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Aus der Provinzialhauptstadt.

Oer Haarausfall.

Es gibt in unserer Zeit kaum einen Städter, der nicht über Haarausfalt klagt. Aber der Arzt muß sich bei genauer Untersuchung oft davon über­zeugen, daß die Klagen nicht immer berechtigt sind. Die Angst vor dem Haarausfall ist mindestens so verbreitet, wie der Haarausfall selbst. Die wenig­sten Menschen denken daran, daß unser Haar kein Dauerkleid ist, sondern daß es einem ständigen Wechsel unterworfen ist und daß ein Haarausfall von etwa 50 Haaren täglich, der nach dem Wa­schen sogar bis auf 70 und 100 Haare ansteigen kann, durchaus noch kein Zeichen eines kranken Haarausfalles zu sein braucht.

Es gibt ein Messungsverfahren, bei dem man auf vier aufeinanderfolgenden lagen durch Aus­kämmen mit einem Staubkamm die ausgefallenen Haare sammelt, das Verhältnis der Spitzenhaare, d. h. der vorzeitig ausgefallenen jungen Haare zum Gesamtausfall feststellen kann. Beträgt dieses Ver­hältnis bei einer Durchschnittslänge des Kopfhaares von 13 Zentimeter 1:8, oder bei einer Durch­schnittslänge von 5 bis 8 Zentimeter 1 :10, so ist der Haarausfall bereits anormal. Bei Frauen soll­ten zwei Drittel der ausfallenden Haare länger als 16 Zentimeter fein. Allerdings soll man davor warnen, derartige Messungen nun über lange Zeit­räume hin auszudehnen, denn dann kann es gar nicht selten geschehen, daß dieses dauernde Zählen zu einer Manie wird und zu einer Beängstigung, die schlimmer ist, als der ganze Haarausfall.

Stets muß man vor der Beurteilung eines Haar­ausfalls sich darüber Klarheit verschaffen, ob den Patienten vielleicht in der letzten Zeit eine schwere Erkrankung, besonders eine Fieberkrankheit befallen hat. Denn einige Wochen nach derartigen Krank­heiten, selbst nach verhältnismäßig harmlosen Er- kältungs- oder Grippeanfällen, pflegt das Haar stets vorübergehend besonders heftig auszufallen. Wer an diesen Zusammenhang nicht denkt, muß erschrecken. Doch sind gerade diese Haarausfälle in ihrem Verlauf besonders günstig. Durch Bestrah­lungen mit künstlicher Höhensonne und etwas Massage der Kopfhaut läßt sich schon nach kurzer Zeit ein normaler Haarwuchs wieder herstellen. Die häufigste Ursache des Haarausfalls, der Lichtung des Haarkleides bei Frauen und der allmählichen Glatzenbildung bei Männern ist eine chronische Er­krankung der Talgdrüsen. Das deutlichste Symp­tom dieser Erkrankung ist die Schuppenbildung, die oft schon in frühen Jahren mit beginnender Entwick­lung einsetzt und in den Reifeiahren in verstärktem Maße auftritt. Der Arzt sieht die Krankheit ge­wöhnlich erst, wenn ihre Spätfolgen in Form des Haarausfalls sich zu zeigen beginnen. Dann ist aber meist schon wichtige und wertvolle Zeit zur Be­kämpfung des schleichend verlaufenden Leidens ver­gangen. Mit dem jahrelangen allmählichen Fort- jchreiten werden die Haare dünner und dünner und der Nachwuchs spärlicher. Schließlich kann es zu einem vollständigen Absterben der Haarwurzeln der Kopfhaut kommen und die gefürchtete Glatze ist da. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit, Er­nährungsstörungen der Kopfhaut, d. h. Schuppen­bildung, starke Ueberfettung der Haare, starke Trockenheit, Glanzlosigkeit, eine Spaltung der Spitzen oder stumpfes Abbrechen rechtzeitig dem Arzt zu melden.

Die häufigen Mißerfolge einer Behandlung be­ruhen fast immer darauf, daß zu spät begonnen wird. Einen alten Menschen kann man nur vor­übergehend 'verjüngen, ein im Wachstum geschä­digtes Haar läßt sich meist nicht mehr retten. Aber da wir bei der Fürsorge für unsere Gesundheit im­

mer größeren Wert auf rechtzeitige Vorbeugung, als auf verspätete Heilung legen, so werden wir auch bei diesen an sich harmlosen, aber doch für unser Aeußeres so entscheidenden gesundheitlichen Störungen uns allmählich daran gewöhnen müssen, rechtzeitig vorbeugende Gesundheitsfürsorge zu trei­

ben. Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, sind: geeignete, zweckmäßige Ernährung, Sport und Gymnastik, die den gesamten Stoffwechsel heben, Massage und Haarwasser zur besseren Durchblutung der Kopfhaut und die wohltätigen Strahlen der Höhensonne. P- B*

Rückkehr aus dem Manöver.

Nach mehrwöchiger Ausbildungszeit auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow mit anschlie­ßenden Regimentsübungen in der Gegend von Braunschweig ist am gestrigen Mittwoch-Spatnach- mittaa und Abend unser Regiment wieder hierher in die Garnisonstadt zurückgekehrt. DerGießener Anzeiger" konnte gestern die Ankunftszeiten der verschiedenen Transportzüae mitteilen, so daß un­sere Volksgenossen in der Lage waren, in ihre Zeit­einteilung die Begrüßung unserer Soldaten recht­zeitig einzuordnen.

Als der erste Transportzug um 16.32 Uhr, der eine Kompanie mit ihren Fahrzeugen brachte, an der Rampe des Güterbahnhofs eintraf, hatten sich dort bereits viele Volksgenossen zum Empfang der Truppe eingefunden. Etwa eine Stunde nach der Ankunft fuhr die Kompanie durch die Klinikstraße, Frankfurter Straße und Hindenburg-Wall zur Ka­serne, wobei sie unterwegs von einer großen Men­schenmenge, die sich beiderseits der Marschstraßen ausgestellt hatte, herzlich begrüßt wurde.

Zwischen 20 und 21 Uhr, als das I. Bataillon von der Hammstraße her über den Horst-Wessel-Wall und den Hindenburg-Wall und etwas später das II. Bataillon von der Frankfurter Straße her über den Hindenburg-Wall zur Kaserne einrückten, war die zum Empfang der Soldaten erschienene Men­

schenmenge da nunmehr keine berufliche oder geschäftliche Inanspruchnahme die Volksgenossen fernhielt an den Marschstraßen ganz gewaltig angewachsen. Weithin auf den Bürgersteigen hatten sich jung und alt, Männer, Frauen, Kinder und alte Leute schon lange vor dem Anmarsch der Truppe aufgestellt, teilweise in mehrfacher Tiefengliederung, um unseren Feldgrauen einen herzlichen Empfangs­gruß darzubringen. Und als bann die Kompanien unter den Klängen der schneidigen Militärmärsche heranrückten, begegneten sie überall der herzlichsten Empfangsfreude und dem Ausdruck stärksten Ver­bundenseins zwischen der Bevölkerung und unserer Wehrmacht.

Die Soldaten unserer Garnison sind auch in frü­heren Jahren bei ihren Märschen durch die Stadt immer mit herzlicher Sympathie begrüßt worden, aber der Empfang am gestrigen Mittwochabend übertraf sowohl hinsichtlich der Beteiligung der Ein­wohnerschaft, als auch des Ausmaßes der Freude an unseren Soldaten alle früheren Erlebnisse dieser Art ganz erheblich. Hier wurde in eindrucksvollster Weise offenbar, daß Wehrmacht und Volk heute wieder eine innige Gemeinschaft sind durch das Aufbauwerk unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, der unserem Volke mit der Ver­kündung der deutschen Wehrfreiheit auch das Dolks- heer wiedergegeben hat.

Sie Gefechte unseres Regiments am 9. und 10. September.

Rot hatte zwischen Vorsfelde und Oebis­felde mit schwächeren Kräften in südlicher Rich­tung die Aller überschritten. Blau befand sich im Vormarsch nach Norden mit dem Auftrag, diesen Gegner über die Aller zurückzuwerfen. Hierzu mar­schierte J.-R. 36, rechts angelehnt, über Frellstedt, Süpplingen, Süpplingenburg, Groß-Steinum auf, Beienrode.

Bei Süpplingen stoßen beide Parteien zu­sammen. Rot ist bereits entfaltet, Blau befindet sich noch in der Marschkolonne. Blau hat den Auftrag, den Gegner über die Aller zu werfen. Rot hat die Absicht, für die nachfolgenden Hauptkräfte so viel Zeit und Raum zu schaffen, daß sie die Aller in südlicher Richtung überschreiten können. Rot will also nur den Gegner bis zum 10. abends Hinhalten. Rot richtet sich am Südhang des Dorm zur Ver­teidigung ein. Don dort ist das Angriffsgelände von Blau bis in jeden Winkel einzusehen. Der Angrei­fer wird also trotz seiner Ueberlegenheit an Men­schen und Material einen schweren Stand haben. Trotzdem entschließt sich Rot, bei einbrechender Dunkelheit Über den Dorm nach Norden zurück- zuaehen.

Am Samstag, 7. September, begann der Manö- r?rtag mit strahlendem Sonnenschein, um mitSturyr und Regen zu enden. Am Montag morgen war es trübe. Von Zeit zu Zeit tropfte der Regen. Diesmal hoffte man also, daß der Tag mit Sonnenschein enden werde. Aber nein, von Stunde zu Stunde wurden die Schauer länger und heftiger. Und da­bei die Aussicht: Uebungsende Dienstag mittag nördlich des Dorrn. Aber erst einmal drüben fein!

Der Dorrn ist ein schmales Waldgebirge. Sein höchster Punkt, der Fuchsberg, ist 182 Meter hoch,

also nicht 100 Meter höher als das umliegende Ge­lände. Nach der Karte überqueren den Dorm keine Wege, in Wirklichkeit gelingt es den Spähtrupps von Blau, einige Schneisen zu finden, die, an sich schon recht steil, infolge des Regens der letzten Tage für Fahrzeuge aber kaum benutzbar sind.

Am 9. September um 16 Uhr wird mit Rücksicht auf die Gesundheit von Mann und Pferd die Uebung bis zum Morgengrauen unterbrochen, und es werden Notquartiere bezogen.

Am Morgen des 10. September hat sich Rot nördlich des Dorm zum hinhaltenden Widerstand gegliedert. Blau erhält beim Heraustreten aus dem Nordrand des Waldes heftiges Flankenfeuer. Ehe dieses nicht beseitigt ist, kann der Angriff in nördlicher Richtung nicht weitergetragen werden. Die vordere Widerstandslinie von Rot verläuft von Uhry nach Trendel. Sobald Blau feine schweren Waffen auf der Höhe des Dorm in Stel­lung haben wird, sobald die Artillerie sich zur Unterstützung des nun folgenden Angriffs umgrup­piert haben wird, muß Rot die Stellung zwischen Uhry und Trendel räumen. Bis dahin vergehen jedoch Stunden, dann wird sich Rot einige Kilome­ter weiter nördlich wieder festsetzen und der An­greifer wird wiederum seine zeitraubenden Vor­bereitungen treffen müssen. Die nachfolgenden roten Hauptkrüste werden also die Möglichkeit ha­ben, von Blau ziemlich ungestört die A l l e r zu überschreiten. Um 9 Uhr wird in diesem Manöver das letzteGanze Halt" geblasen. Zum letzten Male rückt die Truppe jetzt ins Quartier.

Am 11. September erfolgt von Königslutter und Braunschweig aus der Rücktransport in die Garnison.

Filme in den Schulen.

In einem Erlaß des Reichserziehungsministers heißt es u. a.:

Es sind in Elt-rnkreif-n berechtigte Klagen dar- Über laut geworden, daß dieselben Filme als staa -- politische Filme in den Schulen und gleichzeitig innerhalb der Hitler-Jugend uorgesuhrt wurden und dah auf diese Weise nicht nur die Schuler gezwun­gen wurden, diese Filme zweimal anzusehen son- dern daß auch die Eltern zu einer doppelten Geld- ausaabe veranlaßt wurden. Ich ersuche, alles zu tun. um derartige Doppelvorführungen zu vermei­den. Insbesondere sollen die Landesblldftellen wenn sie ihre Zustimmung zur Durchführung staatspoli. tifcher Filmvorführungen für die Schulen geben, die Genehmigung von der Bedingung abhängig machen, daß der Film nicht gleichzeitig innerhalb der Hitler-Jugend gezeigt wird. Auch die zentrale Genehmigung von Filmen für staatspolitische Schul­veranstaltungen geschieht nur unter dieser Voraus­setzung. Sobald innerhalb eines Bezirks festgestellt wird, daß derselbe Film auch innerhalb der Hit­ler-Jugend vorgeführt wird, sind die Schulvorsuh- rungen einzustellen.

Die Reichspropagandaleitung (Abteilung Film) der NSDAP, hat mir zugesichert, daß auch sie die Gaufilmstellen anweisen werde, die Vorführung des­selben Films in den Schulen und innerhalb der Hitler-Jugend zu vermeiden.

Eine im Frühjahr d. I. erhobene Statistik hat mir gezeigt, daß Ziffer 5 der Gemeinsamen Richt­linien noch nicht überall eingehalten wird, daß ins­besondere immer noch Filme vorgeführt werden, die weder zentral genehmigt sind das ist bisher ge­schehen für die FilmeDer alte und der junge König" undDer Sieg des Glaubens" noch die Zustimmung der Landesbildstelle gefunden haben. Die Folge davon ist, daß völlig ungeeignete Filme, wie z. B.Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt",Grün ist die Heide",Heideschulmeister Uwe Karsten" usw., in den Schulen zur Vorfüh­rung gelangen. Ich mache eine genaue Beachtung der Gemeinsamen Richtlinien zur Pflicht; die Schul­leiter sind dafür verantwortlich, daß Termine für staatspolitische Filmveranstaltungen erst angesetzt und die Eintrittsgelder erst eingezogen werden, wenn feststeht, daß die vorzuführenden Filme zen­tral genehmigt sind oder die Zustimmung der Lan­desbildstelle gefunden haben.

Stadttheater Gießen spielt in Bad Homburg.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Nachdem erst vor wenigen Tagen das Orchester des Stadttheaters Gießen auf Grund feiner großen Erfolge für den kommenden Sommer wieder nach Bad Homburg verpflichtet wurde, hat jetzt die Stadt Homburg und die Kurverwaltung auch das Stadt­theater Gießen aufgefordert, im kommenden Win­ter 20 Vorstellungen im Kurtheater zu geben. In­tendant Schultze - Griesheim hat dieses ehrenvolle Angebot angenommen, das auf Grund der erfolgreich durchgeführten Sommergastspiele zustande kam. Auch der Erfolg des Orchesters, der interessante, abwechselungsreiche Spielplan und das ausgezeichnete Personal, das dem Stadttheater im kommenden Winter zur Verfügung steht, haben zu dieser Verpflichtung geführt. Oper, Operette und Schauspiel werden in dem schönen historischen Thea­ter Bad Homburgs die alte Tradition der Gießener Bühne wieder aufnehmen und Homburg nach den wechselnden Gastspielen der letzten Jahre wieder ein ständiges Theater geben. Die dortige Spielzeit wird am 10. Oktober mit MozartsCosi fan tutte" fest­lich eröffnet.

Zu jedem kommt einmal das GM.

Vornan von Ellen Kulm

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 18 Fortsetzung Nachdruck verbalen!

Matt lag beim Abschied ihre Hand in der seinen. Daß sie es nicht gleich gewußt hatte! Wo hatte sie denn nur ihre Augen gehabt? Gewiß liebte Herr von Gerling Monika, Die tausendmal schöner war als sie selbst.

Es wäre besser, sie würde ihn nie mehr Wieder­sehen. Aber dabei krampfte sich ihr Herz so schmerz­lich zusammen. Und als Gerling seine Frage wiederholte:Nicht wahr, Sie machen morgen mit uns einen Ausflug an den Starnberger See?", da konnte sie gar nicht anders als3ar sagen.

Ader trotzdem war aller Glanz aus ihrem er­blaßten Gesichtchen gewichen.

*

Wieder einmal war Maud bei Shirley Preston zu Besuch. Sie kam jetzt selten, denn, sie hatte plötzlich den Malfimmel bekommen und hatte sich draußen in Schwabing in der Künstlerkolonie an­gesiedelt.

Gilt es der Kunst oder einem Künstler?" fragte Shirley spöttisch.

Maud lachte.

Vielleicht beiden; aber sei nicht so neugierig, Shirley, du weißt, bei mir bedeuten alle meine Schwärmereien nichts! Aber bei dir ist das anders, abgesehen davon, daß du endlich einmal wieder in geordnete Verhältnisse kommen mußt. Nun, wie steht es also damit?"

Shirley zog eine ärgerliche Grimasse.

Es geht mit dem Teufel zu, aber mir gelingt nichts. Einen Tag glaubte ich schon, daß dieser langweilige Patron, der Klinke, doch schon ein biß­chen auf den Leim geht, weißt du, wenn er so teilnahmvoll ist und mir gute Ratschläge gibt und von seiner Arbeit erzählt ach Gott, ist das lang­weilig; aber am nächsten Tage ist es wieder nichts damit. Gestern hat er sogar beim Tee wie­der ein Lehrbuch herausgezogen und hat überhaupt nicht gesprochen. Es war mir ein kleiner Trost, daß er auch diese Jnnemann ignorierte. Die hat ja doch tausendmal mehr Gelegenheit, an ihn her­anzukommen, weil ihre Mutter sie protegiert. Uevrigens bemüht sie sich gar nicht um ihn. Schön dumm von ihr! Und ob sie den Gerling meint, dar­aus werde ich auch nicht schlau. Diese Limonaden­mädchen haben ihre Schliche, auf die unsereiner gar nicht kommt."

Na, Schliche, auf die du nicht kommen solltest..." Maud paffte behaglich den Rauch der feinen tür­kischen Zigarette in die Luft.

Na, dumm ist sie auf jeden Fall. Bringt sie da aejtern irgendeine Freundin, auch so eine kleine, um bedeutende Person, die ihr angeblich so kolossal ähn­lich sehen soll, mit, hetzt noch den Gerling auf sie, und der fängt richtig Feuer und tanzt den ganzen Abend mit der kleinen Person in ihrem mehr als ärmlichen Kleidchen."

O weh, Liebling auch das noch. Der schöne Gerling fängt vor deinen Augen Feuer für eine andere. Wie erträgst du das nur?"

Shirley sprang plötzlich auf. Zorn und Erregung sprühten aus ihren Augen.

Und ich sage dir, ich ertrage es auch nicht ich bin ganz verrrückt in ihn, vorgestern abend, wie ich ihn für mich allein hatte; ich sage dir, das war fabelhaft. Da habe ich gesehen, daß ich ..."

Nun?"

Ich bin wahnsinnig vernarrt in ihn. Ich könnte ihm sogar nach Persien folgen."

Aber Liebling" Maud legte beruhigend den Arm auf die Schulter der Freundin, während ihr leicht spöttisches Lächeln nicht wich,nur nicht übertreiben! Deine Leidenschaften sind heiße, aber kurze Feuer. Das haben wir doch schon öfter ge­sehen. Und außerdem denke ich, du willst nun mal Vernunft annehmen und dich gut versorgen!"

Will ich auch! Ich weiß ja, daß es sein muß. Aber glaube mir, ich habe die ganze Nacht wach- gelegen und habe gemeint und vor Verzweiflung in mein Kopfpolster gebissen, weil ich mich um diesen langweiligen Klinke bemühen muß und diesen Ger­ling nicht erobern darf. Ja, wenn ich schon mit Klinke verheiratet wäre! Dann sollte mich aber nichts hindern."

So? Gar nichts? Ich denke, daß Herr von Gerling sich aber gestern sehr wenig um dich ge­kümmert hat."

Das ist wahr! Vorgestern abend, da gefiel ich ihm. Er ist leider nur nicht leichtsinnig, sonst ... Ach was, jedenfalls regt es mich auf, wie er mit dieser kleinen Person getanzt hat. Gott weiß, wo sie her ist. Ich habe sie gefragt, was sie so den ganzen Tag treibt, nur um auch ein paar Worte an sie zu richten, und sie ist ganz rot geworden. Da ist auch nicht alles richtig, verlaß dich darauf, ob­wohl Gerling mit ihr umging wie mit einer richti­gen Prinzessin."

Während die beiden Freundinnen dieses Gespräch führten, hatte Johnie Klinke bald darauf bei feiner Mutter angeklopft.

Gr hatte sich wenig anmerken lassen, und doch hatte auch ihn dieses plötzliche Zusammentreffen mit Evi von Tanner erschüttert. Die einzige, die es ge­merkt hatte, war Monika gewesen.

Die saß nun in ihrem Zimmer und schrieb an Lotte; sie hatte ihr den ganzen Vorfall berichtet, und nun fuhr sie fort zu schreiben:

Meine liebste, teuerste Lotte, wenn Du nur da wärest! Du mit Deiner Herzensgüte und Deiner Art, die Menschen zu verstehen, würdest schnell beurteilen, ob ich richtig gehandelt habe. Aber mir ist so schwer ums Herz. Ich habe Angst, obwohl ich es doch so gut gemeint habe. Ich habe Johnie, diesen guten, lieben, feinen Menschen, vor dieser herzlosen Frau Preston retten wollen. Aber nun weiß ich nicht, ob es recht war. Vorläufig ist ja gar nichts gefchehen, aber ich habe das Gefühl, daß in den nächsten Tagen irgend etwas gesche­hen wird geschehen muß, das unser aller Leben hier entscheidend verändert. Und ich habe eingegriffen ich, die ich mein ganzes Leben so still und bescheiden gelebt habe, um den Stein ins Rollen zu bringen. Ach, Lotte, wenn Du da wärest, Du würdest mich vielleicht aus«

lachen, würdest sagen, daß ich immer ein so ro- mantifches Mädel gewesen sei. Gebe Gott, daß Du recht hast, Lotte ...

Monika legte einen Augenblick die Feder nieder und starrte nachdenklich auf die bunte Tischdecke.

Dann nahm sie sie wieder auf:

Ich bin heute nachmittag sehr einsam. Johnie Klinke hat erklärt, daß er erst am späten Abend zurückkommt, weil er mit einem Bekannten eine schwierige Abhandlung, die er aus der Univer­sitätsbibliothek geborgt hat, durchgehen will, und Herr von Gerling ist zu Fräulein von Tanner gefahren, die gestern ihre Handschuhe in seinem Auto vergessen hat. Er fragt mich gestern aller­hand nach ihr. Sie ist ihm sicher sympathisch und muß es jedem sein. Ich habe ihm aber nicht ge­sagt, daß sie in einem Karbarett fingen muß. Er ist noch von der alten Art, verurteilt Mädchen, die auf diese Weise ihr Brot verdienen, sagt, es gibt immer noch andere Möglichkeiten. Ich möchte nicht, daß er schlecht von ihr denkt. Wie merkwürdig. Johnie ist darin viel großzügiger. Ihn hat das nicht gestört. Er urteilt nicht nach dem Schein. Ich würde mir so wünschen, daß er glücklich wird.

Aber heute nachmittag, wenn er fort ist, muß ich Frau Klinke anvertrauen, was ich getan habe. Ich habe Herzklopfen davor, aber sie ist doch so gütig, muß doch einsehen, welch wunderbarer Zu­fall mich mit Evi von Tanner zusammengeführt hat. Sie hat damals hart von dem armen Ding gesprochen. Aber ich halte es für ausgeschlossen, daß Evi von Tanner wirklich berechnend und Geldgierig ist. Bis wir wirkliche Freundinnen sein werden, dann will ich sie offen danach fragen ...

12. Kapitel.

Nun, mein Junge", sagte Frau Klinke und rich­tete sich auf dem Diwan auf. Monika hatte sie sorg­lich mit ihrer leichten Reisedecke zugedeckt, bevor sie auf ihr Zimmer gegangen war. Frau Klinke hatte ein wenig geschlafen.

Ich störe dich, liebste Mutter?"

Aber Johnie! Was für Umstände! Setz dich da neben deine alte Mama und erzähle, was du mir zu sagen hast!"

Ich muß wirklich mit dir sprechen ..." Brauchst du mir nicht erst zu sagen. Ich kenne dich dach, hätte dich schon gestern abend am liebsten gefragt. Aber ich weiß, du magst das nicht ganz wie dein guter, seliger Vater. Und ich habe mich mein Lebtag mit zwei so verschlossenen Manns­bildern herumärgern müssen."

Dabei strich Frau Klinke zärtlich über die Hand des Sohnes und blickte ihrem einzigen voll Liebe in die Augen.

Nun leg los, mein Junge! Und solltest du einmal einen Wechsel unterschrieben haben, den du nicht einlösen kannst, so würde es deine alte Mutter von Herzen freuen."

Johnie rückt mit feiner gewohnten Bewegung an seiner Brille.

Mutter, gestern hat Monika sch meine Fräu­lein von Jnnemann eine Bekannte zum Tee eingeladen. Sie hat sie mtt an unseren Tisch ge­bracht."

So? Hat sie mir gar nicht erzählt. Na, sicher

ein nettes Mädel, wenn Monika sie einladet. Die weiß, mit wem sie umgeht."

Ein sehr nettes Mädchen, Mutter. Aber leider wirst du in diesem Fall nicht unser aller Meinung sein. Es war nämlich Fräulein von Tanner."

Was Johnie?! Was sagst du da? Aber da soll doch gleich ...!"

Und trotz ihrer statttichen Fülle sprang die kleine Dame auf und warf die Decke ab.

Da muß ich mir doch gleich mal die Monika rufen!"

Bitte, Mutter, tu das nicht. Ich bitte dich im Gegenteil darum, gar nicht darüber zu sprechen."

Ja aber ich muß doch wissen, wie die Mo­nika zu ihr kommt!"

Ich war nicht dabei, wie sie kam. Und ich will auch nicht, daß du darüber redest. Monika Fräu­lein von Jnnemann hat doch keine Ahnung von der ganzen Sache. Ich möchte auch nicht, daß sie davon erfährt."

Aber Frau Klinke war noch immer nicht beruhigt.

Du sollst sehen, Johnie, das ist kein Zusall. Da steckt etwas dahinter. Wahrscheinlich hat dieses Fräu­lein von Tanner irgendwie doch erfahren, daß der arme kleine Student ein reicher Dollarerbe ist und hat einen Weg gesucht um wieder an dich heran­zukommen, hat sich natürlich Monikas unschul­diger Hilfe bedient. Aber wie kommen die beiden nur zusammen?"

,Zch finde das nicht so wichtig, Mutter. Aber es war ein merkwürdiger Augenblick. Sie sehen ein­ander wirklich wunderbar ähnlich nur ..."

Was denn, mein Junge?"

Aber Johnie wurde rot, rückte an seiner Brille und schwieg. Das konnte er nicht einmal seiner Mutter sagen, was er soeben gedacht hatte.

Und jetzt erst besann sich seine Mutter auch auf ihn. Ihr ganzes Mitgefühl mit der unglücklichen Herzensgeschichte ihres Jungen flammte auf.

Mein armer lieber Junge war es sehr schlimm für dich?"

Aber da sah sie mit Staunen, daß Johnie merk­würdig lächelte, während er den Kopf schüttelte.

Nein, Mutter! Es war nicht schlimm! Es hat mir wohl im ersten Augenblick ans Herz gegriffen, aber dann es ist mir vieles klar geworden, was mir nie so schnell klar geworden wäre, wenn ich nicht Fräulein von Tanner wiedergesehen hätte."

Nun, das freut mich, Johnie, das freut mich. Du hast also selbst eingesehen, daß eine so herzlose, berechnende, kleine Person dich nur unglücklich ge­macht hatte!"

Mutter ich bitte dich! Sage nichts gegen Fräu- letn von Tanner. Du bist voreingenommen gegen ul ""ch liebst, und weil sie mir weh getan pat. Aber glaube mir, alles was du von ihr sagst, ist nicht mehr. Ich habe es immer gefühlt, sind wenn ich es auch nicht verstehe, wie sie so sprechen lohnte ich bin überzeugt, sie ist ein guter, warm- fuhlender Mensch, und daß sie mich nicht lieben konnte, Mutter, das darf man ihr doch nicht ver­argen. Ich bin eben kein Mann, den eine Frau so selbstvergessen lieben könnte, wie zum Beispiel einen Friedrich von Gerling."

Und nun lag um seinen Mund ein tief entsagen­der Zug von schmerzlicher Bitterkeit.

(Fortsetzung folgtI)