Nr.M Erster Blatt
185. Zahrgang
Montag,! 2. August 1935
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Glauben wir an unser Werk, dann werden wir auch den Gegen der Vorsehung haben! Oer Führer spricht auf dem Fest der zweitältesten Ortsgruppe der RGOAP. in Rosenheim.
Rosenheim, 11. Aug. (DNB.) Die oberbayerische Stadt Rosenheim hatte am Sonntag a n - läßlich des 15jährigen Bestehens der Ortsgruppe Rosenheim der NSDAP., der Zweitältesten Ortsgruppe der Partei im Reich überhaupt, einen großen Tag. Bei herrlichem Sommerwetter prangte die schöne Stadt in einem ein-, drucksvollen Flaggenschmuck. Schon am frühen Morgen herrschte in den Straßen festliches Treiben. Nachdem am Bormittag eine Tagung der politischen Leiter vorangegangen war, brachte der Mittag eine Propagandafahrt durch die von den großen Menschenmassen eingesäumten Straßen. Um 15.30 Uhr versammelten sich die politischen Leiter in dem prächtig geschmückten Rosenheimer Hofbräusaal. Mit rauschendem Jubel wurde der Führer sowie der Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern begrüßt. Der Führer begrüßte mit Handschlag persönlich jeden einzelnen der alten Rosenheimer Kämpfer. Als der Führer auf der Tribüne sichtbar wurde, ging eine Welle des Jubels über den Max-Josephs-Platz hinweg. Sofort ergriff der Führer zu einer längeren Rede das Wort, in der er immer wieder von der stürmischen Zustimmung der Massen unterbrochen wurde.
Der Führer
rief die Erinerung wach an die Zeit, da er vor 15Jahren zumerstenMalein dieser Stadt sprach. 15 Jahre, die heute deutsche Geschichte geworden sind in höchstem und deutschesten Sinne des Wortes, erfüllt von einem Kampf, wie er wundersamer um das Herz und die Seele des deutschen Volkes noch nie geführt worden ist. Das Schicksal dieser Ortsgruppe müsse für uns alle eine Lehre sein. Nichts habe das Schicksal der Alten Garde auch in dieser Stadt damals geschenkt. Eine kleine Schar gegen die Uebermacht der Zweifler und Spötter! „Damals stand einer gegen Zehn, und wir sind in diesem Kampf nicht müde geworden,, bis der Erfolg errungen war." Heute stehen neun des gesamten deutschen Volkes gegen einen der der kleinen Zweifler. Wenn wir damals nicht kapituliert haben, dann werden wir es heute sicherlich nicht tun.
„3m Kampf haben wir einst das Deutsche Reich erobert, und im Kampf werden wir es erhalten und bewahren. Die gegen uns stehen, sollen sich in uns nicht täuschen! Den Kampf haben wir noch nie gescheut, früher nicht und heute nicht. Wenn sie ihn wollen, dann können sie ihn haben! Wir werden sie niederschmettern, daß ihnen für die nächsten 14 Jahre Gedanken
an eine Fortsetzung dieses Kampfes vergehen werden!"
In plastischer Weise stellte der Führer aegen- über, was unsere Gegner in 15 Jahren verwirtschaftet haben, dem, was der Nationalsozialismus in 2V2 Jahren seiner Herrschaft im deutschen Volke auf geb aut hat, und diesen Aufbau schütze nicht mehr eine feige bürgerliche Welt, sondern ein fanatisches, mannbares, junges deutsches Volk. Unter stürmischer Zustimmung rief der Führer aus: „Das darf ich denen, die glauben, daß f i e allein den Segen des Himmels gepachtet haben, wohl sagen: Vor 15 Jahren hatte ich nichts als meinen Glauben und Wil- l e n. Heute ist die Bewegung die Bewegung Deutschlands: heute hat diese Bewegung die deutsche Nation erobert und gestaltet das Reich. Wäre das möglich gewesen ohne den Segen des Allmächtigen? Oder wollen etwa die, die damals Deutschland ruinierten, behaupten, daß s i e den Segen Gottes gehabt hätten? Was wir sind, sind wir nicht gegen, sondern mit dem Willen der Vorsehung geworden. Und solange wir treu, ehrlich und kampfmutig sind, an unser großes Werk glaubend und nicht kapitulierend, werden wir auch weiterhin den Segen der Vorsehung haben. Dafür aber, daß diese Tugenden gewahrt bleiben, ist mit der Alten Garde die Junge Garde Gewähr!" Wenn diejenigen, die Deutschland in 15 Jahren ruiniert haben, heute im Hinblick auf die nationalsozialistischen Aufbauleistungen glaubten, wieder Morgenluft zu wittern, dann antworte er ihnen: „Das könnte ihnen so passen, jetzt, wo es wieder etwas zu verwirtschaften gibt!"
Der Führer rief die schweren Prüfungen der Bewegung in den letzten fünfzehn Jahren wieder ins Gedächtnis zurück: „Und wenn uns auch in Zukunft das Schicksal wieder prüfen will, so sollen uns solche Hammerschläge der Vorsehung nur erst recht hart und fe st machen!'
„Und auch das haben uns die Jahre feit 1918 gelehrt: Wehe dem Volk, das *nid)t bereit ist, feine Freiheit und feine Unabhängigkeit in feinen eigenen Schuh und Schirm zu nehmen! Niemand wird bezweifeln wollen, daß Deutschland feit 21/2 Jahren eine andere Stellung in der Welt einnimmt als vorher. Es gibt kein foziales Glück in einem Staat, dessen Volksgenossen untertan find einem fremden Willen! Ich bin der-Ueberzeugung, daß niemand in der Welt unser Reich mehr angreifen kann.
Wir wollen den Frieden, wollen aufbauen, überall gibt es bei uns Arbeit, Arbeit und wieder Arbeit. So wie wir den Frieden wünschen, so sollten auch die anderen Völker den Frieden wollen. Wer diesen, unseren Frieden stören will, der stößt aber nicht mehr auf ein Volk von Pazifisten, sondern auf ein Volk von 2Hännern! Schon die Tatsache, daß dem so ist, wird mehr zum Frieden beitragen, als alles Reden."
Der Führer umriß bann in großen Zügen den Weg des Nationalsozialismus in die Zukunft. Das Ziel fei, bas einheitliche Bilb unseres Volkes immer mehr zu vertiefen b i s z u r völligen inneren Geschlossenheit. „Wenn wir ben heiligen Willen besitzen, unser Volk für biese Einheit zu erziehen, bann wirb nach Jahrzehnten unentwegter Arbeit ber Nationalsozialismus als Weltanschauung bas große allgemeinverbinbenbe Erlebnis in unserem Volke sein. Dann wirb ein Volk bestehen, bas zutiefst innerst erfüllt ist von seiner gemeinsamen Aufgabe unb Senbung. Daran glaube ich so unerschütterlich, für bie Zukunft wie vor fünfzehn Jahren an bie heutige Zeit! Damals habe ich biese Fahne geschaffen unb gesagt, baß sie einmal über ganz Deutschland) flattern wirb. Fünfzehn Jahre finb vorbei unb über Deutschlanb wehen heute unsere Fahnen! Unb heute prophezeie ich weiter: In 500 Jahren wirb biese Fahne bas Herzblatt ber deutschen Nation geworben sein!"
Der Führer schloß: „Sie in Rosenheim finb bie zweite große Ortsgruppe ber Partei, ber zweite Stützpunkt einer Jbee, bie bas beutsche Volk immer tragen unb halten wirb. Stehen Sie immer zu Ihrer Fahne, nicht nur in guten Tagen, sonbern erst recht In schlechten. Halten Sie bie Fahne be- sonbers fest, wenn ber Sturm peitscht unb Wolken am Firmament brohen. Den Blick nach vorn gerichtet nehmen Sie bie" Fahne in bie Hanb. So wie Sie 15 Jahre mit biefer Fahne marschierten, marschieren Sie weiter hinein in bie beutsche Zukunft!"
Tiefbewegt unb im Innersten ergriffen von ben Worten bes Führers stimmten bie Massen bas Deutschlanb- unb bas Horst-Wessel-Lieb an. An- schließenb begab sich ber Führer in bas Flötzinger Löchl unb unterhielt sich angeregt mit ben alten Parteigenossen ber Ortsgruppe Rosenheim. Bei ber Abfahrt würben bem Führer roieber stürmische Ovationen zuteil. Den Abschluß bes Tages bilbete ein Vorbeimarsch ber Formationen. Damit hatte ber für bie Ortsgruppe Rosenheim unb ben Trabi- tionsgau benfroürbige Tag fein Enbe erreicht.
Bemühungen um den Oonaupaki.
Ein französisch-italienischer Entwurf.-Einschaltung des Bölkerbunds.-Wünsche Ungarns.
-t. Berlin 11. Aug. (Gig. Bericht.) Etwas über- raschenb im gegenwärtigen Zeitpunkt ist in Rom ein Textentwurf zum Donaupatt ber Oeffent- lichkeit zugängig gemacht worben. Da bies nicht in einer offiziellen, sonbern mehr privaten Form geschehen ist, so erscheint vorläufig jebe Stellungnahme verfrüht. Man kann nur an Hanb bes Entwurfes, wenn man ihn als authentisch annehmen will, bie bisherige Entwicklung ber Paktbestrebungen barstellen. Zunächst ist gegenüber bem, was bisher an Vorschlägen bekannt würbe, eine interessante neue Formulierung festzustellen, aus ber ungarische Blätter, bie ja nach biefer Richtung besonbers interessiert finb, schließen wollen, baß Frankreich feberführ^nb war. Bisher hieß es immer, baß im Falle einer Verletzung bes Prinzips bes Nichtangriffs ober ber Nichteinmischung bie vertrag- schließenben Mächte zu gemeinsamer Beratung über bie zu treffenben Entscheibungen unb Maßnahmen zusammentreten sollten. Jetzt wirb für biefen Fall feftgefteüt, baß jebe am Donaupakt beteiligte Macht bas Recht haben soll, sich an ben Völkerbunbsrat zu roenben.
Im übrigen stellt sich bas Bilb des neuen Paktentwurfes in feinen sechs Punkten so bar: Die Teilnehmer sollen sich verpflichten, einander nicht anzugreifen. Sie sollen auch a u f ihrem eigenen Gebiet keine aktiven Bestrebungen gegen „bie Unabhängigkeit, bas soziale unb politische R e - gime ber anbern Mächte" b u l b e n unb einen Staat nicht unterstützen, ber biese Verpflichtung verletzt. Es wirb bann, wie erwähnt, bas Recht zur Anrufung bes Völkerbunbsrats festgesetzt. Die beiben letzten Punkte werben in Rom mit Rücksichten auf bie ungarischen Wünsche begrünbet. Wenn bie aus bem Völkerbunbspakt hergeleiteten Rechte aufrechterhalten blieben, so könne Ungarn auch fernerhin seine Revisionsansprüche mit bem Artikel 19 biefes Paktes begrünben. Der Schlußartikel ist etwas unbestimmt gehalten. Nach den Forderungen, die Ungarn auf der Maikonferenz in Venedig erhoben hatte, sollten die Teilnehmer am Donaupakt keine zweiseitigen B e i ft a n b s o e r t r ä g e für ben Fall seiner Verletzung abschließen bürfen. Diese Forderung war
damals so begründet worden, daß die Zulassung solcher Verträge eine Mitgliedschaft zweierlei Rechtes schaffen würde.
In Nom scheint man die weitere Entwicklung optimistisch zu beurteilen. Es heißt, daß die Kleine Entente ihre Zustimmung bereits erteilt hätte. Bei den nunmehr eingeleiteten Verhandlungen mit Oe st erreich und Ungarn scheinen, nach Budapester Pressestimmen, die Hauptschwierigkeiten nach wie vor bei Ungarn zu liegen. Als grundlegende Forderung, die Ungarn in Venedig für seinen Beitritt gestellt hat, mutz das Verlangen nach volkommener Aufhebung der bisherigen Rüstungsbeschränkungen angesehen werden. Ungarn forderte damals die Berechtigung, die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen. Die Bewilligung einer bloßen Heraufsetzung des bisherigen Efektivstandes, aber ohne Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, wurde als ungenügend bezeichnet. Dieser Anspruch hat in den sechs Punkten des neuen Paktentwurfes noch keine Berücksichtigung gefunden. Wenn nun auch in Budapest anerkannt wird, daß eine wesentliche Annäherung an die in Venedig mitgeteilten Voraussetzungen erfolgt sei, so wird doch gleichzeitig energisch betont, daß d i e Bedingung der vollkommenen Gleichberechtigung unter gar fei ne n Umstän- ben preisgegeben werben könne.
Italien hat schon bei ber Behanblung ber Pläne Tarbieus zur Sanierung ber Donaulänber seine Verpflichtung zur befonberen Berücksichtigung Oesterreichs unb Ungarns in ben Vorbergrunb gestellt, unb es ist bis heute nicht wesentlich von biefer Linie abgewichen. Darum ist bie Nachricht auch nicht unwahrscheinlich, baß Mussolini trotz seiner starken Inanspruchnahme burch ben Abessinienkonflikt sich persönlich in einer Besprechung mit bem jugoslawischen Gesanbten für ein Entgegenkommen Belgrabs gegenüber ben ungarischen Wünschen eingesetzt haben soll. Solange noch keine Klarheit besteht, ob eine Übereinstimmung zwischen der Kleinen Entente und den Mächten des Römer Dreierpaktes erzielt werden kann, haben wir keine Ursache zur Stellungnahme. Wir können die Dinge an uns herankommen lassen.
Vorbereitung der Donaulonserenz.
Fortschritte, aber noch kein fester Plan.
Paris, 10. Aug. (DNB.) Der „Temp s" will bestätigen können, daß noch kein Entwurf den interessierten Mächten überreicht worden sei, daß man aber auch nicht an einem französisch-italienischen Plan arbeite, der den übrigen Mächten gewissermaßen zur Annahme ober Ablehnung unterbreitet werben würbe. Frankreich unb Italien arbeiteten zwar eng zusammen, aber nur zur biplomatischen Vorbereitung ber seinerzeit in Aussicht genommenen Konferenz, von berem balbigen Zusammentritt jeboch noch keine Rebe sein könne. Das Blatt will gewisse Fortschritte feststellen. Es spricht von einer fühlbaren Annäherung zwischen Rom unb ber Kleinen Entente, ber nicht mehr so intransigenten Haltung U n - garns und einer gewissen Bereitschaft Polens zur Teilnahme am Mitteleuropapakt, soweit feine Verpflichtungen vorgesehen werden würden, bie bem beutsch-polnischen Abkommen zu- wiberliefen.
Am einfachsten wäre nach Ansicht bes „Temps" bie Formel bes gegenseitigen Beist a n b e s im Falle eines nichtprovozierten Angriffs, aber wegen ber Abneigung U n - garns, Deutfchlanbs und Polens gegen solche Verpflichtungen müsse von der Verankerung dieses Grundsatzes in einem allgemeinen Abkommen abgesehen werden. Das bedeute aber nicht, daß die Paktteilnehmer nicht nebenbei unter sich zweiseitige ober regionale Beistands- a b f o m m e n in bestimmten Fällen abschließen könnten. — Der sogenannte mitteleuropäische Pakt jedenfalls müsse sich auf folgenden drei Grundsätzen aufbauen: Nichtangriff, Nichteinmischung und Nicht- Hilfeleistung für einen Angreiferstaat. Die Schwierigkeiten, bie von Ungarn unb auch aus ber Opposition ber Kleinen Entente gegen bie Wiebereinsetzung ber Habsburger kommen könnten, dürften nicht übersehen werden.
Verbote» in Oesterreich...
e n .
gierenden auf einen einzigartigen Gedanken: sie erfanden den „österreichischen Mens'
Diese Abart des homo sapiens, von deren Dasein bis dahin nichts bekannt war, sollte nachträglich ben Beweis für bie innere Notwenbigkeit ber neuen Staatsverfafssfug liefern. Alle möglichen Anstrengungen würben unternommen, um bie Propaganba für ben österreichischen Menschen zu begrünben. Bei ber Suche nach seinen geschichtlichen Dorbilbern mußten vor allem bie trabitionellen Einrichtungen unb bie führenben Männer ber alten Monarchie bazu herhalten, bie Daseinsberechtigung bes gegenwärtigen Systems zu erhärten.. Mit bem Schlagwort „Traditionspflege" wurden besonders bie Offiziere unb Heer ührer ber alten kaiserlichen Ar-
Es ist bie Tragik bes beutschen Volkes in Oesterreich, baß es heute in einem Staate zu leben gezwungen ist, ber von feiner lebenbigen, arteigenen Jbee getragen wirb, sonbern bessen Verfassung nach fremben Vorbilbern mühselig unb gewaltsam fon- ftruiert würbe. Die verschiebenartigsten Stilelemente finb zusammengetragen worben, um biefem seelenlosen Gebilbe ben Anstrich eines mobernen Staatswesens zu geben. Klerikale, stänbische, monarchistische unb faschistische Vorstellungen im roilben Durchein- anber beherrschen bas politische Leben, unb aus biefen Kreuzungen entstaub ber Bastarb „Christ» lief) er S t ä n b e st a n b", ber größte Anachronismus bes 20. Jahrhunberts. Niemanb liebte ihn, niemonb verstanb ihn — ben Staat ohne Volk.
Um biefem Uebelftanb abzuhelfen, kamen bie Re-
mee für bie Popu arifierung bes Regimes in Anspruch genommen. Bei offiziellen Kunbgebungen unb Aufmärschen wimmelte es geradezu von f.« und k.-Uniformen.
Der hervorragendste Feldherr, den die neuere österreichische Geschichte aufzuweisen hat, und eine Persönlichkeit von großem Format war Conrad von Hötzendorf, Generalstabschef des österreichischen Heeres vor und im Weltkriege. Seine Unbestechlichkeit, seine Treue, sein eiserner Fleiß, sein Mut, seine strategische Kunst, fein politischer Weitblick erhoben ihn weit über den Durchschnitt der übrigen Militärs seines Landes. Der außerordentliche Wert der Dienste, die dieser Mann seinem Kaiser und Vaterland während des Großen Krieges geleistet hat, wird von niemanden bestritten. Man sollte daher annehmen, daß die jetzige Regierung alles Menschenmögliche tun würde, um die ungetrübte Erinnerung an das Leben und Werk Conrad von Hötzendorfs im Volke wach zu halten.
Gerade zur rechten Zeit erschien nun im Verlage von Grethlein & Co. (Leipzig) ein Buch „M e i n Leben mit Conrad von Hötzendorf" (148), in dem die Gattin des verstorbenen Heerführers es unternimmt, bas geistige Vermächtnis ihres Mannes ber Nachwelt zu übermitteln. Mußte nicht bie Wiener Regierung gerabe biefes Buch mit befonberer Freube begrüßen unb feine Verbreitung in Oesterreich begünstigen? Denn wenn jemanb ein Oesterreicher von echtem Schrot unb Korn gewesen ist, bann war es Conrab von Hötzendorf. Aber welche Enttäuschung! Das Buch wurde nicht nur nicht gefördert, sondern von der Bundesregierung rundweg verboten. So wurde eine Verlagserscheinung, die sonst im Deutschen Reiche vielleicht nur ein begrenztes Interesse geweckt hätte, zur politischen Sensation.
Wer das Buch liest, der muß lange suchen, ehe er die Gründe für das Verbot entdeckt zu haben glaubt. Die Schilderung der persönlichen Beziehungen zwischen Conrad von Hötzendorf und seiner späteren Frau nimmt, vor allem in den ersten Kapiteln, den größten Raum in Anspruch, und auch die folgenden Aufzeichnungen der beruflichen Entwicklung des Feldherrn und des gegen ihn einfetzenden Intrigenspiels würden noch nicht ausreichen, um das Verbot zu rechtfertigen, wenn auch hier und da schon Urteile ausgesprochen werden, die dem jetzigen Wiener Regime vielleicht nicht genehm sind. Erst ganz zum Schluß stößt man auf eine Betrachtung Conrads, die das Geheimnis des Verbotes mit einem Schlage enthüllt. Es heißt dort u. a.: „Jedes Volk muß ein große sZiel haben, dem es als Ideal entgegenstrebt, bis das Ziel erreicht ist. Für jeden Deutschen kann seit dem Weltkrieg dieses Ideal nur in dem endgültigen Zusammenschluß zu einem mächtigen Reich deutscher Zunge bestehen. Die Deutschen Oester- reichs waren sicher treue Söhne des alten Vaterlandes und haben gemeinsam mit den anderen Völkern der Monarchie zahllose Kämpfe für den Bestand des alten Reiches geführt — bis es diesen anderen Völkern gefiel, uns in der schwer- sten Krise des Weltkrieges den Rücken zuzu- drehen, sich auf Seite unserer Feinde zu stellen, um auf unsere Kosten alle möglichen Vorteile daraus zu ziehen und uns dem Elend preiszugeben. Das brachte eine völlige Aenderung ber Lage. Wer könnte uns Deutschen Oesterreichs zu- muten, mit biefen Hochverrätern erneut einen Bunb zu schließen, eine Gemeinsamkeit einzugehen? Unb so gibt es für uns nur mehr bas eine Ziel: bie Vereinigung mit allen un• seren Stammesbrüdern. Machen es die momentanen Umstände auch nicht möglich, dieses Ziel zu erreichen, so müssen wir es als Ideal im Innern tragen, bis ber Zeitpunkt kommt, ber hierin Wanbel schaffen kann. Bis bahin bleibt uns nur, mit allen Mitteln unseren beutschen Sinn zu pflegen, bie Keime biefes Jbeales in bie Herzen unserer Kinber zu legen unb mit mannhafter Energie alles von uns zu weisen, bas geeignet wäre, uns von diesem Ideal zu entfernen, selbst auch bann, wenn wir baburch wirtschaftliche Not erleiben müßten. Welcher Deutsche könnte eg über sich bringen, Verbinbungen einzu -


