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Hr. 239 Erstes Blatt

185. Zahrgang

Zamstag, 12. Oktober 1935

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Abessinien bereitet eine Gegenoffensive vor.

Addis Abeba, 12. Oft (DRV. Funkspruch.) In abessinischen Kreisen verlautet, dah sich die drei Heerführer Ras Seyoum, Ras Kassa und Ruchi vereinigt haben und an der Rordfront mit 100 000 Mann einen Gegen st oh vorbe­reite n. Die Bewegungen der abessinischen Streit­kräfte haben die (Einschließung von Adua zum Ziel. Der Zusammenstoh mit den italienischen Truppen wird wahrscheinlich am Oberlauf des Mares stattfinden. Die Italiener sollen in Dol- kalt, Tigre und 2l g a m e versuchen, mit Ar- tillerieseuer und Fliegerangriffen die abessinischen Stellungen, die gut verschanzt sind, st u r m r e i f zu machen. Der Schwerpunkt der Schlacht soll im Gebiet um A k s u m liegen. Auch südlich von A d i - graf soll eine erhöhte Kampftätigkeit im Gange sein. (Eine Bestätigung dieser Rachrichten konnte noch nicht erhalten werden, da die Telephonleftung AduaAddis Abeba zerstört ist. Auf abessinischer Seite wurden aus der Linie MeginaRasdaschan AmbaAlagi starke Truppenansammlungen be­obachtet. Auf dieser Widerstandslinie wird es allem Anschein nach zu sehr heftigen Kämpfen kommen, die durch die Ligenart dieses hochgebirgsptateaus noch erschwert werden.

Die heilige Stadt A k s u m ist noch immer i n den Händen der Abessinier. Sobald die Heeresgruppe Maravigna Rachschub erhalten hat, wird der Vormarsch gegen Aksum wieder ausge­nommen werden. Die Meldung, dah die Stadt Adigrat von den Abessiniern zurückerobert worden sein soll, ist unzutreffend. Die Heeresgruppe San­tini steht weit hinter Adigrat. Die Stärke der italienischen Truppen, die in drei Abteilungen den Vormarsch nach Abessinien angetreten haben, soll 110 000 Mann mit 2300 Maschinengewehren, 230 Geschützen, 92 Tanks und 35 000 Pferden und Maultieren betragen. Jeder einzelnen Truppen­abteilung sind mit den Landesverhältnissen ver­traute Sachverständige beigegeben, denen gemein­sam mit ihrem Mikarbeiterslab die politische Bearbeitung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten obliegt. Sie bedienen sich bei ihrer Tätigkeit vorzugsweise der früheren A s k a - ris, die sich nach Beendigung ihrer Dienstzeit in der italienischen Kolonialarmee in diesen Gebieten niedergelassen haben.

Aeue Kümpfe um Adua?

Widersprechende Nachrichten des Neuterbüros.

London, 12. DEL (DNB.) WieReuter" be­richtet, ist die Lage auf dem Kriegsschauplatz in Abessinien am Freitag fast unverändert ge­blieben. An der Nord front rücken die Jta- l i e n e r em wenig in Richtung auf Makale vor. Im Süden gab es einen leichten Vormarsch italienischer Kolonnen westlich von Dolo. Nach der Aushebung des Waffenausfuhrverbotes nach Abessinien ist es sehr wahrscheinlich, dah die Ita­liener ihren Vormarsch im Süden und Norden auf die Eisenbahn von Dschibuti be­schleunigen werden, um zu verhindern, daß sich die Abessinier mit Waffen von Osten her versorgen.

Die Nachricht von einer italienischen Nie­derlage beiAdua muß mit großer S k e p- f i s ausgenommen werden, obwohl ein abessinischer Minister in Addis Abeba diese Nachricht bestätigt hat. Man glaubt, daß ein Angriff auf Adua stattge­funden hat. Nach abessinischen Meldungen sollen die Truppen des Gouverneurs Ras Seyoum in der Nacht zum Freitag nach einem überraschenden Gegenangriff die Stadt Adua umzingelt und die gesamte italienische Besatzung in Stärke von 2500 Mann niedergemetzelt haben Tausende von Gewehren, zahlreiche Maschinengewehre und Feldgeschütze und viele Millionen Stück Patronen sollen den Angreifern in die Hände gefallen sein. Auch auf abessinischer Seile seien schwere Verluste zu verzeichnen. Der Gegenangriff sei für die ita­lienische Besatzung völlig überraschend gekommen. Unter dem Schutze der Dunkelheit seien starke abes­sinische Streitkräfte auf dem rechten Flügel der ita­lienischen Linien vorgerückt, worauf sich ein ver­zweifelter Nahkampf entwickelte. Gnade wurde auf keiner Seite gewährt. Die Abessinier, die ihren Geg­nern zahlenmäßig leicht überlegen waren, kämpften mit Bajonetten, Speeren und Dolchen.

die Italiener dementieren

Die Agentur Stefani teilt mit, daß die Meldung des Reuter-Büros, die von einer Wie­dereinnahme Aduas durch die Abessinier sprach, vollständig falsch ist. In Adua gehe unter der unbestrittenen Herrschaft der Italiener das Leben seinen gewöhnlichen Gang. Nach zweitägiger Pause wurtre am Freitagmittag durch das italienische Propagandaministerium wie­der ein Heeresbericht ausgegeben, der erstmalig Verlust Ziffern angibt. In dem Bericht heißt es u. a.: Die Feststellungen, die man an der ganzen Front nach vier Tagen Vormarsch machen konnte, ergeben folgende Derlustziffern: 30 Tote, darunter fünf Italiener, 70 Verwundete, darunter 20 Italie­ner, vermißt werden 33 Eingeborene. Die Nach­richten über Tote und Verwundete sind den betrof­fenen Familien unmittelbar übermittelt worden. An Waffen wurden von Italienern eine Kanone, ein Maschinengewehr, 134 Gewehre und 30 Munitions­

behälter erbeutet. An der Somalifront sind zahl­reiche Fälle von Fahnenflucht abessini­scher Truppen zu verzeichnen. Die ausländi­schen Blätternachrichten über fahnenflüchtige italie­nische Askaris sind dagegen falsch. In den nächsten Tagen wird das italienische Generalkommando auf das eroberte Gebiet verlegt werden. Die Gesundheit der Truppen ist sehr gut, bie Moral aus­gezeichnet.

Zwei italienischeFlugzeuqe abgeschoffen

Addis Abeba, ll.Okt. (DNB.) Von zwei italienischen Flugzeugen, die den Ort W a r e n o in der nördlich von Harrar gelegenen Provinz Issa überflogen, wurde das eine durch Angehörige des Issa ° Stammes mit Gewehrschüssen a b g e - schossen. In dem Flugzeug bejanben sich zwei Flieger unb ein kleiner Hunb, bie sämtlich ben Tob fanben. Auch ber Absturz eines italienischen Flug­

zeuges im Makalle-Gebiet bei Gara-Alte bestätigt sich. Vier Insassen bes Flugzeuges sinb t o t. Der Apparat ist zerstört. Die italienische F l i e g c r t ä t i g f e i t, bie in Bombenabwürfen unb Maschinengewehrfeuer zum Ausbruck kommt, hat sich befonbers an ber ©übfront erhöht. Die Erfolge sollen allerdings schwach sein. Der Kaiser wird vorläufig in Addis Abeba verbleiben. Hingegen hat der Kriegsminister sein Hauptquartier in D e s s i e aufgeschlagen.

Abreise des italienischen Gesandten.

Rom, 12. Oft. (DNB.) Der italienische Gesandte Graf Vinci verläßt am Samstag feinen Posten in Addis Abeba. Er begibt sich zunächst mit der Bahn n a ch D j i d u t i. Die Vertretung der italie­nischen Belange in Abessinien wird nach Abbruch der diplomatischen Beziehungen Frankreich ober Belgien übertragen werben.

Erste Beschlüsse des Senser Sanktionsausschusses.

Waffenausfuhr nach Abessinien zugekassen, aber Sperre für Italien.

Genf, 11. Oft. (DNB.) Der Verbinbungsaus- fchuh für bie Sühnemaßnahmen im italienisch- abessinischen Konflikt hat Freitag vormittag seine konstituierende Sitzung abgehalten. Auf Vorschlag Lavals wurde der Portugiese de Vasconcel- l o s zum Präsidenten gewählt. Mit der Begrün­dung, daß bie Konferenz heikle wirtschaftliche Fra­gen zu erörtern haben werbe, würbe bie Oef - fentlichkeit sofort ausgeschlossen. Die Sanktionskonferenz hat ohne wesentliche^Aussprache einen E nt w u r f über bas Waffenausfuhr­verbot einstimmig unter Stimmenthaltung Un­garns angenommen. Der Entwurf lautet:

Um den Regierungen ber Dölkerbunbsmitglieder bie Erfüllung ber ihnen auf Grunb von Artikel 16 ber Satzung obliegenben Verpflichtungen zu erleich­tern, ist es angezeigt, schon jetzt folgenbe Maßnah­men zu ergreifen:

1. Die Regierungen ber Völkerbunbsmitglieber, bie gegenwärtig Maßnahmen zum Verbot ober zur Beschränkung ber Ausfuhr, ber Wieberausfuhr ober ber Durchfuhr von Waffen, Munition unb Kriegsmaterial nach Abessinien anroenben, werben biese Maßnah­men sofort aufheben.

2. Die Regierungen ber Völkerbunbsmitglieber werden sofort die Ausfuhr und Wiederausfuhr unb die Durchfuhr nach Italien unb feinen Besitzungen von Waffen, Munition unb Kriegs­material, bie in ber angeführten Liste aufgeführt sind, verbieten.

3. Die Regierungen der Völkerbundsmitglieder werden die notwendigen Bestimmungen treffen, um zu vermeiden, daß die in der beigefügten Liste auf­gezählten Waffen, Munitionen und Kriegsmateria­lien, die in e;n anderes Land als Ita­lien exportiert werden, unmittelbar ober mittelbar

nach Italien ober in bie italienischen Besitzun­gen roieber ausgeführt werben.

4. Die unter Nr. 2 unb 3 vorgesehenen Maßnah­men beziehen sich auch auf bie in ber Erfüllung begriffenen Verträge.

5. Jebe Regierung wirb aufgeforbert, in kürze­ster Frist bem Verbindungsausschuh burch Vermitt­lung bes Generalsekretärs bes Völkerbunbes b i e Maßnahmen mitzuteilen, bie sie ent» sprechenb ben obigen Bestimmungen getroffen haben.

Auch Albanien schließt sich aus.

Genf, ll.Okt. (DNB.) Die Völkerbunbsver- fammlung hat Freitag mittag ihre Vertagung ausgesprochen. Zu Beginn ber Schlußsitzung gab ber albanische Vertreter die Erklärung ab, daß Albanien ber Völkerbunbssatzung treu bleibe, baß bie albanische Negierung aber wegen ihrer politischen Beziehungen zu Italien, bie in bem Bünbnisvertrag zum Ausbruck kommen, und wegen der zwischen ben beiden Ländern be­stehenden engen wirtschaftlichen Verbindungen x u ihrem Bec> auern nicht in der Lage sei, sich dem Vorgehen,der anderen Regierungen anzu- schließen.

Der Präsident Dr. Benesch stellte fest, daß 5 0 Staaten sich mit den Beschlüssen des Dölker- dundsrates einverstanden erklärt und vier sich dagegen ausgesprochen hätten, nämlich Italien, Oesterreich, Ungarn und Albanien. Benesch betonte, daß es auch nach bem Ausbruch ber Feindseligkeiten die Aufgabe des Rates sei, den bedrohten Frieden zu schützen. Der Rat stehe beiden Parteien nach wie vor zur Verfügung und es bleibe zu hoffen, daß von seinem Angebot Gebrauch gemacht würde.

Die Schwierigkeiten kommen noch.

Finanz- und Wirtschastssanktionen als nächste Etappe.

Der Finanzausschuß der Konferenz wird Samstag bie Frage bes Verbotes von A n - leihen jeher Art prüfen. Es ist dabei an Regie­rungskredite, an Anleihen auf dem Finanzmarkt, an Bankkredite sowie in gewissem Umfange auch an gewöhnliche Handelskredite gedacht. Wie von eng­lischer Seite erklärt wirb, ist bie Konferenz bar- über einig, baß äußerste Beschleunigung in ber Anwenbung konkreter Maßnahmen geboten ist. Was das Waffenausfuhrverbot betrifft, so sind zunächst keine Kontrollmaßnahmen in Aussicht genommen. Noch umstritten ist die Ein­setzung eines besonderen Wirtschaftsausschusses zur Prüfung der Ein- und Ausfuhrsanktio­nen. Andererseits rechnet man mit einem ziemlich glatten Verlauf der Finanzsanktionen. Hier muß nur noch die rechtliche Stellung der im Aus­land ansässigen Italiener geklärt wer­den. Wahrscheinlich wird für das Verbot bestimmter Transaktionen mit Italien der Wohnsitz als maßgebend betrachtet werden.

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Daily Telegraph" weist aber daraufhin, daß bie eigentlichen Schwierigkeiten noch nicht erreicht seien. Diese würben sich ergeben, wenn ber Wirtschaftsausschuß Pläne zu einem Ausfuhrverbot für S ch l ü s s elerZeug­nisse unb zu einem Einfuhrverbot für italienische Waren aufstellen wolle. Dank der Beharrlichkeit ber englischen Vertreter^werbe biese Frage ohne Verzögerung angefaßt werben. Sowjetrußlanb werbe eine wichtige Rolle bei biefen Besprechungen spielen, ba ber Oelbebarf ber italienischen Flotte unb 60 v. H. ber M a n g a n- einfuhr aus Sowjetrußlanb bezogen würben. Sowjetrußlanb werbe wahrscheinlich bie Frage von Entschäbigungen für bie Abschnü­rung seines Ausfuhrhanbels aufwerfen, unb R u - mänien werbe einen ähnlichen Kurs einschlagen. Auch bie Stellungnahme ber anberen ßänber, bie bie hauptsächlichsten Rohstosfe wie Chrom, Nickel, Platin, Gummi usw. an Italien liefern, werbe im Mittelpunkt bes Interesses stehen. Es werbe er­

wogen, nach dem Beispiel Roosevelts die Beför­derung von Frachten und Passagieren auf italienischen Schiffen zu verbie- t e n. Aus einer solchen Maßnahme würden andere Schiffahrts-Linien Vorteil ziehen. Man dürfe nicht annehmen, baß die Maßnahmen sofort wirksam werden. Auch sei an Mussolinis Erklärung zu er­innern, daß Italien auf mindestens drei Monate eingedeckt sei. Die liberaleNews Chronicle" schreibt, nach Ansicht einesgut unter­richteten Beobachters" würden innerhalb einer Woche finanzielle und mäßige wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen in Kraft fein, innerhalb von vierzehn Tagen schwere Wirtschaftsmaßnahmen und in drei Wochen eine Blockade von Eri­trea und Somaliland.

Italienische Propaganda in Palästina.

London, 12. Okt. (DNB. - Funkspruch.) Die Times" meldet eine Botschaft des englischen Ober» tommiffars von Palästina an die Geschäftsleute und Bankiers in Jerusalem, in der er erklärt, daß ber italienisch - abessinische Konflikt wahrscheinlich nicht auf bas Mittelmeer-Gebiet aus­gedehnt werde. Diese Versicherung, meint bie Times", habe nach ber kürzlichen Panik, bie zur Lahmlegung bes Hanbels in Palästina führte, eine beruhigenbe Wirkung ausgeübt. In Pa­lästina sei eine ft a r t e italienische Propa- ganba tätig fei. Aus arabischer Seite wür­ben bie Sympathien für Italien in ber Hauptsache von ber Partei bes Mufti von Jerusalem, Essenbi el Hussein, bestätigt. In ber arabischen Presse sei überbies bie Frage aufgeworfen worben, ob es klug wäre, bie gegenwärtige internationale Lage zusam­men mit anderen arabischen Völkern auszunützen, um bi c Fessel bes britischen Manbats abflu ft reifen. Aus j ü b i s ch e r Seite sei bie revisionistische Partei (Neuzionisten) auf italieni­scher Seite. Sie besitze eine Marineschule in Jta- len, wo bie revisionistische JugendorganisationBe- tar" der italienischen Regierung ein Schulschiff ab­gekauft habe

Drei Kriege.

Während die ganze Welt ihre Blicke mit größter Aufmerksamkeit nach Ostafrika richtet, wo das Don­nern der Geschütze, das Krachen der Fliegerbomben, das Zischen der Maschinengewehre den Beginn des ungleichen Duells zwischen der über modernste tech­nische Kriegsrüstung verfügenden europäischen Groß­macht Italien und dem letzten unabhängigen Ein­geborenenstaat des schwarzen Erdteils ankündigt, während in Genf die Staaten des Völkerbunbes Sanktionen gegen benAngreifer" beschließen und Englanb in gleicher Sorge um bie Erhaltung bes Genfer Friebenssyftems wie ber Machtstellung bes Britischen Reiches seine. Flotte im Mittelmeer zu­sammenzieht unb seine Stützpunkte auf bem Weg nach Jnbien für alle Möglichkeiten rüstet, hat in Deutschlanb ein Krieg ganz anberer Art be­gonnen. Wie eine friedliche Insel liegt unser Reich inmitten einer brodelnden Flut von Angst, Gefahr und banger Unsicherheit. Krieg und Sanktionen, Wirtschaftsnot unb soziale Kämpfe ringsum, wäh- renb bas nationalsozialistische Deutschland mit dem dritten Winterhilfswerk zu einer Schlacht des Friedens rüstet, die mit ben'Waffen der Näch­stenliebe gegen Hunger und Kälte, die erbitterten Feinde der Schwachen unb Hilflosen, geschlagen wirb. Der Führer selbst hat bem zum letzten Appell vor ber Schlacht angetretenen beutschen Volke ben Befehl gegeben. Wie ber Duce am Vor­abend des Krieasdeginns in Ostafrika vor die Schwarzhemden Italiens trat, um sie in flammen­der Rede für die Kriegsziele des Faschismus zu be­geistern, so trat auch Der Führer vor sein deutsches Volk. Aber seine Parole für die beginnende Schlacht klang anders.Wir sind im größten Eroberungs­feldzug ber Weltgeschichte begriffen", rief er uns zu,wir erobern uns unser Deutsches Volk. Das ist unser Krieg!" Unb ber jubelnde Beifall seiner Hörer zeigte ihm, daß sein Volk ihn ver­standen hat, daß es mit ihm eins ist im Willen, das Ideal der Volksverbundenheit durch bie prak­tische Tat ber Nächstenliebe zu einer politischen Realität zu machen.

Deutschlanb hat als erstes großes Volk der mo­dernen Welt des Hochkapitalismus den Klassen­kampf überwunden. Es hat ihn, nicht in Perma­nenz erklärt wie der russische Bolschewismus, der nur burch einen furchtbaren Vernichtungsfeldzug einer Klaffe und auch von ihr nur einer kleinen Gruppe von Auserwöylten zum Siege oer- halfen hat und sich nur durch blutigen Terror an ber Macht zu halten vermag. Nein, der deutsche Nationalsozialismus hat den Klassenkampf ausge­schaltet durch den Grundsatz der autoritären Staats­führung, die unabhängig von Parteien und Wirt­schaftsgruppen sich nur ihrem Volk als Gesamtheit verpflichtet fühlt und dank der Mitarbeit von Män­nern von gleicher Unabhängigkeit des Urteils und höchster wirtschaftlicher Einsicht imstande ist, die großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die als Ursache des Klassenkampfes in früheren Jahr­zehnten das Volk auseinanderrissen, die Wirtschaft lahmlegten unb bie politische Führung hemmten, rein sachlich zu lösen. Aber bazu braucht bie autoritäre Staatsführung einen starken Bundes­genossen. Es ist das Volk selbst, das immer wieder seinen Willen zur Gemeinschaft bekunden muß unb bamit bie ibeelle Grundlage schasst unb immer roieber neu befestigt, auf ber allein sich ein Ausgleich zwischen Klassen unb Stänben vollziehen kann, benn roeber Wirtschaft noch Staat sind ihrem Wesen nach in der Lage, Härten auszuschließen, die die natürliche Auslese des Wirtschaftsprozesses bedingt. Daß das Ideal der Volksgemeinschaft eine gewaltige Realität ist, hat uns der Führer an dem Beispiel des Weltkrieges erläutert, in dem Mil­lionen Deutsche, die bislang nur die Schattenseiten des Lebens kennengelernt hatten, dem Ruf der Nation folgend sich als tapferste und anständigste Soldaten bewährt haben ohne jeden Gedanken, da­mit ihrem persönlichen Schicksal eine Wendung zum Besseren geben zu können. Diese Volksgemeinschaft schon im Frieden zu einem unerschütterlichen Fun­dament für das staatliche Sein und bie wirtschaft­liche Arbeit der Nation zu machen, hat sich der Nationalsozialismus zur Aufgabe gefetzt. Staat unb Wirtschaft sinb wir, bas Volk. Unb wie jeher ein­zelne von uns an ben Segnungen eines geordneten unb gesicherten Staatswesens und eines tätigen Wirtschaftsprozesses teilnimmt, so erwächst daraus auch jedem einzelnen von uns die innere Verpflich­tung, sich zu dieser Volksgemeinschaft auch dann zu bekennen, wenn sie von ihm Opfer verlangt. Denn nur dann schließt sich der Ring, der uns alle um­spannt. Mögen wir alle, die wir uns als Kinder Des ewigen Deutschland fühlen, diesen Mahnruf des Führers als eine sittliche Forderung empfinden, wenn in den nächsten Monaten die tapferen Helfer des Winterhilfswerks unverdrossen treppauf, trepp­ab eilen und an unsere Tür klopfen. Mögen wir alle, mit denen es das Schicksal besser meinte, als mit so vielen unserer hungernden und frierenden Mitschwestern und Mitbrüder, frohen und dank­baren Herzens unser Opfer barbringen unb so ein jeder nach seinen Kräften helfen, bie Volksgemein­schaft zu festigen, in ber die glückhafte Zukunft unserer Nation beschlossen ist.

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In noch einem zweiten Feldzug, gleich unblutig wie ber erste, hat beutsches Volkstum einen herr­lichen Sieg errungen. Mit dem Wahlzettel als ein­zige Waffe in der Hand haben die Bewohner des Memellandes ihren litauischen Unterdrückern eine vernichtende Niederlage beigebracht. Die sorgfältigsten Vorbereitungen, die Einbürgerung von Tausenden großlitauischer Eindringlinge, die Entziehung des Wahlausweises oder Ausweisung von jahrzehnte­lang im Memelland ansässigen Deutschen, das Mundtotmachen ber beutschen Wahlpropaganda, bie

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