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und in der Tat die ganze Veit sind nicht nur durch das deutsche Diederaufrüstungs­programm, sondern auch durch gewisse andere Erscheinungen im heutigen Deutschland be­unruhigt worden. Nichtsdestoweniger haben wir den Kanzler bei seinem Dort ge­nommen und erst in den letzten Wochen haben wir einen praktischen Beweis dafür geliefert, indem wir mit ihm das Alotten- abkommen abgeschlossen haben. Wir haben da­durch, wie wir hoffen, einen Schritt vor­wärts auf dem Wege zur Versöh­nung gemacht. Aber Versöhnung ist wie der Friede eine Einheit und Vielheit zugleich, und alle Straften führen nach manchen Hauptstädten. Caftf ihn daher den nach st en notwendigen Schritt vor­wärts tun und der Aushandlung der Ost- und Donaupakte vorwärtshelfen, wodurch er dem Abschluß eines Luft­paktes, den er, wie ich weift, wünscht, einen groften Antrieb erteilen würde."

Unter Beifall erklärte der Außenminister dann, daß er besonders auch die Frage der österrei­chischen Unabhängigkeit und Unver­sehrtheit erwähnen wolle.Immer wieder haben wir unsere überlegte Ansicht ausgesprochen, daß Oesterreich strategisch und wirtschaftlich eine Schlüsselstellung in Europa einnimmt, und daß eine Aenderung in seinem Statut die Grund­lagen des europäischen Friedens erschüttern würde. Wir werden weiterhin die mutigen Bemühungen, bie* die österreichische Regierung und das Volk zur Aufrechterhaltung und Stärkung ihres unabhängigen Bestehens machen, mit engstem und mitfühlendstem Interesse verfol­gen. Das ist einer der Gründe, warum die bri­tische Regierung gern sehen möchte, daß ein Do­naupakt des Richtangri f f es und der Nichteinmischung für Mitteleuropa ohne weiteren Aufschub abgeschlossen wird.

England und der Abessinienkonslitt.

Der Schlüssel der kollektiven Sicherheit sei der Völkerbund. Solange ein wirksamer Völker­bund und ein wirksames System der kollektiven Si­cherheit besteht, sei England bereit und willens, Anteil an der kollektiven Verant- wortung zu übernehmen. (Beifall.) Aus diesen Gründen nehme England einen so ernsten Anteil an dem italienisch - abessinischen Streit. Aus diesem Grunde sei es auch, selbst auf die Gefahr einer Kritik hin, bereit gewesen, einen konstruktiven Vorschlag zu machen, u m einen Krieg zu verhüten, der, wie er auch enden möge, eine ernste Rückwirkung auf das ganze Völkerbundssystem haben würde (Beifall). Er brauche nicht im einzel­nen die völlige Widerlegung zu wiederholen, die die englische Regierung den wilden Erklärungen über die Motive und Handlungen Englands in ge­wissen Teilen der italienischen Presse zuteil werden ließ. (Beifall.) Wir haben keine Hinter­gedanken, sondern nur den Gedanken einer friedlichen Regelung. Die Erklärungen, daß wir an unsere eigenen Kolonialinteressen denken und daß wir in den benachbarten britischen Kolonien Trup­pen anhäufen, entbehren jeglicher Grundlage. Ich hoffe, daß meine Widerlegung in allen italienischen Zeitungen, die für diese unbegründeten Beschuldi­gungen verantwortlich sein mögen, vollste Veröffent­lichung finden wird.

Dir haben den italienischen Wunsch nach Aebersee-Expansionen stets verstanden und wer­den ihn verstehen. Wir gaben die Notwen­digkeit einer italienischen Expan­sion zu, und wir geben erneut die Berechti­gung einiger Kritik zu, die gegen die abessinische Regierung geäußert wurde. Aber sind die Tatsachen der italienischen Ausdehnungsbedürfnisse und der Klage gegen Vie abessinische Regierung ein ausrei­chender Grund, um sich in einen Krieg zu stürzen? Ich hoffe, daß es möglich sein wird, dieses Unglück zu verhin­dern, sei es durch Anwendung des Vertrages von 1906 oder durch die Hilfe des Völkerbundes.

Der Außenminister behandelte dann Englands Verhältnis zu Frankreich.

Frankreich und England sind diejenigen Mächte Westeuropas, die in erster Linie verantwort- lich für die Regelung von 1919 sind. Wir sind daher zusammen besonders an den Aen- derungen an dieser Regelung interessiert, die jetzt auf die gebieterische Forderung der Zeit hin gemacht werden. Wir haben d-icht zusammengestanden, wir haben viele Jahre zusammengearbeitet, und wir werden fort- fahren, zusammenzugehen und in der Zukunft zusammenzuarbeiten. Es ist nicht britische Art, alte Freundschaften zu opfern um neuer willen. Wenn wir neue Freundschaften suchen, werden wir das in einer Weise tun, daß wir unsere alten Freundschaften nicht gefährden.

Auch mit Italien verbinde England eine alte und wertvolle Freundschaft. Er habe keinen wär­meren und aufrichtigeren Wunsch, als daß sie sich fortsetzte. Zu Sowjetrußland seien die wirt­schaftlichen und politischen Beziehungen besser als jemals.

lieber unsere Beziehungen zu Deutsch­land habe ich mich im einzelnen bereits vor­her geäußert Ich brauche hier nur den Grund- t o n des Ganzen zu wiederholen: daß untere Hal­tung ein praktischer und verstehender Realismus ist.

England lege besonderen Wert auf freund­liche Beziehungen zu Japan. Er nehme sich jedoch die Freiheit, den japanischen Freunden zu sagen, daß man in England besorgt sei we­gen gewisser Ereignisse in No.rdchina. Er glaube jedoch, daß dieses Kapitel der Besorgnis vor dem Abschluß stehe und daß der englische Wunsch nach möglichst freundlichen Beziehungen in Zukunft sich mehr verwirklichen werde. Eng­land habe durch die Ernennung eines Botschafters gezeigt, welchen Wert es auf die Beziehungen Zu China lege. Die Beziehungen zu den Ver­einigten Staaten seien ausgezeichnet. Eng­land beabsichtige, seine Verpflichtungen i n n e z u h a l t e n, die sich aus den Verträgen und aus den Völkerbundssatzungen ergeben und es sei bereit, mit Europa a u f b e r Grundlage einer kollektiven Sicherheit zusammenzuarbeiten.

Die Meinung der Parteien.

Rededuell zwischen Lloyd George und Austen Chamberlain.

Sir Herbert Samuel

erklärte, das deutsch-englische Flottenabkommen habe bei einigen Leuten Besorgnis erregt, weil es ohne Zutun des Völkerbundes und ohne Befragung an­derer Mächte abgeschlossen worden sei. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn es in einer mehr provisorischen Form abgeschlossen worden wäre, je­doch sei die Regierung zu loben, daß sie sich die Gelegenheit nicht habe entgehen lassen. Es sei an der Zeit, zu erkennen, daß die Rüstungsbe- stimmungen des Versailler Vertrages t o t sind und daß die Tatsache, daß sie nicht be­graben sind, die Luft Europas vergifte. Nach einer unfreundlichen Bemerkung über Deutsch­land erklärte der Redner, man sehe in England ebensogut wie in Frankreich die Gefahren, die sich aus den ständigen Erklärungen des Kanzlers gegen Sowjetrußland ergeben. In der abessinischen Frage beunruhige ihn die Methode, die Italien anwende. Man dürfe Italien nicht im Zweifel darüber las­sen, was für einen Eindruck fein Vorgehen in wei­ten Kreisen Englands mache.

Winston Churchill

übte scharfe Kritik an der englischen Außenpolitik. Sie habe den Völkerbund geschwächt, die kollektive Sicherheit verschlechtert, Deutschlands Vertragsver­letzung verziehen (!) und Stresa erschüttert. Er gebe zu, daß das Flottenabkommen nicht notwendiger­weise gegen den Vorteil und die Sicherheit anderer verstoße. Aber beklagenswerterweise sei es ein völlig getrenntes Vorgehen gewesen. Das Vertrauen zwischen England und Frankreich sei erschüttert worden, das heute infolge der be­dauerlichen Unterlegenheit der britischen Luftflotte gegenüber der deutschen notwendiger als je fei.

Lloyd George

bedauerte, daß England anscheinend nicht feine Ver­pflichtungen auf Grund des Völkerbundes gegen­über Italien anwenden wolle. Die Genfer Entschlie­ßungen vom April, in der wirtschaftliche und finan­zielle Sanktionen gegen einen Vertragsbruch vorgesehen wurden, sei zwar gegen Deutschland ge­richtet gewesen, aberman kann nicht einen Maß­stab für Deutschland anwenden und einen für Ita­lien". Abessinien sei der erste Fall, auf den die Genfer Entschließung anwendbar wäre. Er hoffe, daß England an seine Freunde und Ver­bündeten herantreten werde, um eine wirkungs­volle Intervention herbeizuführen. Wenn es dem Völkerbund nicht gelinge, die abessinische Frage zu regeln, dann werde die letzte Spur seines Ansehens verschwinden. Der Versailler Vertrag sei unter beispielloser (Erbitterung geschrieben worden. Das Beste, was man habe tun können, sei die Ein­fügung von Maßnahmen für eine zukünftige R e - vision gewesen. Schon damals eine Revision zu versuchen, wäre Wahnsinn gewesen. In sehr kurzer Zeit würden die militärischen Streit­kräfte Deutschlands die größten in der Welt fein. In Stresa habe man dieeinseitige Vertrags­verletzung" Deutschlands scharf zurückgewiesen, aber habe man etwa gehandelt? Auf die Entschließung von Stresa und Genf habe Hitler U-Boote ge­baut- Wo seien die Sanktionen? Ministerpräsident und Außenminister hätten dengroßen Vertrags­brecher" herzlich eingeladen, einige weitereVer­tragsbrüche" zu erörtern. Deutschland pfeife auf den Völkerbund. Italien tue dasselbe. Kurz gesagt, der Völkerbund fei nur noch ein Schutthaufen.

Sir Au-en Chamberlain

erklärte, er stimme darin überein, daß die Atmo­sphäre in Europa schlechter sei als vor einigen Monaten. Aber glaube Lloyd George wirklich, daß er seinen Absichten diene, inbem er allen ande­ren Nationen die Leviten lese und fremde Staatsoberhäupter beleidige. Man könne nicht Frieden machen, indem man strafe. Er habe durchaus Recht, wenn er sage, daß er mehr als irgendein anderer für den Versailler Vertrag verantwortlich sei. Aber wenn er sage, daß nur die härtesten Bedingungen auf- reckterhalten worden feien, so habe er vielleicht ge­schlafen oder sei zu sehr durch seine literarischen Arbeiten beansprucht gewesen. Die Reparatio­nen, eine der schärfsten Bestimmungen, seien ge­schwunden. Die Rheinlandbes^tzung habe fünf Jahre vor der Zeit aufgehört. Chamberlain wandte sich gegen die Feststellung Lloyd Georges, daß die Regierung die Einführung der Wehrpflicht in Deutschland, diesenVertragsbruch", habe hin­

gehen lassen. Was würde erdenn getan haben? Würde er, nachdem festgestellt worden fei, daß Deutschland sich wieder bewaffne, vorgeschlagen haben, daß Frankreich sich bewaffnen und in Deutschland e i n m a r s ch i e r e n solle? (Stürmische Rufe.) Er fei der Ansicht, daß Hoares heutige Erklärung in den fremden Haupt­städten einen größeren Eindruck machen würde, als man das im Hause anzunehmen scheine. Er stimme voll und ganz mit der Linie überein, die Hoare eingeschlagen habe.

Ein Intermezzo.

Das Licht erlöscht.Unterhausdebatte bei Kerzenschein.

Als sich der Arbeiterabgeordnete Jones erhob, ging plötzlich im ganzen Unterhaus das Licht aus. Minister und Abgeordnete waren in tie­fes Dunkel gehüllt und Jones sagte:Ich habe noch nie den Sprecher dringender um Licht g e b e t e n". Er versuchte, seine Rede an die un­sichtbare Zuhörerschaft fortzusetzen, als ein Unter­bausbeamter eine Kerze brachte, um die Mi­nisterbank zu erleuchten. Nach und nach wurden etwa ein Dutzend Kerzen aufgestellt, und die Aus­sprache wurde im Halbdunkel fortgesetzt. Das elektrische Licht flammte 12 Minuten vor 10 Uhr unter dem lauten Beifall des ganzen Hauses wie­der auf.

Völkerbundsminister Eden

erklärte: Die britische Regierung gibt nicht zu, daß der Abschluß des Flottenabkommens im Widerspruch zu dem Grundsatz der Zusammenar­beit steht, der in dem Londoner Protokoll vom 3. Februar und in der Stresaer Entschließung, an denen die englische Regierung energisch festhält, ver­körpert ist. Der Zweck sei gewesen, durch ein Abkommen mit Deutschland die letzten Folgen eines einseitigen Entschlusses" zu beschränken, mit dessen Verwirklichung Deutschland bereits begonnen hätte. Wenn andere Mächte ähnliche Abma­chungen über Land- und Luftrüstungen mit Deutschland abschließen würden, würden wir gegen solche beschränkten Abkommen nicht nur keinen Widerspruch erheben, sondern sie als einen wichtigen Schritt zur Befriedung betrachten, vor­ausgesetzt, daß unsere eigene Handlungsfreiheit un­beeinträchtigt bliebe, genau so, wie bie Hand­lungsfreiheit anderer Mächte durch das deutsch-englische Flottenabkommen in keiner Weise beeinträchtig wird. Deutschland sei im Februar letzten Jahres bereit ge­wesen, einer Zehnjahresabmachung zuzustimmen sowie einer Luftflotte, die 50 v. H. der fran­zösischen während dieser Zeit nicht überschreiten würde, und einer Armee, die mit 300 000 Mann der französischen gleich sein würde. Die französische Regierung habe diese Angebot abgelehnt. Sei dies nicht eine Grundlage, auf der wir uns heute so gern einigen würden. Jetzt kennt jede Flottenmacht die Grenze der deutschen Flotten­rüstung und kann ihr Programm danach einrichten.

Eden kam dann auf den italienisch-abessinischen Streit au sprechen, und sagte u. a.: Wenn der englische Vermittlungsvorschlag ange­nommen worden wäre, hätte man ihn den Fran­zosen als Mitunterzeichner des Vertrages von 1906 vorgelegt, und zwar, bevor man sie Abessinien und dem englischen Unterhaus mitgeteilt hätte. Eden er­wähnte dann die wirtschaftlichen und gebietsmäßi­gen Z u g e ft ä n b n i f f e , bie Abessinien im Rah­men bes englischen Vorschlages machen wollte. Ita­lien habe gegenwärtig keinen einzigen wirtschaft­lichen Berater auf einem wichtigen abessinischen Posten. Es wäre möglich gewesen, biese Lage zu bessern. Man könne sich auch benken, baß Abessinien bereit gewesen wäre, eine Sieblung auslän- bischer Einwohner in einigen Teilen seines Gebietes zuzulassen. Man würbe sehr falsche Schlüsse ziehen, wollte man glauben, baß dieser besondere Fall, in dem England einen territorialen Beitrag zur Sicherung des Friedens vorschlug, in irgendeiner Weise einen Präzedenz­fall darstellt. Die vom Völkerbund eingesetzte Aus­söhnungsmaschinerie sei zusammengebrochen. Die englische Regierung fei mit der französischen Regie­rung über die weitergehenden Gesichtspunkte des Streitfalles in einem Meinungsaustausch. England habe seinen Beitrag geleistet, jetzt fei esnnFran k- reich, den seinigen zu leisten.

Die englische presse zur Llnierhausdebaiie.

London, 12. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der liberaleN e w s C h r o n i c l e" bezeichnet die Rede Hoares als äußerst taktvoll und als beinahe auf­fällig diplomatifch. In einer Beziehung könne sie als ziemlich geschickter Versuch betrachtet werden, die Stresasront mit einer etwas veränderten Front wie­der herzustellen. Einerseits werde Frankreich durch die Erklärung über die Unteilbarkeit des Friedens und die Notwendigkeit einer östlichen ebenso wie einer westlichen Regelung beruhigt. Anderseits ver­suche Hoare durch freundliche Mahnungen Deutsch­land zu überzeugen, daß die Stresasront nichts deutschfeindliches habe und daß Hitler, wenn er einen Luftpakt wünsche, dafür durch Teilnahme am Ost- und Donaupaktbezahlen" sollte. Die Erklä­rung zum Abessinien-Streit dagegen sei enttäuschend in ihrer vorsätzlichen Undeutlichkeit.

Die unabhängige konservativeDaily Mail" warnt die Regierung, sich ihre Politik vom Völker­bund diktieren zu lassen. Das Blatt hofft, daß das Kabinett sein Bestes tun werde, den Kaiser von Abessinien zur Erfüllung der italienischen Forde­rungen zu Überreden. Times sagt zu den Aus­führungen des Staatssekretärs über den Völker­bund: England wird schwerlich zur Uebernahme weiterer Verpflichtungen ober zur genauen Defini- tion seiner jetzigen Verbindlichkeiten veranlaßt werden durch das Beispiel anderer Länder, die nachdrücklich die strenge Anwendung der Völker- bundssatzung befürworten und sie dann völlig auf die Seite schieben, wenn ihr eige­nes Prioatinteresse die Anwendung unan- genehm macht. Hoare habe etwas hartnäckig die Unteilbarkeit des Friedens betont", den er eineinziges Ganzes" nannte. Die von Litwi­now verbreitete Theorie werde durch die feit 1919 ausgefochtenen Kriege nicht bestätigt und es fei noch immer ein unanfechtbarer Lehrsatz, daß kein Land geneigt fein werde, in den Krieg zu ziehen, wenn es nicht durch sein eigenes Interesse dazu gezwungen werde. In der Frage des Ostpaktes werde die öffentliche Mei­

nung von Herzen die Einladung des Staatssekretärs an Hitler begrüßen, daß er durch Förderung des Abschlusses dieses östlichen Abkommens unter dem von ihm gebilligten und von der französischen Regierung als Derhandlungs- grundlage angenommenen Bedingungen einen wirklichen Beitrag zur Sache des Fried.ens leisten möge. Das Blatt warnt Frankreich vor übertriebe­ner Reizbarkeit und Kleinigkeitskrämerei und sagt, es fei nicht das geringste Verdienst der Rede Hoares, daß sie deutlich eine oder zwei gleichgestimmte Rich­tungen gezeichnet habe, in denen jetzt ein praktischer Fortschritt in Richtung auf die Ideale der Stabili­tät der Gerechtigkeit und des Friedens möglich fei.

Daily Telegraph" meint, die französische Öffentlichkeit sollte sich durch die freimütige An­nahme des französischen Standpunktes, daß West­pakt, Ostpakt und Donaupakt gleichzeitig be­handelt werden müßten, beruhigt fühlen. Eng­land habe nicht den Wunsch, ein zweiseitiges Luft­abkommen nach dem Vorbild des Flottenabkom­mens mit Deutschland abzuschließen. Wenn der Aufruf an Hitler bei Verhandlungen über Ost- und Donaupakte mitzuhelfen, um dadurch dem Luftpakt den von ihm yewünschten Antrieb zu geben, von Berlin bereitwillig angenommen werden würde, so würden sie in ganz Europa begrüßt werden. M o r n i n g P o st" findet die Verteidigung des Flottenabkommens mit Deutschland weniger glück­lich. Tatsache bleibe nach dieser Unterhaus-Debatte kaum der Anschein dafür übrig, daß dasSystem der kollektiven Sicherheit" oder der Völkerbund be­stehen bleibe. Mit allen Pakten, Abrüstungsver­trägen und Kollektivsystemen sei es zu Ende. Man dürfe nur hoffen, daß mit der Zerstörung dieser Trugbilder in England ein Gefühl für die Wirklichkeit entstehen werde. Wenn es nicht länger einenFriedensapparat" und ein kollektives Friedenssystem" gebe, dann sei dies ein um so wichtigerer Grund für Großbritannien, die bestehenden Freundschaften zu pfle­gen und nur der eigenen Kraft zu vertrauen.

Das deutsche Wunder.

Ein amerikanischer Geistlicher nennt das heutige Deutschland ein überwältigendes Erlebnis..

N e u y o r k, 12. Juli (DNB. Funkfpruch). Der bekannte Neuyorker Prediger Pastor Haynes Hol­mes, der soeben von einer Studienreise nach Deutschland zurückkehrte, erklärte Pressevertretern, er fei der Ueberzeugung, daß die Bedeutung der Führerschaft Hitlers kaum über- trieben werden könne. Der Anblick, den das Deutschland von heute biete, fei ein überwäl­tigendes Erlebnis. 15 Jahre nach einem Kriege, durch den die Alliierten Deutschland zu zer­stören gedachten, habe sich dieses Land wieder emporgerichtet. Im Vergleich mit feinen letzten Deutschland-Reisen in den Jahren 1922 und 1931 'bezeichnete Holmes die Wandlung der Dinge als ein Wunder. Das deutsche Volk habe fein Selbstgefühl wieder gewonnen und fei von Vertrauen, Begeisterung und Mut beseelt, wäh­rend es noch im Jahre 1931 der Auflösung nahe gewesen sei. Hitler habe in steigendem Maße die breiten Volksschichten gewonnen. Er, Holmes, habe sich früher hierüber ein völlig falsches Bild gemacht. Er fei aber durch persönliche Unterredungen bei allen möglichen Gelegenheiten zu einer besseren Ansicht gekommen. Die Erkenntnis, daß Deutschland unter der Führung Hitlers zu einem einigen und tief begeisterten Volk geworden ist, fei für Amerika von großer Bedeutung.

England und Irland.

Eine Warnung an de Balera.

London, 11. Juli. (DNB.) Dominienminister Thomas erklärte im Unterhaus über bie eng­lisch-irischen Beziehungen:Wir werden es nicht zulassen, daß Südirland aus dem bri­tischen Staatsoerband austritt, und wir werden alle in unserer Macht stehenden Schritte tun, um das zu verhindern." De V a» l e r a hatte vor einiger Zeit gefordert, daß e i n aus Ausländern zusammengesetztes Schiedsgericht über die Beziehungen Irlands zum Britischen Weltreich entscheiden solle. Thomas erklärte, es sei unrichtig, daß es innerhalb des Britischen Reiches keine Männer gebe, die einen unparteiischen Schiedsspruch fällen konnten. Das Statut von Westminster habe fest- gelegt, daß die britischen Staateneinig sind in Der gemeinsamen Untertanenpflicht gegenüber der englischen Kron e". Der Irische Freistaat könne nicht nur bie Vorteile genießen, fonbern müsse auch bie Verpflich­tungen übernehmen, bie sich aus ber Zugehörig­keit zum britischen Staatsverbanb ergeben.

De Dalera habe ihm gesagt, daß ber Freistaat eine Republik werben müsse, baß er aber i n außenpolitischer Hinsicht bereit sei, den englischen König anzuerkennen. Ich glaube jedoch nicht", erklärte Thomas,daß irgendeine britische Regierung sich dem englischen Volk gegenüber rechtfertigen könnte, wenn sie er­lauben würde, daß der Irische Freistaat feine Verfassung nach Belieben für den einen o b er anderen Zweck benutzt. Ich zweifle daher auch, daß der Freistaat bereit ist, d i e Folgen auf sich zu nehmen, die die Ausrufung der Republik mit sich bringen würde. Viele Tausende von irischen Aerzten und Beamten und über eine Viertelmillion irischer Arbeiter, die in England leben, würden dadurch Ausländer werden und ihre Stellungen nur mit besonderer Geneh­migung behalten können."

Amerika warnt Italien.

Keine Preisgabe des Kelloggpakts.

Washington, 11. Juli. (DNB.) Staatssekre­tär Hüll legte dem italienischen Botschafter zum ersten Male seit dem Appell des abessinischen Kai­sers an Amerika bie amerikanischen Be­denken gegen Italiens starre Haltung gegenüber den Bemühungen des Völkerbundes um die Schlich­tung des Streites dar. Amerika bedauert, daß die an den abessinischen Kaiser gesandte Note in Rom als Unterstützung des italienischen Vorgehens und als völlige Uninteressiertheit Ame­rikas am Schicksal Abessiniens ausgefaßt worden fei. Deshalb betonte Hüll, daß Amerika über die Taktik Italiens ft a r k besorgt fei. Die Note an Abessinien fei ein deutlicher Beweis darauf, daß Amerika eine Verletzung bes Kellogg- Paktes als Bruch bes barin abgegebenen feier­lichen Versprechens betrachten würbe. Solange bie gegenwärtige Krise weiter bestehe, mochte bas Staatsdepartement auf feine neutralen Rechte, Kriegsmaterial an Kriegführende zu senden, nicht verzichten, da ein derartiger Verzicht angesichts der starken Bewaffnung Italiens als ein weiteres Preisgeben der schutzlosen abessinischen Re­gierung gebeutet werden konnte.

Kein englisches Ausfuhrverbot für Waffenlieferung nach Abessinien?

London, 12.3ult. (DNB. Funkspruch.) Eine Reutermeldung, daß die britische Regierung die Waffenausfuhr von England nach Abessinien freiwillig gesperrt habe, wird von mehreren Morgenblättern für unrich - t i g erklärt. Es wird gemeldet, daß nach mehr als zwölfmonatiger Pause vor einigen Tagen An­träge auf Einfuhr von Waffen von der abessinischen Regierung eingegangen feien, und diese würden in der üblichen Weise und ohne ungewöhnliche Verzögerung erledigt werden. Daily Telegraph" erklärt, es bestehe kein Grund für die Annahme, daß die (Erlaubnis verweigert werden würde.

Die Spaltung der Ieuerkreuzler.

Paris, 11. Juli. (DNB.) Die Spaltung in der Bewegung der Feuerkreuzler, von der schon gestern die Rede war, scheint sich zu bestätigen.Paris Midi" meldet, daß sich fünf führende Persönlich­keiten des VerbandesNationale Frei­willige" mit ihren Anhängern von Oberst de la Rocque getrennt haben. Die jungen Führer berNationalen Freiwilligen" (Nicht- Frontkämpfer) werfen Oberst de la Rocque vor, daß er nicht genügend scharf gegen bie Regierung DOrftofte- DieNationalen Freiwilligen" wünschen den Versuch einer weitgehenden Annäherung der jungen Anhänger aller Parteien zu machen. Oberst de la Rocque schlug ihnen vor, chrs wirtschaftlichen Gedankengänge in einer Schrift niederzulegen. DieNationalen Freiwilligen" ar­beiteten Darauf einen Plan aus. Oberst de la Rocque weigerte sich jedoch, diesen Plan in dem Blatt der Bewegung zu veröffentlichen. Daraufhin