Das 1. Gaufest des RfL. in Gießen.
Zn der Woche vom 14. bis 20. Zuli müssen sich die Vereine über ihre Teilnahme entscheiden.
Hessen frei von Maul- und Klauenseuche
Nach der amtlichen Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen waren am Stichtag des I.Juli sämtliche Kreise seuchenfrei.
Ernennung
zum Beauftragten des Treuhänders.
Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat den bei der Dienststelle des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen in Frankfurt tätigen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Dr. Gerhard Kohl zum Beauftragten des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen ernannt.
LlrlaubSregelung für Jungarbeiter und Lehrlinge bei den Behörden.
Die Gaupressewaltung der DAF. teilt mit:
Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Wiesbaden hat in einer Verfügung an die Oberbürgermeister, Landräte und Bürgermeister der kreisangehörigen Städte den Urlaub der Lehrlinge und Jungarbeiter bei den Gemeinden und Gemeindever- banden seines Regierungsbezirkes neu geregelt. Nach dieser Verfügung erhalten alle gemeindlichen Jungarbeiter und Jungangestellten bis zu dem vollendeten 18. Lebensjahr sowie alle Lehrlinge, die ihren Erholungsurlaub in einem Sommerlager verbringen wollen, einen zusätzlichen bezahlten Urlaub, falls der ihnen zustehende tarifliche Urlaub unter 14 Tagen zurückbleibt. Diese begrüßenswerte Verfügung regelt somit die Urlaubsverhältnisse der Jugendlichen bei den Behörden und Gemeinden im Regierungsbezirk Wiesbaden in der gleichen Weise wie in Hessen, wo dies bereits im April dieses Jahres durch eine Anordnung des Reichsftatt- halters und Gauleiters Sprenger geschah.
ßx Die öculfdie Arbeitsfront on.9.=6emcinf(haft „Kraft durch freute-'
Fahrt zum Nürburgring.
Alle KdF.-Warte werden hiermit noch einmal aufgefordert, die Meldung zu dem Nürburgring zu beschleunigen, damit wir spätestens Mitte nächster Woche abschließen können. Wer nach Mitte der nächsten Woche sich anmeldet, hat wenig Aussicht, mitgenommen zu werden. Die Meldungen gingen bereits zahlreich ein.
Sonderzug
zum Motorradrennen nach Schotten fällt aus.
Da die Meldungen zum Schotten - Rennen zu spärlich eingegangen sind, haben wir uns entschlossen, die Fahrt abzublasen. Diejenigen, die sich bis jetzt gemeldet haben, wollen sich nach Möglichkeit an der Fahrt nach dem Nürburgring beteiligen. Preis der Fahrt einschließlich Eintrittspreis 5 Mark.
r „Arbeiter, Bauer. Soldat".
Am Samstag, dem 13. Juli, 20 Uhr, findet im Caf6 Leib, Gießen, ein Kameradschaftsabend für Reichsheer und Arbeitsdienst, unterMitwirkung unseres Heimatdichters Georg Heß, Leihgestern, und Paul Nieren vom Stadttheater, des Arbeitsdienstes und der Reichswehrkapelle Gießen, statt; ferner wirkt der Arbeitsdank mit.
Vortragsfolge : Königgrätzer Marsch, Armeemarsch Nr. II, 195; „Kamerad das war ein heißer Tag"; „Heiliges Feuer", Weihelied des Arbeitsdienstes; Musik: „Volk ans Gewehr!"; Sprechchor des Arbeitsdienstes: „Wir wollen die Heimat erhalten"; Gemeinsames Lied: „Es pfeift von allen Dächern"; Theaterstück „Einer will zum Arbeitsdienst." Zeitstück aus dem Jahre 1933 von Kamerad Bierau. — Georg Heß „Aus eigenen Dichtungen". — Radetzkymarsch, Armeemarsch II, 145; Zwei Soldatenchöre; Alte Landsknechte: „Im Himmel doben, in einer Ecken ..."; Soldatenlieben — Sol- datenlebeN; Gemeinsame Lieder; Zwischenspiel: „Wir reisen mit der „K.d.F."; Schlußmarsch.
Konzert und Tanz bis 2 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf., Soldaten und Arbeitdienstkameraden 30 Pf., Tanzbändchen 30 Pf. für mitwirkende Kameraden aus dem Reichsheer und dem Arbeitsdienst ist der Eintritt frei. Tanzbändchen jedoch 30 Pfennig.
Noch drei Wochen! Und Gießen, die alte hessische Universitäts- und Garnisonstadt, wird Nordhessens Turner und Sportler zum 1. hessischen Gaufest des VfL. aufnehmen. In der Feststadt, die es versteht, Feste zu gestalten, schreiten die Vorarbeiten rüstig voran, und schon jetzt ist erkennbar, daß das erste Gaufest der Hessen eine Veranstaltung von außergewöhnlichen Ausmaßen werden wird.
Die Ausschreibungen zu den Wettkämpfen beim Gaufeste sind durch die Gaufachämter hinausgegangen an die Vereine. Turner, Leichtathleten, Schwimmer, Tennisspieler, Radfahrer, Boxer, Schützen haben zu edlem Wettstreite aufgerufen. Das Fachamt Fußball hat ein Werbespiel — Bezirk Kassel gegen Bezirk Gießen —, wie es in dieser Art noch nie zur Durchführung kam, zu dem großen Fest der Gemeinschaft angemeldet.
Der von Gießen und den Gaufachämtern erlassene Ruf geht an alle Vereine des RfL. in unserem
Variets-Kunst im Etadttheater.
Eine große Veranstaltung der NSG. „Kraft durch Freude".
Das gestrige Gastspiel des Groß-Variet^s aus dem Frankfurter „Schumann-Theater" im hiesigen Stadttheater, das die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" des Gaues Hessen-Nassau den Gießener Volksgenossen bot, war sehr gut besucht.
Das zu solchen Abenden aufgelockerte Wesen der Zuschauer wußte der bekannte Ansager Bobby Hausmann auf „kölsche" Art auf eine heitere Note zu stimmen. Die Hauskapelle sorgte für schwungvolle Musik. Grace Horsey und Lady brachten zunächst mit einem ,^)riginal-Cowboy-Act" zirzensische Künste. Durch den für solche Darbietungen knappen Bühnenraum warf er sein Lasso durch die Luft, fesselte mit kunstgerechten Würfen seine Partnerin und sprang schließlich mit ihr durch die eigenen Lassoschlingen. Das Messer- und Beilwerfen nach der Partnerin auf die bekannte Jndianerart brachte die Zuschauer in heftige Spannung. Die ausgezeichnete Treffsicherheit dieses Deutsch-Kanadiers im ein- und beidarmigen Schießen mit Gewehr und Pistole und beiden Waffen zugleich löste anhaltenden Beifall aus. Das Dubarry-Ballett gefiel mit einigen schönen Tanzeinlagen. Mit ausgezeichneten sportlichen Leistungen am Rhönrad begeisterten Steffi und Rolando Bernet. Mit großer Geschicklichkeit handhabte Rolando Bernet das Rhönrad, das er sogar im Fallen wie einen Springball über die Bühne hüpfen ließ. Frau Steffi Bernet lieh die Muskelkraft der Beine spielen, durch die sie freischwebend im Rad die Bühne überquerte. Ferner rief das Künstlerpaar mit dem Boxball eine wahre Sportbegeisterung hervor.
Ein hervorragender Programmpunkt war Meister Rekas tönende Revue alter Musikinstrumente. Kaum gesehene Instrumente vergangener Jahrhunderte kamen zum Vorschein und ihre Handhabung ließ mit den Weisen längst vergangener Zeiten eindringlicher als Bücherweisheit und Museumssammlungen den Geist jener Tage anklingen. Zugleich erwies sich Meister Reka als genialer Beherrscher dieser erlesenen Jnstrumentensammlung aus der Ordensritterzeit bis in die Gegenwart. Diesen anregenden und lehrreichen Darbietungen folgte eine „Perche-Sensation" der 4 Mislays. Diese Balanceakte auf lebendem Fundament, die hohe Schule der Akrobatik, bildete den Schluß des ersten Teiles des Abends.
Nach kurzer.Pause kam die leichtgeschürzte Muse in „Thora Malmström & Co. mit einer lebenden Nordlandschau zu ihrem Recht. Die Tanzgirls führten schwedische, isländische und dänische Tänze vor und brachten das Haus mit einer „Lachtauben- Serenade" in Stimmung. Bobby Hausmann trat mit eigenen Dichtungen hervor und die 2 Leytons „Humsti — Bumsti sorgten auf ihre Art für die Erheiterung.
Gau. Bei dem neuen Geist, der heute die im Reichsbund geeinte deutsche Leibesübung erfüllt, darf man erwarten, daß der Ruf überall gehört und ernstgenommen wird. Jeder Verein wird in der an iyn ergangenen Einladung eine Verpflichtung sehen, die Verpflichtung, durch Beteiligung am 1. Gaufest, das nicht die Veranstaltung eines Verbandes ist, den Reichsbundgedanken mit allen Kräften nach innen und außen zu fördern.
Die Woche vom 14. bis 20. Juli ist für die Vereine von besonderer Bedeutung. Es gilt, sich zu entscheiden für Teilnahme an den Wettkämpfen, d. h. auf Grund der von den Fachämtern ergangenen Ausschreibungen die Meldungen sofort abzugeben. Nur wenn die Meldebogen rechtzeitig vorliegen, können von der Festleitung die umfangreichen Vorarbeiten für das Fest planmäßig durch- geführt werden.
Landschastsbund Volkstum undHeimat.
Ortsrlng Gießen.
Im Rahmen des Gaufestes des RVL. findet am 3. August ein Volkstums-Abend in der Volkshalle statt, bei dem verschiedene Trachtengruppen unseres Gaues Mitwirken Für rund 70 Trachtenträgerfinnen) muß für die Nacht 3./4. August Unterkunft geschaffen werden. Unsere Mitglieder werden gebeten, Freiquartiere zu diesem Zweck zur Verfügung zu stellen. Meldungen nimmt die Orts- ringleitung, Weserstraße 4, entgegen.
Eine Musiker-Velmittlungsstelle in Gießen.
Die Ortsmusikerschaft Gießen in der Reicks- musikkammer und das Arbeitsamt Gießen weisen im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß mit Wirkung vom I.Juli im hiesigen Arbeitsamt, Bahnhofstraße 90, eine Vermittlungsstelle für Musiker eingerichtet worden ist. In der erwähnten Anzeige werden alle Musikveranstalter dazu aufgefordert, ihren Bedarf an Musikern dieser Vermittlungsstelle zu melden. Berufsmusiker und Musiker im Nebenberuf'haben sich dort ebenfalls zu melden. Auf die Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.
Das Waldfest der SOer-Vereinigungen
Waldparke zum Ludwigsbrunnen.
Wie bereits bekanntgegeben wurde, findet die Waldpartie aller Fünfziger-Vereinigungen zum Ludwigsbrunnen am kommenden Sonntag, 14. Juli, statt. Die Veranstaltung, die im Geiste echter Kameradschaft und Volksgemeinschaft durchgeführt werden soll, dürfte, nach den Vorbereitungen zu urteilen, glänzend verlaufen. Das Programm ist bekannt. Es setzt sich aus einer Begrüßung am schönen Ludwigsbrunnen, Konzert, Vorträgen heimatlicher Art durch Georg Heß, Kinderpölonaise mit Brezelverteilung und dergleichen zusammen. Für Fahrgelegenheit hin und zurück sowie für Sitzplätze im Wald, besonders für ältere Leute, ist ge- sorA. Die Postautos müssen zu anderen Fahrten rechtzeitig wieder zurück sein. Wer also mit dem Omnibus hinausfahren will, muß pünktlich spätestens um 14.30 Uhr an der Gnauthstraße am Fuldaer Babnübergang sein. Rückfahrtgelegenheit ab 19.30 Uhr mit je dreißig Minuten Abstand bis 20.30 Uhr. Es nehmen fast alle Fünfziger- Vereinigungen an der Feier teil. Um aber auch den Mitgliedern derjenigen Jahrgänge, deren Vorstände abgelehnt haben, die Möglichkeit zu geben, mitzumachen, hat der Ausschuß beschlossen, alle Fünfziger einzuladen. Es kann also jeder teilnehmen. Dieses gilt auch für sämtliche Damen-Altersvereinigungen.
Zum Anmarsch kann man auch den alten Schis- fenberger Weg bis zur ersten Schneise rechts hinter der großen Kurve an der Fahrstraße vorn Schiffenberg benützen. Privatautos müssen um den Forstgarten herum, also zunächst rechts desselben fahren und parken am besten dann auf dem Weg östlich des Forstgartens mit Richtung Gießen. Sollte
wider Erwarten schlechtes Wetter herrschen, so treffen sich die Fünfziger mit ihren Angehörigen auf der „Liebigshühe" (die auf jeden Fall reserviert bleibt) um 16 Uhr. Das in Aussicht genommene Programm wird dann dort durchgeführt. (Näheres siehe heutige Anzeige.)
Oie tödlichen Unfälle in Hessen.
LPD. Aus der jetzt vorliegenden Statistik der Todesfälle und Todesursachen im Jahre 1933 sind durch äußere Einwirkungen 765 Menschen, und zwar 560 Männer und 205 Frauen, gestorben. Die Zahl der Selbstmorde beträgt 346, also nahezu die Hälfte der gewaltsam ums Leben Gekommenen. Bei den Selbstmördern überwiegen mit 240 weitaus die Männer. Die am meisten gewählte Todesart ist bei ihnen das Erhängen, während bei Selbstmörderinnen das Vergiften durch Gas, das Ertränken ober das Abstürzen häufig find.
An Morden registrierte im Jahre 1933 die hessische Statistik 28 und 3 Kindesmorde. Unter den tödlichen Unglücksfällen stehen natürlich die Verkehrsunfälle an der Spitze. Sie betragen 151 und wurden verursacht: 77 durch Kraftwagen, 38 durch Krafträder, 12 durch Fahrräder, 10 durch die Eisenbahn, 6 durch die Sttaßenbahn und 8 durch sonstige Landfahrzeuge. Auf andere Weife kamen ums Leben 48 durch Ertrinken, 13 im Bergbau, 11 durch Brand. Hoch ist die Zahl der Menschen, die an einfachen Stürzen starben; sie beträgt 54. Vom Blitz tödlich getroffen wurden 4 Personen, in Luftfahrzeugen sind 3 ums Leben gekommen.
Daten für den 12. Juli.
1694: Eröffnung der Universität Halle. — 1806: Errichtung des Rheinbundes. — 1868: der Dichter Stefan George in Rüdesheim geboren (gestorben 1933). — 1874: der Dichter Fritz Reuter in Eisenach gestorben (geboren 1810). — 1919: Aufhebung der Hungerblockade gegen Deutschland. — 1933: Verkündung der neuen evangelischen Kirchenverfassung.
Vornotizen.
— Ta g e s k al e n d e r für Freitag: NSG. ,Lraft durch Freude": 20 bis 21.15 Uhr Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer in
Jeder Betriebssichrer, jeder Gefolgsmann. Einzelmikglled der NSV.
Jedes Unternehmen — ob Fabrik, Großhandlung, Handwerksbetrieb oder Ladengeschäft — Firmenmitglied der NSV.
der Schillerschule. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe dumme Mama." — Reichsbund der Salti« kumkämpfer, Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr Versammlung in der Restauration „Stadt Mainz".
** Aus der Sän gerb ewegung. Für den langjährigen, freiwillig aus feinem Amte geschiedenen, seitherigen Kreiswalter Emil Koch, Gießen, wurde von dem Bundesvorstand in Darmstadt, Sangesbruder Karl Müller vom Bauer'schen Gesangverein Gießen bestimmt,
** Arbeits - und ß i e f er u n g s d e r g e • bung. Das Reichsbahn - Betriebsamt Gießen II vergibt die Lieferung von 155 Tonnen Bafaltklein- Pflastersteinen und 180- lfd. Meter Bordsteine, ferner die Ausführung von Pflasterarbeiten auf dem Bahnhof Wölfersheim-Södel. Angebote werden vom Reichsbahnbetriebsamt I vergeben.
** D i e NS. - Kulturgemeinde, Ortsverband Gießen e. 23., schreibt uns: Um Irrtümern entgegenzutreten, fei betont, daß unser Vorstellungsring Deutsche Bühne auch in der kommenden Spielzeit 1935/36 unter der neuen Intendanz ihre Vorstellungen im Gießener Stadttheater bei günstigen Bedingungen bringen wird. Jedem Mitglied gehen innerhalb eines Monats die neuen Besuchsbedingungen zu.
** Verkehrsunfall. In der Frankfurter Straße ereignete sich gestern vormittag ein Verkehrsunfall. Ein hiesiger Motorradfahrer stieß mit einer Radfahrerin zusammen. Der Kraftradfahrer kam schwer zu Fall, erlitt Verletzungen im Gesicht und an den Hüften und mußte in ärztliche Behänd- hing gebracht werden.
Em deutscher Gommergarien.
Von Hans Franke.
Ich trete früh aus meinem Zimmer, und der herbe würzige Geruch von Nelken schlägt mir entgegen. Im Hofe begrüßen mich die Hunde des Freundes: die schlanke hochbeinige Diana, ein rostbrauner Setter, und Rubo, der rauhhaarige Dackel, ein eigensinniger seltsamer Herr voll unvermuteter Einfälle, aber ein würdiger Charakter, der das Leben planvoll lebt, während die nervöse Diana sich von jeder Regung ihres zarten Herzens bestimmen läßt.
Wenige Schritte hinter der Gartenpforte stehe ich auf dem Wege, der als Achse quer durch den Garten läuft, jenen Garten, den ich sehr liebe und von dem ich erzählen möchte.
Es ist em deutscher blühender üppiger Sommergarten, ein ländlicher Garten, in dem nicht die kunstvollen und kunstgewerblichen Einfälle des Gartenbauarchitekten gewirkt haben, sondern' der von den Menschen hier, die Blumen über alles lieben, geplant und erdacht wurde. Eine hohe dichte Fichtenhecke umhegt ihn; die kalkige Giebelwand der Scheune stößt vom Hofe her hell und weiß in ihn hinein, dort wo der hohe Nußbaum steht. Die mit Steinplatten belegte Mittelachse, die wohl siebzig Meter lang ist, läuft von Bank zu Bank: die eine, die jetzt hinter mir ist, steht unter den Hollunder- und Fliederbüschen, die andere oben in der weißen Laube unter dem Gerank dunkelroter Rosen und blauer grohblütiger Klematis. Und auf diese Bank schreite ich langsam zu.
Den Weg dorthin säumen Beete blauer dichter Glockenblumen, die werden von gelbem einfarbigen Goldlack begleitet. Die Glockenblumen stehen steil und hoch aufgerichtet. Die Schwertlilien, die an den Ecken der Rabatte stehen, sind teilweise schon verblüht, nur eine feingüebrige schlankblättrige Art hat noch hohe Zeit und grüßt mit den spitzen, ein wenig exotischen Blüten; bei den anderen prangen schon die Fruchtschoten, dicke aufgedunsene Kapseln. Die Pfingstrosen aber prangen in vielerlei Farben, rot, weiß und rosa, füllig und satt sind sie.
Doch da habe ich schon einen -Blick in die Seitenwege geworfen, in denen die Vielfalt verlockend ist. Buschrosen sehe ich da, diese treuen wetterfesten Freunde des Gärtners; fremd und abweisend wiegt sich die Akelei, die hat ein zurückhaltendes eigenbrötlerisches Gehaben, und die Finger der Natur haben besonders lange und besonders innig an ihr geformt, solch seltsame Blütensporne hat kaum eine andere; auch der Rittersporn kann neben ihrer
Eigenheit nichts ausrichten, aber er spendet unermüdlich sein sattes Blau in das Orchester der Farben; er wächst hier üppig und dicht, in gesunder Fülle; wie ein blutiges Mal dazwischen der rote Mohn; Brennende Liebe glüht nicht minder stark und weiße Lilien schwanken im Frühwind, der leise sich hebt aus der Niederung dort hinter den Pappeln, die hoch und rauschend den Garten umstehen.
An anderer Stelle — zu kleinen Rabatten gesiedelt oder einzeln verstreut in diesem Meere des Wuchses, Inseln gleichsam im Grün — steht der gefällige handfeste Phlox, dankbar jeder Pflege, der sich auftut in immer neuen Überraschungen; daneben die Nelken, in breiten Polstern bilden sie Familien; weiß sind sie oder dunkelrot, rosa auch mit blutroten Kernen, von himmlischen Fingern gezeichnet und bemalt. Obwohl man schon viele Sträuße schnitt und ins Haus trug, wuchert es fort: es ist ein Nelkensommer heuer, die Luft trägt den Dust weichin, er strömt durchs Haus, überall ist er. Goldrute sehe ich noch und Hangendes Herz, Stauden von Astern und Dahlien, die noch im Blattgrün stehen: wenn die erblüht sind, dann ist es nahe am Herbst...
Fetzt bin ich an der dicken Brombeerhecke angelangt; ihre dichten stachlichen Ranken sind aufgebunden an den Holzlatten, die Blüten liegen verstreut im Grase, wie bald und die Kinder werden sich hier rote Mäuler und Risse in den Kleidern holen. Hier ist auch die Parade des Goldlacks und der Glockenblumen zu Ende. Reserviert und unnahbar stehen einige Fingerhüte da, hochaufgerichtete Flügelleute gleichsam und zu Gast unter bescheideneren Brüdern. Dicht an der Hecke die anderen Beerensträucher, dann dehnt sich die kleine Rasenflache, in der die Obstbäume stehen. Und am Wege, ehe man die Laube erreicht, lockt der Steingarten.
Der Steingarten ist der Stolz jedes Gärtners. Hier springt er in zwei rechtwinkligen Dreiecken rechts und links vom Wea ab in den Rasen; die kleinen Polster, die allmählich aufsteigen, täuschen Gebirge vor, Plateaus, Bergwiesen und kalkige Matten, aber sie sind nicht mit kühnen Gemsen besiedelt: ein Goldkäfer nur und Spinnen kriechen über sie hinweg. Der bunte Flor ist schon ein wenig entfärbt, schnell vergeht das Wunder... wir wissen es alle... Was hier blühte und blüht, das hat fremdländische Namen, es sind seltene Abarten gewöhnlicher Stämme, weither kommen sie oft, um auf diesem kleinen Gebirge zu siedeln. Kleine Stiefmütterchen findest du oder Bergveilchen, Nelken und Akelei, aber auch Hauswurz und das niedliche Porzellanblümchen, ein gelbes niederes Pfeffer- traut, die blaue schmucke Aubriette, eine fremde
Minze, zierlich und zart, die gelben Blüten des Nachtschattens und gar manches andere mit dem Beinamen „montana", das soviel heißen soll, als' daß die Familie einst in hohen Berglagen unter dem Sturm der Föhne zuhause war. Vieles, das hier blüht, ist pelzig und grau, fett und absonderlich — welche Überraschung: ein Edelweiß blüht inmitten!
Nun sitze ich in der Laube. Der Weg, den ich kam, liegt vor mir. Die kleinen Terrassen zur Laube tragen gelben niederen Mohn, der ist sehr zart und frühe am Mittag schon schließen sich diese Blüten, rollen sich zusammen und scheinen sehr traurig. Neben ihnen stehen Buschrosen aus feineren Arten, stolz neben den wetterfesten Bauern, mit klingenden Namen wie Mrs. John Lying ober Souvenir de Claudius Pernet. Und als absonderlichster Gast, geduldet und keck sich aufrichtend, eine Königskerze.
Noch aber gibt es Ecken mit Himbeerstauden; bei dem hohen Nußbaum wachsen die Erdbeeren und Tomaten, anderswo ist eine Ecke mit feuchtem Unkraut, und ich kenne einen Strauch Jasmin, der ein großes weißes Blütenauge aufschlägt und den Duft eines Traumes entläßt, märchenhaft schön.
Das ist der Sommergarten! Ein deutscher Garten. Die Stätte des» Werdens und Atmens. Hierher werden die Freunde, die in das gastliche Haus des Freundes eintreten, zuerst geführt, hier geht man auf und ab, hier sitzt man um den Tisch mit den großen bunten Tassen beim Kaffee. Ich liege nun in einem der Liegestühle und luge in den Nutzgarten, der sich bescheiden hinter den Beerensträuchern verbirgt. Hier schaltet die Großmutter, kämpft gegen die Schädlinge und das Unkraut, oft bückt sich ihr vom Alter gebeugter Rücken. Im Garten aber geht nun die Hausfrau hin und wider, die dunkle Frau, die Herrin der Blumen und Stöcke, der Bäume und Stauden, die wohl einen Winter lang nachsann, wie sie die Beete noch prangender, den Steingarten noch bunter, die Rabatten noch schöner machen könnte, sie späht allenthalben nach seltenen Arten, und liebevoll und fröhlich ist ihr Herz, wenn sie neue Freunde in die heimatliche Erde senken darf...
Nun rauscht der Storch über den Garten hin mit lässigem Flügelschlage, er fliegt zum Bache, über die Pappeln hinweg, die noch immer leise schauern im frühen Wind.
Vieles im Leben habe ich gesehen, und manche Länder rollten ihre Schönheiten vor mir auf; aber ich liebe nichts mehr als den Sommergarten in Deutschland, den bunten Garten, den die Liebe zu Blüten und Blumen hegt und umsorgt.
Berühmte deutsche Herbergen.
Die alten einfachen gemütlichen Trinkstuben und Herbergen kommen jetzt allerorts wieder zu Ehren, nachdem sie eine Zeitlang im Wettbewerb mit den großen modernen Gaststätten fast in Vergessenheit geraten waren. Manche alte Trinkstube hat aller« dings inzwischen schon einem Neubau Platz machen müssen, aber nichts bereitet dem Wanderer eine größere Freude, als wenn er in einem abgelegenen Städtchen eine solche Herberge entdeckt, die eine jahrhundertealte Geschichte hat. Daneben haben einige altberühmte historische Gasthöfe ihr großes Ansehen zu erhalten gewußt, und wer die Sehenswürdigkeiten einer Stadt besichtigt, der versäumt es nicht, sich diese Herbergen nicht nur von außen, sondern auch von innen zu besehen. Manche von ihnen blicken auf eine vier- bis fünfhundertjährige Lebensdauer zurück. So haben im ehrwürdigen „Stachel" zu Würzburg vor fast vierhundert Jahren der treffliche Bürgermeister und berühmte Holz- fchnitzer Tilman Riemenschneider und die Führer der aufständischen Bauern gekneipt. In „Auerbachs Keller" zu Leipzig hielt Dr. Martin Luther Einkehr, obwohl der Weltruhm dieses Lokals erst durch den Aufenthalt des jungen Stu- deuten Goethe und durch feine Darstellung im „Faust" begründet wurde. In den mächtigen Kellergewölben des Königsberger Ordensschlosses bewahrt die uralte Weinstube „Zum Blutgericht" ihr hohes Ansehen. Allbekannt ist in Frankfurt am Main der Gasthof „Zum Krokodil". In der „Hohen Lilie" zu Erfurt wohnte Gustav Adolf von Schweden, als er im Dreißigjährigen Kriege in der Stadt Aufenthalt nahm, und in die gleiche Zeit reicht die „Gosenschenke" zu Eutritzsch bei Leipzig zurück. Wer nach Heidelberg kommt, wird sicher auch den „Ritter" an der alten Heiliggeistkirche besuchen. Eine andere alte Trinkstätte, die bis heute noch nichts von ihrem Ruf verloren hat, ist der „Schweidnitzer Keller" in Breslau, der sich im Untergeschoß des herrlichen Rathauses befindet. Die Stadtchromk erzählt schon aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts von diesem Keller, der damals wohl nur ein Holzbau wär, und mit Wehmut hören wir, daß damals dort ein sehr guter Wein, das Quart zu 28 Heller, das sind 15 Pfennig, verabfolgt wurde. Vom Schimmer der Geschichte und der Poesie verklärt ist der Bremer Ratskeller, auf beffen alte Weine Hauff sein märchenhaftes Lob« lied fang, und nicht minder alt und ehrwürdig ist der Ratskeller von Lübeck.


