siellung im Dienstag-Abonnement. Dauer von 20 bis 22.15 Uhr.
Mittwoch, 16. Oktober, ein bezaubernder Opernabend, „Cosi fan tutte“, Komische Oper von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul W r e d e. Diese Vorstellung gilt zugleich als 3. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Dauer von 19.30 bis 22.30 Uhr.
Freitag, 18. Oktober, von 20 bis 22.30 Uhr, in der neuen Inszenierung von Intendant Schultze- Griesheim, „Der Prinz von Homburg" von Heinrich von Kleist. 3. Vorstellung im Freitag-Abonnement.
Sonntag, 20. Oktober, Wiederholung von „Paga- nini", Operette von Franz Lehär. Außer Abonnement. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Heinrich Hub, Tänze: Li Jhlenfeldt. Dauer von 19.30 bis 22.30 Uhr.
RS.-kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne.
Im heutigen Anzeigenteil wird den Mitgliedern der Spielplan für Oktober bekanntgegeben, ferner werden die Tage der Kartenausgabe mitgeteilt. Auf die Anzeige sei besonders hingewiefen.
Reit- und Fahrturnier in Gießen.
Am heutigen Samstag um 13 Uhr beginnt auf dem Turnierplatz an der Rodheimer Straße zu Gießen das Reit- und Fahrturnier, das von Angehöri- gen der Wehrmacht, der SA. und der Reitervereine bestritten wird. Am moraigen Sonntag um 14 Uhr wird das Turnier auf dem gleichen Platze fortgesetzt. Die Einzelheiten der sportlichen Darbietungen sind aus der heutigen Anzeige ersichllich.
Freiwillige Gailsche Feuerwehr.
Nächsten Samstaa, 19. Oktober, Feier des 80. Stiftungsfestes im Cafe Leib. (Siehe heutige Anzeige.)
NSV., Ortsgruppe Gießen-Nord.
Betr.: Eintopfsonntag.
Sämtliche Amtswalter und Helfer erscheinen am 13. Oktober, vormittags 9 Uhr, zum Empfang der Sammelbüchsen in der Geschäftsstelle.
Betr.: Pfundsammlung.
Die Pfundsammlung für Oktober wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord am Dienstag, 15., und Mittwoch, 16. Oktober, durchgeführt. Die Spenden werden an diesen Tagen von Amtswalterinnen und Helferinnen der Ortsgruppe abgeholt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Spenden bereitzuhalten
Betr.: Kleidersammlung.
Dienstag, 15. Oktober, findet im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Nord eine Kleidersammlung statt. Es wird gebeten, die Kleidungsstücke verpackt bereitzuhalten. Die Sammlung wird mit Wagen der Wehrmacht durchgeführt.
Deutsche Arbeitsfront.
Werte Arbeitskameraden!
Am Sonntag, 13. Oktober, vormittags 10 Uhr, findet im Cafe Leib, Gießen, «ine große
Bauacbeiterversammlung
statt. Es sprechen: Kreiswalter der DAF. Pg. Wagner, Gaufachgruppenwalter Pg. Mayer- Hofer, Frankfurt a. M.
Wir bitten alle im Bauhandwerk tätigen Kameraden, sowie Betriebsführer, an dieser Versammlung teilzunehmen, da Fragen behandelt werden, die für den einzelnen Arbeitskameraden von größtem Interesse sind. Wir erwarten daher stärkste Beteiligung.
Kurse für zusätzliche Berussschulung.
Nunmehr beginnen wieder die Kurse zur zusätzlichen Berufsschulung. Ein Nähkursus findet jeweils Montags von 20 bis 22 Uhr im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, statt. Näheres und Anmeldungen für weitere Koch- und Nähkurse am Montag, 14. Oktober, von 20 bis 22 Uhr, und am Donnerstag, 17. Oktober, von 10 bis 12 Uhr im Haus der Arbeitsfront, Zimmer 15.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Die Ortsgruppe Gießen - Süd gibt bekannt, daß am kommenden Dienstag, 15. Oktober, 20.30 Uhr, im Katholischen Vereinshaus eine Mitgliederversammlung stattfindet, zu der alle Parteigenossen und Mitglieder der verschiedenen Gliederungen zu erscheinen haben. Kreisschulrat N e b e - l i n g wird sprechen.
kleidersammlimg in Kreis und Stadl Gießen.
Die schon angekündigt, wird in der nächsten Doche durch das Dinterhilfswerk in unserem Kreisgebiet eine Kleidersammlung durchgeführt. Während auf dem Lande durch die RSV. während der ganzen Woche gesammelt wird, werden die vier Gießener Ortsgruppen mit Unterstützung der Gießener Wehrmacht nur je einen Tage abgegangen, und zwar:
der Bereich der Ortsgruppe Giehen-Mitte am Wontag, 14. Oktober;
der Bereich der Ortsgruppe Gießen-Rord am Dienstag, 15. Oktober;
der Bereich der Ortsgruppe Gießen-Ost am Mittwoch, 16. Oktober;
der Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd am Donnerstag, 17. Oktober.
Es wird nochmals an alle Bevölkerungskreise appelliert, die in Aussicht genommenen Kleider- spenden möglich st vorher schon zurecht- z u l e g e n, so daß sie beim Ertönen der hornsignale sofort abgegeben werden können.
Diese Sammlung erstreckt sich nur auf Kleider und Wäsche für Erwachsene. Linderwäsche wird für sich am Sonntag, 20. Oktober, durch Jungmädel gesammelt. Räheres über diese Sammlung wird noch veröffentlicht.
Einiopf als Bekenntnis zur deutschen Notgemeinschast!
Sin Aufruf des Amtes für Volkswohlfahrt, <Sau Hessen-Nassau.
Der Führer zur Eröffnung des Winterhilfswerks 1935/36: „Das ist unser Krieg! Wir erobern uns unser deutsches Volk!"
Im Gau Hessen-Rassau tritt das Winterhilfswerk 1935/36 zuerst mit der
Eintopfsammlung am (Sonntag,! 3. Oktober, an die Oeffentlichkeit heran. Wie im Vorjahre, werden an diesem Sonntag die Mitarbeiter und Helfer des Winterhilfswerks an die Türen klopfen zur Abholung der Geldspenden, die aus einer freiwilligen Einschränkung der ganzen Ration erübrigt werden, um mit ihnen bedürftige Volksgenossen zu speisen.
Roch klingen jedem die ersten Worte im Ohr, mit denen der Führer den tieferen Sinn der Eintopf-Sonntage eindringlich erläuterte.
Im Gau Hessen-Rafsau sind die Lintopf- sonntags längst zu einer festen winter
lichen Votkssltte geworden. Jedermann weih, daß er sich mit der Einfügung in diese Sitte, mit der selbsigewollten Genügsamkeit an diesem einen Sonntag des Monats, zur deutschen Rotgemeinschaft bekennt. Dieses Bekenntnis gibt der gemeinsamen Einfachheit der Mittagstafel eine heroische Weihe.
Wenn dereinst in den Wintermonaten deutsche Eltern ihren Kindern den Sinn dieser schlichten Sitte als Erinnerung an weit zurückliegende Rotzeiten, an das Zeitalter der
„Volkwerdung der deusschen Nation.- erklären, so werden sie auch des Geschlechtes gedenken, das unter der Führung Adolf Hitlers mit dem Eintopfgericht allmonatlich an einem Diatersonntag das äußere Symbolfüreine innere Einheit schuf.
Der Führer hat seinen Appell an uns gerichtet. Ls wird keinen Deutschen geben, der diesem Rufe nicht folgt!
Sportamt »Krass durch Freude-.
Achtung!
Letzte Prüfung für das Reichssportabzeichen!
Die letzte Abnahme der leichtathletischen Gruppen für das Reichssportabzeichen findet heute ab 16 Uhr auf dem Universitäts-Sportplatz bei jeder Witterung statt. Leistungsbuch, Jahressportkarte und Lichtbild sind mitzubringen. Das Schwimmen für das DRA. wird am Dienstag, 5. Oktober, pünktlich um 21 Uhr im Volksbad abgenommen.
Ausfallender Kursus.
Wegen der Prüfung für das Reichssportabzeichen fällt heute der Kursus Waldlauf auf dem Universitäts-Sportplatz aus!
Der wirbt neue Teilnehmer für die KdF.-Sportkurse?
Diele Tausende Männer und Frauen stehen den Leibesübungen noch fern und wissen nichts davon, daß sie ihrem Körper und ihrer Gesundheit auch etwas schuldig sind. Es gilt nun, alle diese Menschen zu gewinnen, damit auch sie freudiger Leibesübungen teilhaftig werden und durch die körperliche Ertüchtigung Freude am Dasein finden. Sie alle gilt es jetzt über die Arbeit und Ziele der Sportämter KdF. aufzuklären und zum Mittun zu veranlassen. Wir brauchen ein kraftvolles und gesundes Volk, und jeder kann mithelfen, das großeZiel zu erreichen.
Das Sportamt KdF. hat für diejenigen, die bis zum 28. Oktober die meisten neuen Teilnehmer werben, nachstehende wertvolle Preise ausgesetzt:
1. Preis: eine Acht-Tage-Fahrt mit KdF. nach
dem Allgäu; 2. bis 4.: je eine Drei-Tage-Fahrt mit KdF. nach dem Schwarzwald; 5.: eine Tagesfahrt mit KdF. in den Taunus; 6. bis 10.: freie Teilnahme an einem geschlossenen KdF.-Kursus; 11. bis 15. Preis: freie Teilnahme an einem offenen KdF.-Kursus.
Teilnahmebedingungen für den Wettbewerb sind auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, vormittags, und bei den Sportlehrern in der Uebungsftätte erhältlich.
Und nun frisch ans Derk!
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 12. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (bulgarische) HV2, (holländische) 12 bis I2V2, (inländische) un- gezeicknete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 5 bis 8 Mark, Weißkraut, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 5 bis 6 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 10 Pf., der Zentner 6 bis 8 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 7 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 20, Unter- kohlrabi 5 bis 8, Erbsen 20 bis 30, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 10 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Pilze 30 bis 45, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Falläpfel, das Pfund 5 bis 8 Pf., Preiselbeeren 45, Aepfel 10 bis 25 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 20 Pf., Zwetschen 14 bis 18, Nüsse 35 bis 40,
Junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70, Gänse 80 bis 90, Enten 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 55 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 10 ♦
** Berechtigung zur Führung der Berufsbezeichnung „Baumeister". Auf Grund der Baumeisterverordnung vom 1. April 1935 haben acht Beamte und Angestellte des Städtischen Hoch- und Tiefbauamtes zu Gießen den Nachweis erbracht, daß sie die Voraussetzungen der Verordnungen erfüllt haben, worauf ihnen durch den Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — die Berechtigung zur Führung der Berufsbezeich- nung „Baumeister^ zuerkannt wurde. Es sind die Herren Wettläufer, Matheis, Höhn, Simon, Schüttler, Schmidt, Merten und Steinmüller.
**SilberneHochzeit.Am morgigen Sonntag, 13. Oktober, können der Werkmeister Wilhelm Rohrbach und Frau Lina, geb. Alban, Ludwig- straße 33 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit begehen.
** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Gas- und Wasser-Rohrverlegungen wird die Kaiserallee zwischen Georg - Philipp - Gail- Straße und Wolfstraße für die Zeit vom 14. bis einschließlich 18. Oktober für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Umleitung erfolgt durch die Georg-Philipp-Gail-Straße—Licher Straße. Die ausgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.
** Die städtischen Tennisplätze werden vom kommenden Dienstag ab geschlossen. (Siehe heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei!)
** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet hier Rindvieh-(Nutzvieh-)Markt statt. Für Mittwoch, 30. Oktober, ist Schweinemarkt vorgesehen.
** Der Verkauf von Kraut, Kartoffeln und Ob st auf Wagenladungen findet an den nächsten drei Samstagen nur auf Os« waldsgarten statt. Interessenten seien auf die heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei hingewiesen.
** Die Uhr an der Ecke Kaiserallee- Licher Straße, bekannt unter dem Namen „Persil-Uhr" wird gegenwärtig von vielen Einwohnern unserer Stadt, die oft mehrmals täglich den Platz vassieren, vermißt. Wie wir auf Anfrage von zuständiger Stelle hören, soll die Uhr wieder montiert werden, sie wird aber eine Umstellung erfahren insofern, als sie an die Zentraluhrenanlage der Stadt Gießen angeschlossen wird, durch die die Uhren der öffentlichen Gebäude, der Schulen, der Universität usw. gleichmäßig gesteuert werden. Die notwendigen Anschlußarbeiten hofft man, sobald alle erforderlichen Genehmigungen erteilt sind, im Laufe der nächsten Woche durchführen zu können. Es ist also damit zu rechnen, daß die Uhr in Bälde wieder Auskunft über die Tageszeit geben wird.
** Aufgehobene Straßensperren. Die Straßensperre auf der Landstraße erster Ordnung Grünberg—Marburg (Abteilung Abzweig Stangenrod—Abzweig Lumda) ist aufgehoben worden. Die Straßensperre der Provinzialstraßenstrecke Gießen —Alsfeld (Abteilung Mücke—Ruppertenrod) wird vom 15. Oktober ab aufgehoben. Ferner werden die Provinzialstraßenstrecken Schlitz — Willofs (vom 19. Oktober ab) und Lich—Langsdorf (vom 16. Oktober ab) wieder freigegeben.
Amtsgericht Gießen.
Das Gericht hatte sich gestern mit dem K. H. aus Gießen zu befassen, der in seinem Lokal einen verbotenen Spielautomaten aufstellte und Glücksspiele duldete. Der Angeklagte wurde durch Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 20 Mark, evtl. 4 Tagen Hast belegt. Der dagegen verfolgte Einspruch hatte keinen Erfolg. Das Gericht nahm im Gegensatz zum Strafbefehl ein Vergehen an, so daß als Eventualstrafe nicht auf Haft, sondern auf Gefängnis erkannt worden ist. Dem Angeklagten fällen außerdem die Kosten des Verfahrens zur Last.
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— Jhr Kind lacht
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Roman von Anny von panhuys
Urheberrechtsschutz Auswärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
15 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Bettinas Züge strafften sich. Die Gefahr, die sie abzuwenden versucht, war jetzt da. Dem starren Blick ihrer Augen folgend, wandte sich Hans Syden um und sah, knapp zwanzig Meter von sich entfernt, ein wenig von dem sehr breiten Stamm eines Baumes gedeckt, Gerhard Diendorf. Zwei Augenpaare trafen sich mit hartem Blick und Dr. Diendorf rief scharf: „Sie haben sich rasch getröstet, Herr. Nun verstehe ich auch, warum das Fräulein so besorgt um Ihr Bild war."
Gerhard Diendorf sah das Gesicht des Gehaßten wie hinter roten Schleiern, und fein Zorn ward so Übergroß, daß es ihm fast die Brust zu sprengen drohte. Er trug einen kleinen Revolver bei sich. Daheim in Berlin hatte er immer in der Nachttischschublade gelegen und er hatte ihn auf feine Reise mitgenommen, ohne an etwas anderes dabei zu denken, als daß man unterwegs, als Hotelgast, vielleicht einmal in eine unangenehme Lage kommen könne, in der eine Waffe nötig wäre.
Schon hatte er den Revolver entsichert, schon hob er ihn, da ließ Bettina das Rad los, daß es umfiel, und riß Hans Syden, der anscheinend gleichgültig gegen die Gefahr stand, mit sich nach rechts hinüber. Im selben Augenblick fast, als der Schuß losging, der, das erwartete Ziel nicht findend, in einen Baum schlug. Mit festem Schritt ging sie dann auf Dr. Diendorf zu, der sich nicht vom Fleck rührte.
Ihr Blick war zornig und das gradlinige Gesicht gespenstisch weiß.
„Beinahe wären Sie zum Mörder geworden", rief sie heftig und vorwurfsvoll, „danken Sie dem Himmel, daß er Sie davor bewahrt hat."
Sie lächelte jetzt sehr müde und wies mit der Hand auf Hans Syden.
„Sie irrten übrigens vorhin, Herr Doktor, er hat sich nicht mit mir getröstet, er denkt nur an die Tote. Ich bin eine Freundin feiner Schwester, er kennt mich von klein an — aber ich bin ja unwichtig. Fahren Sie heim, verlassen Sie die hiesige Gegend, Sie sind jetzt beide quitt, glaube ich. Er hat Ihnen die Braut genommen — Sie waren nahe daran, ihm dafür das Leben zu nehmen!" Das müde Lächeln schwand. „Noch einmal, danken Sie Goll,
daß alles so gut abgegangen, danken Sie Gott um Ihrer selbst willen und um Ihrer Mutter willen."
Erst bei dem Wort „Mutter" war Gerhard Diendorf die ganae Tragweite des Geschehenen klar geworden. Er schluckte heftig, ehe er zu sprechen vermochte. Abgehackt stieß er hervor: „Ich danke Ihnen, daß Sie mich davor bewahrt haben, meine Hände mit Blut zu beflecken." Er trat ein paar Schritte näher, sah Hans Syden an. „Seit Tagen durchsuchte ich das Städtchen und die Umgebung nach Ihnen, bis ick Sie heute fand. Dieser Frühlingstag wäre Ihr letzter gewesen, die Stunde wäre zu Ihrer Sterbestunde geworden, wenn Sie nicht einen Schutzengel neben sich gehabt hätten. Sie wären jetzt wohl tot, ich wäre jetzt ein Mörder."
Er schauderte zusammen wie im Fieber.
Bettina sagte mit mühsam erzwungener Ruhe: „Bitte, begleiten Sie mich, .Herr Doktor, ich möchte nicht, daß Sie beide hier allein bleiben."
Dr. Diendorf schüttelte den Kopf.
„Die Gefahr ist vorbei. Aber ich werde trotzdem mit Ihnen gehen. Sie sollen keine Angst mehr ausstehen." Sein Blick suchte den Blick des stumm verharrenden Grafen. „Ich weiß auch jetzt noch nicht Ihren Namen und möchte ihn auch nicht mehr wissen. Wir sind quitt, unsere Rechnung ist gegenseitig aufgegangen."
Er trat an Bettinas Seite und ging neben der schlanken Goldschmiedstochter her, die ihr Rad schob. Ohne ein Wort des Abschieds hatte sie Hans Syden stehenlassen.
Der sah den beiden nach, murmelte: „Wie hieß doch das sonderbare Lied, das von der alten Familiensage der Hochwalds handelte?"
Die Verse hatte er natürlich nicht behalten, aber er erinnerte sich, jede junge Hochwald sollte vor dem zwanzigsten Jahre sterben, bis — bis — ach, jetzt fielen ihm die Zeilen ein, auf die es ankam:
Bis eine kam von besonderer Art, Die einen Herzmann vor Tod bewahrt!
Ihm war es, als sänge Bettina das, er meinte, deutlich ihre Stimme zu hören.
Sonderbar!, dachte er, sehr sonderbar, es war wirklich geschehen, was die alte Sage prophezeit hatte.
Bettina war ja eine von besonderer Art und hatte nun den Mann, den sie liebte, vor dem Tod bewahrt. Wenn die Sage weiter stimmte, brauchte Bettina, nach langer Zeit die erste junge Hochwald, nicht vor dem zwanzigsten Lebensjahr zu sterben. Der alte Fluch war dann erloschen.
Seltsam, er dachte jetzt nur daran, vergaß darüber, was er eben erlebt. Und das war doch so groß und erschütternd gewesen, daß in seinem Kopf für nichts anderes mehr halle Raum jein dürfen.
Aber aur selben Zeit beschäftigte sich auch Bettina Hochwald mit der alten Sage.
Die Worte waren in ihr lebendig: Hochwaldtöchter sollen sterben, Eh' sie zwanzig Jahr, Soll n sterben in hellem Jugendhaar, Bis eine kommt von besonderer Art, Die einen Herzmann vor Tod bewahrt. Den sie liebt, wie ich getiebet hat'. Einen, der vor mir sank ins kühle Grab.
Sie grübelte, sie hatte ja einen Herzmann vor Tod bewahrt!
Still schritt Gerhard Diendorf neben ihr her. Er achtete ihr Schweigen, und er hatte ja auch mit sich zu tun.
Als die ersten Häuser in Sicht kamen, blieb er stehen.
„Nun haben Sie mich und den anderen gut getrennt — alle Gefahr ist beseitigt. Besteigen Sie ruhig Ihr Rad, Fräulein Hochwald, ich bin jetzt gefeit, und nehmen Sie meinen herzlichsten, innigsten Dank — Sie bewahrten mich vor Furchtbarem — meine arme Mutter und ich wären beide für immer elend geworden. Ich reife heute noch heim —"
Bettina neigte den Kopf.
„Leben Sie wohl, Herr Doktor, Sie haben mir nichts zu danken, ich wollte ja nicht Sie vor dem Verbrechen, sondern nur sein Leben schützen." Sie wiederholte mit verdunkeltem Blick und zuckenden Lippen: „Nur sein Leben wollte ich schützen."
Sie schwang sich auf das Rad und fuhr davon, als würde sie verfolgt.
Sinnend blickte ihr Dr. Diendorf nach, murmelte leise: „Sie trägt schweres Leid, das arme Ding!"
Er atmete tief auf. Ihm war es, als hätte feit langer Zeit der Boden unter ihm geschwankt und stände nun wieder fest, die Hoffnung durchschauerte ihn, vielleicht konnte das Leben auch ihm noch ein wenig Freude schenken.
War es nicht schon herrlich und überwältigend, daß er davor bewahrt geblieben, einen Moro zu begehen?
18. Kapitel.
Der alte Musiker bringt eine Neuigkeit.
Es wurde Sommer und wurde Herbst. Am Rhein waren die Trauben köstlich reif geworden, und in den Weinbergen wurde fleißig gearbeitet. Da kam eines Tages Konrad Wilderling zu Bettina Hochwald. Frau Käte befand sich im Laden, und der Musiker ging zu Bettina ins Hinterzimmer, das die alten Biedermeiermöbel so heimisch und traulich machten.
Er brachte eine Neuigkeit und begann, nachdem er Platz genommen! „Hören Sie, ich habe doch, wie
Sie wissen, meine Kompositionen nie verkaufen wollen und die Lieder ausgeschrieben für jeden, der Lust verspürte, sie zu fingen. Nun singt man die leichten Weisen rheinauf und rheinab, die wenigsten aber, die sie fingen und hören, haben eine Ahnung davon, wer sie eigentlich gemacht. Mir war das bisher immer gleichgültig, ich freute mich sogar meist diebisch, wenn man mir, falls ich nach dem Komponisten fragte, antwortete: Es wären alte Volkslieder. Und ich habe mir nie Kummer darüber gemacht, wohin meine Melodien flogen. Verlagsangebote schlug ich rundweg aus. Aber jetzt war ein sehr angesehener Verleger bei mir, und der möchte, daß meine Lieder in seinem Verlag herauskommen sollen. Ich habe mich gesträubt, bin sogar ziemlich grob geworden, aber er ist noch gröber geworden, und schließlich fiel mir ein, ich habe bloß ein paar hundert Mark auf der Sparkasse, und soviel braucht man wohl ungefähr, um mich, wenn es mal so weit ist, anständig unter die Erde zu bringen. Schließlich möchte ich aber auch noch ein Weilchen leben. Und manchmal möchte ich jemandem helfen. Ohne Geld ist man so entsetzlich hilflos. Na, kurz und gut, ich bin gar nicht mehr abgeneigt, meine Lieder drucken zu lassen. Der Verleger hat mich bekehrt." Er lachte. „Sie sehen, Bettina, wie schwach der Alte schließlich doch geworden ist vor den Silberlingen."
Bettina erwiderte: „Es wäre sehr unklug, wenn Sie wieder, wie schon mehrmals früher, die Gelegenheit versäumen würden, daß Ihre schönen Lieder gedruckt und erhalten bleiben."
Er nickte. „Gut, darüber sind wir uns einig. Doch mit dem, was ich bisher erzählte, ist noch nicht alles in Ordnung. Nein, Bettina, das ist nur der Kernpunkt der ganzen Geschichte gewesen, es gibt außerdem noch ein großes Drumherum. Der Verleger will die Lieder auch auf Schallplatten festhalten. Außerdem soll in mehreren Konzerten verschiedener Großstädte eine Sängerin einige meiner Lieder fingen. Die Nummer wird in ein Konzertprogramm eingeschoben. Propaganda für meine Lieder nannte er bas."
Bettina machte eine lässige Handbewegung. „Sängerinnen gibt es doch übergenug." Er schüttelte den Kopf.
„Es gibt sicher viele Sängerinnen, die sehr gut vortragen, aber keine würde meine Lieder fo vortragen können wie Sie, und deshalb bitte ich Sie herzlich, mich nicht im Stich zu lasten und nicht nur unterwegs in all den großen Stäoten, wke Leivzig, Köln, Frankfurt, meine Lieder zu fingen, sondern auch die Schallplatten zu besingen."
Er hatte sich kaum herausgewagt mit feiner Bitte, und war ftoh, daß er nun alles hinter sich hatte.
(Fortsetzung folgtQ , 4


