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Wie werden Arbeitsbeschaffung und Wehrhastmachung finanziert?

NeichsfinanzministerGrafGchwerin von Krosigk über die Aufgaben der deutschen Finanzpolitik-

Berlin, 11.Dez. (DNB.) Dor der Verwal- tungsokademie Berlin sprach Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk überDeutsche Finanzpolitik". Nach einer kurzen Erinnerung an die erste große Finanzkatastrophe der Nachkriegs­zeit im Jahre 1923 schilderte der Redner die kata­strophale Lage, die der Nationalsozialismus 1933 auf dem Gebiet der Finanzpolitik vorfand: Keiner­lei Rücklagen in den öffentlichen Haushalten und in der Privatwirtschaft, Fehlbeträge und Verluste und schließlich der ungeheure wirtschaftliche und moralische Druck einer Armee von sechs Millionen Arbeitslosen.

Der Minister schilderte nun im einzelnen die Maßnahmen der Kredit- und Haushaltspolitik, den konzentrischen Angriff auf die Arbeitslosigkeit, die Aktivierung der Steuerpolitik. Er ging dann auf die Entwicklung des Schulden st andes ein, der unter Einbeziehung der noch nicht ein­gelösten und daher noch nicht öffentlich ausgewie­senen Arbeitswechsel in den Jahren der Krise von 1930 bis 1933 um 3,7 Milliarden und in den 2l/2 Jahren des Aufbaues seit 1933 um sieben Milliarden gestiegen sei. In den letzten Jahren der Krise seien aber die aufgenommenen Kredite lediglich Defizitkredite der öffent­lichen Hand gewesen, denen also die Möglichkeit einer späteren Abdeckung aus steigenden Einnah­men oder einer Besserung des Haushalts nichts gegenüberstand. Die Verschuldung der Jahre nach 1933 dagegen sei d i e Folge einer aktiven Konjunkturpolitik gewesen, die sich die sicheren Einnahmen, aus denen diese Kredite z u - rückgezahlt werden können, geschaffen habe.

Als ein weiteres Kennzeichen für die echte Auf­wärtsentwicklung neben der Arbeitsbeschaffung be­zeichnete der Redner die besonders erfreuliche Z u - nähme des Gesamtaufkommens oer R e i ch s ft e u e r n , die sich von 1932 bis 1935 trotz beträchtlicher Steuersenkungen um 2,50 Milliarden erhöht und damit eine Ver­besserung der Haushaltstage um 4 Milliarden ermöglicht hätten. Die Wieder­herstellung der Ertragsfähigkeit in Industrie und Landwirtschaft sei in erster Linie diesem Umstand

zuzuschreiben. Es sei gelungen, die in der Krisen­zeit entstandenen Fehlbeträge zu beseitigen, den Schuldendienst für die aufgenommenen kurzfristigen Kredite sicherzustellen und wieder normale Aufträge der öffentlichen Hand in den laufenden Haushalt aufzunehmen. Trotz dieser gewaltigen Steigerung der Steuereinnahmen habe jedoch der Reichshaus­halt noch nicht ausgeglichen werden können und zwar wegen der Ausgaben für den A r b e i t s dienst und die Wehrhastmachung des deutschen Volkes.Aber -trotz aller Sorgen, die sie uns bereiten", so rief der Minister unter stür­mischen Beifall aus,möchten wir doch die Aus­gabenerhöhungen für Arbeitsdienst und Wehrmacht in unserem Etat nicht missen."

Der Mnisler warf dann die Frage auf:Wie werden die Mittel für die neue deutsche Wehr­macht aufgebracht?"Es liegt einfach," so führte er aus,die Ausnutzung einer durch die aktive Kreditpolitik geschaffe­nen wirtschaftlichen Lage vor, die es uns ermöglicht, auf diesem Dege in wirtfchafts- richtiger Form fortzufahren. Die st ä r k e r e Sparbildung und I l ü f f i g h a l t u n g auf dem Geldmarkt ermöglicht uns immer wieder, daß wir die mobilen Gelder für die Zwecke der öffentlichen Finanzierung heran- ziehen und je nach Lage der Möglichkeit dann durch Auflegung von Anleihen wieder fundie­ren. Diesen Weg gehen wir seit 1933 zielbe- wuht und wir haben durch diese Ausnutzung der wirtschaftlichen Verhältnisse die Arbeits­beschaffung und die Wehrhaftma- chung finanziert." Das deutsche Volk könne dem Führer für das gewaltige Werk der Diederwehrhaftmachung nicht besser danken, als daß es unter Aufopferung von Lieblings­wünschen aller Art alle Kräfte zusam­men f a f s e, um dieses Werk durchzuführen. Dieser Kräfteelnsah sei gerade auf dem Gebiet der Finanz- und Wirtschaftspolitik notwendig." Der Minister wandte sich mit scharfen Worten

gegen die Auffassung, daß es in einer Zeit des Aufbaues auf eine Handvoll Millionen Mark nicht ankomme. Im Gegenteil, es komme heute mehr denn je auf jeden Pfennig an. Wenn wir nicht fähig und gewillt seien, unsere Ausgaben­politik so zusammenzufassen, daß wir im Hinblick auf die Erreichung des uns gestellten großen Zieles jeden Pfennig umdrehen, werde dieses Ziel nie erreicht werden. Die Finanzbeamten könnten auch dem deutschen Volke gegenüber ihre Tätigkeit nur dann verantworten, wenn die Finanzverwaltung die Gewähr dafür übernehme, daß jeder ein­zelne Pfennig so angewendet werde, wie es der A r b e i t s s ch w e i ß, der an diesem Pfen­nig hafte, verlange.

Weiter betonte der Minister, daß die Spar- traft des deutschen Volkes hineingestellt werden müsse in den Dien st der Wehrhaft- machung. Dies würde zur Folge haben, daß hier und da Lieblingswünsche, aber auch wirtschaftlich Wertvolles und vielleicht Notwendiges, zurückge­stellt werden müssen vor der Ererichung des einen Zieles. Diese wirtschaftlichen Aufgaben, wie etwa auch der Wohnungsbau, würden zurück- gestellt als die großen Arbeitsreser­ven in einer Zeit, in der die Wehrhastmachung bis zu einem gewissen Grade durchgeführt sei. Dem Außenhandel wies der Redner die Aufgabe zu, den Sicherungsfaktor für unsere Rohstoffeinfuhr zu bilden. Das sei wichtiger für die gesamte Wirtschaft, als daß man von dem Außenhandel eine starke Belebung der Wirtschaft durch Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verlange.

Mit bestimmten Worten hob der Reichsfinanz­minister sodann die Bedeutung der Privat­initiative des einzelnen Unterneh­mers hervor, die nicht ausgeschaltet werden dürfe, wenn auch für die nächsten Jahre der Hauptanteil an der wirtschaftlichen Belebung nach wie vor dem Staat zufalle. Der Minister rief alle deutschen Volksgenossen auf, sich durch zeitweilig auftretende Schwierigkeiten nicht an der großen Aufgabe irre machen zu lassen. Die Regierung könne die großen Aufgaben nur dann erfüllen, wenn jeder einzelne bereit und gewillt sei, an seinem Platze mitzu­arbeiten.

Wird der Völkerbund dem Friedensplan zustimmen?

Englische Sorgen.

Der Friedensplan hat viele Gegner.

London, 12. Dez. (DNB. Funkspr.) Die Genfer Berichte der Blätter besagen, daß dort eine Stim- m u n g tiefen Mißtrauens weit verbreitet sei. Die kleineren Staaten seien noch immer sehr aufgeregt. Wahrscheinlich werde Eden bei seinem Eintreffen heute mit Anfragen überschüt­tet werden. Die Vertreter der Sowjetunion und der Türkei hätten eine auffallend eifrige Tätigkeit an den Tag gelegt. Die Franzosen sollen der britischen Ansicht zugestimmt haben, nach der die Erörterung über d i e Oelsperre auf jeden Fall fortgesetzt wer­den müsse. In den Vereinigten Staaten habe der Friedensplan einen unzweifelhaft un­zünftigen Eindruck gemacht. Bemerkenswert ist eine Zuschrift an dieTime s", in der einer der größten Bergwerksbesitzer in Trans­vaal gegen die Vermittlungsoorschläge Stellung nimmt. Das enttäuschte Südafrika sehe nicht nur die Verletzung einer vertraglichen Satzung, sondern auch den Anfang einer Bedrohung sei­ner eigenen Selbständigkeit innerhalb des britischen Reiches. Der einzige Hoffnungsstrahl sei, daß das englische Volk die Sache in die Hand nehmen werde.

Morning Post" glaubt, man erwarte in Lon­don, daß Italien den Friedensplan als Ver­handlungsgrundlage annehmen, aber Abessi­nien ihn verwerfen werde. Der Regierung werde es in diesem Falle die größten Schwierig­keiten machen, die Sühnemaßnahmen gegen Italien fortzusetzen und die Oelsperre weiterzubetreiben. In Regierungskreisen sei erklärt worden, in solchem Falle liege die Entscheidung in den Händen des Völkerbundes. Gut unterrichtete Persön­lichkeiten seien aber trotzdem der Meinung, daß die Regierung einer Fortsetzung der Sühnemaßnahmen abgeneigt sein würde, teils wegen der u n b e- friedigendenLage der Flotte im Mit­te l m e e r und teils wegen der Schwierigkeit, eine wirksame Oelsperre zustande zu' bringen. Die Regierung sei nicht überzeugt, daß Frank­reich im Falle eines Angriffes auf britische Schiffe wirksamen Bei st and leisten würde. In Paris neige man zu der Auffassung, daß Hoare das britische Kabinett zu mehr ver­pflichtet habe, als man in London erwar- t e t habe und daß das Kabinett versuchen werde, einiges von dem verlorenen Boden in Genf im Fünfer-Ausschuß zurückzugewinnen.

Abessinien lehnt Gebietsabtretungen ab. Paris, 11. Dez. (DNB.) Die abessinische Ge­sandtschaft in Paris veröffentlicht folgende Mittei­lung: Abessinien ist das Opfer eines ungerechtfertig­ten Angriffs geworden, der einmütig vom Völker­bundsrat und vom Völkerbund feierlich verurteilt worden ist. Unter diesen Umständen ist die abessini­sche Regierung fest entschlossen, alle Vor­schläge a u s z u s ch a l t e n, die in mittelbarer oder unmittelbarer Form dem italienischen Angreifer eine Belohnung zuerken - nen und die Grundsätze verkennen würden, die der Völkerbund beteuert hat, insbesondere den Grund­satz des gebietsmäßigen und politischen Bestandes Abessiniens, sowie ferner alle Vorschläge, die dar­auf abzielen, auf einen schwachen Staat einen Druck auszuüben, um ihn dahin zu bringen, daß er sich die Herrschaft einer mächtigen Regierung gefallen lasse, die stets betont hat, daß sie sich mit Gewalt den Triumph ihrer ehrgeizigen Ziele sichern wird.

Der abessinische Gesandte in Paris erklärte: Wenn in den neuen Friedensvorschlägen davon die Rede ist, daß Abessinien Gebietsteile an Italien aushändigen solle, dann werden wir lieber weiterkämpfen, bis kein Abessi­nier mehr am Leben ist, als daß wir auf diese Weise dem Angreifer nachgeben. Wenn die Vor­

schläge auch nur annähernd dem entsprechen, was für sie in der Presse veröffentlicht worden ist, dann sind sie geradezu lächerlich.

Widerspruch in Norwegen.

Oslo, 11. Dez. (DNB.) Die Nachrichten von dem englisch-französischen Friedensvorschlag im ost­afrikanischen Konflikt werden von den führenden Blättern Norwegens mit großer Empörung wiedergegeben.Aftenposten" schreibt, daß der Völ­kerbund, falls er diese Vorschläge gutheihe, den letzten F u nken von Idealismus ver­lieren würde. Norwegen müsse dann aus dem Völkerbund aus treten. Die kleinen Staaten hätten nichts zu suchen dort, wo von den Groß­mächten über d i e Köpfe der Kleinen hin­weg nach denalten Methoden" die wichtigsten Entscheidungen getroffen würden. Die Verwirk­lichung dieser Friedensvorschläge wäre geradezu eine Belohnung des AngreifersDagbladet"

sagt, daß der Völkerbund es nicht den Groß­mächten überlassen dürfe, den ostafrikanischen Konflikt nach ihren selbstsüchtigen In­teressen zu lösen. Selbstverständlich könnten die kleinen ©taten im Völkerbund keine Verantwortung für die nunmehr getrofftfhe Ordnung der Dinge übernehmen. Ein solcher Friede, wie ihn Eng­land und Frankreich vorschlügen, machte die Be­handlung von Konflikten durch den Völkerbund zu einer Karikatur.

Verwunderung in Japan.

Tokio, 12. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Zei­tungKokumin Shimbun" bezeichnet die Friedens­vorschläge als einen Aufteilungsplan, der in Japan größtes Aufsehen erregt habe. Man sei verwundert, daß England für die Unversehrtheit Chinas eintrete, sich aber gleichzeitig über die Staatshoheit und Antastbarkeit des abessinischen Gebietes hinwegsetze. Hierbei zeige sich das wahre Gesicht der englischen Politik.

Auch Paris sieht Schwierigkeiten.

Paris, 12. Dez. (DNB. Funkspruch.) Unter dem Eindruck der Meldungen, die aus Rom, Lon­don, Addis Abeba und vor allem aus Genf kom­men, erklärt die Pariser Morgenpresse überein­stimmend, daß noch viele Hindernisse zu überwinden seien, bevor die französisch-eng­lische Uebereinstimmung sich in Friedensverhand­lungen und in eine tatsächliche Regelung des afri­kanischen Streitfalles umgesetzt haben werde. Daß der Negus sich einem Vorschlag widersetzen würde, der so weitgehende gebietsmäßige Zuge­ständnisse von Abessinien verlangt, war in Paris erwartet worden. Trotzdem ist man von dieser Weigerung unangenehm berührt. So ver­nimmt man bereits Stimmen, die für den Fall, daß allein der Negus sich der vorgesehenen Regelung widersetzen würde, von einer Front- Wendung der Waffe der Sanktionen reden, indem man die Sühnemaßnahmen gegen Italien aufheben und ein Waffenausführ­verbot nach Abessinien erlassen könnte. Daß Mussolini den Einigungsvorschlag wenig­stens in großen Zügen annehmen wird, er­scheint der Pariser Presse nach den letzten Nach­richten aus Rom gewiß, wenn man auch erwartet, daß Italien versuchen wird, weitere Vorteile in den kommenden Verhandlungen herauszuholen.

Unverkennbares Unbehagen bereitet jedoch d i e Stimmung in Genf. Vor allem aber macht d i e Haltung gewisser kleiner Mächte Sorgen, weil diese grundsätzliche Bedenken haben, dem Angreifer Italien eine Belohnung durch den Völkerbund zusprechen zu lassen.' D'Ormesson

schreibt: Man müsse fragen, was den Frieden und die europäische Ordnung besser gewährleiste, die schrittweise Wiederherstellung der englisch-franzö­sisch-italienischen Entente ober die Auflösung dieses Blocks, die nicht wieder gut zu machen wäre. Die Frage stellen, heiße sie beantworten. Deshalb habe man in Genf und überall dort, wo man berech­tigterweise an die Zukunft denke, das größte In­teresse daran, die französisch-englischen Vorschläge mit Erfolg gekrönt zu sehen.

DasJournal" gibt zu, daß die abessinische Hal­tung sehr heikel sei. Man habe Abessinien ermutigt und sogar Verpflichtungen ihm gegenüber über­nommen. Man müsse nun Abessinien zu verstehen Sehen, daß die internationale Hilfeleistung auch ipfer im allgemeinen Interesse verlange.

DerFigaro" erklärt, die plötzliche Aende- rung in der englischen Haltung gegen­über Italien sei durch bestimmte Schwierig­keiten herbeigeführt worden, die sich gleichzeitig ergeben hätten. Roosevelt habe kürzlich die eng­lische Regierung geheim davon unterrichten lassen, daß er nicht imstande sei, das Oe laus- fuhrverbot durchzusetzen. Gleichzeitig hät­ten Sowjetrußland und Rumänien wissen lassen, daß es für sie schwierig sei, sich an einem Oelausfuhrverbot zu beteiligen, wenn die Vereinigten Staaten nicht daran t e i l n e h m e n. Hinzugekommen seien die Befürch­tungen der britischen Admiralität, im Falle eines plötzlichen Angriffes nicht von Frankreich unterstützt zu werden.

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ie der Medensplan aussehen soll.

Am bedeutungsvollsten ist das fürZtalien unter Dölkerbundsschuh in Aussicht genommene Kolonisationsgebiet im Süden.

London, 12. Dez. (DNB. Funkspr.)Daily Telegraph" meldet aus Paris, daß das in dem englisch-französischen Friedensplan zur wirt­schaftlichen Erschließung durch eine ita­lienische Gesellschaft bestimmte südabessinische Gebiet im Osten durch Jtalienisch-Somaliland, im Süden durch Kenya, im Westen durch den 35. Längengrad und im Norden durch den 6. Breiten­grad begrenzt werde. Diese Mitteilung ist bemer­kenswert, weil nach den früheren Darstellungen die Nordgrenze dieser Zone vom 8. Breitengrad und die Westgrenze vom 36. Längengrad bezeichnet werden sollte. Die Grenze des wirtschaftlichen Einflußge­bietes Italiens soll also ungefähr 2 5 0 Kilo­meter südlich der am ersten Tage gemeldeten Grenze verlaufen, mit anderen Worten, die Zone wird ein viel geringeres Gebiet ein- schließen. Die nach dem Westen vorgenommene

Verschiebung um einen Längengrad vergrößert das Gebiet nur um einen kleinen Landzipfel nördlich des Rudvlph-Sees.

Das der italienischen Gesellschaft zur Verfügung zu stellende Gebiet soll unter derOberhoheit des Negus bleiben, aber Verwaltung und Polizeidienst würden in den Händen eines Kommissars des Völkerbundes liegen. Dieser Kommissar werde die Verantwortung für die Sicherheit und die Wohlfahrt der Ansiedler tragen, die dort einwandern werden. Hoare und Laval seien der Ansicht gewesen, daß Italien mit einer verhältnismäßig geringen Ausdehnung der Grenzen von Jtalienisch-Somaliland zufrieden fein könne, da das oben erwähnte Gebiet eine aus­schließliche Interessensphäre Ita­liens darstellen würde. Infolgedessen werde vvr- geschlagen, Jtalienisch-Somaliland nur bis westlich

von Ual-Ual unD Gerlogubi zu vergrößern. Dieses Gebiet sei bereits seit 7 ober 8 Jahren in denHänden der italienischenAußen- p o st e n. Es handle sich größtenteils um Wüste, die aber bei entsprechender Eindämmung des Flus­ses Webbi-Schebeli und anderer Gewässer frucht­bar gemacht werden könne. Zur Abtretung die­ses Gebietes habe sich der Negus schon vor Mo- naten gegen yeberlassung eines Korridors zum Roten Meer bereit erklärt.

Der Berichterstatter hebt ferner hervor, daß der englisch-französische Plan eine Verbindung zwischen der nördlichen und der südlichen Kolonie Italiens nicht vorsehe, weil dies die Abtretung des Ge­bietes von H a r r a r bedeuten würde. Auch würde ein solcher Gebietsstreifen quer durch das französische Interessengebiet gehen. Im Norden werde vorgeschlagen werden, daß Abessi­nien den größten Teil des besetzten Gebietes der Provinz Tigre als Gegenleistung für einen Zugang zum Meer ausliefere. Hier gründe sich der englisch-französische Plan auf die Vermu­tung, daß Abessinien nicht aus eigenen Kräften imstande fein würde, den Eindringling zu vertrei­ben. Auch sei Rücksicht darauf genommen worden, daß es sich um nicht-arnharisches Gebiet handle und daß ein großer Teil davon vor der Niederlage von Adua im Jahre 1896 in ita­lienischen Händen gewesen ist.

Der Berichterstatter fügt hinzu, das wirt­schaftliche Einflußgebiet irn Süden sei bei weitern der wichtigste Teil des ganzen Planes; man werde die Frage stellen, wie ein verarmtes Italien im Stande sein könne, die Tä­tigkeit der Erschließungs-Gesellschaft zu finanzieren. Die Geldmärkte von London und Paris dürften daher aufgefordert werden, das nötige Kapital zur Verfügung zu stellen.

Eine starke Armee

, sichert die Freiheit.

Paris, 12. Dez. (DNB. Funspruch.) Kriegs- Minister Oberst Fabry führte auf einem Essen der früheren Verbindungsoffiziere bei der amerikani­schen Armee u. a. aus: Man müsse es selbst erlebt haben, wie die Grenzen von einem feind­lichen Einfall überrannt worden seien, man müsse jelbft zerstörte Gebiete gehabt haben, um richtig zu verstehen, was eine Armee für d i e Freiheit bedeute. Es fei sehr schwer, diese Dinge Völkern klarzumachen, die niemals Ge­fahr liefen, auf eigenem Boden vom Kriege ereilt und in ihrem Hab und Gut betroffen zu werden. Dies erkläre ohne Schwierigkeiten, daß die ameri­kanischen Freunde Frankreich fälschlich vorgeworfen hätten, für eine Armee Summen ausgegeben zu haben, die besser hätten angewandt werden können. Heute, da die Bewaffnung aus so verschieden­artigen Maschinen bestehe, die mit einer unerhörten Brutalität und Schnelligkeit wirken könnten, würde man von Frankreich vergeblich fordern, seine eigene Sicherheit nicht s e l b st abzuwägen.

Abwehr des Kartoffelkäfers.

Schon jetzt Aufklärung und Ueberwachung.

Berlin, 11. Dez. Das unaufhaltsame Vor­dringen des Kartoffelkäfers in Frankreich, der sich an einigen Stellen bis auf nahezu 20 Kilometer der deutschen Grenze ge­nähert hat, macht schon jetzt die Vorbereitung umfangreicher Abwehrmaßnahmen erforderlich. Der Reichsnährstand wird daher im Winter eine inten­sive Aufklärung der Bevölkerung des gefährdeten Grenzgebietes betreiben; dabei sollen besonders die zum Auffinden des Kar­toffelkäfers notwendigen Anleitungen gegeben wer­den. Mit Beginn der Entwicklung des Kartoffel­krautes wird dann in der gefährdeten Zone ein wohlvraanisierter Ueberwachungs- und Ab­wehroien ft einsetzen, durch den alle Kartoffel- unb Tomatenfelder in regelmäßigen Abständen er­faßt werden. Jeder Grundstückseigentümer und Nutzungsberechtigte wird verpflichtet, auf das Auf­treten des Kartoffelkäfers zu achten und alle ver­dächtigen Erscheinungen zu melden. Wo ein Befall feftgefteüt wird, sind die in Frage kommenden Stellen unverzüglich zu benachrichtigen, damit unter Zuhilfenahme der schon jetzt einzurich­tenden Geräteparks die Bekämpfung sofort e i n s e tz e n kann, um das Vordringen des Kar­toffelkäfers über die durch Ueberflug aus Frankreich stets gefährdete Grenzzone hinaus zu verhüten, und den mittel- und ostdeutschen Kartoffelbau vor dem Schädling zu bewahren.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer und Reichskanzler hat an den ReichsministerKerrl anläßlich dessen 48. Ge­burt s t a g folgendes Glückwunschtelegramm ge­sandt:Zu Ihrem Geburtstage sende ich Ihnen in treuem Gedenken meine aufrichtigen Glückwünsche. Ich weiß, daß dem Wohle Deutschlands zu dienen. Ihnen immer heiligste Pflicht war. Das Vertrauen, das ich und mit mir Millionen treuer deutscher Volksgenossen in Sie setze, ist begründet in der Lauterkeit Ihres Charakters und der Reinheit Ihres Wollens. Nehmen Sie meinen herzlichen Dank entgegen für die der Bewegung und dem Va­terlande bisher geleisteten Dienste. Ihr gez. Adolf Hitler."

Die Geheime Staatspolizei nahm vor kurzem nach Verständigung des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers für die kirchlichen Ange­legenheiten eine Haussuchung in den Räumen derInformationsstelle der bischöf. lichen Behörden Deutschlands" in Ber­lin vor. Der Geschäftsführer der Informationsstelle Domkapitular Prälat Dr. B a n a s ch, dessen Se- fretär sowie einige katholische Geistliche im Reich wurden unter dem dringenden Verdacht des Ver­rats von Staatsgeheimnissen verhaftet. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Der Reichs- und" Preußische Minister des Innern hat dem bisherigen Landrat des Kreises Oftprignitz, Graf W i lhelmvon Wedel, kommissarisch zum Polizeipräsidenten von Potsdam ernannt. Diese Stelle war seit der Berufung des Grafen Helldorff zum Polizeipräsidenten von Berlln nicht mehr besetzt.

In der ausländischen Presse finden sich wieder einmal Mitteilungen darüber, daß Reichs­bankpräsident Dr. Schacht angeblich in England Kredite nachgesucht habe. Diese Meldungen sind, wie alle früheren, glatte Erfindungen und völlig unbegründet.