Wie werden Arbeitsbeschaffung und Wehrhastmachung finanziert?
NeichsfinanzministerGrafGchwerin von Krosigk über die Aufgaben der deutschen Finanzpolitik-
Berlin, 11.Dez. (DNB.) Dor der Verwal- tungsokademie Berlin sprach Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk über „Deutsche Finanzpolitik". Nach einer kurzen Erinnerung an die erste große Finanzkatastrophe der Nachkriegszeit im Jahre 1923 schilderte der Redner die katastrophale Lage, die der Nationalsozialismus 1933 auf dem Gebiet der Finanzpolitik vorfand: Keinerlei Rücklagen in den öffentlichen Haushalten und in der Privatwirtschaft, Fehlbeträge und Verluste und schließlich der ungeheure wirtschaftliche und moralische Druck einer Armee von sechs Millionen Arbeitslosen.
Der Minister schilderte nun im einzelnen die Maßnahmen der Kredit- und Haushaltspolitik, den konzentrischen Angriff auf die Arbeitslosigkeit, die Aktivierung der Steuerpolitik. Er ging dann auf die Entwicklung des Schulden st andes ein, der unter Einbeziehung der noch nicht eingelösten und daher noch nicht öffentlich ausgewiesenen Arbeitswechsel in den Jahren der Krise von 1930 bis 1933 um 3,7 Milliarden und in den 2l/2 Jahren des Aufbaues seit 1933 um sieben Milliarden gestiegen sei. In den letzten Jahren der Krise seien aber die aufgenommenen Kredite lediglich Defizitkredite der öffentlichen Hand gewesen, denen also die Möglichkeit einer späteren Abdeckung aus steigenden Einnahmen oder einer Besserung des Haushalts nichts gegenüberstand. Die Verschuldung der Jahre nach 1933 dagegen sei d i e Folge einer aktiven Konjunkturpolitik gewesen, die sich die sicheren Einnahmen, aus denen diese Kredite z u - rückgezahlt werden können, geschaffen habe.
Als ein weiteres Kennzeichen für die echte Aufwärtsentwicklung neben der Arbeitsbeschaffung bezeichnete der Redner die besonders erfreuliche Z u - nähme des Gesamtaufkommens oer R e i ch s ft e u e r n , die sich von 1932 bis 1935 trotz beträchtlicher Steuersenkungen um 2,50 Milliarden erhöht und damit eine Verbesserung der Haushaltstage um 4 Milliarden ermöglicht hätten. Die Wiederherstellung der Ertragsfähigkeit in Industrie und Landwirtschaft sei in erster Linie diesem Umstand
zuzuschreiben. Es sei gelungen, die in der Krisenzeit entstandenen Fehlbeträge zu beseitigen, den Schuldendienst für die aufgenommenen kurzfristigen Kredite sicherzustellen und wieder normale Aufträge der öffentlichen Hand in den laufenden Haushalt aufzunehmen. Trotz dieser gewaltigen Steigerung der Steuereinnahmen habe jedoch der Reichshaushalt noch nicht ausgeglichen werden können und zwar wegen der Ausgaben für den A r b e i t s dienst und die Wehrhastmachung des deutschen Volkes. „Aber -trotz aller Sorgen, die sie uns bereiten", so rief der Minister unter stürmischen Beifall aus, „möchten wir doch die Ausgabenerhöhungen für Arbeitsdienst und Wehrmacht in unserem Etat nicht missen."
Der Mnisler warf dann die Frage auf: „Wie werden die Mittel für die neue deutsche Wehrmacht aufgebracht?" „Es liegt einfach," so führte er aus, „die Ausnutzung einer durch die aktive Kreditpolitik geschaffenen wirtschaftlichen Lage vor, die es uns ermöglicht, auf diesem Dege in wirtfchafts- richtiger Form fortzufahren. Die st ä r k e r e Sparbildung und I l ü f f i g h a l t u n g auf dem Geldmarkt ermöglicht uns immer wieder, daß wir die mobilen Gelder für die Zwecke der öffentlichen Finanzierung heran- ziehen und je nach Lage der Möglichkeit dann durch Auflegung von Anleihen wieder fundieren. Diesen Weg gehen wir seit 1933 zielbe- wuht und wir haben durch diese Ausnutzung der wirtschaftlichen Verhältnisse die Arbeitsbeschaffung und die Wehrhaftma- chung finanziert." Das deutsche Volk könne dem Führer für das gewaltige Werk der Diederwehrhaftmachung nicht besser danken, als daß es unter Aufopferung von Lieblingswünschen aller Art alle Kräfte zusammen f a f s e, um dieses Werk durchzuführen. Dieser Kräfteelnsah sei gerade auf dem Gebiet der Finanz- und Wirtschaftspolitik notwendig." Der Minister wandte sich mit scharfen Worten
gegen die Auffassung, daß es in einer Zeit des Aufbaues auf eine Handvoll Millionen Mark nicht ankomme. Im Gegenteil, es komme heute mehr denn je auf jeden Pfennig an. Wenn wir nicht fähig und gewillt seien, unsere Ausgabenpolitik so zusammenzufassen, daß wir im Hinblick auf die Erreichung des uns gestellten großen Zieles jeden Pfennig umdrehen, werde dieses Ziel nie erreicht werden. Die Finanzbeamten könnten auch dem deutschen Volke gegenüber ihre Tätigkeit nur dann verantworten, wenn die Finanzverwaltung die Gewähr dafür übernehme, daß jeder einzelne Pfennig so angewendet werde, wie es der A r b e i t s s ch w e i ß, der an diesem Pfennig hafte, verlange.
Weiter betonte der Minister, daß die Spar- traft des deutschen Volkes hineingestellt werden müsse in den Dien st der Wehrhaft- machung. Dies würde zur Folge haben, daß hier und da Lieblingswünsche, aber auch wirtschaftlich Wertvolles und vielleicht Notwendiges, zurückgestellt werden müssen vor der Ererichung des einen Zieles. Diese wirtschaftlichen Aufgaben, wie etwa auch der Wohnungsbau, würden zurück- gestellt als die großen Arbeitsreserven in einer Zeit, in der die Wehrhastmachung bis zu einem gewissen Grade durchgeführt sei. Dem Außenhandel wies der Redner die Aufgabe zu, den Sicherungsfaktor für unsere Rohstoffeinfuhr zu bilden. Das sei wichtiger für die gesamte Wirtschaft, als daß man von dem Außenhandel eine starke Belebung der Wirtschaft durch Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verlange.
Mit bestimmten Worten hob der Reichsfinanzminister sodann die Bedeutung der Privatinitiative des einzelnen Unternehmers hervor, die nicht ausgeschaltet werden dürfe, wenn auch für die nächsten Jahre der Hauptanteil an der wirtschaftlichen Belebung nach wie vor dem Staat zufalle. Der Minister rief alle deutschen Volksgenossen auf, sich durch zeitweilig auftretende Schwierigkeiten nicht an der großen Aufgabe irre machen zu lassen. Die Regierung könne die großen Aufgaben nur dann erfüllen, wenn jeder einzelne bereit und gewillt sei, an seinem Platze mitzuarbeiten.
Wird der Völkerbund dem Friedensplan zustimmen?
Englische Sorgen.
Der Friedensplan hat viele Gegner.
London, 12. Dez. (DNB. Funkspr.) Die Genfer Berichte der Blätter besagen, daß dort eine Stim- m u n g tiefen Mißtrauens weit verbreitet sei. Die kleineren Staaten seien noch immer sehr aufgeregt. Wahrscheinlich werde Eden bei seinem Eintreffen heute mit Anfragen überschüttet werden. Die Vertreter der Sowjetunion und der Türkei hätten eine auffallend eifrige Tätigkeit an den Tag gelegt. Die Franzosen sollen der britischen Ansicht zugestimmt haben, nach der die Erörterung über d i e Oelsperre auf jeden Fall fortgesetzt werden müsse. In den Vereinigten Staaten habe der Friedensplan einen unzweifelhaft unzünftigen Eindruck gemacht. Bemerkenswert ist eine Zuschrift an die „Time s", in der einer der größten Bergwerksbesitzer in Transvaal gegen die Vermittlungsoorschläge Stellung nimmt. Das enttäuschte Südafrika sehe nicht nur die Verletzung einer vertraglichen Satzung, sondern auch den Anfang einer Bedrohung seiner eigenen Selbständigkeit innerhalb des britischen Reiches. Der einzige Hoffnungsstrahl sei, daß das englische Volk die Sache in die Hand nehmen werde.
„Morning Post" glaubt, man erwarte in London, daß Italien den Friedensplan als Verhandlungsgrundlage annehmen, aber Abessinien ihn verwerfen werde. Der Regierung werde es in diesem Falle die größten Schwierigkeiten machen, die Sühnemaßnahmen gegen Italien fortzusetzen und die Oelsperre weiterzubetreiben. In Regierungskreisen sei erklärt worden, in solchem Falle liege die Entscheidung in den Händen des Völkerbundes. Gut unterrichtete Persönlichkeiten seien aber trotzdem der Meinung, daß die Regierung einer Fortsetzung der Sühnemaßnahmen abgeneigt sein würde, teils wegen der u n b e- friedigendenLage der Flotte im Mitte l m e e r und teils wegen der Schwierigkeit, eine wirksame Oelsperre zustande zu' bringen. Die Regierung sei nicht überzeugt, daß Frankreich im Falle eines Angriffes auf britische Schiffe wirksamen Bei st and leisten würde. In Paris neige man zu der Auffassung, daß Hoare das britische Kabinett zu mehr verpflichtet habe, als man in London erwar- t e t habe und daß das Kabinett versuchen werde, einiges von dem verlorenen Boden in Genf im Fünfer-Ausschuß zurückzugewinnen.
Abessinien lehnt Gebietsabtretungen ab. Paris, 11. Dez. (DNB.) Die abessinische Gesandtschaft in Paris veröffentlicht folgende Mitteilung: Abessinien ist das Opfer eines ungerechtfertigten Angriffs geworden, der einmütig vom Völkerbundsrat und vom Völkerbund feierlich verurteilt worden ist. Unter diesen Umständen ist die abessinische Regierung fest entschlossen, alle Vorschläge a u s z u s ch a l t e n, die in mittelbarer oder unmittelbarer Form dem italienischen Angreifer eine Belohnung zuerken - nen und die Grundsätze verkennen würden, die der Völkerbund beteuert hat, insbesondere den Grundsatz des gebietsmäßigen und politischen Bestandes Abessiniens, sowie ferner alle Vorschläge, die darauf abzielen, auf einen schwachen Staat einen Druck auszuüben, um ihn dahin zu bringen, daß er sich die Herrschaft einer mächtigen Regierung gefallen lasse, die stets betont hat, daß sie sich mit Gewalt den Triumph ihrer ehrgeizigen Ziele sichern wird.
Der abessinische Gesandte in Paris erklärte: Wenn in den neuen Friedensvorschlägen davon die Rede ist, daß Abessinien Gebietsteile an Italien aushändigen solle, dann werden wir lieber weiterkämpfen, bis kein Abessinier mehr am Leben ist, als daß wir auf diese Weise dem Angreifer nachgeben. Wenn die Vor
schläge auch nur annähernd dem entsprechen, was für sie in der Presse veröffentlicht worden ist, dann sind sie geradezu lächerlich.
Widerspruch in Norwegen.
Oslo, 11. Dez. (DNB.) Die Nachrichten von dem englisch-französischen Friedensvorschlag im ostafrikanischen Konflikt werden von den führenden Blättern Norwegens mit großer Empörung wiedergegeben. „Aftenposten" schreibt, daß der Völkerbund, falls er diese Vorschläge gutheihe, den letzten F u nken von Idealismus verlieren würde. Norwegen müsse dann aus dem Völkerbund aus treten. Die kleinen Staaten hätten nichts zu suchen dort, wo von den Großmächten über d i e Köpfe der Kleinen hinweg nach den „alten Methoden" die wichtigsten Entscheidungen getroffen würden. Die Verwirklichung dieser Friedensvorschläge wäre geradezu eine Belohnung des Angreifers „Dagbladet"
sagt, daß der Völkerbund es nicht den Großmächten überlassen dürfe, den ostafrikanischen Konflikt nach ihren selbstsüchtigen Interessen zu lösen. Selbstverständlich könnten die kleinen ©taten im Völkerbund keine Verantwortung für die nunmehr getrofftfhe Ordnung der Dinge übernehmen. Ein solcher Friede, wie ihn England und Frankreich vorschlügen, machte die Behandlung von Konflikten durch den Völkerbund zu einer Karikatur.
Verwunderung in Japan.
Tokio, 12. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Zeitung „Kokumin Shimbun" bezeichnet die Friedensvorschläge als einen Aufteilungsplan, der in Japan größtes Aufsehen erregt habe. Man sei verwundert, daß England für die Unversehrtheit Chinas eintrete, sich aber gleichzeitig über die Staatshoheit und Antastbarkeit des abessinischen Gebietes hinwegsetze. Hierbei zeige sich das wahre Gesicht der englischen Politik.
Auch Paris sieht Schwierigkeiten.
Paris, 12. Dez. (DNB. Funkspruch.) Unter dem Eindruck der Meldungen, die aus Rom, London, Addis Abeba und vor allem aus Genf kommen, erklärt die Pariser Morgenpresse übereinstimmend, daß noch viele Hindernisse zu überwinden seien, bevor die französisch-englische Uebereinstimmung sich in Friedensverhandlungen und in eine tatsächliche Regelung des afrikanischen Streitfalles umgesetzt haben werde. Daß der Negus sich einem Vorschlag widersetzen würde, der so weitgehende gebietsmäßige Zugeständnisse von Abessinien verlangt, war in Paris erwartet worden. Trotzdem ist man von dieser Weigerung unangenehm berührt. So vernimmt man bereits Stimmen, die für den Fall, daß allein der Negus sich der vorgesehenen Regelung widersetzen würde, von einer Front- Wendung der Waffe der Sanktionen reden, indem man die Sühnemaßnahmen gegen Italien aufheben und ein Waffenausführverbot nach Abessinien erlassen könnte. Daß Mussolini den Einigungsvorschlag wenigstens in großen Zügen annehmen wird, erscheint der Pariser Presse nach den letzten Nachrichten aus Rom gewiß, wenn man auch erwartet, daß Italien versuchen wird, weitere Vorteile in den kommenden Verhandlungen herauszuholen.
Unverkennbares Unbehagen bereitet jedoch d i e Stimmung in Genf. Vor allem aber macht d i e Haltung gewisser kleiner Mächte Sorgen, weil diese grundsätzliche Bedenken haben, dem Angreifer Italien eine Belohnung durch den Völkerbund zusprechen zu lassen. —' D'Ormesson
schreibt: Man müsse fragen, was den Frieden und die europäische Ordnung besser gewährleiste, die schrittweise Wiederherstellung der englisch-französisch-italienischen Entente ober die Auflösung dieses Blocks, die nicht wieder gut zu machen wäre. Die Frage stellen, heiße sie beantworten. Deshalb habe man in Genf und überall dort, wo man berechtigterweise an die Zukunft denke, das größte Interesse daran, die französisch-englischen Vorschläge mit Erfolg gekrönt zu sehen.
Das „Journal" gibt zu, daß die abessinische Haltung sehr heikel sei. Man habe Abessinien ermutigt und sogar Verpflichtungen ihm gegenüber übernommen. Man müsse nun Abessinien zu verstehen Sehen, daß die internationale Hilfeleistung auch ipfer im allgemeinen Interesse verlange.
Der „Figaro" erklärt, die plötzliche Aende- rung in der englischen Haltung gegenüber Italien sei durch bestimmte Schwierigkeiten herbeigeführt worden, die sich gleichzeitig ergeben hätten. Roosevelt habe kürzlich die englische Regierung geheim davon unterrichten lassen, daß er nicht imstande sei, das Oe laus- fuhrverbot durchzusetzen. Gleichzeitig hätten Sowjetrußland und Rumänien wissen lassen, daß es für sie schwierig sei, sich an einem Oelausfuhrverbot zu beteiligen, wenn die Vereinigten Staaten nicht daran t e i l n e h m e n. Hinzugekommen seien die Befürchtungen der britischen Admiralität, im Falle eines plötzlichen Angriffes nicht von Frankreich unterstützt zu werden.
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ie der Medensplan aussehen soll.
Am bedeutungsvollsten ist das fürZtalien unter Dölkerbundsschuh in Aussicht genommene Kolonisationsgebiet im Süden.
London, 12. Dez. (DNB. Funkspr.) „Daily Telegraph" meldet aus Paris, daß das in dem englisch-französischen Friedensplan zur wirtschaftlichen Erschließung durch eine italienische Gesellschaft bestimmte südabessinische Gebiet im Osten durch Jtalienisch-Somaliland, im Süden durch Kenya, im Westen durch den 35. Längengrad und im Norden durch den 6. Breitengrad begrenzt werde. Diese Mitteilung ist bemerkenswert, weil nach den früheren Darstellungen die Nordgrenze dieser Zone vom 8. Breitengrad und die Westgrenze vom 36. Längengrad bezeichnet werden sollte. Die Grenze des wirtschaftlichen Einflußgebietes Italiens soll also ungefähr 2 5 0 Kilometer südlich der am ersten Tage gemeldeten Grenze verlaufen, mit anderen Worten, die Zone wird ein viel geringeres Gebiet ein- schließen. Die nach dem Westen vorgenommene
Verschiebung um einen Längengrad vergrößert das Gebiet nur um einen kleinen Landzipfel nördlich des Rudvlph-Sees.
Das der italienischen Gesellschaft zur Verfügung zu stellende Gebiet soll unter derOberhoheit des Negus bleiben, aber Verwaltung und Polizeidienst würden in den Händen eines Kommissars des Völkerbundes liegen. Dieser Kommissar werde die Verantwortung für die Sicherheit und die Wohlfahrt der Ansiedler tragen, die dort einwandern werden. Hoare und Laval seien der Ansicht gewesen, daß Italien mit einer verhältnismäßig geringen Ausdehnung der Grenzen von Jtalienisch-Somaliland zufrieden fein könne, da das oben erwähnte Gebiet eine ausschließliche Interessensphäre Italiens darstellen würde. Infolgedessen werde vvr- geschlagen, Jtalienisch-Somaliland nur bis westlich
von Ual-Ual unD Gerlogubi zu vergrößern. Dieses Gebiet sei bereits seit 7 ober 8 Jahren in denHänden der italienischenAußen- p o st e n. Es handle sich größtenteils um Wüste, die aber bei entsprechender Eindämmung des Flusses Webbi-Schebeli und anderer Gewässer fruchtbar gemacht werden könne. Zur Abtretung dieses Gebietes habe sich der Negus schon vor Mo- naten gegen yeberlassung eines Korridors zum Roten Meer bereit erklärt.
Der Berichterstatter hebt ferner hervor, daß der englisch-französische Plan eine Verbindung zwischen der nördlichen und der südlichen Kolonie Italiens nicht vorsehe, weil dies die Abtretung des Gebietes von H a r r a r bedeuten würde. Auch würde ein solcher Gebietsstreifen quer durch das französische Interessengebiet gehen. Im Norden werde vorgeschlagen werden, daß Abessinien den größten Teil des besetzten Gebietes der Provinz Tigre als Gegenleistung für einen Zugang zum Meer ausliefere. Hier gründe sich der englisch-französische Plan auf die Vermutung, daß Abessinien nicht aus eigenen Kräften imstande fein würde, den Eindringling zu vertreiben. Auch sei Rücksicht darauf genommen worden, daß es sich um nicht-arnharisches Gebiet handle und daß ein großer Teil davon vor der Niederlage von Adua im Jahre 1896 in italienischen Händen gewesen ist.
Der Berichterstatter fügt hinzu, das wirtschaftliche Einflußgebiet irn Süden sei bei weitern der wichtigste Teil des ganzen Planes; man werde die Frage stellen, wie ein verarmtes Italien im Stande sein könne, die Tätigkeit der Erschließungs-Gesellschaft zu finanzieren. Die Geldmärkte von London und Paris dürften daher aufgefordert werden, das nötige Kapital zur Verfügung zu stellen.
Eine starke Armee
, sichert die Freiheit.
Paris, 12. Dez. (DNB. Funspruch.) Kriegs- Minister Oberst Fabry führte auf einem Essen der früheren Verbindungsoffiziere bei der amerikanischen Armee u. a. aus: Man müsse es selbst erlebt haben, wie die Grenzen von einem feindlichen Einfall überrannt worden seien, man müsse jelbft zerstörte Gebiete gehabt haben, um richtig zu verstehen, was eine Armee für d i e Freiheit bedeute. Es fei sehr schwer, diese Dinge Völkern klarzumachen, die niemals Gefahr liefen, auf eigenem Boden vom Kriege ereilt und in ihrem Hab und Gut betroffen zu werden. Dies erkläre ohne Schwierigkeiten, daß die amerikanischen Freunde Frankreich fälschlich vorgeworfen hätten, für eine Armee Summen ausgegeben zu haben, die besser hätten angewandt werden können. Heute, da die Bewaffnung aus so verschiedenartigen Maschinen bestehe, die mit einer unerhörten Brutalität und Schnelligkeit wirken könnten, würde man von Frankreich vergeblich fordern, seine eigene Sicherheit nicht s e l b st abzuwägen.
Abwehr des Kartoffelkäfers.
Schon jetzt Aufklärung und Ueberwachung.
Berlin, 11. Dez. Das unaufhaltsame Vordringen des Kartoffelkäfers in Frankreich, der sich an einigen Stellen bis auf nahezu 20 Kilometer der deutschen Grenze genähert hat, macht schon jetzt die Vorbereitung umfangreicher Abwehrmaßnahmen erforderlich. Der Reichsnährstand wird daher im Winter eine intensive Aufklärung der Bevölkerung des gefährdeten Grenzgebietes betreiben; dabei sollen besonders die zum Auffinden des Kartoffelkäfers notwendigen Anleitungen gegeben werden. Mit Beginn der Entwicklung des Kartoffelkrautes wird dann in der gefährdeten Zone ein wohlvraanisierter Ueberwachungs- und Abwehroien ft einsetzen, durch den alle Kartoffel- unb Tomatenfelder in regelmäßigen Abständen erfaßt werden. Jeder Grundstückseigentümer und Nutzungsberechtigte wird verpflichtet, auf das Auftreten des Kartoffelkäfers zu achten und alle verdächtigen Erscheinungen zu melden. Wo ein Befall feftgefteüt wird, sind die in Frage kommenden Stellen unverzüglich zu benachrichtigen, damit unter Zuhilfenahme der schon jetzt einzurichtenden Geräteparks die Bekämpfung sofort e i n s e tz e n kann, um das Vordringen des Kartoffelkäfers über die durch Ueberflug aus Frankreich stets gefährdete Grenzzone hinaus zu verhüten, und den mittel- und ostdeutschen Kartoffelbau vor dem Schädling zu bewahren.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer und Reichskanzler hat an den ReichsministerKerrl anläßlich dessen 48. Geburt s t a g folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Zu Ihrem Geburtstage sende ich Ihnen in treuem Gedenken meine aufrichtigen Glückwünsche. Ich weiß, daß dem Wohle Deutschlands zu dienen. Ihnen immer heiligste Pflicht war. Das Vertrauen, das ich und mit mir Millionen treuer deutscher Volksgenossen in Sie setze, ist begründet in der Lauterkeit Ihres Charakters und der Reinheit Ihres Wollens. Nehmen Sie meinen herzlichen Dank entgegen für die der Bewegung und dem Vaterlande bisher geleisteten Dienste. Ihr gez. Adolf Hitler."
Die Geheime Staatspolizei nahm vor kurzem nach Verständigung des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers für die kirchlichen Angelegenheiten eine Haussuchung in den Räumen der „Informationsstelle der bischöf. lichen Behörden Deutschlands" in Berlin vor. Der Geschäftsführer der Informationsstelle Domkapitular Prälat Dr. B a n a s ch, dessen Se- fretär sowie einige katholische Geistliche im Reich wurden unter dem dringenden Verdacht des Verrats von Staatsgeheimnissen verhaftet. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.
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Der Reichs- und" Preußische Minister des Innern hat dem bisherigen Landrat des Kreises Oftprignitz, Graf W i lhelmvon Wedel, kommissarisch zum Polizeipräsidenten von Potsdam ernannt. Diese Stelle war seit der Berufung des Grafen Helldorff zum Polizeipräsidenten von Berlln nicht mehr besetzt.
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In der ausländischen Presse finden sich wieder einmal Mitteilungen darüber, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht angeblich in England Kredite nachgesucht habe. Diese Meldungen sind, wie alle früheren, glatte Erfindungen und völlig unbegründet.


