Nr. 213 Zweiter Blatt
GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Donnerstag, 12. September 1935
Des Führers Rede aus der Kulturtagung.
Große Aufgaben im Ginne eines tausendjährigen Vermächtnisses.
Der Führer fuhr in seiner Rede auf der Kulturtagung fort:
Grundsätzlich sollen aber bei allen wirklich großen Aufgaben die Männer, die sie stellen, und die Männer, die sie erfüllen, im Auge behalten, daß der Auftrag wohl ein in der Zeit gegebener, seine Verwirklichung aber durch die höchste Erfüllung eine zeitlose sein soll. Es ist zu dem Zweck nötig, daß die wirchlich großen Aufgaben einer Zeit auch groß gestellt werden, d. h. die öffentlichen Aufträge müssen, wenn ihre Lösung Ewigkeitswert in sich tragen soll, in eine bestimmte Relation gebracht werden zu den Größenanordnungen des sonstigen Lebens. Es ist unmöglich, einem Volk einen starken inneren Halt zu geben, wenn nicht die großen Bauten der Allgemeinheit sich wesentlich über die Werke erheben, die doch mehr oder weniger den kapitalistischen Interessen einzelner ihre Entstehung und Erhaltung verdanken. Solange die charakteristischen Züge unserer heutigen Großstädte als hervorragendste Blickpunkte Warenhäuser, Basare, Hotels, Bürogebäude in Form von Wolkenkratzern usw. ausmachen, kann weder von Kunst noch von einer wirklichen Kultur die Rede sein. Hier wäre es geboten, sich bescheiden in Einfachheit zurückzuhalten.
Was unser Volk in 2000 Jahren geschichtlich an heroisch Großem vollbrachte, gehört mit zu den gewaltigsten Erlebnissen der Menschheit. Es gab Jahrhunderte, in denen in Deutschland — wie im übrigen Europa — die Werke der Kunst dieser seelischen Größe der Menschen entsprachen.
Die einsame Erhabenheit unserer Dome gibt einen unvergleichlichen Maßstab für die kulturell wahrhaft monumentale Gesinnung dieser Zeiten.
Sie zwingen uns über die Bewunderung des Werkes hinweg zur Ehrfurcht vor den Geschlechtern, die der Planung und Verwirklichung so großer Gedanken fähig waren.
seitdem ist im Wellenspiel des Schicksals unser Volk gestiegen und gefallen. Wir selbst waren Zeugen eines welttrohenden Heldentums, tiefster Verzweiflung und erschütternder Fassungslosigkeit. Durch uns und in uns hat sich die Ration wieder erhoben. Wenn wir die deutsche Kunst nun heute zu neuen großen Aufgaben berufen, dann wollen wir diese stellen nicht nur zur Erfüllung der Wünsche und Hoffnungen der Gegenwart, sondern im Sinne eines tausendjährigen Vermächtnisses. Indem wir diesem ewigen nationalen Genius huldigen, rufen wir den großen Geist der schöpferischen Kraft der Vergangen- heit her in unsere Gegenwart. An solchen höheren Aufgaben aber werden die Menschen wachsen. und wir haben kein Recht zu zweifeln, daß, wenn uns der Allmächtige den Mut gibt. Unsterbliches zu fordern, er unserem Volk die Kraft geben wird. Unsterbliches zu erfüllen. Unsere Dome sind Zeugen der Gröhe der Vergangenheit! Die Gröhe der Gegenwart wird man einst messen nach den Ewigkeitswerten. die sie hinterläht. Rur dann wird Deutschland eine neue Blüte seiner Kunst erleben und unser Volk das Bewuhtsein einer höheren Bestimmung.
Der Führer legt -en Grundstein zur Nürnberger Kongreßhalle.
Ein ewiger Zeuge nationalsozialistischen Aufbauwillens.
Nürnberg, 11. Sept. (DNB.) Der Nachmittag des zweiten Tages sah die feierliche Grund st einlegung der neuen Kongreßhalle, die im Südosten der Luitpold-Arena nach den Plänen des verstorbenen Architekten Professor Ludwig Ruff errichtet werden soll. Die neue Kongreßhalle wird über einer vorgeschichtlichen Fluhmulde errichtet. Das erfordert eine besonders sorgfältige Fundierung, die allein ein Jahr der auf acht Jahre berechneten Bauzeit in Anspruch nehmen wird. Der Bau soll als ein Kult- und Monumentalbau im höchsten Sinne noch nach Jahrhunderten Zeuge von dem Aufbauwillen des Dritten Reiches und seines Führers sein.
Wenige Minuten vor 16.30 Uhr schmettern die Fanfaren und die Ehrenkompanien präsentieren. Durch die Gasse der Standarten schreitet der Führer, begleitet von seinem Stellvertreter Rudolf Heß, Reichsminister K e r r l, Gauleiter Julius Streicher, Oberbürgermeister Liebel und anderen führenden Persönlichkeiten der Bewegung. Nach Begrüßungsworten Oberbürgermeister Lie- bels schreitet der Führer, begleitet von Reichsminister Kerrl und Oberbürgermeister Liebel, zum Grund st ein, während die Blutfahne hinter ihm hergetragen wird. In dem gewaltigen Halbrund klangen dann weithin schallend
die Worte des Mrers:
Nationalsozialisten! Nationalsozialistinnen! Parteigenossen! Bor 16 Jahren fand di e geistige Grund st einlegung einer der größten und ent- scheidensten Erscheinungen des deutschen Lebens statt. Als wir wenige Männer damals den Entschluß faßten. Deutschland aus den Fesseln seiner inneren Verderber zu lösen und von dem Joch der äußeren Knechtschaft zu befreien, war dies einer der kühnsten Entschlüsse der Weltgeschichte. Dieses Vorhaben ist nach einem nunmehr 16jährigen schweren Ringen zum entscheidenden geschichtlichen Erfolg geführt worden. Eine Welt von inneren Widersachern und Widerständen wurde überwunden und eine neue Welt ist im Begriff zu entstehen. An diesem heutigen Tage setzen wir dieser neuen Welt des deutschen Volkes den Grundstein ihres er st en großen Denkmals. Eine Halle soll sich er- heben, die bestimmt ist, die Auslese des nationalsozialistischen Reiches für Jahrhunderte alljährlich in ihren Mauern zu versammeln. Wenn aber die Bewegung jemals schweigen sollte, dann wird noch nach Jahrtausenden dieser Zeuge hier reden. Inmitten eines heiligen Haines uralter Eichen werden dann die Menschen diesen ersten Riesen unter den Bauten des Dritten Reiches in ehrfürchtigem Staunen bewundern. In dieser Ahnung setze ich den Grundstein der Kongreßhalle der Reichsparteitage zu Nürnberg im Jahre 1935, dem Jahre der von der nationalsozialistischen Bewegung erkämpften Freiheit der deutschen Nation.
Der Führer bittet sodann Reichsminister Kerrl, den Inhalt der
Urkunde,
die in den Grundstein eingemauert wird, zu verlesen. Sie hat folgenden Wortlaut:
Urkunde
über die Grundsteinlegung zur Kongreßhalle der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Rürnberg.
Diese Kongreßhalle der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei auf dem Reichsparteilagsgelände zu Rürnberg verdankt ihre Entstehung dem Wunsche und Willen des Erneuerers des Deutschen Reiches, des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, ihre Form und Gestaltung entsprechend den Anregungen des Führers dem Architekten Professor Ludwig Ruff in Rürnberg. ihre Errichtung der auf Anregung der Stadt Rürnberg geschaffenen und unter Leitung des Reichsministers Kerrl stehenden Körper- schäft des öffentlichen Rechtes Zweckverband Reichsparteitag Rürnberg". Den Grundstein zu dieser Kongreßhalle legte heute am 11. September des dritten Jahres der nationalsozialistischen Revolution und im eintaufendneunhundertfünf-
unddreißigsien christlicher Zeitrechnung der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler.
Wöge es diesen gewaltigen Bau, dessen Grundstein während des 7. Reichsparteitages der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, des Parteitages der Freiheit, gelegt wurde, dereinst beschieden sein, auf Fahrtausende hinaus dem Parteikongreß der RSDAP. eine Stätte zu bieten und damit dem deutschen Volke zu dienen.
Es lebe die Rationalfozialistifche Deutsche Arbeiterpartei!
Es lebe Deutschland!
Es lebe Adolf Hitler!
Rürnberg, 11. September 1935.
Zweckverband Reichsparteitag Rürnberg. Hans Kerrl, Reichsminister.
Dann überreicht Reichsminister Kerrl dem Führer den eigens für diese Grundsteinlegung von einem Nürnberger Goldschmied angefertigten Hammer. Während die Steinmetze die Kapsel, die die Urkunde umschließt, in das hergerichtete Gemäuer versenken und den Mörtel anrühren, werden die Fahnen und Standarten erhoben, präsentieren die Ehrenabord- nungen und intoniert die Musik das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. Batterien künden den historischen Augenblick aus ehernen Schlünden. Mit erhobener Rechten wohnen die Zeugen der Grundsteinlegung dem festlichen Akt bei. Als die Musik verklungen ist, begleitet der Führer mit weithin schallender Stimme seine drei Hammerschläge mit den Worten:
„Stehe fest und rede als ein ewiger Zeuge.
Das Reichsschwert.
Im historischen Saal des Nürnberger Rathauses übergab Oberbürgermeister Liebel dem Führer die getreue Nachbildung des deutschen Reichsschwertes als Geschenk. Es handelt sich um eine Nachschöpfung. des Kaiserschwertes, das als Zere- monialschwert bei der Kaiserkrönung diente und zu den berühmten Reichsinsignien gehört. — (Weltbild-M.)
Englands Außenminister schneidet in Genf die Revisionssrage an.
Oer Abessinienkonflikt vor der Völkerbundsversammlung.
Genf, 11. Sept. (DNB.) Unter großem Andrang von Publikum und Pressevertretern ist die Völkerbundsversammlung vormittags um 10% Uhr zu einer öffentlichen Sitzung zusammengetreten, um die allgemeine Aussprache über die Tätigkeit des Völkerbundes seit der letzten Versammlung zu eröffnen.
Oer englische Außenminister Eir Samuel Hoare, der als erster sprach, erwähnte sogleich den italienisch-abessinischen Konflikt. Der Völkerbund sei, was seine Mitglieder aus ihm machten. Kollektive Sicherheit bedeute weit mehr als das, was gemeinhin als Sanktionen bezeichnet wird. Der Begriff setzt eine gewissenhafte Achtung anderer vertraglicher Verpflichtungen voraus. Seine Grundlage sind die freiwillig übernommenen Verpflichtungen der Völkerbundsmitglieder, wonach sie jeden Streit, der zum Kriege führen kann, friedlichen Schlichtungsmethoden unterbreiten und zur Regelung von Streitigkeiten nicht in Verletzung der Satzung zum Kriege schreiten dürfen. Schließlich besteht als Vervollständigung dieses Systems die Verpflichtung, eine Kollektivaktion zu unternehmen, um einen Krieg zu beendigen, der unter Mißachtung der Satzungsoerpflichtungen unternommen worden ist. Die Voraussetzung dieser Verpflichtungen bildete die Erwartung, daß das System von der gesamten souveränen Staatenwelt oder wenigstens von dem größten Teil derselben übernommen würde.
Die Entwicklung ist nicht in diesem damals erwarteten günstigen Sinne verlaufen. Troß der Paktverpflichtungen hat der Geist des Krieges fein Haupt an verschiedenen Stellen erhoben. Aus Furcht vor dem Krieg ist den Beispielen der Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen keine Folge geleistet worden. Und jetzt nehmen aus wachsender Furcht vor dem Kriege die Rüstungen der meisten Länder und schließlich auch meines eigenen Landes zu. Ls ist bisher unmöglich gewesen, in diesem Teil des Völkerbundsprogramms Fortschritte zu erzielen. Hand in Hand mit dieser Enttäuschung geht eine natürliche Abneigung, die Möglichkeit von Veränderungen der bestehenden Verhältnisse zu prüfen. Und doch bildet die Elastizität dort, wo sie erforderlich ist, auch einen Teil der Sicherheit. Es ist ein c i r c u - lus vitiosus der Unsicherheit entstanden. Schließlich hat auch das Richtzustandekommen der erwünschten Universalität die Unsicherheit vergrößert. Es sind zu viel leere S t ü h l e an unserem Tisch. Wir wünschen nicht noch mehr.
Hoare sprach davon, daß England ständig die Erweiterung der Selbstregierung in seinen eigenen Gebieten gefördert habe. In dem gleichen Sinne glaube es, daß kleine Nationen ein Recht auf Eigenleben hätten und auf einen kollektiven Schutz zur Aufrechterhaltung ihrer nationalen Existenz. Auch rückständige Nationen seien unbeschadet ihrer Unabhängigkeit und Unversehrtheit zu der Erwartung berechtigt, daß die weiter fortgeschrittenen Völker ihnen in der Entwicklung ihrer Hilfsquellen und in dem Aufbau ihres nationalen Lebens Unterstützung gewähren.
Sir Samuel Hoare betonte dann die Bedeutung der R e v i s i o n s f r a g e für den internationalen Frieden. Es genüge nicht, mit kollektiven Mitteln darauf zu bestehen, daß kein Krieg ausbreche, oder daß ein bereits ausgebrochener Krieg zu Ende gebracht werde, es müsse auch etwas getan werden, um die Ursachen zu beseitigen, aus denen Kriege entstehen könnten. Nicht jedes Verlangen nach Veränderung verdiene Beachtung. Ein Verlangen nach Veränderung muß durch Tatsachen und durch die freie Erörterung dieser Tatsachen gerechtfertigt werden. Die Berechtigung eines Anspruches steht nicht notwendigerweise im Verhältnis zu den nationalen Leidenschaf t e n , die zu seiner Unterstützung wachgerufen werden: sie können bewußt durch das wachgerufen werden, was ich als eine der gefährlichsten Erscheinungen des modernen Lebens betrachte, durch Regierungspropaganda. Zu oft würde die gewünschte Veränderung mehr Ungerechtigkeit schaffen, als sie beseitigen würde, oder mehr Leidenschaften erregen als besänftigen.
Au oft wird die künstliche Auspeitschung des Rationalgefühls zur Entschuldigung für die Ab- schüttelung einer Verpflichtung oder für die Gewaltandrohung angeführt Und doch ist die Welt nicht statisch, und Veränderungen müssen von Zeit zu Zeit vorgenommen werden. Die Satzung selbst sieht diese Möglichkeit vor. Aber solche Veränderungen sind nur vorzunehmen, wenn sie wirklich notwendig sind und wenn die Zeit dafür reif ist. Sie müssen herbeigeführt werden durch lieberein ff immun g, nicht durch Diktat, durch Vereinbarung, nicht durch einseitiges Vorgehen, durch friedliche Mittel, nicht durch Krieg oder Kriegsdrohung.
Die Fülle an Rohstoffen habe einigen Ländern besondere Vorteile gegeben. Die Bedeutung eines solchen Vorteiles werde aber gern übertrieben. Es gebe Länder, die ohne besondere Roh- st o f f q u e 11 e n durch Industrie und Handel z u Wohl st and und Macht gelangt seien. Immerhin seien manche weniger begünstigte Staaten von einer gewissen Besorgnis erfüllt. Besonders hinsichtlich der kolonialen Rohstoffe sei es natürlich, daß ein solcher Zustand der Ungleichheit zu der Befürchtung Anlaß gegeben habe, daß ausschließliche Monopole auf Kosten der Länder geschaffen würden, die keine Kolonialreiche besäßen. Es wäre verkehrt, dieses Problem zu verkennen. Bei dem kolonialen Rohstoffproblem handele es sich nicht um die Benachteiligung irgendeines Käufers, sondern um die Unmöglichkeit eines Der - kaufes zu lohnenden Preisen. Der Nachdruck müßte auf das Problem der Neuverteilung dieser Rohstoffe unter die Industrieländer, die sie brauchten, gelegt werden.
Oer Vertreter Abessiniens, Tecle Hawariate,
erklärte, daß Abessinien seine aus dem Völkerbunds« pakt herborgehenden Verpflichtungen achten werde. Innere Aenderungen der Struktur der Völkerbundsmitglieder dürften keinen Vorwand geben, ihre Unabhängigkeit oder Oberhoheit anzugreifen. Sollte der Völkerbund gewisse Maßnahmen auf politischem, wirtschaftlichem oder finanziellem Gebiet für nötig erachten, würden diese von Abessinien als Vorschläge von Brüdervölkern betrachtet werden, die auf dem Wege der Zivilisation schon weiter voraus seien. Jede Anregung werde wohlwollend in Erörterung gezogen, wenn es sich um Vorschläge handele, die ohne irgendwelche Bevorzugung dem allgemeinen Wohl dienen würden. Das abessinische Volk sei in Gefahr, seine nationale Selbständigkeit zu verlieren. Wir haben gegenüber dieser Gefahr, obschon man uns Barbaren nennt, eine große Langmut, Duldsamkeit und Demut bewiesen. Durch Gewalt könne keine bessere Welt geschaffen werden. In jeder kriegerischen Aktion würden auch die anderen farbigen Völker das Vertrauen in die abendländische Zivilisation verlieren. Es sei leicht, einen schwachen Staat anzuschuldigen auf Grund von Bildern über angebliche barbarische Zustände. Er verlange von den versammelten Vertretern der ganzen Welt feierlich die Entsendung einer Untersuchungskommission an Ort und Stelle, die auf Grund der Tatsachen die objektive Wahrheit feststellen solle.
Geteilte Aufnahme in Paris.
Paris, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Pariser Blätter, deren Sympathie für Italien vom ersten Tage an unverkennbar war, beurteilen die Ausführungen des englischen Außenministers sehr skeptisch. Die mehr links gerichteten Organe sind dagegen begeistert, weil sie nunmehr die Möglichkeit einer engen französisch-englischen Zusammenarbeit sehen zu können glauben, von der sie sich besonders in den mitteleuropäischen Fragen Vorteile versprechen.
„Echo de Paris" ift deshalb enttäuscht, weil die Ausführungen Sir Samuel Hoares keinerlei positive Garantien für Europa enthielten. Hoare habe keinerlei Aufschluß darüber gegeben, welche Haltung England einnehmen würde, wenn beispielsweise Europa einmal von einer Umwälzung bedroht wäre. Neu sei lediglich der Hinweis Hoares auf die Wahrung der Interessen kolonialarmer Industriestaaten. Der Unterschied sei aber, daß man in den eigenen Kolonien die Rohstoffe mit Papiergeld kaufen könne, während man sie in fremden Kolonien mit Gold ankaufen müsse. Laval habe bis zuletzt versucht, seine bisherige Stellung zwischen Italien und England osizubehalten, urp seine Der« söhnungsoersuche fortzusetzen. Da aber die englischen Kräfte schließlich nützlicher sein könnten, jo werde die französische Diplomatie in die kollektive Bewegung von Genf hineingezogen. Das „Journal" befürchtet ebenfalls, daß nunmehr der englisch-französisch-italienische Block zusammen- brechen werde. Der Fünfer-Ausschuß werde jetzt nur noch einen Mißerfolg feststellen können, denn die Erklärungen Sir Samuel Hoares, in denen man jedes Wohlwollen gegenüber der italienischen Politik vermisse, ließen jede Hoffnung auf Versöhnung als unbegründet erscheinen.
Enttäuschung in Italien.
Mailand, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die norditalienische Presse äußert offen ihre Mißbilligung über die von dem englischen Außenminister Hoare in Genf gehaltene Rede. „Corriere della Sera" spricht von einem enttäuschenden Eindruck und bezeichnet Hoare als einen „u n - moralischen Moraliste n", dessen Ausführungen die diplomatische Lage um den italienischabessinischen Konflikt keinesfalls verbessert haben, Hoare hätte die Höflichkeit gehabt, das Dilemma öffentlich, wenn auch in maskierter Form, auf die französische Regierung abzuschieben. Nun habe Frankreich das Wort. Für die Turiner „Stampa" ist die Rede ein „Denkmal der Heuchelei". Das Blatt bezeichnet die Haltung Deutschlands gegenüber Italien als musterhaft. Wenn sich auch die anderen Staaten der Haltung Deutschlands anschließen würden, so könnten Europa, und die ganze Welt erleichtert aufatmen.
Aus aller Wett.
Reun „KdF." - Dampfer nehmen an den herbstmanövern der Kriegsmarine feil.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wird am 20. September auf der Höhe von Helgoland sämtliche Urlauberdampfer zusammenziehen, ferner fahren vier Bäderdampfer von Hamburg und Bremen dorthin und bringen zusammen 10 000 Arbeitsfrontkameraden zu dem Manv- verfeld der deutschen Kriegsmarine. Während der Manöver sind auf den Dampfern Verbindungsoffiziere und Signalgäste, die den Fahrtteilnehmern laufend Vorträge über die einzelnen Hebungen halten. Wie erinnerlich, hat die Marineleitung schon bei dem Start des ersten „Kraft durch Freude"- Dampfers 1934 den Kreuzer „Leipzig" zu einem Zusammentreffen auf der Nordsee entsandt; bei der Taufe des „KdF."-Dampfers „Der Deutsche" war ebenfalls die Kriegsmarine mit dem Kanonenboot „Fuchs vertreten, und die Kameraden, die an der großen Madeirafahrt teilnahmen, entsinnen sich noch sehr gut der Begegnung mit dem Panzerschiff „Deutschland", die eins der stärksten Erlebnisse dieser Reise war. Das Verständnis für die Zusammengehörigkeit von Arbeitern und Soldaten wird jetzt durch den „KdF."-Massenbesuch der Herbstmanöver erneut unter Beweis gestellt.
Den Vater im Streit erstochen.
In Dortmund-Lanstrop wurde der 64jährige In« valide Wilhelm Tappe von seinem 25 Jahre alten Sohn Edwin nach voraufgegangenem Streit er« stochen. Der Täter wurde von der Polizei fest« genommen


