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Donnerstag, 12. Dezember 1935

Ur. 290 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Zum 41. Male erhielt Deutschland in Stockholm einen Nobelpreis und steht damit weitaus an der Spitze aller Kulturländer. In diesem Jahre wurde wie bereits gemeldet dem Professor Hans Spemann in Freiburg der Nobelpreis für seine biologischen Forschungen verliehen. Das Bild zeigt die feierliche Überreichung durch König G u st a f von Schweden. (Scherl-Bilderdienst-M.)

den wahrscheinlich am Nachmittag oder Abend zu­rück sein, und bald nach der Ankunft würde Ge­neral Ma Chung-yin, nach dem, was er am Tele- phon geäußert habe, uns persönlich besuchen.

Als Hwang das erstemal bat, die Autos geliehen zu bekommen, schrieb ich folgendenOffenen Brief" auf russisch, den Georg würde gebrauchen können, falls er, seine Kameraden und die Kraftwagen auf dem Weg nach oder in Khara-schar in die Hände von General Sheng Shih-tsais siegreicher Armee fallen sollten:

Der Besitzer dieses Briefes, Herr Georg Söder- bom, ist vom 21. Oktober 1933 bis jetzt in meinem Dienst gewesen. Gegen meinen Willen ist er ge­zwungen worden, nach Khara-schar zu fahren, um einige verwundete Soldaten nach Korla zu bringen." Darauf folgte eine Schilderung der Ziele und Pläne der Expedition. Das Schreiben schloß:Daher steht unsere Expedition unter dem Schutz der chinesischen Regierung. Sie verfolgt keinerlei politische Absich­ten irgendwelcher Art. Ich bitte also, Söderbom mit Wohlwollen zu behandeln. Aufenthaltsort der Ex­pedition ist gegenwärtig Korla."

Was in Wirklichkeit bei Khara-schar geschah, war nicht leicht zu entwirren. Einige sagen, daß tausend Torgoten, verbündet mit Russen, Türken und Kir­gisen, die Stadt gestürmt hätten, aber von Mas Garnison, die nur dreihundert Mann zählte, zu­rückgeschlagen seien. Hami, .Turfan und Toksun

Zum Schluß seiner Einführung erteilte Professor Dr. Glöckner dem Hauptredner des Abends, Professor Dr. W. H. Schuchhardt, das Wort zu seinem VortrageUeber einen archa­ischen Tempel aufder Burg vonAthen" (mit Lichtbildern). Der Vortrag führte Hörer und Beschauer ins Herz der attischen Landschaft und, zeitlich, in das vorklassische 6. Jahrhundert, von dem Wiilckelmann selbst nichts gewußt, nur einiges geahnt hat. In erstaunlich kurzer Zeit sind die Bau­werke entstanden, die bis heute das architektonische Gesicht der Burg bestimmen. Ausgrabungen haben zahlreiche, erst teilweise ausgewertete Funde zutage gefördert; noch immer lassen sich neue, wichtige Er­gebnisse beibringen. Ein solches gelang dem Vor­tragenden im vergangenen Sommer mit der Re­konstruktion eines archaischen Tempels, von dem nur die Fundamente erhalten und freigelegt sind. Diese Rekonstruktionsarbeit bildete den eigentlichen Gegenstand des Vortrages. Es kann in einem Refe­rat wie diesem, ohne jegliche Voraussetzung und ohne die Hilfe von Bildmaterial, auf die Einzel­heiten der Fundanalyse und der darauf gegründeten Rekonstruktion des archaischen Bauwerkes kaum eingegangen werden. Doch schien uns, über der­artige stilgeschichtliche und technische Einzelheiten hinaus, bemerkenswert und interessant zu hören, wie der Bericht über die Arbeiten des Vortragenden und deren überraschende Ergebnisse zugleich ein an­schauliches Beispiel für die neuzeitlichen Methoden praktischer archäologischer Arbeit lieferte: wie sich "aus der sinnvollen Ordnung und Zusammenschau aller Einzelheiten, aller technischen und stilistischen Indizien Aufschlüsse über Ausmaß, Bild und Be­stimmung eines verlorenen Bauwerkes der archa­ischen Zeit gewinnen lassen, von dem im wesent­lichen nur die Grundrißgliederung erhalten ist oder als gesichert vorausgesetzt werden kann; wie sich aus dürftigen Bruchstücken die Rekonstruktion eines Giebelfeldes, der architektonischen Hauptformen und des ornamentalen und plastischen Schmuckes ent­wickelte. Die Ausführungen des Vortragenden wur­den durch zahlreiche Lichtbilder von den Funden sinnfällig und überzeugend ergänzt. Insbesondere die großen plastischen Gruppen im Giebelfelde, eine Löwengruppe, eine Herakles-Szene und eine Dä­monengruppe, gestatteten sehr reizvolle Ausblicke auf die altgriechische Mythologie wie auch auf den Stil der archaischen Plastik und Malerei. Professor Schuchhardt schloß seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag mit der Hoffnung, daß seine Untersuchungen, welche diesen einen Tempel rund und schön erschlossen, sich in Kürze auch auf den sogenannten Ur-Parthenon werden ausdehnen lassen.

König Gustaf überreicht Professor Gpemann den Nobelpreis

Winckelmann-Iest

des Archäologischen Instituts.

Das Archäologische Institut der Universität hatte für gestern abend zum Winckelmann-Fest in den' Großen Hörsaal eingeladen. Professor Dr. Glöckner wies einleitend auf den alten Brauch der akademischen Feiern zum Gedächtnis Winckel- manns als des Begründers der klassischen Alter­tumskunde hin und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Besinnung auf ihn und seine Leistung gerade auch im neuen Deutschland gerechtfertigt und sogar notwendig erscheine, denn Winckelmann habe mit den ein wenig in Verruf geratenen Vertretern des Humanismus alten Stiles nichts gemein; feine Leistung fei vielmehr verflochten in die geistige Bewegung einer Zeit, die mit den Namen Lessings und Goethes, auch Wolfs und Boeckhs bezeichnet werde. Winckelmann habe recht eigentlich die Schleusen für einen neuen Humanismus geöffnet, indem er zu den Quellen vorgedrungen fei und fei­nem Volke die Wahlverwandtschaft mit den Grie­chen vor Augen geführt habe. Winckelmanns Ideale seien freilich nicht mehr die unfern, doch habe er den Weg gewiesen und neu erschlossen; darauf ruhe seine Bedeutung für uns, und seine Nachfolger haben hier und heute Gelegenheit zu zeigen, daß sie Winckelmanns Erbe richtig und würdig verwalten.

Getue zu wiederholen.

Manchmal lag er auch in der Sonne und zer- fnabberte mit lautlosen Bissen einen Grashalm. Das waren indes nur kleine Ausgelassenheiten im Freien, vielleicht vom Duft des Frühlings veran­laßt. In der Stube ist Heilo zu stolz, um andere mit Dummheiten zu ergötzen. Er pflegt der Ruhe auf seinem Polster, und wenn er von seiner Umwelt genug hat, schließt er die Augen.

Noch nicht einmal schnurren tut er, weil er es für gewöhnlich hält, feine Gefühle in dieser Art " Oefientlichkeit zu verraten.

Dr. Lenz, Professor, Berlin; Liebel, Ober­bürgermeister, Nürnberg; Frhr. von Lüninck, Oberpräsident, Münster i. W.; Mein berg, Preuß. Staatsrat, Berlin; von Papen, Außerordent­licher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Deutschen Reiches in besonderer Mission, Wien; Pfundtner, Staatssekretär, Berlin; Pohl- Hausen, Prof., Rektor, Danzig-Langfuhr; von Ribbentrop, Außerordentlicher und bevollmäch­tigter Botschafter des Deutschen Reiches, Berlin; Dr. Riebe sell, Professor, Berlin-Zehlendorf; Rust, Reichs- und Preuß. Minister für Wissen­schaft, Erziehung und Volksbildung, Berlin; Dr. N u 11 k e, Direktor des Reichsausfchufses für Volks­gesundheitsdienst beim Reichsministerium des In­nern, Berlin; Sander, Dberbürgermftr., Dessau; Scheller, Gauamtsleiter und Ratsherr der Stadt Berlin, Berlin-Tegel; Dr. Schmidt, Univ.-Prof, und Gauamtsleiter, Würzburg; Graf Schwe­rin von Krosigk, Reichsminister der Finan­zen, Berlin; Spaniol, Preuß. Staatsrat und Bürgermeister, Andernach a. Rh.; Staemmler, Univ.-Prof., Breslau; Dr. Stähle, Ministerial­rat und Gauamtsleiter, Stuttgart; Dr. U fädel, Ministerialrat, MdR., Berlin; Dr. Weber, Mi­nisterialdirigent im Reichsministerium des Innern, Berlin.

Rassenpolitisches Amt der NSDAP. (RL.): gez.: Dr. Groß, Reichsamtleiter.

Reichsbund der Kinderreichen: gez.: Stüwe, Reichsbundesleiter.

Sichert den Fortbestand unseres Volkes!

Aufruf des Ehrenführerringes des Veichsbundes der Kinderreichen.

Oer Ehrenführerring des VdK.

Dr. A n f ch ü tz, Univ.-Prof., Geheimrat, Kiel; Beh­rens, Oberbürgermeister,.Kiel; v. Blomberg, Reichskriegsminister, Berlin; Bo eck, Senator, Danzig; Dr. med. Boehm, Professor, Dresden- Wachwitz; Boehmer, Oberbürgermeister, Gelsen­kirchen; Dr. F. Burgdörfer, Direktor im Sta­tistischen Reichsamt, Berlin; Dr. Burkhardt, Landrat und stellvertr. Gauleiter, Fulda; Dr. Deh- l i n g e r , württembergischer Finanzminister, Stutt­gart; Frhr. v. Eltz-Rübenach, Reichsverkehrs­minister, Berlin; Ettwein, Stadtrat, Stuttgart; Dr. Frick, Reichs- und Preuß. Minister des In­nern, Berlin; Dr. Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin; Dr. Graf v. d. Goltz, Preuß. Staatsrat, Berlin; Dr. Richard Grün, Prof., Düsseldorf; Dr. Gütt, Ministerialdirektor im Reichsministerium d. Innern, Berlin; Heid er. Reg. Bürgermeister, Bremen; Ern st August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Schloß Blankenburg a. H., K 1 agges, Ministerpräsident, Braunschweig; Dr. K r o H , Regierungspräsident, Breslau; Krupp v. Bohlen-Halbach, Essen; Dr. Löhr, Gau- amtsleiter und Sanitätsgruppenführer, Prof., Kiel;

Wirrauben" unfern Silberschatz

Abenteuer auf Leben und Tod im Fernen Osten.

Von Sven Hedin.

linie stellen, damit einem nicht die Krumen und Steine an den Kopf fliegen. Das treibt er, wenn man ihn gehen läßt, bis zur Erschöpfung.

Dann zieht er wie ein Sieger ab. Anfangs dachte er auch auf dem Hühnerhof den lieberlegenen spielen zu können, zumal der Hahn mit feinem Volk vor seinem Gekläff .flüchtete. Bald aber ließ sich der gespornte Herr nicht mehr erschrecken. Er wollte dem Köter, zumal vor den Augen seiner Schönen, schon zeigen, was Mannesmut ift. Er flog Waldi auf den Kopf und bearbeitete ihn mit ein paar kräftigen Schnabelhieben, daß der entsetzt Jaulende die Flucht ergriff. Jetzt bleibt Waldi dem Bereich des geflügelten Reiters fern, denn er hebt es nicht, den Schweif einziehen zu müssen und sich zu trollen. Er hat seine Teckel-Ehre. Er hat gelernt das Grobzeug des Hühnerhofs zu verachten.

Heilo.

Seine Besitzerin nennt ihnPrinz Heilo", weil er aus Siam stammt und aus fürstlichem Geblut fei. Der schwarze Kopf und die schwarzen Pfoten des schmalen, kurzhaarigen Katers muten wie eine Maske und kleine Ballschuhe zu dem übrigen braunen Kostüm an. Heilo liebt mehr die Polster als den Fußboden und setzt mit federndem Sprung lautlos auf das altmodische Sofa, auf dem em weiches, molliges Ruhekisteü in roter Farbe feiner ^Er mauzt nicht nach Art der gewöhnlichen Katzen, sondern läßt eine Helle fremdartige Stimme er­tönen, wenn das Kratzen feiner allzu leisen Krallen an die Tür überhört wird. Denn er ist in jeöer Weise vornehm und zuverlässig Er gibt sich auch nicht mit dem Zerkleinern von Knochen ab, schleckt vielmehr mit seiner kleinen rosaroten Zunge fußen Grießbrei und geschabtes rohes Fleisch vom Teller.

Die Straße verachtet er. Dagegen streift er, je nach der Jahreszeit, gern einmal Öen ©arten m einem kleinen Rundgang ab. Es 'st mehr em Tan- in als ein Gehen, denn es sieht so aus, als trippele er über ein schmales Drahtseil. Es ist An­mut und spielerische Geziertheit m fernem Gang. Im Frühling hatte eine japanische Magnolie, deren unterste Hefte wie die auswogenden Arme eines barocken Leuchters sich bis nahe an den Boden bogen fein besonderes Wohlgefallen. Vorgereckten Kopfes schnupperte -er den lilienartigen Dust der Blüten in und glitt zuweilen, wie mppenb mit Zierlichem Zungenschlag über em taufeuchtes Blu­menblatt als erhöhte ihm das den Genuß, als w tt-rt- er in dem Geschmacketwas Tropisches. ' etwas seiner asiatischen Heimat Verwandtes Lachte .an üb« den kleinen Genießer und s-.n adsonder- , ,jches Herumflanieren, sah er einen plötzlich mit

Der Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, ver­öffentlicht soeben das neue Buch von Sven Hedin, dessen Erscheinen der Forscher in sei­nen Vorträgen schon angekündigt hatte: Die Flucht des Großen Pferde s". (Mit 117 Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers und seiner Mitarbeiter sowie einer vierfarbigen Routenkarte. Geheftet 6,50 Mark, Ganzleinen 8 Mark.)Großes Pferd" war der Beiname des jungen chinesischen Generals Ma Chung-yin. Ma war von be­wundernswerter persönlicher Tapferkeit, aber auch unerhört grausam. Ma wollte die ganze Welt erobern, hatte anfänglich große Erfolge, wurde aber schließlich vom Geschick ereilt. Zu seiner Flucht erzwang er sich von Sven Hedin die Kraftwagen der Expedition, nach­dem er den Forscher und seine Kameraden bereits an die Wand hatte stellen und mit Erschießen bedrohen lassen. In seinem neuen Buch schildert Sven Hedin, wie es ihm und seinen Gefährten alsGäste" des Großen Pferdes und, nach dessen Wegtritt von der Kampfbühne, als spionageverdächtig, denen nun auch die Feinde Mas nach dem Leben trachteten, ergangen ift. Das Werk gibt ein erregendes und erschütterndes Bild von innerasiatischer Kriegsführung und von Abenteuern, die friedliche Forscher inmitten dieses Hexenkessels zu bestehen hatten. Wir entnehmen dem Buch den folgenden Ab­schnitt:

Die Stimmung um uns herum ist unbehaglich. Georg ist sehr bedrückt:Kommen wir aus dem Elend hier mit dem Leben davon, so können wir froh sein." Ich antwortete:Was macht es, wenn sie die Autos und die ganze Ladung nehmen, wenn es uns nur nicht an den Kragen geht."

Der Wind klagte und heulte, es war grau, kalt und neblig, alles schien düster und verloren, wäh­rend die Stunden dahinschlichen. Die kranken Sol­daten des Doktors brachten uns willkommene Zer­streuung. Ein neuer Patient verriet sicher ein mili­tärisches Geheimnis, als er sagte:

Berlin, 10. Dez. (DNB.) Anläßlich der am 12. Dezember in der Weimarhalle (Weimar) erfol­genden Verkündung des Ehrenführerringes des Reichsbundes der Kinderreichen (RDK.) wird folgen­der Aufruf veröffentlicht:

Gewaltiges hat der Nationalsozialismus in Deutschland seit der Machtübernahme geleistet. Und doch kann der Fortbestand all dieser Erfolge nur dann als gesichert gelten, wenn erst d i e größte und dringend st e Ausgabe gelöst ist, eine Aufgabe, die bisher noch nie ein weißes Volk be­zwungen hat: Den Fortbestand unseres Volkes wieder zu sichern.

Harte, unangreifbare Ziffern zeigen, daß das deutsche Volk in den letzten Jahrzehnten ein a b - st erbendes Volk geworden war. Bis zur Macht­ergreifung durch den Führer bestand keine Aus­sicht auf Aenderung dieses gefährlichen Vorgangs. Erst feit ber Uebernahme der Regierung durch Adolf Hitler können wir im Ernst wieder an eine Ueber- windung des Gespenstes des Geburtenrückgangs und an einen biologischen Wiederauf st ieg un­seres Volkes denken. Dazu ist aber nötig, daß alle Kräfte für dies gewaltige Ziel einge­setzt werden. Noch reichen die Geburtenziffern nicht aus, um auf die Dauer den Bestand der Nation in ihrer heutigen Größe zu sichern, und ein Sinken der Volkszahl würde Deutschland nicht nur zahlen­mäßig, sondern auch anErbwertundBega- b u n g auf bas allerschwerste schäbigen.

Es gibt nur ein Mittel, um unser Volk aus dieser ernstlichen Gefahr des völkischen Nieder­gangs (nach Zahl und Tüchtigkeit) zu reffen: Das Entstehen möglichst vieler erü­ge f u n b e r Vollfamilien, b. h. von Familien, in benen mindestens vier lebenskräftige Kinder geboren wer­ben. Nur biefe Kinderzahl reicht für bie Volks­erneuerung aus. Zerrüttung bes Familienbe­griffs unb bevölkerungspolitische Irrlehren haben in ber Verfallzeit allerschwerste Schüben ungerichtet, bie gefunbe kinberreiche Familie ist mit ber erbkranken asozialen in eine Reihe gestellt unb ber Verachtung unb Verelenbung überantwortet worben. Hier IBanbel zu schas­sen, Aufklärung zu verbreiten, bie alte beutsche äinberliebe roieber z u wecken unb z u stärken, vor allem aber ber Vollfamilie roieber Achtung, Geltungunb Lebensraum zu erringen, bas ist bie Aufgabe unserer Zeit.

Das Dritte Reich hat sich mit vollem Nachdruck in den Dienst dieser Aufgabe gestellt. Um sie zu lösen, müssen aber auch aus dem Volke heraus sich alle Kräfte regen und an einer gesunden Gestal­tung des völkischen Familienlebens mitbauen. Da­bei steht den erbgesunden Kinderreichen die Füh­rung zu, ihr Beispiel muß der deutschen Doll­familie wieder den ihr gebührenden Ehrenplatz in der Volksgemeinschaft erkämpfen, der die Doraus- setzung für Durchbruch und Sieg des deutschen Willens zum Kinde ist. Der Reichsbund der Kinderreichen (RDK.) ist nach dem Willen des Führers mit dieser Kampfaufgabe betraut. Staat und Partei stehen hinter ihm. Es ist Ehren­pflicht aller erbgesunden kinderreichen Eltern, in seinen Reihen mitzustreiten und sich durch das Tragen seines Zeichens stolz zu dem Glück zu be­kennen, das aus dem köstlichsten Reichtum einer Familie und eines Volkes erblüht, dem Reichtum an Kindern. Wir als Väter von Vollfamilien rufen hiermit alle Eltern mit vier oder mehr (Witwen mit drei ober mehr) Kindern auf, sich in die Reihen des RDK. ein­zuordnen. __________ ._______

Zärtliche Hausgenossen.

Bon Peter Bauer

Waldi.

So heißt ein langgestreckter, schlappohriger Teckel, , dessen kurzhaariges Fell in der Hauptsache schwarz ist und nur an Bauch und Brust rotbraune Fär­bung zeigt, so, als luge aus einem nicht zuge­knöpften Mantel ein helleres Kleid hervor. Auch der Unterkiefer ist rotbraun gezeichnet, was beson­ders auffällt, wenn Waldi bös ist um, die Backen o^Das^kann leicht fein, wenn die Familie am Tisch versammelt sitzt und Waldi nichts als Berne sieht. Es scheint ihm Grund genug pfeifend zu meinen und ruhelos herumschleichend seine Verlassenheit zu beklagen. Nach einer Weile versucht er Anschluß zu bekommen, indem er bald gegen dieses bald gegen jenes Knie mit der Schnauze stoßt. Nähert sich ihm daraufhin eine Hand, so beeilt er ft* fofort feine kurzen Vorderpfoten in sie hlneinzukuscheln. Redet man ihm dabei gut zu, so verstärkt sich unter b- haglichem Winseln sein Schweifwedeln und Trip­peln auf den Hinterbeinen, und die Zunge schleckt einem die Finger ab. Sieht man sich dann nicht vor, so hat 9einen die plötzlich Hochschnellende Schnauze berührt und man hat sein "Küßchen ab Fährt man ihn aber barsch an, trollt er sich mit gesenktem Kopf und Schweif hinter den Ofen und wendet beleidigt das vorwurfsvolle' Gesicht. gegen die Wand. Wehe, wenn ihm in diesem Zustano etwas in die Quere kommt! Wenn das Kisten oder die Decke, die er eingehend vor dem Niederlegen be­schnuppert, nicht nach Waldi riechen, also verwechselt wurden. Er zerrt sie wütend aus dem Winkel und zaust sie hin und her, bis sie in Stucke zerfetzt sind, sofern man ihm nicht rechtzeitig bas Handwerk leg , was immer einen kleinen erbitterten Kampf kostet, in dem Waldi mit wildem Fauchen und Klaffen den Unerbittlichen spielt. .

Dennoch trägt er seinen Unmut niemand lange nach sondern geht mit verständnisvollem Schwan­en bald wieder auf jeden Scherz em Hat er ein­mal das Gelächter erregt, dann ,uhlt er sich und hört mit feinen Clownspäßen nicht auf- Der Zuruf: Such Käfer!" bringt ihn in einen tollen Zustand '^ komischer Raserei: Mit einem wilden Wirbel ber Vorderbeine bearbeitet er öen ftufeboben, als mühle er scharrend Erde auf und macht dabei Grimassen und Verrenkungen mit Kops und als wäre da schon ein Loch geschaufelt, man sich verbohren könne. Im Gar- ten^wird aus di-sim ulkigen Sp°l natürlich rauhe Wirklichkeit, und man muß sich aus der L-chutz

Ich bin abkommandiert worden, morgen mit General Ma Chung-yin nach Kutscha zu gehen. Der Doktor muß mich daher sofort gesund machen."

Alles deutete darauf hin, daß Ma im Anzug und auf der Flucht begriffen war. Es sah so aus, als ob der Unterhändler gestern die Wahrheit sagte, als er meinte, Ma hätte befohlen, unsere Autos um jeden Preis zurückzuhalten. Dieser Umstand deutete mehr als alle Gerüchte auf feine baldige Ankunft in Korla. Wir hatten das unangenehme Gefühl, in dieser Stadt und in unserm engen, unbequemen Quartier auf unbestimmte Zeit zur Gefangenschaft verurteilt zu sein.

Um 5 Uhr hatten wir einen nicht allzu willkom­menen Besuch, nämlich den von General Hwang Wen-ching, dem Kommandanten von Khara-schar. Er war gerade angekommen. Wir luden ihn in unseren dürftigen Raum ein, wo alle Sitzplätze auf den beiden Kangs besetzt waren und zwischen den Kangs der drei chinesischen Herren und meinem Bett ein längliches Tischchen stand.

Hwang wirkte müde, aber ziemlich ruhig. Er verlangte drei Lastwagen geliehen zu bekommen. Sie sollten am Abend nach Khara-schar geschickt werden, um verwundete Offiziere und Soldaten zu holen. Es würde sich nur um eine Fahrt hin und zurück handeln, und die Wagen sollten noch während der Nacht wieder auf unserem Hof fein. Ich antwortete, daß ich nichts dagegen hätte, sie zu leihen, unter der Voraussetzung, daß er mir eine schriftliche Verpflichtungserklärung aushändige, sie wieder zurückzugeben. Das versprach er bestimmt.

Eine Stunde später kam Hwang zurück, um mit» zuteilen, daß aus der Fahrt nach Khara-schar wohl nichts vor morgen früh werden würde.

Um 8 Uhr schickte er einen jungen Offizier mit der Forderung, ihm am nächsten Morgen alle vier Autos zu leihen. Es handele sich darum, General Ma Chung-yin selbst und seinen Stab von fünf­undzwanzig Köpfen von Khara-schar nach Korla zu fahren. Ich antwortete wieder ja, gegen Sicherheit, sie wiederzubekommen. Der Bote erwiderte, ich konnte vollkommen ruhig sein, denn General Hwang selbst würde mit zwölf Mann mitfahren. Sie wür-

~ großen funkelnden Augen an und fegte wie gehetzt davon. Wie ein blitzflinkes Eichhörnchen war er an einem Stamm hochgeklettert und turnte alsbald auf einem Ast so weit hinaus, bis er schwankte. Dann hängte er sich wie ein Trapezkünstler an den Füßen, an seinem kurzen Ringelschwanz wie an einer Stockkrücke kopfunter auf und schaukelte wie ein verwegener Artist. Dabei sah einen die schwarze Maske so starr an, daß man nicht wußte, fauchte dahinter ein kleiner Dämon oder kicherte em Spaß­macher. Wandte man sich von seinem Schauspiel ab, dann raste er geräuschvoll herab und raschelte an einem andern Stamm hoch, um das gleiche