben lebte, von der Luft und dem Wasser, die in sein Leben eingingen. Es genüge nicht etwa ein zufälliger Aufenthalt, und zähle er nach Jah»n, obwohl auch in diesem Falle Mensch llch an Erde anpaßte, er müßte zu einer dauernden Uebereinstimmung ihr vielmehr von Anbeginn zu­geboren sein. Aendere sich nun infolge des Wechsels der Umwelt der zauberhafte Zusammenhang zwischen Drüse und Blut auch nur um Haargrade, dann wäre eben die Ursache für jene merkwürdige Krank­heit gegeben, die wir Heimweh zu nennen gewohnt sind, ein Herzweh, an dem man auch sterben kann.

Die Tatsache dieses Heimwehs läßt sich nicht fort» leugnen; wir haben lächerliche, rührende, erschüt­ternde Zeugnisse dafür, oft genug sind sie unseren dichterischen Träumen die Vorbilder gewesen, und es scheint, als übte manche Landschaft ihre gefähr­liche Lockung mit besonderer Kraft, wie Gebirge und Meer. Ich weiß um Menschen, die, von un­ruhiger Sehnsucht gehetzt, vom anderen Ende der Welt gereist kamen, ich kannte einen Soldaten, noch ist sein Leib im Grabe nicht zerfallen, der, ein Rätsel für die Aerzte, vor Heimweh nicht sterben konnte und erst einschlief, als man ihn unter großen Mühen in sein kleines Vaterhaus auf dem Berge, mit den Pelargonien in den Fenstern, heimbrachte.

Es sind nicht alle Menschen gleich anfällig, aber manche wirklich so sehr, daß sie nicht daran denken dürfen, für immer von dort fortzuwandern, wohin sie von einer unerforschlichen Bestimmung gepflanzt worden sind. Ich zähle gewiß zu jenen, die mit ioldjer entsetzlichen und doch wieder beglückenden Trägheit des Herzens begabt sind, ich habe darunter gelitten, und ich habe mich ihrer gefreut. Immer iber hahe ich mich bemüht, den verborgenen Urgrün­den s>M)es Gefühles auf die Spur zu kommen, vergeblich natürlich. Denn wqrum sollte meine Ver­messenheit höher belohnt sein als andere; doch eine !!eise, freilich wortlose Ahnung ward mir immerhin geschenkt.

Daß die edle Kastanie in kühler Lust nicht dauern Imin und die Birke in glühender ebensowenig, er-

M. 88 Drittes Blatt

Aus der pnwinziulhauPistaOI. Palmsonntag.

Don Propst Borrmann.

Der Passionsweg des Herrn ist reich an bitteren Stunden, die dem Heiland durch Menschen bereitet wurden. Daß ein Judas ihn verriet, war schwer, daß die Volksmenge am Palmsonntag Hosianna! und dann wenige Tage später Kreuzige! rief, mochte ihn hart treffen; daß alle Jünger im Garten von Gethsemane ihn verließen und flohen, war für ihn schmerzlich. Aber die bitterste dieser Enttäuschungen ist wohl die Verleugnung des Petrus gewesen. Daß der Jünger, den Jesus den Fels genannt hatte, in der Stunde der Versuchung wankte und fiel mußte den Herrn ins Herz treffen.

Wie ist es doch zu dieser Verleugnung Jesu durch Petrus gekommen? Dieser Jünger war doch in der Nachfolge Jesu von Stufe zu Stufe die Glaubens­bahn emporgestiegen. Welch große Stunde war für ihn jener Morgen am See Genezareth, umleuchtet vom Morgenglanz der Ewigkeit, als er, der müde und vergrämte Fischer Simon, von Jesus zum Menschenfischer berufen wurde! Welch große Stunde, als dieser Simon nach seliger Wanderung durch Galiläas sonnige Fluren auf dem Berg der Ver­klärung mit Jesus von Nazareth, umrauscht von Gottes Herrlichkeit, weilen durfte! Und welch große Stunde, als um den einsam gewordenen Meister, den viele verließen, der Kreis der Zwölf sich um so fester schloß mit dem Petrusbekenntnis:Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!" Damals wurde Simon zum Felsenmann Petrus geadelt.

Nun sollte er sich als Fels erweisen, sollte zeigen, wie fest er in der Nachfolge Jesu geworden war. Jene Nachtstunde im Palasthof des Hohenpriesters sollte seine Ehrenstunde werden und wurde doch zur Stunde seiner tiefsten Schande. Der Glaube des Felsen­manns ging unter in der Nacht der Verleugnung. Warum? Weil Petrus stärker schien, als er war. Er hatte den Leidensweg Jesu nicht mitmachen wollen. Er hatte seine Hand langsam aus Jesu Hand gelöst, als Jesu Weg nicht zur Ehre und Macht, wie Petrus sie erträumt hatte, sondern in Leid und Tod führen wollte. Da löste er sich von Jesus und war, nun auf die eigene Kraft gestellt, in der Entscheidungsstunde nichts anderes, als was er vor Jesu Eintritt und Eingriff in sein Leben gewesen war: Ein schwacher Mensch.

Aber Petrus sollte merken, daß er von Jesu nicht mehr loskommen konnte. Jesu Blick traf den Ver­leugner so tief ins Herz, daß der unselige Jünger weinend hinausging. Jesu Gnade ging ihm nach bis zu jenem Ostermorgen, als der Verleugner wieder begnadigt und aufs neue in die Nachfolge Jesu ausgenommen wurde.

Am morgigen Palmsonntag treten viele junge Menschen vor Gottes Altar zur Einsegnung. Damit treten sie in die Nachfolge Jesu ein. Sie sollen und wollen mit Jesus von Nazareth ihre Lebens­straße ziehen. Ihre Seelsorger bitten sie:Haltet im Gedächtnis Jesus Christ!" Und freudig kommt aus der Seele vieler Konfirmanden das Gelübde: Bei dir, Jesu, will ich bleiben!" Aber dann kommt das Leben mit all seinen Versuchungen und Ge­fahren. Dann kommen die Nachtstunden für die Seele, in denen auch mancher Konfirmand den Herrn verleugnet. Daß dann solche in die Irre gegangenen jungen Christen es dach wie Petrus merken möchten: Auch mir geht Jesus nach! Ich brauche nicht in Verzweiflung zu enden wie Judas, ich darf mich der göttlichen Barmherzigkeit getrosten wie Petrus! Dann wird alle Verzagtheit und alle Trauer die Stimme der Sehnsucht übertönen: Was ich verloren habe, darf nicht verloren sein! Ich will mich aufmachen und mich wieder in die Nachfolge Jesu begeben!

Wo dieser Entschluß im Herzen reift, da wandelt sich die Nacht der Verleugnung in den Morgen eines neuen Glaubens. Solch ein junger Christ dringt dann vom Kinderglauben zum Mannes­glauben hindurch, zu jenem aus den Stürmen der

Giehenec Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 13. April 1935

Oeffentliche Fahrradstände in Gießen.

Mit dem Wiederbeginn der schönen Jahreszeit wird auch das Fahrrad als beliebtes Verkehrsmit­tel erneut stärker im Straßenbild in Erscheinung treten. Erfreulicherweise hat diesesAutomobil des kleinen Mannes" in steigendem Maße in allen Be- völkerungsschichten Verwendung gefunden, so daß man jetzt wesentlich mehr Fahrräoer als vor etwa einigen Jahren im Gebrauch bemerken kann. Für die Fahrradfabriken und deren Vertriebsgeschäfte ist diese Aufwärtsentwicklung erfreulich, auch vom Standpunkt der Gesamtwirtschaft aus kann man sich mit dieser Entwicklung gerne einverstanden erklären. Auf der anderen Seite sind aber auch einige Schattenseiten nicht zu verkennen, die na­mentlich den Hausbesitzern, ferner im Fußgängerver­kehr oft recht bemerkbar werden. Aus den Kreisen der Hausbesitzer kann man Klagen darüber hören, daß durch das Abstellen von Fahrrädern an neu­hergerichteten Hauswänden oder in renovierten Hausfluren Schaden angerichtet wird, der bei der Berührung der Fahrradlenkstangen oder Pedale mit den Hauswänden eintritt und bei häufiger Wieder­holung recht empfindlich ist. Die Fußgänger führen mancherlei Klage darüber, daß durch abgestellte Fahrräder am Rande der Bürgersteige bzw. an den Häusern die Bewegungsfreiheit im 'Fußgängerver­kehr beeinträchtigt, in stark benutzten Straßen so­gar wesentlich erschwert wird. Man wird zugeben müssen, daß alle diese Klagen in vielen Fällen nicht unberechtigt sind. Diese Erkenntnis darf aber nicht dazu führen, die an sich sehr erfreuliche Ausbreitung des Fahrrads zu hemmen, sondern es müssen Mög­lichkeiten geschaffen werden, die Abhilfe bringen und für alle Teile annehmbar sind. Ein wirksames Mit­tel der Abhilfe scheint uns die Schaffung von öffentlichen Fahrrad st änden zu sein, die den Radfahrern die Abstellung ihrer Räder ermög­lichen, ohne dabei die Hauswände oder Bordsteine in Anspruch nehmen zu müssen. Dann würde es auch nicht mehr vorkommen, daß die Straßenbahn­wagen in den Straßenzügen, in denen die Schienen dicht am Bürgersteig entlangführen, oft zwischen den Haltestellen auf der Strecke die Fahrt unterbrechen müssen, weil irgendein Radfahrer seine Maschine an den Bordstein gestellt hat und dadurch den Stra­ßenbahnverkehr behindert, solange der Radler in einem Hause zu tun hat oder er sich vielleicht mit liebevollem Interesse ein Schaufenster ansieht.

Oeffentliche Abstellplätze für Fahrräder könnten wohl ohne allzu große Geldaufwendungen geschaf­fen werden. Einfache Holzrahmen oder kleine Eifen­pfähle als Stützen der Räder würden ihren Zweck schon in genügendem Maße erfüllen. Nebenbei be­merkt wäre dadurch nicht nur eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zu erreichen, sondern auch auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung ein Bei­trag zu leisten. Die Plätze für derartige Abstellein­richtungen müßten natürlich möglichst zahlreich über das Stadtgebiet verteilt sein. Wir denken hier z. B. an folgende Möglichkeiten: Auf

dem Bahnhofsplatz in dem verhältnismäßig wenig befahrenen Winkel vor dem sog. Fürstenpaoillon; am Hauptpostamt vielleicht unter Inanspruchnahme eines schmalen Streifens der jetzigen Gartenanlage, dieser Platz würde auch für die zahlreichen Besucher des Arbeitsamtes mit in Betracht kommen; vor der Alten Klinik ein Streifen des großen Vorplatzge­ländes, zugleich konnte hier auch den Fahrradbe­suchern des Hauptzollamtes, des Polizeireviers und des Reichsbahngebäudes gedient sein; am Selters­tor der Geländeftreifen hinter dem Torhaus in Rich­tung Bahnhofstraße, auf der anderen Seite des Horft-Weffel-Walls an der Ecke Bahnhofstraße der jetzige tote Winkel in der Nähe des Zugangswegs zum Volksbad; vor dem Dolksbad ein Streifen des seitlichen Geländes, soweit es sich nicht um Be­sucher des Volksbades selbst handelt, für die ja eine Fahrradhalle bereits vorhanden ist; am Kreuzplatz der spitze Winkel zwischen Mäusburg und Sonnen­straße; für Marktplatz, Schulstraße usw. der freie Raum zwischen dem Hause der Sanitätskolonne und dem Alten Schloß; für die öffentlichen Gebäude auf dem Landgraf-Philipp-Platz ein Streifen viel­leicht am östlichen Ende des Anlagestückes; vor den Gerichtsgebäuden ist Platz genug auf den Grund­stücken selbst vorhanden; vor dem Stadthaus Gar- tenstraße und dem Verwaltungsgebäude der städti­schen Betriebe (Gaswerk) auf dem freien Gelände­stück zwischen dem Stadthaus und der Wieseck; vor dem Stadthaus Bergstraße rechts des Hauptein- aanges von der Bergstraße her neben den gärtneri­schen Anlagen; vor dem Finanzamt und vor dem Versorgungsamt ist gleichfalls genug Platzmöglich­keit vorhanden; am Universitätsgebäude käme viel­leicht das Seitengelände am Eingang von der Goetheftrahe her in Betracht; an der Stadtpost die Geländespitze zwischen Neuen Bäue und Neuen­weg. Neben diesen nur als Beispiel erwähnten Mög­lichkeiten dürften zweifellos noch zahlreiche weitere Gelegenheiten zur Schaffung solcher Abstellplätze vorhanden sein. Daneben darf man wohl auch er­warten, daß überall da, wo Privatunternehmungen mit starkem Radfahrverkehr zu rechnen haben und auf eigenem Grund und Boden genügende Platz­möglichkeit besitzen, Raum zum Abstellen von Fahr­rädern auf eigenem Gelände geschaffen wird, um die Straße freizumachen von stehenden oder um­gefallenen Fahrrädern.

Die Verwirklichung dieser Gedanken wird in man­chen Fällen für Radfahrer eine gewisse Unbequem­lichkeit zur Folge haben, die darin besteht, daß das abgestellte Fahrrad einige Schritte weit vom Aufenthaltsort des Radlers unterzubringen ist. Aber diese kleine Unbequemlichkeit sollte kein Hin­dernis sein bei der Schaffung einer Einrichtung, die für zahlreiche Volksgenossen (Hausbesitzer) Schäden verhütet und auf der anderen Seite Behinderungen des Verkehrs auf das größtmöglichste Maß be­schränken hilft.

Verleugnung durch des Heilands Gnade erwach­senden und die Stürme des Lebens besiegenden Ver­trauen: Ich bin mit Jesus auf dem Weg zu seinem und meinem Vater!

Daten für den 13 April

1598: Heinrich IV. von Frankreich gewährt im Edikt von Nantes den Protestanten Religionsfrei­heit; 1784: der preußische Generalfeldmarschall Friedrich Graf von Wrangel in Stettin geboren (gestorben 1877); 1932: Verbot der SA. und SS. im ganzen Reich.

Daten für den 14. April.

1759: der Komponist Georg Friedrich Händel in London gestorben (geboren 1685); 1865: der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln, in Washington ermordet (ge­

klärt noch nichts, hier sind ureinfachste, selbstverständ­liche Lebensgesetze im Spiele. Daß Geschöpfe zum Beispiel auf Kalkboden andere Gestalt annehmen als ihre Brüder auf Urstein, und daß sie zu ver­kümmern beginnen, wenn sie ihre Heimat wechseln müssen, erklärt etwas mehr. Es scheint, als wolle es auf feine Weife jene nüchterne Behauptung vom Heimweh bestätigen. Selbst wenn ich mich dazu bekennen würde klare, natürliche Deutungen haben wie die lautere Wahrheit immer etwas Be­strickendes an sich ein letzter Rest von undurch­sichtigem Zauber und göttlichem Zutun bliebe dann noch immer übrig, jenes allerletzte Tausendstel, das den gläubig sein Wollenden auch in dieser aus­geräuberten Welt noch erschauern läßt. Dann wäre also dieses Heimweh, um das wir Dichter uns dau­ernd bemühen, ob wir es nun bei seinem ersten wahren Namen nennen, ob es uns in girier seiner unzähligen Gestalten bewegt, denn alles und jedes ist für uns Unvollendete ja Heimweh nach irgend etwas, dann wäre also dieses Heimweh zwar wirk­lich die sichtbar gewordene Storung eines körper­lichen Vorganges, vermehrt um ein Teilchen un­greifbares Jenseits.

Und doch wieder: es kann nicht fein. Solches Heimweh würde einige Dauer des Bestandes, aus dem es entspringt, voraussetzen. Ich aber habe es, und mir war dabei nicht minder zum Sterben schwer ums Herz, gespürt in einer einzigen Stunde, die mich buchstäblich aus dem heiteren Himmel über­fiel, und sie wog reichlich auf das gesammelte schmerzliche Gefühl von Jahren. So schnell kann sich keine Drüse regen, so bald kann kein Blut ver­giftet fein. Das war damals an dem bitteren Him­melfahrtstage des Jahres 1919. Ein halbes Jahr lang hatten wir Kärntner den Südslawen, die un­sere Heimat unbedingt zerstückeln wollten, stand­gehalten, w.r hatte., sie Anfang Mai nach einigen regelrechten Schlachten sogar aus dem Lande ver­jagt, wir hatten furchtbar geblutet und hofften nun auf einige Ruhe. Aber da überfiel uns, die wir keine zweitausend Feuergewehre zählten, eine grau­enhafte Uebermacht von zehn Regimentern und eine ungeheuer starke Artillerie, wir hatten, soweit wir überhaupt noch lebten oder frei waren, kaum Zeit, unser nacktes Leben zu retten. Und da irrte ich denn, ehe ich mich zu den übrigen Versprengten sammeln ließ, auf den Hohen über der Drau hin, von wo ich in meine verlorene Heimat, das Rosen- tal, noch schquen konnte, und die Tränen sandte nicht nur der ohnmächtige Zorn in meine Augen, sondern schon das Heimweh. Da lag die geliebte Landschaft zu meinen todmüden Füßen ausgebreitet, bis in die letzten Falten wohlbekannt, Aecker und Flußau, Wald und Hügel, und die Dörfer, jedes einzelne meiner Kindheit verschwistert. Doch während

boren 1809); 1931: Spanien wird Republik, Abdankung des Königs Alfons XIII.

Achtung! Handwerkskarte!

Von der Hessischen Handwerkskammer Darmstadt wird uns mitgeteilt:

Bei der Hess. Handwerkskammer und den Kreis­handwerkerschaften laufen noch immer zahlreiche Anträge und Anfragen wegen Aushändigung der Handwerkskarte ein. Es wird daher auch auf diesem Wege allgemein zur Kenntnis gebracht, daß die Ausgabe der Handwerkskarte erst im Laufe der Sommermonate erfolgen kann, da die Nachprüfung der Fragebogen, auf Grund deren die Handwerks­karte ausgestellt wird, noch geraume Zeit in An­spruch nimmt. Die Ausfertigung und Ausgabe von nahezu 43 000 Handwerkskarten durch die Hand-

ich so auf der Hohe faß und meinen schweren Kopf gerne auf die Erde hingelegt hätte, die ja mit jener entrungenen dort in der Tiefe des Tales noch ver­bunden war, gewann neben dem klaren, bekannten Bilde der Landschaft ein Anderes, Geheimes allmäh­lich Gewalt. War es der Schmerz, war es ein ge­heimnisvoll Schöpferisches, plötzlich entbunden, das aus irgendeinem Grunde das helle Bildnis der Heimat vor mir zu umkleiden begann, über die Hügel schritten meine Ahnen als Schatten, Vater, der Graveur, Großvater, der Messerschmied, Urväter als Bauern, Schmiede, Müller, ich horte den Strom meines Geschlechtes rauschen, sah mich als Kind, sah die Mutter, sah die Geschwister, so füllte sich die Schale der verlorenen Heimat bis zum Rande, und irgend etwas Geheimnisvolles in mir hielt nicht inne, mir selbst Dinge, die mir gleichgültg gewesen waren und auch wrklich gering fein mochten, teurer und teurer zu machen. Heute noch spüre ich jenes unheimlich Belebte und Drängende in mir, das mich vor einem stets natürlich scheinenden, durchaus ge­wöhnlichen Bilde plötzlich zum Sterben bereit machte; vor Heimweh.

Was immer es sein mag: beschlossen ruht in jener Bereitschaft, die wir Heimweh zu nennen pflegen, was so kostbar ist, daß wir dafür tausend und einen Tod sterben konnten, nicht jenen zwar, der uns als Staub verwehen läßt, obwohl von ein­facheren Naturen auch dieser Tod gestorben wird, fondern jene wunderbare Verwandlung des Dich­ters durch ein sinnbildliches Grab hindurch zur Auferstehung in immer sich erneuerndes Licht.

Und es offenbart sich daran, wenn wir Entstehung und Sinn zu enträtseln suchen, gleichsam an einem Schulbeispiel das Amt des Dichters: Das Geheim­nis zu jenem geringen irdischen Teil, in den es sich eben noch oerstofflichen läßt, zu verdeutlichen; das Stoffliche aber wieder in ein Geheimnis um­zudeuten. Es darf dann ruhig in Form eines Irr­tums geschehen; Dichter irren, wenn sie ihre Be­rufung nicht für ein Spiel nehmen, wenn sie ihnen heilig ist, ja immer schon und verzeihlich.

Tod den Forstschädlingen!

Noch 1923 war die deutsche Forstwirtschaft gegen die damals erfolgende Massenvermehrung der ge­fürchteten Forleule, des größten Feindes unserer Kiefernbestände, ziemlich machtlos. Der im Staats-, Privat- und Kommunalreich angerichtete Schaden wurde auf ungefähr 625 Millionen Mark geschätzt. Im nächsten Jahrzehnt setzte nun eine so gründliche Bekämpfungsarbeit ein, daß es mit den inzwischen erprobten neuen Mitteln, durch Flugzeug- und Mv- torzerstäuber, möglich war, der Mafsenvermehrung

werkskammer wird sich naturgemäß über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Alle Handwerker, die bereits vor Inkrafttreten der 3. Handwerksverordnung, d. h. vor dem 24. L 1935 in die Handwerksrvlle eingetragen waren und ihr Gewerbe bei der zuständigen Ortsbehvrde ord­nungsgemäß gemeldet hatten, werden dringend er­sucht, alle die Handwerkskarte betreffenden Anfra­gen und Anträge au unterlassen, um in Anbetracht der Überlastung Der Handwerkskammer mit lau­fenden Arbeiten eine unnötige Erschwerung des Geschäftsganges zu vermeiden.

Die Heimkehr Philipps des Großmütigen aus der Gefangenschaft.

JrnGießener Anzeiger" Nr. 82 vorn 6. April 1935 veröffentlichten wir auf Wunsch eines Hei- rnatgeschichtsforschers die nachstehende öffentliche Anfrage:

** Wer kann in dieser Sache Aus­kunft geben? Ein Leser unseres Blattes übermittelt uns folgende öffentliche Anfrage: Wer kennt die Erzählung (Sage?), daß Philipp der Großmütige nach feiner Rückkehr aus der fünfjährigen Gefangenschaft zu Mecheln im Jahre 1552 an der Grenze feines Landes (bei Bromskirchen-Somplar) unter einer dicken Eiche niederkniete und Gott für feine Befreiung dankte? Wo stand (oder steht) die Eiche? Ant­wort an die Schriftleitung desGießener An­zeigers" in Gießen erbeten.

Aus unserem Leserkreise gingen uns daraufhin mehrere Briefe zu, von denen wir nachstehend die Mitteilung mit den präzisesten Angaben wieder» geben:

Die Sache mit Philipp dem Großmütigen ist keine Sage, sondern folgendes ist Geschichte: Durch den Passauer Vertrag 1552 erhielt Landgraf Phi­lipp feine Freiheit wieder. Am 4. September 1552 wurde er nach über fünfjähriger harter Gefangen­schaft in Mecheln (Holland) in feierlicher Weise frei- gegeben und nahm seinen Weg, begleitet von 300 spanischen und flandrischen Edelleuten, über Köln JülichSiegenMarburg. In der Nacht vom 9. auf den 10. September blieb er in Siegen. Am 10. September bewegte sich der Zug auf der alten Heeresstraße SiegenMarburg dahin. Bei dem Dorfe Simmersbach in der Nähe des Dietzhölztales auf *ber mit Heidekraut und Wacholder bewachsenen Höhe,Staffelböhl" genannt, stößt diese jetzt ein­same Straße auf die alte hessische Grenze. Heller Jubel erschallte, als der Landesherr sich der Grenze nahte. Hier standen hundert Hessenreiter als Ehren­wache. Eine tiefe Bewegung ging durch die Reihen der aus der ganzen Gegend zusammengeströmten Landeskinder, als der Hessenfürst, der durch die Ge­fangenschaft sehr gealtert und ergraut war, bei dem ersten Schritt auf den Boden seines Heimat­landes niederkniete und von feinen vier Söhnen und Räten umarmt wurde. Zur (Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag haben damals die Sim­mersbacher oben auf der Bergeshöhe neben der alten Heeresstraße eine Buche gepflanzt, heute im Volksmund diePhilippsbuche" genannt, in Sim­mersbach heißt sie noch dasBüchelche". Da der Zahn der Zeit an dem alten Baume sehr genagt hatte, unternahmen es im Jahre 1909 der Zimmer- meister Gail aus Simmersbach und der Unter­zeichnete, damals erster Lehrer in dem benachbarten Lixfeld, Geschichtsfreunde auf diese Tatsache und den Zustand der Buche aufmerksam zu machen. Es kam ein Gedenkstein aus Grünstein (Syenit) zu­stande, der am Sonntag, 11. September 1910, unter

Zum Osterfest

Klipps Kaffee

Bremer Qualitäts-Kaffee

stets frisch zu haben in den

Fachgeschäften des Einzelhandels

der Forleule in den Jahren 1932 und 1933 Einhalt zu gebieten. Die bis 1931 verwendeten Giftstoffe waren, wie Forstasfessor G. V e h r n d t vom Kai- fer-Wilhelm-Jnstitut Müncheberg in der bei Hugo Bermühler erscheinenden ZeitschriftDer Natur­forscher" ausführt, ausschließlich arsenhaltig. Ihre Verwendung hatte jedoch manche Nachteile, die u. a. auch darauf zurückzuführen find, daß der in Gebrauch befindliche Motorzerstäuber sich gegen­über den großen Aufgaben der Forftschädlingsbe- tampfung als unzulänglich erwies. Man ging des­halb zur Verwendung des Flugzeuges über, für das von der Firma Junkers bald eine einwand­freie Beftäubungsvorrichtung herausgebracht wurde. Die Junkerswerke arbeiteten in engstem Einver- nehmen mit der bekannten Firma E. Merck in Darmstadt, die ein Gift im Großversuch erprobte, dasdie nackten Raupen unserer Forstschädlinge allein durch die Berührung abtötet." Zum erstenmal wurde damit bei der Bekämpfung der Forleule im Nürnberger Reichswald im Jahre 1931 ein nahezu hundertprozentiger Erfolg erzielt. 1933 wurden auf dieser Grundlage zusammen 28 260 Hektar begiftet, von denen 9 894 Hektar mit Motorzerstäuber und der Rest mit Flugzeug behandelt wurden. Während man den Motorzerstäuber alten Stiles nur zur Be­arbeitung kleinerer Flächen für geeignet hielt, hat die Erfahrung inzwischen gezeigt, daß er bei dem erreichten hohen Grad technischer Vollkommenheit jetzt den stärksten Anforderungen durchaus ge­wachsen ist. Diese Tatsache und der Umstand, daß die Kosten der Motorbestäubung niedriger sind als die Aufwendungen für die Flugzeugbestäubung lassen die Annahme zu, daß der Motorverstäuber dem Flugzeug immer mehr den Rang ablaufen wird.

Hochschulnachrichteii

Zum Direktor des Instituts für Physikalische The­rapie der Universität Frankfurt, das bisher zusammen mit der Medizinischen Poliklinik von dem verstorbenen Professor Dr. Strasburger ge­leitet wurde, ist der ordentliche Professor für Bal­neologie, Klimatologie und Bäderlehre Dr. Heinrich Lampert ernannt worden. Dadurch sind die bei­den organisch zusammenhängenden Fachgebiete in einer Hand vereinigt worden.

Professor Dr. Labes von der Universität Bonn ist kommissarisch auf den Bonner Lehr­stuhl für Pharmakologie als Nachfolger von Pro­fessor Dr. Kränke berufen worden.

Professor Dr. Anton Arland von der Univer­sität Leipzig hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Pflanzen-, Gemüse- und Obstbau an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag (Abteilung für Landwirtschaft) angenommen.