Hr.215 Erster Blatt
Domer§tag,12.
185. Jahrgang
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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September 1935
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Deutschlands Antwort an Moskau.
$u jeder Stunde und zu jeder Aktion für den Kampf gegen den Kommunismus gewappnet.
Die Eröffnung des Parteikongreffes.
Nürnberg, 11. Sept. (DNB.) Ein roolken» loser Himmel lag über Nürnberg, die bunte Pracht der Straßen und Gassen vergoldend. Der Weg zur eigentlichen Kongreßstadt am Dutzendteich, d i e Straße des Führers, ist auch in diesem Lahre der künstlerische Höhepunkt der Ausschrnük- rung. Die ganzen Straßen sind diesmal von den Wappenfahnen der deutschen Städte eingesäumt. Auf dieser Straße verschwinden die Häuser buchstäblich unter dem reichen Grün der Girlanden und dem vielfachen Bunt der Tücher. Der Verkehr in der Innenstadt ist schon in den
Scherl-Bildmatemdienst frühesten Morgenstunden beängstigend. Nur lang-
lam können sich die Straßenbahnen vorwärts be- TDegen. Die Zahl der ausländischen Gäste scheint sich vervielfacht zu haben. Man hört nicht -nur alle deutschen Mundarten, sondern auch alle Sprachen der Nationen, die Vertreter und Gäste zum Parteitag der Freiheit entsandt haben.
Die Kongreßhalle, die sich in neuer Gestaltung darknetet, ruft die Bewunderung der vielen Tausende hervor, die an den zahlreichen Pforten Des Einlasses harren. Das Hauptportal aus grauem Sandstein ist in ganz schlichten Linien gehalten. Es ckrägt über dem Eingang die Standarte des Führers, zu beiden Seiten weht die Freiheitsfahne, die wom Dachfirst bis zum Boden reicht und deren Knauf mit langen goldenen Bändern geziert ist.
Auf dem etwa ein Fünftel des Saales füllenden Podium hat hinter dem Reichssinfonieorchester Der Spielmannszug der Standarte 14 Aufstellung genommen. Die für das Führerkorps reservierten Plätze beginnen sich langsam zu füllen. In den «ersten Reihen der Kongreßteilnehmer sind das Diplomatische Korps, die nicht der Partei angehörigen Reichsminister, die Generalität und Admiralität der Wehrmacht, die Angehörigen der für die Bewegung gefallenen Freiheitskämpfer und die Ehrengäste der Partei untergebracht.
Wenige Winulen nach 11 Uhr schmettern Fanfaren, rührt der Lpielmannszug die Trommeln, erschallen auch schon draußen von der Straße her die Heil-Rufe herein. Die ganze Halle erhebt sich von den Plätzen und reckt die Arme zum deutschen Gruß. Langsam schreitet der Führer, begleitet von seinem Stellvertreter Rudolf Heß, dem Stabschef Luhe, dem Frankensührer Gauleiter Julius Streicher, allen Reichs- und Gauleitern, allen Gruppen- und Obergruppenführern der SS. und S2L, den Gebiets- und Obergebietsführern der HI. und allen Hauptamtsführern der Reichsleitung, unter den klängen des Badenweiler Marsches durch den Mittelgang, empfangen von einem Jubel, der selbst das Schmettern der Fanfaren und Posaunen und das Dröhnen der Trommeln und Pauken übertönt. Minutenlang bringen ihm, als der Führer seinen Platz auf der Empore erreicht hat, seine Getreuen immer neue Huldigungen.
Der Nibelungen-Marsch begleitet den Einzug der Blutfahne vom 9. November 1923, die von Sturmbannführer Grimminger getragen, dem Wald der Standarten der SS. und SA. unter Führung der Standarte Adolf Hitler in die Halle worangetragen wird. Während die Blutfahne in- imitten des Führerkorps ihren Ehrenplatz findet, lteilt sich der Zug der SS.- und SA.-Standarten ivor dem Podium, marschiert zu beiden Seiten des Führerkorps vorbei zu der vielstufigen Empore, mm sich dort über die ganze Breite der Halls zu gruppieren.
Die Festmusik des saarländischen Komponisten Albert Lung bildet den musikalischen Auftakt. Die feierlichen Klänge schaffen eine weihevolle Stimmung, die sich steigert, als das Reichssinfonieorchester unter Pg. Franz A d a m s' meisterhafter Leitung das Niederländische Dankgebet anstimmt, das, begleitet von der neugebauten Orgel, mit gewaltigen Akkorden durch den Raum flutet. Unter Fan- fahrenstößen betritt
der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß
das Rednerpult. Mit klarer Stimme verkündet er: „Ich eröffne den Kongreß des 7. Reichs- varteitages der NSDAP., des Parteitages der Freiheit. Wir gedenken der Toten, die starben im Kamps um die Freiheit." Rudolf Heß tritt zurück; der Chef des Stabes, begleitet von der Blutfahne, verliest bei gedämpftem Trommelklong und gesenkter Fahne, während sich alles von den Plätzen erhoben hat, die Namen derer, die für die deutsche Wiedergeburt ihr Leben ließen.
Rudolf Heß setzt dann seine Begrüßungsansprache fort. Die Partei Deutschlands begrüßt die anwesenden Hinterbliebenen unserer Toten. Sie begrüßt die Gäste des In- und Auslandes, insbesondere die hohen Vertreter fremder Mächte, die der Partei die Ehre erweisen, an ihrem Parteitag teilzunehmen. Sie begrüßt die Mitglieder der Reichsregierung und die zahlreichen sonst anwesenden Vertreter des nationalsozialistischen Staates. Mit besonderer Freude begrüßt die Partei die Vertreter der Wehrmacht, die zum ersten Male als Vertreter des deutschen Volksheeres erschienen sind. Zwischen den vergangenen und diesem Parteitag liegt der 16. März
sind die neuen 3t
Während die Welt das nationalsozialistische Deutschland ungerechtfertigt expansiver Absichten verdächtigt, schürt das bolschewistischeRuß- land — in konsequenter Verfolgung seiner Haltung seit Bestehen — die kommunistische Revolution in anderen Ländern mit dem Ziel der Weltrevolution. Der Komintern-Kongreß war in seiner Sprache unmißverständlich, und überall, wo Völker Schwächen zeigen, sprechen die Taten des Bolschewiswus innerhalb dieser Völker ebenso unmißverständlich; denn überall in der Welt, wo Bürgerkrieg aufflackert, hat Moskau seine Hand im Spiel.
Deutschland zog die Konsequenzen. Deutschland ist gewappnet und setzt die Verstärkung seiner geistigen und materiellen Waffen zur Abwehr der auf dem Komintern-Kongreß angekündigten neuen Angriffswelle des Bolschewismus fort.
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1935 — liegt der Tag, an dem Sie, mein Führer, mit der Proklamation der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht den Wiederbeginn der deutschen Freiheit verkündeten. Unter Ihrer Führung ging Deutschland über einen ihm abgeprehten und von der Gegenseite gebrochenen Vertrag hinweg und nahm sich aus eigener Kraft das Recht — das primitivste Recht jedes freien Volkes — sich die Armee, sich die Waffen zu schaffen, die notwendig sind, Freiheit und Unabhängigkeit zu sichern. Deutschland hat seine Ehre zurückerobert. Gleichberechtigt und gleichgeachtet steht das deutsche Volk wieder neben den übrigen freien Völkern der Welt.
Die NSDAP, bereilele den Boden, auf dem die neue Wehrmacht nach dem Befehl des Führers aufgebaut werden konnte. Die NSDAP, sichert auch künftig die Grundlagen für den Bestand der Wehrmacht, sie sichert die geistige und körperliche Gesundheit des Volkes, den Willen zur Wehrhaftigkeit. So wenig es Aufgabe der Armee ist, fremde Gebiete mit Waffengewalt zu erobern, so wenig ist es Aufgabe der Partei, fremde Länder geistig zu erobern. Es gibt keine Internationale des Nationalsozialismus! Wögen auch die übrigen Völker ihre Armeen und ihre Ideen in gleicher Weife im Zaume halten — dann ist ein wesentlicher Beitrag geleistet zur Befriedung der gequälten Welt und damit der Erhaltung des Ansehens der Kulturnationen, denn ein neuer Krieg zwischen den Kulturnattonen müßte ihr Ansehen samt ihrer Kultur — ja vielleicht die Völker selbst — vernichten.
ieale Der Ration.
Deshalb ist Deutschland auch entschlossen, die Angehörigen der Rasse, welche in unserem Lande offener oder geheimer Träger und Verbreiter des Bolschewismus war, nicht wieder zu Einfluß kommen zu lassen. In den Jahren nach der Revolte von 1918, da der Jude auf allen Gebieten in Deutschland Einfluß — vielfach entscheidenden Einfluß — erhielt, verbreitete sich auch der Bolschewismus in immer steigendem Maße in Deutschland.
Mit dem Niederbrechen des jüdischen Einflusses nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus brach auch der Bolschewismus in Deutschland zusammen. Nach dem Ausschal^n jüdischer und durch Juden beeinflußter Führer der Arbeiterschaft, nach dem Ausschalten des jüdischen Einflusses auf die Presse des Arbeiters fand der
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Arbeiter in der Gesamtheit wieder zu seinem deut« schen Volke zurück.
Deutschland ist frei und souverän durch den Kampf eines Frontkämpfers des großen Krieges. Deutschland wurde frei durch Ideen, die geboren wurden in den Schützengräben dieses Krieges. Deutschland wurde frei, weil Sie, mein Führer, die Ideale der Front: Kameradschaftliches Einstehen für einander, Einordnen um der höheren Gemeinschaft willen, Klassenüberwindung, Opferbereitschaft zu Idealen der gesamten Nation gemacht haben. Deutschland ist frei, weil Unter diesen Idealen hunderttausende Deutscher im braunen Hemd unter Ihrer Führung in schwerem erbittertem Kampf mit Einsatz des Lebens die Voraussetzungen zur Erreichung der Freiheit schufen. Deutschland ist frei, weil Sie der Führer sind!
Adolf Hitler Sieg-Heil!
Das Sieg-Heil auf den Führer, mit dem Rudolf Heß schließt, löst einen unbeschreiblichen Jubel aus, der sich wiederholt, als der Führer seinem Stellvertreter dankend die Hand drückt. Dann heißt der Frankenführer Julius Streicher, der Führer des gastgebenden Gaues, die Teilnehmer des Kongresses und des Parteitages aus allen deutschen Gauen und aus dem Auslande willkommen. Auch ihm dankt der Führer mit einem Händedruck. Rudolf Heß gibt bann das Wort dem Leiter des Traditionsgaues München, Adolf Wagner, zur Verlesung der Proklamation des Führers.
Die Kundgebung des Führers.
In der Proklamation des Führers heißt es u. a.8 Parteigenossen! Parteigenossinnen!
Nationalsozialisten!
Zum siebenten Male feiert die nationalsozialistische Bewegung ihren Reichsparteitag, im 16. Jahr der Gründung der Bewegung, im 12. nach der Abhaltung ihres ersten Parteitages und ihrer ersten revolutionären Erhebung, im 11. Jahr nach ihrer Wiederbegründung und im 3. nach ihrem Sieg. Wir Nationalsozialisten können an diesem dritten Parteitag seit unserer Machtübernahme mit Stolz auf alle die Leistungen Hinweisen, die im Gesamten und in den tausendfach gegliederten einzelnen Gebieten — rein materiell gesehen — vollbracht worden sind. Wenn wir das Volk als großen Organismus sehen und begreifen, daß jede Leistung, ganz gleich, an welchem Ort und in welcher besonderen Form sie sich vollzieht, am Ende doch dem gesamten Körper zugute kommt, dann kann man ungefähr ermessen, wie groß der Umfang dessen ist, was allein durch die Herab- drückung unserer Arbeitslosigkeit von über 6 auf 1,75 Millionen an Werten unserem Volke geschenkt wurde. (Beifall.) Wir haben der Natiop einen Nutzen erschlossen, der von dem einzelnen kaum genau begriffen wird. Die rund 5 Millionen Menschen, die wir seit unserer Machtübernahme in den nationalen Arbeitsprozeß eingliederten, bedeuten, daß wir an jedem Arbeitstag durchschnittlich 30 bis 40 Millionen Arbeitsstunden dem deutschen Volks mehr gegeben und damit für es gerettet haben. (Bravo.) Und wenn auch ein löjätjriger Verfall erfahrungsgemäß nicht in drei Jahren überwunden werden kann, so wird aber durch eine Fortführung dieser auf so vielen Gebieten zusätzlichen Leistuya im Laufe der Zeit zwangsläufig nicht nur das Lebensniveau und der Kulturstandard des ganzen deutschen Vhlkes, sondern damit auch des einzelnen deutschen Menschen sicht- und fühlbar verbes- s e r t. Allein, so groß diese Leistung ist, so tritt sie doch zurück gegenüber der Arbeit, die wir, ge-' treu unserem Programm, auf uns genommen haben in der Wiederherstellung der Ehre und der Freiheit der Nation. (Beifall.)
Meine Parteigenossen! Sie alle werden meine Gedanken verstehen, wenn ich Sie bitte, in dieser feierlichen Stunde den Blick von dieser Halle über das deutsche Volk hinweg in die große Welt zu lenken. Unruhe und Unsicherheit sind die wesentlichsten Eindrücke einer solchen Betrachtung. Das Recht ist schwach und der Schein regiert die Welt. Wehe dem aber, der selbst schwach ist! Sein Reichtum liefert dem Starken am Ende sogar noch die moralische Begründung für das Recht, ihn zu unterwerfen. Indem man Sklaven befreit, werden Sklaven gemacht (Beifall), indem man Klassen vernichtet, Klassen geboren. Die marxistischen Theo, retifer der Lehre vom „Nie-wieder-Krieg" konstruieren das größte Instrument für den Krieg, die Apostel der Völkerversöhnung erfüllen die Welt mit dem unduldsamsten Haß und der infamsten Völker» Verhetzung, die Allianzen des Friedens studieren die Möglichkeiten und Methoden des kommenden Krieges, kurz, es mag dem unwohl zumute sein, der gezwungen ist, als wehrloser Mann durch einen solchen Drachengarten zu wandeln. (Bravo! Beifall!) Unser Volk hat 15 Jahre lang dies- Empfindungen durchgekoftet, auf Gnade und Verderb jedem ausgeliefert zu (ein, der guten obet schlechten Willens ist. Wo sind die 14 Punkte Wil, sons und wo ist die heutige Welt?


