Millionen Reichsmark zählender Schaden zugefugt wird. Einige von ihnen sind auch für den Menschen gefährlich. Die wirksame Bekämpfung der Seuchen gelingt erfahrungsgemäß mit Hilfe der wissenschaftlichen Erforschung, die das Wesen, die Ursache und die Entstehung dieser Krankheiten klarlegt. An der Hand einiger Beispiele sollen die Mittel und Wege zur Erreichung dieses Zieles aufaezeigt und vorgeführt, zugleich auch Einblick in die Tätigkeit des Veterinärhygienischen und Tierseuchen-Instttuts gewährt werden.
Die Tatsache, daß bei dem letzten Vortrage des Herrn Dr. Kranz über 300 Personen anwesend waren, beweist das große Interesse, das diese Dorträge im Volke finden. Der Eintritt zu allen Dor- trägen ist für alle Volksgenossen frei.
Sammeltag zugunsten des Zugendherbergswerkes.
Der Reichsoerband für Deutsche Jugendherbergen führt gemeinsam mit der Hitler-Jugend und der NSV. am 15. und 16. Juni und 6. und 7. Juli eine Sammlung durch. An dieser Sammlung beteiligen sich auch geschlossen die Schulen. Die aufgebrachten Mittel sollen zum Neubau von Jugendherbergen in wanderwichtigen Gerieten und zum Ausbau der schon bestehenden Jugendherbergen Verwendung finden. Die Sammlung wird unter Aufsicht des Herrn Reichsschatzmeisters der NSDAP., des Herrn Neichsminifters des Innern Dr. Frick und des Herrn Reichskultusministers Rust durchgeführt.
Geißler, Gebietsführer im Stabe der RIF. *
10 Millionen Kirschblüten werden am 15. und 16. Juni verkauft.
Der „Völkische Beobachter" meldet: Am 15. und 16. Juni steht die gesamte HI. im Dienste der Sammlung für das deutsche Jugendherbergswerk. 10 Millionen Kirschblüten, die in dem Städtchen Sebnitz in Sachsen an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze hergestellt wurden, werden an diesen beiden Tagen verkauft. Der Einfatz der HI. an den Sammeltagen dient also nicht nur dem Jugendherbergswerk, sondern durch den Verkauf der Kirschblüten wird auch den Familien geholfen, die durch die Kunstblumenherstellung Arbeit und Brot erlangt haben.
Reifeprüfungen und sonstigeprüfungen für Aichtschüler in Hessen.
Reifeprüfungen für Nichtschüler und -schülerinnen in Hessen finden im Herbst 1935 statt. Der mit 1,50 RM. stempelpflichtigen Meldung, die bei dem Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung Abteilung II — einzureichen ist, sind unter Angabe der genauen Anschrift des Prüflings beizufügen: Lebenslauf mit zwei Lichtbildern, Leumundszeugnis, Nachweis des Bildungsganges, der Vorbereitung auf die Prüfung sowie das Abgangszeugnis der zuletzt besuchten öffentlichen höheren Schule. Prüflinae, die zuletzt eine private Vorbereitungsanstalt besucht haben, müssen außerdem ein vollständiges Zeugnis dieser Schule, in dem alle Fächer mit Noten über die Leistungen bezeichnet sind, vorlegen.
Meldungen von Bewervern, die nicht in Hessen wohnen, können nur dann berücksichtigt werden, wenn der Wunsch zur Ablegung der Prüfung an einer hessischen höheren Lehranstalt in eingehender Darlegung begründet wird. Voraussetzung für die Zulassung von Bewerbern, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und deren Eltern nicht in Hessen wohnen, ist die Genehmigung der zuständigen Heimatschulbehörde (Oberpräsident der Provinz, Abteilung für höheres Schulwesen usw.) zur Ablegung der Prüfung in Hessen.
Bei der ebenfalls stempelpflichtigen Meldung für eine Prüfung zur Erlangung der Reife für Prima oder Obersekunda genügt die Vorlage des Lebensganges, des Leumundszeugnisses, des letzten Schulzeugnisses und des Nachweises über die Art der Vorbereitung. Für die Zulassung gelten im all-
Arbeitsbeschaffung durch den Hausbesih
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Militärkonzert in der Lergschenke.
Das gesamte Musikkorps der Gießener Garnison unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister Ernst Krauße bot am gestrigen Dienstagnachmittag und am Abend den Besuchern der Berg-
deutschen Hausbesitzer, daß sie sich ihrer Pflicht gegenüber der Volksgemeinschaft bewußt werden und durch Vergebung von Arbeitsaufträgen dazu beitragen, das Gespenst der Arbeitslosigkeit zu bannen. Ein weiteres Ziel ist auch, den Zustand des deutschen Wohnraumes, wie überhaupt des bebauten Besitzes zu verbessern, wodurch auch gleichzeitig der Eigentümer den Wert seins Eigentums erhöht.
Im Interesse der Arbeitsbeschaffung muh auch an die Mieter, vornehmlich an diejenigen, die durch die Einbehaltung von 4 v. h. der Frie- densmiele zu der Ausführung der sog. Schön- heitsreparaturen verpflichtet find, die dringende Aufforderung gerichtet werden, gleichfalls durch Vergebung von Jnftandsehungsarbeiten zu der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beizutragen.
In einem gemeinsamen Ausruf des Zentralverbandes Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine und des Reichsstandes des Handwerks an die angeschlossenen Organisationen und die Mitgliedskorper- schaften wird auf die Schicksalsverbundenhelt von Hausbesitz und Handwerk besonders hingewresen. Diese hat sich dadurch zu bewähren, daß der Haus- besitz im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen zusätzliche Arbeitsaufträge erteilt und baß anderseits das deutsche Handwerk dem Auftraggeber durch sauberste Ausführung der Arbeiten und durch äußerste Preisgestaltung entgegenkommt. Es muß selbstverständlich vermieden werden, daß die durch die Arbeitsbeschaffung etwa an einzelnen Stellen au - tretende Sonderkonjunktur zu sachlich ungerechtfertigten Preiserhöhungen benutzt wird.
Mittelstreifens ist aus der gesamten Strecke unbe- dingt verboten.
6 Angehalten darf nur in dringenden Fallen wer- den. Das Fahrzeug ist dabei aus die äußerste rechte Seite der jeweiligen Fahrbahn 5^ stellen.
7. Die Ueberführungen dürfen nicht als Unterstell- räume bei Regen und Schnee benutzt werden.
8. Bei Unfällen oder Pannen kann durch ole Fernsprechstellen in den Wärterhäuschen an den drei Anschlußstellen am Zubringer Frankfurt a^M.-Sud, Mörfelden—Langen und D armstadt—Griesheim Hilfe herbeigeholt werden. Zu den Fernfprechftellen nur auf dem äußeren Bankett, nicht auf der Fahrbahn gehen! ‘ .
9. Den Anweisungen des Bahnschutzes und des mit grünen Armbinden gekennzeichneten Straßen» meisterpersonals ist unbedingt Folge zu leisten.
10. Nur bei Beachtung dieser Vorschriften und bet gesteigerter gegenseitiger Rücksichtnahme der Bahnbenutzer kann die Reichsautobahn erhöhte Sicherheit und erleichtertes Fahren bieten.
Deutsches Zugendfest 1935.
Aufgaben der Ortsausschüsse.
die Wettkampfanlagen in Ordnung sind.
Welche Gemeinden zu dem betreffenden Festort gehören, kann der Gefolgschaftsführer der HI. angeben. Diese Gemeinden sind von allen wichtigen Angelegenheiten in Kenntnis zu setzen. Die Siegeroerkündigung soll möglichst im Anschluß an die Kämpfe stattfinden.
Alle Anfragen betreffend die technische Durchführung der Wettkämpfe sind zu richten an Turnlehrer Mohr, Gießen, Wilsonstr. 8.
gemeinen dieselben Bestimmungen wie für die Reife- Prüfung. ,
Meldungen zu Ergänzungsprufungen, dte.ebenfalls nur im Frühjahr und im Herbst stattsmden, sind auch mit 1,50 RM. stempelpflichttg; es genügt hier die Vorlage einer beglaubigten Abschrift des Reifezeugnisses.
Die Zulassung von Nichtariern zu Nichtschuler- Prüfungen bedarf der Genehmigung des Herrn Reichs- und preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung: der dem Bewerber zugehende Bescheid ist mit der Meldung zur Prüfung einzureichen.
Die mit der Abnahme der Prüfung betraute Direktion teilt dem Bewerber die erfolgte Zulassung sowie Zeit und Ort der Püfung mit und gibt auf Anfrage über Gegenstände der Prüfuna Auskunft-, an den Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung Abteilung II — sind derartige Anfragen zu richten. Weisungen der Direktion sind zu entsprechen: ihre Anfragen sind alsbald und ausführlich zu beantworten, andernfalls kann die Zulassung von ihr versagt werden. .
Meldeschluß am I.Juli 1935. Verspätet einlaufende ober durch nachträgliche Vorlage von Nachweisen ergänzte Gesuche werden nicht berücksichtigt.
3. Familientag derAachkommen Liebigs
Am 23. Juni d. I. findet in Gießen an der Stätte der erfolgreichsten Tätigkeit des berühmten Chemikers Justus von Liebig, der aus Darmstadt gebürtig war, der dritte Familientag der Nachkommen der Angehörigen Justus von Liebig statt. Nach dem erfolgreichen Verlauf der vorhergegangenen Familientage ist wiederum ein guter Besuch zu erwarten. Die Vorbereitungen für die Veranstaltung liegt in den Händen des Amtsgerichtsrats W. Jöckel, des einzigen ortsansässigen Verwandten Liebigs, der ein Nachkomme Liebigs jüngerer Schwester Luise Catharine ist.
In Verbindung mit dem Familientag wird die diesjährige Jahres-Hauptversammlung der Gesellschaft Liebig-Museum abge-
Jn der nächsten Zeit werden in allen deutschen Gauen an den Anschlagsäulen Plakate kleben, die die Aufforderung des Zentraloerbandes Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine an die deutschen Hausbesitzer enthalten.
In diesem Sommer durch vermehrte Vergebung von Jnstandsehungsaufträgen, soweit es in ihren wirtschaftlichen Kräften liegt, bei der Bekämpfung der ArbeitslosigkeU mitzuhelfen.
Diese Aktion zur Förderung der vom Führer angeordneten Arbeitsschlacht ist vom deutschen Haus- und Grundbesitz gemeinsam mit dem Retchsstand des Deutschen Handwerks in bte Wege geleitet worben, weil im bebauten Besitz insbesondre für bas Hanbwerk noch große Reserven ber Arbeitsbeschaffung vorhanben sinb.
Bekanntlich sind im Verlaufe des Winters 1933/34 mit Hilfe der Reichszuschüsse große Jn- standsetzungsarbeiten durchgeführt worden, aber naturgemäß konnten die Versäumnisse zweier Jahrzehnte nicht in diesem einen Winter nachgeholt werden.
Außerdem ist es erforderlich, daß das deutsche Handwerk dauernd und in regelmäßigem Umfange mit Jnftandfehungsauflrägen des Hausbesitzers versehen wird, da etwa drei Fünftel des Handwerks nur durch die Aufträge des hausbefihes Lohn und Brot erhalten.
Aus diesem Grunde richtet sich der Appell des Präsidenten des Zentralverbandes Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine, T r i b i u s, an die
halten werden. Im Mittelpunkt beider Veranstaltungen steht ein Vortrag ■ des Ehrenpräsidenten dieser Gesellschaft, Herrn Geheimen Rats Umversttats- Profesior Dr. R. Sommer über einen wertvollen Fund von 40 Briefen Justus von Liebig an seinen Bruder Karl Liebig in Valparaiso, der die sehr herzlichen Beziehungen zwischen beiden Brudern aufzeigt. Bewundernswert ist es, mit welcher Liebe und Sorgfalt der große Forscher seinem Bruder Aufschluß erteilt über chemische Experimente, u. a. die Herstellung des Fleischextraktes.
An die gemeinsame Sitzung schließt sich ein Besuch Bad Salzhausens zur Besichtigung ber Erinne- rungsstücke unb bes Liebig-Zimmers im bärtigen Kurhaus an.
Was der Autofahrer über dieBenutzung der Michsautobahn wissen muß.
1. Die Reichsautobahn ist nur für Kraftfahrzeuge bestimmt. Von ber Benutzung sinb somit ausae- schlosien: Fußgänger, Rabfahrer, Reiter unb Fuhrwerke. , ,
2. Zu- unb Abfahrten ber 22 km langen Autobahnteilstrecke Frankfurt—Darmstadt sind nur unter Benutzung ber Anschlußstellen an ben Straßen Frankfurt—Kelsterbach (Alte Mainzer Straße), Langen—Mörfelben unb Darmstabt—Griesheim gestattet.
3. An ben Anschlußrampen sinb nur bte von Sperrzeichen freien Wege zu benutzen. Auf ben Zu- unb Abfahrtsrampen ist das Ueberholen nicht gestattet. . _
4. Die westliche Fahrbahn ist für die Richtung Frankfurt—Darmstadt, die östliche Fahrbahn für die Richtung Darmstadt—Frankfurt bestimmt. Auf jeder Fahrbahn ist rechts zu fahren, die linke Halste nur beim Ueberholen zu benutzen. Nicht nebeneinander fahren!
5. Die Richtung kann nur an den Anschlußstellen gewechselt werden. Dort ist unter Benutzung der Auffahrts- und Abfahrtsrampen die Autobahn nur auf den Brücken zu kreuzen. Das Ueberfahren des
Die Ortsausschüsse für das Deutsche Jugendfest am 22. und 23. Juni sind nun an den bekannt- gegebenen Orten zusammengerufen. Ihre wichtigsten Ausgaben sind folgende:
' Leiter des Ausschusses ist ein Vertreter der betr. Gemeinde. Von ihm sind zu bestellen: a) hte Siegernabeln. Um bie Anzahl ber zu bestellenden Nabeln angeben zu können, muß die Zahl ber Wettkämpfer unb Wettkämpferinnen bekannt sei. Man rechnet, baß ungefähr ein Drittel aller Teilnehmer Sieger werben. In dieser Höhe erfolgt auch die Bestellung der Nadeln. Die Unkosten für die Nabeln werben gebeckt aus bem Ueberschuß, ber beim Verkauf der Festabzeichen, der ausschließlich durch die Schulen geschieht, erzielt wird, b) Die Wettkampfkarten für alle Teilnehmer, die nicht der HI. oder ihren Untergliederungen angehören. Alle Bestellungen umgehend bei der Geschäftsstelle des Deutschen Jugendfestes in Berlin.
Die technische Durchführung der Wettkämpfe überträgt die Gemeinde am besten einem Turnoder Sportwart eines Turn- oder Sportvereins. Dieser ist verantwortlich für die Durchführung der Kämpfe. Er sucht sich Mitarbeiter aus den Vereinen, d--r HI. und ihren Untergliederungen unb ber Lehrerschaft, bie als Kampfrichter, Riegenführer unb im Berechnungsausschuß tätig sinb. Seine Aufgabe ist es auch, in Zusammenarbeit mit ber Gemeinbe bafür zu sorgen, daß
Deutsches Erzeug ms
NESTLE
KINDERNAHRUNG
Wamm verkeimst du mich, Barbara?
Roman von Liane Sanden.
llrheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Der Polizist blieb am Auto vor Mackenroth stehen und fragte leise:
„Wieder was vom Vieh erkrankt, Herr von Mackenroth?"
„Ja, leider, Herr Wachtmeister — eine unserer besten Stuten. Heute nachmittag war sie noch kreuzfidel, und heute abend hat sie etwas wie eine Kolik. Weiß der Himmel, was die Viecher immer fressen!"
Der Polizist sah sich scheu um:
„Ich will ja nichts gesagt haben, Herr von Mackenroth. Aber passen Sie gut auf! Passen Sie recht gut auf!"
Mackenroth sah den Beamten an. Er wollte etwas fragen. Aber ber grüßte schon militärisch unb ging in auffälliger Eile bavon. Er schien offenbar über dies Thema nicht weitersprechen zu wollen. Eckeharbs Gesicht würbe finster. Die kurzen, warnenben Worte bes Mannes hatten feine Gedanken wieber nach einer bestimmten Richtung gelenkt. Diesmal würbe er nicht nachlassen, bis er den Grund ber rätselhaften Erkrankungen im Vieh- bestaub bes Schlosses Scheblowitz erfahren hatte.
Enblich erschien Doktor Wenclic^ek. Er sah noch ziemlich verschlafen aus unb knöpfte im Herunterkommen noch seine Weste zu.
„Guten Adenb, Herr von Mackenroth. Na, bas sinb ja bewegte Nächte." Er stieg etwas schwer at- menb unb pustenb ob seiner Leibesfülle zu Mackenroth. „Weiß ber Himmel, jebe Nacht beinah holt man mich heraus."
Eckeharb berichtete im Fahren kurz unb fachlich dem fragenden Tierarzt über bie erkrankte Stute. Als sie nach einer halben Stunbe auf ben Grasplatz hinter bem Wirtschaftshof von Scheblowitz tarnen, sahen sie Emil Perschke. Er trieb mit auf- munternben Zurufen bie Stute an einer langen Seine im Kreise umher. Das Tier war mit Schweiß bebeckt unb zitterte in den Flanken.
„Gott fei Dank, daß Sie kommen, Herr Doktor", sagte er. „Ich kann sie schon nicht mehr auf den Beinen halten. Sie will sich immer hinlegen. Ich fürchte, unsere Mühe nützt nichts."
9. Kapitel.
Die letzten Gäste waren von Schloß Scheblowitz weggefahren. Barbara hatte sich zärtlich von Magdalena verabschiedet und war in ihr Zimmer gegangen.
„Ich brauche Sie nicht mehr, Klara", jagte sie
freundlich zu der Zofe, die verschlafen aus ihrem Stuhl auffuhr, „gehen Sie ruhig!"
„Soll ich der gnädigen Frau noch beim Aus- kleiden helfen?"
„Nein, nein, Klara. Lassen Sie nur! Ich werde schon allein fertig."
Nun war alles still. Barbara sank mit einem Seufzer in den weichen Sessel, der am offenen Fenster stand. Es fiel wie eine Maske von ihrem hochmütigen, schönen Gesicht. Unendlich müde und sehr einsam sah sie jetzt aus, wie sie so saß unb in bie helle Sommernacht hinausstarrte. Das Fest war vollkommen gelungen. Alle Gäste hatten es ihr versichert. Man hatte sich nicht genug tun können in Worten ber Anerkennung unb ber Hoffnung, baß Barbara nun wieber regelmäßig im Kreise ihrer Stanbesgenossen erscheinen würbe.
Barbara sann vor sich hin. So hatte sie also erreicht, was sie wollte. Die Menschen, die in den Tagen ihres Konfliktes mit ihrem verstorbenen Ehemann, ohne zu fragen unb zu überlegen, für Albert Partei genommen, sie hatten sie nun wieber anerkannt. Damals hatte man es für eine Anmaßung gehalten, baß sie, bie Bürgerliche, um einer solchen Lappalie willen, wie man Alberts Beziehungen zu ber französischen Sängerin nannte, sich scheiden lassen wollte.
Bis der Selbstmord Alberts allen gezeigt hatte, daß hinter diesen Beziehungen noch ganz andere Dinge steckten: ber burch Leichtsinn hervorgerufene Verlust bes Vermögens, Spielschulden, bie nicht eingelöst werben konnten, Wechsel, bie umliefen — kurzum, ber ganze Zusammenbruch.
Ihr Vater hatte außerordentlich große Summen opfern müssen, um die Verbindlichkeiten zu decken. So war es wenigstens gelungen, das Gut zu retten. Aber es hatte hingebender Arbeit bedurft, um den verwirtschafteten Besitz wieder auf einen hohen Stand zu bringen.
Damals hatte man ihr empfohlen, dem Oberinspektor Rockesch eine Hilfe zur Seite zu geben. Man hatte ihr Eckehard von Mackenroth genannt. Und was Arbeit und Pflichterfüllung anlangte, hatte sie diese Wahl nie zu bereuen gehabt. Ecke- Hardt von Mackenroth war tüchtig wie kaum ein Landwirt. Sie vermochte bas zu beurteilen. Denn sie hatte ja auf bem väterlichen Gut bei Blankenese einen Einblick in ben Betrieb eines solchen Besitzes bekommen. Seit bem Tobe ihres Gatten hatte sie nicht geruht, bis sie in allen Zweigen ber Landwirtschaft eine gewisse Erfahrung sich erworben hatte. Sie hatte Bücher gelesen. Sie hatte Kurse an ber landwirtschaftlichen Schule der benachbarten Kreisstadt gehört und sich mit allem Ernst in ihre neue Aufgabe als Gutsherrin vertieft. Sie wußte, was sie beruflich an Eckehardt von Mackenroth hatte.
Und doch, als er sich so brüsk von ihr auf dem Feste verabschiedet, hatte sie beinah aufgeatmet. Es mußte zwischen ihr und Mackenroth zu Ende
kommen. Wenn sie mit ihm zusammentraf, überkam sie eine Unruhe, die sie nicht zu deuten wußte oder nicht deuten wollte. . Es war zwischen ihnen beiden auf die Dauer das Verhältnis zwischen einer Gutsherrin und ihres Inspektors nicht aufrechtzuerhalten. In. seinen dunklen Augen lag etwas Fragendes, Bittendes, was ihre Ruhe zu trüben brohte. Das bürste nicht sein. Man würbe doch noch einen Menschen finben, ber ebenso tüchtig war wie Mackenroth, unb bem gegenüber keinerlei gesellschaftliche Rücksichten notwenbig waren. Sie wollte ihn fort haben. Er mußte sich nach einer anberen Stellung umsehen. Sie wollte ihre Ruhe wiebergewinnen, bie er zu stören brohte. Mit zusammengezogenen Brauen sah sie in bie Sommernacht hinaus.
Doch es war, als flösse aus ber samtigen Dunkelheit neue Unruhe in ihr Herz. Wie süß unb brängenb ber Atem ber Sommernacht zu ihr heraufkam! In ber halben Dunkelheit fah sie bas Weiß ber großen Lilien auf bem ©taubenbeet bicht vor ihrem Fenster geheimnisvoll aufleuchten. Dom Fluß her kam ber schluchzenbe Laut einer Nachtigall. Er durchdrang bas geheimnisvolle Raunen, bas aus Bäumen unb Büschen hervor- brang. Es war, als spräche bie Nacht mit geheimnisvollen Stimmen zu ihr. Die Melobie bie» fer Stimme war Sehnsucht, Sehnsucht nach Glück — Sehnsucht nach Liebe. Sie wollte es nicht, unb boch konnte sie iyrer Phantasie nicht gebieten: Sie sah plötzlich das herbe, schöne Gesicht Eckehard von Mackenroths vor sich. Sie , sah seine Augen mit leidenschaftlicher Frage sich in bie ihren senken. Sie sah bie männlich-verhaltene Güte, wie er sie ihr früher vor bem Tobe ihres Gatten gezeigt.
Dann wich bieses Bilb vor ihrem Geiste. Nun erblickte sie ihn, wie sie ihn heute abenb zuletzt gesehen hatte, mit bem zornigen, oerfteinten Gesicht. Warum tat sie das eigentlich alles? Warum benahm sie sich ihm gegenüber jo? Jedesmal, wenn sie mit ihm zusammen war, kam diese Unruhe über sie. Dann brachen Trotz und Feindseligkeit in ihr auf. Eben weil sie ihm gegenüber nicht die kalte Gleichmütigkeit wahren konnte wie gegenüber anderen Männern. Und warum konnte sie das nicht?
Hastig stand sie auf. Sie wollte sich auf diese Frage keine Antwort geben. Genug des träumens! Genua bes Grübelns — der morgige Tag brachte viel Arbeit!
Sie ging in ihr Badezimmer, wusch und duschte sich, machte sich für bie Nacht fertig. Die Uhr mit bem Leuchtzifferblatt auf ihrem Nachttisch zeigte bereits bie britte Stunbe. Eine milbe, graue Dämmerung kam schon über die hohen Baumgipfel des Parks. Der Abendstern stand blaß an dem Heller werdenden Himmel. Wie friedlich diese Stunde zwischen Nacht und Morgen war! Warum fand nur ihr Herz feinen Frieden?.
Aber mit der gesunden Kraft der Jugend kam doch der Schlaf, kaum daß sie sich niedergelegt hatte. In die ersten Träume hinein war es Barbara wie ein Räderrollen vom Wirtschaftshof her. Aber sie mußte sich getäuscht haben. Denn für den Milchwagen, der alltäglich von der Meierei in die Stadt fuhr, war es noch zu früh.
Eckehard von Mackenroth stand mit bleichem Gesicht vor den Pferdestallungen. Die Stute hatte trotz der Bemühungen des Tierarztes eben den letzten Atemzug getan. Doktor Wenczliczek war wieder abgefahren.
Nun stand Eckehard hier in der Morgendämmerung und sah grübelnd vor sich hin. Er hatte es doch für notwendig gehalten, ben Oberinspektor Rockesch zu rufen. Der war furchtbar aufgeregt gewesen unb ganz außer sich über bie töbliche Erkrankung bes schönen Tieres. Unb boch, Eckehard konnte sich nicht helfen: es war ihm, als wäre in dieser lauten Erregung des Vorgesetzten etwas wie eine ganz kleine Schauspielerei gewesen. Er würde diesmal darauf bestehen, daß man das Tier genau untersuche. Diese Sache ging nicht mit richtigen Dingen zu. Man mußte oahinterkommen, warum plötzlich der Viehbestand von Gut Schedlowitz solches Unglück hatte.
Es würbe seine letzte Aufgabe sein. Dann würde er seine Stellung hier verlassen. Sein Herz war voll schwerer Sorge, als er jetzt seiner Inspektor- wohnung zuging, um noch ein paar Stunden Schlaf zu suchen. Hoffentlich gelang es ihm, bald eine neue Stellung zu finden. Er hatte ja immer noch die Schulden abzutragen, die sein Vater kurz vor dem Zusammenbruch gemacht hatte. Der Vater hatte gehofft, mit Hilfe einiger großer Darlehen noch fein Gut retten zu können. Es war nicht gelungen. Ohne ein Wort des Einwands hatte Eckehard die Schulden des Vaters übernommen, obwohl er dazu juristisch nicht verpflich- tet gewesen wäre. Aber es war ihm unerträa» lich, zu denken, daß irgend jemand durch den Zu- fammenbrud) des väterlichen Besitzes Verluste erleiden sollte. Er würde arbeiten bis zum letzten, um diese Verbindlichkeiten zu tilgen. Er hatte ja aus diesem Grunde mit die Stellung bei Barbara von Stechow angenommen. Denn sie war bedeutend höher bezahlt als andere derartige Stellungen zur Zeit. Sonst hätte er sich niemals all diesem ausgesetzt. Er hatte gewußt, wie schwer es fein würde, seine Liebe zu Barbara Stechow nie- derzukämpfen.
Er hatte viel auf sich genommen, als er hierher zurückkam. Aber er hatte geglaubt, es tun zu müssen. Die Verpflichtungen, vom Vater her übernommen, mußten gedeckt werden. Persönliche Rücksichten hatten dabei zu schweigen. Jetzt aber war es zuviel geworden. Es gab Dinge, die sich kein Mann gefallen lassen durfte, wollte er nicht vor sich selber als ehrlos dastehen. Es mußte ein Ende gemacht werden.
(Fortsetzung folgt!)


