Einzelbild herunterladen

Geschichten aus aller

Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Ein sonderbarer Heiliger.

(ht) Charbtn.

5u wohltätigen Zwecken wurden, wie erinner­lich, während des Weltkrieges in DeutschlandEr­innerungsnägel" eingeschlagen: in Wappenschilder, Standbilder aus Holz oder in allegorischen Figu­ren. 3n der Mandschurei aber ist die Sache gerade umgekehrt: dort werden zu wohltätigen Zwecken Nägel herausgezogen. Wenigstens ist auf diesen eigenartigen Gedanken ein alter chinesischer Pilger . oder Bettelmönch gekommen, der sich zugunsten seiner abgebrannten oder überschwemmten Heimat­gemeinde mit einer Sammelbüchse auf den Weg nach Norden gemacht hat. Und zwar führt der sonderbare Heilige eine Art Kiste, ungefähr in der Form eines hölzernen Schilderhauses'mit sich her­um, in das von außen Tausende von Nägeln aller Größen und Formate eingeschlagen sind, deren Spitzen alle nach innen reichen! Diesen Marter­kasten, der in seiner Konstruktion an dieEiserne Jungfrau" von Nürnberg erinnert, baut der Pil­ger an den belebten Straßenecken auf und läßt sich zwölf Stunden und länger darin einsperren. Vie Füße des Alten stehen auf Nägeln, auf einer Na­gelbank sitzt er, und der Nägel an den Seiten» und Rückenwänden wegen kann er sich nicht an­lehnen Ein erbarmungswürdiger Anblick, der natürlich viele Menschen anhält, dieStellung" oderLage" dieses armen Dulders zu erleichtern! Das kann oder muß durch Ausziehen eines Na­gels geschehen, wobei die Tarife gestaffelt sind: die unangenehmsten Nägel, also die ganz dicken, ganz spitzen und ganz langen kosten einen Dollar- Gobi, kleineBlauköppe" sind schon für ein paar Centszu haben", und wer ganz arm ist, darf auch durch Entfernung einer Zwecke den Wohnsitz des Alten gemütlicher gestalten. Das ganze Geld kommt in die Sammelbüchse und ist für die not- leidende Gemeinde bestimmt. Hoffentlich! Denn in der Mandschurei ziehen nicht nur viele sonder­bare, sondern beinahe noch mehr zweifelhafte Hei­lige umher . . .

DasSchlangenkonzert'

(by) Johannesburg.

Während die Mitglieder eines Blasinstrumenten- Orchesters in Worcester, einem kleinen Kurort im Kaplande, eine Probe abhielten, schlich sich eine gelbe Kobra zur Tür herein, kroch langsam über die Füße der erschrockenen Trompetenbläser hinweg und stellte sich vor dem Dirigenten auf, sich im Rhythmus der Musik hin- und herwiegend. Das Spiel des Orchesters erhielt dadurch eine immerhin amüsante südafrikanische Note. Dirigent und Mu­siker zogen_ sich langsam und vorsichtig auf ihre Stühle zurück und spielten in ihrer Angst, von der Schlange gebissen zu werden, stundenlang das schönste Potpourri, das in diesem Orte jemals ge­hört worden sein dürfte. Vor diesem überaus großen musikalischen Genuß kapitulierte schließlich auch die Schlange: sie zog sich wieder zurück und wurde nicht mehr gesehen. >

Ein ttciter Gangsterkniff

(th) Neuyork.

Die amerikanischen Gangsters kennen viele Me­thoden, um die Geldbeutel ihrer Mitmenschen zu erleichtern. Aber dieses Verfahren dürfte neuartig fein: Sie sind nämlich dazu übergegangen, statt Menschen Hunde zu entführen. Allerdings

handelt es sich dabei um ganz besondere Hunde, um d»e Lieblingstiere von Millionären und Milli­ardären, die nach den Erfahrungen der Gang­sters meist lieber eine ordentliche Summe be­zahlen als ihre vierbeinigen Freunde einem cmge- drohten qualvollen Tode auszusetzen. Diese reichen Leute hängen gewöhnlich um so mehr an den Tieren, als sie ihnen die uneigennützigste Freundschaft zu bezeigen pflegen, denn einen Hund kümmert es ja bekanntlich nicht, wie reich sein Herr ist. Er liebt ihn nicht um materieller Werte, sondern um feiner selbst willen. Und die Herrchen und Frauchen lassen sich diese uneigen­nützige Liebe etwas kosten! So hatte die verstor­bene Tochter des alten Rockefeller in dem Park ihres Schlosses eineVilla" erbaut, in der sich ihre Hunde aufhielten. Besondere Dienerschaft sorgte dafür, daß die Hunde richtig gepflegt wurden. War einer von ihnen nur leicht erkältet, so wurde telegraphisch der beste Tierarzt des Landes hin­beordert. Was Wunder, daß die Gangsters diese Millionärslaunen in ihre Spekulation einbezogen Und sie haben sich wahrlich nicht verrechnet: es sind schon recht hohe Lösegelder für entführte Hunde bezahlt worden!

In den Katakomben von Syrakus.

_ (ha) Syrakus.

Im Laufe der letzten 15 Jahre hatten sich in den alten griechischen Katakomben auf Syrakus Leute niedergelassen, denen die Haus- und Zimmermieten zu teuer waren und die außerdem zu der Ueber- zeugung gelangten, daß diese schönen kühlen Keller sich vorzüglich zu Wohnzwecken eigneten.

Die italienische Regierung machte gute Miene 3um bösen Spiel und erhob keinen Einspruch gegen diese seltsamen Grabbewohner. Nur als man daran ging, in einigen noch nicht bewohnten Katakomben d,e Toten beizusetzen, verwies man auf die Landes­gesetze, die die Erdbestattung anbefehlen. Heute ist es also so, daß die Grabbewohner von Syrakus ihr Grab verlassen, wenn sie sterben.

Das kostbare Fliegenbein.

D. London.

Eine Briefmarke, der ein paar Zacken am Rande fehlen, verliert gleich einen Teil ihres Wertes, mag sie noch so selten fein. Ein Insekt, dem ein Bein abhanden gekommen ist, könnte sich wahr­scheinlich, lebte es noch, ohne sonderliche Behinde­rung hüpfend, fliegend oder kriechend weiterbe­wegen einen Sammler stört die mangelnde Vollständigkeit der Gliedmaßen bei einem seltenen Exemplar erheblich mehr.

Der Naturforscher und Jnsektensammler Else- light in Birmingham besaß ein solch kostbares In­sekt. Es war eine Fliege von der Insel Sumatra, sehr schon und vor allen Dingen sehr selten. Noch nie hat sich ein Sammler rühmen können, ein derartiges Exemplar in seiner Sammlung zu besitzen, und Herr Elselight war nicht wenig stolz auf dieses Kleinod.

Freilich, es war nicht weise, seinem Freund Singer dieses Exemplar vorzuführen. Singer war Jnsektensammler gleich ihm, und je länger er die Fliege aus Sumatra betrachtete, desto stärker wurde fein Herz von Neid ergriffen. So kam es, daß, als sich Elfelight einem anderen Kasten voll Infekten zuwandte, Singer heimlich eine Pinzette ergriff und dem seltenen Tier ein Bein abzwackte.

Das war gewiß kein edles Beginnen, und als Elselight den Verlust des Beines bemerkte, schrie

er auf, als habe er selber am eigenen Leibe Scha­den erlitten, und hätte um ein Haar den Kasten mit der Fliege fallen lassen, wodurch ein noch grö­ßeres Unheil heraufbeschworen worden wäre. Singer konnte, zur Rede gestellt, nicht gut leug­nen, und so endete jäh eine jahrelange Freund­schaft.

Vor dem Richter verlangte der tief gekränkte Sammler für das Fliegenbein 1200 Pfund. Da der Richter leise Zweifel an dieser Schätzung hegte, müssen nun eine Anzahl Sachverständige das heim­tückisch abgezwackte Fliegenbein begutachten und seinen tatsächlichen Wert bestimmen.

Der Unwiderstehliche.

Da. Wien.

Tenöre sind nun einmal unwiderstehlich und es ist gleichgültig, ob sie wie Apollo aussehen oder einen ansehnlichen Bauch haben. Der Tenor Br. konnte sich zwar keiner bezaubernden Leiblichkeit, nicht einmal einer besonders schönen Stimme er­freuen, aber dennoch umkleidete er sich mit dem Ruhm eines Herzensbrechers und erzählte gern und mit einem gewissen väterlichen Mitleid von den vielen Erwartungen, die er unerfüllt lassen müsse.

Von diesem eingebildeten Don Juan geht ein Anekdötchen um, das besonders gern unter seinen Kollegen erzählt wird. Br. teilte einmal seine Gar­derobe mit zwei anderen Sängern, von denen der eine eines Tages recht unangenehm berührt be­merkte, daß er soeben aus Versehen einen Brief gelesen hatte, der nicht an ihn, sondern an Br. adressiert war. Vermutlich hatte sich der Portier geirrt und den Brief in das falsche Fach gesteckt. Es handelte sich übrigens um eine Schneiderrechnung, bie allerdings in sehr dringlichem Tone gehalten war. Nur gut, daß der Bries vorher so ungeschickt geschlossen war, daß man ihn leicht öffnen und jetzt wieder gut schließen konnte. Der Sänger legte also i)ie Rechnung, nachdem er sich mit dem dritten Be­wohner der Garderobe darüber verständigt hatte, in das Fach von Br.

Der erscheint bald daraus, nimmt den Bries her­aus und lieft ihn. Heimlich beobachten ihn die Kol­legen. Zu ihrem Erstaunen wird Br. gar nicht ärgerlich, im Gegenteil, feine Miene hellt sich auf, gütig und wohlwollend blickt er in das Schreiben hinein, zerreißt es dann mit betonter Pofe und mur­melt lächelnd und kopfschüttelnd:Wann werden die kleinen Mädchen endlich merken, daß ich nicht für jede da sein kann?" ...

Aus aller Well.

Lastwagen-Anhänger vom Zug ersaht.

In der Nähe des Bahnhofes Ebfcheid (Hunsrück) versuchte der Führer eines aus Stuttgart stammen­den Lastkraftwagens mit Anhängern, Die Gleise vor einem die Strecke BoppardSimmern fahrenden herannahenden Personenzug zu überqueren. Der Anhänger des Lastwagens wurde aber noch von der Lokomotive erfaßt und von dem Trieb­wagen abgerissen. Die auf dem Anhänger ausge- stapelten mit Rohöl gefüllten Fässer gingen zum jum größten Teil in Trümmer. Das Oel ergoß sich in den Graben. Die im Führerstand des Lastwagens sitzenden Personen blieben wie durch ein Wunder unverletzt.

katholischer Pfarrer zu V/s Jahren Gefängnis verurteilt.

Das in Rostock tagende Schweriner Sonderge­richt verurteilte nach vier Tagen Verhandlung den Pfarrer der Rostocker katholischen Kirche, Prälaten L e f f e r s wegen eines Vergehens nach § 1 des

Gesetzes betreffend den Schutz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und mm Schutze der Parteiuniform entsprechend dem Anträge des Generalstaatsanwalts z u lx/2 Jahren Ge­fängnis und zur Tragung der Kosten des Ver­fahrens. Prälat Lessers hatte gegenüber drei Studierenden, die ihn ausgesucht und ihn in eine Unterhaltung über Rosenbergs BuchDer Mythos des 20. Jahrhunderts" verwickelt hatten, in der Annahme, ihnen seelsorgerische Beratung leisten zu müssen, Steuerungen getan, die unter das erwähnte Gesetz fallen.

Lin Hafer gräbt feinen toten Sohn aus der Laivine.

Nunmehr ist auch das neunte Opfer des großen Lawinenunglücks bei Schlad- m i n g, das sich am 11. März ereignete, geborgen worden. Der Vater des Vermißten Alois K r e n n aus Wien hatte sich trotz feines hohen Alters auf die Suche nach feinem Sohn gemacht. Er durch­wühlte mit einigen Helfern die Schneemaffen. In ungefähr drei Meter Tiefe stteß ein Helfer auf eine Leiche. Er rief sofort den Vater des Krenn, der nun selbst seinen toten Sohn ausgrub

Französisches Mililärflugzeüg abgestürzt. Drei Tote, zwei Schwerverletzte.

In der Nähe von Bordeaux stürzte, wahrscheinlich infolge der heftigen Weststürme, ein französisches Militärflugzeug ab*. Drei von den fünf Insassen wurden auf der Stelle getötet, die beiden an­deren wurden in schwerverletztem Zustande in ein Krankenhaus übergeführt. Das Flugzeug selbst ging vollkommen in Trümmer.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt.

Der gestern über Frankreich gelegene Teilwirbel ist nordostwärts weitergezogen. Er brachte unserem Gebiet Schauertätigkeit und in der Nacht zum Samstag einen Einbruch kälterer polar-maritimer Luft, wobei es auch in unseren Mittelaebirgen wieder zu Frost und Schneefall kam. Zunächst be­findet fick die Kaltluft im Zusammensinken und bedingt Aufheiterung und wieder ansteigende Tages­temperaturen. Die Witterung bleibt auch weiterhin nicht störungsfrei, doch wird verhältnismäßig freundlicher Witterungscharakter überwiegen.

Aussichten für Sonntag: Zunächst Be­wölkung und Regenneigung, bann neue Aufheite­rung, im ganzen milder, um Süd schwankende Winde.

Lufttemperaturen am 12. April: mittags 8,3 Grad Celsius, abends 7,9 Grad: am 13. April: morgens 4,9 Grad. Maximum 10,3 Grad, Minimum 3,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. April: abends 8,2 Grob; am 13. April: morgens 6,4 Grad Celsius. Sonnenscheinbauer 0,4 Stunden. Nie­derschläge 2,4 mm.

Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Langem für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.°G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.

HEUERBÜRO,

M

<xA»Jie der Wein braucht auch die Zigarette einen möglichst luftdichten CZ?er Schluss; denn auch sie wird ohne diesen Schutz Schliesslichyc^aZ. Wenn ihre Feuch­tigkeit verdunsten kann, gehen gleichzeitig die wertvollen Aroma­stoffe für immer verloren.

verpacken deshalb die Güldenring in abgedichtete Tropen-Packungen, damit ihre Frische und alle Fein­heiten ihrer Macedonen-Mischung erhalten bleiben.