— und in der Tat die ganze Veit — sind nicht nur durch das deutsche Diederaufrüstungsprogramm, sondern auch durch gewisse andere Erscheinungen im heutigen Deutschland beunruhigt worden. Nichtsdestoweniger haben wir den Kanzler bei seinem Dort genommen und erst in den letzten Wochen haben wir einen praktischen Beweis dafür geliefert, indem wir mit ihm das Alotten- abkommen abgeschlossen haben. Wir haben dadurch, wie wir hoffen, einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Versöhnung gemacht. Aber Versöhnung ist wie der Friede eine Einheit und Vielheit zugleich, und alle Straften führen nach manchen Hauptstädten. Caftf ihn daher den nach st en notwendigen Schritt vorwärts tun und der Aushandlung der Ost- und Donaupakte vorwärtshelfen, wodurch er dem Abschluß eines Luftpaktes, den er, wie ich weift, wünscht, einen groften Antrieb erteilen würde."
Unter Beifall erklärte der Außenminister dann, daß er besonders auch die Frage der österreichischen Unabhängigkeit und Unversehrtheit erwähnen wolle. „Immer wieder haben wir unsere überlegte Ansicht ausgesprochen, daß Oesterreich strategisch und wirtschaftlich eine Schlüsselstellung in Europa einnimmt, und daß eine Aenderung in seinem Statut die Grundlagen des europäischen Friedens erschüttern würde. Wir werden weiterhin die mutigen Bemühungen, bie* die österreichische Regierung und das Volk zur Aufrechterhaltung und Stärkung ihres unabhängigen Bestehens machen, mit engstem und mitfühlendstem Interesse verfolgen. Das ist einer der Gründe, warum die britische Regierung gern sehen möchte, daß ein Donaupakt des Richtangri f f es und der Nichteinmischung für Mitteleuropa ohne weiteren Aufschub abgeschlossen wird.
England und der Abessinienkonslitt.
Der Schlüssel der kollektiven Sicherheit sei der Völkerbund. Solange ein wirksamer Völkerbund und ein wirksames System der kollektiven Sicherheit besteht, sei England bereit und willens, Anteil an der kollektiven Verant- wortung zu übernehmen. (Beifall.) Aus diesen Gründen nehme England einen so ernsten Anteil an dem italienisch - abessinischen Streit. Aus diesem Grunde sei es auch, selbst auf die Gefahr einer Kritik hin, bereit gewesen, einen konstruktiven Vorschlag zu machen, u m einen Krieg zu verhüten, der, wie er auch enden möge, eine ernste Rückwirkung auf das ganze Völkerbundssystem haben würde (Beifall). Er brauche nicht im einzelnen die völlige Widerlegung zu wiederholen, die die englische Regierung den wilden Erklärungen über die Motive und Handlungen Englands in gewissen Teilen der italienischen Presse zuteil werden ließ. (Beifall.) Wir haben keine Hintergedanken, sondern nur den Gedanken einer friedlichen Regelung. Die Erklärungen, daß wir an unsere eigenen Kolonialinteressen denken und daß wir in den benachbarten britischen Kolonien Truppen anhäufen, entbehren jeglicher Grundlage. Ich hoffe, daß meine Widerlegung in allen italienischen Zeitungen, die für diese unbegründeten Beschuldigungen verantwortlich sein mögen, vollste Veröffentlichung finden wird.
Dir haben den italienischen Wunsch nach Aebersee-Expansionen stets verstanden und werden ihn verstehen. Wir gaben die Notwendigkeit einer italienischen Expansion zu, und wir geben erneut die Berechtigung einiger Kritik zu, die gegen die abessinische Regierung geäußert wurde. Aber sind die Tatsachen der italienischen Ausdehnungsbedürfnisse und der Klage gegen Vie abessinische Regierung ein ausreichender Grund, um sich in einen Krieg zu stürzen? Ich hoffe, daß es möglich sein wird, dieses Unglück zu verhindern, sei es durch Anwendung des Vertrages von 1906 oder durch die Hilfe des Völkerbundes.
Der Außenminister behandelte dann Englands Verhältnis zu Frankreich.
Frankreich und England sind diejenigen Mächte Westeuropas, die in erster Linie verantwort- lich für die Regelung von 1919 sind. Wir sind daher zusammen besonders an den Aen- derungen an dieser Regelung interessiert, die jetzt auf die gebieterische Forderung der Zeit hin gemacht werden. Wir haben d-icht zusammengestanden, wir haben viele Jahre zusammengearbeitet, und wir werden fort- fahren, zusammenzugehen und in der Zukunft zusammenzuarbeiten. Es ist nicht britische Art, alte Freundschaften zu opfern um neuer willen. Wenn wir neue Freundschaften suchen, werden wir das in einer Weise tun, daß wir unsere alten Freundschaften nicht gefährden.
Auch mit Italien verbinde England eine alte und wertvolle Freundschaft. Er habe keinen wärmeren und aufrichtigeren Wunsch, als daß sie sich fortsetzte. Zu Sowjetrußland seien die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen besser als jemals.
lieber unsere Beziehungen zu Deutschland habe ich mich im einzelnen bereits vorher geäußert Ich brauche hier nur den Grund- t o n des Ganzen zu wiederholen: daß untere Haltung ein praktischer und verstehender Realismus ist.
England lege besonderen Wert auf freundliche Beziehungen zu Japan. Er nehme sich jedoch die Freiheit, den japanischen Freunden zu sagen, daß man in England besorgt sei wegen gewisser Ereignisse in No.rdchina. Er glaube jedoch, daß dieses Kapitel der Besorgnis vor dem Abschluß stehe und daß der englische Wunsch nach möglichst freundlichen Beziehungen in Zukunft sich mehr verwirklichen werde. England habe durch die Ernennung eines Botschafters gezeigt, welchen Wert es auf die Beziehungen Zu China lege. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten seien ausgezeichnet. England beabsichtige, seine Verpflichtungen i n n e z u h a l t e n, die sich aus den Verträgen und aus den Völkerbundssatzungen ergeben und es sei bereit, mit Europa a u f b e r Grundlage einer kollektiven Sicherheit zusammenzuarbeiten.
Die Meinung der Parteien.
Rededuell zwischen Lloyd George und Austen Chamberlain.
Sir Herbert Samuel
erklärte, das deutsch-englische Flottenabkommen habe bei einigen Leuten Besorgnis erregt, weil es ohne Zutun des Völkerbundes und ohne Befragung anderer Mächte abgeschlossen worden sei. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn es in einer mehr provisorischen Form abgeschlossen worden wäre, jedoch sei die Regierung zu loben, daß sie sich die Gelegenheit nicht habe entgehen lassen. Es sei an der Zeit, zu erkennen, daß die Rüstungsbe- stimmungen des Versailler Vertrages t o t sind und daß die Tatsache, daß sie nicht begraben sind, die Luft Europas vergifte. Nach einer unfreundlichen Bemerkung über Deutschland erklärte der Redner, man sehe in England ebensogut wie in Frankreich die Gefahren, die sich aus den ständigen Erklärungen des Kanzlers gegen Sowjetrußland ergeben. In der abessinischen Frage beunruhige ihn die Methode, die Italien anwende. Man dürfe Italien nicht im Zweifel darüber lassen, was für einen Eindruck fein Vorgehen in weiten Kreisen Englands mache.
Winston Churchill
übte scharfe Kritik an der englischen Außenpolitik. Sie habe den Völkerbund geschwächt, die kollektive Sicherheit verschlechtert, Deutschlands Vertragsverletzung verziehen (!) und Stresa erschüttert. Er gebe zu, daß das Flottenabkommen nicht notwendigerweise gegen den Vorteil und die Sicherheit anderer verstoße. Aber beklagenswerterweise sei es ein völlig getrenntes Vorgehen gewesen. Das Vertrauen zwischen England und Frankreich sei erschüttert worden, das heute infolge der bedauerlichen Unterlegenheit der britischen Luftflotte gegenüber der deutschen notwendiger als je fei.
Lloyd George
bedauerte, daß England anscheinend nicht feine Verpflichtungen auf Grund des Völkerbundes gegenüber Italien anwenden wolle. Die Genfer Entschließungen vom April, in der wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen gegen einen Vertragsbruch vorgesehen wurden, sei zwar gegen Deutschland gerichtet gewesen, aber „man kann nicht einen Maßstab für Deutschland anwenden und einen für Italien". Abessinien sei der erste Fall, auf den die Genfer Entschließung anwendbar wäre. Er hoffe, daß England an seine Freunde und Verbündeten herantreten werde, um eine wirkungsvolle Intervention herbeizuführen. Wenn es dem Völkerbund nicht gelinge, die abessinische Frage zu regeln, dann werde die letzte Spur seines Ansehens verschwinden. Der Versailler Vertrag sei unter beispielloser (Erbitterung geschrieben worden. Das Beste, was man habe tun können, sei die Einfügung von Maßnahmen für eine zukünftige R e - vision gewesen. Schon damals eine Revision zu versuchen, wäre Wahnsinn gewesen. In sehr kurzer Zeit würden die militärischen Streitkräfte Deutschlands die größten in der Welt fein. In Stresa habe man die „einseitige Vertragsverletzung" Deutschlands scharf zurückgewiesen, aber habe man etwa gehandelt? Auf die Entschließung von Stresa und Genf habe Hitler U-Boote gebaut- Wo seien die Sanktionen? Ministerpräsident und Außenminister hätten den „großen Vertragsbrecher" herzlich eingeladen, einige weitere „Vertragsbrüche" zu erörtern. Deutschland pfeife auf den Völkerbund. Italien tue dasselbe. Kurz gesagt, der Völkerbund fei nur noch ein Schutthaufen.
Sir Au-en Chamberlain
erklärte, er stimme darin überein, daß die Atmosphäre in Europa schlechter sei als vor einigen Monaten. Aber glaube Lloyd George wirklich, daß er seinen Absichten diene, inbem er allen anderen Nationen die Leviten lese und fremde Staatsoberhäupter beleidige. Man könne nicht Frieden machen, indem man strafe. Er habe durchaus Recht, wenn er sage, daß er mehr als irgendein anderer für den Versailler Vertrag verantwortlich sei. Aber wenn er sage, daß nur die härtesten Bedingungen auf- reckterhalten worden feien, so habe er vielleicht geschlafen oder sei zu sehr durch seine literarischen Arbeiten beansprucht gewesen. Die Reparationen, eine der schärfsten Bestimmungen, seien geschwunden. Die Rheinlandbes^tzung habe fünf Jahre vor der Zeit aufgehört. Chamberlain wandte sich gegen die Feststellung Lloyd Georges, daß die Regierung die Einführung der Wehrpflicht in Deutschland, diesen „Vertragsbruch", habe hin
gehen lassen. Was würde erdenn getan haben? Würde er, nachdem festgestellt worden fei, daß Deutschland sich wieder bewaffne, vorgeschlagen haben, daß Frankreich sich bewaffnen und in Deutschland e i n m a r s ch i e r e n solle? (Stürmische Rufe.) Er fei der Ansicht, daß Hoares heutige Erklärung in den fremden Hauptstädten einen größeren Eindruck machen würde, als man das im Hause anzunehmen scheine. Er stimme voll und ganz mit der Linie überein, die Hoare eingeschlagen habe.
Ein Intermezzo.
Das Licht erlöscht.—Unterhausdebatte bei Kerzenschein.
Als sich der Arbeiterabgeordnete Jones erhob, ging plötzlich im ganzen Unterhaus das Licht aus. Minister und Abgeordnete waren in tiefes Dunkel gehüllt und Jones sagte: „Ich habe noch nie den Sprecher dringender um Licht g e b e t e n". Er versuchte, seine Rede an die unsichtbare Zuhörerschaft fortzusetzen, als ein Unterbausbeamter eine Kerze brachte, um die Ministerbank zu erleuchten. Nach und nach wurden etwa ein Dutzend Kerzen aufgestellt, und die Aussprache wurde im Halbdunkel fortgesetzt. Das elektrische Licht flammte 12 Minuten vor 10 Uhr unter dem lauten Beifall des ganzen Hauses wieder auf.
Völkerbundsminister Eden
erklärte: Die britische Regierung gibt nicht zu, daß der Abschluß des Flottenabkommens im Widerspruch zu dem Grundsatz der Zusammenarbeit steht, der in dem Londoner Protokoll vom 3. Februar und in der Stresaer Entschließung, an denen die englische Regierung energisch festhält, verkörpert ist. Der Zweck sei gewesen, durch ein Abkommen mit Deutschland die letzten Folgen eines „einseitigen Entschlusses" zu beschränken, mit dessen Verwirklichung Deutschland bereits begonnen hätte. Wenn andere Mächte ähnliche Abmachungen über Land- und Luftrüstungen mit Deutschland abschließen würden, würden wir gegen solche beschränkten Abkommen nicht nur keinen Widerspruch erheben, sondern sie als einen wichtigen Schritt zur Befriedung betrachten, vorausgesetzt, daß unsere eigene Handlungsfreiheit unbeeinträchtigt bliebe, genau so, wie bie Handlungsfreiheit anderer Mächte durch das deutsch-englische Flottenabkommen in keiner Weise beeinträchtig wird. Deutschland sei im Februar letzten Jahres bereit gewesen, einer Zehnjahresabmachung zuzustimmen sowie einer Luftflotte, die 50 v. H. der französischen während dieser Zeit nicht überschreiten würde, und einer Armee, die mit 300 000 Mann der französischen gleich sein würde. Die französische Regierung habe diese Angebot abgelehnt. Sei dies nicht eine Grundlage, auf der wir uns heute so gern einigen würden. Jetzt kennt jede Flottenmacht die Grenze der deutschen Flottenrüstung und kann ihr Programm danach einrichten.
Eden kam dann auf den italienisch-abessinischen Streit au sprechen, und sagte u. a.: Wenn der englische Vermittlungsvorschlag angenommen worden wäre, hätte man ihn den Franzosen als Mitunterzeichner des Vertrages von 1906 vorgelegt, und zwar, bevor man sie Abessinien und dem englischen Unterhaus mitgeteilt hätte. Eden erwähnte dann die wirtschaftlichen und gebietsmäßigen Z u g e ft ä n b n i f f e , bie Abessinien im Rahmen bes englischen Vorschlages machen wollte. Italien habe gegenwärtig keinen einzigen wirtschaftlichen Berater auf einem wichtigen abessinischen Posten. Es wäre möglich gewesen, biese Lage zu bessern. Man könne sich auch benken, baß Abessinien bereit gewesen wäre, eine Sieblung auslän- bischer Einwohner in einigen Teilen seines Gebietes zuzulassen. Man würbe sehr falsche Schlüsse ziehen, wollte man glauben, baß dieser besondere Fall, in dem England einen territorialen Beitrag zur Sicherung des Friedens vorschlug, in irgendeiner Weise einen Präzedenzfall darstellt. Die vom Völkerbund eingesetzte Aussöhnungsmaschinerie sei zusammengebrochen. Die englische Regierung fei mit der französischen Regierung über die weitergehenden Gesichtspunkte des Streitfalles in einem Meinungsaustausch. England habe seinen Beitrag geleistet, jetzt fei esnnFran k- reich, den seinigen zu leisten.
Die englische presse zur Llnierhausdebaiie.
London, 12. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der liberale „N e w s C h r o n i c l e" bezeichnet die Rede Hoares als äußerst taktvoll und als beinahe auffällig diplomatifch. In einer Beziehung könne sie als ziemlich geschickter Versuch betrachtet werden, die Stresasront mit einer etwas veränderten Front wieder herzustellen. Einerseits werde Frankreich durch die Erklärung über die Unteilbarkeit des Friedens und die Notwendigkeit einer östlichen ebenso wie einer westlichen Regelung beruhigt. Anderseits versuche Hoare durch freundliche Mahnungen Deutschland zu überzeugen, daß die Stresasront nichts deutschfeindliches habe und daß Hitler, wenn er einen Luftpakt wünsche, dafür durch Teilnahme am Ost- und Donaupakt „bezahlen" sollte. Die Erklärung zum Abessinien-Streit dagegen sei enttäuschend in ihrer vorsätzlichen Undeutlichkeit.
Die unabhängige konservative „Daily Mail" warnt die Regierung, sich ihre Politik vom Völkerbund diktieren zu lassen. Das Blatt hofft, daß das Kabinett sein Bestes tun werde, den Kaiser von Abessinien zur Erfüllung der italienischen Forderungen zu Überreden. — Times sagt zu den Ausführungen des Staatssekretärs über den Völkerbund: England wird schwerlich zur Uebernahme weiterer Verpflichtungen ober zur genauen Defini- tion seiner jetzigen Verbindlichkeiten veranlaßt werden durch das Beispiel anderer Länder, die nachdrücklich die strenge Anwendung der Völker- bundssatzung befürworten und sie dann völlig auf die Seite schieben, wenn ihr eigenes Prioatinteresse die Anwendung unan- genehm macht. Hoare habe etwas hartnäckig die Unteilbarkeit des Friedens betont", den er ein „einziges Ganzes" nannte. Die von Litwinow verbreitete Theorie werde durch die feit 1919 ausgefochtenen Kriege nicht bestätigt und es fei noch immer ein unanfechtbarer Lehrsatz, daß kein Land geneigt fein werde, in den Krieg zu ziehen, wenn es nicht durch sein eigenes Interesse dazu gezwungen werde. In der Frage des Ostpaktes werde die öffentliche Mei
nung von Herzen die Einladung des Staatssekretärs an Hitler begrüßen, daß er durch Förderung des Abschlusses dieses östlichen Abkommens unter dem von ihm gebilligten und von der französischen Regierung als Derhandlungs- grundlage angenommenen Bedingungen einen wirklichen Beitrag zur Sache des Fried.ens leisten möge. Das Blatt warnt Frankreich vor übertriebener Reizbarkeit und Kleinigkeitskrämerei und sagt, es fei nicht das geringste Verdienst der Rede Hoares, daß sie deutlich eine oder zwei gleichgestimmte Richtungen gezeichnet habe, in denen jetzt ein praktischer Fortschritt in Richtung auf die Ideale der Stabilität der Gerechtigkeit und des Friedens möglich fei.
„Daily Telegraph" meint, die französische Öffentlichkeit sollte sich durch die freimütige Annahme des französischen Standpunktes, daß Westpakt, Ostpakt und Donaupakt gleichzeitig behandelt werden müßten, beruhigt fühlen. England habe nicht den Wunsch, ein zweiseitiges Luftabkommen nach dem Vorbild des Flottenabkommens mit Deutschland abzuschließen. Wenn der Aufruf an Hitler bei Verhandlungen über Ost- und Donaupakte mitzuhelfen, um dadurch dem Luftpakt den von ihm yewünschten Antrieb zu geben, von Berlin bereitwillig angenommen werden würde, so würden sie in ganz Europa begrüßt werden. — „M o r n i n g P o st" findet die Verteidigung des Flottenabkommens mit Deutschland weniger glücklich. Tatsache bleibe nach dieser Unterhaus-Debatte kaum der Anschein dafür übrig, daß das „System der kollektiven Sicherheit" oder der Völkerbund bestehen bleibe. Mit allen Pakten, Abrüstungsverträgen und Kollektivsystemen sei es zu Ende. Man dürfe nur hoffen, daß mit der Zerstörung dieser Trugbilder in England ein Gefühl für die Wirklichkeit entstehen werde. Wenn es nicht länger einen „Friedensapparat" und ein „kollektives Friedenssystem" gebe, dann sei dies ein um so wichtigerer Grund für Großbritannien, die bestehenden Freundschaften zu pflegen und nur der eigenen Kraft zu vertrauen.
Das deutsche Wunder.
Ein amerikanischer Geistlicher nennt das heutige Deutschland — ein überwältigendes Erlebnis..
N e u y o r k, 12. Juli (DNB. Funkfpruch). Der bekannte Neuyorker Prediger Pastor Haynes Holmes, der soeben von einer Studienreise nach Deutschland zurückkehrte, erklärte Pressevertretern, er fei der Ueberzeugung, daß die Bedeutung der Führerschaft Hitlers kaum über- trieben werden könne. Der Anblick, den das Deutschland von heute biete, fei ein überwältigendes Erlebnis. 15 Jahre nach einem Kriege, durch den die Alliierten Deutschland zu zerstören gedachten, habe sich dieses Land wieder emporgerichtet. Im Vergleich mit feinen letzten Deutschland-Reisen in den Jahren 1922 und 1931 'bezeichnete Holmes die Wandlung der Dinge als ein Wunder. Das deutsche Volk habe fein Selbstgefühl wieder gewonnen und fei von Vertrauen, Begeisterung und Mut beseelt, während es noch im Jahre 1931 der Auflösung nahe gewesen sei. Hitler habe in steigendem Maße die breiten Volksschichten gewonnen. Er, Holmes, habe sich früher hierüber ein völlig falsches Bild gemacht. Er fei aber durch persönliche Unterredungen bei allen möglichen Gelegenheiten zu einer besseren Ansicht gekommen. Die Erkenntnis, daß Deutschland unter der Führung Hitlers zu einem einigen und tief begeisterten Volk geworden ist, fei für Amerika von großer Bedeutung.
England und Irland.
Eine Warnung an de Balera.
London, 11. Juli. (DNB.) Dominienminister Thomas erklärte im Unterhaus über bie englisch-irischen Beziehungen: „Wir werden es nicht zulassen, daß Südirland aus dem britischen Staatsoerband austritt, und wir werden alle in unserer Macht stehenden Schritte tun, um das zu verhindern." De V a» l e r a hatte vor einiger Zeit gefordert, daß e i n aus Ausländern zusammengesetztes Schiedsgericht über die Beziehungen Irlands zum Britischen Weltreich entscheiden solle. Thomas erklärte, es sei unrichtig, daß es innerhalb des Britischen Reiches keine Männer gebe, die einen unparteiischen Schiedsspruch fällen konnten. Das Statut von Westminster habe fest- gelegt, daß die britischen Staaten „einig sind in Der gemeinsamen Untertanenpflicht gegenüber der englischen Kron e". Der Irische Freistaat könne nicht nur bie Vorteile genießen, fonbern müsse auch bie Verpflichtungen übernehmen, bie sich aus ber Zugehörigkeit zum britischen Staatsverbanb ergeben.
De Dalera habe ihm gesagt, daß ber Freistaat eine Republik werben müsse, baß er aber i n außenpolitischer Hinsicht bereit sei, den englischen König anzuerkennen. „Ich glaube jedoch nicht", erklärte Thomas, „daß irgendeine britische Regierung sich dem englischen Volk gegenüber rechtfertigen könnte, wenn sie erlauben würde, daß der Irische Freistaat feine Verfassung nach Belieben für den einen o b er anderen Zweck benutzt. Ich zweifle daher auch, daß der Freistaat bereit ist, d i e Folgen auf sich zu nehmen, die die Ausrufung der Republik mit sich bringen würde. Viele Tausende von irischen Aerzten und Beamten und über eine Viertelmillion irischer Arbeiter, die in England leben, würden dadurch Ausländer werden und ihre Stellungen nur mit besonderer Genehmigung behalten können."
Amerika warnt Italien.
Keine Preisgabe des Kelloggpakts.
Washington, 11. Juli. (DNB.) Staatssekretär Hüll legte dem italienischen Botschafter zum ersten Male seit dem Appell des abessinischen Kaisers an Amerika bie amerikanischen Bedenken gegen Italiens starre Haltung gegenüber den Bemühungen des Völkerbundes um die Schlichtung des Streites dar. Amerika bedauert, daß die an den abessinischen Kaiser gesandte Note in Rom als Unterstützung des italienischen Vorgehens und als völlige Uninteressiertheit Amerikas am Schicksal Abessiniens ausgefaßt worden fei. Deshalb betonte Hüll, daß Amerika über die Taktik Italiens ft a r k besorgt fei. Die Note an Abessinien fei ein deutlicher Beweis darauf, daß Amerika eine Verletzung bes Kellogg- Paktes als Bruch bes barin abgegebenen feierlichen Versprechens betrachten würbe. Solange bie gegenwärtige Krise weiter bestehe, mochte bas Staatsdepartement auf feine neutralen Rechte, Kriegsmaterial an Kriegführende zu senden, nicht verzichten, da ein derartiger Verzicht angesichts der starken Bewaffnung Italiens als ein weiteres Preisgeben der schutzlosen abessinischen Regierung gebeutet werden konnte.
Kein englisches Ausfuhrverbot für Waffenlieferung nach Abessinien?
London, 12.3ult. (DNB. Funkspruch.) Eine Reutermeldung, daß die britische Regierung die Waffenausfuhr von England nach Abessinien freiwillig gesperrt habe, wird von mehreren Morgenblättern für unrich - t i g erklärt. Es wird gemeldet, daß nach mehr als zwölfmonatiger Pause vor einigen Tagen Anträge auf Einfuhr von Waffen von der abessinischen Regierung eingegangen feien, und diese würden in der üblichen Weise und ohne ungewöhnliche Verzögerung erledigt werden. „Daily Telegraph" erklärt, es bestehe kein Grund für die Annahme, daß die (Erlaubnis verweigert werden würde.
Die Spaltung der Ieuerkreuzler.
Paris, 11. Juli. (DNB.) Die Spaltung in der Bewegung der Feuerkreuzler, von der schon gestern die Rede war, scheint sich zu bestätigen. „Paris Midi" meldet, daß sich fünf führende Persönlichkeiten des Verbandes „Nationale Freiwillige" mit ihren Anhängern von Oberst de la Rocque getrennt haben. Die jungen Führer ber „Nationalen Freiwilligen" (Nicht- Frontkämpfer) werfen Oberst de la Rocque vor, daß er nicht genügend scharf gegen bie Regierung DOrftofte- Die „Nationalen Freiwilligen" wünschen den Versuch einer weitgehenden Annäherung der jungen Anhänger aller Parteien zu machen. Oberst de la Rocque schlug ihnen vor, chrs wirtschaftlichen Gedankengänge in einer Schrift niederzulegen. Die „Nationalen Freiwilligen" arbeiteten Darauf einen Plan aus. Oberst de la Rocque weigerte sich jedoch, diesen Plan in dem Blatt der Bewegung zu veröffentlichen. Daraufhin


